Ausgabe 
15.12.1916 Zweites Blatt
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Ur. 295 ZweLer

Erscheint tügttch mit Ausnahme des Sonntags.

Vetlagen:Gjehener Familienblütter" und *Ureisblatt für den Ureis Gießen".

pOstfcheSkonts: Zrankfurl am Main Nr. N686. Vantvertehr: Sewerbedant Gießen.

Blatt M. Jahrgang

General-Anzeiger für Gberheffen

Freitag, |5. Dezember W6

ZwillingSrunddruck und Verlag:

B hl'jche Unwersüäls-Buch-u.Strmdruckerei.

R. Lange, Gießen.

Zchristleitnng. Geschäftsstelle und DruSerei:

Schulstrave?. GeschäflS>telle a. Verlag:

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LebensmitterschWiengkeiten in Italien.

Bis vor kurzem pflegten Regierung und Presse in Jtolren die wirtschaftliche Lage des Landes so darzu­stellen. als sei ein eigentliches Bersorgungsproblem über­haupt nicht vorhanden, nur daß die Bevölkerung mit der in allen kriegführenden und auch^ in neutralen Landern un­vermeidlichen Teuerung zu kämpfen habe. Nun mit einem- mal, im Zeichen der Kohlennot und unter dem Eindruck vor allem der sehr ungünstigen Ernteberichte aus den großen Exportländern, gibt man mehr oder lveniger offen zu, daß auch die Lebensmittel-, insbesondere die Brotver­sorgung Italiens auf Schwierigkeiten.stoßen könne, man mahnt zur Sparsamkeit, ja, man beginnt, die Bevölkerung auf eine Rationierung des Verbrauch vorzubereiten, die beim Fleisch schon eingesetzt hat und die natürlich bei einer an sich so anspriuchs losen Bevölkerung wie der italienischen schwerer als irgend sonst durchzuführen sein wird.

Die Mahnung zur Sparsamkeit mit allen Lebensmitteln ist heute das Leitmotiv aller Ministerreden. Den Anfang der Maßnahmen machte die Regelung des Zuckerverbrauchs und die Einschränkung der öffentlichen Beleuchtung. Am 30-, November hat auch bereits ein? Bestandsaufnahme von Reis stattgefunden, der bekanntlich für die italienische Volks­ernährung eine große Rolle spielt. Bei dieser Bestandsauf­nahme haben selbst die kleinsten Mengen, einschließlich der für die Aussaat bestimmten, angegeben werden müssen. Mit Rücksicht auf den sich immer mehr mindernden Rindvieh­bestand ist weiter bereits die Einführung von zwei fleisch­losen Tagen in jeder Woche angeordnet, die in Italien, wo der ärmere Teil der Bevölkerung auch im Frieden kein Fleisch zu verzehren pflegt, nur die bemittelten Klassen trifft.

Der Fleischverbrauch in Italien betrug vor dem Kriege -7 wir folgen den Angaben des italienischen BlattesSor­tiere Economico"« wenig mehr als ein Drittel des Vieh­bestandes und blieb immer ein wenig hinter der jährlichen Aufzucht zurück, so daß sich der Rindviehbestand in jedem Jahre um 10 bis 15 Prozent erhöhen konnte. Die Zahl der Schlachtungen betrug im Jahresdurchschnitt 1,9 Millionen Stück mit einem Nettoertrag von 3,1 Millionen Doppel­zentnern Fleisch. Seit Kriegsausbruch sind aber 5,3 Millio­nen dz verbraucht worden, statt der normalen 3,6 Millionen, d. h. die im Frieden zur Verfügung stehende Fleischmenge wird heute allein für das Heer gebraucht, und die Zivil­bevölkerung ist, sollen nicht die Viehreserven angegriffen werden, auf das aus dem Ausland kommende Gefrierfleisch angewiesen, von dem aber auch nur 7000 dz monatlich ein- geführt werden. DerCorriere Economico", der übrigens durchaus als Anwalt der Regierung auftritt, die vollauf ihre Schuldigkeit tue, sieht keinen anderen Ausweg, als die weitere Einschränkung des Fleischverbrauchs, befürchtet aber selbst dcwon ein starkes und sofortiges Emporschnellen der Preise für Gemüse, Früchte, Deigwaren, Fische Usw.

An (Getreide stehlen, wieder nach der Feststellung italieni­scher regierungsfreundlicher Blätter, rund 25 Millionen dz. von denen anscheinend kein Mensch weiß, wie sie gedeckt werden sollen. ^Die diesjährige Getreideernte in Italic: selbst war wiederum nur eine mäßige. Sie lvar anfänglich auf 52 Millionen dz geschätzt, nachträglich aber hat sich heraus­gestellt, daß sie 43 Millionen nicht übersteigen wird. Davon müssen von vornherein mindestens 6 bis 7 Millionen dz für die Saat abgezogen werden, so daß also knapp 41 Millionen verbleiben. Der Verbrauch an Brotgetreide betrug aber schon in normalen Zeiten jährlich 60 Millionen, und im vorigen Jahre mußten bei einer Ernte von 40 Millionen über 22 Millionen dz eingeführt werden. Nun ist aber der Verbrauch infolge des vermehrten Heeresbedarfs und vor allen Dingen infolge der verstärkten Nachfrage nach Brot auch seitens der Zivilbevölkerung eine Folge der all­gemeinen Preissteigerung der anderen Lebensmittel weiter gestiegen, so daß die italienischen Blätter auf den er­wähnten Fehlbetrag von 25 Millionen kommen. Dabei- ist die Welternte, wie ebenfalls schon gesagt, so gering wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Die Gesamterzeugung

der wichtigsten Getreideländer, die für die Entente in Be­tracht kommen (Spanien, Großbritannien, Italien, Nor­wegen, Holland, Rumänien, das europäische Rußland, die Schweiz, Kanada, Amerika, Japan, Aegypten und Tunis), an Brotfrncht ist auf 605 Millionen dz berechnet gegenüber 835 im Jahre 1915. Der Weltertrag beträgt noch nicht 3/ 4 des Ergebnisses von 1914 und ist um 7 Prozent niedriger als der Durchschnittsertrag der Jahre 1900 bis 1913. Die Ernte von Gerste und Hafer ist gleich schlecht ausgefallen und die Nachrichten ans Argentinien besonders sind alles andere als zufriedenstellend.

Transportschwierigkeiten und die Höhe des Wechsel­kurses erschweren die Lage noch mehr. Die Frachten der Northern Range" für die . Mittelmeerhäfen betrugen im Jahre 1914 nur 2 3 ,Ush pro Quarter. Heute werden 16V*sh gefordert. Die Versorgung des italienischen Marktes von Australien aus wäre bei diesen Preisen heller Wahnsinn, aber auch das amerikanische und europäische Getreide kostet heute dem italienischen Staat schon 60 Lire im Durchschnitt und man erwartet eine weitere wesentliche Preissteigerung.

So kommt die italienische Presse selbst zu dem Schluß, daß die Mahnungen zur Verbrauch ceirffchränkung, zumalin der gegenwärtigen Periode künstlichen Wohlstandes" und bei dergehobenen Lebenshaltung de^ Bockes" fruchtlos sein, daß man vielmehr ohne Einschränkuugszwang, d. h. Ratio­nierung auch des Brotes, nicht auskommen werde.

Auf den übrigen Lebcnsmittelmärkten ist zwar die Lage nicht ganz so kritisch. Immerhin macht auch die Zuckerfrage der Regierung erhebliche Sorgen. Einer Produktion von etwa 17 2 Millionen dz steht ein Jahresverbrauch von drei Millionen gegenüber. Vorräte sind absolut nicht mehr vor­handen, im Gegensatz zum Vorjahre, wo erhebliche Bestände blieben trotz der übereilten Ausfuhrerlaubnis für 650 000 6 z. Auch für die Deckung des Mankos beim Zucker weiß die eigene Presse keinen Rat. Endlich wird auch der beträchtliche Ausfall au Gemüse, besonders an Bohnen, beklagt.

Zu den Lebensmittelschwierigkeiten kommt dann der rapide Niedergang des Ein- und namentlich des Ausfuhr- Handels und die nicht wegzuleugnende Finanzkrisis. Kein Wunder, wenn heute die Kriegsbegeisterung in Italien so fühlbar abzuflauen beginnt!

Eine Erklärung

der konservativen Keichstagssraktion.

DieKreuzzeitnng" veröffentlicht folgende Erklärung der konservativen Fraktion des ,Reichstags:

Tie konservative Fraktion :des Reichstages ist, nachdem in der gestrigen Reichstagssitzung ihr Antrag auf Eröffnung der Be­sprechung abgelehnt worden ist, noch zu eingehenden Beratungen Kusammengetreten und hat einmütig beschlossen, zur Begründung rhrer Haltung nachstehende Darlegung der Oeffentlichkeit zu über- gebeu:

Zu dem bekanntgegebenen Friedensangebot erblickt die Fraktion eine Tatsache pvn großer geschichtlicher Be­deutung. Wenn wir unbesiegt und unbesiegbar auf der Höhe militärischer Erfolge die ,Hand zu Friedensverhandlungen bieten, so beweisen wir aufs neue die unwiderleglich? Tatsache, daß wir diesen Krieg nicht gewollt und nicht gebraucht haben, und daß wir die Verantwortung wie für seinen Beginn, so für seine Fortsetzung nicht tragen.

Welchen Erfolg das Friedensangebot 'haben wird, muß die Zukunft lehreu. Seiue volle Bedeutung als ein Beweis für unsere Stärke erhält der getane Schritt erst durch das Programm der konkreten Friedensbedingungenx mit welchem Deutschland und die ihm verbündeten Staaten in die Verhandlungen eintreten wollen. Tie Fraktion geht von der Vor­aussetzung aus, daß ein solches Programm besteht. Ohne es zu kennen, hält sie es für selbstverständlich,. daß nicht Verhandlungen zur Herbeiführung eines l Friedens um jeden Preis geführt werden sollen, sondern daß die in Aussicht genommenen Bedingungen einen Frieden verbürgen, der die heMsche Zukunft tatsächlich sichert.

Daß- die Kundgebung im Vollgefühl - unserer Stärke und Unbesiegbarkeit erlassen wurde, ist aus der Begründung des Reichs­kanzlers imd in dem gleich>z-eitig bekannt gegebenen Armee- und Marinebefchl klar und entschieden zum Ausdruck gekommen. Gleich­

wohl ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Ferndr Uns ihre Hilfsmittel der Lüge und Entstellung cmch in diesem Fülle nicht verzichten und den Lch-rrtt als eme Bitte des gesckiwäck-ten Deutschlands um Frieden Hmstelben werden. Aus diesem Grunde hält es die konservative Fraktion für nötig, daß auch der Reichstag das Friedensangebot mit einer wirk­samen Kundgebung des festen Siegeswillens be­gleitet. Aus den Aeußerungen aller Parteien, vielleicht, allem mit Ausnahme der sozmldemokratischen Llrbeitsgemein schaff, wäre Mit Sicherheit die Tatsache zu entnehmen gewesen, daß das deutsche Volk einmütig nicht, die Beschleimigung des Friedens um jeden Preis will, sondern daß es zum Kampf bis auf das Letzte bereit ist, soweit es gilt, .das Tasern und die Zukunft Deutschlands zu sichern. .

Für den Wunsch der Fraktion, ihrerseits die Grundgedanken auszusprechen, die sie bei den Friedensver'handlungen gewahrt sehen will, war aber noch ein anderer Gesichtspunkt maßgebend. Falls die Feinde auf das Angebot eingehen, so beginnen nunmehr die Verhandlungen über die Bedingungen, zu denen der Friede geschlossen werden soll. Zn diesem Augenblick ist es Pflicht der Reichstagsabgeordneten, an dem Orte, wo sie dazu berufen sind, auch ihre Meinung über die zu erreichenden Ziele zur Geltung Ku bringen. Das entspricht auch der Zusage des Reichs­kanzlers, wonach dem deutschen Volk und seinen berufenen Ver­tretern rechtzeitig die Gelegenheit gegeben werden soll, auch zu den Einzelheiten der Kriegsziele Stellung.zu nehmen. In der letzten Zeit hat der sozialdemokratisch-e Abgeordnete Scheidemann, leider ohne den nötigen Widerspruch zu finden, hierzu, Aeußerungen getan, die geeignet waren, über die Auffassung des deutschen Volkes und diejenige der Regierung falsche Vorstellungen zu erwecken. Die konservative Fraktion hält es für nötig, im entschiedenen und scharfen Widerspruch 'hierzu laus ihren bekannten Standpunkt auch jetzt Bezug zu nehmen. Sie geht von der bestinrmten Erwartung aus, daß die durch das Blut rmserer Tapferen erkämpften Vorteile zur Grundlage eines Friedens gemacht werden, der militärisch, wirtschaftlich und finanziell nach menschlichem Ermessen die Zukunft unseres Vaterlands sicherstellt.

Ob durch das Friedensangebot das damit verbundene Ziel erreich? werden wird, bleibt dahingestellt. Ter Armee- und Marinebesehl Seiner Majestät befestigt deshalb auch, in der konser­vativen Fraktion die Ueberzeugung, dasi, weiter gekämpft werden wird und mit Einsetzung aller Kampfmittel zu Wasser und zu Lande weiter gekämpft werden muß. Hinter Heer und Flotte aber stehen geeint und entschlossen der Reichstag und das Volk. Auck. sie werden unbeirrt durch die in Aussicht genommenen Ver­handlungen das Hindenburg-Programm der Heimat durchführen, wie sie ihm bei der Annahme des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst zugestimmt haben.

Draußen lauf dem blutigen Felde, in den Lüften, auf und unter den Wogen der See werden die entscheidenden Taten vollsührt. Die unvergleichliche Tapferkeit unserer Truppen zu Wasser imd zu Laude und die geniale und entschlossene Leitung ihrer Führer haben die Voraussetzungen geschaffen, unter denen es möglich geworden ist, als Sieger ein Friedensangebot auszusprechen; dir sind es auch weiterhin, die den siegreichen Frieden verbürgen.

Geri<cht»saal.

Frankfurt a. M., 14. Dez. Die Strafkamme» verwarf heute die Berufung des bekannten Milchhofbesitzers R i ch t e r - B a r t m a r. n vom Bartmannshof, der vom Schöffen­gericht wegen Ueberfchreitung der Höchstpreise für Vollmilch zu einer Geldstrafe von 1000 Mk. verurteilt worden war. In der Strafsache handelte es sich um Flaschenrnilch, die sich Richter mit 38 Pfg. das Liter bezahleil ließ.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

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Höchste Temperatur am 13. bis 14. Dezember 1916: -f- 4.5° C. Niedrigste , 13. , 14. 1915: + ] f 9°C.

Niederschlag 0,3 mm.

Gietzeirer Stadttheater.

Marcell Salzer-Abend.

Wenn Marzell Salzer seinen Besuch angekündigt hat, bann wann das Stadttheater so gut wie sicher mit eineln vollbesetztes Hause rechnen. Und wie sollte man auch Nickst gern eignen Abend dem nieversiegenden, nieverssgenden Humor dieses seltenen Mannes opfern, dessen ganzes Wesen heute noch so jungfrisch wie vor Jahren quecksilbrige Beweglichkeit und sprudelnde Lagune ist. Er gehört auch zu den Wenigen,die die Sonne im Herzen trag«:". Was er gestern abend brachte, Harmonika und Orgelklänge, wie er es selbst entrückte, aber mehr Harmonika und Orgel, war so recht danach iangetan, die Zuhöverschaft einen Augenblick die Sorgen und Lasten des Krieges vergessen zu lass«: und ihnen neuen Mut und neue Kraft zu geben,durchzuhalten, durchtznhaNen und durch- Msiegen", wie die Helden an der Somme, von denen er in einem packenden GedichteWolzogens" zu erzählen wichste. Oder die er­greifende Schilderung des Weihnackstsabends in den Karpathen, wo tausende von Kerzen über der Schneedecke flimmerten. Auch unter den heiteren Vorträgen gab es viel Zeitgemäßes,Das Lied von der Perle" der Trine, die Eier und Schmalz vonr Lande her in die Stadt sorgt, wenn man sich dieserProtektion nach unten" richtig zu bedienen weiß. Prachtvoll wie immer waren die Dialekt­vorträge, das bekanntereNord und Süd" von Thomia, das Salzer von Mal zu Mal breiter ausspinnt, der Holzhackerthomä von Rosegger, in unverfälschrer Mundart eine Geschichte aus Frankfurt, und andere mehr. Nicht vergeffen sein soll die Geschichte, warum der Privatdozent Adam Luley keine Professur bekommen konnte.

Das sind so einige Erinnerungen an das Programm dieses Mends. Aus die Wahl der Vorträge ko muck es ja hier gar nickst so sehr an, wie auf den Mann, der mit Hilfe seiner ganzen Persön­lichkeit etwas aus ihnen macht un0 es immer wieder versteht, die Lacher so sehr aus seiner Seite zu haben, daß sie sich ani Schluffe schon wieoer auf seinen Besuch im nächsten Winter fteuen.

vorweihnachten im Zelde.

Aus dem Felde wird uns geschrieben:

In die bittere Alltäglichkeit unseres Kriegst) astins stiehlt sich ganz heimlich ein Schlimmer von Poesie, oon sagenhaft fernem

Friedensglück. Ta und dort hebt ein Wispern und Raunen und Pläneschmieden <nt; in Wäldern und Gärten werden schon immer­grüne Bäume mit lprüfenden Blicken gemessen, und der und jener überlegt, wie er gerade das Bäumchen wohl in seinen Unterstand oder in sein Ruhelager verpflanzen könne; in den Schreibstuben halten kreischende Federn einen Augenblick inne, denn aus dem dürren Wald von Verordnungen, Befehlen und Listen steigt ein unerwarteter lieblicher Tust auf: zwischen der Anforderung von Handgranaten und irgend einem Verbot steht der Befehl, daß bis zu dem und dem ans dem Dienstwege zu Nrelden sei, wieviel Tannen- bäume die Kompagnie, die Kolonne, der Stab gebraucht. An was denkt unsere Heeresverwaltung nicht? Wie jeglicher Nachschub geord­net und geregelt, wie fast jedes einzelnen Mannes Wunsch nach Mög­lichkeit erfüllt wird, so wird auch dafür gesorgt, daß am Heilig­abend überall, in West und Ost, an der Küste, aus dem Meere ein Bäumlem oder sei's nur ein grünes Zweigldin. festlichen Glanz verbreite. Ohm wird's in allen Herzen vorweihnachtlich. Freilich, ein bißchen 'geseufzt wird auch dabei:Nun schon das dritte Christfest im Felde! Mein Junge kann sich mm schon am Tannenbaum freuen, und ich, kann mich nicht mit ihm freuen," aber alle Herbheiten, die in manch,er Brust da anssteigen, werden männlich überwunden, Und geder trägt in sich einen heimlichen kleinen Lick.terbanm. Das sind die ftendigen Sorgen: wie machst du den Deinen daheim das Fest leicht und schön?, aber auch die sröhlich.en Auflegungen: wie Mollen wir hier draußen in Feindes- land unser Fest begehen? Da fehlt es nicht an Ueberraschungen, allerlei Scherzen und Anspielungen, ein Gesangverein wird zu- sammengctrommelt und übt, iwie er meint: ganz unbemerkt, Wei'hnachtslieder ein, die Handwerker, die alles können müssen, werden airgestellt, der Kompagniesch^eiber verrät was von einer Liebesgabenkiste aus der unermüdlich, spendenden, ja opfernden (Venn jetzt ist das Geben im wahrsten Sinne ein Verzichtend Heimat. Ganz unbewrlßt wird die graue Mrklichkeit übersponnen von einem heinrlich, stillen Freudegefühl, das neue Brücken schlägt zwischen Feld und Heimat, und von der vordersten Sappe bis tief hinein ins Etappengebiet geht diese Vorweihnack;ctsstimmung, ohne cklle Sentimentalität, echt deutsch. Eben trägt eine vorbeifahrende Munrtionskolonne so ein grünes friedliches Bäumchen mit sich fort, als Zeichen des nahenden Festes. Und einer bringt- mir die große Mär, wir bekänien dieses Jahr große Ladungen mit den aller- sckönsten Ehriltbänmen aus der Walachei Weihnachtsbäume Sieges bäume!

Ein Wunoer der deutschen Bühnentechnik. Tre neueste technifch: Errungenschaft, durch welche die außer­ordentlich großen Fortschritte im technischen Betriebe unserer Buhnen charakterisiert , wurden, gehen fast ausnahmslos von dem Prinzip möglichster Zeitersparnis durch Szenenvorbereitungen aus. Äck.on vor einigen Jahren waren, wie der Bühneningenieur Carl Lroupetelrr im nächsten Heft der bei der Teich ft cn Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zeitschriftlieber Land und Meer" m den meisten großen deutschen Theatern neben den -^^ehbühnen und Schiebebühnen im Gebrauch. Dre Verlenkbuhne ist der Tiefe nack> in drei gleiche Teile geteilt 1 Al^fenkt werden können, daß man unter ihnen ausf: die WWtt Dekoration zu bergen vermag, so daß man die eine Deko­ration voll kommen verfenken kann, um gleichzeitig die neirm berau- rollen zu laffen. jac Schiebebühne, die neueren Datums ist, ist die, Dekoration auf niedrigen, auf KugelrSder» ruhenden Plateaus autgebaut wird. Diese fahrbaren Plateaus loa Magen, werden von einem besonderen Seitcnraum auf die Bühne gefahren. Ä,rc modernste Bühnenkonstruktwn nun stellt eine Brr- ..?° n rmd Schiebebühne dar. In diesem ^all ist die

Schiebebühne in, Unterbau des Bühnenbodens angebracht, so das, che Wagen imt deni fertigen Tekorationsanfbau gmau in den Schachr gefahreii imd dann cmporgehoben und später wieder vorsankt werden. -Vurdurch wird das sonst für den Nebabau der Schiebebühne benötigte Gelände erfpart. Neu ist auch eine zusammenklappbare Drehbühne, die rn zusammen geklapptem Zustand durchs einen Ber- senkspalt enrporgezogen und aus dem Bühnensußboden aufgeklappt werden kann. Um den für plasüsche Dekorationen notwendigen Aufbewahrungsraum und damit auch, die betrefflnden Kosten zu verringern, führte man neuerdings aufblasbare Tekoratwu^stücke em, die aus leicht imprägnierten Stoffen hergestellt sind und rnnerhalb wen^er Augenblicke durck, Preßluft aufgeblasen werden können Auf diese Werse verwandelii sick> harmlose, in irgend Aumn Wmkel liiiszubewahrende Tücher im Handumdrehen in riesige Baume Säulen usw Mn sind auch, doppelseitig be- mltzbnre .Kulissen, die aus beiden Seiten verschieden bemalt werden Der Kinemoatograph hat bisher nicht die von mmichen Leuten er- Uxrrww revolutionierende Umwälzung der Büchientechnit hm-twr- gebracht, sindet aber doch mancherlei Anwendung, so wird er be- sonders gut bei schwach erhellteu Bühnenbildern zur Darstellung von Gersterii oder onstrger beweglicher Wesen, in der Oper z B für den Walkürenritt, verwendet.