Ausgabe 
4.12.1916 Erstes Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 285

Der Girhener Anzeiger

erscheint täqlidi, nutzer Sonntags. - Beilagen:

GieftenerFamilienbUMer.

KreisblüH

Eür den Kreis Giehen. vezugspreis:

monatl. 9i) Pi.. viertel- kährl. Mk. 2.65. durch »dhole- u. Ziveigstellen monatl 80 Pr - durch die Post DU. 2.4k» nrertel- wbr^. ausschl. -eitellg.

' - erusprech - Anschlüfle : üü die Schristlettung!12 Verlag,Gesckäitsstelle51 klnschriü für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen.

Erstes Blatt

lbs. Jahrgang

Montag. 4 . Dezember J 9 J 6

postjcheSrs-tts: Zrankftrrta.M. U686

Sankvedehr: Sewerbebank Gießen

.twittingrninddnick u. Verlag: vriihl'sche Unio.viich- u. Steindruck«« R. Lange. Schristleitung. Seschäftrstelic rr. Druckerei: Schulftr. 7.

Annahme von Anzeigen

t. die LageSnirrnrner dis zurnNachmittaq vorher. Zeilenpreir. r. Anzeigen: örtlich 20 Vtz. Äer- nnetungen u. Stellenge­suche 15Ps.. auswärts 25 Pf., b. Platzvorschrift 30 Ps., Reklamen 7b Pi., bei Platzvorschrift VO Pf. Hauptschristleiter: Aug, Goeh. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Aug. tSoetz. Stadt und Land, Vermischtes u. Ge­richtssaal: Fr. R. Zerrz. Anzeigenteil: H. Beck,

sämtlich in Gießen.

siegreiche schlacht am Argesu

Der mWche Min

MTB.) Großes Hauptquartier. 2 Dezember.

(Amtlich)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Auf beiden Ancre-Usern. am St. Pierre Vaast-Waldc und südlich der Somme bei Chaulnes entwickelte sich zeitwei­lig starker Artilleriekamyf.

Ocstlichcr Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

,Russische Vorstöße nördlich von Smorgou und südlich von Pinsk scheiterten verlustreich.

Front des Genernloberstcn .i!

Erzherzog Josef.

Die Angriffe der Russen und Rumänen in den W a l d - karpathen und si ehe nbürgisch e n G re nzgeb ir- gen dauern an. Der Ansturm richtete sich gestern vornehm­lich gegen unsere Stellungen an der Brrba Ludowa und Gura Rucada. östlich von Dorna Watra sonne am Trotosu- und Oyloz-Tale. er mar vergeblich und mit schweren Verlusten für den Feind verbunden.

Deutsche Truppen in den Waldkarpathcn machten bei Gegenstößen an einer Stelle über 1 0 0 0 G c f a u g e n e.'

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Die Kämpfe in der Walachei entwickeln sich zu einer- großen Schlacht.

.Der aus dein Gebirge südöstlich von Campulung heraus- Ire^nde Armoefsügel gewann in den Waldkarpathen zu bei­den Seiten des Dambovita-AbSchnittes kämpfend Boden.

Am A r g e s u l, südöstlich von Pitcsti. ist die sich zuw Kampf stellende rumänische I.Armeevon deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen nach zähem Ringen durchbrochen und geschlagen nwrden .Das bis zu edrem Dimsionsstabsguartier vorstoßende altbewährte baye­rische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 18 nahm dort ge­fangenen Generalswbsvffizicren Befehle ab. aus denen her- vvrgcht. daß an der von uns durchstoßenen Stellung die 1. Armee sich bis zum letzten Mann schlagen sollte. Der Ar­meeführer. wohl-im Bewußtsein des geringen moralischen Wertes seiner Truppen, knüpfte an den in romanischem Phrasenschmmrg gehaltenen Ausdruck der Erwartung. ..aus­zuhalten und bis zum Tode gegen die grausamen Barbaren zu kämpfen . die Androhung sofort zu vollstreckender Todes­strafe gegen die Feiglinge in seiner Armee!

Weiter unterhalb bis nahe der Donau ist der A r g c s u l im Kampfe erreicht.

Au G e f a n g e n e n hat soweit Zählung bisher mög­lich der !. Dezenckrrr uns 51 Offiziere und 6115 Mann, an Beute 4 9 G e s ch ü tz e und i 00 gefüllte Munitionswagen netzen vielen hundert anderen Truppenfahrzeugen ein-

gebracht.

In der Dobrudscha schlugen bulgarische Truppen starke russische Angriffe ab.

Mazedonische Front.

Auch auf d'-csem Kriegsschauplatz blieben Vorstöße der Entente nordwestlich von Monastir und bei G r u n i st e ohne jeglichen Erfolg.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

(WTB.) Großes Hanptguartier. 8.Dezember. (Amtlich.)

W e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

Im Somme- und Maas-Gebiet nahm zu einzelnen Ta­gesstunden die Artillerietätiakeit zu und hielt sich auch nachts stellenweise an Stärke über dem gewöhnlichen Maß.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Abgesehen von lebhafterem Feuer an der Narajowka und südlich des Dnfestr keine wesentlichen Ereignisse.

Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Josef.

Gestern, am fünften Tage der russisch-rumäni­schen Karpathenoffensivc. richteten sich die An­griffe hauptsächlich gegen die deutschen Linien in den Wald­karpathen. Am Gutin Toumatek. am Smotree. besonders heftig westlich der Baba Ludowa und oft wiederholt an der Ercteala-Höhe. stürmten die Russen immer ver­geblich an Unser Feuer riß breite Lücken in die Massen der Angreifer. Vom Nachstoß hinter dem weichenden Feind her brachten an der Bahn Ludowa deutsche Iggdkommaudos vier Offiziere und über 800 Mann zurück.

Auch östlich von Kirlibaba. beiderseits des Trotesul- und Oitez-Tales, scheiterten starke Angriffe. Hier wurden mehrere Hubert Gefangene gemacht.

Heeresgruppe des Genernlfeld marschalls von Mackensen.

Die Schlacht am Argesul dauert au-, sie hat bis­her den von unserer Führung beabsichtigten Ver­lauf arnommen.

Von Campulung und Pitefti her gewannen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen kämpfend Boden.

Im Argesul-Tal stießen heute nacht zwei Bataillone des westpreutzischen Rcstrve-Jnfantcrie-Rkgiments Nr. 21 mit Artillerie unter Führung des verwundeten Majors von Rich­ter vom neumärkischen Feld-Artillerie-Regnnent Nr. 54 bis Gaesti vor und nahmen dem Feind dort sechs Haubitzen ab.

Der Argesul ist weiter stromabwärts überschrit­ten.

Eine rumänische Stoßtruppe, die südwestlich von Buka­rest über den Argesul und den Nrailovo vorgedrungen war. ist umfaßt und unter schweren Verlusten nach Nordosten über den Neajlovo-Abschuitt zurückgeworfcn worden.

Auf dem ürlßerstcn rechten Flügel an der Do­nau wurden am 1. 12. russische Angriffe verlust­reich ab gewiesen. Die Lage hat sich dort am 2. 12. nicht geändert.

Die Beute der 9. und der Donauarmee aus den gestri­gen Kämpfen beläuft sich auf 2860 Gefangene. 15 Geschütze, mehrere Kraftwagen und sthr viele andere Fahrzeuge.

Am Wcstflügel der Dobrudscha-Front wie­sen bulgarische Regimenter starke Angipfft durch Feuer, zum Teil durch Vorstoß über die eigenen Linien zurück. Weiter östlich gingen ottomanische und bulgarische Abteilungen gegen die russischen Stellungen vor. stellten durch Gefangene von drei russischen Divisionen die Verteilung der feindlichen Kräfte fest und erbeuteten zwei Panzerkraftivagen mit eng­lischer Besatzung.

Mazedonische Front.

dkach Trommelfeuer griff jger Gegner die von Bulgaren besetzte Höhe 1248 nordwestlich von Mo na st i r an und yoltesich dabei blutige Verlust.. Die Höhe blieb ebenso wie der gleichfalls angegriffene Ruinenberg bei Guniste fest in der Hand der Verteidiger.

Der Erste Gencralrmartiermeifter Ludendorff.

Abendberichte.

Berlin. 2. Dez. 1916. abends. (WTB. Amtlich.)

Im Westen und an der Ostfront nichts Wesent­liches.

In den Karpathen erneute, aber wieder vergebliche Entlastungsvorstöße.

Für nns günstige Entwickelung der LaOe in Rumänien.

Nordwestlich Monastir starkes Feuer. Bulgarische Vorstöße warfen dort den Angreifer zurück.

B e r l i n, 3. Dezember 1916. abends. (WTB. Amtlich.)

Im Westen und Osten nichts Besonderes.

In Rumänien erfolgreiches Vordringen am Argesul.

An mazedonischer Front starkes Feuer bei Monastir und G r u n i st e.

* * *

Die Schlacht am Argesul gewonnen.

Berlin. 3. Dez. (WTB. Amtlich.) Die Schlacht am Argesul. nordwestlich von Bukarest, ist von der neunten Ar­mee gelrwnnen. Seine Majestät der Kaiser hat Allerhöchst aus diesem Anlaß in Preußen und Elsaß-Lothringen am 4. Dezember 1916 Kirchengelüut angeordnet.

* » *

Freude und Hochgefühl durchzieht die deutschen Lande. Wir haben eine Schlacht gewonnen, die das Schicksal Ru­mäniens besiegelt: der letzte Verteidignngsabschnitt, der Bukarest gegen Südwesten deckte, ist durch den Sieg von Ar- gesnl von unseren Truppen glücklich überwunden worden, und der Kaiser selbst hat das Zeichen zum Festgeläute ge­geben. Es ist eine ungetrübte Freude, der wir uns hingeben dürfen, denn die feindlichen Entlastimgsoffensiven, wo sie immer geführt worden sind, haben keinen Erfolg gehabt. Besonders die Russen haben sich an den Karpathen wie, den Bulgaren gegenüber, an der Dobrttdscha nur blutige Köpfe geholt. Wir leben heute in Deutschland in einer Spannung der Zuversicht, ftendiger Hoffnungen. Wir lesen die Kaiser­worte und Hindenbnrgs Aeußernng über die Annahme des neuen Dienstpflichtgesetzes int Reichstag, und wissen, daß wir damit eine Schlacht im Innern gewonnen haben, die von großem Eftldruck auch im Auslande begleitet war. Es kommen hinzu die angenehmen Erlebtrisse der letzten Tage, die wir an der Entwicklung in Griechenland gehabt haben, wo sich zeigt, wie stark das Barometer unseres Ansehens ge­stiegen ist, mtb wenn es auch jetzt wieder heißt, daß in Achen ein neuer Kompromiß geschlossert worden sei, indem der König ein pncrr Batterien an die Entente verkauft habe, so klingt uns dock) das Gewehrgekncrtter uitb Geschütz­feuer noch lieblich in die Ohren, das die griechischen königs- treuen Soldaten den dreisten englischen, französischen mtb

d über den Urieg.

italienischen Eindringlingen geliefert haben Es ist Mul geflossen: nimmermehr wird Griechenland sich auf die Seite unserer Feinde schlagen.

Und nun ein Blick hinter die Drahtverhaue und Ab­sperrungen, die uns von England und Rußland trennen! Dort werden noch immer große Worte in die Welt getönt, aber es herrscht keine Siegesstimmung. Nachdem der Wechsel im britischen Flottenkommando sich vollzogen hat, wackelt nun auch) das Kabinett Asauith selbst. Lloyd George hat sein Rücktrittsgesnch eingereicht, weil er mit den Verzögerun­gen in der Leitung des Krieges unzufrieden ist, und daß auch im Volke wachsende Mißstimmung herrscht, beweist jene öffentliche Massenversammlung in Edinburg, wo sogar der Ruf nach einer Diktatur erscholl. Ebenso interessant aber ist das Bild, wenn wir das Auge ans das Zarenreich richten.

Dort sollte sich jetzt zeigen, was noch geleistet werden kann. Rußland allein kann den Rumänen noch helfen. England und Frankreich können enttäuscht und verstimmt sein von den rumänischen Ueberraschungen. aber Rußland könnte noch helfen. Es hat seine heftigsten Entlastungs- offensiven unternommen. Es setzt in der Tat alle seine Kräfte daran, die drohende Zerschmetterung Rumäniens noch abznwenden. Aber die letzten Tage haben keine großen Hoffnungen erwecken können, daß die russische Hilfe wirk­sam und erfolgreich werden könne. Da erleben wir das seltsame Schauspiel, daß im Augenblick der größten Erwartung, nnnrittelbar v o r der Entscheidung, Herr Trepow, der russische Ministerpräsident, vor der versammel­ten Duma den Mund öffnet und eine der aufpolterndsten Reden hält, die das russische Volk im Laufe des Krieges gehört hat. Jetzt kann der russische Bär noch aufbrüllen. Wenn aber Bukarest gefallen sein wird, wenn ganz Rn- mänien hinter Polens Schicksal her unter die Gewalt der Zentrakmächte gekommen sein wird, da wird das lauteste Gebrüll keinen sonderlichen Eindruck mehr machen. Das weiß Herr Trepow. Darum hält er jetzt den Augenblick für gekommen, noch einmal dftnruszn schreien, daß Rußland bis zum letzten Soldaten kämpfen wird, um den verhaß­ten Feind nicht nur niederznringen, sondern er sprach das Wort wirklich ans! zu v ernicht en! Wir haben also vorläufig mit der Möglichkeit eines russischen Sonderfriedens nicht zu rechnen. Die Russen verlassen sich nicht so sehr auf die eigne Kraft, als ans die Hilfe und Macht Englands. Noch sind trotz aller Rückschläge die großrussischen Luftschlösser nicht niedergelegt. Herr Trepow verrät uns, daß in der großen Abmachung bet Entente, jeden Sonderfrieden auszuschließen, England dem Zaren ausdrücklich das Recht verbrieft hat, das Tor zum Bosportrs und Konstantinopel selbst in Besitz zu nehnten. Und Trepow spricht diese Ent­hüllung jetzt mit ausdrücklicher Billigung seiner Bundes­genossen aus! Rußland will aber, nach Trepows Rede, noch mehr. Zunächst Eindruck auf die Polen machen mit der Ankündigung, Deutschland die polnischen Ostniarken abzu­nehmen und Poleri in seinen ethnographischen Grenzen wiederherzustellen! Außerordentliche Anstrengungen soÜen gemacht werden, um den Krieg mit voller Kraft zu führen, ntrd Trepow bekundet mit der Einleitung einer treuen Orga­nisation im Innern wirklich die allerbesten Absichten! Nur daß bis zu deren Verwirklichung ein gar so weiter Weg ist. Was Rußland will, haben wir jetzt gehört, aber was es kann, das hat uns die Erfahrung gelehrt und wird uns die allernächst Zukunft zeigen. Uns scheint es, daß diese große Willensrede Trepows vor allem darauf berechnet ist, die deutsche Diplomatie auf eine baldige Frieüensanbahnnng mit England hinzuweisen. Dann würde der Krieg bald beendet werden und in London müßte man sich Rußland dankbar erweisen. Trepows Rede ist ein Erfolg Greys. Mer die Weltgeschichte geht in diesen Tagen mit raschen Schritten. Das Bild kann sich bald wieder ändern. W i r wollen und planen nicht nur, sondern wir sind den Feinden im Handeln, in der Tat, voraus!

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

W i e n , 2. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 2. Dezember 1916.

O e st l i ch c r Kriegsschauplatz.

Südwestlich von Bukarest wurde der untere A r ge su l gewonnen. Alle Versuche des Feindes, dem Vordringen der Donau-Armee durch Gegenangriff Halt zu gebieten, waren vergebens. Südöstlich von Pitesti stellte sich die l. nt manischeArmec erneut zur Schlacht. General Strati lesen trug in einem Befehl allen Offizieren und Truppen auf. auf ihren Plätzen zu sterben. da von den bevorstehenden Kämpfen das Schicksal Rumäniens rrbhange. Oesterrcichisch ungarische und deutsche Truppetr warfen den Fe i nd nach heftigem Ringen. Ein bayerisches Regiment stieß im Argesntal weit über die durchbrochene Linie des Gegners hin­aus: die Rumänen wichen in Unordnung. Auch im Dam bovita-Tale südöstlich von Campulung wurde rumäni­scher W i d e r sta nd gebrochen. Ein feindlicher Gegen stoß im Prahovv-Tale scheiterte an dem Widerstande der dort fechtenden österreichisch-ungarischen Regimenter.