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Erster Blatt 16b. Jahrgang Freitag, 15.'
Gietzener Anzeiger
greitag, 15. Dezember 191b
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General-Anzeiger für Oberheffen
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Telegrammwechsel zwischen hindenburg und dem Keic|$fü!f jlet
(WTB.) Großes Hauptquartier. 14. Dezember. (Amtlich.)
1 Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern.
An einzelnen Abschnitten der Sommefront vornber- gcyend starker Feuerkampf.
Heeresgruppe des Deutschen Kronprinzen.
Bei Le Four de Paris, in bru Argonnen nach deftigem PorbereitungSfeuer vorstotzendc französische Patrouillen wurden abgewiesen.
Auf dem rechten Maasllfer war nachmittags die Artil- lerietätigkeit gesteigert.
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Nichts Wesentliches.
Front des G e n e r a l o b c r st c n Erzherzog Josef.
In den Waldkarpathen vielfach Artilleriefeue..
Im G y c r g y o - Gebirge und im D r o t u s u l -Tal setz- : ten die Nüssen ihre verlustreichen, aber ohne jeden Erfolg verlaufenen Angriffe fort.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Günstige Fortschritte auf der ganzen Front trotz sehr großer Wegeschrvicrigkeiten.
Die große Wala che isüdlichderBabn Bukarest— Cernavoda ist vom Feinde gesäubert.
Mazedonische Fron t
Die östlich der Cerna von Serben geführten Angriffe sind unter schweren Verlusten vor den bulgarischen Stellungen Miammen gebrochen.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
Der Abendbericht.
Berlin. 14. Dez., abends. (WTB. Amtlich.)
An der Somme lebhaftes Feuer in einzelnen Ab- i schnitteil.
Vorstöße der Franzosen auf O st - u n d W c st u f e r der Maas habeil abends eingesetzt.
In Rumänien ist die Jalomita auch von der /Donau-Armee überschritten.
Der rauhe Sturm der feiitdlichen Presse, besonders der ^englischen, der gegen den Friedensvorschlag der Mittelmächte wütet, geht weiter. Mit allem Kraftaufgebot werden noch einmal die Forderungen herausgestoßen, die von maßgebender englischer Seite für die Beendigung des Krieges bekundet wvttien sind, und insbesondere ist ans eine der zuletzt erngelaufenen Nachrichten zu verweisen, wonach Sonar Law, der sich mit Lloyd George in die Beherrschung des neuen Kabinetts und der englischen Kriegführung teilt, im Unterhause gesagt hat, England stelle noch dieselben, früher von Asquith genannten Bedingungen: Genugtuung für die Bergangenheil und Sicherheit für die Zukunft. Es ist noch in der Erinnerung, daß Asquith damit damals die schärfsten Kriegsziele formuliert hat, die sich denken lassen. Man will uns also heute noch „strafen" und in unserer militärischen Wehrkraft „vernichten". Das Unterhaus wird die Erörterung fortsetzen, ab^r schwerlich wind Erfreuliches dabei zutage treten.
Da auch Briand bereits in der französischen Kammer sich abweisend und herausfordernd gegen, den deutschen Antrag geäußert hat, wird bei dem beabsichtigten geeinigten Borgehen der Entente sicherlich nichts herauskommen, was dem baldigen Abschluß eineis Friedens dienen könnte. Tre- pow wird in dieselbe Tonart wie Briand verfallen, und noch immer die Auslieferung Konstantinopels verlangen. Man wird vielleicht nicht einmal darauf Wert legen, die Bedingungen der Mittelmächte überhaupt kennen zu lernen, sondern wird dem „Friedensbedürsnis'^ Deutschlands derart entgogenkonrnlen, daß inan selber den Tisch deckt und den Speisezettel aussucht. Wenn Deutschland und seine Verbündeten sich sodann nicht dazusetzen, wird sich ein großes Geschrei erheben: Deutschland ist noch immer die „Bestie", die gezähmt werden muß. Und man wird sich in den feindlichen Lärrdern künstlich berauschen in erneutem Siegeswillen und im Aushalten bis zur „Niederwerfung" und „Bestrafung" des Gegners.
Das sind düstere Ausblicke, auf die wir uns aber vorbereiten müssen, um nicht in Enttäuschung zu geraten. Wir Deutsche haben dagegen fteilich die Macht und Kraft eines guten (Gewissens entgegenzusetzen, das sittliche Gefühl, unser Mögliches getan zu haben, unl das Blutvergießen bald zu beendigen. Inwieweit die noch geheinien Bedingungen,
die der Reichskanzler an den Verhandlungstisch mitzubringen sich bereit erklärt hat, sich mit unseren Bedürfnissen, mit den Zielen eines Siegers im Streite, sich decken, bleibt eine Sache des Vertrauens. Die Fraktion der Nationalliberalen hat sich, unseres Erachtens mit Recht, jetzt beim Kanzler darüber beschwert, daß Reichstag und Volksstimme bei der Entschließung über unsere Ziele gänzlich übergangen worden sind. Wie aber wird sich der Handel vielleicht weiter entwickeln? An welchem Scheideweg werden wir wieder stehen, wenn sich für Deutschland die Frage erheben wird, ob wir uns mit England und seinen Genossen in weitere, vielleicht unwürdige Verhandlungen und Händel einlassen sollen. Tie Fragen der Taktik und des realen Wollens werden dann in Itenen Knäueln vor uns liegen.
Das Einzige, was den vaterländisch gesinnten Deutschen jetzt zu tun übrig bleibt, ist, das Bewußtsein und die Ueber- zeugung zu stärken, daß das Friedensangebot im Bewußtsein voller Stärke und in unerschütterlicher Siegeszuversicht gemacht worden ist. Diesen Zweck verfolgt denn auch Hindenburg in seinem Telegramm an den Reichskanzler. In seiner schon kurz erwähnten Unterredung mit dem Amerikaner Karl von Wiegand hat Hindenburg sich sehr ruhig,' kraftvoll und zuversichtlich über unsere militärischen Aus- sichten geäußert. „Wir werden mit unserem ^oldaten- material schon durch den Krieg kommen." „Jede Gefahr eines Mangels an Nahrungsmitteln ist verschwunden, und strategisch kommen wir gegenüber Rußland in eine bedeutend günstigere Lage." Diese Worte des Meisters der Schlachten lassen uns alle Bedenklichkeiten und pessimistischen Anwandlungen vergessen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien. 14.Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 14. Dezember 1916.
Ocstlichcr Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe oes G e n cra i fe ld m a rich alls von Mackensen.
Der Feind ist auch im Bereiche der unteren Jalomita im Rückzuge. Auf unserer Seite neuerlich Raumgewinn.
Heercsfront des Generalobersten Erzherzog Josef.
Die Russen greisen weiter au. Sie holten sich auch gestern überall sowohl südlich des Uz-Tales als im Trotus- Tal und westlich von Toelgyes blutige Köpfe.
lieber Comanefci schoß ein österreichisch-ungarischer Flieger ein feindliches Kampfflugzeug ab. Dieses überschlug sich und stürzte in einem Wald nieder.
HeeresfrontdesGeneralfeldmarschalls
Prinzen Leopold von Bayern.
Beiderseits des Dnjestrs wuchs die russische Geschütz-- tütigkeit. Sonst nichts Neues.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Hindenburg und der Reichskanzler.
Berlin, 14. Dez. (WTB.) Zwischen Ge neralsetd marschall von Hindenburg und dem Reichskanzler wurden heute folgende Depeschen gewechselt:
An Se. Exz. den Herrn Reichskanzler!
Euere Exzellenz beglückwünsche ich zu Ihrer gestrigem Reichstagsredc. Mit tiefer Bewegung und großer Genugtuung habe ich sie gelesen. Euere Exzellenz baden auf Befehl Sern er Majestät mit dieser Rede die tiefe sittliche Kraftäußerung unseres deutschem Vaterlandes eingeleitet, die fich würdig anschließt und gründet auf die Stärke des deutschen Volkes daheim und im Felde. Wir Soldaten wissen, daß es für uns gerade rn diesem Augenblicke keine höhere und heiligere Pflicht gWt, als! den Sieg mit äußerster Tatkraft weiter zu verfolgen und für .Aüser und Vaterland zu leben und zu sterben. t
gez.: von Hindenburg.
An Se. Exz. den Herrn Generalfeldmarschall von Hindenburg!
Euerer Exzellenz danke ich aufrichtig für den mich tief bewegenden Glücftmrnsch zu meiner gestrigen Mde. In den Worten des Mannes, dem unser kaiserlicher Herr das deutsche Schivert anvertraut hat, und der es miilt sieghafter Kiraft führt, viernehme ich die Stimme unseres deutschen Volksheeres. Seine Taten zu Lande und zu Wässer haben die Bahn freigemacht für den hochherzigen Entschluß, den Seine Majestät der Kaiser mit seinen hohen Verbündeten gestern ausgesührt hat. Die todesmutige Pflichttreue und unerschütterliche Tapferkeit der Männer, die für Deutschland fechten, bürgen uns dafür, daß wir, tv-enn es unseren Feinden heute noch nicht gefällt, dem Krieg ein Ende zu machen, unserent Vaterlande erst recht einen starken und dauerhaften Frieden erkämpfen werden.
gez.: von B e t h m a n u Hollweg.
Zum Rücktritt dcZ Kabinetts Korber.
Wien, 14. Dez. (WTB.) Die Blätter erklären, daß der Rücktritt des Kabinetts Korber znm Teil aus den Widerstand zurückzuführen ist, den ein Teil der deutschen 2lb- geordneten der Wiedereröffnung des Parlament s entgegenstellte, andererseits steht er vermutlich in Zusammenhang mit der Lösung der von dem Ministeriuni Stürghk vorbereiteten Aus gleichs frage mit Ungarn. Uebereinstimmend gelangt in den Blättern das Bedauern über den Rücktritt Korbers znm Ausdruck, der, wie immer, lieber seine Person als seine Grundsätze znm Opfer brachte. Den neuen Ministerpräsidenten v. Spitz müller. der als Handelsminister im früheren Kabinett großen Anteil an den Verhandlungen Stürghks mit Ungarn über dir Frage des Ausgleichs hatte, bezeichnen die Blätter als geeigneten Mann, das Ausgleichswerk zu Ende zu führen.
Der bulgarische Bericht.
Sofia, 13. Dez. (WTB/' Generalstabsbericht vonr 13. Dezember.
Mazedonische Front: An der ganzen Front nur
schwaches Artillerieftuer von beiden Seften und stellenweise Patrouillengefechte.
Rumänische Front. In der D o b r u d s ch a spärliches gegenseitiges Artillerieseüer. In der östlichen Walachei ü bersch r i t tc n die v e r b ü. n b c i c rt 'Heer e d e n Jalomita- Fluß an gewissen Punlren.
Ein bulgarischer Armeebefehl.
Sofia, 13. Dez. (WTB.) Meldung der bulgarischen Telegraphenagentur. Der König hat folgenden Armeebefehl an das Heer gerichtet:
Palais Sofia.
Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten!
Seit 15 Monaten kämpft Ihr, um die Einheit des bulgarischen Volkes zu verrvirklichen. Dank Eurer Hingebung an Euren Zarar und an das höchste nationale Werk, dank Eurer beispiellosere Tavretteir sind alle Feinde, die sich unserer nationalen Einheit Widernd in den Wog stellten, besiegt. Alle bulgarisch«! Gebiete stehen unter dein Schutze der siegreichen bulgarischen Armee. Durchdrungen von dem Gefühl der errungenen -siege, haben wir mÄ die Herrscher der verbündeten Staaten unseren Feinden Vor-« schlüge zur Herstellung d'es Friedens germscht. Die nächste 'Zukunft wird zeigen, ob dieser von hoher Menschlichkeit eingegebene Schritt die gerechte Würdigung unserer Feinde finden! wird. Unabhängig davon heißt es für uns, nichts destoweniger den Kampf mit großer Energie fortzu setzen und mit Gottes allmächtiger Hilfe neue Siege über unsere Gegner zu erringen, bis sie begriffen haben, daß ihr auf die Unterjochung fremder Völker gerichtetes Werk die Unterstützung des gerechten Gottes entbehrt rntb damit zum Scheitern verurteilt ist. Es lebe das geeinigte Bulgarien!
* . *
Das Echo des Friedensangebotes.
Briand über den Friedensvorschlag.
Basel, 14. Dez. (Zf.) Havas meldet aus Paris: Ten Vorsst'. fuhrt Deschanel. Briand besteigt die Tribüne und gibt ruhig folgende Erklärung: Im Verlause von 10 Geheint- sitzungen haben sich ztvei Fragen ausgeschieden uub finden sich in der Tagesordnung, die die Kammer mit dem Ausdruck des Vertrauens entgegennahm, zunächst die Leitung des Krieges, d. h.: die Leitung durch die Bildung eines Kriegsrates, dann die AenderNng im Oberkommando. Dieser Kricgsrat selbst rvird die nöttgen Vollmachten erhalten, Um' rasche Entschlüße zu fassen mit den entsprechenden Aktionsmitteln. Er wird fast in P e r ma n enz ta g e n und- daftir besorgt sein, die Produktion zu steigern, die Verproviantierung zu regeln und über eme gerechte Verteilung zwischen Zivil und Militär zu tvachen. Ohne einem übertriebenen Optimismtrs zu huldigen, ist es heute mehr als je notwendig, die Ueberzeugung und die Genüßhttt des Sieges #u hegen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die deutschen Truppen sich auf uns, die wir fast isoliett standen, zuerst gestürzt haben. Frantteich hielt beit Ansturm aus und machte den ent- scheidenden Sieg möglich. Nirgends ivaren die deutschen Erfolge entscheidend. Es ist wahr, daß das tapfere Rumänien nach- geben wußte, das ist traurig; aber seine Armee gestützt auf die russische -wird sich wieder erholen, denn die Orient fragrj ist noch lange nicht gelöst, und morgen wftd eine neue Front die feindliche zum Stillstand bringen, man kann ja sagen, daß das Jahr 1916 keine Siege gebracht hat: aber man muß die Sache genau betrachten. Es ist die deutsche Armee, die kein« Siege errungeit hat, denn nach adyt Monaten war der Sieg von Verdun zu unseren Gunsten gebucht. Der Krieg selbst wird das Land nicht in Verlegenheit bringen. Wir werden nur das Nötige reguirieren. Wir werden verlangen, gewisse Fragen durch-De-- kret Ku regeln, da die Vorbereitung von Gesetzen zu lange Zeit m Anspruch nimmt. Wir werden ein Alkoholverbot verlangen. Es m gewiß, daß der Feind seilten Wtllett bekundet hat, sich den Sieg im Frühjahr zu ficherit, indent! er seinen Mmtgel an Menschen durch Matettal ersetzen wird.
Anspielend auf die Rede des Reichskanzlers erklätt Brrand: Ich habe die Pflicht, mein Land vor einer mög- ltchen Vergiftung zu warnen (Lebhafter Beifall). Wenn em Land ttch bis zu den Zähnen bewaffnet, wettn es überall in Verletzung der Völkerrechte Männer aushebt, um sie zur Arbeit zu zwingen: Kann ich einem solchen Mgenblicke nicht meinem Lärche zu rufen: „Achtung! Hüte Dich!" so mache ich mich schul- dtg (Neuer Beifall, langes Händeklatschen).
.Dre Kammer nahm mit 314 gegen 165 Stimmen eine D e r- t r a u e n s 1 a g e s o r d n u n g für die Regierurtg an.
Paris 14 Dez. (WTB.) Briand sagte in seiner Kam- m errede zum Schluß: Man macht uns den Vorschlag, über den Arte den zu verhandeln in dem Augenblick, wo Belgien Serbien und zehn französische Tcpattements vom Feinde besetzt such. Unbestimmt und dunkel, aber mit feierlichen Worten sucht mian dte unruhigen Gewissen und Herzen in den Ländern, die um


