Ur. 2«o Zweiter
Ctfcfcftnf täglich mit Ausnahme des Sonntagg.
Verlag«»: „Stetzeuer 5 Kmiii«chlätter" und „Ureisblatt für den Kreis fkfien“.
PostscheSonio: Zrankfrrrt am Main Nr. U636. Vmttverrehr: Sr«erk»ebanS Sieben.
;öb. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberhejsen
Samstag. 9. Dezember M6
Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'fcheUniversüäts-Buch-n.Steindrnckerei.
R. Lange, Gießen.
Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäftsstelleu.Verlag:
Schristleilung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.
Nriegsbriese ans dem Westen.
Telegramm unleres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten^
Die Kämpft an der Somme und bei Verdun.
Großes Hauptquartier West, den 6. Dezember. Seit mehr als 14 Tagen, seit der letzte große englische
b€T BIllti9 rusammenbrach,
tonnte man versucht ,ein vom Eintritt der Winterruhe an
& redj€n Ä- Abschnitte Sailly-Peter Vaast- schwere Beschießung bei Tag und Nacht nicht ab. Auch die übrigen Brennpunkte der Aiigriffsfront, die «egenden von Kommeeourt, Beaumont, Geudeeourt und süd- !'ch.^s Nusses der Teil von Fresnes bis Chaulnes, da- ,.wl chen das Lelande westlich von Psronne. liegen zeitweilig .in schwerem Feuer, das daun wieder abflaut. Aber selbst in dieser ständigen Vorbereitung hat es oft den Anschein, als s ber uus urrt einer wirkungslos granatenver-
schwenden Schießerei lediglich über Truppenablösungen husche", die nnsohnehii! nicht verborgen bleiben. Jeden- lalls ist es Tatsmne, daß seiner artilleristischen Vorbereitung Nirgends ein willenskräfliger Jnfanterieangrifs mehr folgt. Seme Unternehmungen beschränken sich auf'Patrouillenvorstöße lue^oft mit der List und Vorsicht eines Indianernber- sattes m Szene ge etzt werden, ans die Entscheidung des Welt- c /benso^ wirkungslos bleiben müssen, wie eben-
solche Buschplankeleien rm ehemaligen Wildwest. Auf diesem Gebiete sind namentlich die englischen Kontingente erfindungsreich, aber nicht erfolgreich. Zuweilen ist die Absicht der örtlichen Vorstöße auch klar erkennbar. Die Offensive der -^erblindeten ist nämlich vielfach an Stellen stecken geblieben, die derart im deutschen Artilleriewirkungsfeuer liegen, daß o^stbllltUNg der täglichen Opferung von einer hohen ÄA von Toten und Verwundeten gleichkommt. Solche Schlachtbänke an seiner Front wünscht der Feind mit einem einmaligen starken Entschluß lieber durch die Opferung von würgen hundert Leuten an einem Tage, als durch die all- matzlichc Ausreibung von Tausenden auszugleichen. So sind Anlause, wie der vorqeftrigc englische aus die Straße. Le Sars—Bapaume zu bewerten, aber alle diese Teüunterneh- mungen haben den Franzosen und Engländern nur unver- baltnismaßige ^Verluste gebracht, ohne daß sie ihre Linie irgendwo um Fußesbreite vorschieben konnten. Die meisten dieser kleinen Vorstöße werden im Heeresberichte nicht erwähnt, da sie wirkungslos bleiben. Dabei verfügt der Feind noch immer über eine Uebermacht an der Sommefront, die nach deutschen Soldatenbegrisftn gegenüber jedem Feinde, der mit uns anbiuden wollte, überwältigend wäre.
. n «? u l alledem darf man vielleicht doch nicht schließen, daß die Verbündeten den Sommedurchbruch als aussichtslos ausgegeben haben. Die gefangenen englischen Offiziere bekunden übereinstimmend, daß ihre Heeresleitung die Angriffe
fortsetzen werde, um den Durchbruch zu erzielen. Die Franzosen sagen, man habe ihnen die Gewinnung der Linie Arras—Bapaume—Peronne noch vor Weihnachten versprochen, und dies zu erreichen, sei Joffre Ehrensache. Allerdings erklären diejenigen Engländer, die beim Abtransport unsere Verteidigungslinien gesehen haben, offenherzig, daß nach ihrer Ueberzeugung keine noch so große, für das Frühsahr neugeplante Uebermacht, unterstützt von nie dagewesenen amerikanischen Munitionstieferungen, jemals diese deutsche Verteidigungslinie durchbrechen werde, und darin haben sie recht. Sie werden niemals unsere Westfront durchbrechen —, sie mögen angreifen, wo und wie sie wollen! Aber bei der Erfindungsarmut des einmal in Bewegung gesetzten eng- uschen Angriffsmechanismus ist damit zu rechnen, daß die Sommeangriffe fortgesetzt werden, um das angehäufte Menschen- und Munitionsmaterial zu verbrauchen, sobald es die Umstände erlauben, z. B. sobald ein harter Frost die Unwegsamkeit des vom Trommelfeuer zerwühlten und von der Nässe vermorasteten Angrisfsgeländes überwindet. Sie mögen ankommen! Sie werden uns in Stellungen finden, die mit jedem Tage fester und schwerer überwindbar werden. Unterdessen wird die militärische Kraft zweier unserer größten Feinde auf dem im Verhältnis zu unserer doppelt quer durch Europa laufenden Verteidigungsfront so winzigen Abschnitt von Gommecourt bis Chaulnes, zwei unbekannten vieardi- schen Nestern, gebuiiden, denn, was die Feinde sonst an der Westfront in letzter Zeit unternommen haben — Feuerüberfälle oder Beschießung unserer Stellungen da und dort in Flandern, iw Artois, in der Champagne und bei St. Mihiel, oder Gasabblasungen ohne jede Wirkung, oder Patrouillenvorstöße, die überall lficht zurückgewiesen wurden —, brachten dem Feinde jedesmal erhebliche Verluste, ohne seinen zwecklos aufgeriebenen Truppenteilen den Gewinn der Freude an einem kleinen Teilerfolg zu verschaffen.
An der Verdunfront wird unsere Beschießung von Vaux und Douaumont weiter und ununterbrochen fortgesetzt. Der Feind entschädigt sich durch Dauerfeuer auf Hardaumont, welches aber nicht verhindern konnte, daß wir unsere dortige Linie gestern durch einen kleinen Vorstoß genau und restlos im Rahmen des Angriffsbefehles verbessert und gefestigt haben.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Allts StaM Und €<*nd.
E> ießen, 9. Dezember 1916.
. ** '3>ie Verwundeten-Beratungsstelle wurde auch nu Monat November rege in Anspruch! genommen und zwar m 41 Fällen, gegen 24 im vorhergehenden Monat. Bon den Ratsuchenden waren 10 aus dem Reserve-Lazarett Turnhalle, Altq Klmik 2, Chirurgische Klinik 2, Kath. Bereinshaus 12, Siechenhaus 4, Evang. Schwesternhaus 2, Kaufm. Bereiwshaus 2, Cr- sach-Wall. 2, bereits entlassene Kriegsbeschädigte 5. Bon den er
teilten. Auskünften betrafen Invalidenversicherung 26, Krankenversicherung 1, An gestellten-, Versicherung 3, Militärversorgung 6, Löhnungs^ fragen 2, Fa m i l i e n u n t e r stü tz un g 2, Sonstige Angelegenheiten 1. Die für die Ratsuchenden durch die ratungsstelle angeftrtigten Schriftstücke betrafen insbesondere die Beschaffung der Unterlagen für die Stellung der Anträge auf Invalidenrente, außerdem die Hinwistkung auf möglichste Beschleunigung des Rentenverfal-rens. Soweit bedürftige Kriegsbeschädigte in Frage kamen, wurden die Landesversicherungsanstatten ums Auszahlung eines Rentenvorschusses gebeten. Soweit trotz dauern^ der Invalidität statt Invalidenrente nur Kraukenrente bewilligt wurde, erfolgte Berufung an das Oberversicherungsamt. In einem solchen 'Falle Mivde die Landesversicherungsanstält durch das Oberversicherungsamt, vor dem der Versicherte durch die Bera- tuugsstelle vertreten lourde, bereits zur Zahlung der Invalidenrente bezw. Nachzahlung der ersten 26 Wachsen verurteilt. Eilt Arbeitgeber, der einem aus der Beschäftigung ausgetretenen.Kriegs-^ 'beschädigten .di-e ^Versichernugskarte der Augestellitenversicherungi unbestlgteriveise zurückhielt, bequemte sich durch die Einwirkung dev Beratungsstelle und unter Hintveis aus die gesetzlichen Bestimmungen alsbald zur Rückgabe. Jur übrigen stand die Beratungs- stelle den Kriegsbeschädigten auch in persönlichen Angelegenheiten! (Unterstützung der Angehörigen, Ueberweisung der Löhnung vermißter oder in Gefangenschaft geratener Angehörigen usw.) zuck Verfügung.
** Rechtzeitige (kn hla du n g der Güterwagen. Tie außerordentliche Inanspruchnahme der Güterwagen für unmittelbare oder nntielbare Zwecke der Heeresverwaltung macht es gegenwärtig der Eisenbähnverwaltung unmöglich, den Bedarf an bedeckten und offearen Wiajgen für andere Güter vollständig zu befriedigen.^ Da es von höchster Wichtigkeit ist, die rechtzeitige Heran s ch a f f u n g d e r L e b e n s m i t r e t, insbesondere für die großen Städte und Industriegebiete, unbedingt sicherzustellen, wird es Pflicht der Verkehrbetreibenden, alle Kräfte aufzubietcn, um durch s chnell e Entl a,dung den Wägenumlauf und dadurch die Wagenbestellung zu verbessern. Leider muß inuner wieder festgestellt werden, daß die Empfänger von Wagenladungsgütern nicht innerhalb der festgesetzten Fristen für die Entladung der Wägen sorgen.; die Verzögerungen sind oft ganz erheblich. Zum Teil bleiben die Wagen erst längere Zeit stehen, bevor mit der Entladung überhaupt begonnen wird. Dadurch wird die b a ldi ge Wi e d e r v e r w e n- d u n g der Wagen verhindert, mithin die A l l g e m e kn h e i t geschädigt. Die. Entladeverzögerungen wirken aber auch höchst nachteilig auf die gesamte Güterbewegung und Betriebsführung der Eisenbahnen. Es soll nicht verkannt werden, daß die Entladung und Abfuhr der Güter Mt der erwünschten Schnelligkeit zurzeit nicht immer leicht ist, weil es vielfach au Arbeitskräften und Gespannen fehlt. Unter geeigneten Verhältnissen ist die Militärverwaltung/ mich bereit, militärische Hilft zu stellen, falls sie hierzu in der Lage rst. Die rechtzeitige Entladung der Wagen wird vielfach auch durch zu starken Zulauf von Gütern für denselben Empfänger, namentlich dre Gemeindeverwaltungen und industriellen Werke verhindert. Hiev könnten die Empfänger durch bessere Anpassung der Zufuhr den En tlade schwiericffeiten Vorbeugen, oder wenigstens die weitere Zufuhr rechtzeitig einschränken. Es bedarf hierzu nur einer Ben a ch- ^Ich t r g u n g an die Eisenbahndi rektion, damit die betreffenden Versandstationen telegraphisch angewiesen werden, vorläufig ileinr werteren Wagen ziu stellen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen
Drittes Uonzrrt des Gietzener Uonzertvereins.
Freitag, den 8. Dezember 1916.
Kantaten von J.S.Bach.
1. Nr. 155, „Mein Gott, wie lang, ach lange"/
2. Nr. 61, „Nun komm, der Heiden .Heiland",
3. Nr. 40, „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes".
Wer Back' genießen will, der muß wissen, wie bcv Meister ,ftine Werke geschaffen hat. Sie sind nicht entstanden um äußerer .Erfolge willen die -oareu ihm nur als dem großen Kontra- /lpimktiker und Orgelspieler beschieden - seine Werke sirid der intimste Ausdruck ftores inneren Lebens. 9luf der Grundlage eines 'festen und verstehenden Familienlebens wuchs seine Seele in ,oll ihrem Reichtum und strömte in der Musik ihr Innerstes aus Was anderen Menschen Pflicht und Müssen, Erhöhung und Spiel Vergnügen und Freude vereinzelt erscheint, das vereinigte sich bei ihm in den einen Begriff „Arbeit". Tie Spuren der Arbeit, ferne Werke, spiegeln uns daher eine in sich vollendete PerföntichLcit wider, den den Kreis aller Stimnrungen und Empfindungen! vollendet umfaßt. Daß die Grundlage dieser Empsindungswelt eine religiöse, eine gläubige, vertrauende ist, erscheint last zwingend wenn wir den rulstgen, rverteven Frieden, der alle Koncpositionen schließlick) «Mt, neben die vielen äußeven Widerwärtigkeiten seines Lebens setzen.
Diese so unendliche Tiefe Bachs auszudenken und die Art seines geistigen Schaffens uns ahnen zu lassen, daß ist die Forderung. du wir bei jeder Aufführung stellen müssen, und die hat uns der Konzertverein unter der hingebeuden Leitung von Herrn Prof DraUtmann erfüllt. Die äußeren Schwcerigkeiten der Aufführung waren große, durch Vereinigung des Kirchenchors und des Akademischen Gesangvereins war es aber gelungen, einen genügend 'großen Chor Mammenzirbringen Tie durch hiesige Dilettanten verltärtten Mitglieder der Kapelle des Ersatz-Bataillons Jnfanterie- Reggments „Kaiser Wilhelm" stellten ein verständnisvoll folgendes Orchester dar und 'halfen so über Gießens größte mustkalische Schwrerrgkect hinweg. Die schwungvolle Linienführung der Strei- cher etwa im ersten Tell der .Kantate Nr. 61 „Nun komm, der Heiden Herland", dce: Trurmph-Müffk der Arie „Höllische Schlange" dev Kantate Nr. erschienen", das Staccato der Holzbläser
jw der Arre „Ehriftenkrnder freuet Euch" der gleichen Kantate wur- 'den, wre aucchvieles andere, mit feineni Verständnis wiedergegeben In Eger Brerte guolleir die Orchesterstrmmeiir in den Zwisch-en- '.javea der Vokalmuwk empor, ohne sich hervorzudrängen. In 'der Nuancicstung der Chore fanden wir manches ausae- zuchrwt wredergegeben Wie ruhig setzte das Fugato .mit dem Tenor im Anfangschor der Kantate Nr. 40 ein, um dann rnit schÄr heraus geholter Steigerung lebhafter zum Schluß m kommen- Wie gläubig fest und sicher erklang es uns im Choral in das Herz' „Mit Uns ist GM^mm in der Not", -. das war ein wirkliches „cautuL kirmuw ! Die zu überwindenden lNissikakischen Schwierig- kecken dre sich dein Chvr eutgegenstellten, fatb stellenweise recht er- beblrche, besonders da, wo die Melodiensührung in Orchester und ^rngstlMmen herschreden liegt, wie etwa in „Nun komm, der Heiden Herland', wo leicht cm Schwanken erntreten kann Die Cembalo Partie führte Herr Professor Drautmann am MÜgÄ aus und hielt dnber neben einer hingebenden Begleitung, )mc. Wir sie von rhm geahnt sind, die Leitung mit kräftiger ver^ stel-eiÄer Hand. Der Orgel waltete .Herr Görlach, wir find^ ihm für fern zartes, sich nie vorsrängeudes Spiel, das alle Register zu meistern hatte, sehr dankbar.
^ ./Hu. dem Erfolg des Abends bürgen vier Solisten bei. IN Fräulein ^ h x I b c Walther lernten wir einen sebr ausprechnr- den Sopran kennen, der den Schwierigkeiten der so beweglichen Me- lotnen Hem zu lverden > suchst. Fräuleiu E. G o t t h e l s t (Mt) verdanken nur den höchsten muftkatischen Eindruck des ?lhends in dem .wez^tatw „Die «Lchbange w im Paradies", es war eine reise,
ausgeglichene Leistung. Das Dwett mit dem' Tenor „Du mußt glchlben,^du Mußt hoffen" (Kantate 155) ertönte so Mild und trostreich^ und ward durch ihre ausdrucksvolle Sicherheit besonders! wirksam. Die funge Künstlerin hat sicher eine reich! Zukunft vor sich. Der Tenor des Herrn Rüge wurde leider durch eine schon in der Hauptprobe vorhärrdene Indisposition beeinflußt, so daß sein weiches, schönes Organ nicht recht zur (Geltung kam. Die fein und ft.cher empftindenen Rezitallve verfehlten trotzdem ihre Wirkung nickt. .Herr Kammerfchrger Ernst Everts lBaß) zeigte eine wohllautende, schnnegsame Stimuce, an manchen Stellen fehlt aber seinenr Organ die urwüchsige, Kraft, wie sie z. B. das Triumphlied „Höllisch Schlange" erfordert. Fein nuanciert war das Rezitativ der Kantate Nr. 155 „So sei o Seele, fei zufrieden."
Fassen wir den gesamten Eindruck der Aufführung zusammen, so war er ein rech harmvnischr. Alles war sorgfältig aufeinander abgestimnit. stellenweise war es, als ob Orchester, Orgel, Klavier, Smgltimwen in einen einzigen großen Akko-w zufammenflössen. Dankbar sind wir Herrn Prof. Traut ma n u für die feine ausgeglichene Art, mit .der vieles zum Vortrag kam. Tie Malerisch Donspinbolik Bachs wird manchmal, besonders in den Jlugeiro- kantaten, durch einzelne Worte ausgelöst (vergl. z. B. drei Stetten im ersten Recitativ 'der Kantate 155), und es liegt dann die große Gefahr einer besonderen Betonung vor, die aber dann den'Eindruck zerreißt. Selbst bei Solisten farat inan Manchmal diese unschöne Art finden. -—- Besonders im Gesamteürdruck gelungen schien has Alt-Recitativ „Die Schlange so im Paradies", begleitet voll den zarten wiegenden Rbtithmen der Streicher. Tic! Arie „Christenkinder freuet euch" ließ mit den srotzgenvutcu Figuren der Bläser fast ein altbcstanMntliches Bild von Gottesfveude entstehen: „Sie sollen seinen Namen preisen im Dauz, zu Pauke und Zither ihm singen" (Psalm 149). Dr. M.
Gberhessischer lkunstverein.
Weihnachtsauästellung.
Gießen, den 8. Dezember 1916.
Tie diesjährige Weihnachtsausstellung des Oberhessijchn Kunstvererns trägt das Merckmal Mder und vor allem verkäuflicher Kunst.. Es ist wenig Problematische zu ffndeir. Tastir lvcrden aber dre meisten Bilder einem geläuterten Geschmacke, der weniger Wert aus Originalität legt, entsprechen.
Einiges ist aus der vorhergehenden Ausstellung übernommen Es erübrigt sich, nochmals darauf einzugehen. Zu dem Neuen gehört erne Bllderreibe von P. Ehrenberg, München Ein Oelbild „Abendsoame," das das Brustbild eines alten Bauern in cnner durch,ftredeten Landschaft zeigt, fällt durch die großzügiae sarlug luteressaute Anlage besonders auf. 'Ferner zeigt der Künstler schone Pferdebilder von guter Auffassung, so „Weidepferde", „Vor der Jagd" und eiu intimes Bildchen einer „Alten Lübecker Dlle" Sehr beachtenswert sind auch die Landschaft „Vor Berchtesgaden" mit den herbstgelben Bäumen im Vordergrund und eure „Tänzerin" mit geschmeidiger Pose. Heftnatliche Motive bevorzugen zwei Kimst- ler, btt auch in ihrem Schaffen etwa gleichwertig siiid L Wucherer, Erviiberg, chbt eine Anzahl charakteristischer Motive aus Bra-.iNsels, Lrmbnrg imd Weilbnrg. Bcsonders glücklich rn der Stimmung sind ern auf Holz zart aufgetuschtes Bichcheu aus Limburg, ein etwas wässeriges Aquarell „Morgenstimmung ber Brmrnftls ' und die Aquarelle, die Torivrnkel beim Eingang zu Lchloß Braunftls wiedergeben. W. Geißler, Berlin, bevorzugt JJCiotüje des Schiffenberges, von denen einige überraschend feinsinnig behairdelt sind, so das große Bild des Hofes, das .Archen^ innere, bei dem man gern Mlf die Drein auch' der Hühner' verzichten winde, der „Schifftnberg vom Westen" und selfr wirkungsvoll mrt dem Ausblick ins Freie das „Kleine Tor". Ms Landschafter etwas modernererRichLmcg, schließt sich I. Niets che, München',
wat d^tiven <ws Bvd Orb an, die farbig crusgezerchmt lind. Es ftnd Bildchen, an denen man seine helle Freude
rnehr n-ach an den reinen Landschaften, als an bat Dorfbildern, wenn ,auch manches daran skizzenhaft wirkt. Sauber und ansprochend gemalt, aber ohne Eigenart, find die Lairdfchafstn 'von A. L utt eroth, Hanckmrg, von dem eine „Diele in Vier- landen wohl am stinimun^vollsten ist. dlußerordentlich reizvoll brs rns ftinstc sauber durch^führt, sind Landschaften van & ^.sthr, Frankfurt. Anna Beyer, München, zeigt zwei öUumenfttlleben voii harmonisch abgestimmter Farbenpracht, be- das der „Tulpen bei Lampenlicht" und ein.ebenso farbig lebhaftes Weebrld. -^stlleben und Zeichnungen Vvir Ist G r ä p e r > ^bgesack, irich fleißige Arbeiten, die aber hmter den vorgenannten! erheblich, zurucktreteu müssen.
Eine Sonderstellung im Rahmen der Ausstellung nehmen! dre machenden ,alteren Bilder von A. Schöner, Mümhen („Mcmch..^^ewrtter amder Ostsee"), L. C o r r e g g i o , München (,L)lwenhaftst ) und M W e s s e l i z, Wien („Perde auf der Weidr/0 em imd die erpvessronistlschen Gemälde von W. S t r a u b e Sayn ilirt ferne Bilder, die einzigen problematischen der Ausstellung anMknüpftn, was zum Verständnis der mußten Mmitbestrebungen beitragen würde, wenn die Zahl der ausgestellten GemaLe möhl.ern zu ivenig umfaffendes Bild von der Eigenart d« expresswnrstrschen Kunstrichtung gäbe. Aber schon an diesen wenigeik
Efangenes Lchauen, losgelöst dom tonventtonellen (öcichmacke, den prngen ganz neue Wort? abnötiqt die uns garnicht mehr beftemdeird vorkonrocen, ivenn wir dew Blldcrn voriirteilslos gogenübertreten. Ein ganz neues Erleben- erne, neue oftdankenwelt, ,teckt hinter diesen Werken, die zulm, wenigsten m ihrer Eigenart äußerst fesselnd sind. Man beobachte den formal gebundenen Farbenrausch des Pastellbildes „Rhein- anlagen den architcltoniichen Aufbau der Farben in ,Torsein- «W-ck. s^°vermiitige Melancholie der nickst so stark stilisftrdm Parr?trafft und dre in ihrer Abgestimmtheit wieder ruhige
^ deni „Atelier-Interieur". Aber auch, dre Brldniße atmen em eigenartiges Leben, sobald man sich erst
f l -Ä5f rc ^^^nplexe bedingten, befremdenden Farbtone der Geftchiter gewohnt hat, wre z. B. das Gelb und Grün ,ba £' <LU *^ Hrntergrun.de. Hingewieftn sei noch aus die
bas sehr interessante
^mwundeteill^ ^ verhaltenen Schmerz in der Lithographie des
Kleinplastiker ausgestellt: Bruno Eine weibliche Figlut" aus Terrakotta ?. - 3 n *P l ß e . r ' gebunden hu t und eine „Tanzendst^
Ichreitetek-tatifch dcchrn. Beiftr erscheinen aber die Plaketten, di« Sv irn ^? ctI ^. wundervolle Weichheit zu eigen haben.
Wrr ^cr wähiien ernrge Kinderköpfchen, einen weiblichen Rückenast erne ^.rlztmedorlle mich den kecken Schwung der Tanzenden, c w 1 e *- ' m 'beiwuern, daß die beschränkten Raume
der Ausstellung dazu zwingen, die Bilder zu dicht aneinander zu hängen, wodurch, Vieles an Wirkung verloren geht. ^
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Frankfurt M., 9. Dez. Dem Senckenberg-Mulcum vmrvm,rm abgelaufenen Berichtsjahr aus dem Felde zahlreiche Deck fehr wertvolle paläorckologische und mineralogische Frrnd- ^^ atc,T gemacht lfabeu, zugesandr. Biele der Älchen! wurden kürzlich in einer „.Kriegsausitellmich' den N'useumsbe- fucyern vorgeführt. - Ferner fielen dem Ainseum die bedeuten- om Schnellensamnlllnlgen der beiden im Felde gesalleiien lehrten Dr. Kauffmaim-Fmnkfnch a. M. und Karrdidat Hashagen- Brenien durch lctzttoillige Bestckmnrulig zu.
„Berlin, 8 Dez. (Privattelegrttmm.) Derschicdeuen .Abend- blaUern zufolge fit Adelheid von Schorn, Franz Liszts treue Freundm und letzte Gefährtin Ottilie von GoccheS und ihrer Söhne, in Weimar tm !Altcr von 73 Jahren gestorben


