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16/11/1916 Zweites Blatt
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Ttt. 2Z0 Zweites NM M. Jahrgang

Erscheint-lich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Eietzener ZamMenvlatter^' und ..rrreisblittl für den Kreis Gießen".

p-ßfche«-nt»: Krantfntt an, Mnin Nr. 11686. Vankverkehr: Serverdebank Gießen.

Donnerstag, 16. Usvemder 1916

ZwillingSrunddruck und Verlag:

Brüh l'fche Unioersiläts-Bnch-u.Steindruckereu R. Lange, Gießen.

Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstraue?. Geschäfts,leUe u. vertag:

Schriftleilung: 112.

Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.

Volkszählung.

Am Freitag, hem 1, Dezember dieses Jahres, mitten tm Krrege. stndet in Deutschland eine Bolk-zäh- lu no statt, Sre ,st bedeutungsvoller als die sonstigen Solfs. zithlungen, die bisher in den letzten Jahrzehnten alle fünf Jahre vollzogen wurden. Denn diese neue Zählung soll dem - ^EF^Ernvhrnngsainte sür seine Ernährnngspläne feste ftatisttjche Unterlagen geb^n. Gezählt werden alle in der Nacht vom SO. November auf den 1. Dezember orts­anwesenden Personen, und zwar wird, wie üblich, gefragt nach dem Namen, Alter, Geschlecht, Berns, nach der Staats­ange hörig kert, nach der Religion, nach dem Wohnort, nach gewissen körperlichen Mängeln usw. Me vor dem 1. Dezem­ber 1899 geborenen männlichen Personen haben auch über ihr Mlitärverhältnis Auskunft zu geben. Berichtet muß werden über Militärpensionen und Militärrenten. Ueber alle diese Angaben wird Stillschweigen gewahrt. Die Zahler, d,e wieder dm Zählung, die ans Zählkarten erfolgt, vorzunchmen haben, sind zur Amtsverschwiegenheit ver- Wie groß die Zahl der Zahler ist, die ehrenamtlich Ares Amtes walten, geht daraus hervor, daß allein in Berlin etwa 5000 in Bewegung gesetzt werden. Da viel Lehrer urw Schüler höherer Lehranstalten darunter sind, wird der ScIMunterricht an diesem Tage ausfallen.

Solche Volkszählungen sind keine Errungenschaft der neuen Zeit, wenn sie auch erst in den letzten Jahrzehnten immer mehr ausgebaut und damit volkswirtschaftlichen und sozialen Zwecken dienstbar gemacht Mörder! sind. An sich sind Volkszählungen schon aus dem grauen Altertum bekannt. Die Chinesen zahlten schon ihre Leute, auch die Aegyvter und die Juden. In Rom und Griechenland stellte man Bürger­listen auf, und vom Kaiser Augustus berichten ja die Evan­gelien, daß er ein Gebot ausgehen ließ,daß alle Welt ge- scyätzet würde" und, so wird hinzugefügt:Die Schätzung war dre allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger m Syrien war." Damals mußten, wie wir weiter aus der biblischen Geschichte erfahren, alle Einwohner sich an den Ort ihrer Geburt begeben, um sich dort zählen zu lassen. Eine etwas umständliche Methode, die infolgedessen Wochen und DLonate in Anspruch nahm. Später im Mittel- alter ging man auch iu Deutschland zu Volkszählungen über, die sich aber nur auf einige aufstrebende Städte, nicht aufs ganze Reich erstreckten. So wird uns von einer Volks­zählung in Nürnberg im Fahre 1449 berichtet, von einer solchen in Straßburg im Jahre 1475 und so fort. Erst im achtzehnten Jahrhundert kam inan zur ersten allgemeinen Volkszählung.

In Preußen und Hessen wurde das Volk gezählt, auch m Sachsen und Thüringen. Auch von einer schwedischen Volkszählung weiß die Chronik zu e^ählen. Wer die An­gaben dieser Zählungen waren noch sehr ungenau und oft nur Säätzungen.

Erst im 19. Jahrhundert kamen technisch vollkommene Volkszählungen zustande. Im deutschen Zollverein zählte man seit 1834, und zwar alle drei Jahre am 3. Dezember Man suchte absichtlich diesen Dezembertag als Stichtag ans, weil diese Zeit als stille Achreszeit gilt, in der die meisten Einwohner an ihrem Wohnort bleiben. Diesem Brauche, an einem der ersten Dezembertage zu zählen, ist man treu geblieben.

Während in Deutschland und auch in Frankreich alle fünf Jahre gezählt wird, lassen sich andere Staaten mehr Zeit. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika kommen zum Beispiel nur alle zehn Jahre dazu- J>n Italien hat man seit fast vierzig Fahren keine Zählung vorgenommen, ähn­lich liegen die Drnge in Rußland.

Von besonderem Wert war die letzte deutsche Volks­

zählung vom Jahre 1910. Sie förderte eine Fülle von wert- volle:n statistischen Material zutage. Belief sich die Bevölke­rung Deutschlands im Jahre 1905 noch auf 60 314 000 Per­sonen, so war sie fünf Jahre später schon auf 64 925 993 Personen gestiegen.

Neben diesen großen Volkszählunaen wird der Bevülke- runasstand natürlich dauernd kontrolliert. Manche großen Stäote, zum Beispiel Berlin, zählen ihre Bevölkerung all­monatlich nach ihren Meldelisten. So wurde im Jahre 1914 für Deutschland ein ungefährer Bevölkernnqsstand von 67 812 000 Personen festgestellt.

Die Aufrechnung oer Ergebnisse der einzelnen Bundes­staaten nahm sonst immer einen ziemlich langen Zeitraum in Anspruch. Meist wurde erst im Februar des darauffolgen­den Jahres der Ausgang der Dezemberzählung endgültig bekanntgegeben. Da man auf gewisse Zählergebnisse aber diesmal wartet, wird die Wrechnung sicherlich erheblich beschleunigt werden, so daß noch Ende Dezember die ersten großen Zahlen herauskommen werden. Neben der Volks­zählung geht noch, d-as sei ergänzend bemerkt, am gleichen Tage eine Kleinviehzählung, bei der die Haustiere gezählt werden.

Grey über die britischen schwarzen Listen.

London, 15. Nov. (WTB.) Meldung des Reuterfchen Bu­reaus. In Beantwortung der amerikanischen Note über die soge­nannten britis chen sch wa rzen L i st e n als eine willkür­liche Einmischung ixt den Handel der neutralen Staaten wieder­holte Grey, daß 'das Handelsverbot urit gewissen Personen in fremden Staaten nur ein Akt der Landesgesetzgebnng sei intb sich lediglich auf Personen in Großbritannien erstrecke. Grey erklärte, die britische Regierung beabsichtige toeder, noch beanspruche sie die Rechte, neutralen Einzelpersonen irgendwelche Behinderungen oder Strafen aufznerlegen. Tie Maßnahme zwinge nur die, welche großbritannftche Untertanen seien, Handelsbeziehungen mit den Personen, welche den Feind unterstützen, aufzugeben. Das Recht Großbritanniens als souveräner Staat, solche gesetzlichen Maß­nahmen zu treffen, sei so zweifellos, daß er sicher sei, daß dev dagegen eingelegte Protest auf einer mißverständlichen Auffassung des mit dieser Maßregel bezweckten Zieles beruhe. Geigen die amerikanischen Befürchtungen, daß dieses System von .Handels­verboten möglicherweise ungerechtfertigte Ausdehnung erfahre, weist Grey darauf hin, daß der Vorteil des Handels zwischen den bri­tischen stllntertanen und -Ausländern aus Gegenseitigkeit beruhe 'und daß das Handelsverbot mit Angehörigen eines fremden Staates für die britischen Untertanen notwendigerweise eine Ein­schränkung des britischen Handels nach sich ziehe und die Regie­rung daran hindere, ans die schwarze Liste irgend eine Firma zu setzen, die neutralen Handel betreibt, der bona fide sei. Es scheine in den Vereinigten Staaten und anderswo Leute zu geben, die man unmöglich überzeugen könne, daß die von England ergriffenen Maßnalstnen solche gegen den Feind seien und nickt! bezweckten, den englischen Handel aus Kosten desjenigen der neu­tralen Länder zu fördern. Er könne nur wiederholen, was er ein­gangs wiederholt anseinandergesetzt habe, daß die Regierung Seiner Majestät kein so unwüängrs Ziel im Auge gehabt habe, England habe in Wirklichkeit bei allen Schritten, die es ergriffen habe, um britische Untertanen von dem Handel mit diesen ange­führten Firmen abzuhallen., die größtmöglichste Sorge getragen, um so weit als möglich eine Schädigung dcS neutralen Handels sowohl in englischem wie im Interesse der Neutralen zu verhüten.

An einer anderen Stelle sagt Grey: Lassen Sie mich wie­derholen. daß die Regierung Seiner Majestät keinen Anspruch erhebt, den Bürgern der Vereinigten Staaten oder den anderen neutralen Staaten vorschreiben zu wollen, mit welchen Personen sie Handel treiben dürfen oder nicht. Sie muß dagegen an ihrem Recht fest halten, daß es in der gegenwärtigen schwierigen Zeit sogar ihre Pflicht gegenüber der Bevölkerung des eigenen Landes niie der Alliierten ist, die britische Förderung denen vor­zuenthalten, die ihren Handel zugunsten unserer Feinde führen. Wenn der Wert der britischen Forderung sür diese Firmen so groß ist, daß sie lieber den Handel mit unseren Feinden aufgeben, als daß sie Gefahr laufen, dieser Forderungen beraubt zu werden,

dann kann die Regierung Seiner Majestät nicht zugeben, daß ihre Ausnahme von Bürgschaften dafür Willkür ist oder unver­einbar mit dem internationalen Recht oder dem guten Einver­nehmen zwischen den Völkern.

Gret) bespricht sodann den in manchen Kreisen herrschenden Gedanken, daß die militärische Lage derart sei, bach, es sür die Regierung unnötig sei, irgendwelche Schritte zu unternehmen, die den Austauschverkehr im geringsten behindern könnten, da das Ende des Krieges in Sicht sei und nichts, was sich in fernen) neutralen Ländern ereigne, den endgültigen Ausgang berühren könne. Hierzu sagt Grey: Wir möchten wohl wünschen, daß die Lage so wäre, aber sie ist nicht so. Obwohl sich die militärische Lage der Alliierten bedeutend gebessert hat, steht ihnen doch noch ein langer harter Kampf bevor, der zur Anwendung jedes rechtmäßigen Mittels, um den Gegner zu überwinden, nöttgt. Was auch sür Unbequemlichkeiten den neutralen Nationen durch die Ausübung der Rechte der Kriegführenden erwüchsen, ist dies nicht zu vergleichen zum Beispiel mit den Leiden und Verlusten, die der Menschheit durch die Verlängerung des Krieges auch nur um eine Woche verursacht werden. Grey bespricht dann das englische Verfahren, Schiffen, die Waren für die aut der Schwarzen Liste stehenden Firmen führen, Bunkerkoh­len zu verweigern und sagt: Was für ein rechtlicher Einwand kann gegen diese Haltung erhoben werden? Es ist englische Kohle, warum sollte sie zum Transport von Gütern derer benutzt werden, die unseren Feinden aktive Hilfe leisten? Man muß auch daran erinnern, daß die deutsche Regierung durch den U-Bootkrieg versucht hat, die Welt-Tonnage zu verringern. Sie haben in unrechtmäßiger Weise ohne Warnung Hunderte friedferti­ger Frachtschiffe versenkt, nicht nur solche, die den Alliierten ge­hörest, sondern. auch solche der Neutralen, norwegische, dänische, schwedische, holländische, spanische und griechische Schiffe, alle sind versenkt worden. Zwischen dem 1. Juni und 30. September 1916 sind 2 6 2 Schiffe durch feindliche Unterseeboots versenkt worden. 73 davon waren englische Schiffe, 123 ge­hörten den Alliierten, 66 waren neutral. In dieser Zahl sinh 10 englische Schiffe einbegriffen, die ohne Warnung Versenkc worden sind, wobei 81 Menschenleben verloren gingen, 2 Schiffe der Verbündeten, von deren eines zwei Leben verloren gingen^ während über eine andere Versenkung keine Nachrichten zu erhalten waren, drei Schiffe der Neutralen, wobei ein Menschenleben ver­loren ging. Selbst diese Liste ist unvollständig. Wahrscheinlich sind noch weitere Schiffe ohne Warnung versenkt worden und iroch mehr als die crufgezählten Menschenleben verloren gegangen. Hinzugefügt sei noch, daß da, wo die an Bord Befindlickwn mit dem Leben davonkamen, dies in der Regel nur dadurch geschehen ist, daß sie sich in offene Boote begaben. Selbst Schiffe, die Ladung im Aufträge der belgischen Unterst ütznngskommissivn führten, wur­den wiederholt versenkt. Trotz der besonderen Erleichterungen, die den für die Kommission tätigen Schiffen in der Kohlen oe:5 sorgung gewährt iverden, ist diese Gesellschaft doch ständig nicht in der Lage, Nahrungsmittel nach Belgien emzuführen, die zur Er­haltung des Lebens der Bevölkerung durchaus nöttg sind. Es kann daher nicht wundernehmen, daß die brittsche Regierung ängstlich be ­müht ist, die Versorgung mit englischer Kohle so zu beschränken, daß, soweit dies möglich ist, nur Schiffe Kohlen erhalten, die wirklich im Handel sür die Alliierten oder die Neutralen beschäf­tigt sind?

Grey nimmt auf die Besorgnis der Neutralen Bezug, daß die tatsächliche Aufficht über die Transportmittel, die so in der Hand einer Nation ist, zür Störung des Wetthandels und zu selbst­süchtigen Interessen dieser Nation benützt werden könnte, und sagt, die Königliche Regierung ergreift diese Gelegenheit, um zu erklären, daß sie sich der Verpflichtungen derer wohl bewußt ist, die die Seegewalt haben, ebenso der überlieferten Polittk des britischen Reiches, von dem eine solche Seemacht als Vertranensamt betrach­tet und im Interesse der 'Freiheit benutzt worden ist. Es bedarf bei ihr keinerlei Vorst el Um gen, um solche Erwägungen in das Gedächt­nis zurückzurufen, aber sie kann nicht zugeben, daß in den Umstän­den, wie sie zurzeit bestehen, der gegenwärtige Gebrauch ihrer Koh­lenvorräte im Widerspruch stehe zu ihren Verpflichtungen oder frei­willigen Erklärungen. Schließlich spricht Grey die Zuversicht aus, daß die gegebenen Anfklärnngen die Verdächtigungen zerstreuen und beseittgen und irrige Ansichten berichtigen würden, die in den Vereinigten Staaten über die Frage in Umlauf seien.

Die Mmtt der Tiere.

Daß auch bei den Tieren vi-ele Empfindungen ihren körperlichen Ausdruck finden, weiß jeder, der einmal in einer Tiersammlung die Affen beobachtet hat, sehr gut. auch ivenn er Darwins klassisches Buch über den Ausdruck der Gemütsbewegungen hki dem Menschen und den Tieren nicht gelesen hat. Allein leicht fällt der ungeschulte Beobachter in den Fehler, nicht auÄ- sondern unterznlegen, seinen Eindruck mit dem Abdrucke des Tieres zu vermengen oder gar den bloßen körperlichen Mäu eines Tieres zu deuten und von böse, ekelhast oder dergleichen zju reden. Einen ausgezeichneten Ueber- blick über dsi-e Mimik der Tkvere billxst das hübsche BüchleinDas Tier und wir", das Professor Bastian Schmid für die-Sammlung der Deutschen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft" (Verlag von DH. Thomas in Leipzig) versaßt und- zu dem C. O. Petersen un- gemein anschauliche Bilder beigestenert hat. Aus der reichen Fülle seiner Beobachtungen seien im Folgenden einige besonders schlagende Beispiele herauSgegriffen. Zorn äußert sich bei einigen Tieren, z. B. beim Chamäleon und manchen Schlangen dnrch Aufblähen: dies entspricht dem Sträuben dos Gefieders bei den Vögeln und dem der Haare bei den Säugetteren. Den Sängetteren ermöglicht ihr Körperbau wegen der Beweglichkeit vieler Delle des Gesichts und! des weichen Haarkleides eine größere Ausdruckssähigfeit, als den Vögeln mit ihrem starren Federkleid und dem! zum Ausdruck einer Empfindung unfähigen Schnabel. Nicht nur, daß dem Vogel die Zähne fehlen Und der Mund nur die eine Bervegung des Auf- und Zumachens kennt, der zahnbewährte Mund des Säugetiers kann fletschen, grinsen oder die Zunge freundlich leckend ausstecken, es ist vielfach imstande, Grimassen zu schneiden, die Stirne zu runzeln, mit dem Auge Schmerz und Freude anszudrücken mtb durch Bewe­gung der Ohren verschiedenen Gemütszuständen Ausdruck zu ver­leihen. Dazu konrmt noch> die Beweglichkeit des Schwades und bei verschiedenen Säugetieren die größere oder geringere Krümmbar- tdt der Wirbelsäule. Bei manchen Wiederkäuern wird Interesse und besonders das .Einstellen der AnfiNerksamkeit auf einen Punkt, von -em Gefahr droht, durch Erheben oder Strecken des Kopses, Hochstellen oder Borlegen der beweglichen Ohren, Wittern und ent­sprechendes Einstellen der Augen ansgedrückt, wie man das nament- nchan Ziegen beobachten kann. Unmut, Zorn und Wut bringen (yemsen, gewisse Schasiaffon, vor allem aber Bullen durch Stampfen, diese außerdem durch Senken des Kopses, Aufblähen der- Nasen- Aber, Brüllen imd heftiges -L-ckstagen des Schweifes zum Ausdruck.

sprisfwörtlich gewordeneRehauge" wird in seiner Ansdrncks- tähr^eft genwhnlich überschätzt. Es verändert sich nur wenig, nur bei Krankhert und Schmerz stark, doch nicht in höherem Grade, als ^(wabeim -Hände. Daß auch manche Wiederkäuer, so vornehmlich die Mme, rrchttg mit dem Schwänze wedeln, wie der Hund, dürste nicht allgekEn bekannt sein. SchmÄd hat jedoch beobachtet, wie Kül>e unter der Eurtvirkung von Musik aufhörtcn zu fressen, zu lauschen begannen und dabei regelrecht mit dem Schweife in der Hohe der Lendengegend wedelten! Pferde gehören zu den sensibel­

sten Tieren-, sie vermögen Furcht, Angst, Wut, Freude, Trauer sowie Zuneigung zum Ausdruck zu bringen: Ungeduld und Unruhe wird durch Scharren oder Stampfen, durch Ws- und Mbewegen dem Pusten vergleichbar, ausgedrückt, Freude durch Wiehern, Mä­hen der Nüstern, Hochtragen des Kopfes und federnde Beinbewegnn- gen, und junge Tiere äußern augenscheinlich ihren Kcaftüberschuß, indem sie Kopf und Schweif hochtragen. Vorstoßen des Kopfes und Entblößen der Zähne, häufig in Verbindung mit Heben der Vorderbeine wietznm Angriff zeigt an. daß das Pferd wild geworden ist: im Schreck hebt es den Kopf hoch, neigt zum Daumen, richtet Augen und Ohren nach vorn und erweitert die Nasenlöcher. Zärt­lichkeit gegeneinander enveisen sich Pferde durch Benagen der.Hals- gegend. Ueber besonders große Ausdrncksmöglichkciten verfügen die Raubtiere, wie dies von Hunden und Katzen ja ziemlich bekannt ist. Das Sichwinden, das Einstellen der Ohren Und B lewe gen und Stel­len des Schwanzes sind die Hairpthllssmittet der Raubtiermimik. Katzen richten bei Freude und W>ohüitchagen den Schwanz steif aus und krüimnen^ den Rücken. Baim! Fressen trägt die Katze den Schwanz ^möglichst ausgestteckt und bewegt von Zeit zu Zeit die Schwanz spitze leicht nach ^rechts >un.d- links. Hunde tragen den Schwanz beim 'Fressen meistens regungslos gesenkt. Liebe und Zu- üeigung ldrücken sie durch heftiges Wedeln aus, bei Kummer, Krank­heit, aber auch beim Frieren, tragen sie den Schwanz eingezogen, dock) so, daß man aus dem Gesantterndrucke die einzelnen Ursachen unterscheiden kann. Hochheben des Schwanzes bei Hunden kann sFrende oder ein Zeichen zuin Angriff ansdvücken. Schlagen der Flanken ist bei den. meisten Raubtieren ein Zeichen der Wut. Wird eine Katze plötzlich erschreckt, wird sie etwa Von einem Hunde über­rascht, so tvird bei gesträrcbtem Wrperhaar der wie eine Flaschen - bürste aussehmde Sck,wanz erhoben, nach ein.iger Zeit jedoch nur noch der Bäsalteil des Schwanzes aufgerichtet; er erfährt aber eine Knickung irach der Seite hin. IN dieser Stellung bleibt er auch bei der häufig erfolgenden Flucht. Das plötzliche Wäbrin'bm.en eines Hundes bewirkt ebenfalls das Ausrichtep des Basaltelles des Sckstvanzes unter gleichzeitigem Sträuben des Haares: das Ende des Schwanzes ist aber gesenkt und die Knickung ist nicht nach der Seite, sondern nach unten hin erfolgt. Alle diese Bewegungen sind physiologisch begründet Und steheir im Zusammenhänge mit Muskel- spanmmg und Blutznführ.

Iohanit Nepomuk Vo g l. (Zn seinem 50. Todestage, 16. November.) Wer hätte nicht in seiner Schulzeit Johann Nepomuk Vogl'S stimmungsvolles GedichtDas Erkennen^ (Ein Wairderbnrsch mit dem Stab in der Hand"> mit Vergnügen kennen gelerirt, ebenso wie feinen gleichfalls die Mutterliebe verherw- lichiendenFriedhofsgesang" (Beim Totengräber pocht es an"'. Und wohl alle haben wir einmal gesungen:Herr Heinrich sitzt am Vogelherd", auchNun ade, du liebes Waldesgn'in" und si­cherlich:Gegrüßt du Land der Treue, du deutsches Vaterland". Auch Mute noch ist in den meisten größeren Lieder oder Gedicht­sammlungen Vogl vertreten; als er aber vor nunmehr einem

halben Jahrhundert, am 16. November 1866, in Wien starb, da bellagtcn die Wiener in ihm einen ihrer volkstümlichsten Schrift­steller, den sie ganz als den Ihren ansehen dursten. War er doch am 7. Februar 1802 in Wien geboren urrd zeillebens seiner des Kopses oder durch Kopfschütteln mit einem eigentümlichen Laut, Vaterstadt tteu geblieben! Tie schon frühzeittg erkennbare dich­terische Vermllagnng Johann Nepomuks für das Lied und die er­zählende Dichtting bewog nach anfänglichem Sträuben seinen Vater, einen wohlhabenden Kaicfniann, ihn nicht Kaufmann, sondern Kanzleibeamten werden zu lassen, wobei er nun sieilich Muße genug fand, sich schriftstellerisch zu betättgen. Sehr bald zog der literarische Kreis, der sich um Seidl und Feuchtersleben gebildet hatte, Vogl als einen der Seinen an sich. Vier Jahrzehnte lstn- durch« war er dmrn Mrerrnüdlich tättg in der Herausgabe von Volkskalendern, Taschenbüchern, .Romanzen, Balladen, Volksmär­chen, Legenden und Novelle:!. Freilich ist von dem stattlichen Gesamtwert Vogls, das über 50 Bände umfaßt, beute vieles in Vergessenheft geraten. So vermag der heuttge Leser wohl kaum Geschmack finden an seinen Balladen und Romanzen, in denen er unter dem Einflüsse seiner Zeit- und Volksgenossen, z. B. des Freihcrrn von Zedlitz oder des Grillparzers derAhnfrau" schauerliche Gespensterszenen mit Vorliebe behandelte. Was aber gerade in unserer heutigen Zeit dem österreichischen Dichter neue Freunde werben sollte, das sind seineDeutschen Lieder", die gleich bei ihrem Erscheinen großen Beifall fanden und sür die ihn im Jahre 1845 die Universität Jena zum Ehrendokwr er­nannte. Aus diesen Liedern klingt ein echter, wanner Ton: äa toerdenDeutsche Treue, deutsche Frauen, deutscher Wein und deutscher Sang" verherrlicht in einer kraftvolläi-ifcben Art, die zuweilen an Hofffnann von Fallersleben erinnert. Auch für ihn. wie für den Dickster des deutschen Nationalliedes hat die Fremde keine bleibenden Reize: auch für ftp! ist es am schönsten,wo deutsckv Herzen schlagen", auch für ihn gibt es mrc ein großes deutsches Vaterland, das nicht nach Staatengrenzen gehr, sondern das in gleicher Weisean der Donau und am Rheine" blüht. Die zwei mächtigsten Worte, die er kennt, sinddeutsch und fm!"

Drille u nd K n eckf e r. In einer Betrachtung über diesen Gegenstand, den Fritz Hansen in einen! Anffatz sin Nummer 5l der illustrierten ZeitschriftUeber Land und Meer" lDeut- schc Verlags-Anstalt, Stuttgart) behandelt, nnrd versucht, das Mlei­des Brilleutragens nachzuweisen, (benan läßt sich das nickt fest - stelle!!. Pliuftls erzählt, daß Nero, der kurzsichtig it>ar, die Gladm- toreukäiupfe durch einen geschlissenen Snraragd verfolgte. Ob dies wirklich die erste Brille lvar, ist zweisel hast. Fest steht nur, daß im vierzehnten Jahrhundert nack Christus schon der G'branck der Brillen allgeinein wurde und daß es inr siebzehnten Jahrhundert bereits eine ausgevildete Drillcmnackerei gab. Me auf anderen Gebieten,^ so waren auch in Bezug ans-die Herstellung von Brillen die bezopften Söhne Asims, die Chinesen, viel früher am Matze als die Völker Europas. Im achtzehnten Jahrhundert trug man eine Brille mit Ketten und GeiMften.