Ausgabe 
30.11.1916 Erstes Blatt
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1p. Hungen, 30. Nov. Leutnant d. Res. Walter Seibert, der bei Sneg*6eaiw« als Freiwilliger ins Feld zog und mit dein Eisernen Kreuz und der Hessischen Taplerkeitsmedame ausgezeichnet wurde, hat den Heldentod iürS Vaterland erlitte»:. Aw den: schrankenlosen Ncbergang über die Laubacher Bahn beim hiesigen Bahnhof ful>r eine Ra»:gier-Lokomotive in die hiesige Schafherde, wobei vier Schafe getötet wurden.

k. Lich, 30. Nov. Auch unsere Stadt wird durch ben Wegfall des e r st e n Zuges von Gr ü n b e r g u ach Li ch schwer geschädigt. Es ist der Zug, den die Bewohner der an­liegenden Ortschaften benutzen, um hier ihre Geschäfte flu machen, tri kverden deshalb auch von hier alle Bestrebungen unterstützt, um gerade diesen Zug im Interesse unserer Stadt zu erhalten, da die anderen Züge nicht von der Wichtigkeit sind, »vie gerade dieser erste Zug.

b. Steinbach, 30. Nov. Musketier Karl Reuschlinq' jüngster Sohn des verstorbenen Landwirts Ludwig Reuschling II. dahier, empsing ivegen Ende Oktober an der Berduniront in schwerstem feindlichen Feuer erfolgreich ausgeführten Patrouillen- ganges das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

Kreis Büdingen.

4- Ortenberg, 30. Nov. Leutnant ber Reserve Hebbel, der in den schwerer: Kämpfen des Ostens am 20. September eimei sehr schwere Körperverletzung erhalten hatte imb dann in das Festtm.gÄazarett nach Posen überfülut wurde, ist nun dort am tAb-end des 27. No per.: b er seinen Wunden erlegen. Leutnant Hebbel ivar bei Kriegsausbruch Psarrassistent in Rüsselsheim a. M., wo er m großem Segetk wirkte. Die Nachr^bit von seinem .Heldentod! rief daher ttefe Teilnahme hervor. Bei Kriegsausbruch rückte etz sofort mit seinem Straßburger Regiment aus, nahm an den ersten großen Kämpfen teil, wurde später leicht verwundet, rückte kaum genesen, wieder ins Feld, kämpfte dann bis zu seiner schweren Ber wundung IV 2 Jahre im Osten mit. Für seine hervorragend^ Tapserknt tvar ibm das Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse und die Hessische TapserkeitsMedaille verlieben worden. Die sterbliche Hülle unrd lherher überführt und in der Kirche ausgcbahrt, von hier aus findet dann am Sonntag-Nachmittag 1 / 2 4k Uhr die Beisetzung auf dem diesigen Friedhof statt, wo die Stadt einen besonderen Platz zur Verfügung gestellt hat. Die beiden Brüder stehen ebenfalls im Feld, der Vater ist Ritter des Eisernen Kreuzes aus dem Kriege 1870:71. Ein nachahmenswertes Beispiel gaben die Schul­kinder der ob ersten Schulklasse, aus dem Ertrag ihrer Bucheckern- lnng stellten sie 25 Mk. für die Weihuachtspakete an Ortenbergs: Krieger zur Verfüginig. . .

Kreis Schotten.

Up. A n s d e m V y g e l s b e r F, 30. November. Dieser Tage durck,zog ein Kn 0 bl a n ch h ä n d l e r unsere Ortschaften und ließ sich für ebnen Kopf Knoblauch den unerhörten Preis von 80 Pfg. befahlen. Obschon her Knoblauch, dessen Kops in Friedens zeit n:it 10 Pfg. bezahlt wurde, ein gen: gekaufter Gegenstand ist, erschien doch unseren Landleure:: der Preis so hoch, daß manche aus den, Kauf verzichteten. Wie sehr dieser .Händler Wucher preise verlangt batte, das zeigte fetzt ein anderer, im Vogelsberg bekannter Knob­lauchsmann, der den Kopf mit 40 Pfg. verkaufte mrd dazu Waren erster Güte führte.

Kreis Friedbcrg.

oa. Friedberg, 30. Nov. Feldbereinigungsgeometer Ritzert von lsier, Hauptmann d. R. in einer Minenwerfer-Formation, nmrde :nit dem Eisenren Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Ter Bizewachtmerster.Äug. Meier, Sohn von Direktor August Meier, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Offizierftelloer- treter Nuß und Schäfer und Waffenmeister Itter von hier erhielten das Kriegsehrenzeichen für Kriegsverdienste. Der Musketier Karl S cd aas im Infanterie-Regiment 132, der vor kurzem das Eiserne .Kreuz erhielt, wurde zum Gefreiten befördert und erhielt die Hessische Tapserkeitsinedaillc. Den: Oberbahn- uosSvorsteher Fey hier wurde anläßlich des Geburtstages des 'wroßherzogs das .Kriegsehrenzeichen verliehen.

Starkenburg und Rheinhessen.

- Groß-Gerau, 30. Nov. Die Schnitzeldarre der üesigen Zuckerfabrik wurde dnrch ein Schadenfeuer teilweise emgeäjchert.

Hessen-Nassau.

Erplosion und Großfeuer.

---- Griesheim a. M., 30. November. In der Anilinsäbrik entstand durch die Explosion eines Benzolkessels ein Großsener, das an den in großer Menge aufbewahrten leichtentzündbaren Stoffen reiche Nahrung fand und das G eb äude ein äscherte. Der Feuerwehr gelang es, die schwer gefährdete:: Nachbargebäude zu retten. Tie vielen im Fabrikbetrieb beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

ra. Fellingshausen, 29. Nov. Die hiesigen Schulkinder (2 Klassen) haben in den angrenzenden Dünsbergwaldungen ins­gesamt 14 Zentner Bucheckern gelesen.

nt. Frankenbach, 29. Nov. Die Gemeinde hat die Zu - s a m n: e n l e g u n g der Gemarkung beantragt. Es handelt sich um eine Gesamtfläche von 992 Hektar, darunter sehr viel Wald. Die Nachbargemeinden Crumbach (516 Hektar) und Wilsbach (713 Hektar) sind bereits mit großem Eriolg zusammengelegt.

[| Marburg, 30. Nov. In den Kreisen Marburg und Kirch- hain ist jetzt behördlich ein Milchablieserungszwang für die Molkereien angeordnet worden.

H Amöneburg, 30. Nov. Sparkassenrendant Weiß­te ck e r wurde zum Bürgermeister der hiesigen Stadt gewählt.

[] Kirchhain, 30. Nov. Wie in: Kreise Frankenberg, so ist auch letzt im hiesigen Kre:S die Anordnung getroffen, Genehmigungen zu Hausschlachtungen von der Abgabe einer bestimmte»: Menge Fett für die Industriearbeiter abhängig zu machen.

Frankfurt c. M., 29. Nov. Tie Stadtv erord- netenversammlnng bewilligte 50 000 Mark für den so­fortigen Ankauf einer der Stadt angebotenen Kadaver-Vcr- ivettimgsanstalt. Dem Verein zur Beschaffung von Frühstück für arme Schall klltter stellte sie 60 000 Vdark Mir Verfügung. Hierzu bemerkte Oberbürgermeister Voigt, daß für die weitere Speisung, von Schulkindern in den Schule:: umfassende Vorbereitungen in die Wege geleitet seien und daß an diesen Speisungen nicht nur arme, sondern alle Schulkinder teilnehmen sollen. In ein­gehendem Meinungsaustausch behandelte man sodann die Magi­stratsvorlage über die Regieschlachtungen in städtischen Anstalten. Ter Vorlage zufolge sollen Schweine in Regie geschlachtet werden, Kälber und Rinder nach wie vor von den Metzgern.^Wurst wird in städtischer Regie hevgestellt. Eine Verteuerung der städtischen Wurst soll nicht eintreten, auch keine Verminderung der Menge aus den Kopf, möglicherweise sogar eine Erhöhung. Die Magistrats­oorlage, die ttes in das wirtschaftliche Leben der Stadt einschneidet, fand gegen eine geringe Minderheit Annahme.

Himburg, 30. Nov. Die Handelskammer sprach sich in ihrer heutigen Vollversammlung für die dauernde Bei­de h a l t u n g ber Sommerzeit ans; sie wünscht sogar eine Ausdehnung aus den Monat April.

Her 3 seld, 30. Nov. Landratlicher Anordnung zufolge darf beim Verkauf v 0 n Gänsen das Pfund nicht teurer fern als 2 Mk. Bei Treren über 12 Pfund darf man sich das Pfund mit 2,5Q Mk. bezahlen lassen.

in Minich-eu veröffknrtlicht. enie anschauliche Vorstellung Ein hübscher Einfall wttd in der ReiheUnmögliche (beschichten" durch»

geführt. Da beißt es z. B.: In der Nähe des Jsonzo war ein, Lager aufgeschlagen. Dort dachte dev Soldat Dvmenieo Sparluttt an seine ferne Braut, die er in Bari verlassen hatte, und es wurde ihm sehr beklommim ums Herz. Da empfing er einen Feldpostbrief. Tomeuico überflog das Schreibe:: u:w jauMte aus: Gottlob, es geht ihr gut und sie liebt mich nod) ! Warrm: ist die Ge­schichte unlnöglich (Bari liegt in 2lpulien. Folglich kann der Soldat als Äpulier und Änalphabet de:: Brief nicht lesen; ab­gesehen davon, daß seine Braut auch nicht schreiben kann). Bn Greenwichs stieg ein Fesselballon entf, der in einer Höhe von 600 Meter unbeweglich stehe»: blieb. Es regte sich ein Lüftchen. Unter den Zuschauern befand sich Rudyard Kipling, der eine Stunde den Ballon unverrückt anstarrte (Unmöglich: weil Rudyard Kipling total verrückt ist, also nicht unverrückt starren kann). Königin Elena unternahm am frühe:: Morgen eine Spazierfahrt be: Rom in der Richtung Ms Tivoli. Ties blaute der Himmel und d:e Drosseln schmetterten ihr Morgenlied :n die Lüste (Unmögttch: denn kein Singvogel gelangt bis Roin: sie werden immer lanm in Oberitalien abgeschossen). Eine andere humockitische Re:he^ me gleichfalls viel Nettes cut&ült, betitelt sichKttegsmärchew Emes dieser Kriegsmärchen erzählt im guten alten Märchenstlle: ,,Es war einmal ein französischer General:ss:mus, der d:e Ossenftve ergriff und dann wirklich siegte." Ein anderes:Es war emmal in Newyork ein englisches Blatt, und das war deutschsreundluh. Russisch? Verhältnisse nimmt sich das folgende Mmiaturmarchen satirisch aufs Korn:Es war'einmal e,n russischer Adm:ral dem gab seine Regierung zehn Millionen Rubel, damit er ein ^chlacht- schiss baue. Nach einem Jahre meldete der Admiral, daß das große Schiss fettig sei und dann gab er der Regierung noch Inns Millionen zurück, die er nicht ausgegeben hatte..." In dem Feld-Bttefkasten" .eines deutfil^amerllamschcn Blattes erhielten die wirklichen oder erdichteten Anfrager manche tressende und witzige Antwort So wurde einer von ihnen aus die Frage. w:e viele Soldaten Deutschland habe, bündig dahin belehrt:Immer emen mehr, als nötig ist." Ein Leser, der zur Führung e:nes Rechtsstreites in Rußland um die Angabe eines tüchtigen Anwalts ersuchte, erhielt von der Zeitung Hiudenhurg empfohlen, denn, so sagte die Begründung, der macht mit den Russen kurzen Prozeß Einem anderen Leser gegenüber sprach das Blatt aus, daß nach feiner Ansicht Winston Churchill in der Geschichte nicht den Beinamen Tor Rattenfänger" führen werde. Ein nettes Wortspiel in diesem Briefkasten ist das folgende:Sie irren: in Deutschland worden die Kriegsgefangenen zwar gespeist, aber nicht gegessen. Es gibtl in Amerika eine ganz bestimmte Form des Krugshumores, :n der wirklich gutes geschaffen worden ist. Da sind die Kriegsaphorismen, die Weisheiten und Bosheiten in allerkürzester Zusarmnendrangung enthalten. Auf diesem Gebiete wetteifern die amerikanischen Zeitungen deutscher und englischer Sprache miteinander. E:mg.e Probe:: von diesen Kriegsaphorismen seren hier gegeben:Dm soirkli-chon Optimisten sitzen in Petrograd. Ganz gleich, was d:e Deutschen tun, nach ihrer Meinung ist es immer unwichtig. - Ai»s London wird gemeldet: aus der Dardanellenhalwnsel hatten bei Landung einer britischen Streitmacht tausend Esel eure hor- vorragoude Rollo ^ur Verschleierung der Operationen gespielt. Das sind nicht die einzigou Esel, die die Engländer vor sich her in den sicheren Tod treiben. Das Schlimmste bor Rupland feb eint Izu sein, daß es kein stehondes Heer hat. Rudyard Kiplings Erklärung, daß die.Froiitlime in Frankreichs dieBarriere der Zivilisation" sei, ivird in Deutschland beifällig ausgenommen worden."

Zum Schlüsse sei/noch der witzige und amüsante Kriegs-^.heaier- spielplan erwähnt, dön dieNew^ Porter Staatszoitung" entworfen hat. Sie gibt darin eine Uebersichd über die gegenwärtig an New Parker Bühnen zur Ausführung gelangenden S^tücke und fügt jedem Tramentitel einekriegstheaternräßige" Deutung bei. Man. liest da:In Klein-Deutschlanch" die Franzosen im Vogesen- ,vinkel.Tic Fledermaus^' England, das sich nur im Dunkeln wohl fühlt und das Licht scheut.The Lie" (Tie Lüget- foe amtlichen Meldungen von Petersburg, London und Paris.Alice in Wonderland" .Alice im Wunderland. Tic Alliierten -allies) an den Dardanellen.Ein Sommernachtstramn"; Der Fttedens- schluß.The Eternal City" (Dio Ewige Stadt. Konstcmttnopol. >Und zUm Schlüsse noch ein paar besonders lustige Aus- und Ein­fälle.Der Deutsche: ans Vaterland, das teure, schließ dich an! Der Engländer: Dem Fußballklub, dem toiireu, trete bei. Wenn diedicke Betta" platzt, so geschickt das regelmäßig im Lager der Feinde. Was die Deutschen, Oefterreicher und Ungarn jetzt am nreisten exportieren, ist Wichse."

donden Vaterlandes einen Erfolg zu sichern Restloses Elnsetzni alter Kräfte bis zum Aeußersten. das ist auch der Daheimgeone^ benen ernste Pflicht.

Meteorologische veobachtungen der Station Sietzen.

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Höchste Teinperatur am 28. bis 29. Nov. 1916: -ft 1,3' C. Niedrigste 28. 29. , 1916: 1,6 °C.

Niederschlag 0,0 mm.

Vermischtes.

* Der Nachruf auf das Ueberhuhn. Lady Eqlan tine ist tot! Ja, »Eglantiire" nannte»! die Engel sie, als sie sie in die sterbliche Welt brachten. So klingt es trauernd aus einer ganzen Reihe von a»nerikanischen Zeitungen. Lady Eglantine stainmte zrvar ans edelster Familie, aber sie war doch keine hoch- gestellte Dame der Gesellschaft sondern eine Henne, oder besser gesagt, eine Ueberhenne. Sie vollbrachte etwas, »vas bisher keinem Huhne gelungen war,- sie legte in einen: eiirzigen Jahre 315 Eier Das bedeutet, daß sie an sechs Tagen der Woche berechtigt war, !re»»dig zu gackern, während sie am siebenten - verinntlich ain Sonntag der Ruhe vflegte. Ganz erstaunlich erscheint diese Leistuiig, trenn man bedenkt, daß gute Legehennen 100 bis 150 Eier i»n Jahre legen, und daß eine Heime, die es etwa auf 200 Eier bringt, schon vom Züchter als außergeivöhnlicher Schatz be trachtet »vird. Da»ne Eglaiitine wurde den»: auch vo»: ihre»:: Be siher in Maryland als Kleinod gehütet. Stets wurde ihr das beste Futter vorgesetzt, und als sie eines Tages in Ne»v Port zur Ausstellung gebracht »vurde, da wurde sie auch ganz ihre»:: Range entsprechend beha»:delt. Nicht wie andere He:n:en wurde sie etwa in eine»n Hühnerkäfig nach der Hauptstadt gefahren, nein, sie legte die Reise im Schlafwagen zurück, und bei ihrer Ankunft wurde ihr ein Ziininer ii: einem Gasthose angewiesen. Dankbar für die Rücksichtnahme legte sie trotz der Reiseanstrengunq auch an diese»:: Tage ein echtes Eglantinen-Ei mitten in das Gastzinnner und »nachte das Hotel für eine»: Tag dadurch berühmt. Ihr Bild »vurde in Zeitungen und Zeitschrifte»: veröffentlicht. Da koimte »nan sehen, daß sie nicht nur an Legefleiß ihre Livoruer Artgenoffen übertraf, so»:dern daß sie sich auch großer persönlicher Schönheit erfreute. Und nun ist sie dahin, drest brave weiße Henne und ihrem Besitzer bleibt nur noch der Trost, daß sie drei Töchter und neun Söhne hrnterlassen hat!

vom deutsch-amerikanischen Uriegshumor.

Vom crmettkmrisch.en Kriegshmiwre sind in diesem Jahve öfters Proben gegeben worben. Nicht immer tvirkten sie ganz augeuehUid es bat eben doch oft einen bitteren Beigesckynack, wenn der tettius gaudens än einem Io furchtbaren Ringen, wie dein gegenwättigeu, die humoristische öeite betont. Uneingeschränkter ist die Freude, die rncrit an dem HuMvre der deutschi-an:ettkanischen Presse >haben kcnm, schm: aus dem Grmide, weil sie die Ereignisse nkfjt durch die englische Lügenbttllc zu betrachten pflegt.. Von diesem deutsch- amerckanischen Kriegsh-umore gibt die fleißige und umfassende Sammlung, die Hans Flörke unter dem TitelDeutsch-ameri­kanische NiMidgbofseu znm Weiltknege" demnächst bei Georg Müller

Tiirche nnd Achnle.

ü. Ilbeshausen, 25. Nov. Unter dem Vorsitze von Schul­rat Andres fand hier am 27. drovember die dritte Kriegs- Lehrerkonserenz für die Bezirke H-erbstein und Ritter Moos statt. Nachdem Lehrer I 0 ck c l-Crainfeld, der hier Vertte- tungsdienst hat, eine Lehrprobe aus GesckKchte und Erdfttnde^ ge gtten hatte, begrüßte der Schulrat die zusammengeschnwlzene Schar der Anwesenden und unter ibnen als Gast Leutnant Wilh. Rbenau, Lehrer in Heisters. Der festgesetzte Vortrag über die Einbeitsschule, eine Fortsetzung des gleichnamigen Vorttags der Konferenz vom 27. Juli d. Js., mußte ausfallen, da der Vortta ge:ide am Kommen verbindert war. Es wurden sodann mehrere Verfügungen über die ftellvillige Arbeit der Lehrer im Interesse des notleidenden Vaterlandes bekannt gegeben. Das Grvßh. Mini­sterium des Innern Abteillmg für Schulangelegenheiten, hat bestimmt daß in allen ländlichen Fottbildungsschulen der Unter ttcht sofott zu schließen ist wegen Mangel an Arbeitskräften. Ten Stadtgemeinden bleibt er überlassen, über Schluß oder Weiter­führung der Fortbildungsschule selbständig zu entscheiden. Die Sammlungen von Altpacher, Brennesseln, Teekräutern und Buch^- eckern sind mm zum grüßten Teil beendet und abgeschlossen. Schul rat Andres konnte ein sehr zuftiedenstellendes Ergebnis feststelleu Zinn: Schlüsse forderte er auf, daß jeder Einzelne, dem Ernst der Zeit entspreckteud, seine äußerste Kraft eiusetzeu, seine ganze Per söillijchkeit hingeben müsse, um den besonders an die Lehrer hcran-- trttenden außerordentlicher Arbeiten siirs Wohl unseres noüei-

letzte Nachrichten.

Herve über die deutsche Zivildienstpflichl.

Berlin, 30. November. Tie deutsche Ziolldienstpflicht hat, so berichtet die Korrespoudeuz Piper, in Frankreich eine nicht geringe Aufregung verursacht. Alle Pariser Blätter erwägen jetzt! ähnliche Maßnahmen. Besonders Herve tritt für eine Zivils dienstpflicht nach deutschem Muster em, bezweifelt jedoch, ob dieselbe bei dem schwerfälligen französischen Berwaltungssysbem nutzbringend angewendtt werden könne. Er schreibt hierzu m der Bictoire": Was den Rumänen und den Russen an der Donau zustößt, wo man nicht vörausgesehen hat, wird uns im Westen zustoßen, wenn wir nicht die deutsche Zivlldienstpflicht, deveü Grundgedanken wir jetzt kennen, unserersetts annehmen. Da me Deutschen das Genie der -Organisation^ besitzen, so wäre nicht daran zu zweifeln, daß sie dieses Massenaufgebot auch, richte verweiiden werden. Wollen svir das deutsche Beispiel abwatten/ um uns zu entscheiden, ob wir es nachahmen werden? Wmn nicht, ivirb man so etwas bei unseren bnreaukrattschen Methoden zustandebttngen.

Fliegerbomben auf London.

Haag, 30. Nov.Daily Chronicle" berichtet über einen Fliegerangriff aus London: .Kanin jemand beachtete das Flugzeug, das London mit Bomben bedrohte. Das Ftngzeuch war nicht zu hören. Ter Angttss geschah bei hellem Tage und erfolgte so uner- wattet, daß die Dttonationen aus eine LeuchtgaS-Explosion zurück­geführt wurden. Arbeiter, in deren Nähe eine Bombe Platzte, glaub­ten, daß ein Autoreifen gesprungen sei. Erft als ein Stück Stein in ihre Nähe fiel, stellten sie ihre Arbeit ein. Der Schaden besteht hauptsächlich in zertrümmerten Fensterscheiben. Große Löcher wur­den in den Boden gerissen.

Rotterdam, 30. Nov.Daily Mail" hält es nicht für un­möglich, daß die Deutschen weitere Angriffe mit Flugzeugen auf London unternehmen und sagt: Wir müssen uns darauf vor­bereiten, Unser Land und die Hauptstadt zu verteidigen, indem wir Flugzeuge zu Zehntauseuden erbauen.

DieTimes" gegen die englische Regierung.

London, 30. Nov. DieTimes" zählt sechs Gründe auf, warum das Unterhaus mit der Regierung immer un­zufriedener werde: 1.' Die Frage des Mannschaftsmaterials: 2. die Kttse im Lufttienst: 3. die Reorganisierung der Admiralität:

4. der N-Bovl-Krieg und die Torpedoangriffe der Deutschen, denen gegenüber keine ausreichenden Maßregeln zur Bewachung der Han­delsschiffe und zum Bau neuer Handelsschiffe getroffen würden:

5. die ^Frage der Förderung der Lebensmittelerzeugung und 6. die Lebensmittelkontrolle und das Verschwinden von Lebensmitteln, da noch immer niemand ernannt sei, um die Reformen durchzu- ühren.

Keine russische Munition in Narwik.

Kristiania, 30. Nov. Der Hafenkommandant in Narwik belichtet der ZeitungAftenpoften": In der Stadt gehen Gerüchte um über Depeschen aus Narwik und Haparanda, die in norwegi- chen und schwttischeu Zeitungen gestanden haben sollen und in denen mitgeteilt wird, daß große Mengen Kriegsmate­rial für Rechnung Rußlands und Rumäniens in Nottvogeu gelöscht worden sind. Hierdurch veranlaßt, mögen fol­gende tattächliche Mitteilungen gemacht werden: In Narwik sind ünf norwegische Dainpfer eingettoffen, die ihre Reise nach Ar­changelsk abbrechen und ihre Ladung in Norwegen löschen müßten. Ein Dampfer war mit Heringe:: aus Schottland beladen. Ich habe drei der übrigen Dampfer gelöscht und kann eidlich bezeugen, daß auch keine Spur von Waffen oder Explosivstoffen sich an Bord befand. Tie Ladungen bestanden aus gcmz gewöhnlicher Handels­ware. Die Deckladungen bestanden aus größeren Lastautos. Ich weis mit Bestimmtheit, daß der fünfte Dampfer mit gewöhnlicher Händelslvare und einigen Lastautos beladen war.

Ein russisches Verdammungsurteil über Rumänien.

Stockholm, 30. Nov. Der von einer Reise zum Studium des Sanllätswesens zurückgekehtte Duma-Abgeordnete Purisch- kiewitlsch berichtet den: Vdarine- und Armeeauchchuß in Gegen­wart beider Minister über die aus der Reise gewonnenen Eindrücke, lieber die militättsche Lage Rumäniens machst er folgende Mit­teilungen: Sowie man das Land betritt, erhält man sofott dett Eindruck, daß es sich nicht um eine leist'ungs fähig« Nation handelt. In Rumänien ist das im stärksten Maße vorhanden, ivas wir an den eigenen russischen Verhältnissen am meisten verurteilen. Ganz offen macht sich in der Militär- unb Zivilverwaltung das dreisteste B e ft e ch u n g s w e f e n breit. Die rumänischen Soldaten sind gttuldig, ausdauernd und im allgemei­nen nicht schlecht diszipliniert. Aber die Führm^ verdirbt di« Leute. Wie die höheren Offiziere im Lande Hausen, ist unbeschreib­lich. Die Requisition wird zu glattem Tiebstabl gegen die Bevölkerung des eigenen Landes ausgenutzt. Gegen die Bauern­bevölkerung ertaubt sich jeder schrankenlose Grausamkeiten und Ausschreitungem Beim Stabe der Ztoeiten Armee ist es vorge- kommeu, daß während der entschettenden Schlacht an der trans- sylvanijchen Front Offiziere, ohne sich stören zu lassen, zechten. Die Stimmung der Bevölkerung ist gedrückt, alles erwartet die Niederlage Rumäniens. Was tverdep die Deutschen mit Rumänien machen, heißt das allgemellw Ge- spräcksthema. Rumänien erntet jetzt, schloß Puttschkiewitsch, die Früchte seiner Mißwittschaft. Er empfiehlt schließlich eine Ein- glitterung der rumänischen Armee in die rusfifchc.

Die Getreidevorräte Rinnüniens.

Rotterdam, 30. 9?vv.Times" meldet aus Rotterdam, daß die rumänische Getreideerzeugu:ig Deutschland wenigstens während vier Monaten des Jahres mit Nahrung versehen könne, und daß der unerschöpfliche Vorrat von Pettoleum Dentschland in den Stand setzen werde, den Krieg merllich zu verlänger::.

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