Ausgabe 
16.12.1916 Erstes Blatt
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Der Kaiser in Elsaß-Lothringen.

Be-rlin, 15. Dez. (WTB.) AmMch wird gemeldet: Seine ^Rosestät sah auf dem Häbshttmer Exerzierplatz bei Regen und> Schnee am 13. Dezember Abordnungen aller Waffen der im Oder-Elsaß stehenden Truppen. 9iach Ltbschreiten der Front hielt Seine Majestät eine kurze Ae spräche, die von Generalleut­nant v. Nentscher beantwortet wurde. Nach einem Parademarsch in Kompagniefronten sprach Seine Majestät den Offizieren seine volle Anerkennung über dre gut disziplinierte Truppe aus, be­tonte den Wert des Drills und schilderte darauf in kurzen! Zügen die Kriegslage in Rumänie n. Darauf besichtigte Seine Majestät bei Mein-Landau eine weitere Truppe. Der Vorlttmarsch der glänzend aussehenden Truppen erfolgte hier auf der Straße in Gruppen kolonne. Nach einem Frühstück im Kreise des Oberkommandos fuhr Seine Majestät im Auto nach Colmar, wo er das Etappenlazarett eingehend besichtigte und an die Verwundeten Auszeichnungen oder Erinnerungen verteilte. Ten Aerzten und Schwestern gegenüber sprach Seine Majestät sich außerottxnttlich anerkennend über den guten Zustand des Lazaretts und die bewunderungswürdigen Heilerfolge aus. Am 14. Dezember nahm Seine Majestät im Kasino des Jnf.-Regts. 105 in Straß- lh u r g iE. den Vortrag des Armeegruppenführers und des Gou­verneurs von Straßburg entgegen, besichtigte im Anschluß daran Teile der Nordwestfront der Festung und nahm sodann das Früh­stück im Kreise des A. O.-K^. ein. Der Statthalter von Elsaß- Lothringen und Staatssekretär von Tschammer waren hin zu ge­zogen Am Nachmittag sah Seine Majestät bei gutem Wetter auf dem Exerzierplatz bei Mörchingen einen größeren Truppen- verband, der ebenso wie die gestern gesehenen Truppen einen vor­züglichen Eindruck mochte.' Seine Majestät schritt die Front ab, verteilte Auszeichnungen und hielt eine Ansprache, in der er seinen Dank für das zähe Aushalten der Truppen im Westen ausdrückte, ohne das dre 'Erfolge auf dem rumänischen Kriegs­schauplatz, die aller Wicke aus sich lenkten, undenkbar seien. Gene­ralmajor Teetzmann brachte in seiner Antwort erneut das Treu­gelöbnis gegen den allerhöchsten Kriegsherrn da'-. Seine Majestät nahm darauf den Vorbeimarsch ab. Seme Kai,.bliche Hoheit der Kronprinz als Heeresgruppcnsührer mrd der Armeefühver begleiteten Seme Majestät.

Die Fliegerleiftungen im November.

Berlin, 14. Dez. (Amtlich.) Ein englisches Telegramm aus 'Carnavon vom 6. Dezember 1916 berichtet, daß die L e i st u n g e n der deutschen Flieger im Monat November geringer ge­wesen seien, als in den vorhergehenden Monaten. Die Engländer hätten 24 deutsche Apparate vernichtet, 7 erbeutet und 26 beschä­digt, außerdem hätten Marineflugzeuge noch 5 Flugzeuge abgv- schossen.

Es genügt, diesem Bericht folgende amtliche Veröffentlichung Wer eigene mib feindliche Flugzeu gvettnste im Monat November gegenüberzustellen. Gegenüber einem Gesamtoerlust von 27 Flug­zeugen auf der Westfront vor und hinter der Kampffront ver­loren die englisches und französischen Flieger ebenfalls an der W e st f r o n t im ganzen 90 Flugzeuge, davon fielen 39 in unsere Hand und zwar 27 englische und 12 französische: 50 wurden jen­seits der feindlichen Linien einwandfrei abgeschossen, 1 jenseits doll .Linien zur Landung gezwungen.

Die Beute in Rumänien.

Berlin, 15. Dez. Am 13. Dezember betrug unsere Beute in Rumänien 26 Offiziere und 1700 Mann, fünf Maschinengewehre und vier Eisenbahnzüge. Dazu traten am 14. Dezember noch 1300 Gefangene. Bis zum 14. De­zember waren 65 000 Quadratkilometer rumänischen Lan­des besetzt, das ist etwa die Hälfte des Gesamtgebietes.

Die Flucht aus Jaffy.

Berlin, 16. DA Heber allgemeine Flucht aus! Jassy läßt sich derBerliner Lokal-Anzeiger" melden: Tie ru­mänischen Ministerien rüsten sich zur Abreise von Jessy. Der letzt« Minifterrot hatte den Charakter eines Kronrates. Das AußenMinisterium soll nach Petersburg übersiedeln. Die Mehrzahl der übrigen Ministerien dürfte sich zurzeit in Kiew installieren, mn abznwarten, ob Rumänien gänzlich verschwindet. Der König Habe den Wunsch geäußert, nicht länger als eine Woche russischer Gast sein zu wollen. Er wünscht dann über Skandinavien nach ^England zu reisen.

Der bulgarische Bericht.

Sofia, 14. Dez. (WTB.) Amtlicher Bericht. Mazedo­nische Front: In der Gegend von Monastir (Bitolia) ge­ringes Arttlleriefemer. Wir setzten einen feindlichen' Fesselballon südlich von Monastir (Bitolia) in Brand. Im Cerna - Bvgen lebhafte Tätigkeit der feindlichen Artillerie, besonders um Pa^ valovo. Oeftlich der Cerna schlugen wir einen feindlichen Angriff zwischen Gradesniea und Tarnova zurück. In der Gegend der Moglena fer.rdliches Arttllerieseuer. Zu beiden Seiten des War- Lar geringes feindliches Artilleriefeuer, lebhafte aber ivirkungs-i kose Tätigkeit der feindlichen Flieger über und hinter unseres Stellungen. An der Front der Belaste« Planina Artttlettefener und Patronillengefechte. Zu beiden Seiten der Struma vereinzelte feindliche Kanonenschüsse und kleine Patrvuillengefechte. An der Front am Aegäischen Meer und in der Gegend von Drama ergeb­nislose feindliche Lufttätigkeit. Bei Docat schossen wir ein s^rn- zöftsches Flugzeug ab. Seme Insassen, der französische Leutnant Ivan Rechad und der Unteroffizier Jean Legaleski, wurden ge­fangen.

Rumänische Front: In der Dobrudscha geringe Arttllerieseuer und Patronillengefechte. In der östlichen Wa lachet dauert der Vormarsch der verbündeten Heere fort Vv«l Igeichobene .Abteilungen unserer Truppen, die die Donau bk Tutvakan, Silistria und Cernavoda überschritte:: hatten habe die Bahnstrecke BukarestFetestt erreicht. An der Front m Schwaben Meere beschossen russische Schiffe Baltschik. Pie Einwohner wurden getötet, fünf verletzt.

Sofia, 15. Dezember. (WTB. Nich-tanrürch.) Generalftabs bericht vom 15. Dezember.

Mazedonische Front: In der Gegend von M'toli schwaches becherseitiges Arttllerieseuer und Patronillengefechte Ir Cerna-Bogen wurden mehrere feindliche Angriffe gegen die Höh östlich, von Pavalovo leicht abgeschlagen. In der Gegend von Mog lena schwaches beiderseitiges Arttllerieseuer. Längs des Warda reges Arttllerieseuer. Die Stellung südlich, von Bogowditza wurd »on der KKlÄM Artillene von.Zeit zu Zeit hefttg beschossen Lebhafte Tattgkert der feindlichen Flieger über und hinter unsere Stellungen. An der Belaftca-Front schwache Artillerie- und Po trouillengesechte. An der Gtrnma vereinzelte Kanonenschüsse vo 'Seiten des Feindes. Mehrere unserer Flugzeuge warfen erfolgreic Bomben auf englische Biwaks :md Depots bei Tschajasa

An der Front des ägäischen Meeres gab ein feindliches Schi ungefähr 15 Schüsse auf die Küste südwestlich von Maronia a! Zwer feindliche Flieger bewarfen das Dorf Radulvvo mit 15 Bom ben. Vier feindliche Flugzeuge warfen wirkungslos 12 Bomben ar die Brücke bei Kluett Burgas.

Rumänische Front: In der Dobrudscha hat der Fein seine Stellungen aufgegeben, die bereits in unseren Händen sinf In der östlichen Walachei -rücken die verbündeten Armeen nördlik der Jalomita vor. Unsere Truppen haben Fetesti besetzt.

Aus Griechenland.

Das letzte Ultimatum der Entente.

P i r ä u s, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die Note der Alliierten ist gestern nachmittag dem Minister des Auswärtigen Zalocastas von Sir Elliot, dem Dopen der alliierten Gesandten, überreicht worden. Sie lautet:

Mf Weisung ihrer Regierungen 'haben die Gesandten Frank­reichs, .uallens, (Vwßbriranniens und >üußlands die Ehre, folgen- des der griechischen Regierung zur Kenntnis zu bringen: Die

jüngsten Ereignisse haben Var bewSdstn. daß Weber der griechische König noch die griechische Regierung im Besitz genügender Autorität über die griechrsche Armee sind, um zu verlMdern, daß diese zu einer Bedrohung des Friedens und der Sicherheit der Armee dev Alliierten in Mazedorrien werde. Unter diesen Umständen sehen sich die alltterten Regierungen gezwungen, um ihre Strtttkräfte vor einem Angriff zu sichern, die sofortige Ausführung der Ver­schiebung tapn Truppen und Kriegsmaterial zu verlangen, hie in der beigefügten technffchen Weise bezeichnet sind. Diese Ver­schiebungen müssen innerhalb 24 Stunden be ginnen mW so schnell als möglich durchgeführt werden. Außer­dem wird jede Bewegung von Truppen und Kriegsmaterial nach diorden sofort verhindert werden. Falls die griechische Regierung sich, diesen beiden Forderungen nicht unterwerfen- sollte, so sind die Mliierben der Ansicht, daß eine solche Halttmg einen feindseligen Mt gegen sie darstellen würde. Tie Unterzeichneten haben den Befehl erhalten, mit dem Persmml ihrer Gesandtschaften Griechenland zu verlassen, wenn sie nicht bei Ablauf einer Frist 'von 24 Stunden, von der Uebergabe dieser Mitteilung ab gerechnet, eine vollständige glatte Annahme seitens der könig­lick, griechischen Regierung erhalten haben. Die Blockade der griechischen Küsten wird so lange aufrecht erhalten werden, bis die griechische Regienrng vollkommene Genugtuung für die kürzlich,en Angriffe geleistet hat, die ohne Herausforderung von gttechischen Streitkrästen gegen alliierte Truppen in Athen unter­nommen wurden und bis genügende Bürgschaften für die Zukunft gegeben sind.

In einen: Anhang werden alle technischen genaueren An­gaben über die Räumung Nordgttechenla:rds durch die griechischen Truppe:: gemacht.

Konstantinopel, 13. Dez. (WTB.) Wie aus griechi­schen diplomattfchen Kreisen verlautet, darf als Zeichen der zwischen der Türkei und Griechenland bestehen­den freundschaftlichen Beziehungen die Bereit­willigkeit betrachtet werden, mit der die Pforte darin ein­willigt, daß die in der Türkei befindlichen wehrpflichtigen Epiroten, die infolge der Verkehrschwierigkeiten die For­malitäten für die Feststellung einer griechischen Staats­angehörigkeit innerhalb der durch den Friedensvertrag von Athen vorgesehenen, im November abgelaufenen drei'jiihri- gen Frist nicht hätten erfüllen können und nunmehr als türkische Untertanen in die türkische Armee hätten ein­rücken müssen, einstweilen vom Militärdienst enthoben wür­den. Es soll sich hierbei um 6000 Personen handeln. ,

Berlin, 15. Dez. (WTB.) Nach einer hier eingetroffenen, 'aus amtlicher Stelle stammenden Nachttcht landeten Tttle der Besatzung von Schiffen der Entente auf der Insel S y r a und ver­hafteten den dortigen deutschen, den österreichischen und den türkischen Konsul. Der deutsche Wahlkonsul starb 24 Stunden nach seiner Verhaftimg an den Folgen der ihn: zuteil gewordenen brutalen Behandlung. Der im siebzigsten Lebensjahre stehende dN-ann, ein griechischer Staatsongekchttger namens Dalleg- gio, war seit 33 Jahren im deutschen Dienste. Dieser Vorfall reiht sich würdig an den nächtlich«: llebersall und die Fortschleppung' des dvttundsiebzigiähttgen Konsuls Ornftein auf Chros und zeigt, wie es um die Achtung der Rechte der klttnen neutralen Staaten, mn die Wahrung des Völkerrechts und um die Grundsätze der Menschlichkeit -btt den Gegnern der Zentralmächte bestellt ist.

Aus dem englischen Unterhaus.

London, 15. D^. (WTB.) Unterhaus. Bei der Ein­bringung der geforderten Kredite von 400 Millionen Pfund schätzte Bonar Law die Gesamtausgaben des Finanzjahres 1916/17 auf 1915 Millchnen Pfund. Das Wachsen der Aus­gäben, die jetzt täglich 5 710 000 Pfund betrügen, stt in der Haupt­sache darauf 'zurückznfühven, daß die Anleihen ar: die Alliierten und überseeischen Dominions, die jetzt ihre Ausgaben selbst finanzierten, um 400 000 Pfund täglich zugenommerr hätten. Diese Vorschüsse seien ebensogut zu den KriegSausgaben zu rechnen, wie die bei der Ausrüstung entstehenden Ausgaben. Die Schnelligkeit, mit der Man den Ktteg tzu einem siegreichen Llbschlnß bringen könnet hinge zum großen Teil von dem Umfang ab, in dem die Hilfs­mittel der Mliierten an Mensch>en, Geld :md Wkunitton dienstbar gemacht und der gemeinsame:: Sache zugefühtt werden könnten. Bonar Law machte Ausführungen über die ungeheure Zunahrne der Munitivnserzeugung, vwbtt er sagte: Wenn er die Zahlen für 1915 und für heute mrgeben -könnte, würde ver Unter­schied bettrahe unglaublich) effchinen. Sodann ^rklätte er, es w:rrden bei dem Posten für verschiedene Ausgaben erheblich^ Er­sparnisse gemacht, besonders bezüglich der Lebensuttttel und Eistn- bahnen Großbritanniens. Die Gesamtausgabe seit Kriegs beginn betrage 3 MAiardeir 852 Millionen Pfur:d Es sn eine gewallige Zähl, doch! halte >er sie nicht für cnschreckend. Er glaube, daß England seine Ausgaben in demselben Grade lange genug fottsetzen könne, um den Fttnd zu: schlagen. Es würde nicht an finanziellen Gründen liegen, wenn Ei:glcmd den Sieg nickt erlangen sollte.

Amsterdam, 15. Dezember. (WTB. Nichtamtlich.) Einem hreftgen Blatte wird aus London gemeldet, daß >d r e i Arbeiter- parteiler zu Unterstaatssekretäven in der neue,: Regierung er­nannt wurden. JU der gestttgen Sitzum- des Unterhauses fragte

n o w d e n (Arbeiterpartei,, ob Gellgenhttt gegeben werden würde, das deutsche Friedensangebot zu besprechen Es wurde chm von allen Sttten zugerufen: Nein!

Enlands Schiffsnot und sein neuester Uebergriff.

Rotterdam, 15. De^. (WTB. Nichtamtlich.) Der Nieuwe Rotterdamsche Cour an tt' meldet aus London: Ro- bevtst eilte im Namen des 5)andelsamtes im Unterhause mit, daß 28 Schiffe von neutralen Ländern im Bau seien und daß ein Abkommen getroffen wurde, dem­zufolge diese Schiffe, sobald sie sertiggestellt, im nationalen Sinne verwende^ werden tvürden. Die Regierung habe die Macht, alle Schiffe, die in England gebaut würden, zu reaui- rreren.

^aoorna und der gemernsame Oherbefehl.

Berlin, 15. Dez. iPriv.-.) DieB. Z." meldet < Budapest: Mit großer Bestimmtheit erhält sich das Gerücht, ' der itauenrsche Oberkomnuaridierende Cadorna auf das hefti eirjem gemeinsamen Oberbefehl der Enterttetruppen widersproc habe. Gadorna soll nicht genttgt sen:, sich der: englischen W scheu unterzuordneu und habe dein König daher seine Entlass: augeboten; der König habe sich die Entschttdmrg Vorbehalte::.

V

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Die Abtretung der dänisch-westindischen Inseln an Amerika.

.Kopenhagen, 15. Dez. (WTB.) Bei der gestrig. Volksabstimmung über die Abtretung der dänisch-westint chen wuseln an dre Vereinigten Staaten sttmmten 233 6i für und 157 o96 Personen gegen die Abtretung.

ver Seekrieg.

. 2l)nbon, 15. Dez. (WTB.) Llohds meldet: Das por gtesrsche SegelschiffBraziella" soll versenkt wori ern. Das SegelschiffEmma Daurens" (2152 Tonn rst versenkt worden; die Besatzung ist gerettet.

(WTB.) Meldung des Reutersö Bureaus. Wre Llohds meldet, sind die englischen Damr s u r n h o p e" (1941 Tonrren),B r a t w a'l d a" (4037 T neu) versenkt worden. Wie Lloyds meldet, wurde DmnpferHarlington" aus London am 9. Dezem versenkt. Die Mannschaft wurde von dem DEPferH

lh rck" aufgenommen. Meser ser gleichfalls verfenkr woroen.^ Ferner sei der englische DampferS t. U r s u l a" (5011 Ton­nen) versenkt worden. Der englische SchonerR o m a" aus St. Johns New Foundland sei am 30. November durch ein feindliches Tauchboot versenkt worden.

Bern, 15. Dez. (WTB.)Petit Pattsien" meldet: Das SchiffAuguste Marie" ist versenkt worden.

London, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel­det : Derinorwegische DampferK a u p a n g e v" wurde ver­senkt. Der portugiesische DampferLe c a" und der eng­lische DampferGren coe" wurden ebenfalls versenkt.

Am dem Reiche.

Bundesratsbeschlüsse.

Berlin, 15. Dez. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung eine Aerrderung der Verordnung über Hülsenfrüchte vom 29. Juni 1916 (Reichs-Gesetzblatt S. 846) beschlossen, die nach zwei Richtungen von besonderer Bedeutung ist. Einmal sind hierdurch Ackerbohnen, Pelusch­ken und'Genieuge, in denen sich Hülsenfrüchte befinden, im gleichen Umfange zugunsten der Reichshülsenfruchtstelle G. m. b. H., Berlin, beschlagnahmt worden, wie dies bisher für die Speisehülsenfrüchte der Fall war. Ferrrer sind die Uebernahmepreise für Hülsenffüchte der Ernte des Jahres 1917 um je 10 Mark für den Doppelzentner erhöht worden. Damit soll den verinehrten Anbauschwierigkeiten im TÜich- sten Jahr Rechnung getragen werden. Die übrigen Aende- rungen sind weniger einschneidend. Eine derselben betrifft den Verkehr mit Saatgut, deren Regelung dem Reichs­kanzler übertragen ist. Eine besondere Saatgutverordnnng wird in aller Kürze erlassen werden.

Der Bnrrdesrat hat in seiner heutigen Sitzung eine Ver­ordnung über'die Geschäftsanfsicht zur Abwen­dung des Konkurses verabschiedet. Die Verordnung, die am 25. d. Mts. in Kraft tritt, eröffnet im Zusammen­hänge mit einer Neuregelung der Geschästsaufficht den in­folge des Krieges zahlungsunfähig gewordenen Schuldnern die Möglichkeit eines den Konkurs abwendenden gerrchtlichen Zwangsvergleichs. Die amtliche Begründung zu btt Ver­ordnung wird im Reichsanzeiger veröffentlicht werden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 16. Dezember ISIS.

Spart mit Kartoffeln, denn fie muffen bis 15. August reichen.

Briefaufschrifte«.

In der jetzigen Zeit, wo der Bestelldienst der Poftanstalten zmn großen Teil durch wenig geübte Hilfskräste besorgt :verden muß, loirren Mängel inderAufschriftderPostsendungen (un­genaue Bezttchnung des Empfängers, Fehlen der Angabe von Straße, Hausnummer,' Gebäudeteil, Stockwerke usw. auch bei wenig bekannten Personen oder Gesästiften) besonders erschwerend auf dev Betrieb und verursachen nicht selten erhebliche Verzögerung rn ihrer Bestellung. Richtigkeit, Deutlichkeit und Vollstän­digkeit der Aufschttst sind die unerläßlichen Vorbedingungen für die ordnungsmäßige Beförderung und Zustellung der Post­sendungen.

Bei Briefen nach Berlin macht 6s der Massenverkchr drmgend erforderlich, in der Aufschttft außer dem Pvstbezirke (E., M W usw.) auch die Nummer des' Pvstamts anzatgeben, von dem die Sendung bestellt oder abgeholt wird fo. B. Berlin S. 42: Ber­lar 0.17). Selbjtverständlich darf aber auch die Angabe der Straße der Hausnummer, des Gebäudeteils und des Stockwevks in der Aujschttst nicht fehlen. Man muß also bttspielswttse schreiben:

Herrn Kaufmann Karl Müller in

Berlin NW. 6 Albrechtstraße 7, Hinterhaus,

3 Treppen links.

Das von der Postverwaltung herausgegebeneStraßenve^eich-» n:s von Berlin und Iden angrenze::den Orten mit Angabe der Bestellpostanstxrlt' / kann an bei: Poftscholtern erngeseben und sollte vom Publikum zur Vervollständigung der Aufschriften im eige­nen Interesse stets benutzt werden. Das Verz-eichnis nebst Stadt­plan ist durch alle Pvstanstalten und Bttefträger für 5 Pfg. zu beziehen.

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Amtliche Personalnachrichten. Das Ehren­zeichen sür Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde vom G r o ß h e r z o g verliehen an Friedrich L a u t e n s ch l ä g e r, Karl Peter Geyer, Johann Philipp Ries, Heinttch Hosmann und Hermann Schlinger, sämtlich zu DarmstadtJakob G S tz zu Neu-Isenburg. Johann Bauer zu Wimofen.

K i r ch e n r a t Dr. N a u m a n n f. Am 14. DezeEr d starb zu Dieburg der frühere erste evangelische Pfarrer unseres Stadt, K r r ch e n r g t Dr. Naumann. Von 1880 bis 1906 war er m Gießen tätig. Und sein Wirken war ttu überaus segensvolles. Eine ausgeprägte Persönlichkeit von inniger, wahrhaftiger Fröm- mrgkett, großen Gaben, umfafseno-en Kenntnissen, l-ervorragendem Organisationstalent, seltener Tatkraft hat er die Entwickelung dev evangelischen Gemttnde auf mamngfalttge Weise gefördett. Er ver­stand es, neue Wege zu öffnen, werm die alten nicht zum Ziele ftihrten, er wußte das als ttckttg erkannte mL aller Kraft duttip. zusetzen, andere sür sich zu gewinnen, und er scheute auch den Kvmpf Nicht, wenn ihn die Verhältnisse erforderten. Ihm gelang es, di« ftnanzielle Unabhängigkttt der kirck)lichen Gemttnde von der bürgev, l:chen in die Wege zu lttten, wodurch das kirchliche Gemeindelebtt« seine volle Sellständigkttt erreichte; seinem Vorgehen vor allem ist die Eintttlung der großen Stadtgemttnde in vier Eirrzelgemein- den, die Erbauung der Johanniskirche, die Erneuerung der Städte kirche zu verdanken. Durch sttne kraftvollen Predigten sammelte er eine große Gemttnde um sich, und in hingebender Treue nahm er sich der Armen und Kranken an. Viele suchten wälirend der Jahre seiner Wirksamkttt bei ihm Trost und Halt in den Erschütte­rungen des Lebens. Die evangelische Gemeinde ist bei dem Heim­gänge des Entschlafenen von aufttchttger Trauer erftlllt: das AM- deinen des um sie verdieitten Pfarrers wird in ihr nicht ettöschM L. U. Studenten-Bersammlung. Zur Aus­sprache über die unten angegebenen wichttgen Angelegen­heiten der Studentenschaft und über ihre Mtarbett an den vaterländischen Aufgaben lädt der Rektor alle Studierenden der Ludwigs Universität Herren wie Darnen auf Mon­tag, den 18. Dezember, aberck>s 8 Uhr, in den Großen Hörsaal im Vorlesungsgebäube ein. Der Rektor wird über die Einwirlllng des neuen Gesetzes über den Vaterländischen Hilfsdienst Mitteilungen machen; Privat­dozent Dr. Briefs wird über die Mitarbeit der Stu­dentenschaft in der Frage der Volksernähruna, Geh. .Hofrat Dr. Haupt über den Vaterländischen Studentendienst! sprechen.

stellung gelangten noch Oelgemälde, Aquarelle und Pastelle von Heinr. Haderl-München, Mathilde Segantini- Schweiz und von imseren einheimischen Künsllem: Ottilie Kowarzick, G Gerhard und 5). D i e h m. Verkauft wurden nochNiedersächsische Mche", Pastell von Prof. Fntz,Hof vom Schiffenberg", Oelgemälde, undSchisfen- berg von Westen", Aquarell von W. Geißler-Berlin ferner noch vier Radierungen von H. Hgberl-Münchem