Ausgabe 
29.12.1916 Erstes Blatt
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lausigen Erörterungen über den Frieden vorausgehen müssen.

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Ein ablehnender Tagesbefehl deS Zaren.

B a fei, 28. Dez. (zf.) Die französischen Zeitungen ver- veröffentlichen nach derFrkf. Ztg." einen Tagesbefehl des Zaren an die Truppen seiner Armeen und seiner Marine um ihnen anzuzeigen, daß er die Friedensverhandlungen ab­lehnen loerde. Dieser Tagesbefehl schließt, mit dem folgen­den Satz:

Der Feind ist Noch nicht aus dem besetzten Gebiete vertrieben Rußland hat noch nicht die Aufgaben verwirklicht, deren Lösung ihm der Krieg zur Pflicht macht: den Besitz Konstantinopels und der Dardanellen, sowie die Schaffung eines freien, aus seinen bisher getrennten drei Teilen bestehenden Polen. Alle diese Aufgaben sind noch nicht gesichert, um einen Frieden zu gewähren, der Euerer glorreichen Tateir würdig wäre, einen Frieden, der die künftig« Geschlechter verpflichten würde, Euer heiliges Andenken zu segnen.

Nikolai Rikolajewitfch schwer erkrankt.

Berlin, 28. Dez. DieB. Z. a. M." meldet aus Stockholm: Großfürst N i k o l a i N i k o l a j e w i t s ch ist, wie Rjetsch" erfährt, in Tiflis schwer erkrankt. Der Großfürst kann infolgedessen den ihm übertragenen Ober beseht über die in der Moldau stehenden russisch-rumäni scheu Truppen in absehbarer Zeit nicht übernehmen.

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Die Nordstaaten und der Friede.

Kopenhagen, 28. Dez. (WTB.) Die Blättermel­dungen über die Beteiligung der nordischen Reiche an dem Friedensschritte neutraler Staaten widersprechen sich.Berlinyske Tidende" meldet aus Stock Holm, das schwedische Ministerium des Aeußern gebe amt­lich bekannt, daß Schweden bisher keinen Schritt zur Herbeiführung des Friedens unternommen habe.Ekstra- bladet" dagege nberichtet von einem in Kristiania umlaufen­den Gerücht, daß zwischen den Regierungen der skandinavi­schen Länder über eingemeinsamesBorgehen zugun­sten des Friedens verhandelt werde.

Stockholm, 28. Dez. (WTB.)Stockholms Tidnin- gen" undSvenska Dagbladet" erklären, aus offizieller Quelle zu wissen, daß die skandinavischen Länder sich bis­her der Friedensiwte Wilsons nicht angeschlossen hätten. Beide Zeitungen lassen jedoch deutlich die Möglichkeit von Verhandlungen mit Norwegen und Dänemark übereinen gemeinsamen Schritt der drei Länder durchblicken.

Die Aufgaben der Finanzverwaltung in Oesterreich-Ungarn.

Wien, 28. Dez. (WTB.'' Der Finanzminister Dr. von Spitzmüller richtete an die von dem Sektionschef Ritter von Peck geführten Beamten, die ihm das Gelöbnis treuer Gefolgschaft aussprachen, eine längere Rede, in der er her­vorhob:

W^en der Größe und des außerordentlichen Ernstes der letzigen Aufgaben des Finanzministeriums habe er auf den feierlichen Akt des Empfanges des Beamten korpers nicht ver­ruchten wollen. Der Krieg strahle seine Wirkungen auf das gl^e Fftranzreffort aus und beeinflusse die Führung der ge- schotm Staatswirrschaff; er bestimme ihre Neuordnung, lüe sich Ae Regierung m ihrer programmatischen Erklärung mit zum Zi^e setzte. Er sei entscheidend für die Valutapolitik, die Budget- mro Steuerpolitik und gewissermaßen auch beeinflussend für die Orrmung der wirtschaftlichen Angelegenheiten mit den anoeren Maaten der Monarchie. Nicht zuletzt werde die Mitwirkung bei der Wierwrhevstxllung der durch den Krieg heimgesuchten Länder zu

bedeutendsten Pflichten der Finanzverwaltung gehören. Viel- Acht die wichtigste konkrete Tatsache sei die cmßerordEntliche Vermehrung der Staatsschuld als jener Faktor, der dre Wiederherstellung der Valuta als eines der wichtigsten Pro bleme erscheinen lasse. Der Minister hält diese Aufgabe für außer­ordentlich schwierig, aber lösbar, wenn aus allen Gebieten der staatswirtschaft eine vollständige Neuordnung angestrebt und aus die Bevölkerung erzieherisch gewirkt werde. Nur produktive, m)twendige Ausgaben dürften im Budget gemacht werden. Die Bevölkerung müsse gelehrt weichen, in den Ausgaben und der Wirtschaft verständig zu verfahren und Luxusausgaben, soweit < .kullurfördernd seien, zu unterlassen. Die Regierung halte! kich me Notwendig feit des Abbaus des Preisniveaus vor Augen und sei ernstlich mft der Frage beschäftigt, inwieweit die bisherigen Maßnahmen eine Ausgestaltung erfahren könnten, um vre Bevölkerung schon jetzt vor den Leiden der Teuerung zu schützen, beziehungsweise sie zu lindern. Eine erfolgreiche Aktion tzur Wiüwrherstellnng der Valuta werde die gesamte Wirtschafts­politik des Staates beeinflussen. Eine planmäßige Pro­duktionspolitik werde das Häuptmittel sein für eine Ge- Mndung der Staatswirtschaft und der Valuta, woran sich eine zielb^utzte Exportförderung schließen niüsse. Tie Notwendigkeit von Ersparungen in der Durchführung einer richtigen Budget- A^ikxuhre zu dem Erfordernis einer Verwaltungsreform Der Minister verstehe unter einer richtigeii Verwaltungsreform v?r allem die Stärkung des Verantwortlichkeitsgefühls 'und der Selbständigkeit der Beamten, da für eftie moderne Verwaltung der Gedanke richtunggebend sein müsse, daß die Kontrolle und Auf­sicht durch die Oberbehörden die Selbständigkeit der unteren Or­gane nicht ersticken dürfe.

.. ^^^^Zliiik übergehend, betonte der Minister

Jgf Notwendigkeit, daß die Zinsen der Kriegsanleihen in den neuen Einnahmequellen volle Deckung finden müßten. Die Bevölkerung fei sich dessen vollLmmen bewußt, daß der Staat der Verpflich- SiP®«' 1 ? Einlösung des Kapitals der Kriegsanleihen als auch der Verpflichtung zur Zinszahlung uneingeschränkt Nachkommen werde, ^le Steuerpolitik müsse aber noch darüber hinaus für eine gerechte mw planmäßige Verteilung der ungeheuren Kriegskosten sorgen Mr die Ausstellung eines Programms in dieser Beziehung würden mJmayrungat bet bisherigen Steuermaßnahmen sorgfältig be­rücksichtigt werden. Die Belastung breiter Massen durch neue Meuerguellen werde nur dann gerechtfertigt sein, wenn sie sich als völlig unabweisbar darstelle, um das große Ziel der Wieder­herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalte zu erreichen Unvermeidlich würde wahrscheinlich eine Steuermaßnahme sein, welche die Quote der rm Krieg aufgelaufenen Staatsschuld zur Tilgung brmge.

. Auf den österreichisch-ungarischen Ausgleich «ngehend,^ betonte der Minister die Notwendigkeit des absoluten! Geheimnisses während des Stadiums der Ausgleichsberatungen Er könne daher nur sagen, daß die Beratungen der Regierungen dem Zi-el-e dienten, die ivirtschaftlichen Beziehungen beider Staaten mit erne gesundere Basis zu stellen und zu verinnerlichen. Was speziell die zollpolrtischen Abmachungen im Ausgleich betreffe so werde deren Inhalt und Bedeutung erst durch die Handelsver- trdge bestimmt werden. Tie Oeffentlichkeit werde rechtzeitig in die ^ge kommen, die Vorschläge der Regierung zu prüfen, mft dem Ergebnis, daß beide Teile ihre Pflicht getan und die Lebensinter­essen jedes Teiles geschützt hätten, und daß keine wichtigen Unter­es serr verletzt worden seien.

Endlich bezeichnete der Minister die .Kriegsanleihe als die aktuellste Frage. Das Ergebnis der neuen Anleihe werde die Er­wägungen völlig rechtferttgen. An alle, die große Kftiegsgeivinne M . ' n in diesem Stadium die Aufforderung, die Sub­skription« zu den .^Kriegsanleihen, die ja die nutzbringendste und Nchgste Kapitalanlage darstellen, erheblich zu fördern. Auch die Landwirtschast könne das Anleiheergebnis in erheblichem Maße verbepern, wobei auf den Appell des jetzigen Ministerpräsidenten, vn vre Landwirtschaft *u verweisen sei. Bei der Durchführung von

allen angedeuteten Aufgaben der Finanzverwaltung werde ans die Sttimnung der Bevölkerung, die so viel leide und so tapfer aushalte, und auf die, die an der Front kämpf« und alles überragende Opfer brächten, Rücksicht zu nehmen sein. Demnach müßten alle Probleme mit einem aufs höchste gesteigerten sozialen Sinne er­ledigt werden. Speziell werde in hohem Maße die Steuerpolittk sozial sein müssen. SMießlich ersuchte der Minister in warmen Worten die Beamten, ihm volles Vertrauen entgegenznbringen. Besonders den innigen Kontakt mft der Beamtenschaft in persön­licher und sachlicher Beziehung zu erhalten, werde das lebhafte Bestreben und das berufliche Bedürfnis des Ministers sein.

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Leutnant Lesters im Luftkampf gefallen.

Berlin, 26. Dez. (WTÄ. NichtanftKch.) Wiederum hat die Fliegertruppe einen schmevftich« Verlust zu beklagen. Leutnant oer^Reseiwe Le f fers fand am 27. Dezember den Heldentod im Luftkampf. Er gehörte zu den bekanntesten Jagdfliegern und war erner von denen, die für ihre mft hervorragendem Schneid errungei- neii Erfolge den höchsten Tapferkeftsorden Pour le märite tragen durften. Außerdem war er Ritter der beiden Massen des olden- bürgiicheir Friedrich-August-Kreuzes, des Eisernen Kreuzes erster und zweiter Masse und des Ritterkreuzes des Hoh «zolle« scheu Dausordens. Unermüdlich und in Begeisterung für seine Kampf­ausgabe als Jagdflieger, kannte er keine Ruhe für sich. Zwei Tage, nachdem ihm der Ponr le nrsrite verliehen worden war, schoß er fern neuntes feindliches Flugzeug ab. Gustav Leffers war am d. Januar 1894 m Wilhelmshaven geboren. Vor dem Kriege wid­mete er sich der Jng«i«rwiisse!nschaft für Schiffbau. Bei Kriegs- veginn meldete er sich als Kriegsfreiwilliger bei der Fliegertruppe erhielt seine Ausbildung in Johannistal und flog seit Februar 1915 il or ne i .Feldslieger-Abteilung im Westen. Anfangs war er dort Ä?, Aufklärungsflieger, später als Jagdflieger Eg. Seit August gehörte er einer Jagdstaffel an. Ter Dag seines Heldentodes kvm Zeichen erhöhter Fliegerkampstättgkeit. lieber 100 Luftkampfe wurden an der Westfront ausgetragen und unseren Siegern gelang es, acht seindviche Flugzeuge im Luftkampf abzu- lchietzen. Zum großen Teil stürzten sie dicht vor oder in unseren -rrn« ab und wurden von unserer Artillerie zerstört.

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Postbeförderrrirg mit Handelstauchbooten.

. Berlin, 28. Dez. (WTB. Amtlich.) Zur Beförderung mft deutsch« Handelstauchbooten können bis aus weiteres versuchsweise 9°Jr n ^ ^ e dn-i e fe ohne Wareninhalt und Postkarten lohne ^ttttwortkart«) nach beit Vereinigten Staaten von Amerika und nach neutralen Ländern im Durchgang durch die Vereinigten Staaten (Mexiko, Mittel- und Südamerika, Westtndien, China. Nieder!ändftch-Jndien, Philippinen nsw.) bei beit Postanstalten unter nachstehenden Bedingungen aufgeliefert werden:

L Briefe und Postkarten unterliegen hinsichtlich der zugelasse­nen sprachen und der sonstigen Anforderungen deii während des Krieges aus militärischeit Rücksichten für gleicharttge Sendungeni nach dem neutralen Auslande angeordneten Beschränkungen.

. . 2. Das Höchstgewicht der Briese darf 60 Gramm nicht über- tergen.

3 Die Sendungen (Briese imb Postkarten) müssen freige- macht und >auf der Vorderseite mitTauchbov tb rieft be­zeichnet sein.

4. Für Briefe und Postkarten gelten die Gebührensätze des Weltpostvereins.

. 5. Ter Absender hat die Tauchbootsendung in einen offenen Briesumichlag zu legeii mrd diesen mit der AuffchriftTauchboot- brres nack) Bremen" zu versehen. Dabei können mehrere Briese oder Poiftarten von demselben Absender zusarnmen in einem Umschlag abgeiMidt tverden. Ans der Rückseite des äußeren und des inneren Briefumschlages, sowie auf der Vorderseite der Postkarte hat der Absender seinen dLamen und seine Wohrmng auzugeben.

6. Für dce Beförderung von A u s l a n d s s e n d u n g e n mft ernem Handelstauck,boot bat der Absender als Entschädigung für die der Postverwaltung erwachsenden außergewöhnlichen Kosten nochl eure besondere Gebühr zu entrichten. Diese Gebühr

chettägt für Pvittarten und Briese bis 20 Gramm' 2 Mk., bet Brio- en über 20 Gramm für je 20 Gramm des Briesgewichts 2 Mk. Die hiernarl) auftommoiide besoridere Gebühr ist von dem Absender m Freimarken aus dein äußeren Umschllage zii verrechnen.

7. Tie von den Absendern sveigemack:^ zur Beförderung durch ein. Drüch'bovt bestimmten Briese und Postkarten sind nicht durch Briefkalten, sondern bei den dlnnahmestellelt der Postmiftalten oder, rn Orten ohne Postanstalt, bei den Landbriefträgern einzuliesern. ^ 8. Zur Beförderung mit eftiem Handels-Tauchboot ungeeignete Sendungen werden mft' einem entspreck^enden Vermerk an die Absender zirrückgesandt. Der Wert der zur Freimachung der Aus­landssendungen verwendeten Freimarken wird nicht erstattet, die besondere Gebühr für die Beförderung mit einem Tauchboot kanrr dagegen aus Antrag des Absenders zurückvergütet werden.

Die Bekanntgabe des Zeitpunktes, an dem die Beförderruig von Briefsendungen mit einem Handels-Tauchiboot stattfinden wird, ist nicht angängig. Die Absender müssen mit einer längeren Be­förderung sdauer rechsnen.

Aur dem Reiche.

Stuttgart, 28. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Fabrikant Dr. Robert Bosch hat zur Förderung der Neckarkanali- satiou eine Stftftuna von 13 Millionen Mark gemacht als Beitrag zu oen staatlichen Baukosten der Kanal­strecke Heidelberg bis Eßlingen. Die Zinsen sollen in der Zwischenzeit für die Kriegswohlfahrtspflege der Stadt Stuttgart verwendet werden. Wenn der Neckarkanal bis 31. Dezeniber 1926 nicht begonnen sein sollte, so fällt die ganze Stiftung an das Deutsche Reich zur Erforschung und Bekämpfung verheerender Bolkskrankheiten.

Kriegsbriefe von der rumänischen ßront.

Bon unserm znm rumänischen Kriegsschauplatz entsandten Kriegsberichterstatter.

Der Pour le merite für die Führer der Armee Falkenhayn.

Hauptquartier der Armee Falkenhahn, 26. Dez.

Der Kaiser hat aus Anlaß der Ergebnisse des Feldzuges in der Walachei den Generalleutnants v. Morgen und Krafst o. Delmen- singen das Eichenlaub zum Pour le merkte, den Generalleutnants Graf von Schmettow, Kühne und von Staabs sowie dem Chef des Stabes beim Armeeoberkommairdo, Oberst Hesse, den Pour le märite verliehen.

Adolf Z i m m e r m a n n , Kriegsberichterstatter. Weihnachten an der rumänischen Front.

Deutsches Miegspressequartter Südost, 25. Dez.

Die Trtlppe hat den heiligen Abend und das Fest in der ge­hobensten Siegesstimmung verbracht, voni am Feind in ständiger Fühlung mit diesem, weiter zurück inmitteii der nur auf kurze Zeit unterbrochenen schweren Arbeit, die das Mesenwerk des Nachschubes von Munition und Verpflegung für die fechtende Truppe der Etappe auferlegt. Die Kraftfahrkolonnen der Armee, von deren Leistung in diesen Tagen neuen Vorgehens jenseits des Buzeu und ant Eäl- maturul nicht viel weniger wie alles abhängt, niachen wieder einmal das Unmöglichste möglich. Was uns an der Grenze der Moldau gegenübersteht, sind in der Hauptsache starke russische .Kräfte. Sie haben sich als solche schon lange vor dem ersten Zusammenstoß durch ihre besondere, im langen Kriege erworbene Technik des Landes hinter sich zu erkennen gegeben. Jede Brücke ist gesprengt, und jeder Wasserlauf, auch der kleinste, wofern er nur die Straße schneidet, ein ernstes Hindernis für den Nachschub. Ausbesserungsmannschas- ten aller Art und namentlich die Pioniere habm gewaltige Arbeit. An sich sind die Wege in der östlichen Walachei schon im Frieden in entsetzlichem Zustande, indessen sind alle diese Schwierigkeiten überwunden wordcw So unglaublich cs für den, der die Verhält­nisse kennt, klingt, pendeln unsere Lastautos in diesem Augen­blick bereits bis in die vorderste Linie. Die Sendungen aus der Hei­mat, die dem Fest galtest, sind allerdings nicht immer noch recht­

zeitig rn die Hände derer gelangt, denen sie galten. Was sich zrx Beförderungsgelegenheften zur Front durch energische Anstrenaun-- gen hat Herstellen lassen, gehört naturgemäß einftwellen der Ver­sorgung der Truppe mft Munition

_ Adol f Zim mennflitn, Kriegsberichterstatter.

Erotzherzog Ernst Ludwig-Jubiläumsstiftung.

dz. Daft msta d t, 28. Tez.

Im Sitzungssaal der Zweiten Kammer trat heute vormittag aus Einladung der beiden Kammerpräsidenten eine aus allen Tellen des Landes sehr stark besuchte Versammliuig zu einer Besprechung über eine I u b i l ä u m s st i f tu n g ailläßlich des 25jährigen Re­gierungsjubiläums Sr. Königl. Hoheit des Großtzerzogs zusammen. In der Versammlung wareii fast sämtliche VLftgli-eder der beiden Ständekammern, feriier die drei Herren Minister, die Provinzial- direktoren und zahlreiche andere höhere Beamte, sowie auch einej Anzahl Damen zugegen. Ter erste Vizepräsident der Ey'teir Kam­mer, Fürst Leiningen, eröffnet die Versammlung mit der Mitteilung, daß der erste Präsident, Fürst zu Solms-Hohensolms- Lich, draußen an der Front steht und zu der Versammlung keinen Urlaub erhalten konnte. Der Redner ging dann mit kurzen Werten auf den Zweck der heutigen Besprechung näher ein und brachte einen von den Präsidenten der beiden Ständekammern Unterzeich­neten Auftuf zur Kenntnis der Versammlung. Der Ausruf lautet:

An alle Hessen!

,,Am 13. März 1917 sind 25 Jahre verflossen, seit Se. Kgl. Hoheit der Großherzog Ernst Ludivig den Thron seiner Väter be­stiegen hat. Wir Hessen tvollen diesen hohen Gedenktag mit Freuden begehen, denn während dieser langen Regierungszeft hat das Hessenland unter ber unmittelbar tatkräftigen Mitwirkung' uiid landesväterlichen Fürsorge Sr. Kgl.- Hoheit des Großherzogs einen krästtgen Aufstieg auf allen GEeten zu verzeichnen gehabt. Mit wahrer Herzensgüte, Menschenfreundlichkeit und Hllfsbereft- schaff gegen jedermantl, ohne Unterschied des Standes. Glaubens und der Parteittchtting, den Geringsten iry Volk ganz besonders zugetan, hat unser Gvoßherzog seines hohen Amtes gewaltet. Ver­fassung, Verwaltung. Staats- uiid Gemeindesteuerwesen irnd die Ordnung der Staats sin an zen sind den neuzeitlichen AmsorderuTtgar entsprechend weiter entwickelt, die Gesetzgebung aus dem Gebrete des bürgerlichen Rechts den reichsgesetzlichen Bestimmungen an­gepaßt worden. Kirche und Schule, Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe, Handel und jBerkehr sind mächtig ^gefördert worden!« Hasen- und Brückenbouien, Erweiterung des Eisenbahnnetzes und die Verstaatlichung der hessischen Bahnen, Straßenbauten, Ord- nimg des Sparkassen- und Kreditwesens, die Errichtung der Larrdes- Hypothekenbank geben Zeugnis von diesem umfassendeii Schaffen. Kunit und Wissenschaft haben ganz besondere Pflege erfahren. Ge­meinnützige Einrichtungen auf allen Gebieteir der Wohlfahrt und der Gesundheit, insbesondere auch zum Wohl der Minderbemittel­ten, sind neu geschaffen tvorden. Auch die Förderung des Woh­nungswesens hat anderen zum Muster gedient. Mit dem Deut-' scheii Reiche ist Hessen in den letzten 25 Jähreii nur.livch eng« und fester zusammengeschlossen worden. Mit großem Stolz darf unser Großherzog in der jetzigen schweren Kriegszeit auf seine Hessen blicken, die Schulter an Schulter mit den andereii deutschen Bruderstämmen wetteifenr an Heldeiimut und Ruhmestatm für Deutschlands Größe, Ehre und Sieg.

So kann uns ein Blick auf die lange, glückliche und segens-' reiche Regierimgszeit unseres geliebten Großherzogs nur mit ivniqeni Tank erfüllen für alles, was zum Wöhle des hessischen' Volles Gefd'iofteit wurde. Das herzliche, gegenseitige Bertraueul zwischen Fürst und Volk, was wir gerade der besonderen Pflege durck unseren Landesherrn verdanken, läßt uns Hessen beu leb­haften Wunsch hegen, ihm^ auch ein äußeres Zeichen der Dank­barkeit mtb^ Verehrung bei i einem Jubiläums tag dar zarb ringen.

Laute Feste läßt die jetzige schwere Zeit nicht zu. Äe Kriegs­not bringt andere Pflichteti. Mit seinem Bolle empfindet d« Großherzog von ganzem Herzen die schweren Wunden, die der unerbittliche Krieg auch seinem Lande und seinen Landeskindern schlägt: sie zu lindern, sie zu heben, ist ihm ein Herzensbedürfnis. Helsen wir ihm hierbei, io feiern wir in würdiger Weise den Gedenktag des Hessenlandes. Wir wenden uns daher an alle Hessen, Männer und Fratien., mit der herzlichen Bitte, eine Samnllung durch, das ganze Land stattffnden zu lassen, deren Erträgnis dem Großherzog zur Bersü§ung gestellt werden soll als Jubiläu msstiftung zur Schaffung von Ein­richtungen, d-ie der Erholung und Kräftigung unserer h e s s i s ch> e n Krieger in einem Erholungsheim dienen sollen.

Für einen so guten und dringenden Zweck, für eine Samm­lung, mit der wir dem Großherzog Freude machen und unserer Dankbarkeit in der schweren Zeit entsprechenden Ausdruck geben können, iverden sich!, dessen sftrd wir gewiß, die Herzen der Hessen weit öffnen.

Jeder trage dazu bei, soviel er Vermag, um eine dem schöneu Zweck würdige Summe zusammenzubringen; auch die lleinste, aus tteuem Herzen kommende Gäbe ist willkommen.

Möge unser Ausruf bei alleir Hessen fteudigen Widerhall und willige Geber ffnden!"

In der allgemeinen Erörterting wies zunächst Fürst Ysen- b u r g -W ä ch t e chs ba ch daraus hin, daß die fetzige Zeit für der­artige Sammlungen gegen früher schwieriger geworden sei: da emp­fehle es sich, ähnlich wie die eiserne Uhrkette bei den Goldankäufen, vielleicht einen Anhänger oder ein sonstiges Erinnerungs­zeichen für die Spender zu der Jubiläumsstiffung zu schaffen. Kammerpräsident Oberbürgermeister Köhler gab eine nähere Er­läuterung über die Mffchteti des Ausrufs und betonte, daß die zu sammelnden Gelder unter keinen Umständen für andere als die darin bezeichneten Zwecke Verwcirdung finden würden. Bis zur Erstellung eines Erholnngshcinis könnten die gewiß recht statt­lich anwachsenden Zinsen direkt zur Hilfe der Kriegsbeschädigten dienen. Ein Vertreter der Kriegsfürsorge zu Offenbach meinte, daß zunächst für eine Erholung der Kriegsbeschädigten gesorgt wer­den müsse. Den größeren Spendern sollte, ähnlich wie bei den Kaufmannserholungsspenden, das Recht zugestanden Werden, ge­eignete Personen für das Heim zu entsenden. General ä la suita Frhr. v. Hevl - Darmstadt betonte, daß die Kriegerkameradschast Hassia" sich schon seit längerer Zeit mit der Errichtung eines Er­holungsheims für Kriegsveteranerr beschäfttgr. In der Pfalz sei bereits ein solches Heim im Entstehen begriffen mit 100 bis 120 Betten. Auch die anderen großen Kriegerverbände trügen sich mit dem Gedanken der Errichtung solcher Heime. Abg. Dr. S ch m i t t- Mainz hätte gewünscht, daß in dem Auftuf direkt als Zweck die Errichtung eiues Erholungsheimes angegeben worden wäre. Die Kteisräte sollten den vielen anderen Sammlungen schärser auf dis Finger sehen. Exz. Fihr. Hehl zu Herrnsheint stimmt dem Vor­redner zu und erklärt, ihm sei der besondere Aufttag geworden, dahin zu wirken, daß der Zweck der Sttftung möglichst scharf be­grenzt werde. Die Sammlung werde dadurch zweifellos an Umfang gewinnen. Als Ort ff'ir die Errichtung des Erholungsheims emt> fehle er Bad Salzhausen, wo die Großh. Regierung das erforder­liche Gelände gckwiß zu günstigcii Bedingungen überlassen würde. Nach weiterer Debatte, in der ein Redner für Bao-Nauheim. meh­rere andere aber dagegeii auftraten, wurde der Aufruf mit dem« Zusatzin einem Erholuiigsheini" einsttmmib und freudig gutge­heißen. Die Versamnftnng beschäsftgte sich danach noch mft einem Jnstruktionsenftvurf für die Einleitung der Sanimlungen. Präsi­dent Köhler betonte, daß hier Eile besmrders not tue, da die Sammlung schon im Februar so gut wie erledigt sein müßte.

Wie die in der Versanirnlimg iftnstimmig genehmigten In­struktionen bestimmen, soll in jedem Bezirk ^KreisL die Sammlung selbständig org-arrisiett und durgeführt werden. Dem Bezirkscvus- sckiilß bleibt anheimgestellt, ob in einzelnen Gemeinden Ortswus- scküsse gebildet werden. Tie Zuziehung, von Damen ist sehr er­wünscht. Ter Llnsruf soll in den voni Ausschuß bezeichneten Lnges- z eitun gen mit den Nauren oller Bezirks criissck lnitgliederi. ver­öffentlicht tverden. Tie Einleitung einer Houssamnilmig. fti den Schulen nsw., bleibt dem Ermessen des Bezirksausschusses über­lassen. Tie Sammlung soll Anfangs 1917 eröffnet und Ende Februar geschlossen werden. Eine Veröffentlichinng der Namen der einzelnen Geber erfolgt nicht, dage>g,eii lverden die Saniniellisten selbst bei der Uebergabe der Stiftung dem Großherzog mit vor-