Hr. 273 Zweites Blatt M. Jahrgang
C: scheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Beilagen: „Sießever ZamiNenblLttcr" und „KreisMatt für den Kreis Siegen".
poftschecklsnw: Zrankftlrt am Main Nr. \\m. Vankverkehr: Sewerbebank Hietzrn.
General-Anzeiger für Sberhejjen
Montag, 20 . November Mb
Zivillingsrunddruck und Verlas?:
B r u h l'sche 1 ln ioerst t ä t§- 'Bi tdE)- u.© t ’ i 11 0 v '• i et c i - R. Lauge, ©tefjcii.
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Ein Brief öe$ deutschen LandMirtschastsraies an den Neichskanzler.
Ter deutsche Laichwirtschaftsrat hat an den Reichskanzler ein schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt:
SWait sagt ircit ReckK, daß die rasche und vennehrte Hecftel- bung von Mlnrition eine Lebensfrage für den siegreichen Ausgang deS Krieges sei.
Ebenso gewiß ist: aber auch, daß die glückliche Beendigung des Krieges für uns nicht nur von dem Erfolg unserer Waffen, sondern ebenso sehr auch von dem wirtschaftlichen Turchhalten 4rnd hierbei in erster LLntie von der Sichckung der Vvlksernährungj abhängig ist. Flur diese ist aber ausschließlich und allein die Erhaltung und Steigerung der Bodenerträge in der einheimischen Landwirtschaft entscheidend. Alle übrigen Fragen der Volkser- nährung, wie die Regelung der Verteisirng und des Verbrauches, dürfen erst in zweiter Linie stehen, wenn man nicht das Vaterland trotz aller Siege durch die Erschöpfung der Bodcnkräfte zu einem schmachvollen Frieden führen will. Schon im ersten Krieqs- jahr haben die führenden Märmer der deutschen Landwirtschaft die verantwortlichen Stellen der Staats- und Reichsbehörden mit eindringlichen Worten daraus hingewiesen, daß die Steigerung der einheimischen Bodenerträge während der langen Friedenszeit lhauptsächlich durch vermehrte Anwendung von Stickstoffdünger hervorgerufen sei.
Jnr zweiten Kriegsjahr wurde dieser Ruf der Landwirtschaft nach Stickstoffdünger in iwch verstärktem Maße erhoben.
Wir müssen vre Tatsoch»sestltelle:r, daß diese Mahnungen nicht imr im ersten, sondern sogar im zweiten Kriegsfahr ungchört oder doch ohne nennenswerte Wirkung verhallt sind. Es wurde von amtlicher Seite der Landwirtschaft geantwortet, daß der. von den neuen Werten erzeugte Stickstoff fast ausschließlich für die Munition verwendet werden und deshalb die Landwirtschaft zurücktreten müsse, obschon es bereits , feststand, dalft durch Errichtung neuer Fabriken Stickstoffdünger in nahezu unbegrenzter Menge erzeugt werden könne.
Tie deutsche Landwirtschaft muß deshalb, bei aller Anerkennung der ungeheuren Bedeutung der ?Aunitwns frage, nochmals in letzter Stunde und zwar ausschließlich im vaterländischen Interesse unseres wirtschaftlickzan Durchhaltens die Forderung erheben, daß ihr bis znm nächisteir Frühjahr 1917 mehr Stickstoffdünger als bisher — mindestens rund 500 000 Tonnen i— zur Verfügung gestellt werden.
Wer es handelt sich in per heutigen Zeit nicht nur darum, die Prwduktionsmöglichkeit zu schaffen, sondern auch ebensosehr die Produkt: onsfreudigkeit der gesamten landwirtschaftlichen Bevölkerimg zu erhalten und zu erhöhen.
Wer sich vergegenwärtigt, daß heute auf dem Lande die Ernährung des deutschen Volkes zum großen Teil alleinstehenden Kriegersranen und Kriegerwitwen obliegt und daß andererseits! die Betriebe nur mit Hllst von Hunderttausenden von Kriegsgefangenen ausrecht erhalten werden können, den muß es geradezu empören, wie we:rig Verstärwnis von der städtischen urld einem Teil der Atbeiterbevölkerung — oder doch ihre Zeitungen — der ungeheuren vaterländischen Aufgabe und Bedeutung der Landwirt- schftst in diesem Kriege entgegen gebracht wird — ja, daß im Gegenteil von gewisser Seite ungestört und ohne bezüglichen Widerspruch das Verhalten der Landioirte in der Lebensmittel- versorgu:ig in der schamlosesten Weise verdächtigt werden darf. — Die berufenen Führer und Vertretungen der Landwirtschaft Haber: bereits im ersten Kriegsjähr den unausbleiblichen. Folgen dieser Bewegung nrit großer Sorge entgegengesehen. Sic haben darauf hingewiestn, daß eine solche Störung des Burgfriedens im Innern zu einer VeMttermrg, Verdrossenheit und Gleichgültigkeit der großen Masse der ländlichen Bevölkerrrng führe:: müsse. Aber diese Hinweise sind zu unserem Kunrmer scheinbar völlig wirkungslos verhallt.
Unnst t»n& LVr^enschakt.
Der größte Dichter des modernen Polen. Henryk Sienkiewicz, dessen Tod durch .Herzschlag die Schweizer Blätter ans Vevey meldeten, war unstreitig der berühmteste Bürger des nwdernen Polen. Trotzdem ihn sein Weltruhm zu einer Persönlichkeit von internationaler Bedeutung machte, und trotzdenr die seinen Werken in alle:: Ländern gleichmäßig gezollte Würdigung seinem Namen einen internationalen Klang gab, war Sienkiewiez ein echter Pole und polnischer Nationaldichter. Nur die Schwere der russischen Herrschaft, die bis vor kurzem rücksichtslos über Pole:: lastete, hinderte ihn auch rein äußerlich in so ausschließlich nationaler Weise polnischer Dichter zu sein, wie die Liebe zu seiner Nation es ihm wünschenswert erscheinen, ließ. Der russische Druck zwang Sienkiewicz dazu, frühzeitig sein Vaterland $11 verlassen, und gleich, nach Abschluß seines philosophischen., Studiunrs an der Warschauer Universität überschritt er Polens Grenze, ::m jahrelang im Ausland zu leben, wobei er nicht nur die meisten europäischen Staaten, sondern! auch das nördliche Amerika und Afrika bereiste. Auch in feilten Werken war er gewissermaßen ein Vertriebener, von Rußland Bedrohter, wenigstens insofern, als er seinen Fveiheitswunsch für Polen nur in historischen Werken und bis zu einenr gewisser: Grade vergleichend und symbolisch zum Ausdruck bringen durfte, damit die Dichtungen nicht seinen Landsleuten durch die russische Zensur entzogen würderr. Später wieder nach Polen zurückgekehrt, wurde Sienkiewicz als die erste Größe der modernen Polin scheu Literatur gefeiert, und das 25jährige Jubiläum seirrer literarischen Tätigkeit — der 22. Dezember 1900 — umrde als ein großer nationaler Festtag begangen, an dem ganz Polen dem Künstler zujubelte, in dem es mit Recht den Verherrlicher seiner Geschichte erblickte. Den Höhepunkt dieser Feier bildete die Ueber- reich.ung der Schenkungsurkunde, in welcher die polnische Nation Sienkiewicz das Gut Olegorek im Gouvernement Kjetzy als sichtbare und dauernde Ehrung überwies. Aber auch der Charakter dieser Feier war bezeichnend für die Strenge, die über Polen lastete: die Huldigung wurde dem Dichter schweigend dargebracht, und er nahm sie schweigöivd entgegen. Ter 70. Geburtstag Sienkie- wicz's der 4. Mai dieses Jähres, konnte infolge der Wirrnisse und außerordentlichen Zustände des Weltkrieges zum Leidwesen der Polen nicht als Festtag gefeiert werden. Tie Meisterschaft in der Darstellung bunter und bewegter Massenszenen aus dem Rahmen der Geschichte wies dem Schaffen des Dichters Sienkiewicz seinen Weg: die Verherrlichung der Geschichte seines Volkes, die das offene Freiheitsbekenntnis ersetzen mußte. So entstand die Trilogie „Mit Feuer und Schwert", „Die Sintflut" und „Herr Michael", in welcher die heldischen Kämpfe der Polen im 17. Jahrhundert, die Kosakenaufstände usw. verewigt wurden. Fast in all seinen Werken schilderte Sienkiewicz todesmutiges Heldentum, nur mußte er in seinen: Nationalepos auf die direkte Erzählung der Kämpfe zwischen Polen u:w Rußlaich aus begreiffichen Gründen verzichten. Eine Heldengasthichte ist auch der große geschichtliche Roman „Die Kreuzritter." Dei: stärksten internationale!: Erfolg erlangte „Quo vadis." und die Anerkennung für dieses Werk driickkte sich in der Verleihung des Nobelpreises aus, mit dem sienkiewicz im Jahre 1905 bedacht tvurde. Seine spätere,: Werke zeigten den llebergang in das Mter, die großzügige Wucht erlahmte
Dazu koinnrt, daß durch eine unabsehbare und erdrückende Fülle von Verordnungen mü) Verfügungen, von: denen die eins die cnchere aufhebt oder in kürzester Zeit wieder abändert, kein Mensch auf dem Lande mehr tveiß, was er in seinem Betriebe tun darf oder nicht, inch daß er so jeden Augenblick gewärtig sein muß, durch Uebertretung einer ilM gänzlich unbekannten Berordirung zu einer Geldstrafe verurteilt oder gar ins Gefängicis gesteckt zu! I verden.
So ist es nicht zu verwundern, daß ui den ländlichen Kreisen immer stärker eine tiefe Verstimmung irnd Verärgerinrg erkennbar wird. —
Wir sehen uns deshalb gezwungen, nochmals auf diese ernste Gefahr hiuzuweisen uiü> na:nentlich dagegen Einspruch zu erheben, daß immer weitere behördliche Eingriffe in die landwirtschaftlichen Betriebe selbst und chre Produkt:onsverhäldriffe gemacht werden. 9tach unserer lleberzerrgung würde dies unsere selbständige Volksernährung während des Krieges geradezu unmöglich machen.
Zur Erhöhung der LebenÄnittewrzeuguug auf den: cinheimi- schen Kulturboden während des Krieges sind ZwangSumßrcgcln das denkbar ungeeignetste Mittel. Erfolgreich wisid dies nur durch Anrufung der vaterländischen Gefmnung der Landwirte und durch die gleichen 9Mtel jgeschehen köwren, die auch in Friedenszeiten znm Anbau und fair Steigerung der Produktion einen Anstoß geben.
Für die Vertretungen der Landwirtschaft und ihre Führer war es geradezu eine Erfrischung, von dem Briese Seiner Exzellenz des Generalseldmarschalls von .Hmdenburg an den Herrn Reichskanzler vom 27. September ds. Js. Kenntnis zu erhalte,:.
Tie gesamte deutsche Lmwwirtschaft wird der ernsten Mahnung, welche in diesen Worten unseres größten Heerführers auch für sie enthalten ist, sicher freudig und rückhaltlos Folge geben.
Aus dem Reiche.
Verkehr mit Saattartoffeln.
Der Bundesrat hat am 16. November 1916 eine neue Verordnung über Saatkartoffeln beschlossen, die den Verkehr mit Scratkartosfeln dahin regelt, daß Saatkartoffeln aus der En:te 1916 nur durch die Vermittlung von landwirtschaftlichen Bernssvertretungen (Landwirtschaftskam- mern usw.) oder ähnlichen von den Landeszentralbehörden bestimmten Stellen abgesetzt werden dürfen. Innerhalb ihres Kommunalverbandes dürfen Kartoffelerzeuger Saat- kartoffeln ohne diese Vermittlung abgeben.
Die Ausfuhr von Saatkartoffeln aus einem Kommunal- verband in einen anderen Kommuinrlverband ist geneh- migungspflichtig. Die Genehrnigung erteilt der Kommunalverb and. Die Erteilung der Genehmigung kann von der landwirtschaftlichen Vermittlungsstelle im Einvernehmen mit der Landes- oder der Provinzialkartoffelstelle beansprucht werden. Die Höchstpreise für Kartoffeln gelten bis zum 15. Mai 1917, nicht für Saatkartoffeln.
Univerfids-Nachrichte«.
rb. Darmstaldt, 18. Nov. Der Rektoratswechsel in der Technischen Hochschule vollzog sich heute mittag in der üblichen feierlichen Weise. Mit dem Lehrkörper der Hochschule waren in der Aula auch Minister des Innern, Exzellenz v. Hombergk, Tivisionsgeneral Exzellenz Noell, der Stadtkommandant Generalmajor von Lyncker, Oberkouftstoriälpräsident v. N ebEl, Ministerialrat Dr. W e beru.a. als Ehrengäste vingetwffen. Uirter den im Saal Versammelte:: befcrnden ftch auch viel weibliche Studierende. Der bisherige Rektor, Geh. Blaurat Prof. B e r n d t, gab in seiner Ansprache dem Bedauern darüber Ausdruck, daß sich die beim vorjährigen Rektoratswechsel ausgesprochene Hoffnung auf einen
e:n wenig, tvährend die Liebe zur polnischen Heimat sich auch :m cnlßerlichen Ausdruck iuxh mehr vertiefte. Das Erlebnis der Revolution des ^Jahres 1905 schließlich legte Sienkiewicz in seinem Roman „Im Strudel" nieder, m dem seine demokratische 2ln- schauung, sein Haß gegen Rußlai:d und sein Glaube, daß nur d:e Befreiung von der ruffischen Herrschaft Polens Geschick bessern könne, zu erkermen sind. Im Weltkriege legte Sienkietoiez mutig und eiiweutig dieselbe Haltung an den Tag, und während des letzten Jahres, das er in der Schtveiz p-erlebte, harrte er mit ständ:g gesteigerter Erwartung auf die Befteinng seines Volkes. Es ist die Tragik seines Lebens, daß Sienkieivicz iminer wieder im Ausland auf die Rückkehr in ein befreites Polen hoffen imrßte, und das nun, da er :roch, die Tatsache dieser Befteinng! erfahren durfte, der Tod ihm verwehrte, seinen Fuß auf den Boden des be- srntei: polnischer: Laiches zu setzen.
^ —Tie Uraufführung der O pper „Porzi a". Aus
)L^u kfurt a. M. schreibt man ur:s: Es war ein recht schweres un * crc zu leisten übernahm, als sie sich
entfchlof;, Shakespeares „Kausinanr: von Venedig" als Oper in der ^extbearbeitung von Richard Wilde, mit der Musik von Otto Taub mann zur Uraufführung zu bringen. Es darf aber gesagt rverden, daß das Haus der ichch jeder Seite hin höchst schwierigen Ausgabe, die es zu lösen galt, in vollein Umfang urch trotz aller Scfwierigkeite:: der Kriegszeit geveckü tvurde. Die Bearbeitung des „Kaufmanns von Venedig" von Richard Wikde vereinfacht die Handlung des Stückes, das in drei Akten zusammen- gezogen wird, ohne daß unchlti,ge Momente dadurch in Wegfall kamen. Otto Taribmauns Musik zeichnet sich durch starke Jnner- luhkett und echte Ursprüugllch-keit aus. Sie verzichtet auf alle billigen Effekthaschereien. Tie Gogeimberstelluilg des Tuntelu, Fmsteren in Shylock u:u> des Lichte::, Versöhnende:: in Porzia üt sMer und überzeugend durchgesülnt. In der Schilderung Syylocks vor allem zeigt sich eine wuchtige, in die Tiese gehende Kunst. In erster Linie gervannen die mehr lyrischen Sz-eucn der Oper d:e Zuhörer si'ir das groß angelegte Werk, das auch dort, wo man ignt tn bet allzu heftig ausbrauseichen Brandung der dra umtuchen Parttei: nicht widerspruchslos gegenüber steht, unter allen Umständen aus ernste Betrachtung und Beurteilung Anspruch hat Das Orchester der Oper unter Herr:: Kapellmeister Selb erg s Leitung zeigte s:ch aus der Höhe und der schwere:: Leistung, die, es zu vollbringen hatte, gewachsen. Um die glttabgesttu:mte ?5uf- führung, machten sich besonders Frau L au er Ko ttlar als Porzm, Herr Breitenfeld als Bassaavio, Herr Brinkmann als Antonw, Herr Fänger als Shylock und Herr Oberregisseuv Kr ahmer verdient. Nach dem zweite!:: Akt und zum Schlüsse wurden nebei: den Mitwirkerchen des Abends auch Otto Taubmann und Rickiard Wilde mit lebhaften: Beifall bedacht.
—J ®om Thea ter in Btrlgarien. Das^ im Kampf erprobte Bürrdnrs mit Bulgarin: bringt uns diesen jüngsten u:ch kräf- ttgsten der Balkansttaaten auch kulturell nahe, und das m dieser Beziehung bereits von der: MUgavon Erreichte ist ums so höher zu bewerten, als jä die pdMfchie sund kulturelle Selbständigkcit d<-s Landes noch Nicht einnkal volle 40 Jahre alt ist. Trotz dieser kurzen Zutipanne können die Blllgareln Elch auf geistigem Gebiete auf nne gevintn- und außerordeittlick: schnelle Höherentwicklung zurück- blicken, .r:es erkennt man z. B. deutlich bei Betrachtung der junger: bulgarischen TlMlergezchichte-, über die Wl Spetter sin nächste:« Heft der be: der deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erschemen-
baldigen ehrenvollen Frieden iwch nicht erfüllt habe. Da ucüsi'c vonl allen rveitcr dlcrck-gehalten werde:: und auch die Technische Hochschule habe vollen Anteil daran. Vom Lehrkörper seien im ganzen 38 und von den Beamten und Bediensteten 27 Ntann im Felde und von den 881 Studierenden im Heeresdienst hätten bereits 131 ihr Leben si'ir das Vaterland geopfert, ganz abgesehen von den vielen^ in de: Großsiünrstrie tättge:: früheren Studierenden. 175 der im Feld io sindlicl)en Aruchhöriqen der Hochschule seien bereits nur dem Eisernen Kreuz auZgezeichnet worden, darunter mehrere mit dcm^ Eiserneu Kreuz erster Klasse. Der Besuch der .Hochschule habe die Ersvartun- gen übertroffen. Während die Besucherzahl int Winter 1915/16 nur 208 betrug, stieg sie im letzten Sommer auf zusammen 326, darunter 63, bezw. 52 Ausländer. Nach Mkanntgabe der Namen der Gefallenen wid:nete der Itcdner besonders dem erst vor einigen Wochen aus dem Felde der Ehre gefallenen Pröfeffor Dfe. Frawz Nsi ebner, sowie hem verstorbenen DoMttcn Mäjor v. P fr st e r - Schwttig- huse:: und dem frühere:: Finanznttnist'gr Dr. Gu a n t h ivarmher- zige Gedächtnisworte. Der inzwischen begründete Malze mische Lsisi-v- bund hat sich bereits sehr gut betvährt, auch viele der Professoren und Privatdozente:: habe:: sich bereitwilligst iy den Dienst der K'iegs- fürsorge gestellt. Der neuerruurnte Rekwr-Mag::isikus. Geh. .Hoftat Professor Tr. Müller, sprich nach Ueberi:ahme der goldenen Ämtskette dem Prorektor Dank aus und gelobte treue Pflichte:' füllung urit besten Kräften. Ta die gegenwärtige Zeit siir den Vortrag einer sonst üblichen chsi'fenschastlickwn Mhandlung ivenig ge- eigiret sei, gab der Redner nach einer allgemeinen Mttachtung einige, hochinteressante Beispiele dafür, wi^ sogar die Vertreter der darstellenden (Geometrie in die Lage kämm, ihre Wissenschaft in dn: Heeresdienst zu stellen, besonders auf dem Gebiet der Lnftschiffahrt und des Arttllerieweseus. Mit Bekanntgabe der im abgelaufencn Jahr vollzogenen akademischen Prüfungen und Preisverteilungew siir die Lösung der gestellten Aufgaben schloß die eindrucksvolle Feier. . 1
den Zeitschrift „lieber Land und Meer" kundige Dtitteilung macht. Das erste bulgarische Drama eutstand :wch vor Beginn jeglichen bulgarischen Theaterwesens, noch vor den Befreiungskriegen, im Jahre 1872. Schon aus seinem Titel „Jwanko, der Mörder Zar Assens l.", ist die revoluttonäre Leidenschaft des damals der Be- fteiung entgegengehenden Volkes zu erkennen. Ter Verfasser Wäffil Trumess und sein Zeitgenosse Alexander Bojnikosf, deren Werke fast aus,chl:eßl:ch kriegerischer Natur waren, urußten sich in Ermange- wng eines Theaters noch mit Porl-esungen begnügen Ti-' erfte Tbsatergameinschast, eine-.Wanderbühne, wurde vier Jahre nach der Besserung — 1882 — aus Volksschullehrern und anderen Tlieater- inlettantci: gebildet, um durch die Bühoreukunst dem nationalen! Streben zu dunen. Llus diesem geringen Mfang entwickelten sich schnell sehr beachtenÄverie Schauspielervereinigungen, deren Mit- gneder zum lzrrößten Teile in Deutschland lentten, und heute bestehen neben dem Nationaltheater in Sosia eine verbälllnsmäßig große Zahl anderer Bühnen, da jede größere bulgarische Provinz- jtadt den Beptz cmes eigenen Theaters erstrebt. Das National- theater in Sosia selbst stanmft aus dein Fahre 1907, und i.d eist staatlickies Unternehine::. Die biügarischen Bühnen sind vor allem äuf die Förderung der heimisclien KUnst bedacht, pflegen daneben aber auch die kunstlemf ch toertvolle ausländische Theaterliterattlr E wahrend anfangs Uebersetz::ngen russischer und französischer Stucke bevorz::gt tvaren, mehrt sich seit vielen Jahren das Jttter- cs, c für deutsche Sttrcke. So gibt cs neben den Klassikern wie Goethe^ „rz-auft Und Grillparzers „Sappho" auch bulgarische Ueberfetzungen nwderner deutscher Stücke wie ^dernmuns Ehre" halbes „fugend , und beso:ü>ers beliebt sind die Stücke Gerbart Hwiptmanns uitter derren Fuhrmann Muschel", ,.Der Bibcrpelr' Ui:d „Die Webett sich besonderer Beliebtheit crfra:nt. Untm der bulgan,:chen tL.ramattkern der O^gemvart nimmt der auch als Lyri- ker Und Erzähler bedeittende, 1850 geborei:e Jwa:: ^Lasoff die süß- reiche Stellung ein. iSiain berühmtestes Stück betitelt sich „Zinn Abgrund , es spult,in der Mtta des 14. Jahrhnuderts und hat stark geprägten patnotischei: Charakter. Dieser Charakter ist auch anderer lackgarisclier Autoren, ivie den: „Kivchtichau'' Hatto Thvdoroffs und dem „Alter: Kriege^' von Kyrill (Üriftoff v u Auch die bulgarische Oper hat sich sch::cll zu bemerkeiis
werter Hohe entivickelt, tvobei Au beachten ist, daß der grundlegende Opernverein erst im Jahre 1908 vion dem kürzlich 'verstorbenen bulganichen Opernsimger Michailoff Stoyar: in Geineiilschast imr dnn heutige:: Leiter der bulgarUchei! Oper, KFrsakosf. gegründet ersten Versuche dittei: gleich guvßen Erfolg.' und von 1.118 ab rvurden im Sosiaiier "??asio:ulltheater regelmäßige Opern - Vorstellungen gegtte::, und knapp vor der durch den Kiiegsäusbriuch bie Einberusimg des tech:nscl>en Personals berbeigesübricir Schließuiig des Theaters ivaren Wiedergaben von „LohenWin" und „Freischütz" in bulgarischer Ueb erst smiig lieabsichsigt. Die bedeutendsten bulgarischen Opernkompoisisrei: such I. D. Jlk^anoff n:id D H. Gem-gieff, soivie G. Atanassoff, desse:: Oper auo dem dulge- riickien Befrerimgsleben „Borislaw" am bekanittesten ist Da sehr bald eine Anzahl bulgarischer Schauspieler:md Tonkünstler unter Leittmg des gegemvärtigen Direktors des Softaner Nasiouassbeat - eine Yßistspielreist nach Deutschland inttenuhnvei: sollen deittsc>e Piiblikum imnmebr zum erstzmmal sistlegenbeit lxtln:? um ge billgarische Bühnenkunst a::s eigener ^trachtuug " ivu:- teilen.


