Nr. 286 Zweiter Matt
*66. Jahrgang
Erscheint «glich mit Ausnahme de4 Sonntags.
veilngerr: „HieHeuer KamMeublStter" und „KwteWott für den Kreis Hießen".
psstsche Skonto: Frankfurt am Main Lr. **686. Vankverkehr: Gemetbebant Gießen.
General-Anzeiger für Gberheffen
vienstag. 5. Dezember * 9*6
ZwillingSrunddruck und Berlagr B r ü hlfche Unwerftiäts-Bnch-n.Stftndr»Äerei.
R. Lange, Gießen.
5chriftieitung. SefchäftssteSe und vrnÄerrit
Schiüftrnfze?. Geschäf.sstelle u. Verlag:
©cfjrifticitung: 112.
Ans christ f nr Dra htii a chr i chten: Anzeiger Gießen.
Eine Rede Enver Paschas.
Konstantin opel. 1. Dez. (WTB.) In der gestri- n ft a m ™ e r 1 1 u k $ brachte bec Kriegsminisber Enver af ^ bie neuen Kr edi^Vorlagen ein uni) führte au^, bafi diese Kredite sich auf spatere Zeiten beziehen. Die Regierung habe aber, da sie diesen Krieg möglichst bald zu beendigen wünsche, diese großen Kredite verlangt, um den ^anchs brs zum Endsiege fortsetzen zu Sonnen. Enver Pascha hob hervor, daß die türkische Armee, nachdem sie im Irak oie Engländer erledigt tmtte, mit den Nüssen zusammen- gestoßen und daß sie im Norden und im Westen sowie cur der ^ellahre-^Front gegen die Anglornssen vorgedrunqen sei nnd chnen die Pforten des Irak gesperrt habe.
. „Nunmehr" so suHr Enver Pascha fort, „haben die persischen nrieger regelmäßig Truppe nkörper gebildet, die von uns au^ rvittdeu und an unserer Seite gegen den Feind kämpfen ^Las cne Operattouen rm Kaukasus anlaugt, so war der Mangel an Verbindungen Schuld daran, daß die Tttippen Konzentrierung chcht entsprechend entwickelt werden kouMe und unsere Soldaten m Ersnidian sich ein loeuirg zurückzogen, bis die im Süden vvrft genommene Konzentrierung der Armee abgeschlossen war Der Rückz-ug wache ans militärischen Gründen angeordnet. Gleichwohl liat unsere Süoarmee Brtlis und Umgebung zurückgenommen und ne berertet sich jetzt auf weitere Kriegshandlungen vor. Das ver-, lorene Gebiet bedeutet nichts inr Vergleiche zu dem, das den Rumänen abgenommen wurde. Dies wird ein guter Trumps ber den Frredensverhaiidlungen sein. sAber ich spreche die Ueberzeugung aus, daß dre ottonvanische Armee ihre Ausgaben erfüllen und den. Femd aus dem Lande jagen wird. Wir haben nach Galizien, nach der D ' brndjscha, nack) Seres und Drama Mhlreiche Truppen gef nat. ^im mit den Verbündeten ziiffammenznwitteil und den gemeinsamen Feind zu besiegen. Unsere Truppen in der Do- brndscha tragen^r^rkiam dazu bei, die RussvricMäneu niederzuwecsen und sie haben Siege davongetragen. Die verbidrdeteu Truppen befinden sich gegenwärtig 12 Mo Meter von Bukarest Lebhafter Beifall). Die verbündeten Truppen im Süden und Norden Rn- inärftens haben ihre Vereinigung bewirkt, um den treulosen Feind zu vernichten. Die rrach Galizien gesandten Truppen haben, wie aus den Tagesbefehlen der deutschen Oberbefehlshaber hervorgeht, eine große Tapferkeit an oen Tag gelegt und sie erfüllen ihre Ausgabe in einer für den osmanischen Nam'en rrnd den Islam ruhmvollen Weise. Sie wiesen 17 gegen sie von den Russen mit stets erneuten Strettkrästen unterno mnrrene Wgttffe blutig zurück und behaupten nicht nur alle ihre (Stellungen, sondern drängen dmr Feind Über die benachbatten 2mkxi bet Verbündeten und machten viele Gefangene. (Lander Beifall.)
Was dre Balkan expedition anlangt, so wurden die os- nramschen Truppen dort hingeschickt, hauptsächlich um eine anderweitige Verwendung der dentsch-bulgarischen Äreftkräfte zu ermöglichen. Tie in Drama und Seres stehenden türkischen Truppen werden ihre Pflicht erfüllen. Die Entsendung einer solchen Menge von Trrippen außer Landes gefährdet in keiner Weise die Lage des Reiches: denn die Türkei besitzt genügende Streitkräfte, um ich Gebiet zu verteidigen und bedeutende Reserven, um sie nach außen zu icknckcn." Von der Aufhebung des Rechtes der Militärbefrerungen erhofft Enver, daß das Land außerordentlich starke Streitkräfte ge- unnnen wird, aber daß es gegenwärtig im Hinblick auf die Wirt- i chaftÄage nacht voiwEg sei, diese StreiSrafte unter die Fachen m rufen, sodann brandmarkte Erber Pascha das Vorgehen der Franzosen und Engländer, die Räuberbanden an der türkischen .'(lüste landen, dre ohne jeden militärischen Zkveck schweren Sckiaden verursachen, der allerdings zumeist die Urheber träfe, ohne irgendwie dre militärische Lage zu gefährden. Ueber die ägyptische ?r.pedrtion sagte der Kriegs minister: „Als die Operationen sich v'Urch von Aegypten abspielten, drangen die türkischen Truppen vor, um die feindlichen Kräfte zu erkunden, und zogen sich zurück um große Urrternechrungeu vorznbereitcn. Das in Aegypten be- wnUe Ziel ist keineswegs aufgegeben worden und die notwendigen stterttrafte werden zu geeigneter Zeit für die ägyptische Expedition verwindet werden.
- J5 ie in anderen Teilen A r a bi e ns' befindlichen türkischen haben ebenso ihre Pflicht getan, wie die in Galizien und rm 'Kaukasus. Die lebten Nachrichten aus dem Jemen melden, daß
Grctzeriev 3i(ttoitfocater*
Gesamt-Gastspiel
des Neuen Theaters Frankfurt a. M.
Aorick.
Schrzusprel in 3 Akten von T. Manuel Tamayo y Bans. Aus dem Spanischen übertragen von Johannes Fastenrath.
T. Manuel Tamayo y Baus. Wer kannte den Namen dieses ipanischen Vollblutdramatikers, bevor das Reue Theater Frankfurt aus Anlaß eines Festes der deutsch-spanischen Vereinigung lern Schauspiel „Norick" zur Ausführung brachte? Wer wird diesen voamzn vergessen, nenn er dieses Schauspiel gesehen hat! Hier wird es. offenbar, wird uns ,nit dem Temper-rMente des Südländers gesagt, was Theater eigentlich ist. Wie verblaßt doch die ergrübeltste psychologisch^ Spitzfindig leit gegen die geraden ungebrochenen Linien dieses Dramas, das nichts gdben will, wie Ausdruck, wie Theater und das doch die Seelen der Beteiligten eben durch diö O-ekonomie der Mittel eindeutiger klarstem, als alles stdmkenwerk. das, ohne weiter zu führen, die Struktur der Charaktere und des Stückes nur verwirrt. Es wäre nicht zu verwundern, wenn unsere jurrge Kunst, welche sich Er Pressionismus irenut, urrd mit sparsamsten Mitteln die größte seelische Erschütterung erzwingen will, in diesem Spanier einen Vorkämpfer finden wird, wie sie ihn für die Malerei in einem anderen Spanier fand, Theotooopulös, der, man seiner Abstammung nach El Greco hieß.
Und doch ist im „Yorick" kein sonderlich neues Problem ausgerollt. Yorick, der Komiker in Shakespeares Truppe, möchte irt feinem Alter auch den Lorbeer der tragischen Akuse auf sein Hjaupt drücken. Er erreicht es, daß Shakespeare ihm die Rolle des Hintergangenen Ehemannes übertragt, urtb erregt damit den Neid und die Eifersucht des großen Tragöden Walton, der aus Rache Yorick ahnen läßt, daß sein junges Weib Alice ihn mit dem Mgendlickjeu Schauspieler Edmund hintergeht: jeneni Edmund, den er als Waise in sein Haus aufgwwmmeu hat. Shakespeare,, der, ein gütiger, versteherlder Vater, unter den Mitgliedern seiner Truppe lebt, sucht das Unheil aufzuhalten und die umsich- sressende Eifersucht Yoricks abzudämpfen. Aber in dem entscheidenden Augenblicke, da der Eifersüchtige auf der Bühne einen Brief erhallen sott, der den Verdacht bestätigt, schiebt Walton einen echten Brief Edmunds an Alice unter, der der beiden Fluchtplan preisgibt. Das Spiel geht lveiter, aber die echte Tragödie erhebt sich hinter der tragischen Maske. In dem min folgenden Duell ersticht ?)orick leinen Nebenbuhler wirklich und Shakespeare, der zu spät kommt, das Schreckliche zu verhindern, tntt vor die Bühne, spricht schlichte Worte über Schuld und Sühne und teilt gleick-zeitig mll, daß Walton auf der Straße sein Leben eingebüßt hat. Wer den Richterspruch der ausgleichenden Gerech- tlgkert an Walton vollzog, ist ungellärt. Möglicherweise Shake-
Innsere Soldaten im Verein mit eingeborenen Kriegern die Engländer nach Aden gesagt und verschiedene englische Flottenunternehmungen zum Scheitern ^gebracht haben. Tie an sich unbedeutende Bewegung im Hedschas' konnte sich nicht ausdehnen nnd wird bald unterdrückt sein." Ter Minister schloß, indem er rühmend der Flotte gedachte, die zu dem Erfolge der Armee das Ihre beige- ttagen habe.
Ariegsarbett in Gießen.
Tie ebenfalls etwa vor einem Jahre vom „Gießener Anzerger" begonnene Artikelreihe „K r i c g s a r b e i t in Greßen" hat mannigfache größere Unterbrechungen erlitten und kann auch heute noch nicht als vollzählig angesprochen werden. Wenn auch die Fortdauer des .Krieges einen abschließenden Bericht über die Kriegsarbeit irgend «einer Organisation noch nicht ermöglicht, so sind wir doch gerne bevell, die Artikelleihe wieder aufßunehmen nnd schon letzt leinen Einblick in die Getriebe der verschiedensten Zwerge der Krregstätigkeit und Kricgsfürsorge zu geben, be- oor das Werk des Krieges, lvie wir hoffen, baL von Werken des Friedens fortgesetzt oder abgelöst wird. Wir lassen heute einen Bericht über die Krie^arbeit der Kriegsbeschädigtenfürsorge folgen, der in den näcAten Tagen an dieser Stelle noch eine ErgänMNg erfahren wird.
XXII.
Ein Fahr Kriegsbeschädrgtenfürforge.
(Gewerbehaus Kirchstraße 16.)
I.
In den ersten Tagen des Mai 1915 fand unttr dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeister Keller in dem Stadthaus dahier eme Versammlung von Verttetern der Militär- und Zivilbehörden und der verschiedenen Berufe statt, die über eine Organisation der Krregsbeschädigtenfürsorge beriet und zur Bildung eines Kreis- Hfr* "% i r t s a u s s ch u sses für die Kriegsbeschädigtenfürsorge" ir £ e ‘ Ortsgewerbeverein stellte dirrch seinen Vorsitzenden dem Ausschuß die Räume der Gewerbeschule für dessen Zwecke zur Verfügung. Nachdem namhafte Geldbeträge durch verschiedene Gönner, durch die Kreis- und Stadtverwaltung, den Ortsgewerbe- vereru und die Bezirkssparkassen in hochherziger Weise zur Verfügung gestellt worden waren, wurde unverzüglich an die Ausgestaltung der vorhandenen Räume zu Lehrrverkstätten nsw. herangetreten. Am November desselben Jahres niaren die Vorarbeiten beendet und am 6. Dezember konnte die Fürsorgetätig leit beginnen.
In den einzelnen Werkstätten wird den Kriegsbeschädigten. Gelegenheit gegeben, unbeachtet vom breiten Publikum und geleitet von Arzt und Fachleuteir, die durch schwere Verletzung lahm gewordene Muskulatur und die beschädigten und verstümmelten Glieder nach und nach wieder brauchbar zu machen und tun veränderten Verhältnissen anzupassen. In Sonderkursen, in Fach- zerchnen Denffch, Rechnen. Buchführung nnd Wcch'ellebre Soz Ge,etzlwbung usw. werden die früheren Kenntnisse wieder aufgefrischt und vetztiest und damill die Wiederbetätigung im seit- lurrgen Beruf gefördert, oder gar, rvenn die Beschädigung derart, ist, daß dieser selbst nicht wieder avsgeiwmmen werdeii kann, eine umlernung und eine Umschulung für einen zweckmäßigcai Beruf ermöglicht.
Der Ausschuß setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Vorsitzender: Oberbürgermeister Keller. Mitglieder:
Dekan Bayer, Obersteiger Freitag. Geh. Kommerzienrat Dr. Gail, Bautechniker Grobe, Beigeordneter Jüsttzrat Grünewald, Real- lehrer >Haggemüller, Architekt Hamann, Geh. Kommerzienrat Heichelherm, Rabbiner Tr. Hllschfeld.^ Bürgermeister Hirz von Watzenborn-Sternberg, iProfessor Tr. Krausmüller. Bürgermeister Kreillng von H euche lheim, .Eiserckneher Gustav Krüger, Tapezierer Ernst Laudenbach. Direktor May, Medizinalrai Dr. Oßioald, Geh. Medizinalrat Professor Dr. Poppert Rabbiner Tr. sander, Schreiner August Schecker, Pfarrer Schwabe, Gene- raloberarzt Tr. Siegert, Geh. Medizinallat Professor Dir Sommer Geheimerat Tr. Usinger, Vredizinalrat Professor Tr. Walther' Landgerichtsrat Wiener, Stadtverordneter Wrnn, Sanitätsrat Oberstabsarzt Dr. Zinßer.
Ter „Geschäftsführende Ausschuß" hat seine Tätigkeit so geteilt, daß die Herren Architekt Hamann, Prof. Dr. Krcmsmüller und
Oberstabsarzt Dr. Zinßer die Unterweisung im Geiverbehause leiten, Herr 'Landtagsabgeordneter Justizrat Grünewald die Berufsberatung und Herr Grobe die Stellenvermittlung ausüben.
Das Geschäftsbureau ist täglich von 8—12 und von 2—3 Uhr geöffnet. Ihm steht zurzeit der Kriegsbeschädigte Haas vor.
«An .ber .Erteilung des Unterrichts waren bis jetzt beteiligt die .Herren: Appel, Reallehrer (Buchführung und Wechsellehre), Blumhosf, Unteroffizier (Schön- und Links- 1 chreiben), Burg, Architett (Fachzeichneu), Trauelsen, Archi-- tekt (Gewerbliches Zeichnen), Freund lieb, Architett zu Friede tzerg (Bauzeichnen), F r i tz e l, Lehrer (Deutsch), G a r n o n, Zeichenlehrer (Fachzeichnen), Glühmann, Vizefeldwebel(Teutsch^ Rechnen, Erdkunde). Haas, K., Kriegsbeschädigter (Buchführung, Wech-sellehre, Maschinenschreiben), Haggemüller, Reallehrer lVorbereitungskurse für Meis^rprüsung, Rechnen, Änchsührung, Wechsellehre), Kirchner. Bureauboamter (Soz. Gesetzgebung:), Krämer, Realgymnasiast (SteTwgraphie), Loren tz, Gartenbaulehrer (Obst- und Gartenbaulehre), Roth, Leutnant d. R., Kriegsbeschädigter (Deutsch, Schöw- und Linksschreiben), San-i deck, Architekt (Bauzeichnen), Schuhmacher, Architett iBan- zeichnen), Seeg er, Dipl.-Ing. (Bauzeichneii), Seuling, Architekt (Bauzeichnen). Pionier Strack, Lehrer (Schön- imtH Linksschreiben, Deutsch).
II.
Die Tätigkeit sämtlicher Herren ist ehrenamtlich. Im Untergeschoß ist eine große Werkstatt für Holzbearbeitung, eine solche für Eisenbearbeitung mit Dreherei und ein« Schmiede eingerichtet. Eine größere Anzahl der Maschinen in der Schlosserei stellte die Firma Heyligenstaedt & Co. in dankenswerter Weise zur Verfügung. Tie .Änrichttmgen der Schreinerei und Schmiede lieferte die Handwerker-Zentralgeiiossenschast in Tarm- stadt. Für die Auswahl sämtlicher Arbeiten ist der Gesichtspuntt: maßgebend, nur prattische Arbeiten, die leicht verkäuflich sind und für die Betätigungsmöglichkeit der einzelnen Kriegsbeschädigtenj am zweckmäßigsten erscheinen, anserttgen zu lassen. So liefern die Schreiner-Arbeiten ihres speziellen Berufes und diejeiiigeu verwandter Gewerbe, und ungelernte Arbeiter fettigen u. a. Hammer und Karststiele, die Rechensabrikation spielt eine große Rolle u. a. m. In der Werkstatt für Eisenbearbeitung ist eine orthopädische Abteilung eingerichtet. In der Schmiede hämmett auck ein Nagelschinied tagtäglich seine Nägel, die Schmiede selbst liefert Karste, Hacken und Beile. Im Untergeschoß ist außerdem? eine Korbflechterei eingerichtet, die reichlich Fabrikate aus grauen und geschälten Weiden liefert. Im Erdgeschoß, in dem sich die Geschäftsräume befinden, ^ ist eine Schuhmacherei eingerichtet. An einer Strickmaschine lernen Kriegsbeschädigte eine lohnende Beschäftigung der Heimarbeit kennen, für die ein Webst u h l, ein altes Erinnerungsstück der früher aus dem Lande viel geübten Tätigkeit in Oberhessen, ein toeiteres Beispiel liefert. An! den Schrei b m a s ch i n e n suchen Linkshändige in einer für sie neuen Betätigung Uebung zu erlangen. *3)ie Einrichtung einer Buchbinderei u n d B ü r st e n b i n d e r e i ist ins Auge gefaßt, ebenso die einer Mustereinrichtung für Seidenraupenzucht. In dankenswerter Weise hat für diesen Zweck der Otts gewerbeverein/ sein Gattenstück' mit Manlbeerstämmchen bepflanzt.
Im ersten Obergeschosse findet Unterricht in Linksschreiben und gewerblichem Zeichnen statt. In der Gewerbeschule nimmt außerdem eine Anzahl Kriegsbeschädigter an allen? Fächern des gewerblichen Unterrichts kostenlos teil. Hierdurch ist es vielen im letzten Frühjalw leicht geworden, sich für die Meisterprüfung vorzubereiten, diese abzulegen und damit sich eine gehobenere Stelllmg in ihrem bisherig eit Beruf zu sichern.
Im Erdgeschoß ist außerdem eine dauenrde Ausstellung von verkäuflichen Arbeiten eingettchtet, die vis jetzt gut besucht war.
Alle Kriegsbeschädigten sind bei dem Stuttgatter Versicherungsverein gegen Unfall versichett.
Für alle Arbeiten wird den Kriegsbeschädigten eine tteine Entschädigung (Stundenvergütung) gewäl-rt, die allmonatlich zur Auszahlung an ihre Angehörigen überwiesen wird. Ein ausführlicher Arbeitszettel gibt über jede einzelne ausgefühtte Arbeit einen flareu Ueberblick, über die entstehenden Kosten und die Festlegung des Preises.
Ein Kriegsbeschädigter, Unteroffizier Löther, übt die Aufficht in sämtlichen Werkstätten aus.
speare selbst, da er kurz vorher erllätt hat, er wolle der Schlange den Kopf zertreten.
Man lieht, neue Probleme sind hier nicht ansgerollt, und die dramatstche Verwicklung ist nicht ungewohnt. Es genügt, auf dre Oper Bajazzo hinzuweisen, die eine ähnliche Handlung, noch dazu unter Komödianten, vorfühtt. Wer das diene, oder uns durch dre verharrende Tendenz des Raturalisnrus fremd Gewor- bene ist die hinreißende Zielstrebigkeit der Handlung, das ffebernde Blut des Dramattkers, von dem das ganze Stück durchpul st ist, unserem Empfinden restlos mittcißt in den Gang der Geschehnisse. Und nicht nur das Blut eines Dramatikers ist hrer am Werke, auch die Hand eines Dramatikers. Eine die Fäden klugschürzende und anstraffende Hand, der die Technik der Bühne u?d des Szenenbaues keine Schwiettgkeiten bereitet. Alles in diesem Schauspiel bewegt sich auf einer einzigen geraden Linie und alles ttägt dazu bei, diese Linie heraus zu arbeiten, so die Anlage der 5>andlung, so die Charakteristik der Personen, so nicht zuletzt dre maßvolle und dach eiirdrmgliche Sprache. Jnwic,veit an dieser ^ Sprache der Uebersetzer Fastenrath mit eigenem c?? laßt.sich ohne Kenntnis des Urtextes nicht jeftfteffen.
jedenfalls merkt man ihr die Uebersetzung nicht an uud das ist em sehr großes Verdienst.
Tie Mitglieder des Neuen Theaters Frankfurt hatten sich ganz den Anforderungen !des Stückes unterworfen. Nicht ein falscher Ton, nicht eine falsche Gebärde im Verlaufe des ganzen Abends. Wenn der Dichter an jenen Yorick gedacht hat, von dem Hamlet sagt - ,Ich kannte ihn, Horatio: ein Bursch von unendlichem Huvror" — und es ist nicht von der Hand zu weisen, daß Tamjayo y Baus an „diesen verflixt tollen Kerl" Shakespeares ankuüpfeu wollte, so hat vielleicht Eugen Klopfer den komischen Einschlag seiner Gestalt M wenig gekennzeichnet. Sonst war sein Spiel meisterlich in der ohnmächttgen Qual der halben Gewißheit und überwältigend in den Schmerzausbrüchen der entscheidenden Szenen. Daran koirnte eberrsowenig wie bei Leontine Sa ga n mancher Anklang an Sprache und Stil großer Vorbilder etwas ändern. Leontine Sagans Alice stand vornehm zurückhaltend mkd doch erschütternd im durchseeltcn Ansdruck als ebeubüttige Leistung neben Yorick. Robert Grü- ning ctülratterisiette vortrefflich die Medettracht des Tragöden V.alton und Otto W a l l b u r g spielte angemessen, wenn auch etwas unlebeiidig, den Lrebhaber. Erivähnl sei noch Edmund Heding der die Gestalt S)I>akespeares Mt herausarbeitete. Die Regie Direk- tor dltthur Hellmer, der das prachtvolle Zusammenspiel und das rrchttge Dempo zu danken ist, hatte auch mit den Dekvrations- mttteln unserer Bühne ansprecknride Räume zurechtgebaut.
Dem Stück und den Darstellern blieb herzlicher Beifall nicht versagt, ,o daß man hoffentlich auf eine Wiederholung rechnen kann. '
«
— Der unter dein Protektorat Sr. Künigl
Hoheit o es Grostherzogs von Hessen stehende Ver-
bet
I - , ^ ~ „ 1 _'' L,L ^ ^ " v a iuj t: L ii um ,/u IJ
I torvert ^ die Äirrtitfer des Verbandsgebietes, dre in
l^aen schweren Zeit aus eine bescheidene Vertanfsgelegen^it an- chmnesen sind, auch in diesem Iahire aus, geeigneie 'Werke der bildenden Kunst .Malerei, Bildhauerkunst und zeichnende Künstv) mn Verkans einzusendew wofür dem Verband eme Nlchmyoste Verfügung steht. Der Höchstpreis der em gereichten ^Ä-^^otrag von 250 Mk. nicht überschreiten Der Kunstrat ist j&ody befugt, in besonderen Fällen für einzelne Werke bis zn o00 Mk. zuzubillrgen. Es ist beabsichtigt, die angekanffen ^^ke nnt deii von: Kunstrat außerdem ausgewählten zu einer Ausstellung zu vereinigen, die Ende Februar 1917 im Frank- mrter Kunstverem eröffnet werden soll. Künstler aus dem Grost- herzogtum Hessen uno der Rhempfalz, die sich beteiligen «vollen erhalten nähere Auskunft durch den Vorsitzenden des Kunstan^-
Nlsses für Hessen und die Pfalz, Bürgermeister Mueller, Darmstadt.
. ^?^^nstlerische Vers all der Londoner Thea- ^^.Wahrekch-der .Ktteg den Spielplan der deutschen Theater in Mnsttgster Werse beeinflußt hat, indem eine Vertiefung des künstleri- säieu Publlkumsgeschmacks mit emer größeren Zahl von Aufsübrnn- wertvoller uno ernster Stücke Hand in Hand gehen, haben me Zermmstande m England das direkte Gegenteil, nämlich einen ?, e l aI - r ^ Tbeatzr vom I,tororis»<-n Standv^^ herbmgcsvhrt All» ,n London ,mi> die T>hv-ter sevr qut «füllt. ?ber^ d^s ,Publikum anlockt, hat nichts mit Kunst zu tun, ? eine Gattung dar. die ebensowenig geschmackvoll wie «verlvoll ist. Die britische Bühne ist seelenlos und kunstlos geworden, .schreibt der bekannte englische Publift st Twells Brer V 1 ]* 1 Mail". „Ter Grund ist hauptsächlich in der Tat-
Iw-tSt ba , , ' 1 h - XC ^beaterdirektoren in England nicht mehr
Künstler, sondern blop noch Kausleute sind. Die wertlosen Stücke der ^Londoner Buhnen scheineii den Wünschen des Publikums U eftksvrcchem «w die Theater täglich ausverkanst sind. Zumindest ist mes ern Beweis dakür, daß ein großer Teil des Publikums alten güttii Geschmack verloren, hat. während das literarisch inter- essierte Publikum angeekelt auf den Theaterbesuch verzichtet ^nmb . Mte liegt auch jdarin, daß alle an Kriegsarbeit
Verdienenden ins Theater gel-en und zahllose Urlauber nnd Rekonvaleszenten sich in der Hauptstidl aufl:afrcii Ein l^kannter Londoner sntwiststeller, den ich fragte, wie viele literarische Stücke gegenwärtig m Londvn geflnelt würden, gab mir zur "lnttrmtt- Ein Eg-s!" Lnülptsächlich wewon di-soqe» R°»nen dr- meist witzlos fmb. Berg-blich sucht man nach einmt
guten, ernsten Stuck und lelbst nach cine>n guten Lnstipsti Wäl'rend vor dem stiege ,tand,g wahrere Shaiafpeare-Stttckc auf dein Loft ttaitbenxft cs langst n,r Unmöglichkeit geworden Nikch nur ein emzige^ Shakespeare-s-iück zu sehen. Die Londoner Theaterttlnst steht bedenttich unter alleii Anzeichen des Verfalls.^


