Ausgabe 
21.11.1916 Zweites Blatt
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Kr. 2 «! 4 Zweites Blatt M. Jahrgang

Erscheint läglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Gießenrr Familienblätter" und KreisMatt für den Kreis tziehen".

Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Sewerbedank Sietzen.

General-Anzeiger für Oderhefjen

Dienstag, 2 \. November lRI

ZwillingSrunddruck und Verlag:

Brühl'fchelttuversstäts-Buch-'U.StLiridrucke. .

R. Lange, Äießeru

5chriftleitung, SeschäftrsteSe und VrNckerei:

Schulftraße?. Eeschäflsslelle u. Verlag : 61,

Schriftleitung: e=*Ä 112.

Anschrift für Tr- htnachrichten: Anzeig erließen.

Finanzminifter Braun h.

. ^ Ir? T ^ ' 2.0- Nov. Der frühere Minister deS Innern Knd FincmKnttrnster, ietzrgrr Präsident der Öberrechnungskammer

JPc X £^ X .fafc an ben Folgen eines Schlag-

ansalles rnr seckMgsten Lebensjahre gestorben.

Aus Darmstodt wird uns geschrieben:

e < l>0 ? vr der Nacht Mw M'ontag erfolgten Ab-

*"£1 b^mnaarzmimsters i. P. und Präsidenten der Großh. Ober- rechnMngKrnrmer, Herrn 5Dr. pW. h. c . und Dr. ing. h. e. Ernst Braun, im noch nicht vollendeten 60. Lebensjahre muß überall in wueveuit Hesfenlmöde weit über dessen Grenzen hinaus die ausi- richtigstc, schmerzlichste Teilnahme Hervorrufen. Denn mit ihm ver-- vcgogtum emen Mann, der wie wenig andere drei I^rzehnte hindurch erfolgreich und hervorragend für sein Heimat- la^ gewirkt -uich zu den beliebtesten seiner führenden Männer ge-

artl 1- Januar ds. Js. die schwere Bürde ^? tC ^ U.^ Vt r L i V \ I er ^^nzen auf jüngere, kr,ästigere Schultern!

«: ^ nur notgedrungen, gezwungen durch seinen! leidenden Ge,undhetts-MsLand. Er hatte bekanntlich schon vor. nwhrrren Jahren einen schweren Schlaganfall erlitten, der ^oeilige rechtsseitige KörperlähmNng zur Folge ^ ^ ©feiiren auch den bis dahin ganz

geftruden Mmrn me^wieder gaa:z verliefen. Wie schwer dem nun verewigten der Nucktritt von diesem verantwortungsvollen Amte r 0' HU 1 P lr E innerem Widerstreben mit dem chm IiÄ g«wrdnnm Posten eines Ministers des Inneren vor sechs TELS-schte. dann aber mit überraschender Befähigung und Geschickllchtttt in ausgezeichneter Weise voll ansfullte, können alle 0i«eni>gen bez-en^n, die zur dieser Zeit mit ihm in Berührung/ gekommen in:d. Der an rastlose, unermüdliche Arbeit Gewohnte <?£5 r lua ^ Ottvillt. Nun den so wobl verdienten Ruhestand auch mit Behagen zu genießen. Es wurde ihm auf seinen ausdrücklichen ^unfch, der rulngere Posten eines Präsidenten der Großh. Oi^r- rac^ruNgstti armec übertragen und zwar übernahm! er das neue Amt trt T^mrsgespwchenen höchst dankenstvetten Absicht, dadurch auch -zugleich dcnn Laiche beträchtliche Mittel zu erhalten, durch Er- Iparmrg einer Ministerpension, die nach dem seitherigen Usus das volle Mmiftergelmlt betrug.

, . ^t. Brmin war nach seinem Eintritt in den hessischen Staats- orenst rn allen drei Provinzen amtlich tätig gewesen, aber er hat sich mvch mxh ganz hervorragerche Verdienste erworben durch die NeU- ^m°beikLNg des großen WerkesDas hessische Staatsrecht" von! Braun-Weber und durch besondere Arbeiten üjber das Versiche­rungswesen. Den Höhepunkt seiner Bedeutung im hessischen Staats- lebeii bildete zweifellos der Augenblick. als er fick- auf den drin- senden Ruf des Großyerzogs in den kritischen Tagen des Jahres ln 10 entschloß, das Finanzministerium zu Mernehmen. Das Amt, das ihm! damit übertragen wurde, war außerordentlich verant-< worttmgsvoll, zumal sich damals die hessischen Finanzen in einer schweren Krisis beßniden und bedeutende Aufgaben, wie die Er­ledigung des neuen Gemeindesteuergesetzes und die Schuldentil-- gungsfrage, ebenso aber auch die Neuregelung der Beamten ge­holte (Besoldungsgesetz) ihrer Lösung l-arrten. Man muß sich er­innern, daß das Budget, welches sein Ämtsvorgänger Dr. Gnauthl im Dezember 1909 den StändeöamMern vorlegte, eine Stenern erhöhung von 30 Prozent der Einkommensteuer und 46 2 / 3 Pro- %ait der Bermögenssteuer und daneben auch noch eine beträchtliche Erhöhung des Schulgeldes in Vorschlag brachte, um das auf rund fünf Millionen berechnete Staatsdefizft zu derben. Tie Schuldes des Staates, namentlich die nichtwerbenden Schulden, waren Durch' eine außerordentlichrege" Bautätigkeit ganz gewaltig) gestiegen, die Verzinsung verlangte große Summen. Urid dabüi .sollte die enorme Steuererhöhung nur dazu dienen, eine Tilgung der Staatsschuld zu ermöglichen: für die Regelung der Beainten- gehalte war nichts darin vorgesehen. Da das Gnauth-Projekü gleichzeitig vorsah, ein für allemal die Eisenbahneinnahmen ans Verwaltung steil des Budgets heraus zun ehnren und sie dem Ausgleichs so nds zuzuführen, war auch Pairm damit zu rechnen, daß M absehbarer Zeit Mittel hierzu zur Berfügimg stehen würden. Mls diese Fiuauzprojekte namentlich im Lande und in der Ersten Kammer aus Widerstand stießen, sah sich der Minister genötigt, seinen Rücktritt anzubieten.

In dieser schwierigen Lage schied Dr. Braun von dem chrtt liebgewordenen Ministeriüm des Innern, um sieb der schweren Aufgabe zu widmen, das Vertrauen des Landes zu der Leitung unserer Finanzen wieder herzustellen. Es gelang ihm in überraschend kurzer Zeit und in einer außer­ordentlich glücklichen, den Interessen des Landes gerecht werdenden Weise, ein Schuldentilgungsgesetz zur Verabschiedung zu bringen, nnd auch in dem Genieindesteuergesetzentwurf die Reformen vorzu- nehnren, welche in Rücksicht auf die Steuerzahler früher namentlich von dem Berichterstatter der Ersten Kammer .Frhrn. v. Hehl

verlangt wurden. Endlich gelang es ihm auch, getragen von dem Vertrauen der Landstände und infolge der besseren Gestaltung der hessischen Finanzen, die namentlich ans die Wirkung des preu- ßi> ch-hessischen Eisenbahnvettrags dessen überzeugter Anhänger der Verstorbene war die Besoldungsvorlage gerade noch vor dem Ausbruch des Weltkrieges neu zu gestalten. Dank dieser aus­gezeichneten Finanzpolitik trat der hessische Staat in die große Krise des Weltkrieges mit gefüllten Kassen ein und es war ihm auch möglich, den schwer bedrohten Genossenschafts lassen seine Hilfe angedeihen zu lassen.

Diese günstige Finanzgestaltuug ist von außer­ordentlichem Glück für unser engeres Vaterland ae- wesen, und man kann die Verdienste, welch: sich der

mm leider viel zu früh Heimgegangene Minister Dr. Braun darum! in Verbindung mit den Landständen erworben hat, gar nicht hoch genug anschlagen. Ms er vor noch nicht einem Jahve ans Gesund^ heitsrücksichten das Finanzminsstettun: verlassen nurßte, um der jüngeren Kraft des Herrn Dr. Becker Platz zu machen für die größten Probleme, welche der langaudcruernde Krieg auch den l>es,'i- schen Finanzen stellt, konnte man daher nur die aufrichtige Hofs- itrnig aus sprechen, daß auch seinem Nachfolger ähnliche Erfolge, wie ihm, beschieden fern Möchten.

*

Braun wurde pnr 5. Oktober 1857 geboren, besuchte das Gymnasium zu Darmstadt jund dann die Universitäten Heidelberg Hub Gießen. 1882 bestand er die Staatsprüfung, 1886 wurde er Kreisamtmann in Lauterbach, 1889 würbe er in gleicher Eigen- schaft nach Mainz versetzt und blieb dort in dieser Eigenschaft, bis er am 1. Januar 1896 als Oberfinanzmt in das Ministerium der Finanzen berufen wurde. Am 1. Januar 1898 ging Braun als Kreisrat nach Lauterbach, kam aber schon im Juli desselben Jahres als Ministerialrat, und zwar als Chef der oberen landwirtschaft­lichen Behörde, in das Ministerium zurück. Am 1. April 1900 Wurde er Leiter der neugegründeten Minssterialabteilimg für Land­wirtschaft, Handel Und Gewerbe. Am 5. Februar 1906 wurde er zimt Präsidenten des Ministeriums des Jnneric ernannt, am 1. Januar 1907 zum Minister des Innern mit dem Prädikat Exzellenz, Und am 27. Februar 1910, als Nachfolger von Exzellenz Gnanth h, zum Minister der Finanzen. Am 15. November vorigen Jahres wurde dann Dr. Bram:, dessen Gesund Heft inzwischen stark gelitten hatte, auf sein Nachsuchen unter dankbarer Anerken­nung der langjährigen, treuen und ausgezeichneten Dienste vom Großherzog mft Wirkung vom 1. Januar 1916 an in den Ruhestand versetzt und, da es dem allzeit arbeitsfteudigeu Manne noch nicht lag, sich schon ganz zur toohtoerdienten Ruhe zurückzuziehen, mit der Führung der Geschäfte des Präsidenten der Oberrechnungs- kamMer beauftragt.

randwirtschaftlicher vezirksverein Gießen.

%. Gi e ß en, den 19. November 1916.

Im Felsenkeller fand heute miftag eine sehr gut besuchte Versammlung von Lehrern, Bürgermeistern und Landwirten unter dem Vorsitz des Geheimrats Provinzialdirektors Dr. U s i n g e r statt, bei der Professor Kleb erg er-Gießen einen sehr inter-, essanten Vortrag über die Kartoffel- nwd Gemüsever-, sorgung hieft.

Ter Redner erläuterte zunächst die Ergebnisse der bisherigst Kartoffelernten im Laufe der letzten vier Jahrzehnte und zeigte, wie siich diese durch die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebs- Verhältnisse gehoben haben. Deutschland iväre vor dem Kriege eins bedeutendes .Kartoffelausfuhrland gewesen, dessen Ertragsüber­schüsse im wesentlichen nach England und Südftankreich, sowie nach Italien nnd der Schweiz ausgeführt worden seien. Mit dem Ans- bleiben stärkehaltiger Rohstoffe aus dem Ausland, wie Reis und Reismehl aus Indien, Futtergerste aus Rußland, Biertrebern aus! Amerika. Mais und Maisprvdukten aus Südeuropa und Amerika, sei die Kartossel für wesentliche Ernährungszwecke und als Futter­mittel in bedeutend größerem Umfange in Anspruch genommen wor­den, tvas zur Folge hatte, daß der KattoffelVorrat nur bei sparsamer Bewirtschaftung ausreichte.

JNr laufenden Wfttschaftsjahre sei die Ernte unseres Ge­bietes nur als eine 2/ 3 4Stnte, die bedeutender nord- und süddeutsches Gebiete nur als eine 1/2-Ernte anMsehen, weshalb die Kattoffel- züfnhr, bezw. die Deckung des Bedarfes der Bevölkerung besonders in Großstädten und Industriegebieten noch besonders unter Berück­sichtigung der erschwerten Ernte, der mangelnden FeldbesteNung und der fehlenden Arbeitskräfte verlangsamt werde.' Die Deckung des Bedarfes müsse in absehbarer Zeit erfolgen, deshalb sei eine möjgs- lichst baldige Ablieferung aller verfügbaren Kartoffeln er­wünscht.

Tie Feststellung der verfügbaren Bestände sei sowohl für den Landwirt wie auch für die Verwaltungsbehörde sehr schwer, sie sei nach Ansicht des Referenden nur so mögliche daß.are Hvnid> der Anbarchläche und des' Vorrates eine möglichst geitaue Ernte- schätznng jeder einzelnen Wirtschaft vorgenommen rverde. Tann müsse unter Berücksichtigung des Viehstandes das benöttgte Quan­tum Futterkartoffeln und das für die Wirtschaft und den Haushalt! notwendige Quantum' Speisekartoffeln (pro Tag und Kops I72 Pfund) sestgestellt und tmrch Abrechnung des Bedarfes vom Vorrat, die Menge des Ueberschlusses, unter Berücksichtigung des ^ Saatgutbedarfes, ermittelt werden. Sache der Verwaltungs­behörden Müsse es sein, für Sacke, Fuhrwerk und Eksenbahnttans- portgelegen'heit, soweit sie vom Landwirrt nicht beschafft werden können, zu.sorgen. Wenn in dieser Meise von Verwaltungsbehörde und den Landwirten verständnisvoll zusammengearbeitet würde, dann müsse die jetzt bestehende Knappheit (von einer Not sei keine Rede) binnen kurzent behoben sein.

Tie Gemüsen er sor gun g gelte, so erklärte der Referent, in weiser Fürsorge dem kommenden Jahre. Adventsgemüsebau (Herbst- und Wintergentüsebau) sei in diesem Jahre mit Aussick! auf Erfolg wegen mangelnden Pflanzenmaterials nicht mehr mög­lich. Tie größte Bedeutung müsse daher dem Frü h g e m ü s e b a u als Frühkohlban Nnd Fvühspinat- sowie Galatbau oeigelegt werden Erftrrter Frühkohl Nnd Wirsing sei berühmt, zuverlässig im Ertrag und' befriedigend haltbar. Der Anbau habe im' Monat April w:f 40x40 Zentimeter Abstand auf Kämmen zu erfolgen. Eine kräf­tige Düngung von StaKmist, Kali- und Phvsphorsäure sei not­wendig. Ms früher reichtvagender Spinat sei sächssscher Breit- blätteriger auf.gut gedüngte'm Lande sehr zU empfehlen. Oeftere Ueberdüngungl mit verdünnter Jauche sei aM Platze. Von S p ätgeMüse kämen in Blettacht:: 1. dbe Kohlartett. 2. die Hülsen fruchte, 3. hie 'Kohlrabi und Möhren. Von den Weißkohlarten seien Filterkraut und baverisches Spitzkraut sehr ertragreich und gut halt­bar, Erfurter Trotzkopf und' runder Holländer seien ebenfalls ertrag­reich aber empftndlich gegen Nässe «und Kälte. 95tari Rotkraut und Wirsing bestehe hinsichtlich der Bewwtmrg der einzelnen Sorten kein zu großer Unterschied'. M.ben dem Weiß- und Rotkohl! sowie Wirsing verdienten nach den Ausführungen des Redners noch die Hülsenfrüchte, besonders aber Erbsen und Böhnen, für den feld­mäßigen Anbau besondere Beachtung. Die gelbe Viktoriaerbse und die kleine weiße Buschbohne seien zwei im Feldanbau bei Drill­kultur alt erprobte zuverlässige Sorten. Besorgers wichtig erscheint dem Redner der Anbau von Kohlrabi und Speisemöhren, derer, Kultur als Drillkultur ohne besonders große Aufweudungen mög­lich sei und die auch bei feldniäßigem Anbau reiche wertvolle Ge- müseerttäge brächten.

^ Erfolgreich könne der KohlbaU nnd sonstiger Gentüsebau als Ackerkultur nur betrieben werden, wenn Pflanzen- und Sanien- ankauf gemeinsam erfolgten und der Absatz geregelt werde. Der Referent schlug vor, daß, wie iM laufenden Jahre für die Stadt Gießen, im kommenden Jahre durch den Verein, bezw. die Behörde Samen und Pflanzen gemeinsam bezogen werden sollten und der Verein, bezw. me BsWrde, auch den dkbsatzi ftr die Wietze leite, gegebenenfalls auch den Tüngerbezug bewirke.

Mit einem warmen Aufruf an die anwesenden Bertteter der Landgemeinden, daß sie unter der Bevölkerung darauf Hinweise:: möchten, daß man allerseits die Stunde erkenne nnd alles aufbieten solle, um die Ernährung der notleidenden Bevölkerung sicher zu stellen, schloß der Redner seine mit großem Beifall cmfgenommenen Ansfiihrungen. '

An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache, bei der aus der Versammlung recht brauchbare Hinweise und Erfahrungen laut wurden.

Nachdem der Vorsitzende, Geheimerat Dr. ll s i n q e r, noch die derzeitige wirtschaftliche Lage mit packenden Worten beleuchtet hatte, konnte die früh begonnene Daguntz gegen 6 Uhr beschlossen werden.

Derpopulärste Mann Frankfurts".

(Zum 100. Geburtstag von Friedrich Stoltze, 21. November.)

Es war in den 80er Jahren des vergangen«: Jahrhunderts, als die Frankfurter Post.eines Tages' einen Brief zu bestellen hatte, der die immerhin einigermaßen seltsam annrutende Aufschrift trug: An den populärstem Mann Frankfurts." Indessen quälte die Frage, für wen die merkwürdig adressierte Sendung wohl be­stimmt sei, die Beanften nicht lange. Sie richteten den Brief ohne Zögern an Friedrich Stoltze nnd trafen mit ihrer Lösung ins Schwarze.^ Daß sie so treffsicher die volkstümlichste Gestalt der alten Mainstadt zu finden gewußt hatte, erhöhte das Ansehen der Post in allen Kreisen der Bürgerschaft außerordentlich. Tenn in der Tat, es gab in jenen Tagen in Frankfurt niemanden, der so uneingeschränkt'alspopulärster Mann" angesprvchen werden

Sießener «onzertverein.

Gießen, 19. November.

Ter Gießcner Konzertverein verzeichnet mit dem am Sonn­tag gegebenen Konzert einen neuen großen Erfolg. Wir hatten die Freude, das hier bekannte und beliebte Wendling-Quartett aus Stuttgart zu hören.

Schon die sorgsame Zusaminenstellung der Vortrags folge spannte die Erwartung der Musi ko er ständigen unserer Stadt. Der Erfolg übcrttaf sie bedeutend.

Das Mozarts che Quartett in 8 -dur Machte den Anfang und zeigte rn der Ausführung, wie tief und innig sich die Künstler mit ihrer Kunst eins fühlen. Das ganze Quartett wurde flott gespielt in echt Mozartschem Geiste. Das Menuett und Adagio war der Höhepunkt und machte großen Eindruck. Dann folgte! Schumanns - d u r - Q u a r 1 e 1 t op. 41, das in berückender Schönheit erklang. Nach den kurzen Einleftungstakten erlouchs das herrliche Hauptthema mft aller Hefterkeft, die über dem Ganzen liegt. Die Instrumente wogten und tönten ineinandergreifend mit seircem Verständnis. Ter zweite Satz bot der ersten Violine und der Bratsche reiche Betattgung und in der Coda .wetteifern Geige und Cello.

Das Adagio nwlto wurde Ivunderbar feinsinnig Vvrgettagen, und die von Sehnsucht erfüllte Melodie trug die Hörer weit empor. Dem Adagio schließt sich das ftische Finale an mit markantem Rhythnms und kühner Entwicklung^ ErnQuasi-Trio" m 1-dur ist eingeschoben. Dann kommt noch einmal X-dur zur Geltung und der Satz endigt in mächttgem Aufschwung mit stürmisch jubelndem -Ausklang.

Dann kam Mtmesster BeethDven an die Reihe und bot den Künstlern Gel'egenheit zu einer großartigen, fast vollendeten! Leistung.

Das 6 - d u r Qua r t e t t beginnt ruft einer langsamen fast düsteren Einleitung. Während die Baßstimme allmählich in dre Tiefe sinkt, steigt die Bivline empor das Düstere weicht nnd ein neues 0-dur-Thema, dem sich sehr bald ein zweites an- E)t, laßt ein sprühendes Leben sich entwickeln. Die pochenden Achtelschläg: des Violonoells begletten Violine und Bratsche. In großen kraftvollen Zügen entwickelt sich, das Allegro vivace, und der schöpscrische Wille des Tondichters läßt neue lichtvolle Er­scheinungen entstehen im heiteren Gedankenspiel.

^oas ern)te Andante in A^nwll bringt ein sanftes Magelied (I. Violine), begleitet von dem fast steten Pizzioato des Vwlon-

cells. ^ Dann ertönen heftigere Klänge und ernstere Töne, die wieder verhall«: und einer heiter-friedlichen 0-dur-Melodie weichen.

Denselben Charakter des Heiteren trägt das Menuett, und in dem großarttgen Finale bricht ein lebensernster HnkNor durch, der, zu kolossalen klanglichen Timmsionen anwackfend, die Schluß- fuge in überwältigender Schönheit zu Ende führt.

D^r Saal war gefüllt, und das Publikum folgte mit Span- nung den Ausführungen der Künstler, denen es nnt reichem Bei­fall für den großen Genuß lohnte.

Und so sagen auch wir dem Wendling-Qnartett Dcu:k und auf Wiedersehen! Dr M

*

Darmstädter Theaterbrief.

Wieder^ eine Uraufführung im Hoftheater. Und zwar diesmal eine solche choreographischer Art, eine Pantonttme von Grete W i e s e n t h a l:D i e Bien e", M welcher Clemens von F r a n k e n st e i n die. Musik geschrieben hat. Mit welcher Span- nung man in der Dhealerwelt diese neue bedeutende Bühnen- erscheiimng überall erwartete, beweist der Umstand, daß etwa 30 auswärtige Intendanten oder Theaterlefter und zahlreiche Musik­kritiker zum großen Teil aus weiter Ferne herbeigekommen waren. Grete^ VZiesenthal steht ans ihrem Kunstgebiete oben an. Sie ttat nach ihrem Scheiden ans der Wiener Hofoper, Ivo ihre durchaus individnelle Begabung dem damaligen Kunsttanz neue Bahnen wies, zum erstmmal in einem! Freilichttheater der Wiener Kunstschau aus und erzielte mft ihren Tänzen eine solche Begeisterung, daß sie von Max Reinhart m seinen Kamm erspiel«: nach Berlin berufen wurde, wo sie mft Gastspielunterbrechungen in Paris, London nnd Amerika die andauerndst«: .Erfolge errang, ebenso, wie mit zwei von ihr nachi Hoffmannsthal verfaßten Pandomtmen. Und man muß sag«:, daß es ein ästhetischer Genuß ist, die schönen Mädchcn- gestaften in poetisch-malerischer Umgebung in ihren plasttschen Bewegungen yu. erblicken, wie sie uns in dies«: Pantomimen vor- geführt werden.Die Bi«:e" ist ein chinesisches Märchen in zehn Bildern. Ein innger Gelehrter lebt glücklich in seiner Ehe und rn feinem Studium. In seinem Garten hm:st in eurem hohlen Baum eine Bienenkönigin mit ihrem Schiwarm, die sich in ein ichön-es^ Weib verwandelt ::nd d«: Gelehrten so berückt, daß er schließlich den Btenengeistern in ihr Wunderreich folgt und in den Arirven der Königin Stunden der SÄigkett genießt. Aber tvie alle

Bienen, so verfällt auch die Königin nach des Sommers Liebes- sr«:deu in den Winterschlaf. Der Gelehrte empfindet Reue und eilt wieder in sein eilwnes Heim zurück. Doch, die Gattin bat in liefst cm Schmerz Unk den Verloren«:, am Bisnenbaum Selbstmord verübt, die Kinder sind in den Händen der Di«rerschaft. In ttefem Schmerz schleudert er eine Fackel nach dem Bcnrm' und er weist die daraus hervorlletternden Bienen und alle Verlockungen der Königin 'hart ab. Ta erbarmen sich, seiner die Götter und erwecken die Gatttn zu neuem Leben. Sie ttägt eine Zauberrofe, die sie sich«- gegen die Angriffe der Biene schvltzt und endlich auch durch ihren Duft die Bienenkönigin tot niedersinken läßt. Das letzte Bild zeigt dann die wieder glücklich vereinten Gatten mit ihren Kindern Ties nicht besonders gedankenreiche Märchen hat im Hvftheater «ne geradezu bewundernswerte Ausstattung erfahren. Statt de^ Vorhangs zeigt sich uns ein riesiger Fächer, der sich teilt und bic einzelnen Bilder an uns vorüberzieh«: läßt. Die ganze Märchen­ausstattung ist von Svend Ga de «rtworfen lvrd unter Pw: Kempins Leitung in den Werkstätten des Hoftheaters hergestellt worden. Zu dem ftumMm <opiel tyat Clemens v. Franken stein «ne .hackende Musik geschrieben, welche die einzelnen Bilder nwt:v:>ch llar zeichnet rmd melodienreich einschmeichelnd dem ganzen, einen höheren Wett verleiht. Der Komponist stand'selber am Diregentenpult und sorgte dafiir, daß alle Sckönlmten der Pattittlr wirknngsvollst tzur Gelttmg kam«:, was bei unserem vortrefflichen Hosovchester ja auch leicht gelingen muß. Für die Äpielleckung zeichnete Grete Wiesenthal selber als Vevantwottlich« Redakteur. Daß Unter diesen Umständen auch die heimischen Ballett- kraste ihr Bestes l«steten, bedarf kaum der besw^ren Erwähnung, ^as ausvettanste Haus bneitete der Urausfülftung eine sehr warmherzige Aufnahme und zeichnete am 1 Schluß neben den drei Hauptdarstellern Gvete Wiesenthal als' Bienenkönigin, Klitt E b r l e und Frau Hedwig Ehrle als Gelehrtenehepaar auch bei: Komponist«: Clemens v. Fraukenstein mit wiederholten Heroor- rus«: aus. Da die Pantomime allein den Abend nicht ausfüllte, so gab die berühmte Tänzettn noch drei besondere Tanznummer:: dazu. E. M. v. WebersAufforderung zum Tanz" (mft den sehr wenig ansprechenden drei Tierrnasken), LiszttsZweite Rhap- sodick und Joh. SttcrußDonanwalzett^. in denen die Gefeiette dittch. ihre unvergleichliche Kunst allgemeines Entzücken erntete Der Gr 0 ßherz 0 g, der am Samstag früh wieder von der Truppen rm Felde zirrückgekehtt ist, wohitte mit der Groß- Yerzogin in der großen Hvftoge der Auffühtttng bei Fr b