Nr. 282
Der Gietzener Anzei-er
erscheint tätlich, außer DonntcchS. - Beilagen:
Gietzener 5anck!ienbiat1er: Kireisblott
für den Kreis Siehe»,, vezu-rpreis:
monatl. 90 Pf., viertel- »ahrl. Mk. 2.65: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch die Post All. 2.45 viertel- lährL. ausschl. Bestellq. Fernsprech - Anschlüsse: fürdieSchristlei1unq112 Verlag,Geschäitsstelleöl Anschri'tfiirDradtnach'- ridbtcn: Anzeiger Siegen
Erstes Blatt
Donnerstag, 30. November (916
P
|66. Zahrgang
— ~~ Annaünie von Anzeigen
die Tagesnummer bis ^uin Nachmittag vorher. 5eilenpceis, s. Anzeigen: örtlich 20 Pi.. Ver- inietungen u. Stellenge- sriche 15Ps., ausrvärtS 25 Pib. Vlayvoffchrist 30 Pf., Reklamen 7b Pi., bei Platzvorschrilt 90 Pf. Hanptschriitleiter: Aug. Go eh. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Aug. Goet;, Stadl und« Land, Vermischtes mGe-i richtssaal: Fr. R. Zenz.t
. , ... 'liKCinciitcl:
ZMllmgrrund-ruck u. Verlag: vrühl'sche Umv.-Vuch- u. Zteinöruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Geschaftzstette n. flrwfem: Zchulstr. 7. sämtlich in Gießen.
Postscheckkonto: 5ranffu»1 a.M. U686
General-Anzeiger für Oberhessen
Vankverkehr: Gewerbebank Gießen
stsient §iehenhkTMK§.
(WTB.) guart ier,
Westlichcr Kricg § schanplatz:
Heeresgrnppc desGcneral- se! d ui a r s ch a l l s Kronprinz Ru pp recht von Bayern:
Bei Givenchy, südwestlich von Lens, scheiterte der im Nebel erfolgende Vorstoß einer englischen Konrpagnie.
Im Sommegebiet nahm in den Abendstunden das feindliche Feuer nördlich der Anerc und am St.
Pierrc-Vaast-Walde zu.
Oeftlicher Kriegsschauplatz:
Front des Generalscld- marschalls Prinzen Leopold von Bayern:
Nichts Wesentliches.
Front des Generaloberst Erzherzog Joses:
In den Waldkarpathen und an der siebenbürgischen Ostfront führte der Nnffe gestern an vielen Stellen gegen die deutschen und österreichisch-ungarischen Linien Angriffe.
Er erlitt eine Niederlage.
Kleine örtliche Erfolge hat er mit blutigen Opfern erkauft.
Die Armee des Generals der Infanterie von Falkenhayn i st auf der ganzen tva l ach is ch en Front im siegreichen Vordringen: vor ihm weicht der geschlagene Gegner in Unordnung nach Osten.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Die Bewegungen der D o n a u a r m e e stehen in Ucber- einftimmung mit den weiter nördlich operierenden Kräften. In der Dobrudscha nur geringe Gefechtstätigkeit.
Maherronische Front.
Nach dem Scheitern der Entlastungsoffensivc der Entente von Süden her führte der Feind gestern nur Teilvor- Whe nordwestlich von Monastir und bei G r n n i st e (östlich der Ccrna) aus. Aruh dabei hat er keine Vorteile erringen können.
Der Erste Generalguartiernleister Ludendorff.
*
Berlin, den 29. Novencker 1916. abends. (WTB. Amtlich.)
Nördlich der Somme bei Serre und Sailly lebhaftes Feuer.
An O ft f r o n t S i e b e n b ü r g e n s griffen Russen erneut an. Abfthluftrnetdung fehlt.
P i t e ft i i ft genommen.
An Monaftirfront Ruhe.
Die erste Lesung des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst, die gestern im Reichstag stottgefunden hat, war in ihrer geschlossenen Stimmungseinheit äußerst eindrucksvoll. konnte im übrigen natürlich nicht viel Neues zeitigen. Fm Vordergründe stand eine kurze Ansprache des Reichskanzlers. Er blieb streng bei der Sache und ließ sich auf keinerlei politische Erörterungen über bestimmte Ziele und besondere Vorhaltungen seiner Widersacher ein. Ex glaubt und vewtrcnlt aber auf einen „unsere Zukunft sichernden Frieden", und sein Wort von dem seine „Buße zahlenden Rumänien", das nach der Berechnung der Feinde den großen Umschwung im Kriege hatte herbeifübren sollen, machte einen erfrischenden Eindruck. lieber das Anbeits- pflichbgesetz selbst brachte er nur allgenreine, von innerlicher Ueberzeugung und anfeuernder Abwägung der Pflick- ten getragene Empsehlrnrgen vor. „Die Motive dieses Gesetzes sind nicht am grünen Tisch erdacht, sie sind draußen im Trommelfeuer geboren." .Herr Bassernraun griff in der Aussprache später auf diese Worte des Reichskanzlers zurück, indem er feststellte, daß diese gesetzgeberische Tat der Heeresleitung zu verdanken sei, dem „Atunitions- und Hin- derrbuvgprogramm". Es wird also nachdrücklich bestätigt, »vas wir früher geschrieben haben, daß die Löwenarbiüt unserer Kriegspolitik von den Rääunern gemacht wird, die zugleich das Schwert führen. In der Rede des Reichskanz- lerS, die wir mit dein ausführlichen Sitzungsbericht erst
morgen dem Wortlaut nach wiedergebeu können, weil uns heute die betreffende Postsendung nicht rechtzeitig zugegangen ist, stand auch das wiederholte Bekenntnis von dem „guten Gewisien", mit dem wir „als die ersten und einzigen bereit waren undbereit sind, den Krieg durch einen unsere Zukunft sichernden Frieden zu beendigen."
Mit großer Aufmerksamkeit wird das deutsche Volk die Sätze lesen, die nach dem Reichskanzler der Kriegsminister v. Stein gesprochen hat. Da wehte Luft aus den Schützengräben. Er zeichnete Stimmungen, denen wir schon öfters begegnet sind, denn wie verschieden klingen die Berichte unserer Soldaten, die aus den: Felde für kurze Zeit iw die Heimat zurückkehren! Sie harren und halten treue Wacht, ohne es inrmer hell übersehen zu können, wie ihr Helden- tum dem Großen und Ganzen nützt. Andere, die einen Be- wegungsseldzug mitmachen, wie die Teilnehmer an dem rumänischen Feldzug, werden auf Grund ihrer sichtbaren Erfolge sich oftmals ganz anders äußern. Tie Kriegführung vollzieht sich nicht überall und zu allen Zeiten und Gelegenheiten in gleichen Bahnen. Man sehe auf die Westftont, wo Tod und Verderben wütet, ohne daß nach außen etwas Sichtbares geschieht: allein diese Känrpfer ermöglichen es Hindenburg, zu aktiven Schlägen im Osten anzusetzen. Wir brauchen Menschen, aber da wir sie nicht in der großen Ueberzahl haben wie die Gegner, so haben wir an den Ver- teidignngsfronten die Kriegsmaschine um so nötiger. Die Helden, die in ihrer Minderzahl dem überlegene»» Feinde gegenüber kämpfen, sollen neue, vermehrte Mittel zumAus- nnd Durchhalten bekommen, das wird durch das »»ene Gesetz ermöglicht. Der Geist unserer Truppen ist g»»t, besser als in den anderen Lager»», und er wird sich von der »»cnen Mobilmachung in der Heimat gehobe»» fühlen.
Staatssekretär Dr. Helfferi ch war der dritte Redner. Er ordnete vor den Augen der Volksvertretung die wirtschaftlichen und statistischen Grundlagen der vorlicge»»den Gesetzesarbeit. Und dann sprachen die Vertreter der Parteien, alle »in Geiste der Zustimmung und Förderung der vaterländische»: Sache. Herr Spahn vom Zentrum sprach von der Mitwirkung und Einwirkung des Reichstags, die mit dem Kriegsamt zusaurmengehen müsse? Herr David hielt für die Sozialdemokratie eine in Ton und Tendenz anerkennenswerte Ansprache, inden» er die Scheidenrannschen Aeuße- rungen über Friedensschluß in einer Weise interpretierte, die es zeigt, daß er selbst die „Mißverständnisse", die durch Scheidemann in die Welt gelangt sind, nicht billigt. „Wir wollen unter keinen Umständen, daß unsere braven Feldgrauen Mangel a»» Munition u»»d Geschützen »nit ihrem Blute zahlen. Das ganze Land soll »nit seiner ganzen Kraft hinter ih»»en stehen."
Dann kommen die Vertreter der Liberalen. Bassermann und Payer, die für die Vorlage gute Worte einlegten, Graf Westarp für die Konservativen, der die lleberzeugung äußerte, daß wir den Feinden späterhin den Frieden aufzuzwingen vermöchten. Der Chef des KriegsamteA, General v. Grüner, sprach in temperamentvoller Weise, wie nach Rumänien auch die Engländer und „diese ganze Gesellschaft" belehrt werden solle. Er unterstrich es, daß es sich bei der Vorlage um ein sittliches Gesetz und kein Zwangsgesetz handle. Morgen erfolgt die zweite Lesung.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 29. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlantbart: 29.Noveinber 1916.
Oeftlicher Kriegsschauplatz.
Heercsfront des Generalobersten Erzherzog Josef.
Die Armee des Generals der Infanterie von Falken- Hayn ist in der Walachei in siegreichem Vordringen.
Starke russische Angriffe in den Waldkarpathen und an der siebenbürgischen Ostfront scheiterten an der zähen Ausdauer der österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen. Unsere Stellungen sind behauptet. Um einzelne Grabenstücke wird noch gekämpft.
HeeresfrontdcsGeneralfeldmarschalls
Prinzen Leopold von Bayern.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Lage unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r. Feldmarschalleutnant.
' . *
Der Luftangriff auf England.
London, 28. Nov. (WTB.) Amtlich. Nach den letzten Berichten über den Zeppelinangriff ist der Schaden sehr leicht, obwohl über hundert Bonrben cck^ewvrfen wurden. Eine Fron starb vor Schreck, 5 Männer, 7 Frauen und 4 Kinder sind verletzt, 35 .Häuser beschädigt. Kein nrili- tärischer Schaden von irgendwelcher Bedeutung wurde angerichtet.
Veränderung in der englifchen Admiralität.
London, 29. Nov. (WTB.) Meldung des Reuterscheu Bureaus. Unterhaus. B a l f o u r teilte mit, daß Admiral Jellicoe an Stelle von Sir .Henry Jackson z»»m Präsidenten: der Marineakademie in (Greenwich ernannt worden ist. Beattle wurde znin Befehlshaber der großen Flotte ernannt. (Beifall.) Balfour teilte weiter mit. daß man schon seit längerer Zeit den Beschluß gefaßt habe, diese Ernennungen vorzunehmen, daß die Verlautbarung davon aber aus militärischen Gründen verzögert »norden sei. Die Ernennungen würden »roch »veitere Veränderungen in der Admiralität zur Folge haben.
*
Ter bulgarische Bericht.
Sofia, 29. Nov. (WTB.) Bulgarischer Generalstabsberichk vom 28. November.
Mazedonische Front: Nack äußerste»' siorker Artillerie- vorbereichng griff tzer Fei»»d mehnnals a»»f der Fro»»t Trnorm. imrdmestlich Monastir — Höhe 1248 nördlich Monastir in der Ebeni von Monastir — Höhe 1050 in» Cerna-Bogeu. die Höhen in der Umgebung des Torfes Gr uni sie an. Tie »viederholten Angriffe wurde»» auf de» garlzen Front von bul-garisä>e»t und deutschen Trup- ven unter n»ächtiyer Artillerie-Mitwirbrng blutig abgewiesen. Die Verluste des Gegners si»»d eirorir». Vor unseren Stellungen liegen Hunderte von ^Leichen : vor dem Abschnitt eines einzigen Bataillons, des tavferen 51. Infanterie-Regiments zählten wir 300 feindliche Leiche»». Nicht minder stark »varen die Angriffe des Feindes mrd sein Artilleriefeuer im W a r d a r - T a l e. Hier griff der Feind verzweifelt unsere vorgeschobenen Stellungen bei dem Torfe Kn'chteli, südwestlich des Toiran-Sees an. Er itmTbe blutig zurückgeschlagen und ließ eine große Anzihs von Leichen auf den» Schlachtsclde. Wir erbeuteten sechs Maschinengewehre, zahlreiche Gewehre und anderes Kriegsmaterial. Ai» der Front der Belasica Planüra und an der Struma lebhaftes Artillericseuer. Auch hier zählten wir 125 feindliche Leichen. Mit cinein Worte, dieser Tag kann infolge seiner groißartigei» Kampfhandlunge»» als einer der heftigsten Kamvstage an der mazedonisckie»» Front gelten.
R u n» ä i» i» ch e F ron't: Fn der Walachei setzt die Donau- a r m e e ihren Vorn»arsch fort: sie ist »nit den oerlnindeten Truvpen, die aus den Kärpathe.n hei'ahgesticgen sind, in enge Fühlung'ge- trete»». Unsere aus dem linken Donauufer vorrückcnden Truvveck griffen Giurgiu an und eroberten, unterstützt von unseren Ein- tzeite»», insbesondere der Artillerie voi» Rustschnk, sowie von österreichisch-ungarischen Monitoren, »rach einem erbitterten Kampfe, der von 11 Ubr vormittags bis 4 Uhr nachn»ittags andauerte, die Stadt. Tie rumüirischen Truppen und die Bevölkerung stoben, von einer Panik ergriffen, gegen Bukarest. An der Dona u stromabwärts Rustschük bis Eernaooda Artillerie- mrd Jnfanteriefeucr. In der T o briud s ch a Artilleriefeuer.
Der „TempS" über Rumänien.
Bern, 29. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) In einem Leitartikel führt „T einp s^zum rumänischen Rückzug unter anderem aus, die rumänischen Truppen hätten zwar noch Schlagkraft, aber Refervemangel. Sollten die Russen recht-


