Ausgabe 
22.11.1916 Zweites Blatt
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Br. 275 3 ®«fe$ Blatt

täglich mit fUtfiw«^me des Sonntags.

BcHaoen: 5amMentz«Ner- mb

Krrisbfatt filr ben Krtis Ltetzer»".

V * ßsch e«« t s: Zrantftat «m Rain Nr. U 686 . SaawerHvhr: Ges»erdebank Hirtzeu.

M. Zahrgüng

Mittwoch. 22. November W6

ZwttliirgSrunddnrck und Verlag: Brühl'fcheUniv erfttätS-B, ich- u.S t; i ab rucf e f e i.

R. Lange. Aießem

LchrifÜeitvng. SeschäfttsteÄe und vlrrkeret:

Schulst raße 7. Geschäftsstelle m Verlag: e^a®6i, Schriftletlung: e=äs* * 112.

Anschristf.ir Drahtnachrichten: Anzeigert^eben.

Nklegrbriese von der rumänischen Kont.

Von fcntjierfni MM sudÄDllcheu KriegssthLULpiatz entsandten Sonder- berichttrstattrr.

iMwiMMM-rr Nschidri^. QLch LvAzugSweise, uerKston.)

Di/ nwrünifthe Patzspcrrr von tvcr Armee Falkerchayn dur^Lrochen.

AuK dein Felde, den 20. ytovember 1916.

.. als'dreiwöchigem Hin und Her darrch das Gebiet

M an der rmnünrsclreu Grenze, während deren meiner

Berichtersülttung aus technischen Gründen enge Grenzen gezogen irmunehr folgende <S(fac der Hage geben, wie sie ^^lhfthweren Gelnrgseämpfeu zu Gunsten rrnserer Waffen ent-

(Tiä* 1 Wxrrt die Rümchrven neuerdings beträchtliche

Verstärkungen erhalten. Tie Russen greifen hier in die LaMrnichfe ein, ftstd aber nach Süden, nüe es scheint, über die Mretylrnre bis zur ^ouaunmudung nicht hinauSgegangen. Ob für brese Zurückhaltung militärische oder politische Äründe maßgebend: sind mag hier dahingestellt bleiben. l

. 'Kronstädter Pässen wie am Roten-Turm-Paß kämpfen

wrr gegen den verzweifelten Widerstand der Rumänen teils bereits wiMittelbar ukn den Austritt in die rumänische ME, teils sind wir rwch im schrittweisen Vordringen iimerhalb der Paßstraße selbst. lcE \ hmß umstrittenen Paßstraßen des Schtzl-

(^zau- Gemc^, denr Vulkan- und dem Szurdukpaß, ist erzwungen.

^ rc c Wavallerregeschwaider fegen dort den Feind südlich und west­wärts drs zur Hauptbahnlinie nach Qrsovia vor sich her: wo stär- c C L Widerstand versucht wird, brechen ihn unsere na ^dringendest geschlpssEN Marschkollomren, und so sind wir hier mitten im erwlgrerchsten Beloegungs krieg. Vermutungen über die Weiter- eiMmckeumg sfmd nickst Aufgabe dieser Zeilen, es genüge die Fest stÄllmg^ daß durch das siegreiche Vorgehen der Stoßtruppe vonr rumänische Paßsperre gründlich durckbrockieu ist. LUn ^wiova steht noch erne kleinere rumänische Berteidigungsgruppe, derenwerkeres Verhalten abzuwarten ist.

Die Run ränen haben auch hier tapfer Widerstand geleistet. An Nnfevem Erfolge srnd abermals BcUieru, aber auch Württemberger hervorragerw beteiligt. In der Tricppe herrscht gehobenste Sieges- stnnmmig. Sie führt dazu, daß selbst die Begleitmannschäften des ckogesprengten kleineren feindlichen Truppenteilen, die nattr^remäß rm Gebirge vereinzelt noch) vorhanden sind, fortgesetzt NM Erfolg Ofestchte liefern und dabei Gefmrgene einbringen. Eine **5!Sf -^^lo-MMiimamrschafteir hatte einen Zusammenstoß mit einem geschlossenen terndllchen Bataillon und hat es fertig gebracht, dieses aus semer Stellung herauszuschießen.. Der Ll'bmarsch her Masse ves Feindes ist so eilig vor sich! gegangen, daß die Truppenteile, me der Rückzugsbefehl nicht mehr erreichte, vielfach oh.ne jede Mimng von der A-enderung der Lage waren. So erhielt ein feind- iMes BabaiLlo-n zu seinem wahrnehmbaren Entsetzen plötzlich im Rücken Feuer, wahrend es noch, Front nach Norden, unseren An­griff erwartete.

Nach wvchselvpllen Kämpfen um das Vulkan- ustd Szurduk- Paßgebiet, deren ersten ich hier seinerzeit geschildert habe, waren' die Vorbereitungen für unseren narren Hauptangriff am 10. No­vember abgeschlossen. Der eigentliche Vorstoß erfolgte am 11. No­vember, doch wurde bereits am 10. scharf und erfolgreich zugefaßt. Astt entsprechenden Anlage des bevorstehenden Kampfes war ein voller Erfolg insofern beschieden, als die Rumänen bei der Schwie­rigkeit des Geländes nicht inehr imstande waren, sich der neuen Lage gemäß umzugruppieren. Mit Uin die .Heranziehung von Ver­stärkungen von den benachbarten Pässen her zu verhindern, wurde gleichzeitig baut bis zu den Kronstadts Pässen hinauf ener­gisch angegriffen. Ich habe einen dieser Angriffe, den am Törz- burger Paß, hier in großen Unrrissen bereits geschildert. So war der 11. November auch anderwärts im Paß gebiet ein Tag lfei ßen Ringens. Er führte am Szurduk-Paß z-u eurem vollen' Erfolg, der am 12. in der Bewältigung der zähe verteidigten rrmränischen Stellung bei Bumbesti am Mlslgwrg-des Passes seine Krönung fand. Bei der Ueberwältigung der Stellung bei Bumbesti haben, wie überhaupt in den Gebirgskäntpfen, rmsere Mörser ein ent­scheidendes Wort mitgesprockren. Einer der Grusonschen Panzer­kuppeltürme der Rumänen erhielt einen Volltreffer und wurde durch ihn über 10 Meter aus der Stellung rückwärts geschlelchert. In schnellem Nachdringen wurde dann das Vorgelände erschlossen^

Jch fvar am 16. November nach eirker Fahrt über die landschast- lich tvurweroolle Paßstraße in Targu Flu, einer reichen, anspruchs­vollen Landstadt südlich des Passes, dem ersten größeren Ort an der Straße nach Coaiovu, in der Lüftlinie rund 40 Mometer südlich der Grenze. Ihre Bewohner sind fast ohne Ausnahme geflüchtet, jltc Rumänen machten damals Miene, die Hohen südlich der Stadt in neuem Widerstand zu halten, haben ürdessen auch diese Stellung seither längst räumen müssen.

Seit dein 1. November haben wir rund 20000 rllmänische Ge­fangene genmcht. Ein guter Tickl davon entMt aus die Känipfe am Sziurduk-Paß.

Adolf Zimmermann,' Kiüegsberichterstattec.

Am dem Reiche.

Düs Zivildienstgesetz.

Berlin, 21. Nov. (WTB.) In der Sitzung des Bun­desrats vom 21. November wurde dem Entwurf eines Gesetzes betreffend den vaterländischen Hilfsdienst die Zustimmung erteilt.

Neichs-Neise-Brotinarken.

B e r l i n , 21. Nov. (WTB.) Durch die am 15. Oktober ds. Js. m Kraft getretene Anordnung des Tirektoriuurs der Reichsgelrcioe- stelle über die Einführung von Reichs-Neise-Bcotmarken ist es den 5lommfmalverbäudeu zur Pflicht gern acht, für Neisczwecke der orts­ansässigen Bevölkerung aus Ansoä>ern Reichs-Reise-Brotmarken zu verabfolgen, mrd zwar Beziehern von Brotkarten im Umtausch gegen die kommurrale Brotkarte und SelbstversorMrn unter Kürzung der Mehskarte. Es verlassen indessen iminer noch zahlreiche Reisende die Heiinat, ohne für die Zeit der Abwesenheit im Besitz von Reichs- Reise-Brotmarken zu sein, was schon häufig zu Unzuträglichkeiten' geführt hat. In der Uebergangs^eft bis zunc 1. Dezember ds. Js. ist es den KommunalverbÄtden auf Grund der vom Direktorium der Reichsgetreidestelle erlassenen Uebergangsbestimmungen inög- lich, deir in ihrem Bezirk sich vorübergehend cmfhaltenden Fremden, die nrst den ergangenen Vorschriften noch nicht genügend vertraut sind und sich daher nicht mit Reichs-Reise-Brotmarken versehen haben, dnrch Ausgabe von T agesb ro t kar t en öder in ähn­licher Weise noch auSzuhelfcn. Vom 1. Dezember ds. Js ab i?t dies aber n i ch t m e h r z u l ä s s i g. In ihrem eigerren Inter­esse werden deshalb die Reisenden ans die Notwendigkeit aufmckrk . fam gern acht, sich für die Zckt der Abwesenheit am Wohnort mit Reichs-Reise-Brotnurrken zu versorgen.

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Berlin, 21. Nov. (WTB.) DerReichsanz-eiger" ver­öffentlicht eine Bekanntmachung über die Ausgabe neuer Beitragsmarken für die Invaliden- und Hinterblie- benenversichernng, wonach von jeder Versicherungsanstalt ab 1. Januar 1917 in jeder der fünf Lohnklassen Marken für eine Woche, für zwei Wochen und für dreizchn Wochen auszugeben sind.

Au« Stadt ««»d Land.

Gießen, 22. November. 1916

Laftkraftwageu für die Heimat.

Das Stellvertretende Generalkomnurndo des 18. Armeekorps bringt mit Rücksicht auf die stärkere militärische Inanspruchnahme der Pferdebestände in der Heimat diejenigen Grundsätze zur all^ gemeinen Kenntnis, nach denen Lastkraftwagen erworben zugelassen oder entliehen werden können. Firmen, die das me­chanische Transportmittel mit Rüch'icht auf den Umfang ihre- Betriebes auf die Dauer nicht entbehren köimen, sind, wie dic Handelskammern bereits vor längerer Zeit mitgeteüt gruud- ätzlich mif die Indienststellung eigener Lastkrafttvagen angewiesen für die ihnen die Zulassungsbescheinigung seitens der Zivilbehörder nicht versagt werden wird. Diesen Firmen kann, falls sie auf an­derein Wege Lastkraftwagen nicht erhalten können, nur enipfoh^ri werderi, sich zwecks Ankauf von Wagen an die Feldkraftwagen- AkUen-Gesellschaft in Berlin W. 8, Unter den Linden 34, zu

wenden, welche die aus dem Felde zurückgekommenen, zwar nicht mehr seldverwendbaren, aber für Heimatszwecke noch vollbrauch baren Heereskrafttvageii im Aufträge der Heeresverwaltung instand- setzt und verwertet.

Firmen, welche vorübergehend Lastkraftwagen benötigen, ür erster Linie mittlere und kleinere Betriebe, die als die wirtsck-aft- lich Schwächeren in erster Linie unterstützt werden müssen, könneii auf höchstens 14 Tage zur Linderung plötzlich eintcetender Not- stande insbesondere zur Behebung von Verkehrsstockungen und zur Abfuhr leicht verderblicher Massengüter Lastkraftwageii beim Stellvertretenden General ko min aiido erbitten, dem zu btefem v!? c °5v 00111 Kriegsministerium beim immobilen KLaftwagen-Tepot 3/4 Franffurt, Gutlmlstraße, 5 Wagen ohne Anhäiiger mit erner Tragfähigkeit von zirka 4 Tonnen, zirr Verfügung gestellt worden sind. i

Diefe Wagen lverden verliehen zu dem vom Kriegsministeriuui eftgeletzten, in emiger Zeit aber vormissichtlich eine Erhöhung er- fahrenden ^Preise von 65 Mark pro Tag und Wagen. In diesem Preise ftnd die Betriebsstoffe eiugeschlossen, desgleichen, falls der betreffende Wagen in Frankfurt läuft, auch die Kosten für Unter- brmgung, Verpfleglmg des Kraftfahrers, der in diesenr Falle grund ­sätzlich beim immobilen Krafllvagendepot 3/4, Frankfurt, quartiert bleibt: lchrd der Wagen außerhalb Frankfurts gebraucht, so daß er aben.dS'in das Depot nicht zurückkehren kann, so sind neben der Gebühr von 6o Mark dre Kosten für Unterbringung und Verpfle­gung des Kraftfal/rers ebenfalls vom Entleiher zu tragen.

Ob bei,auswärtiger Benutzung der Kraftwagen auf eigener Achte oder zur Ersparung von Betriebsstoffen mit her Bahn fernem Bestimmungsorte zuzuftihren ist, ist in jedem einzelnen Falle vom Enltciher mit dem immobilen Kraftwagen- depot 3/4 zu vereinbaren; wird er mit der Bahn befördert', so gehen dre Transportkosten gleichfalls zu Lasten des Entleihers Vor der Aushändigung des Wagens hat der Entleiher mit dem gmannten Depot einen Leihvertrag abzuschließen, diKch den er dre Haftpflicht für alle Schäden gegenüber dritten Personen, auf Grund welchen Gesetzes sie auch immer geltend gemacht werdcir lollten, ausdrücklia) überinmnit; der Reichsmilitärfiskus ist dem Entleiher, Mieter usw nur insoweit ersatzpflichtig, als er bei der Auswahl der überlassenen Kraftwagen oder der gestellten Be- dienungsmannfchaften fahrlässig verfahren ist. Auf Wunsch liefert das Generalkommando auch Zeichnuugen, nach deneii sich ein ge­wöhnlicher schwerer Kastenwagen mit ganz geringen Kosten zu emem Auhangewagen umändem läßt.

*

** Gestohlen wurde in der verflossenen Woche in hiesiger Stadt aus einem unverschlossenen Zimmer eine goldene Herren-Remontoir-Uhr mit Doppeldecket, auf deren Rückdeckel die BuchstabenS. I." stehen; an der Uhr befand sich erne goldene Llnker-Kette; und eine schwarze oxydierte Herretl-Reinontoir-Uhr, an der eine schwarze L^der-Ubu- kette mit einer Medaille vorn Leipziger Völkerschlacht- öenkmal als Anhänger angebracht war; ferner wurdeu aus einer verschlossenen Verkaufsbude in der Nacht ziim 16. No­vember mittels Einbruchs 2 3 Tafeln Sckokolade und eine Anzahl Kistcheii mit Zigaretten entlvendet. Sachdien­liche Mitteilungen nünmt die hiesige Kriminalpolizei ent­gegen.^

^ i n e Beschlagnahme v o n Z i g a r r e n. ES ist

das Gerücht verbreitet, daß eine Beschlagnahme der Zigarren bevor. stehe. Das Gerücht scheint von Spekulanten veranlaßt worden zu sem, um einen Ansturm auf die Vorräte und damit ein künstliches Anfsteigen der Preise hervorznrmen. Wie wir auf das Bestimmteste versichern können, ist an dem Gerücht kein wahres Wort.

ü. Zum Kleingeld Mangel. Wie alljährlich loerden auch in dreiem Jahre der kaufenden Menge Klataloge über Weihnachts­und Geschuikartikel zu gestellt. Wer sich die MWe nimmt, einige durchzublättern, ftndet oft darin Abbildungen von Schmucksacheü, deren Hauptteil, trotz seines welliger schönen Aussehens, ein eisernes Geldstück bildet. Häuftg steht rroch mit fetten Lettern dabei:Ori­ginal eisernes Geld." Derartige Schmucksachen lverden sicherlich als Massenartikel von Fabriken hergestellt, und dadurch wird dem Verkehr eine Menge Kleingeld entzogen. Leider ist diese mißbräuc^ liche Benutzung unseres eisernen Notgeldes bis jefrt noch nickt ver­boten. Von allen Seilen hört maii zudem über den Mangel an

Giebenev Stadttheatev.

Ludwig Thoma-Abend.

Die kleinen Verwandten. Dichters Ehrentag. Brautschau.

Wer hätte Ludwig Thoma ilicht lieb gewonnen mit seinen immer aus den »Eindrücken des realen Lebens geschöpften Lustspielen, Hu­moresken und Bauerngeschichteu? W'er hat nicht denAssessor Kärtchen", die ,.Lausbubengesckstchten'' dieTaute Frieda" gele­sen und mit immer der gleichckn 'FreudeDie Medaille",Die Lokalbahn",I. Masse",Die Moral" usw. gesehen? Haftet seiner Satire auch heute noch ein gilt Stück Simplizissimilsgeschmack mt (er war lange Zeit ein rühräger Mitarbeiter dieses Blattes), so hat doch die Einstellung seiner Kunst etwas durchaus Persönliches. Me er wurzelecht bodenständig ist, ohiie übertriebene Betonung der .Heimatkunst, so entwickelt er auch! technisch seine Stücke rnit einer sckster verblüffendeii Sicherheit, und doch ohne anspruchsvolles fyaht. Scheinbar völlig zwanglos reiht sich eins zum andern und ist dock,! im klernsteii, beilauftgsteir Zuge feiner Wirkimg sicher. Un­verwüstlich ist auch die Frische seiner Gestalten, sind die farbigen Lichter, die sein Humor allüberall aufsetzt. Ein weniger urwüchsiges Talent, als es Lndwig Thoma ist, müßte bei der immerhin engen BegrerrzUng feiner Kunst ermüdend wirken. Und tatsächlich ließ sein letztes NovellenbäudchenDas Kälbchen", den Eindruck auf- kommen, als wisse Thoma nichts rechtes mehr zU sagen. Die drei Einakter des heutigen Abends geigten ihn als Satiriker in der alten Frische.

Zwar snrd auch die drei EinakterDie kleinen Ver­wandten,"Dichters Ehrentags undBrautschau" keine Großtaten. Mit ihrem rein episodischen Charakter verzichten sie auf jede dramatische Ausgestaltung. Aber sie sind mit einer virtuosen Geschicklichkeit hingewocsen und sind Genrebildchen von so grotesk wirkendem Humor, daß Man sich! ihnen ohne weiteres gefangen gibt und herzlich lachend auch an possenhaften Einschlägen kernen Anstand rrimmt.

.Die kleinen Verwandten bauen sich auf den Kontrast zwererKategorien" auf, wie es Joses Bonholzer, Oberaufseher aus Dornstein so schön aüsdrückt. Da um dos Regierungsratstöchter­lein geworben werden soll, platzeir die kleinen Verwandten >herein mrd rrffen Situationen hervor, die überwältigend sind.

- - Ehrentag ist eine beißende Satire. Zur Feier

fernes 50. Geburtstages ist man versammelt. Mer im entscheiden­den »Augenbllch wird der Theaterdirektor für einen Schwank inter- effrert, em 16 mhrrger Literaturbeflissener, der des Dichters Schaf- snrsperrode in drei Mschuitte zerlegt und seine Kunst mit Wohl-

^?wch oben gelten läßt, wird mit deni Lorbeer bekränzt, der für rhn beftrmmt war, und auf der Photographie, die ihni zu Ehren aufgerwmmen wird, ftndet er nicht einmal Platz. Dieses'

Lustspiel, das stark possenhafte Element hat, ist von den drei Einaktern eigentlich der schwächste.

Brau tschau ist ein Kabinettstückchen Thoma'scher Vvlks- schllderung. Das Aufeinanderlosfahren der beiden Brautvermitt­ler, überhaupt der drastische Gegenstand dieses Bauern schwankes, der Braickhandel, ist zwerchfellerschütternd.

Gespiell wurde unter der Regie von Direktor Stein- go etter sehr ansprechend. Nur im ersten Lustspiele hätte die Bornholzerrn Luise Delosea etwas mehr zurückgedrängt wer­den dürfen. Sie trug^ von vornherein zu dick auf und ftel daher aus dem Rahmen. Eine prachtvolle Type schuf Wilhelm Hell­muth als Joses Bonhvlzer und als Korbinian Christl. Bei ihm war urcht nur die Maske echt, sonöern jedes Wort, was er sprach, konnte nicht unverfälschter wiedergegeben werden. Dadurch stellte er sich manchmal in Gegensatz zu seiner nicht immer so sprach- stchieren Umgebung. Ernst Theiling kam äls Regierungsrat mit lemer -^nzen Art uird Sprechweise diesmal besonders gut zur Gel- Mng Karl Steinmetz er Ivar in der Rotte des schüchternen Liebhabers durchaus beachtenswert. Elly Dornhöser war in ihrem Spiel wärmer und mrsprechender wie sonst. Helene K a l l - m a . r krisch und natürlich wie immer. Dichters Ehreiitag zeigte ein großes Aufgebot von Nebenrollen. Es sind eigentlich nur zwei bedeut tendere Rollen hervorzuheben, in die sich Mar W e s o l o w s k i und Rudolf Goll teilten, die ohne aus dem Rahmeii des ganzen zu fallen,^ im stummen Spiel ein Lustspiel für sich gaben. Rudolf Gölls bei andere Befähigung in kräftig irnterstrick;ener Komik, bedarf keiner besivnderen Auerkenmmg mehr, während man bei M^esolowski jedesmal seine außerordentlichen schauspielerischen Qualitäten betonen muß, da er immjer individuell und neu schafft. Erwähnt sei noch! Hermann Baermann in der Rolle des II 6jährigen. In der Brautschiau machten sich neben WilhelUi Hellmuth Hans Werthmann und Kurt L erch ganz ausge­zeichnet. T-er Hahnenkampf war sehr glücklich gesteigert. Gut an- gepaßt spielten: Ada Mahr, Vally Scheidler und Oskar Fergel. 22 .

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historische Wandgemälde im Marburger Rathaussaal.

< ^ r £ ux Jk- Nov. Wie schon früher mitgeteilt, nmrdeii gelegentlul, der Wiederinstandsetzung des Rathaussaales, der in alteii Stadtrochumigen alsgroße Saalstube" bezeichnet wird, zwei alte Wandgemälde fteigelogt. Das eine, welches sich rechts von der Eingangstüc an der Nordwand befindet, zeigt oben emen ^.eil des Stammbaumes des landgräflich hessischen Fürsten­hauses, desserr einzelne Glieder in Halbftgur dargestellt ihren Was>- penschild vor sich haften. Darunter befinden sich Aufzeichnungen und Jahreszahlen, welche auf das Lcbeli des Landgrafen Philipp des Großmüttgen Bezug haben. Dieses Bild ist weniger erhalten wie das andere an der ösllichen Seite der Südwand, das die Jahreszahl 1551 trägt und für die Geschichte der Stadt Marburg

ganz hervorragendes Interesse hat, weil es das damalige städttsche | Schöffenkollegium (die heutige Stadtverordnetenversammlung) dar­stellt. Tie Namen der Männer, die an dem Tische sitzen, sind teilweise aus den Spruchbändern, die sich über deti Köpfen befinden, erkennnlich, sie sind aber auch mit Hilfe der Stadtchronik festqe- stellt. Ten Vorsitz führt der Schultheiß Kurt Heß, gegenüber sitzt der erste Bürgermeister Johann Blankenheün. Die anderen Schöffen sind ebenfalls in der Stadtgeschichte bekannte Männer. Ein Büttel und der Dingwart, sowie Marburger Bürger als Zuschauer fehlen ebenfalls nicht. Die Bllder stammen, wie im hesnschen Geschichtsverein mitgeteilt wurde, von dem damaligen Univerittätsmaler Thomas. Der jetzige Universitäts-Zeichenleh- rer, Kunstmaler Giebel, hat es mit großer Mühe fertig gebracht, beide Gemälde in lebhaften Farbentönen, wie sie tvohl früher ge- Wesen sind, nachzubilden. Das eine Bild, die Schöffensitzung, hat über der altertümlichen Eichenholztür im Vorzimmer zum- zungssaal seinen Platz gefunden, während die Nachbildungen des Stammbaums in mehreren Stücken zerlegt im Rathaus anfbc- wahrt werdm. Die Waiidgemälde selbst sind auch möglichst wieder hergestellt und mit weißer Leinwand überzogen worden, damit sie in dem ebenso gehaltenen Sitzungssaal lederzett, ohne wetteren Beschädigungen ausgesetzt zu sein, sreigelegt werden können.

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Schillers Gattin. Bor lhmrdertfünfzig Jahren, am 22. November 1766, lvurde Charlotte von L-engefeld in Rudolstadt geboren. Sie wurde im Februar 1790 Schlllers Gattin, die treue Lebensgefährtin des Dichters in dessen schaffeusreichsteii Jahren zweifellos eme Frau, die sich der Stellung, die ihr das Schicksal auwies, wert zeigte, imd die an der allgemeinen Achtung, die Schiller gerroß, mit Recht lellnehmen durfte. Ms Gattin und Mutter hat sich. Charlotte treu bewährt, wie von allen, die ihr nahestanden, Mi erkannt wurde. Auch, geisttg stand sie ihrem Gatten nahe. Haben ihre literarischen Produktion^l auch nicht den Werl der Werke ihrer Schwester, deren RomanAgnes von Lttien" sogar von Kennern der Literatur wie den Gebrüdern Schlegel für eine Schöpfung Goethes gehalten wurde, so dirrften sich doch ihre Drck- tungen sehen lassen, unb selbst Schiller, der kein mttder Kritiker war, ließ verschiedenes aus ihrer Feder, freilich nrit seinen Korrek­turen und ohne Namensnennung, in HubersFlora" erscheinen^ Schade genug ist's, daß ihre ArbeitSchillers Lebeir bis zum Jahre 1787" Torso geblieben ist. Vielleicht das Schönste und Wichtigste, das ist geschrr-eben, sind ihreFragmente über Schiller," dre veranlaßt wurden durch erne kurz mrcLj Schillers Tode mroutzm erschienene alberne Biographie des Dchters. Für ihre Kinder wollte sie das in dieser Biographie entworfene falsche Bild berichtiqeir. Hier spricht sie in begeisterten Worten vorr Schiller und macht treffende Bemerkungen über die anderen. Großen von Weimar. Auch in Gedichten hat sie Schttler. noch ein Jahrzehnt nach seinrmr Tode, zu verherrlichen gesucht. Se starb in Bonn inßrlge einer Augenoperation am 9. Juli 1826.