Hf* * 300 Zweiter Blatt
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Verlagen: „Siehener KamlUendlätter" und „Breisblatt für den Breis Stehen".
-ostschecttonto: Kranlfurl am Main Nr. NOSb. Vankverlehr: Sewerbebank Sietzen.
l66. Jahrgang
Donnerstag, ; Dezember lOsb
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Zwcllingsrundoruck und Verlag:
B r ü hl'sche Universuäls-Bnch-n.Stültdruckerei.
R. Lange, Gießen.
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Schulstra;;c7. Eeschäßs stellen.Verlag:
Schristleuung: 112.
Anschrift f.'ir Truht!achr»chten:AnzeigerCiepen.
Lloyd Georges Erklärungen.
"n (öß) Reuter meledt aus London: Lloyd George eicklarte rm Unterhause:
« vor diesem Hause mit der furchtbarsten
X i ü n e n ^ memm Schultern, die einem Menschen werden mnn.nämlich als der erste Ratgeber der Krone in bie,cm nesenhaiteil Kampfe, in den jemals ein Land verwickelt oui -^neg. van dessen Ergebnis sein Schicksal abhängt. Es ist der jemals geführt worden ist, der schwerste, den lemals irg>md ein Land hat duvck.ünachen müssen, und die ^tnge, du dabei aus den: Spiele stehen, sind die höchsten, die , in den die Menschheit gestürzt wurde, ^.^oueriner.eu. L:e Verantwortung der neuen Regierung wurde Plodlui verschntt durch die Erklärung des de u t s che n R e i ch s - ^nzlers, dessen Rede im Reichstag eine Rote folgte, die uns rurrril die B. reinigten Staaten ohne Kommentar übermittelt wurde. ^ie Regierung wird die Antwort in voller Ucbercinstimmung mit unseren tapferen Verbündeten geben. Natürlich sind be- relt<.. Gedanken aus-getauscht »vorden, nicht über di? Note, da diese eben erst nngetroffen ist. sondern über die Rede des deutta >7n Reichskanzlers, und da die Note tatsächlich eine Rcpro- vustion dreier ?üede ist, so eigentlich, auch über die Note. Ich erkläre Mrt Genugtuung, daß wir gesondert und unabhängig von- einander zu derselben Konklusion gekommen sind, und curf/, daß
ankrei d, und Rußland zuerst geantwortet haben, weil n« Over fei los vas Recht haben, die erste Antwort zu geben aus eure derartige Einladung. Ter Feind steht rroch auf ihrem (Gebiet, Mid u>re Opfer sind größer gewesen wie die unsrigen. Tiefe .UntwoN rft bereits veröffentlicht, icud im Naruen der Regierung erkläre ul., diese Anttvort durchaus und kräftig zu unterstützen.
Jeder oder iede Gruppe von Menschen, die leichtfertig und vhne genügenden Grund ein schreckliches Blutbad, »vie dieses fortfetzen wollte, würde ihr Getvissen mit einem Verbrechen be- sleckeu, das von einem Meere nicht abgewaschen werden könnte, ^tber aiidererseits ist es ebenso wahr, daß ein jeder oder jede Gruppe von Menschen, die aus einem Gefühl der Erschöpfung oder der Verzweiflung heraus, der: Kampf aufgäbe, ohne das höchste Ziel verwirilicht zu haben, wofür wir in diesen Kampf gegangen sind, sich der schwersten Feigheit schuldig machen würde, die irgend ein Staatsmann gezeigt hätte. Ich könnte dabei geflügelte Worte Zitteren, die Abrahoin Lincoln unter ähnlichen Umständen ausgesprochen hat: „Wir hali-en diesen Krieg für ein bestimmtes Ziel, ttnd zwar für ein universelles Ziel untenrommen, und dieser Krieg wird endigen, wenn dieses Ziel mit Gottes Hilfe erreicht m?-' ^ Zck hoffe, daß der Krieg, bevor dieser Augenblick eintritt, mcbt endigen wird.
„Land tvir imstande, dieses Ziel zn erreichen," fuhr Lloyd George fort, „wenn wir die Einladung des deutschen Reichökauz- lers annehmen? Was sind die Vorschläge? Cs bestehen keine Vorschläge' Wenn wir mit Deutschland, das sich selbst als Sieger ausrust, in Unterhandlungen eintreten. ohne irgend etwas über diese Vorschläge zu nässen, die es die Absicht hat. zu machen, so würden tvir unsere Köpfe in eine Schlinge stecken, deren Strick Deutschland in der Hand hält. England ist nicht ganz ohne Erfahrungen in derlei Dingen. Nicht zum ersten Male bekämpfen wir einen großen M i l i t ä rde s p o t i s m u s, der Europa bedroht, und nicht zum ersten Male werden tvir einen Milttärdespotismus zerknicken. Cs war stets eine beliebte Gewohnheit unter den größten der Despoten, sich als Hüter ldes Friedensengcks auszugeben wenn sie glaubten, dadurch ihren, abscheulichen Plänen nützen zu können. -Auf diese Weise pflegten die Despoten zu erscheinen, »venn sie es nötig fanden, ihre Eroberungen auszugleichcn oder die Truppen für neue Eroberungen zu organisieren oder an zweiter SteUe, wenn die Untertanen Zeichen von Erschöpfung in diesen Kriegen %u. erkennen gaben. Und der Aiffrnf zum Frieden geschah dann stets im Namen der Menschheit. Man forderte, daß dem Blutbad ein Ende gemacht werde, bevor es dem Despoten nach seinen eigenen Aussagen graute, wofür er jedoch an erster SteUe verantwortlich zu Machen ist. So griff er auch unsere Vorväter an, und sie sowie ganz Europa^bedaucrten es bitter, als die Zeit für eine Wiederbelebung seiner Streitmacht zu dem vernichtendsten Schlag benutzt wurde, der jemals der Freiheit Europas beigebracht wurde. Derartige Beispiele bringen uns dazu, diese Note mit einer sich auf Erinnerungen stützenden Unruhe zu betrachten.
Wir begreifen, daß wir, bevor wir eine derartige Einladung in günstige Erwägung ucl?men können, wissen müssen, ob Deutschland berc'it ist, der einzigen Bedingung zuzustimmen, aus Grund fvelchcr es möglich ist. den europäischen Frieden zu erlangen und aufrecht zu erhalten. Diese Bedingungen sind wiederholt durch olle füfrrenben Staatsmänner der Alliierten verkündet worden. Asguith hat sie wiederholt mitgeteilt. Es ist von großem Inter
esse, daß kein Mißverständnis in dieser Angelegenheit über Leben und Tod von Millionen herrscht. Darum »mederholt er noch einmal: Allgemeine Entschädigung, vollkommene Wiederherstellung und zweckentsprechende Garantien. Hat der deutsche Reichskanzler einen einzigen Satz geäußert, aus dem sich ergibt, daß er geneigt sei, einen derartigen! Frieden anzuuehmen?"
London, 19. Dez. (WTB.) Unterhaus. Nachdem Lloyd George geschlossen hatte, sprach -Asguith von der vordersten Bank der Opposition und sagte, seine erste Pflicht sei, Lloyd George von ganzem Herzen zu beglückwünschen, daß er das höchste Amt im Dienste der Krone übernommen habe. Wenn er von der Bank der Opposition aus spreche, so geschehe das nicht, weil er der Führer der Opposition sein wolle. Es gebe keine Opposition: sein einziger Wunsch sei, was immer er an Erfahrung besitze zur Verfügung zu stellen. (Lauter Beifall.). Die letzte Regierung habe in der wirksamen Verfolgung des Krieges nicht versagt. Es könnten Jrrtümer un U rteil vorgekommen sein, , aber keine Nachlässigkeit oder Trägheit. Asguith gab sodann einen Ueberblick über die Fragen, denen sich die Regierung aus dein GMete der Land-, '-see- und wirtschaftlichen Kriegssührung seit Kriegsbegiun gegenüber gesehen hatte.
. Lloyd George hatte seine Erklärung während der zweiten Lefung der Kr e d i t v o r l a g e abgegeben. Es fand nur eine kurze Debatte statt, die sich mit den Arbeitsfragen in Irland beschäftigte, worauf die Vorlage in zweiter Lesung angenommen wurde.
Der wahre Inhalt und Stil der Rede bildet eine Ablehnung des Friedens Lus Grund der einzigen Bedingungen, unter denen ein Frieden möglich ist. Der Reichskanzler ist nicht einmal davon überzeugt, daß Deutschland einen Angriff gegen die Rechte freier. Nationen unternommen hat. .Hören Sie hierzu, was die Note sagt:
„Nicht einen Augenblick sind die Mittelmächte von der Uebcr- zeugung abgewichen, daß ihre Achtung vor den Rechten der anderen Nationen nicht in jeder Weise mit ihren eigenen Rechten und rechtmäßigen Interessen vereinbar ist!" (Anmerkung der Redaktion: Die .Stelle in der deutschen Note lautet: „Stets haben sie (die Mittelmächte) an der Ueberzeugung festgehalten, daß ihre eigenen Rechte und begründeten Ansprüche m keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen stehen,G
Wann haben sic die Entdeckung gemacht? Wo war die Achtung für die Rechne der anderen Nationen in Belgien und S er - bien,? Das luar Selbstverteidigung! Ich vermute, die Deutschen waren durch Furcht zum Eindringen in Belgien, zur Niederbren- nuug der belgischen Städte und Dörfer, zur Hinschlachttrug von Tausenden von Einwohnern, alter und junger, zur Wegsührung der Ueberlebendeu in Leibeigenschaft veranlaßt worden. Sic süln- teu sie gerade in die Sklaverei in dem Augenblick, als die Note über die unerschütterliche Ueberzeugung hinsichtlich der Achtung der Rechte einer anderen.Ovation geschrieben wurde. Sind diese Gewalttätigkeiten das rechtmäßige Interesse Deutschlands? Wir wissen, daß es nicht ern Zeitpunkt für dni Frieden ist, wenn Entschuldigungen dieser Art für handgreifliche Verbrechen vorgebracht werden können. Zweieinhalb Jahre, nachdeni die Garantie durch grausame Taten bloßgcstellt wurde, gibt es da, frage ich in uiller Feierlichkeit, irgendeine Garantie, daß ähnliche Ausflüchte in Zukunft nicht wieder^benutzt tvcrden, um irgendeinen Friedensver-, trag umznstchßen. den man mit dem preußischen M'ilitärismus schließen^ konnte?
Diese Note und die Rede beuxisen, daß sie noch nicht das einfache ABC der Achtung für die Rechte der anderere gelernt haben. (Beifall.) Ohne Genugtuung ist ein Frieden unmöglich. (Beifall.) Sollen all diese Frcveltaten gegen die Menschlichkeit zu Lande und zur See durch ein paar fronrme Phrasen über die Menschlichkeit ioieder gut gemacht werden? Sollen sie keine Rechenschaft dafür ablegen? Sollen wir die Hand, die diese Grausamkeiten begangen haben, in Freundschaft ergreifen, ohne daß die Genugtuung augcboten oder gegeben ivird. tvelche Deutschland uns zu erzwingen überläßt, für jede zukünftige Verletzung, die nach dem Kriege begangen wird? Wir haben bereits damit begonnen. Es hat uns viel gekostet. Wir müssen sie jetzt so erzwingen, daß wir nicht unseren Kindern eine so schlimme Erbschaft hinterlassen. . So sehr wir uns alle nach Frieden sehnen, einen so liefen Abscheu rvir auch vor dem Kriege empfinden, diese Note und die Rede, n>elche sie verkündete,^ gewähren uns nicht eine großL Ermutigung und .Hoffnung füreinen ehrenvollen und dauerhaften Frieden. Welche .Hoffnung wird in diefer Rede geboten, daß die ganze Wurzel und Ursache dieser großen . Trübsal, der anmaßende Geist der preußischen M il i t ä r k a stc nicht ebenso vorherrschend sein wird, wie von jeher, wenn wir jetzt einen Frieden z u sa m m e n st ü m p e r u. tVeisall.)
Nachdem Lloyd George betont hatte, daß diese Rede, in der die Friedensvorschläge angeregt wurden, widergchallt habe vonr Ruhme und preußischen militärisck-eu Triumpl>c, erklärte er:
Wir müssen unseren Blick feft auf das Ziel gerichtet halten, für das wir in den Krieg cingctreten sind, sonst wird das groM: Opfer, das tvir gebracht haben, vergeblich sein. Tie deutsche Note erklärt, nur für die Verteidigung ihrer Existenz und für die Frei« heit ihrer nationalen Entwicklung hätten sich die Vcittelmächte ge- zwungezi gesehen, die Waffen aufzunehrnen. Solche Phrasen immgen selbst diejenigen, welche sie niederschreiben. .Sie sollen das deutsche Volk dazu verleitgn, die Pläne der preußischen Militär laste zu ertragen, welche stets gewünscht hat, der nationalen Existenz rreutschlnnos oder der "Freiheit seiner nationalen Entwicklung ein Ende 51 t machen. Wir hießen ihre Entwicklung, so lang sie guck ivar, aus bpi Pfaden des Friedens willkommen. Die Alliierten find in,dmen Krieg cingetreten, uni Europa gegen den Angriff der preußischen Militärherrschaft zu verteidigen, und sie ihn begonnen hat, müsien sie darauf bestehen, daß das einzige Ende die vollständigste und wirksamste Bürgschlaft gegen die Möglichkeit sein muß, daß diese Kaste j e m a l s w i e d e r d e u Frieden Europas stör! (Beifall.> Preußen war seitdem in den 5)änden dieser Kaste. Es ist ein schlimmer,, anmaßender, drohender, eisen- fresserischer, Verträge nach seinem Gutdünken mißachtendcn Nachbar, der ein schönes Gebiet nach deni anderen seinem schtvächeren Nachbarn mit seinem prahlerisch mit Angriffswassen gefüllten Gürtel wegnahm und' in jedem Augenblick bereit war, kundzutun, daß er diese Waffen gcbranch-eu »volle. Es war immer erni unangenehmer, rrc he stö re n de r Nachbar in Europa. (Hört, hört!) Es ist für diejenigen, taufelw>
Meilen entfernt leben, schwer, zu verstehen, was das für diejenigen bedeutet, welche in der Nähe leben. Selbst hier, mit dein Schutze des breiten Meeres zwischen uns, wissen wir. welch ein imruhestistender Faktor die Preußen loaren mit ihrer beständigen Drohung zur See. Aber selbst wir könuen auchl begreifen, was dies für Frankreich und Rußland bedeutet. Jetzt, da dieser Käneg von den Führern.der preußischen Militärpartei Frankreich, Rußland, Italien und uns selbst ausgezwungen worden ist, würde es eine pTQufanic Torheit sein, nicht daraus zu sehen, bar, dieses oäbch rasseln in den Straßen Europas, diese Beunruhigung aller harmlosen imd friedfertigen Bürger jetzt als ein Angriff auf das Völker- rcchjt behandelt werden muß. Das Wort allein, welches Belgien der. Zerstörung vreisgab, !vird Europa nicht mehr-befriedigen. Wir alle haben ihm geglaubt, wir alle vertraute:! ihm. Es gab unter: dem ersten Truck der Versuchung nach), und Europa wurde in einen Strudel von Blut getauchit. Wir wollen deshalb warten, bis wir hören, welche Bedingungen und Bürgschaften die deutsche Regierung a u b i e t e t — andere a l s d i e , b e s s e r als die, w e l ck> e e s s 0 l e i cb t gebrochen bat. Bis dahin wollen wir unser Vertrauen lieber in ein ungebrochenes Heer, als in ein gebrochenes Wort setzen. <Lebhafter Beifall.)
(Fortsetzung siehe 1. Blatt.)
Kriegsbriefe von der rumänischen Krönt.
Von unserm z-nm' rumänischen Kriegsschanplatz entsandten Kriegsberichterstatter.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Der Kronstädter Stadtpfarrer wied-ergefurrden!
Bukarest, 19. Dezember.
Der Kronstädter Stadtpsarrer Dr. Herfurth, Vikar der evangelischen Landeskirche Siebenbürgens, eines der Häupter des sächsischen Protestantismus, ist Mitte Septembep des Jahres durch die Rumänen t>erhastet und von Kronstadt fortgeführt worden, ohne daß es möglich war, über seinen Verbleib bisher irgend etwas zn erfahren. Wie ichi festgestellt habe, befindet sich Dr. .Herfurth mit seiner Frau, die ihn bei seiner Entführung begleiten durfte, hier in Bukarest. Es ist ihm, namentlich infolge Eingreifens des Königs von- Rumänien und anderer glücklicher Umstände, in seiner Verbannung leidlich gut gegangen. Weniger befriedigend hat es der gleichzeitig entführte katholische Stadtpfarrer Abt Dr. Meisel getroffen; er wurde auf dem Transport geohrfeigt und sonst gemißhandelt. (ßr befindet sich zurzeit in Gesellschaft anderer katholischer Llmts- brüder im Staatsgefängnis von HuS in der Moldau. Der protestantische Stadtpfarrer von Fogaros ist, wie hier behauptet wird, infolge von Mißhandlungen, die er auf dem Transport nach seiner Verhaftung erlitten hat, gestorben.
Adolf Z i m m e r m a n n, Kriegsberichterstatter.
Giefzenev Stadtthccrtee.
Das Märchen vom Danmenlutscher
oder
^Wunderbare Erlebnisse des kleinen Konrad im Lande Tripstrill.
Märchetn in 6 Bildern von H. S t c i n g 0 e t t e r.
?Rnsik von L. Marguth.
Es ist ettixis ganz Eigenes um das Land der Märchen und Wunder, der Kobolde. Zwerge, bösen unb guten Feen. Wie ein rosiger Schleier schiebt sich das Märchen-Traumland vor die grelle Wirklichkeit und in unsagbarer Farbenpracht, mit beinahe logischer Naivität imrd gemalt, geplaudert und schließlich ein Bildchen hingestellt, das so herLersrischend wirkt, daß eS ruhig auf den Namen „.Kunstwerk" verzichten kann." Unser deutsches Märchen soll gar kein Kunstwerk »ein! Cs soll, so aus der Mitte des Volkes einpor- gewachscn, dastehen, daß inan ihm anch in jenem Wünderlande. wohin es uns führt, anmerkt, wes Geistes Kind es ist und kvieviel Seele, Volksseele, in ihm steht. Das ganze Bekenntnis eines Volkes zum Menschentum kann sich im Märchen offenbaren, das ja nach allen Seiten freie Balm läßt und Verzeihung für alle Utopien gewährt. Was Wunder, daß man cs von jeher mit den prächtrgsten Farben aufgeputzt, ans die Bretter gestellt hat, »via es seinen Weg ganz allein »and. Wier nicht weiß, was so ein Märchen alles sagen, erzählen kamt, welche Unmenge von Empfindungen es auszulösen vermag, der gehe einmal ruhig in solch eure „Kinderoorstellnng" wie die heutige. Ter sehe sich vinmal bjie Hunderte von glückstrahlenden Gesichtchen an, die wie sestgebanntcn blitzenden Kinder- ougen und die vor Verwunderung ob des Geschauten offenen Mäulchen. und der beobachtete, wie ein chter Mann, der sein Enkelchen ins Theater geführt hat. ergriffeti wird, wiie ihm die Tränen selbst höchsteigen, weil ihn die Erinnerung mahnt und er Ehrfurcht hat vor dem Traunilandc seiner Jugend. Es »var »vahrlich nichts Geringes, »rxrs sich vor uns aufbaute. Aus feiuer Feder ist iu einer Folge von 6 Bildern, in anmuttger Sprache und entzückender Form ein Bühnenmärchen entstanden, das man ruhpi in die erste Linie der Weihnachts-Kindermärchen stellen kann. Der kleine Konrad ist ein ungezogerrer, fauler, kleiner Junge, bei dem keinerlei (Ermahnungen helfen und dem das Daumenlntschcn auch nicht ab^u-. gewöhnen ist. Boin großen Okikolas wird er daher am Weihnachtsabend mitten aus dem Kreise semer Eltern in dem großen. Tintenfaß, in das lReich Tripstrill nrrtgenommien, w«o >?r Rnores lernen soll. Bei dem alten Gärtuer des Königs Blimblamblorins anfgenomwen,
lernt er bald all sein Unrecht cinsebcn. ?lnck gelingt es ihm ducck) sein Zeugnis, die drei Minister Reniblemm, Dliinblamm und Bloni- blumm, die den guten alten König mii einer rosig gefärbten Brille Mid müde machendenl Schnupftabak lffntergehen und seine Tochter und damit das Reich dem feigen aufgeblasenen Prfirz Tuttifutschi in die Hand spieleti »ballen, zu entlarven. Gr erwirbt sich hohes Verdienst und wird, da er sich gebessert,, nach einem Jahre gerade am Weihnachtsabend wieder ins Elternhaus znrückgebracht, wo natürlich höchste Freude herrscht.
Die Aufführung war unter Leitung des Vers aff s e r s , Herrn Direktor H. S t e i n g 0 e 11 c r auf das sorgfältigste vorbereitet und brachte vor allem reizende Bühnenbilder. ?l»ich die Darsteller fanden sich geschickt in die ihnen gestellten ^Aufgaben. Helene Kall- mar war ein famoser miniterer Daumenlutscher, Wilhelm Hellmuth ein würdevoller guter alter König. Rudolf G 0 l l ein prächtiger Hofgärtner, Kürt L e r ch ein in Maske und Mimik fein gezeichneter Prinz Tuttifutschi, als Vettreter der gelben Rasse, Oskar F e i g e l ein zum Verwechjseln ältlicher Nikolas, ?5dolf Falken ein guter Edelnrarrn, Karl Stein me per ein flinker, beroegliicher Schneider mit der großen Schere und Hermine Wossidlo eins zierliche Prinzessin. Ti? Rollen der Würdenttägei' „Remblemm, Blimblamm und Blomblumvi" »raren bei Hans Wert hma n n , Ernst T h e i l i n g und Otto C 0 n r a di in berufenen Händen, »vie die kleineren Roklai bei Etüil Walden, Elli Dornhöfer. Ada Mahr, Hermann Baermann und Frieda Steuerwald. Tie vou Herru Ludwig Marguth komponierte Musik füate sich in leichten, anschmiegenden Melodien dem Ganzen gefällig an und trug zur Erhöhung des Gesamtei»idrucks bei, ebenso »nie die von Rudolf Goll »viedergegebeneel Gesangeseinbagen. Besouders zu erwälme»! tväreti noch die von Liua Oldini ein- sttidierteu und von Kindern aus-gesührteu Tänze, uroömt vor allem der von M e l 0 d i a und M a g d a l e n a N g 0 s e getanzte ??igger- tnnz gefiel, der die hervorragende Grazie und daS nuverfätsthtej Talent der beiden Kin.der vollauf zur Gelttmg kommen ließ.
Bei dem ttefen Eindruck mif die .Kindergemüter und der freudigen Aufnahme kann man dem Märchen nur redjit zahlreiche Wiederholungen wünscknen. Auch dürfte das Werkchen, das ans altem Bestände ans Licht gezogen, an anderen Bühnen »nieder Anfang sindeu, zumal es »oeder einen allzu großen technischen Llp- parat nock) kostspieliger neuer Dekorationen bedarf. W. M.
— ©in? Weihnachts-Uraufführung im Kasse- l e r tz 0 f t h e a t e u. ?lus Kassel wird uns gesckwieben: Ein neues Weihuachtsmärckien „Was das Christkind brachte" von Gustav P ickert, dem Charakterkomiker der Kasseler Königl.
oer oereil^ inemeie ersocgreime ^a,wuuce ge,cpr»?o?! hat. erlebte unter des Verfassers eigener Spielleitung am .Hof theater seine Uraufführung. Das Stt'ick, zu dem Rudolf Lörve-i eine aut volkstümliche Weiset: gestützt Musik komponiert hat schildert die bunten Abenteuer zweier Kinder, die ftd> aus Furch vor der strafe vom Elternhause entfernen, im Walde verirre» und einschlafen. Schöne»: Träumen, die ihnen die ganze G? staltensülle der deutscher Märcben»velt vorspiegeln, folgt ein böse Erwachen. Eine zigeunerhafte GauNer- und Kunstreiterqesellschas entführt die Kinder. Ms Trapezkünstler durchziehen sie mit de Bande die »veite Welt, bis sic schließlich im fremden Lande w» ihrem guten Onkel gesunden »oerden. Mitten mis einer Vorstellun> holt er sie heraus, und es ist natürlich gerade Heiliger Abend als dann der Onkel mit seiner Bescherung bei den beglückten Elter» eiutrifff. Der Dekorationsmeister durfte von dem ffrmeu .Beifall den die Neuheit fand, ein gutes Teil für sich beanspruchen.
— Die Erstaufführung des „Richters von Ka » chan" in Köln. Aus Köln mirb uns geschrieben: Die neue Oper des bekannten Musikschriftstellers und .Komtwnisten Ott- Neitzel „Der Richter von Kaschau" erlebte am Opern hause ihre erfolgreiche Erstaufführung. Im Mittelpunkt der nack einer Novelle von Jvkai gearlreiteten Dichtung, die gleichfalls von Neitzel herrührt, stcht die schöne Katheriu, die das unschuldig Opfer eines listigen Anschlages tvird, den der Dorfiichter Michael der Freund ihres Verlobten ^randor, gegen sie verübt As- Saudo aus dein Kriege zurückkehrt, ersticht sich Katheriu und Michael büß Awer seine Untat. Eine Fülle bunter Episoden und eine reizend! Schilderung des mittelalterlichen unganschen Do r fl eben s geben de'
• <L cl ^ r ""ziehendes Gepräge. Die höchst mannigfgllige
auw des Lokalkolorits nickt entbehreTide, gemäßigt moderne musffa lttche Jllnitratidit dejr Vorgänge bietet bei trefflicher Charakte; >' meisterlicher Orchcstertechnik auch reickie melodische Ge staltung des Jnnendramas. Die von Hofrat R e m 0 n d inszeniert! und vvn B r e ch er geleitete Aufführung war denkbar eindrnc!
— E r n e G a st s p i e l r e i s e d e s D eu t s ch e u T b e a l e r
n a ch S kan d t u a vie n Wie aus Gotenburg berichtet wird hat lungst der schwedische Kapellmeister Einar Niellsen als Bevoll machttgter des Deutschen Theaters in Berltti. Max Reinhardts ^^^Ä 5 ^rdrrektor Sophus Petersen ausgesucht, »md mit ihn Berhandlunanr über cm E)astsp!el des 'Deuffck>eu Theaters an Lorenzberg-Theater angefangen. Es handelt sich dabei „ich, un- txt tatet mmoexi Sttrdt, sondern um eine Ggsppje, reffe dies .Datschen Theaters nach bet skandinavischen Lmide m Jllö Zett ist dav kommende Früchahr in 'Aussicht geiwmmen


