Ausgabe 
30.12.1916 Erstes Blatt
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Gegend des Dorfes Swistelniki, versagten feindliche Posten und bvachten auf unsere Uferseite Material für Drahtnetze irnd Stachel- draht. Versuche des Feindes, den Dnjestr südlich Hulüz bei Simiroce zu überschreiten, wurden durch unser Feuer angehalten.

M o l d anfron t? Der Feind nahm mit beträchtlichen Kräften die Offensive aus der Front dorr dem Torfe Glashütte bis Sovsmezö .auf und besetzte, nachdem er untere Mannschaften zurückgedrängt hatte, einen Teil der Höhen nördlich südlich des Deftiany- und Oitus-Tales, östliche von Soosmezö. Der Kampf geht Port fort. Die feindliche Offensive wurde südlich Soosmezö pn Stehen gebracht. Eine unserer Batterien schoß ein feindliches Flugzeug ab, das in der Gegend von Tkuc zur Erde fiel. Führer und Bcokwchter wurden gefangen genommen.

Kan kasusfront: Tie ganzen Höhen des Man angeb irges fMich Wan wurden von uns besetzt. Die Türken weicheil iu der Richtung auf baä Dorf Jl: zurück.

R u m A n i s ch e F r 0 n t: Nach hartnäckigem Widerstande lvur- den urffere Truppen unter dem Druck überlegener feindlicher Kräfte in den Abschnitt längs der Bahnlinie in der Gegend Rimnicul Sarat zurückgedrängt und gezwungen, sich auf den Rimnikfluß zu r ü ck z u z i eh e n. Feindliche Angriffe an der Donau tour- den mit großen Verlusten zurückgeschlagen. ^ Westlich von Viziru nahmen englische Panzerautomobile hervorragenden Miteil an der Abweisung der feindlichen Angriffe. Der tapfere Komnrandaut der englischen Aütomovilabteilung wurde am 26. Dezember im Laufe eines Gefechtes verwundet, als er den Angriff des Feindes abwies. Jedoch schon am 27. Dezember leitete er von neuen: den Kamps seiner Panz-erautomobile, die den Feind veranlagten, die Flucht zu ergreifen.

Dvbrudscha: Angriffe des Feindes auf unsere Front wur­den überall durch unser Feuer abgeschlagen, mit Ausnahme an einer Stelle bei dem Dorfe Rachel, das vom Feinde in Besitz ge- Kommen ivurde.

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Umbildung des rumänischen Ministeriums.

Jassy, 28. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Harms. Das rumänische Mnisterium wurde durch die Zuwahl mehrerer Mitglieder der ehemaligen Opposi­tionsparteien umgebildet. Bratianu bleibt Ministerpräsi­dent und Minister des Aeußern; Coirstantinescu übernimmt an Stelle von Mortzun das Ministerium des Innern; Take Jonescn tritt als Minister ohne Portefeuille ein; auch Prinz Cantacuzene Gresianu und Jstrail werden Mitglieder des Kabinetts.

Englische Leichenfledderei.

Rotterdam, 29. Dez. (WTB. Nichtamtlich) TerNieuwe Rotterdamfche Courant" enthält eineu Bett äst aus dem englischen Unterhaus vom Donnerstag. Danach klagte Generalmajor Sir Charles Hunter über zahlreiche Diebstähle, die an gefallenen englischen Offizieren begangen worden seien. In fast allen Fällen, wo die Ausrüstung nach England zurückgeschickt wurde, waren sämt­liche Wettgegenstände gestohlen. Der Redner habe Hunderte von Briefen von Eltern erhalten, die über solche Tiabstähte klagten, auch (Generäle hätte:: ihm darüber geschrieben. Ein General schreibt, daß in 75 Fällen die Leichen von Ofsizieren vollständig der Wert­gegenstände Beraubt waren.Das muß durch unsere eigenen Leute geschehen sein!" sagte er.Mein Blut kocht noch, wenn ich an meine toten Osffzi-ere denke, allds war von ihren Leichen weg­genommen! Feldstecher, Uhren, Geld und Schmuckgegenstände. Die Leichen waren keinen Augenblick in den Händen der Türken gewesen. Kann man einen deutlicheren Beweis verlangen, daß unsere eigenen Leute diesen Raub begehen? Tie Diebstähle scheinen in der Zwischerrzeit vorgekommen zu sein, wo die Offiziere in der Feuerlinie getroffen wurden und der Zeit, wo sie das Hospital hinter der Front erreichten."

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Französischer Heeresbericht

vom 28. Dezember nachmittags.

Südlich der Avre wurde eine deutsche Abteilung, die sich den französischen Linien vor Quesnois zu nähern versuchte, durch «unser Feuer zerstreut. Nach neuen Meldungen gelang gestern die Minenfprengung der Franzosen in der Gegend von Beuvrargnes Vvllstärüng. Einer der entstandenen Tttchter fft 120 Meter lang zmd 40 Meter breit. Ans dem linöön Maas-Ufer schlugen die Fransen mühelos einen deutschen Handstreich, der sich gegen die Osthänge der Höhe 304 ttchtete, ab. Auf der übrigen Front war die Nacht ruhig.

Flugwesen. Es bestätigt sich, daß Unterleutnant Hottean ccm 26. Dezember über dem Walde von Baux sein fünfzehntes Flug­zeug abgefchossen hat. Mr demselben Tage holte Unterleutnant Guy ne me r östlich von M'isery sein vierundzwanzigstes und am fol­genden Tage fMich von Mcaisonnette sein fünfundzwanzigstes Flugzeug herunter. Ein anderes deutsches Flugzeug zerscKllte Eltern nach einem Luftkamps mit einem französischen Flieger bei Omiecourt am Boden. Englische Seeflugzeuge bervarfen gestern die Hochöfen von Dillmgen mit 1100 Kilogramm Bomben. Fran- zöfische Flugzeuge führten gesterr: und heute Nacht verschiedene; Bombardements auf die Bahnhöfe von Moutmedy, Pierpont und Longuyon, die von zahlreichen Geschossen getroffen wurden, aus. Desgleichen wurden 920 Kilogramm Granaten aus die Werke von Trionville um> Joenf (Btteuy-Becken) geworfen. Neunzig 120 mm- Geschofse wurden auf die Hochöfen von Rombach, sechzig aus die Hochöfen von Hagedingen geworfen. Zrvei französische Lenkluft­schiffe bombardierten die metallurgischen Werke von Neunkirchen.

Dom 28. Dezember abends:

Ms dem linken Maasufer belegte die feindliche Artillerie, von der unsrigen kräftig bekämpft, im Laufe des Tages die Stellungen an der Front Toter Mann Höhe 304 mit heftigem Feuer. In Lothringen glückte uns ein Handstreich auf einen feindlichen Graben -nördlich von Badonvillers. Wir erbeuteter: zwei Maschinengewehre. .An der übrigen Front Geschützfeuer mit Unterbrechungen.

An der belgischen Front im Laufe des Nachmittags beiderseitige Mttillerittätigkeit bei Dixmuiden und Het Sas.

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Die holländischen Kriegskredite.

Haag, 29. Dez. lWTB. Nichtamtlich.) Die Erste Kammer hat den außerordentlichen Kriegskredit von 135 Millionen an­genommen.

NaMrem die russischen Schiffsoffiziere als Gefangene auf das Unterseeboot genommen wurden und ein deutscher Seeoffizier mit einigen Unteroffizieren die Führung des Dampfers übernommen hatte, wurde dieser, begleitet von einem U-Boot, nach einem deutschen Hafen gebracht.

Hier stellte es sich heraus, daß es der von den Nüssen bei Ausbruch des Krieges im Hafen von Wladiwostock beschlag­nahmte Dampfer der Hamburg-Amerika-LinieSpezia" war.

Die einen Wert von vielen Millionen darstellende La­dung des Dampfers bestand aus: 100 000 7.5 Zentimeter- Schrapnells. 75 000 7.5 Zentimet.-Sprcnggranaten. 150 000 3.7 Zentimeter-Patronen, 250 000 Zündern fiir Spreng- granaten, 100 000 Zeitzündern, 125 000 Zündschrauben. 150 000 Kilogramm Trinitrotoluol (hochwertiger Spreng­stoff), 175 000 Kilogramm Röhrenpulver, 10 000 Kilogramm Schwarzpulver, 127 30 Zentimeter-Geschosse. 150 Zylinder mit Saure, 1 230 000 Kilogramm Blei in Barren, 7 Last­automobile, 200 Ballen Sohlenleder, 500 Spulen Stachel- draht und 6000 Eiselchahnschienen.

Die Schiffsverluste der Feinde seit Kriegsbeginn.

Berlin, 29. Dez. (WTB. Amtlich.) Fm Monat No vember sind 138 feindliche Handelsfahrzeuge von ins gesamt 314 500 Br.-R.-T. durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte verloren gegangen. Davon sind 244 500 Tonnen englisch. Außerdem sind 53 neutrale Handelsfahr­zeuge mit 94 000 Tonnen wegen Beförderung von Bann­ware zum Feinde versenkt worden. Das Monatsergebnis beträgt also insgesamt 408500 Tonnen.

Seit Kriegsbeginn sind damit durch kriegerische Maß nahmen der Mittelmächte 3 636 500 Tonnen feindlichen Han delsschiffsranrnsl verloren gegangen; davon finb 2 794 500 Tonnen englisch.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Stockung der holländischen Schifffahrt.

Amsterdam, 29. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Fisch­dampfer in Ymuiden haben ihren Bettteb eingestellt. Die Kapitäne :md Maschinisten der Fischdampfer haben beschlossen, nicht mehr auszufahren, da sie die Kttegsgewinnbesteuerung angesichts der Ge­fahren ihres Berufes im Kriege unberechtigt hoch finden.

... Rotterdam, 29. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Da die Ma­schinisten sich weigern, auszumustern, beginnt sich die Stagnation in der Fracht)chiffahtt auszudehnen.

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, London, 29. Dez. (WTB.) Lloyds meldet: Der eng- nsche DampferCopsewood" (599 Tonnen) und der norwegische DampferJda" sind versenkt worden.

Aus der Lust gegriffen.

B erlin , 30. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Me bekannte Kopenhagener Zeitung Politiken" veröffentlichte am 15. ds. Mts. eine Meldung aus Le Havre, in der auf Grund von angeblichen Aussagen russischer, aus den deutschen Linien geflüchttter Gefangener die Behauptung aufgestellt wurde, die aus Belgien abgeschobenen Arbeiter würden zur Anlage von Drahtverhauen, zum Ausheben von Schützengräben sowie zur Errichtung von Schanzen und Fundamenten für Ma­schinengewehre und Batterien unmittelbar hinter der Front ge­zwungen.

Diese Behauptungen sind, wie die bei den zuständigen Stellen eingezogenen Erkundigungen ergeben haben, vollkommen aus der Lust gegriffen. Daran, daß die zwangsweise zur Beschäftigung herangezogenen belgischen Arbeiter zu keiner Kriegsarbeit ange- halten werden dürfen, wird von deutscher Seite mit der größtes Gewissenhaftigkeit sestgehaltem

Der Seefrfeg.

Ein mit Kriegsmaterial beladener russischer Dampser erbeutet.

Berlin, 28. Dez. (WTB. Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote brachte vor einiger Zeit im Nördlichen Eis­meer östlich des Nordkaps den DampferSuchau" der russischen Freiwilligen-Flotte auf. Der Dampfer war mit Kriegsmaterial beladen und befand sich auf dem Wege von Amerika nach Archangelsk.

velgische Verbrecher.

m Brüssel, 27. Dez. Das belgische FlüchtlingsblattHet Baderland rn Paris brachte am 8. Dezeniber Artikel über die beangsttgende Zunahme der Verbrechen tu Belgien. Während an utelen Elen bitteres Elend herrsche und Hunderte von Arbeits- lv)en dem Hunger verfielen, müßte die Polizei Spielhöllen schließen. m bas Geld leichtsinnig, verspielt werde. BaMten drängen mit Revolvern in tue Häuser, und die leerstehenden Wohnungen'würden Mplündett. Ganze Banden non Uebeltätern gingen bttvaffnet auf Raub aus und lieferten, :venn sie überrascht würden, förmliche Gefechte gegen die Patrouillen. Wie richtig das Blatt informiert sei, zeige der kürzlich! veröffentlichte Bettcht über einen Prozeß wegenBandendiebstähle in Lüttichi. Wenn es jedoch versucht wird, me Lchuld an der wachsenden Demoralisation auf die zahlreichen schlechten Elemente zu sckffeben, die die Deutschen ins Land gebracht hatten (!), so mag der Borfall erneut beweisen, daß vielmehr die belgischen Verbrecher in der perfidesten Weise den Anschein zu erwec^n verbuchen, als seien ihre dunklen Taten von Deutschen auSgefühtt worden. Durch Urteil eines Feldgiettchtes in Brüssel ,rnd Xrm 15. November die 3 Belgier Alphons Weemaels, Charles Weemaels und van Repinger wegen schweren Tiebstabls und Waffentragens zu Zuchtshrmsstvafen verutteilt worden. Sie hatten sich! Nachts in ein von einem deutscher: Offizier bewohntes Haus :n Lennick-St. -Quentin eingeschtichen imb Uniformstücke des Offi­ziers und seines Burschen gestohlen. Sie sind dann vermeidet zu einem wohlhabenden belgischen Viehhändler in Anderlach go gangen und haben sich dott als deutsä-e Soldaten ausgegeben, die Befehl hatten, seinen Geldschrank zu durchsuchen, da er in dem Verdacht der Spionage stehe. Sie haben den Viehhändler und seme Haushältettn eingesperrt und aus dem Geldschrank 19 000 Franken genommen, die von der deutschen Polizei noch größten­teils Vorgefundenen und dem Besitzer zurückerstattet wurden. Wegen dieser Erpressung wird die Verurteilung der Täter noch, durch die belgischen Behörden erfolgen. So sieht es in Belgien mit dm. Greueltaten" aus, die man den Deutsche:: zuschreiben möchte Wie unmittelbar jedock.! die in Belgien wachsende Verwilderung tatsächlich mit der Arbettslosigkeit zusamnrenbängt, geht deutlich aus dem Prozeß wegen eines in Gevonsat-Fvasnes begangenen scheußlichen Mordes hervor, der zurzeit 'vor dem Schwurgericht in Namur verhandelt wird. Nach, demAmi de l'ordre" vom 15 De­zember hat der Betteidiger des einen Angeklagten Mr. Dembour wörtlich das Folgende über seinen Klienten gesagt:Tesourty war em braver Arbefter, Mhtte sich, gut, plagte sich hatt und war glück- lul) in mitteil der Sein^en. Zum Unglück kam der .Krieg und mit ihm der Müßigmig und der Hunger. Tesourty hatte keine Arbeit und es quälte ihn^ seine Familie im Elend zu sehen, ohne ihr heraushelfen m können. Gerade in diesem Augenblick trat sem böser Geist in der Person des Jvnniaut ein, eines vorbestraften diebischen und boshaften Menschen." Wahrlich, zwei Bilder von erschreckender Eindringlichkeit. Hier der brave, erst infolge van Arbeftslosigkett der Verführung durch, einen übel beleumundeten Landsmann erliegende Arbeiter, dort drei belgische Nichtstuer die ita Verbrechen durch freche Maskeraden als Untaten der Deutschen hinstellen möchten. Wer wird gegenüber solchen Zeugnissen noch wagen, du Ueberführung belgischer Arbeitsloser in gesundere Ver­hältnisse bei guter Behandlung und hohem Lohn als einen Akt der Barbarei lffnzu)tellen?!

kannten auf die Jahreswende gedichteten Liede zum Ausdruck! gebracht hat, d<rs da beginnt:Des Jahres letzte Stunde Ertönt mit ernstem Klang..." Vor der Einführung der neuen Rechtschreibung schrieb man Silvester oder Sylvester: die Anhänger der ersten Schreibung berufen sich darauf, daß das lateinische Wort silva Wald (Silvester bedeutet Wald­mann) mit i zu schreiben fei, die Freunde der zweiten Schrei­bung führten dagegen ins Feld, daß schon während des Ueberganges vom Altertum zum Mittelalter sylva statt silva geschrieben wurde und daß auch der in Rede stehende Papst selbst sich Sylvester und nicht Silvester genannt habe. Die Schöpfer der neuen Rechtschreibung haben der Einheitlichkeit wegen die Schreibung Silvester festgesetzt und dies mtt vollem Recht. Auf den Gymnasien wird die klassische und nicht die mittelalterlich-lateinische Sck)reibung silva gelehrt, und danach hat man sich, um eine Einheitlichkeit herbeizu- führen, bei der Schreibung des Eigennamens Silvester zu richten. Es wäre nur zu wünschen, daß man sich bei der Ein­führung der jetzigen Rechtschreibung auch in vielen anderen Fällen die Einheitlichkeit ebenso zum Muster genommen hätte wie im Falle Silvester.

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** Der Kalender für das Jahr 1917 wird unserer heuttgen Nummer beige geben. Der Kalender ist wiederum von dem heimischen Künstler Otto Ubbelohdc entworfen imd zeigt als Kopfleiste eine seine Zeichnung von Gießen mit dem Ausblick auf die drei Berge Gleiberg, Vetzberg und M'rnsberg. Ern be­sonderes Mittelbild gibt eine Ansickst des alten Rathauses in Gießen. Der Kalender bedeuttt wie früher einen wertvollen cünst- llettschen Schmuck für jedes Haus und trägt hoffentlich, was wir «toar noch nicht wissen, r nseinem Kalendarirtm' das Datum des küufttgen Friedens.

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Lebensmittelmarken.

Für die Zeit vom 1. bis 7. Januar 1917 habe» nach­folgende Lebensmittelmarken Gültigkeit:

Brotmarken der 1. Woche, gültig vom 1.-7. Januar 1917 ,äelschmarken , 1. , 1.-7.

Kartoffetmarken. 1. 1.7. ,

Zuckermarkei: Nr. 4 und 5.

Seifenmarkei: für den Monat Januar.

Bullermarken für die 1. Woche, gültig vom 1.-7. Januar 1917.

Für die Bezirke I, II und III wird, wie bereits bekannt gegeben, Tierlstag, den 2. Januar, in den Berkaufsstellen die Butter gegen d:e Marken her 1. Woche abgegeben.

Alle früheren oder die zurzeit noch nicht gültigen Dlarkeu werden nicht eingetauscht.

Geschäftsstunden des Städtischen Lebei:sinittelamtes: von 912 Uhr vorm., 24 Uhr nachm.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 30. Dezember 1916.

Spart mit Kartoffeln, denn fie muffen bis 18. August reichen. Silvester.

Das hätte sich der am 31. Dezember 335 gestorbene Papst Silvester I. bei Lebzeiten wahrlich nicht träumen lassen, daß an seinen Namen und an seinen Todestag sich dereinst fast :n der ganzen Welt ein so lusttges, fröhliches und übermüti­ges, ia ausgelassenes Treiben knüpfen würde, wie wir es bis zu dem gegenwärtigen schweren Kriege am Silvesterabend und in der Silvesternacht alljährlich erleben konnten. Der Name hat hier, wie so oft, mit der Sache nicht das geringste zu tun; es war seit jeher Brauch, den Uebergang vom alten Jahre zum neuen fröhlich zu begehen, und, da der letzte Tag des alten Jahres den Namen des heiligen Silvester trug so wurden ohne Rücksicht auf die kirchliche Bedeutung des Tages allerlei althergebrachte lustige und ausgelassene Bräuche mit diesem Namen ohne weiteres in Verbindung ge­bracht. An dem diesjährigen dritten Kriegssilvester ist 'frei­lich für das vor dem Kriege üblich geivesene lustige Silvester­treiben kein Raum, sondern wir rnüssen den Uebergang vom alten ins neue Jahr auch diesmal in ernster Stimmung be­sehen, in der Weise, wie es Joh. .Heinrich Boß in seinem be­

DasalteJahr1916 geht in dem trostlosesten Wetter zu Ende, das man sich denken kann, ttnaushürlich ttömt der Regen nieder, der die kurze Kälteperiode um Weih­nachten wieder abgelöst hat. Ob das neue Jahr, das nach An- Acht vieler dasFriedensjahr" heißen wird, als gutes Vor­zeichen einen klaren Himmel mit sich bringen wird, erscheint ehr zweifelhaft.

** Die Polizei stund e in der S i l v e st e r n a ch t hat nach unseren Erkundigungen an zuständiger Stelle in Gießen keine Verlängerung gesunden. Die Wirtschaftsbetriebe usw. müssen also wie bisher um 11 Uhr geschlossen sein.

* A mtl iche P ersonalnachri chten. Lbn 20. Dezem- ^ ^ Steuernnsseher Friedrich Hopfnerzu Mainz

ans sem Nachsnchen unter Anerkennnng seiner längs ährigeri treuen Dienste vom 1. Januar 1917 an in den Ruhestand vesietzt. Aus diesem Anlaß verlieh ihm der Groß Herzog das Allgemeinq Ehrenzeichen mit der JnschttftFür langjährige treue Dienste".

... Auszeichnungen. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt Referendar Wilhelm Klein aus Gießen, zurzeit Leutnant der Res. und Ordonanz-Ofstzier beim Jni.-Rgt. 118. Wehrmann Philipp Hahn aus Albach har das Eiserne Kreuz wegen Tapfer­kett m der Verdunschlacht noch nachträglich erhalten. Er steht zurzeit wieder im Ersatz-Bataillon.

** Aus russischer Gefangenschaft hat der am 16. September als vermißt gemeldete Mathias Mandler an seine Eltern geschrieben.

** 25jähriges Dienstjnbiläum. Am 1. Jarmar 1917 voll mden die Lokomotivführer Heinrich! K r a f s t, August T r e b i n g , Ludwig Schweitzer und Ludwig A f f hier ihre 25jährige Dienstzeit in der preuß. Hess. Eisenbahn-Gemeinschaft.

Vergeht die Briefträger nicht! die das ganze Jahr hindurch Tag für Tag in Hitze und Kälte, bei Regen und Schnee, früh und spät und besonders auch in dieser Weihnachts­und Neujahrszeit ihre Gauge machen, um uns von unseren Krie­gen: Briese, Zeitungen und Pakete nsw. regelmäßig, sicher uub» flink zuzustellen. Wo alles beschenkt wird und sich freut, sollten! auch diese pflichttreuen und unentbehrlichen Franei: m:d Männer nicht übersehen lverden.

** OberhessischerK u st verein. Tie Gemälde-Aus­stellung ist morgen Sonntag und am Neujahrstage geöffnet und von Dienstag ab wegen vollständigen Wechsels der'Gemälde einige Toge geschloffen.

** Verkehr mit Butter. Nach Mittellimq des Kommu­nalverbandes für Milch- und Speiseftttversorgung Großherzogttim Hessen in Tarmsbadt unterliegt der P r e i s ver von dieser der Stadt gelieferten Butter größeren Schiloankungen, so daß sich dieselbe nicht mehr an einen bestimmten Preis binden kann. Es 'wird deshalb der jeweils geltende Älcinvettaufspreis in den städtischen Ver- kaussstellen (Molkerei Gebr. Grieb) angeschlagen iverden.

** Zuckermarken. Wir verweisen aus die Bekanrttinachuna im heutigen Blatte.

** Schwarz -Weiß-Theater, Seltersweg 81. Die neue fachmännische Leitung ^bringt vom 30. Dezember bis 1. Januar ein gutes Festprogramm zur Vorführung. Als erster Schlager ist vor­gesehenMatta Niemand und ihre zwölf Vater", dramatisches Lebensbild in 3 Lkßten, mit der beliebten Hedda Bemon in der Hauptrolle. Ms zweites! Bild die dreiattige EhttvagödieTer König des Meeres", Schauspiel aus der vornehmen Gesellschaft, sowie oas übrige reichhalttge Beiprogramm. Vom 2. bis einschl. den 5. Ja­nuar steht auf dem Spielplan: Der große Detekttvfilm ,Jm Bann« ftemden Willens", Drama aus dem Reiche der Wissenschaft mtt Walter Wassermann vom Deittschen Theater in. der Hauptrolle; weiter das zweiakttge LustspielHurra, Einquattierrmg", sowie das übrige gut gewählte Beiprogramm.

** Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 hat ans dem Spiel plan vom 30. Dezember bis einschl. 1. JanuarDas L i cht i m Du n ke ln", einer der so beliebten Tetekttv- und Kri­minalschlager in 4 Akten mtt Mwin Neuß. Als zweiten Schlager Wenn drn dasselbe tun", spannende Dttektiv-Konrödie in drei Akten. Dazu das gute Beiprogramm.

Landkreis Gießen.

** Birklar, 30. Dez. Gefreiter Karl Reidel von Birklar, im 2. Marine-Jnf.-Ngt., erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klaffe wegen Tapferkeit vor dem Feinde.

i. Ettingshausen, 30. D^. Die Hessische Tapferketts- medaitte erhielten aus unserem Dorfe folgende Krieger: Wehrmamr Ludwig Damm, Kttegsfteilvittiger Lichtsignalist Hermann Sommer und Philipp Albach, Sohn des Phllipp Albach. Der letztere wurde zugleich zum Unterofsizier besördett. Mit dem eisernen Kreuze 2. Klasse wurde Hugo Keil ausgezeichutt.

-m, Hungen, 30. Dez. Der Gefreite Karl Schwarz in: Dragoner-Regt. Nr. 24 ivurde bei den Kämpfen auf dem südöst­lichen Kriegsschauplatz mit der Hessischen Tapferkeitsmednille aus­gezeichnet. Der 19jährige Otto Hehler, der wie sein Vater in Rußland kämpfte, erlitt den Heldentod. Der wegen seines ruhigen Wesens beliebte junge Mann war erst vor einigen Wochen aus­geruckt.