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Der »1etze«cr Avze^er
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Erstes Blatt
5amstag, 30. Dezember typ»
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Krmttfurt a.M. N686
General-Anzeiger für Oberhessen
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Neue Fortschritte Mackensens.
Der Jahreswechsel.
Gietzen, 30. DezemVer.
Wer nrft auf der Schwelte des neuen Jahres die entscheidende Losung? Wir harren und horchen seit beinahe drei Wochen. Jetzt heißt es, daß am heutigen Samstag in London die Antwort an uns abgehen soll: oder vielleicht geschieht es am Sonntag, darnit in der Silvesternacht lär- merche Spukgestalten die Friedenslichter verlöschen und dem anbrechenden Jahre 1017 mit einem neu entfachten Höllen- feuer des Krüeges ins Angesicht leuchten. Dann stehen wer ernst und still vor dem neuen Zeitabschnitt. Für einige Stunden verstummen alle rauschenden Stimmen unserer ausgeNTuhlten Zeit. Der Deutsche will irn inneren Herzen spüren, was er erschafft und was ihm daraus begegnet. Heute klingt uns noch das Wort des Zaren an seine Wehrmacht im Ohr, voll Vermessenheit und Unbesonnenheit in die Welt geschleudert. Da werden für Rußland Kvnstantinopel und die Meerengen verlangt, ferner, als billiges Lockmittel für pbantastische Widersacher in dem durch Deutschland und Oesterreich-Ungarn geschaffenen neuen Pufferstaat, die Schaffung „eines in allen drei gegenwärtig getrennten Teilen freien Polen" angepriesen. Auch sollen wir erst aus den russischen Gebieten Vertrieben und „endgültig zerschmettert" werden i— io, so Heißt es in dem Erlaß des Zaren wörtlich! — damit urc3 bcmij)er Friede aufgezwungen werden könne. Das ist eine Sonderantwort des „heiligen fMßlcrnd" auf den 21ppell Wilsons, auf die wohlmeinenden Anrufungen der Neutralen, die sich seit gestern um drei weitere, nämlich die der kleinen Nordftaaten, vermehrt haben. Es sind noch dieselben Ziele, die uns in den Verteidigungskrieg gedrängt haben. Und wie der Selbstherrscher den Taten und Tatsachen der abgelaufenen Kriegs^eit Gewalt antut! Wir sind es zwar von seinen früheren Erlassen gewöhnt, daß er abgrundtiefe NiÄwrlagen in ruhmvolle Erfolge ummünzt, allein die Keckheit, mit der er das Kriegsjahr 1916 in den Hekden- tmnzer der Entente hineinznzwangen sucht, übersteigt alles Dagewesene. Er spricht von unseren „furchtbaren Niederlagen im Frühling und Sommer 1916"", von dem Nahen des e^gültigen Verlustes unserer Widerstandskraft, das uns Mn Friedensvorschlag angetrieben habe. Die „zeitweiligen Erfoi^ek" Mackensens und Falkenhayns sind, so erllärt der Zar, rrur dein Umstande zuzuschreiben, „daß Rumänien noch tkine Zeit hatte, sich Erfahrung über die gegenwärtige Art der Kriegführung zu erwerben"". Ueber diesen Satz, der .Heiterkeit in die grausen Drohungen rnischt, werden alle Kobolde, die in der Silvesternacht noch ihr Wesen treiben, ein homerisches Gelächter anstimmen. Wenn die Russen durch Erfahrung so klug und stark geworden sind, warum haben sie Mackensens Sieg bei Rimnicul-Sarat nicht verhindert? Warum sind sie nicht früher erschienen, die Schützer und Verführer der kleinen Staaten?
> Me die Zukunft sich gestalten lvird, wissen wir nicht. Aber wir wissen, wie das Kriegsjahr 1916 in Wahrheit aussieht. Wenn es auch nicht die Sieges- und Friedenskrone trägt, so hat es die Mittelmächte doch ans der Bahn des Endsieges voran gebracht. Wir nennen seine Fortschritte nrit Stolz und Zuversicht. Englands neu geschaffenes Heer war auf der Bildfläche erschienen, und in ungeheurem Auf- wande von Munition und anderem Kriegsmaterial begann nurn die große Frühjahrsoffenstve, um gleich ans Ganze zu gehen, an die „Zerschmetterung"" Deutschlands. Alles war vergeblich. Die deutsche Mauer hielt stand. Zwei neue Feinde erhoben das Haupt gegen uns, und nun pochte jedes deutsche Herz vor heißer Erwartung, denn der Kaiser berief den Helden von Tannenberg und Masuren an die oberste Spitze des Heeres, wir sahen einer neuen Art der Kriegführung entgegen, gegen welche die „Unerfahrenheit"" der rumänischen Kriegsmacht, von der die Gegner die Errtscheidung erhofft hatten, in einigen Wochen schon Schiffbruch erleiden mußte. Die Enttäuschung der Gegner erneute sich, und heute erinnert uns ihre scheltende Zurückweisung unseres Frie- derrsvorschlages lebhaft an die wachsende Leidenschaft des Spielers, der durch seine Verluste immer wieder in neue Wagnisse hineingezogen wird. '
Doch wenn schon die Führer unseres Volkes in mildern Erwägen auf die Einschränkung des Blutvergießens bedacht sind — wieviel mehr wird heute der Einzelne auf der Schwelle des Jahres sich jenen ernsten Empfindungen und Betrachtungell hingeben, die, wenn die Waffen und Werkzeuge einmal einen Augenblick ruhen, bei Han.s und Herd vor allen anderen Stimrnen sich geltend machen. Hier ist rnan Mensch, hier darf man's sein, lind wenn wir in dem Gegner den waghalsigen Spieler sehen, so haben wir zugleich die schmerzliche Ueberzengung, daß uns dabei keines- rvegs die klimpernde Freude des Gewinners beschieden ist. Auch wenn wir siegelt, einen starken Frieden uns erkämpfen, so wird doch gar vieles in Trümmer gehen. Wir sehen das neue, eisenklirrende Jahr nicht ohne Schauder die Rampe der Weltgeschichte besteigen, und wir fühlen beim Rückblick auf das verflossene ebenfalls ein Erschauern in Wehmut. Die Stimmung will sich einftellen, die einen unserer empfindsamsten Dichter, Friedrich Hebbel, beseelte, als er am 31. Dezember 1838, eine halbe Stunde vor dem Jahreswechsel, die Silvesterbetrachlung in seineln Tagebuch mit dem Satze endigte: „Es schlug 12 Uhr, ich habe für bst Toten gebetet." Auch wir könnten heute solche Hebbelschen Gebete verrichten, die mit formellen Visiten beim göttlichen Schöpfer nichts zu tun hatten. Aber wir vergessen nicht, daß es zugleich Gebete
find vor neuen Schlachten, die uns die Feinde notwendig mcwhen. Und da ist es uns, als spräche mit gedämpftem Tone das scheidende Jahr die gewappneten Worte Bohemunds zu uns: .
„Krieg oder Frieden! Noch liegen die Lose
Dunkel verhüllt in der Zukunft Schoße!
Doch es wird sich, noch eh wir uns trennen, entscheiden;
Wir sind bereit und gerüstet zu beiden."
(WTB.) GrohesHauptquartier,29. Dezember. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Front des Deutschen Kronprinzen.
Auf dem Westufer der Maas führten gestern an der Höhe 304 und am Südbange des Toten Mannes Teile der Infanterie-Regimenter Nr. 13 und 155 und des Füsilier- Regiments Nr. 37, sämtlich von der Somme her rühmlichst bekannt, Vorstöße in die französische Stellung aus. Eingehende Vorbereitung durch Artillerie und die durch ihre Wirkung der Infanterie unentbehrlich gewordenen bewährten Minenwerfer bahnten den Stoßtrupps den Weg bis in die zweite und dritte Linie der feindlichen Stellungen, aus denen 2 2 2 G e f a n g e n e, dabei vier Offiziere, und s i e b e n M a s ch i n e n g e w e h r e zurückgebracht wurden. In den genommenen Gräben wurden mehrere, auch nachts rviederlwlte Gegenangriffe der Franzosen ab gewiesen.
. (Im Walde von Eheppy und Malancourt holten sich wackere Württemberger und Badener mehrere Gefangene aus der feindlichen Stellung.
Oeftlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls . Prinzen Leopold von Bayern.
Nichts Wesentlich, s.
Front des Generalobersten Erzherzog Josef.
Der Südftügel der Heeresgruppe unter dem Befehl des Generals der Infanterie von Gerok hat sich in Uebereinstim'- mung mit den Bewegungen in der Großen Walachei in dem Gebirge ostwärts vorgezogen. Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen haben in dem schwierigen Höhengelände der Ostfrontvon Siebenbürgen mehrere hintereinander liegende Stellungen gestürmt. Dabei wurden 1400 Russen undRumänen gefangen, 1 8 Maschinen- gewehre und drei Geschütze erbeutet.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von M a ck e it f e n.
Aus dem linken Flügel der 9. Armee brachen bayrische und österreichisch-ungarische Truppen unter Führung des Generalleutnant Krafft von Delmensingen im Gebirge starken Widerstand der verbündeten Gegner und erreich- ten Tumitresti, zwanzig Kilometer nordwestlich von Rimnicul-Sarat.
Der rechte Armee-Flügel stieß zwischen dem Rimnicul- Abschmtt und dem Lauf des Buzan nach Nordosten vor, nahm mehrere zäh verteidigte Dörfer und ließ den weichenden Russen keine Zeit, sich in vorbereitete Stellungen am Seenabschnitt zu setzen. Bei diesen Kämpfen zeichnete sich das westpreußische Infanterie-Regiment Nr. 148 aus.
An Gefangenen vom 28. Dezember sind über 1400 Russen, an Beute drei Geschütze und mehrere Maschinengewehre eingebracht.
In der Dobrudscha ist N ach e l genommen.
Mazedonische Front.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Erste Geueralauartiermeister Ludendorff.
*
Der Abeudbericht.
Berlin. 29. Dez., abends. (WTB. Amtlich.) Stärkeres Feuer nördlich der Somme, Gegen Front und Flanke unserer neuen Stellung am „Toten Mann" geführte Angriffe der Franzosen find abgewiesen worden.
O st f r.o n t nichts Besonderes.
Heeresgruptle Mackensen ist im iveiteren Fort- schreiten.
In Mazedonien Ruhe.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
, (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wir
verlautbart: 29. Dezember 1916.
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Nordösllich und nördlich von Rimnicul-Sarat drängt die Armee des Generals v. F a l k e n h a y n den Feind von Stellung zu Stellung zurück. Im Hochgelände rwrdwestlich der genannten Stadt wurHe er durch die österreichisch-ungarischen und bayerischen Truppen des Generals Krafft von Delmensingen erneut geworfen. Die zu diesen gehörige Kampfgruppe des Feldmarfchalleutnants Ludwig Goldinger
steht vor Dedulefet im Kampf. Auch der Südflügel der von Generaloberst Erzherzog Josef befehligten Heeresfront hat sich dem Angriff an ge- schlossen. Oesterreichisch-ungarische und deutsche Kräfte entrissen dem Feinde im oberen Zabala-Noruje- und Putna- Tal eine Reihe stark ausgebauter Stellungen und erstürmten bei Harja nordöstlich von Soos-Mezö feindliche Linien. Der Feind ließ bei den gestrigen Kämpfen in der Walachei und im Gebirge westlich von Focsani 3000 Gefangene, 6 Geschütze und über 20 Maschinengewehre in unserer Hand. Weiter/ nördlich keine Kämpfe von Bedeutung.
Ein österreichisch-ungarisches Flugzenggeschwadcr belegte am 27. ds. Mts. den von feindlichen Truppen stark besetzten Bahnhof von Onesci mit Bomben. Mehrere Gebäude gerieten in Brand.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Auf der Karst-Hochfläche war das italienische Artitterie- feuer gestern lebhafter als an den vergangenen Tagen. Im Wippach-Tale schoß einer unserer Kampfflieger ein feindliches Flugzeug ab.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö s e r. Feldmarschalleutnant.
* * *
Auszeichnung Hindeuburgs und Luder,dorffs durch den Sultan.
Konstantinopel, 29. Dez. (WTB.)>Der Sultan verlieh dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg den Osmanieordeu in Brillanten und Ludendorff den Os-> manieorden 1. Klasse.
Reue Ehrung Hindenburgs und Ludendorffs.
Dresden, 29. Dezember. (WTB. NichtMnckich.) Seine Majestät der König hat heute dem Generalfeldm-arschall van! Hindenburg. folgendes Telegramm übersandt:
Es gereicht mir zur besonderen Freude, Euerer Exzellenz- al? ein Zeichen der Dankbarkeit, die ich selbst, mein Volk und mein» Arm« Euerer Exzellenz entgegenbringen, am heutigen Tage das Gvoßkreuz meines Militär-St. .Heinrich-Ordens zu verleihen. Gleichzeitig verlache ich Euerer Exzellenz treuem und genialem Helfer, Gerreral der Infanterie Lichendvrff, das Gwßkreuz des Albrechpordens mit goldenem Stern und Schwertern.
Der bulgarische Bericht.
Sofia, 29. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Heeresbericht vom 29. Dezember.
M a z e d^o n i s ch e Front: Schwache Artillerietätigkeit auf der ganzen Front. Bulgarische und deutsche Artillerie beschoß bei Bitolia (Monastir) feindliche Truppen, die vor der Stadt Be- wegungen ansführten.
Rumänische F r o n.t: Im nordwestlichen Winkel der Do- brudschg dauert die Offensive entsprechend dem Kriegsplan fort. Wir besetzten das Dorf Rachel.
*
Ein russischer Bölkerrechtstruch.
Berlin, 29. Dez. (WDB. Nichtamtlich.) Nach einem Bericht des kaiserlichen Gesandten in Peking an das Auswärtige Amt wurden drei aus russischer Kriegsgefangerr- schaft ^ in Troitzkossavsk nad) Urga entkommene deutsche Offiziere: Max Gräff, Rittmeister im Hu- saren-Regiment König Huinbert Nr. 13; Ludwig v. Werner Oberleutnant im Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 13; Hanl v. Hoffmeister, Leutnant der Reserve im Bad. Leibdragöner. Regiment 97r. 20, trotz einer chinesischen Eskorte von russischen Soldaten verfolgt und bei dem Orte Taolin in de: äußeren Mongolei, nahe der Grenze der inneren Mongolei erschossen. Einzelheiten fehlen. Der chinesische Resident in Urga hat beim russischen Konsul Protest eingelegt. Der Protest wurde ihm mit der Erklärung zurückgegeben, daß er sich um chinesische Interessen in der äußeren Mongolei zu kümmern habe: deutsche Kriegsgefangene gingen ihm nichts an. Der kaiserliche ^sandte Hai gegenf diesen russischer Völkerrechtsbruch , der eine k r a s se' V e r l e tz u n g der chinesischen Neutralität bedeutet, scharfe Verwahr rung eingelegt.
-1uS Rußland.
Amsterdam, 29. Dez. (WTB. Nichtamtlicy. „Daily Chronicle"" berichtet aus Petersburg, daß die Duma am Samstag in die Weihnachtsferien geht. Tie politische Lage liat sich bisher nicht geändert. Trepow konnte kein völlig homogenes Kabinett mit einem bestinimten politischen Programm bilden. Man spricht fortwährend über Verände- rrrngen des Kabinetts. Die Minister reisen beständig von und nach dem Hauptquartier. Die Gesundheit Protopopows, die sich bald bessert, bald verschlechtert, bildet ein tägliches Thema der Presse. Zwei Kongresse, die vorige Woche in Moskau söattsinden sollten, nänckich ellr Kongreß der Semst- wos und Städte und ein Kongreß der Kriegsindnstriekom- Missionen, wurden im letzten Augenblick verboten. Sie sollten die brennende Frage der Nahrnngsmittelversorgung b& handeln.
Der russische Bericht.
Westfront: Feindliche schn»ere AirMerie und Mörser lwm- barbierten Mschnitte unserer Stellungen östlich Zarkowo in der. Gegend von Speniaki, iw unsere Schützengräben h'ilwiV zerstört sind, ebenso w-ie Abschnitte bei Garbuqeff. Im Wald? von Gr.> kalowce und Kugusdowka, wo die Narajowka tu die Zlola Lipa einmündet, erreichten unsere Mfkl-ccher das östliche Ufer in dev


