Ausgabe 
16.11.1916 Erstes Blatt
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** Die Hess. Lazarett-Zeitung Nr. 32 bttngt in. ihrem allgemeinen Teile: Erfahrungen des Krieges von Knrt Patzer. Kriegsteilnehmer imfc Krankenkassen. Das veil verfahren) nach der Entlassung aus dem Heeresdienste. Mahnung der Berufs- »utt» Ärbeitsgenvssen an alle Kriegsbeschädigten, ttnsere Kriegskost. Beschäftigung in Lazaretten. Lazarett-Berautng. Rätsel-Ecke. Die Gießener Beilage enthält : 5xüige Zeit, von Paul Enderling. Zum 25. Mvember 1916, von Dr. Ernst Goetz. Stel­len für Kriegsbeschädigte. Berwundeten>-11nterricht.

** Tas Kreisblatt Nr. 147 enthält Bekanntmachungen über die Vornahme der Volkszählung am 1. Dezember, ein Ver­zeichnis der Schwerstarbeiten, Verbot des Verkaufs von Patenten, Musterschntzrecksten und Fabrikationsgeheimnissen, sowie Bekannt­mach,ung über Ausdehnung der Verordnung, betreffend die Einfuhr von Futtermitteln, Hilfsstvffen und Kunstdünger.

Landkreis Gießen.

Rödgen^ 16. Nov. Wehrmann Jakob Schmidt wurde mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Am Anfang des Krieges zog er mit dem Landmehr-Regiment Ne. 116 in Gießen ans, wurde verwundet und befindet sich jetzt beim Landsturm- Bataillon Darmstadt.

Kreis Büdingen.

# Düdelsheim. 16. Nov. Die Hessische Tapferkelts- medaille erhielt der Landsturmmann Krämer im Landwehr- Jnfanterie-Rgt. 81.

4s: Glaub erg. 16. Nov. Nach 18monatiger treuer Pflicht­erfüllung starb den Heldentod der Musketier Wolf.

4h Himbach, 16. Nov. In Rumänien starb an einer schweren Verwundung der Musketier Heinrich Wächter.

4h Orleshausen, 16. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielt der Unteroffizier Eckert im Jnf.-Rgt. 173.

# Vonhausen, 16. Nov, Die Bayerische Tapferkeits- medaille mit Schwertern erhielt der Kriegsfreiwillige Stork.

wg. Gedern, 15. Nov. Me im Vorjahre, so beteiligt sich auch diesmal wieder der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz an der großen Weihnachts-Liebesgaben-Sen- dung der Rote-Kreuz-Organisatton im Großherzogtum Hessen, Fivankfurt a. M!. und Wiesbaden Gr hat zu diesem Zwecke der Matettalien-AbteilUng des Hessischen Landesvereins vom Roten 'Kreuz in Dirmstädt den Betrag von 3 30 Mark überwiesen, welcher ziur Ausstattung einer Ginheitskistse für 250 Mann verwendet wird.

Kreis Alsfeld.

Up. Ruppertenrod, 16. Nov. Dem Sohn aus der Gast­wirtschaftZum Löwen" hier, dem Schützen Heinrich Her st wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Er hatte die Erstürmung von Bou- chavesnes am 20. September mitgemacht und war durch einen' Granatsplitter am Knie verwundet worden.

up. Von der Ohm, 16. Nov. Vor Beginn der Feldjagd begegnet man öfters'der Ansicht, die H asien seien in diesem Jahre besonders geraten. Deut ist aber nicht so, unsere Jäger berichten nur von einem mäßigen Ergebnis der Hasenjagd. Das nasse Som- mcrwetter ist ebenso wie bei den Rebhühnern dem Hasen nicht förderlich gewesen. Zudem kommt der Hase stets häufiger in der Ebene als im Gebirge vor, wie auch die Jagdergebnisse aus solchen Gegenden viel besser lauten.

Kreis Schotten.

4£ Schotten, 16. Nov. Am demLebrerheim* sind sieben heimatlose Feldgraue, die ihren Urlaub bei kostenloser Verpflegung dort zubriugen.

8 An s dem oberen Vogelsberg, 15. 9Lov. In Pen letzten Tagen der vorigen Woche, als die Herbstsonne mit so freund­lichen Angen zu uns niederschaute, wurde man beim Anblick des httnrfahrenden Landmanns in eine Zeit versetzt, die längst schon dahin geschwunden ist und fast an die Heu- oder Grummeternte glauben gemacht. Tie letzten Tage des September, die am unseren Bergen den Grummetschnitt so recht in Fluß gebracht hatten, waren plötzlich wieder auf des Svinmers gewohnte Leier verfallen uttb hatten mit einem nicht wieder endenden Regen eingesetzt. Gar manche Fuhre Grummet lag da noch auf den Wiesen und konnte nicht geerntet werden. Nun, da die Sonne wieder so lieblich blickte, dachte so mancher Landmann wieder an seine Wiesen mit lagerndem Grummet. Wenn dieses auch keinesfalls wehr zum Füttern ver­wendet werden kann, so ist es doch, in etwas getrocknetem Zustande auf den Heuwagen verladen worden, um zu Hause zum Streuen im Stalle Verwendung zu finden.

up. Aus dem V o g e l s b e r g, 16. Nov. Die Ungunst des Wetters erschwert jetzt nicht bloß das Auslesen der Buch­eckern, sondern macht es für Schäler unmöglich. Das Laub, das jetzt den Waldboden bleckt, ist naß und kalt geworden. Da werden die Kinderhände bald so steif, daß sie keine.Eckern zu fassen ver­mögen. Und doch liegen noch so viele Eckern auf dem Waldboden! Man sollte, sobald das Wetter sich, bessert, einmal das Verfahren) vrobieren, bei dem das Sammeln der Eckern rascher geht und die Hände weniger mit dem nassen Laub in Berührung.kommen. Dieses Verfahren besteht darin, daß man die Eckern mit dem Laub beetweise zusammenrecht, dann mehrmals duvchvecht und zuletzt durch ein Aehrensieb treibt. Tann liegen die Eckern beieinander am Boden und lassen sich leicht einsanrmeln.

Kreis Friedberg.

bz. Hochweisel, 16. Nov. Dem Musketier Wilhelm K a U ß von hier, im Infanterie-Regiment Nr. 132 wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 15. Nov. Der bevorstehende Totensonn­tag erinnert daran, daß dieser ernste Feiertag vor 100 Jahren, am 17. November 1916, durch König Friedrich Wilhelm III. zum! Gedächtnis der in den Befreiungskriegen gefallenen Offiziere gestiftet wurde. In der Kabinettsordre wird bestimmt, daß der letzte Sonntag des Kirchenjahres dem Andenken verstorbener Krieger und auch anderer dahtngeschiedener Personen gewidmet sein solle.

ra. Aus dem Kreise Wetzlar, 15. Nov. In sehr er­freulicher Weise wird die B u che cker n s a m m lu n g jetzt überall mit großem Eifer beriebten. In den letzten Tagen gingen fast alle Sckulen aus Stadt und Land in den Wald auf die Suche, und es ist ganz erstaunlich, welche Menge Bucheln fleißige Kinderhände oft in wenigen Stunden znsammenbringen. Leider verfügen aber nicht alle Kreisgemeinden über einen Buchenwald, aber auch hier wollen die Kinder nicht znrückstehen, es wurde ihnen gestattet, in emenis Nachbarbezirk zu lesen.

Hessen-Nassau.

slMarburg, 16. Nov. Die hiesige Polizeiverwaltung teilt irr den hiesigen Tageszeitungen die Namen und genauen Adressen derjenigen Personen mit, die im Monat Oktober wegen Feld- und Gartendiebstählen polizeilich rechtskräftig bestraft Wurden Die von vielen Zeitungen gebrachte Meldung, daß hier ein Landwitt Kohl zu 5 Pfg. das Stück verkaufte, ist dahin zu verstehen daß es sich um Mnterkvauskohl (nicht etwa Weißkohl) handelte/Der Mann, der aus einem großen Acker zunächst Früh­kartoffeln erntete und dann den Winterkohl pflanzte, hat ein gutes Geschäft und viele Familien mit Sonntagsgemüse versorgt.

ul. Limburg, 16. Nov. Mit der Rote-Kreuz-Medaille zweiter Klasse ausgezeichnet wurde Frau Kaufmann K o r k h a u s von hier, mit der Rote-Kreuz-A^daille dritter Klasse Frau Apothoker Dr. Wolfs und Kreissparkassenreudant Grammel von hier.

Bad Homburg v. d. H., 15. Nov. Die gestrige Stadt- verordneten-Versammluug erklärte ihr Einverständnis zu einem Beschluß, nach dem im Winterhalbjahre zur Ersparung der Kosten die Straßenbeleuchtung, soweit es möglich ist, eingeschränkt werden soll. Der Magistrat gibt zur Kenntnis, daß der Rechnungsabschluß der Stadskasse für das Jahr 1914 eine Mehrausgabe von 284 964,29 Mk. ausweist.

** Oden hausen, 16. Nov. Dem Landsturmmann Heinrich Krug aus Odenhausen a. d. L-, der zurzeit in Rumänien kämpft, wurde am 5. 11. für hervorragende Tapferkeit vom seinem Kom- pagnieführer das Eiserne Kreuz 2. Klasse überreicht.

Mietssteigerungen nach dem Kriege.

Man. schreibt uns:

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß nach dem Kriege auch die Befriedigung des Wohnbedürfnisses sowohl durch Haus­bau als durch Miete mit erhöhten Kosten verbunden werden soll. Zur Lebensmittelteuerung kommt die Wohuungs- und M i e t e 1 e u e r u n g ein neues, wichtiges Gebiet für die Arbeit des organisierten Konsumentenschutzes. Um so wichtiger, als sich gesteigerte Wohuungs preise sofort in gesteigerte Lohnforderungen, und gesteigerte Gestehungskosten der ganzen Gütererz engung um- setzen. Wie die Dinge liegen, Muß eine Verteuerung der städti­schen Wohnungspreise ingewissem Umfang unvermeid­lich ersckieinen. Wir haben es dahin kommen lassen, daß die Mietskaserne sich in Unseren Großstädten immer weiter ausbreitet. Ein großes 'Massen miethaus aber kann der Mann aus dem Mittelstände, oer aus Geschäftsgründen oder aus Kapitalanlage Immobiliarbesitz erwirbt, aus eigenen Mitteln allein iveder bauen noch kaufen. In beiden Fällen zieht er gegen Hypothek Leihkapital heran. Nun kommt die infolge des Krieges und der Kriegsan­leihen cingetrttenc Erhöhung des Zinsfußes und ergreift auch das Hypothekenkapital. Der Hausbesitzer, der künftig mehr Zinsen für seine Hypotheken zahlen muß, sicht sich um seiner nicht ivmiger als beneidenswerten Existenz willen genötigt, aus seinem Hause einen höheren Ertrag herauszuwirtschaften nnd die Mitten zu steigern. Es sind, was hier in Frage steht, Folgen von Zuständen, die zwar keineswegs unausweichlich wie ein Naturereignis über uns kamen, denen wir vielmehr durch eine rechtzeitige Änderung» unseres Bodenrechtes und durchs grundlegende B o d e n r e f o r nt hätten Vorbeugen können: nachdem aber dieses Vorbeugen unter­blieben ist, können wir uns den Folgen dieser Unterlassung nicht von heute aus morgen unterziehen.

Damit ist allerdings noch lange nicht gesagt, daß wir der Preissteigerung auf dem Wohnungsmarkt ganz tatenlos zuiehen sollten. Läßt sich die Entwicklung selbst auch nicht ganz aufhalten, so läßt sie sich doch bremsen und in ihrem Tnnpo sowohl als rn der Höhe der Mietsteigerungen mäßigen. Solche Bremsmaßnahmen erscheinen von vornherein um so aussichtsvoller, je mehr sie das Uebel an der Wurzel zu fassen suchen, und je michr sie sich! dem' ttnzelnen Fall anpassen können. Deshalb werden Höchstpreise für Mietwohnungen iinlner etwas Mißliches behalten und nur für den Fall äußerster Not als erste, rasch wirkende Hilfsmaßregel von vor­übergehender Dauer, ins Auge gefaßt werden können. Aussichts­voller wäre ein Verbot, den Zinsfuß früher gegebe­ner Hypotheken unmittelbar nach dem! Kriege zu erhöhe n. Denn in dem Umfang, in dem sich dieses Verbot durch­setzen läßt, entfällt für den Hausbesitzer der Zwang, aus seinem Hause einen höheren Ertrag herausznwittschaften und die Mitten zu erhöhen. Bei den öffentlichen Sparkassen der Städte/ Kreise nsw. darf es wohl als selbstverständlich gelten, daß der Zinsfuß für die hypothekarisch angelegten Gelder nicht erhöht wird. Es wäre ja ein vollendeter Widersinn, wenn Gelder, die doch zukn größten Teil aus dem Kreise der Konsumenten stammen, mittelbar dazu dienen sollten, den Sparern selbst die Wohnungen! zu verteuern. Auch für die privaten Hypotheken b a n k e n bedeutet diese Forderung feilt allzu schweres Opfer. Denn iie haben ja das Geld für die hier in Frage stehenden Hypotheken langst be­schafft und denken, auch wenn sie den Zinsfuß nachträglich mranf- setzen, nicht daran, den Inhabern ihrer alten ^Pfandbriefe eme höhere Verzinsung oder einen besseren Kurs zu sichern. Durch all das kann man auec nur auf den Kreis der von früher her Ichon vorhandenen Wohnungen einwirken. Eine Verteuerung des Bau­geldes für neue Wohnungen und Häuser läßt sich so nicht hmtan^ halten. Zu diesem Zweck ist eine lebhafte Förderung des genossenschaftlichen iui b gemeinnützigen Woh­nungsbaues sowie der Kr t e gerhe t m st a t te n b e we - gung durch Staat und Reich im Interesse der Konsumenten un­erläßlich. Besonders die Hilfe des Reiches wrrd nicht entbehrt wenden können, iveil nach dem Kriege nur das Reich sich Gtt» in oem hier nötigen Umfange wird beschaffen können, ^arrn de«- ruht die allgenieine Bedeutung ttnes ReichsgesetzeS über K'rteger- httmstätten, wie es der BerlinerHanptausschuß für .KriegerHeim­stätten" erstrebt, für alle Wohnungskonsumenten. . .

Eine zweite, davon unabhängige Forderung ist, daß die im Kriege so trefflich bewährten Miet-und Hypotheken et nr-i g u n g s ä m t e r im Interesse der Koch umenten auch nach dem Kriege beibehalten und mit der Befugnis, rechtskräftig zu entscheiden, ausgestattet werden. Darm ist eine Instanz vorhanden, vor welcher jeder strittige Fall von Mietsteigerung unter Berück­sichtigung seiner individuellen Besonderheiten verhandelt und ent­schieden werden kann. __

vermischtes»

* Görlitz, 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Am Sonntag früh wurde in seiner Wohinmq in einem Hause der Neichenberger Straße der griechische Major des 2 3. Infanterie- Regiments. MelitiosZacharias, tot aufgefunden. Die Feststellungen ergaben, daß ein Unfall vorsiegt und der Tod infolge Gasvergiftung erfocht ist. Heute vorniittag fand unter inilitärischem Gepräncie die icicrlicbe Beisetzung Itatt._

Gerichtssaal.

X. Offenbach a. M., 16. Nov. Eine exemplarische Strafe verhängte das Offenbacher Schöffengericht über den Milchhändler Adam Weilmünster von Dietzenbach (Kr. Offenbach a. M.). Ber einer Milchprobe wurde sestgestellt. daß -die Milch bei einem Fett­gehalt von 188 Prozent einen W a s s e r z u s a tz von 32 Prozent hatte. Als Veranlassung zur Tat schützte der Angeklagte vor Gericht die M i l ch k n a p p h e i t vor. DaS Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis und 10 0 0 M k. G e l d st r a f e.

Universitats-Nachrichten.

München,15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Tie Akademie der Wissenschaften ernarmte in ihrer heutigen Jahressitzung u a zu korrespondierenden Mitgliedern der mathemattsch-plwsi- kalischen Klasse die Professoren Emanutt Kayser-Marburg und Georg Klebs-Heidelberg, zu korrespondierenden Mtgliedern der historischen Klasse die Professoren Eberhard Gothttm-Hetdell>erg und Otto Hirschfeld-Berlin.

Airchttche Nachrrchtew.

Israelitische Religionsgemeindc.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).

Samstag, den 18. November 1916.

Vorabend 4.30 Uhr. Morgens 9 Uhr. Abends 4.55 und 5 30 Uhr.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft.

Sabbatieier den 18. N o v,.e m b e r 1916;

Freitag abends 4.15. Samstag vorm. 8.30, nachm. 3.30 Uhr. Sabbatausqang 5.30 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6 45, abends 4 00 Uhr. _

Letzte Nachrichten.

Botschafter v. Tschirschky y.

Wien, 15. Nov. (Zf.) Der deutsche Botsckmster von Tschirschky ist heute nachmittag mrcf, mehrtägiger Krankheit gestorben.

ImBerliner Lokal-Anzeiger" heißt es Mm To-dc Tschirschlvs: ES genügt, zu erivähnen, daß in die Zeit serrter Tätigkeit m Wien die bosnische Krise, der libysche Krteg, der erste und der zweite Balkankrie'g und der Ansbruch des Weltkrieges fielen, um die Fülle der Aufgabeii zu umsckrrttben, die dem Verstorbenen ans diesenr Posten zu wuchsen.

Ein führender Parlamentarier über die schwebenden Fragen.

Berlin, 15. Nov. lieber eine Reihe der brennendsten po- litrschien Fragen lfat fid> einer der führenden Atänner des Rttck>s-

tages einem Mitarbeiter deS Lokab-AnÄetgers gegenüber auscp> sprochien Zunächst bestätigt der Abgeordnete, wie auch aus den von uns heute wiedergegebenen Aeußerungen der Kreuzzertmtg, bervorgeht, daß im Hauptausschuß die belgische Frage in der Tat bkffprock/en worden ist. Wenn der über diese Sitzung veröfsent- lick/te Bericht hierüber nichts gebracht habe, so seien die Gründe, die diese Untettassung veranlaßt hätten, unerfindlich. Er glaube, daß der Bericht von ttnem Zenttumsführer verfaßt sei. Herr von Bethmann Hollweg habe es sich wohl versagen müssen, hier ttnzugrttfen, da er den Befchlnß des Harrptausschusses über die Ber- össentlichung der Vorgänge auch für sich bindend erachttt habe. ES treffe aber durchaus zu, daß der ReichBkan-ler sich gegen die Annahme verwahrte, sein Schwttgen zu den Reden des Herrn Scheidemann stelle deren Mkligung dar. Vielmehr habe er sich mit aller Entschiedenhett darauf berufen, was er über unsere künftige Stellung Belgien gegenüber mehrfach dargelegt habe. Was die Frage der Z i v i l die n st p fl i ch t bc Ireffe, so wäre deren Lösimg noch in ziemlicher Ferne. Unser Ge- währsinann bemerkte hierzu, i> den maßgebenden Krttsen die aus­gedehnte Erötterung dieser so einschneidenden Maßnahmc gegew- wärtig nicht einmal erwünscht sei. Die ganze Frage stt für eins Erledigung doch noch nicht fest umttssen genug. Den Verhand­lungen des Bundesrates ivürden sich Beratungen der Vertrtteo der Großindustrie anschließen, und erst daraus werde sich der Gesetzentwurf für den Rttchstag entwickeln. Davon könne kerne Rede sein, im Wege der Verordnung ein solche Werk ms Leben zu rufen. Ein derattiger Eingttsf in die persönliche Frttheit müsse sttne Verantwortung durch die Volksvertrttung finden. Jedenfalls aber werde diese noch vor Wtthnachten znsammentreten. Dem von Hindenburg an den Reichskanzler gettchteten Appell, in erster Linie die schwerarbeitenden Industriearbeiter mit Fett zu versorgen, Ammte unser Gewährsmann von Herzen zu. Diesem Ruse müsse unter allen Umständet Gehör geschenkt werden, und wenn die übrige Bevölkerung sich hiettn noch erheblicheren Be- schränklmgen unterwerfen müßte. Bezüglich des Kttegsernährungs- amtes sowie dessttr Lttters und seinen Leistimgen sprach sich dev Parlamentatter mit vollster Befriedigimg aus. Herr von Batvckr lttstete 'unter den gegebenen Verhältnissen das Menschenmögliche, nnd damit müsse man sich zuftieden geben.

Die Zivildienstpflicht.

Berlin, 16.Nov. Die Bossische Zeitmrg schreibt: Es ist in den letzten Tagen vielfach die Befürchtung ausgesprochen wor­den, daß die Zivildienstpflicht ein Herabdrücken derLöhnc nach sich ziehen kömtte. (ttne derattige Folge ist jedoch nicht be­absichtigt, Und wo sie eintreten könnte, hat die Behörde die Möglichkeit, derartigen Bestrebuitgen der Arbeitgeber entgegen­zutreten, wie dies ja jetzt schon hin mrd wieder ttsivlgt ist.

Rücktritt Balfours?

Haag, 16. Nov. Tie Ktttiken an der btttischen Admiralität, die hauptsächlich in der Northeliffe-Presse nnd in derMorning Post" zum Ansdruck kamen, haben in Verbindung mit den schwe­benden Schwicttgkttten zwischen dem britischen Kriegsministerinm und der Admiralität über die Ltttung des Flugwesens den Ma- rincminister Balsour veranlaßt, demnächst als Marmeminister abzudanken, da das Marineministettnm in Sachen des Flugwesens gegenüber dem Kriegsministerrum wahttchttnlich nachgeben Muß. Tie Versuche, durch ein Kompromiß die Schwierigkeiten zu lösen, sind gescheitett.

Wilson.

Genf, 16. Nov. Laut ,/Temps" wird Wilson der englischen Regierung eine neue Note übersenden, in der der amettkaniiche Protest gegen die Einschränkung des amettkanischen Handelsver­kehrs durch die Postbeschlagnahme, die Schwarzen Liften und die Verzögerung bei der Durchsuchung nach Bannware erneut uiü> verschärft tmtd.

Rotterdam, 15. Nov. Ter Daily Telegraph bettchttt aus Washrngton: Seit der Wiederwahl Wilsons beschäftigen sich die hiesigen Plätter nrit Wilsons bekanuten W ünschen, Europa den Frieden Mederzugeben. Eine Depesche des Washingtoner Korvespandenten der Newyork Evenrng Post, die über die Wünsche und Pläne des Präsidenten ansgezttchntt nnter- ttchtet sttn soll und in den letzten Jähren täglichj nrit ihms im Weißen Hause in engster Beziehung stand, wird jetzt als ein Ver­suchsballon angtt'ehen, der allgemein Beachtung findet. Der Korrespondent erklätt bestimmt, daß^ Wilson in einigen Monaten, vielleicht schon im Laufe des Winters, imstande sttn dürfte, ttne Fttedensbewegung in Gang zu bringen. Wilson stt durchaus unterttchtet über die ^ Aussichten auf eiltenj baldigst Frieden und dürfte btt der ersten bestert Gelegen'httt Vorgehen, was früher der Fall sein werde, als die Oeffenttichkttt annimmt. Es stt zwttfelhaft, ob der Präsi­dent eine Beschleunigung des Ktteges ervttchen könnte, wenn er einfach sttne guten Dienste zur Vermittelung des Fttedens anböte. Er würde aber die kriegführenden Mächte bttten können, eine von ihm einberufene Konferenz zu beschicken, welche sich über die Mindeft-Friedensbcdingungen jedes einzelnen Staates zu mtter- richten hätte. Eine derarttge Konferenz würde zwar nicht sofort zur Einstellung des Kanrpfes oder zu einem W a f f e n st i l l ft a u b führen, aber wenn die Vertttter der europäischen Regierungen einmal zusammenkämen, dürfe doch bezweifelt werden, ob sie ansttnandergehen werden, ohne wenigstens ttnen Waffenstillstand und später ehrenvolle Friedensbedingungen für alle gutzuhttßen.

Rußlands Polen-Protest.

Haag, 16. Nov. Die russische Regierung erklätt ossizittl: Tie deutsche Und die österrttchisch-nngattsche Regierung haben, von der Besetzmtg eines Tttles des russischen Bodens Gebrauch ma­chend, eine Trennung des polnischen Gebietes von RuUand und dessen Erhebung zu einen: selbständigen Staate proklamiett. Un­sere Fttnde bezwecken offenbar, durch russisch-polnische Rekruten ihre Armeeit aufzufüllen. Die russische Regiertmg erblickt in dieser Tat von Deutschland und Oesterreich-Ungarn eine grobe Ver­letzung der Gttindsätze des internattonalen Völkerrechts, die diese Bewohner eines besetzten Gebittes dazu zwingt (!), die Waffen' gegen ihr eigenes Vaterland zu erbebeit. Tie russische Re- gferung erachtet die Prollamatton als wettlos. Rußlaitd hat sich seit Beginn des !,ßtteges zwttmal über die polnische Proklamation ausgesprochen und plane die Bildtrng eines .Königreiches Polen, das sämtliche polnischen Gebitte umfassen soll.

Die Bombenopfer von Padua -ertrunken.

Lugano, 16. Nov. DerAvanti" meldet aus Padua, daß der Tod von 62 Pettoneit während des österrttchischen Fliegeran- gttsses auf die Stadt am Abend 'des 11. November der "Nachlässig­keit der italienischen Behörden zuzuschreiben ist. Es mar schon aus­gefallen, daß die bisherigen kargen Bettchte über die Umstände der schweren Katastrophe wohl von Ertrunkenen, nicht aber durch die Explosion Getöttter uitd Verwundeter zu melden wußte.Avanti" berichtet nun, daß die großen, der Bevölkerung wider Bombenan­griffe der fttndlicheit Flieger zur Verfügung gestellten unterntdi- sch.en Mumie während der letzten Ueberschwemmung sich ,mit Wasser gefüllt hatten. Die Behörden hatten es aber unterlassen, die Bevölkerung davon zu benachttchtigen. Während der Bomberi- ivütte entstand eine Panik, und in der Tunkelhttt stürzten die Leute massenhaft in das Wasser und ertranken.

Eine Krisis in Australien.

Amsterdam, 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Nach' einer vorliegenden Meldung derTimes" aus Sydney haben 30 000 Bergarbeiter die Arbeit niedergelegt. Hunderte von Dampfern liegen still. Die WoII- auktionen sind eingestellt, weil kein Schiffsraum mehr zu bekommen ist. Die Mehrheit der Bergarbeiter be­schloß, über sämtliche .Kohle deir Boykott zu verhängen, um den Betrieb der Eisenbahnen und Sttaßenbahnerr zu ver­hindern. Die Lebensmitteleinfuhr ist beschrankt, die Preise schnellen in die Höhe. In einer großen Bergarbeitorver- sammlung wurde beschlossen, von der Staatsregierung den achtstündigen Arbtttstag zu fordern.