Rußland und England.
Kope nhage n, 30. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mvkmng btx Petersburger Telegrapl)en-Ageurur hat Minister- ttnöfK'.t'nt TroPow a:t Asgu: th eüi Telegramm gerichtet, in Km es heißt, er sei glücklich, Asguieth erneut die Gesichte der rni- ftfdjei: Ikgierung Ausdrücken zu IKrmen, die mit Gottes .Hilfe und rnc ZLlsmuu! emoi rken mit den Meierten auf dm endgültigenl Lrimnvl) über den gemeinsamen Fsvch rechne, ebenso aus die un- iMfoarc Fi^euu d ckafr zwischen den beiden Ländern, die für immer durch das für dieselbe Sache vergossene Wut geschlossen sei.
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Die Veränderung in der britische» Admiralität.
Rotterdam, 5'0. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Dem „Nieuwe Rotterdam sehe Courant" erfolge schreibt die „Times" über die Ver- önderungen in der 2ldmiralität. sic würden wenigstens das Publikum Mlfriedenstellen. Jellicoe genieße ein unvergleichlick)es Prestige sund Balty sei ein populärer Bosksheld. Aber die beiden Lunten nicht alles allein tun. Es hieße mit Blindheit geschlagen Ku sein, wenn man glaube, daß mit der Lotung des Krieges jetzt alles in Ordnung sein werde mir wegen dieser beiden Ernennungen. Nicht die Soldate 1 : und S> Leute seien an der langen Kriegführung sch2d. Auf die wirklichen Reformen würde man aber vorläufig noch Lvarten müssen. Tie „Times" schreibt weiter, daß die ganze Bevölkerung das Bedauern dar FiLoitte teile, daß es Iellicoe versagt war, die dwctsche Flotte zu vernichte'.:. Hoffentlich werde Beatty diese Genugtuung erleben. ' , , ^
Tie „Morning Poß" schreibt: Offiziere und Mannschaften befrachten Beatty als eimui zweiten Nelson. Wlas das Land vor allem wünsche, sei die Vernichtung der feindlichen Flotte.
„Daily News" schreibt, schon seit längerer Zeit bestehe in der Marine die Streitfrage, ob es ihre Aufgabe sei, die See zu halten vnd auf die Deutschen zu warten, oder ob man eine mehr aggressive Mottenpolitik betreiben müsse. Man glaube, daß Beatty der Mann fax eine Foreierungstaktir sei. Man dürfe aber nicht leichtsinnig .die Motte aufs Spiel setzen, und müsse dafür Sorge tragen, daß man dem Feinde nur dann eine Schlacht liefere, wenn man ihm tzmd reicht den Engländern das Vorgeben vorychreibe.
Bern, 30. November. MB. Nichtamtlich.) „Tentps" meldet aus London Am Freitag findet eine große Versammlung von GesichiäftÄ niten der City statt, um von seiten der Geschäftswelt die Ford er ung einer energischen Flottenpolitrk festzulegen.
Der 5e?krleg.
Die „Hampshire" torpediert;
S t a v a n g e r, 30. Nov. (WTB.) Auf Vesteraamoy im VtÄvaugerfjord trieb eine Flasche mit einem Zettet an Land. der in englischer Sprache folgende Worte enthielt: ^,S. M. S. „Hampshire". Wir sind bisher wohlbehalten. <rüer wie lange, können wir nicht sagen. Wir sind in einem Movt, welches star^ leck ist. Es wird nicht mehr lange ldmrern. Wir können dys Land noch nicht sehen. Lebt alle wohl! Wir wissen, daß wir gerächt werden. Unsere Jungens werden dafür sorgen. Wir wurden zweimal torpediert und hatten nicht Zeit, wieder zu feuern, ehe das N-Boot verschwand, und wir sanken. Fünf von uns sind Jetzt hier, alle todmüde vom Rudern und Wasserschtppen. sDies ist das Letzte von uns. Wenn es gefunden wird, so zchickt es Frau "Smith, So'.tthshields." — Der Zettel ist ^offenbar echt. Er wurde heute dem britischen Konsul überleben. Die „5?cmrpshire",. mit der, wie bekannt, Lord Kitche- 8: er unterging, wurde am 5. Juni torpediert.
-Ei» deutsches Entgegenkommen gegenüber .Holland.
Berlin, 30. Nov. (WTB.) Tie Versenkung des niederländischen Dampfers „B! o m m e r s d v k" durch das deutsche tTau chboot „U 53". die seinerzeit in Holland große Aufregung verursachte, ist nach Rückkehr des Unterseebootes eingehend unter- tfncht Mntwtn. Tabei ergab sich, daß der Dampfer vor seinem Be- ffiiwmnngshafen Rotterdam den britischen Hafen Kirkwall an- laufen sollte, und daß fast seine .gesamte Ladung aus bedingter 'Bannware, nämlich aus Getreide, Automobilen, Motorrädern irrrd Teilei: solcher Fahrzeuge bestand. Ta die Konossemente der Ladung einschließlich des für die niederländische Negierung bestimmten Teiles mit Ordertiauscln versehen waren, so sprach nach Len Vorschriften der deubchsen Priseiwrdnung, die in diesem Punkte ton den Vorschriften der englischen Priserwrdirung übernommen sind,. !die rechtliche Vermutung ftir eine feindliche Bestimnrung der Landung. Diese VeriTrutung komüe der Kommandant des Tauchbootes flüach Lage der Umstände nicht für toiderlcgt halten, sodaß er das Schiff unb Ladung für einziehbar erachtete und das Schiff gemäß Len mit der Londoner Scekriegsrechtsertlärung übereinstimmende .Vorschriften der deutschm Priscnordmmg versenkte, nachdem er Mr die Rettung der Besatzung Sorge getragen hatte.
’ Inzwischen erklärt die .niederländische Regierung amtlich, Laß das versenkte Getreide tatsächlich ftir sie bestimmt war urch den: Bedcrr, der niederländischen Bevölkerung dienen sollte. Auf Grund dieser Erklärung. die selbstverständlich kernen Zweifel zu- ließ, mußte der Gegenbeweis gegenüber der für feindliche Bestimmung sprechenden Vermutung als geftihrt erachtet werden, cko daß Boeder dieser Teil der Ladung, der mehr als die Hälfte zausmachte, noch das Schiff der Einziehung rmterlag. Unter diesen Umständen erklärte sich die deutsche Regierung aus freundnachbar- ckrchein Entgcgenkomruei:, ohne erst das Ergebnis des Prisenver- sähreNs abzuwarten, bereit, den der niederländischen Negierung gehörenden Teil der Ladung, sowie das Schiff zu ersetzen, ftsÄrend der übrige Teil dar Ladung prisengerichtlicher Aburteilung unterliegt.
London, 30. Nov. (WTB.) Lloyds meldet: Die drei ^englischen Dampfer „K i n g Males m" (4351 Brutto- -registertonnen), „Vt o re Sb t)" (1763 Tonnen) und „M cku - £>c 2 a vifen" (1222 Tonnen), der norwegische Dampfer, ^,P e r r a" (1688 Tonnen) und der spanische Dampfer „L u - K i enne" wurden versenkt.
Aus dem Reiche.
Der Reichskanzler und der König von Bayern.
München, 30. Nov. (WTB.) Die Korresporrder^, Hoffmvnu I meldet: Einläßlich des sechzigsten Geburtstages des Reichskanzlers pp. Bethmcurn Hollweg richtete .König ^Ludwig HI nächstehrndes 'Telegramm an den Rüchskanzler:
Zur Vollendung des sechzigsten Lebensjahres sende ich Ew.
; Exzellenz wärmste Glückwünsche. Noch wollen unsere Feinde die .Hoffnung auf die Niedeirmgurirg Deutschlands rmd seiner Ver- 'bürdeten nicht aufgeben, sie werden aber, dessen bin ich gewiß, mit dieser Hoffnung an den Heldenmut unserer tapferen Kämpfer zu Wasser und -zu Lande imd an der Opfenvitligteit imseres Volkes zuschanden werben. Groß imb schwer sind die Sorgen und ' irrabrn des dentf.! 'ii Reichskanzlers bis zur Erreichung eures ehrenvollen daneckhasten Friedens. Mögen Ew. 'Exzellenz '.getragen von dem Vertrauen des Kaiser-, der deutschen Bundes- fürsten und des deutschen Volkes diese 'SLufgaben zur glücklichen Lösung führen! Das ist nsetu innigster Wunsch zu Jhrenr .Ge- 'burts feste. Ludwig.
Von dem Reichskanzler ging darauf folgendes Ant- - Worttelegramm ein:
Ew. Meijesttr bitte ich für d«s huldvolle Gedmken zu meinem .Geburtstag ehr furch Avolleir Dank ab statten zu dürfen. Die feste Huversickck in den Erfolg unserer Waffen, die Majestät so kraft- iimlt ews-espr»cheu, ^viro jeden Tag von unserem Heere und unsexein in f.nrrm vmb Ärb«t neu bestätigt. .Tie wannen Worte und -des ArLtv^uen, denen MchesM mich s» gnÄngst bedacht haben, •tykm mM tief demegt und laoffen mich besonders stark empfinden, ',wie sehr ich diese- Vcrtr»k«n bed«rf, um die Wpgabcn, die mir ^ Eeyen, Mi einem guten Ende zu ftchren. Irr unwandelbarer treuer DanWarMt Eiv. Majestät untertänigster.
V. Bethwann Hollweg.
Berlin, 30. Nov. lWTBö Nach einer im „Reichs-anzciger" veröffentlichten Bekanntmachung der Reichsstelle für Obst und Gemüse nürd die gewerbsmäßige Herstellung van Pflaumenmus aus frischen und aus gedörrten Pflaumen verboten.
Berlin, 30. Nov. (ALB. Ni3>tarnttich.) Der 16. Aus- schirß des Abgeordnetenhauses h<rt die Borberatung des Antrages Schweckendieck (natl.) und Genossen betr. die Ergänzung des Einkommensteuergesetzes beendet. Man einigte sich auf einen aus 10 Pcnugraphen bestehenden Gesetzentwurf.
Königsberg, 30. Nov. (WTB. Nichtarntlich.) Anläßlich des Jubiläums des Chefredakteurs Wy- neken ist diesem nachträglich ein Schreiben des Ministers des Innern v. Loebell zugegangen, in dem es u. a. heißt:
Wie hoch ich den nationalen Beruf der deutschen Presse werte, brauche ich nicht zu betonen. Eine erfolgreiche journalistische Arbeit, die, wie die Ihrige, unbeschadet aller besonderen politischen Meinungsbildung den Patriotismus und das Nationalgefühl unverrückbar als die bestimmenden Kräfte anerkennt und zum Ausdruck bringt, ist für den Staat ein unentbehrliches Mittel zur Erhaltung seiner Kraft und der Erreichung seiner Zwecke. In diesem Sinne darf ich Sie meiner dankbareir Auerkenuuug versichern und Ihnen aufrichtig Glück und Erfolg für Ihre fernere Wirksamkeit wünschen. Ich möchte dick Gelegenheit dieses Schreibens nicht vorübergehen lassen, ohne zu betonen, mit welcher Genugtuung und Anerkennung ich dauernd der Leistungen und der Haltung der Presse Ostpreußens während der schweren Monate des feindlichen Einfalls gedenke. Die tapfere Presse der Provinz Ostpreußen darf sich dieser Zeit mit besonderem berechtigtem Stolz erinnern.
ist morgen von jft bis \ 2 % Uhr geöffnet!
Aus Stadt und Land.
Gießen, 1. Dezember 1916.
Rumänien.
Ein sehr zeitgemäßes Thema behandelte gestern abend der erste Vortrag der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde, der in der Neuen Aula des Universitätsgebäudes gehalten lvurde. Oberlehrer Tr. Walter Di cm er Büdingen sprach über Rumänien. Er ging aus von den großen klimatischen Schwankungen Rumäniens, das etwa die gleichen Verhältnisse wie Rußland aufweist und kalte Winter und heiße Sommer kennt. Z'.vei Winde beherrschen die Witterung-Verhältnisse, die mit großer Regelmäßigkeit auftreten. Tie Vegetation ist hierdurch bedingt. - Landschaftliche Schönheiten findet inan nur in den Karpathen, die die Wasserläufe des Landes speisen und wohin nran sich vor der lähmenden Hitze des Sommers flüchtet. Tic transsylvanischen. Alpen mit ihrem ungeheuren Reichtum an Quertätern erheben sich zu alpiner Größe. Die Gebirgs- wässcr brechen sich nur mit Mühe Bahn und erzeugen reiche Naturschauspiele. Wildheit und Schönheit der Gebirge werden durch die Einsamkeit erhöht. Touristen gibt eS kaum. An Raubtieren gibt es iwch Bären und Wölfe. Das rumänische Flußnetz ist äußerst regelmäßig. Die Flüsse sind bald ivasserarm, bald überreich <m Wasser. Tie Ebenen sind überall einförmig. Auch die Donau^ bildet ein Bild ermüdender Eintönigkeit. Ungeheure Wassernetze gehen von ihr aus. Ihre Mündung ist ein großes Sunrpfgebict voll Inseln, Kanälen und Wasserlcnffen, die in ständiger Bewegung sind. Ein wunderbar reiches Pflanzen- und Tierlehen herrscht hier ungestört. Tie Dobrudscha ist eines der abgelegensten Länder Europas. Mit dem Balkan steht das Hügelland in keinem Zusammenhang. Für die Rumänen hat es seine Bedeutung als Berbindungsland mit dem Meere. Tie Herkunft der Rumänen ist trotz eingehender Untersuchung noch nicht gelöst. Das Volk selbst hält sich für Nachkommen römischer Kolonisten. Der Rumäne ist jedenfalls in Sprache, Sitte intt> Charakter von allen umliegenden Völkern geschieden. Gewandheit im Reden und Tanken und rasches Urteil sin.den ihren Gegensatz in der Verschlagenheit. Lässigkeit und Trägheit sind Folgen des Klimas, das auch eine Sprmrghaftigkeit des Charakters bedingt. Ter rumänische Bauer ist scheu und zurückhaltend gegen Fremde. Sparsamkeit kennt er niHt und danini scheitern alle Versuche, ihm bessere Lebensverhältnisse zu schaffen. Himmelschreieird ist die Verteilung des Grund und Bodens. Die 4000 Bojaren haben den größten Teil bis 75 Prozent des Bodens im Besitz. 50 Prozent der Gesamtfläche Jittb mit Getreide und Mais bepflanzt. Eine blühende Industrie ist, vielfach unter Leitung voir Deutschen überall im Anwachsen. Die Hausindustrie des Sttckens ist in jedem Hause zu finden. Für die Großindustrie ist der Reichtum an Salz urw Petroleum maßgebend. Tic Oelgebiete liegen am Fuße der Karpathen. Zu der Petroleumindustrie ist viel fremdes Kapital, auch deutsches mrgelegt. Die Produktion hat eine sick>ere Zukunft und ist noch sehr steigerungsfähig. An Hand von guten Lichtbildern führte der Redner typische Landschaften und Siedlungen vor Augen. Der auf großer Sachkenntnis aufgebaute Bortrag erntete reichen Beifall.
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M Der Großherzog ist gestern in Begleitung der Flügeladjutanten Major Freiherrn von Massenbach und Rittmeister von Schroeder wieder zur Front abgcreist. — Bei den Trauerieierlich- keiten in Wien wird der Großherzog durch den Hessischen Ge- sandten in Berlin Freiherrn von Biegeleben vertrete!,.
*• Amtliche Personalnachrichten. Das Ehrenzeichen für Diitglieder ireiivilliger Feuerwehren wurde vom Großherzog Jakob Wcsp zu Wix,ausen verliehen.
** Das Kriegs-Ehrerl zeichen ist verliehen worden den Ober-Postsekretären K o h l h a s e nnd Weiß hier.
** H a u s's ch l a ch l u n g e n. Es ist bei vielen die Meinung verbreitet, daß wiederum ein Verbot der Hausschlachtungcn bevorstehe. D i e s e A u f i a s s u n g i st i r r i g. Es besteht keineswegs die Absicht, die zurzeit bestehenden Bestiinmungen zu ändern Die Besitzer von Schweinen tuen also gut daran, ihre Tiere so fett als irgend möglich zu machen. Ein vorzeitiges Schlachten ist ebenso unzweck,näßig als unnötig.
** Tie Ausgabe d e r Karten zum Bezug von T e i g w a r c n , Hülsen fruchten und Mühlenerzeng- nisscn U n d v o n Z u ck e r e r s o l g t Samstag, derr 2. D^ember 1916 und zwar lür die Bezugsberechttgten mit den Anfangs- buckfftaben A—K vormittags von 8—12 Uhr und mit den Anfangsbuchstaben L—Z, nachmittags von 2 bis 6 Uhr. Bei der Ent- gegennahinc der neuen Zuckwk.nsten sind d i c a 11 e it Zucker- marken der Stadt Gießen, für Tezember 1916 und Janunr 1917 zurückzugcben. Siehe Bekanntmachung.
** Seifen-Verbrauchs re gelang. Alle Geschäfte, die Seife, Seifnipulver oder sonstige fetthaltige Waschmittel an die Verbraucher unmittelbar absetzerr, 'haben die am 1. Dezember 1916 vorhandenen Bestände an solchen Waren schriftlich dem städt.. Lebensmittelaint anzuzeigen. Tie bei den (Gewerbetreibenden eingegangenen Seifenkartenabschnitte sind allmonatlich in den drei ersten Tagen des Katendermvnats an die gleiche Stelle zurück- zu liefern. Gleichizeitig sind die Neubezüge dieser Waren während des Monats anzumelden. Tie Unterlassung dieser Meldungen zieht Strafe nach. sich. Siehe Bekanntmachung.
** Aus de m Buresu des Stadltheaters. Zu der Erstauffüh-nma des spanischen Schauspiels „B o r i ck", das wir am kormn^ndeu Montag hier durch ein (^esanttgastspiel des Frankfurter Neuen Theaters kennen lernen )»erden, schrieb am 22. Okt. d. I. die „Franks. Ztg.": Die für Deutschland erste Mrfführung des von Johannes Fastcnrath unter dem Titel ,,2)oruf' übersetzten
Dramas ,,Uu Drama nnevo ' von Dnmnyv y Baus ist vor voll^ besetztem Haus übe. die Bretter des „Neuen Theaters" gegangen unb mit dem lebhaftestem Beifall ausgenommen worden. Und das lmt seine Ursache wohl vor allem in der überaus kraftvoll durchgeführ--^ ltn Handlung, die vom ersten Augenblick an^nach dem' Publikum greift rrnd es bis zum letzten nicht wieder losläßt. Das ist „Tl>eateick^ im vollsten Sinne des Wortes, und zum Ucberlluß spielt sich alles im Kreis von Theaterleuten ab, von Schauspielern, die ihr eigenes Schicksal agieren. Der spanische Dichter hat den Totcnschädel, über den Hamlet die bekannten Betrachtungen an stellt, wieder lebendrg gemacht: der „arnre Dorick"" ist ein Komiker in Shakespear^ Tr-Nppe. der auf seine alten Tage auch einmal eine tragische Rolle spielen möchte. Der Meister gewährt es ihm zunr großen Leidwesen Waltons, des Tragöden, der auf Rache sinnt und es zuwege bringt, daß Borick anstatt des Theatcrbricscs mit dem er in der Rolle des betrogener: Gatten 'zu l>antieren hat. den rvirklichen Brief in d:e Hand bekommt, den seine junge Gattin Miee von ihrem Liebhaber, den: Schaalspieler Edmund, erhalten hat. So wird denn auch das rmchfolgeride ,Theatcrduell M einem wirklichen Duell, in dem Edmund von Borick getötet.wird. Aber auch Walton entgeht der dramattschen Gerechtigkeit nicht, denn Shakespeare teilt dem Publikum mit. daß der Bösenncht soeben auf der Straße ernrordet wurde. Die Darsteller l>aben sich vortrefflich um das Werk verdient geinacht.
** T a g e s l ä n g e i rn D e z e m b e r. Im Dezember durchläuft das Tage-7gestirn den südlichen Teil seiner scheinbaren Bahn. Tie Zeltänderungen sind in diesem Monat gering. Am 22. deS Monats erreicht die Sonne ihren südlichsten Stand, die Wintersonnenwende tritt ein. Wir haben damit den kürzesten Tag und die längste Nacht erreicht. Die Tageslänae beträgt an: 1. Dezember 8'/ 8 Stunden, ain letzten etwa 8 Stunden. Tie Abnahme des Tageslichts beträgt bis znn: 22. Tezember etwa täglich 1 "Minute, die Zunahme bis zum Schluß etwa ebensoviel.
D i e Ausgabe von Süßstoff (Saccharin) erfolgt gegen den Liefernngsabschnitt 6 in der Zeit vom 11. November b 1 5 15. Dezember ds. Fs. und nicht wie angegeben vom 11.—16. Dezember ds. IS.
** Das heutige Kreisblatt Nr. 154 enthält wichtige Bekanntmachungen über den Verkehr mit Vollmilch; ferner Mastgeftügel, Süßstoff, Verbot der Werbetätigkeit gegenüber Arbeitern der Kriegsindustrie, Forderung der Ziegenzucht, Buchecker:: sammluny, Fortbildungsschule, Verkehr mit ^cknochen, Verkauf von erngelagcrtem Winterobst und die Versorgung der Kranken mit Zrffatznahrungsmitteln.
Landkreis Gießen.
ne. Bellersheim, 30. November. Wieder hat der Krieg ein Opfer aus hiesiger Gemeinde gefordert. Ter Wehrmann Adolf Müller erlag in einem Lazarett im Westen einer tückischen Krankheit. Tie schwergeprüfte Mutter, eine Wittve, hat damit den: Väterlich das zweite Opfer gebracht. Sie verlor bereits im vorigen Jahre den Schwiegersohn. — Der vermißte Landsturm- mann Jvhaunes Thomas befindet sich in russischer Gefangen- schaft.
** Watzenborn, 1. Dez. Ter Ersatzreservist Karl Harnisch^ Res.-Inf.-Rgt. 116, 4. Komp., der im Mai ds. Fs. die Hessische Tapserkettslnedaille erhielt, wurde am 20. Nov. 191 r > zum Gefreiten befördert und a!n 25. Nov. 1916 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Harnisch ist seit N?ai 1915 ununterbrochen im Felde und bat mit seinen! Bataillon schon ans allen Kriegsschauplätzen gekämpft.
Kreis Büdingen.
# Bindsachsen, 1. Dez. In Rumänien starb den Heldentod der Landsturmmann Hermann Geyer.
G Borsdorf, 1. Dez. Auf dem Felde der Ehre starb der Musketier Uhl im Jnf.-Rgt 99.
# Nidda. 1. Dez. Tic Oesterreichische Tavserkeitsmedaill: erhielt der Offizier-Stellvertreter Thies.
4- Ortenberg, 1. Dez. Die Beisetzung des seiner schweren Verwundung im Festnngslazarett zu Posen erlegenen Leutnant der Res. und Pfarrassistente!: Heinrich Hebbel findet am Montag, den 4. Dezember, nachmittags 2 1 / 4 Uhr statt.
Kreis Schotten.
sttz Schotten, 1. Dez. Das Eiserne Kreuz eckhielt der Gefreite Johann H a s e n a u e r.
# Köddingen, 1. Dez. Aus dein Felde der Ehre starb der Gardegrenadier Einil R ü h l im 4. Garde-Grenadier-Rgt. z. F.
Lanbach, 1. Dez. Graf Johann Albrecht zu Solms-Laubach, der kürzlich den Heldentod erlitt, war nicht, wie rvir kürzlich mitteilten, Leutnant im 4, Garde-Regiment zu Fuß. sondern Leutnant im Garde-Jäger-Bataillon.
Kreis Friedberg.
ut. Friedberg-Fan erbach, 1. Dez. Dem Landsturnv mann Emil Schaum wurde ivegen hervorragenden AnsharrenS vor dem Feilide bei den Sonnnekamvien die Hessische Tapierkeits- inedaille verliehen. Er steht bereits zivei Jahre in: Felde.
Y. Butzbach, 1. Dez. Gestern mittag 1 Uhr entgleisten aus hiesigem Bahnhöfe Ataschine, Tender und 6 Wagen eines G n t er z u g e §. Zivei Bedienstete sind leichtverletzt; der Materialschaden ist bedeutend. Entsprechendes Personal von Werkstatt Gießen ttas kurze Zeit nach dem Unfall zur Aufräumung hier ein. Tie Ursache zu diesem Unfall ist noch nicht festgestellt.
—.— Butzbach, 1. Dezember. Am 29. Nov. 1916, abends 9,07 Uhr, tvurbe. wie bereits mit geteilt, im hiesigen Bahnhof von dem Ellzug Nr. 6018 der Hilfsbremser Johannes Hoß aus Fronhausen, Kreis Marburg, überfahren und getötet. Er ivar verwitwet, 48 Jahre alt, imd der Sohn des verstorbenen Leinewebers Joliannes Hoß VI. aics Fronhausen. Seine Leiche wird :mch sHwn° hausm überft'chrt. — Gestern mittag 12 Uhr entgleiste eine Maschine eines GüteiMges in der Nähe des hiesigen Stellwerkes. — In der gestrigen Gemeinderatssitzung wuihe die Errichtung einer Lebensmittelftelle beschlvssen. Als Kvmmissionsmrtglieder wurden gewählt: Bei-geordneter Karl Hadermann als Bor- fit/tenber, die Gemeinderäte Brauba ch und Metzger als Mitglieder, ferner noch Kaufmann Wilhelm Hadermann, Ni:del- fabrikant 2l. W. H eil, Eisendreber Christian H e r t k o r u . Acetzgermeister Philipp Grün e r, Kaufmaim Robert Schmidt. Kaufmann Karl S e i p p e l und Kaiiftnam: und Landwirt Cbristoph W i e ß l e r. Zugleich duurde ein Kredit in HShe von 3000 Marl bewilligt.
:: P o h l -- G ö n S , 1. Dez. Pionier Otto Z ör b bei einer Dffnenwerferkonipagnie im Westen, erhielt das Eiserne Kreuz und Schütze Ludwig Schevp in dein Infanterie-Regiment Nr. 116 wurde mit der Hessischen TapferkeitsmedaiHe ausgezeichnet.
Kreis Wetzlar.
tva. Wetzlar. 30. Nov. Die am gestrigen Nachmittag und A.beiro, vollzogenen Stadtverordneternvahlen der 2. Und l.Wabl- abteilung l>aben zu dein Ergebnis geführt, daß die Herren (verlach. Hiepe, Hölmam: und Stand iviedcrgewählt Wurden. — Bon der l. Abteilung — 6 Wähler umfassend — erschienen drei Herren zur Wahl. 'Sie ivä-hlten die Herren Kaufmann Christian Cloos, Fabrikant Hermann Humbert und Fabrikant Dr. Ernst Leitz \r ivclche also neu in das Stadtverordnetcnrkolleginin eintreten.
ra. Wetzlar. 30. Nov. Aus Anlaß der Volkszählung sei hier eine Uebersicht über das Wachstum der Bevölkerung des Kreises Wetzlar gegeben. Im Jahre 1817 betrug die Summ« der Einwohner 32621 Seelen. Tavoi: kamen auf die Stadt Wetzlar '275, auf die Bürgermeistereien Lltzbachj 3400, Launsbach 1583, Lützellinden 3031, Rochtenlwch 1942, Braunfels 4760, Schöffengrund 3320, Greifensteil: 3229, 2lßlar 4073 und Hohensolms 3008 Eil:wohner. Tie Vollszählung vom Jahr 1890 ergab für. den ganzer: Kreis 50968 Personen und zwar Wetzlar 8093, Atzbach— Launsbach 8027, Lützellinden—Rechtenbach 6427, Bvaunfels 8161, Schöffengrimd 5233, Greifenstein 4178, Aßlar 7534 und Hohensolms 3300 Seelen. Die Zählung vom Jahre 1900 ergab für den Kreis 54098 Bewohner.
ra. 2lus der Bürgermeisterei Atzbach — Launs-- bach, 30. Nov. Tie in: abgelaufenen Monat veranstaltete Samr.r- lung zur Beschaffung der Mittel für Weihnachtsgaben an die. Feldtruppen und die Feldlazarette hatte für die hiesige Bürgermeistere: folgendes Ergebnis: Atzbach 400 M., Dorlar 209,45 M., Dutenhofen 166,50 M., Garbenheim 220,50 M.. Kiuzenbach> 294 Mart, Krofdorf—Gleiberg 335,10 M., Ketzberg 28,80 M., LaimS-'


