ber Schiffsvcrluste, btc am Samstag und Sonntag gemeldet wurden, ab. „Dally Chronicle" bringt in einem Leitartikel die Le- ^ bensmittelpreise und den U-Boot-Feldzug miteniander in Ver- lbrndung. Das Blatt sehrerbt: Das Problem des Schiffsraumes ftst wieder in ein schwieriges Stadüun getreten, zum Teil, wenn auch nicht ausschließlich infolge des U-Bvot-Ktteges. Man braucht nur die täglichen Verluste an Handelsschiffen, die in den Grund gebohrt werden, zu beachten, um einzusehen, daß der Kampf zwischen der britischen Admiralität und den Piraten, der 22 Monate auf Und niederschwankt, im Augenblick zugunsten der Piraten verläuft.
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AuS der französischen Kammer.
Paris, 14. Nov. (WTB .) Meldung der Agence Havas. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Sembat, erörterte in der Kammcr in Beantwortung der Interpellation über die Transportkrise eingehend die Fragen des Eisenbahnwesens, der Schiffahrt und der Einfuhr, sowie alle Bemühungen, die darauf abzielten, die Bedürfnisse der Armee mit den übrigen öffentlichen Bedürfnissen in Einklang zu bringen. Betreffs der Anregung, daß die Leitung des Eisenbahnwesens dem Minffterium der öffentlichen Arbeiten übertragen werde, drückte Seinbat die Ansicht aus, daß diese Frage ganz besondere Schtvierigkeiten im Kriegsgebiet aufweise, wo die Militärbehörden in dringendster Weise die Eisenbahnen brauchen. Sodann legte der Minister ausführlich die zur Beseitigung der Transportkrise ergriffenen Maßnahmen dar. Der radikale Abgeordnete Andrö Hesse beantragte, daß zunächst über die von ihm und mehreren Parteigenossen eingebrachte Taaesord- rumg abgestimmt werde, in der der Regierung wegen ihres Mangels an Tatkraft das Vertrauen verweigert w/ird.
Ministerpräsident Brian d forderte die Kammer auf, die Frage in ihrer Gesamtheit zu erwägen. Wttrn Amerika, dessen! Eisenbahnwesen so wunderbar ausgestaltet sei, seine Verkehrswege überlastet sehe, könne man sich nicht wundern, daß Frankreich eine Transport krise durchmache. Aber man dürfe nicht sagen, daß die Lage in Frankreich kein Vertrauen verdiene. Denn in dem Lande ' lebe das tiefe Gefühl, daß der Krieg in e i§i e entscheidende Phase eingetreten sei und dem Siege entgegengehe. Was das Land wolle, sei, daß die Regierung die .Schwierigkeiten überwinoe, die notwendig entstehen mußten und den allgemeinen Plan annehme, der das gegenwärtige System unter Mitwirkung aller zuständigen Stellen und aller beteiligten Kreise abändere. Briand appellierte an das Vertrauen der Kammer. Die Regierung nahm schließlich eine Tagesordnung des Llbgeord- neten Radier an, in der eine einzige Leitung und die Annahme des allgemeinen Planes verlangt, so»vie die Hoffnung ausgesprochen tvird, daß die Regierung altes aufbieten werde, um die Verwirklichung dieses Programms durchzusetzcn. Die Priorität der Tagesordnung wurde mit 413 gegen 103 Stimmen angenommen und dem Paragraphen, der der Regierung das Vertrauen ausspricht, mit 415 gegen 86 Stimmen zugestimnrt. Die gesamte .Tagesordnung wurde durch Handausheben angenommen.
Berlin, 14. (Nov. (Priv.-Tel.) Die „Vossische Zeitung"
> meldet aus Zürich: Nach einer Nachricht der „Züricher Post" aus Genf ist der französische Minister Sembat stark bloßgestellt durch die Gewährung einer Konzession an eine englische Gesellschaft füH die Petroleumselder in Algier. Sein Rücktritt gelte als sicher, der Rücktritt des ganzen Kabinetts als wahrscheinlich.
Berlin, lö.Nov. Aus der französischen Kammer wissen! verschiedene Blätter zu berichten, daß Briand zugerufen worden sei: „Was uns fehlt, ist eine zielbewußte Führung, ein energisches Chef. Wir haben eine Regierung, die nicht regieren will. Es ifi? bedauerlich, daß nach 28 Monaten unsere Minister nicht zlkr Erkenntnis der erforderlichen Notwendigkeiten gelangen konnten."
Eskimos an der französischen Front.
Berlin, 15.Nov. lieber London erfährt die „Boss. Ztg.", daß an der französischen Front in den Vogesen dieser Tage Eskimo s mit Hunden ankamen, die für Munitions- und Proviantver- sorgmrg abgerichtet waren.
Die Ernte in Frankreich.
Bern, 14. Nov. (WTB.) Nach einer Mitteilung des französischen Ackerbaunrinisterrmns wurden die Feldarbeiten im Oktober durch schlechte WitterungSverhclltnisse in fast ganz Frankreich in ziemlich großem Ausmaße behindert. Tie Kartoffelernte ist weniger befriedigend als der Futterrübenertrag.
Die Ernte in Italien.
Bern, 14. Nov. (WTB.) Nach Nachrichten des amtlichen Bureaus für landwirtschaftliche Statistik in Rom beträgt die diesjährige (Maisernte nur 19,5 Millionen Doppelzentner, ivas einen Ausfall gegenüber dem Vorjahr von fast 10 j Millionen Toppelzentirern bedeutet. Der Maismangel wird besonders hart in Oberitalien empfunden werden, da die dortige Landlbevölkerung die aus Mais bereitete Polenta als Hauptnahrun- ! genießt.
Bern, 14. Nov. (WTB.) Tie Aussichten auf die italienische Olivenernte, über die die Statistiken auffallender Weise »noch keine Zahlen geben, sind nach verschiedenen Presseäußerungen igeradezu trostlos. Infolgedessen ist seit einiger Zeit die Ausfuhr itxm Olivenöl ausnahmslos verboten.
Tie amtliche Statistik über den italienischen Außenhandel für die ersteir fünf Monate des laufenden Jahres weist eine Unterbilanz \ 1,8 Millionen Lire auf. Tie Ausfuhr betrug 1,2 Millonen, diel j Einfuhr trber 3 Millionen Lire.
Ter Landwirtschaftsminister gibt bekcumt, daß in den Provinzen Grosseto und Rom, sowie denen Süditaliens und der JUsctn für die Bebauuug brachliegender Felder mit Weizen, Mais und jjSifet für den Hqktar 50 Lire Prämie bezahlt werden.
Der Kohleymangel in Frankreich und Italien.
Bern, 14. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Laut „Journal" .müßte eines der bedeutendsten Pariser Elektrizitätswerke kn der Nacht vom Samstag zum Sftmttag die Strom'liefen .rung einstelleir. Die sämtlichen nordwestlichen Vorstädte von l',Paris wurden davon betroffen. Mehrere Fabriken, die, wie das „Journal" hinzuffigt, auch Sonntags arbeiten und einen hohen Stromverbrauch haben, haben die Arbeiter vorläufig, entlassen müssen. Der einzige Grund des Stillstands des Elektrizitätswerks liegt darin, daß die Kohlenvorräte aufgebraucht sind.
Bern, 14. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) „Corriere dekla Sera" .meldet: Da infolge Arbeitermangels die Erzeugung von! ^Holzkohle, die in ganz Italien allgemein zu Heiz- und Koch- ^zwecken benutzt wird, stark zurückging, bat die Regierung beschlossen (Kriegsgefangene zu Kühlen arbeiten heranzuziehen. Daß durch diese ?Naßnahrne der Holz- und Kohlenmangel nicht im geringsten behoben wird, erhellt aus,der Tatsache, daß die Holzeinfuhr ' in dem holzarmen Italien in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres nicht einmal den vierten Teil der Holzeinfuhr von) 1913 erreicht. Sie beträgt nach den amtlichen Statistiken nur i.2,3 Millionen Doppelzentner.
Bern, 14. Nov. (WTB.) Meldung der „Agenzia Nationale": Aus berechtigten Sparsamkeitsgründen werden in den zuständigen Ministerien Maßnahmen geprüft, um die .Dauer des Straßenbahnverkehrs und der öffentlichen Vorstellungen einzuschränken. Wahrscheinlich werde der Halbelfuhrschluß auch auf sie ausgedehnt, um 'der Kohlenknappheit entgegenzutreten.
„Corriere della Sera" meldet: Die italienische Kammer wird ans Gründen verschiedenster Art erst am 6. Dezember wieder eröffnet werden.
Zum Tode des Prinzen Heinrich von Bayern.
Berlin, 14. Nov WTB. Nichtamtlich.) Am 7. November wurde Prinz H e i n r i ch v o n B a y c r n in iden Kämpfen südlich des Roten Turm-Passes rötlich verwundet. Von der Obersten Heeresleitung wird hierM geschrieben:
Tie Brigade Epp, zu der das Jnfanterre-Leibreglmenl unter Führung des Prinzen Heinrich von Bayern gehörte, hatte am
6 . November durch einen kühnen Flankenstoß vom Mte. Säte her das Becken Perisani östlich des Roten Turm-Paffes geöffnet. Im weiteren Verlauf sollte sich die Brigade (in iden Besitz des 300 Meter höher gelegenen Poiana Spinului (südlich des Mte ©ate) setzen, um dann wieder als Stoßflügel ttnen Angriff beiderseits der Straße Perisani Saltrucu zu unterstützen. Tie Wegnahme von Poiana Spinului sollte dem Infanterie-Leibregimenl zufallen. Das dortige Angrigsgelande ist sehr zerklüftet und zerrissen. Eine eingehende Erkundung war nötig. Nur nach persönlicher Erkundung ist es dem Truvpenführer im Gebirge möglich, solche Angriffe gegen stark ausgebaute Stellungen zu erkennen. Am
7. November vormittags wünschte der Brigadcführer zusammen mit dem Führer des Jnfanterie-Leibregiments Prinz Heinrich Klarheit über die Angriffs möglich kecken und das Zusammenwirken vchn Infanterie und Artlllerie zu gewinnen. Aus der vordersten Linie am Mte Säte, die auf einer mittleren Jnfantette^Sch.uß-Ent- ferirung dem Feinde gegenüber lag, war das Angriffsgelände zu übersehen. Ohne Rücksicht auf die eigene Person versuchte ber Prinz mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit die möglichen Wege und Angriffsverhältnisse für die Bataillone und Kompagnien sest- zustellen. Anfänglich gedeckt durch ein Strauchwerk, scheint der Prinz im Eifer diese Teckung verlassen und seine hohe Gestalt scheint sich am Horizont abgehoben zu haben. Ein Schuß fiel und schlug sich neben dem Prinzen ein. Wie immer der Gefahr nicht achtend, setzte der Prinz mit größter Kaltblütigkeit die Erkundung fort, obwohl gleich darauf noch einige Schüsse emschlugen. Plötzlich beim vierten Schüsse, sagte dev Prinz leise s „Ich bin verwundet, am Oberschenkel" und sank zu Boden. Ter Prinz wurde sofort in die Teckung zurückgelragen. Die Untersuchung ergab einen Schuß in die Lebergegend, fast nur wie ein Streiffchuß aussehend. Innerlich scheint aber ein größeres Blutgefäß zerstört worden zu sein. Ter Prinz wurde in seinen nahe gelegenen Gesechtsstcmd zurückgetragen und der Obhut seines Arztes übergeben, um am nächsten Tage, falls sein Zustand es erlaubte, in ein Feldlazarett übergeführt zu werden. Am Abend war das subjektive Befinden des Prinzen gut und zuversichtlich. Er äußerte nur sein Bedauern, daß er morgen den schönen Angriff des Regiments nicht toerde leiten können. Der Arzt sah den Zustand als ernst, jedoch nicht hoffnungslos an. Ter Prinz selbst dachte nicht daran, daß er den kommenden Tag nicht erleben sollte. Noch um 2,15 Uhr sprach er mit dem Arzt in zuversichtlicher Stimmung. Um 2,30 Uhr morgens ttat eine plötzliche Schwäche ein. „Noblesse oblige" waren seine letzten ^Worte. Kurz nach 2,30 Uhr war er ganz verschieden, als tapferer Soldat, als echter Offizier. Im Morgengrauen, als der Angriff seines Batalllons gegen Poiana Spinului im siegreichen Fortschreiten war, wurde seine Leiche zu Tal getragen. Das Heer hatte einen tapferen Soldaten verloren.
Der Seekrieg.
Berlin, 14. Növ. (Priv.-Tel.) Der italienische Dampfer „Mudros", früher deutsche Levantelinie (3137 Br.-R.-T.) und der Italienische Segler „Giovanni Anteri Be - retta" (332 Br.-R.-T.) sind versenkt worden.
Bern, 14. Nov. (WTB.) Der „Matin" meldet aus Brest: Ter italienische Dampfer „Margab" (800 Tonnen) wurde versenkt. Die Besatzung ist von dem Torpedoboot „Sainte Jeanne" in Brest gelandet worden.,
London, 14. Nov. (WTB.) „Llovds" meldet: Der englische Dampfer „Morazan" (3486 Br.-R.-T.) ist versenkt worden. Der Kapitän wurde gefangen genommen. Auch die englischen Dampfer „Caterham" (1777 Br- R.-T.) und „Kapund w' (3097 Br.-R.^T.) sind versenkt worden.
Christiania, 14. Nov (WTB.) Meldung des Norwegischen Telegramm-Bureaus. Der Dampfer „Camma" (1794 Br.-R.-T.) aus Toensberg ist laut einer Meldung aus Bilbao an das Ministerium des Aeußern am Samstag versenkt worden. Die Mannschaft wurde gerettet.
Das Vizekonsulat in Garrucha drahtet: Der Dampfer „Tripel" (nicht in Lloyds Register, auch als „Kripel" gemeldet), 4633 Br.-R.-T., aus Trammen wurde gestern vor Gariao versenkt, die Mannschaft ist gerettet.
Das Vizekonsulat in Coruna meldet: Der Bergener Dampfer „Fors dalech' (2835 T.) wurde von einem deutschen Tauchboot versenkt. Seine Mannschaft und die Mannschaft des norwegischen Dampfers „Balto", je 25 Mann, wurden in Comarino gelandet.
Mit den übrigen heute gemeldeten Dampfern hat die norwegische Kriegsversicherung einen Verlust von M/s Mill. Kronen erlitten.
London, 14. Nov. (WTB. Nichtamtl.) Lloyds meldet, daß bte, Fischd am pfer „Our B oy e" und „S u p p e rb" versenkt wurden. Die Besatzungen sind gelandet.
Amsterdam, 14. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der Korrespondent der „Times" in Washington meldet, der Bericht, daß der amerikanische Dampfer „Columbia" erst versenkt wurde, nachdem sich das stürmische Wetter genügend gelegt hatte, um Boote aussetzen zu können, habe in Washington beruhigend gewirkt.
Aus dem Reiche.
Die Einberufung des Reichstags.
Berlin, 15. Nov. Ueber den Wiederzusammenttitt des Reichstages wegen der Beratung über die allgemeine Zivildienstpflicht ist man nach der „Voss. Ztg." in Reichstagskreisen selbst der Meinung, daß vor Anfang Dezember an eine Einberufung nicht zu denken sei. Der „Vorwärts" schreibt: Der Reichstag wird auf alle Falle mit der Angelegenheit befaßt werdev und zwar noch vor Weihnachten, da das Gesetz womöglich schon zu Neujahr in Kraft tteten soll.
Eine Versammlung der .^konservativen. •
Berlin, 14. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Ter Berliner deutsch-konservative Wahl verein nahm am 11. November in einer zahlreich besuchten Versammlung ein- sttmmig folgende Entschließung an -j Die, heute in Berlin in den Sophien-Sälen versammelten zahlreichen konservativen Frauen und Männer sprechen ihre feste Ueberzeugung aus, daß jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau bis zuFlt letzten Atemzuge kämpfen und helfen muß und wird, dem Vaterlande einen Fr i ede n zu erringen, der unsere künftige Unabhängigkeit, Freiheit und Entwickelung und Sicherheit verbürgt. Sie geben aber auch der festen Erwartung Ausdruck, daß ohne jede Rücksicht auf ftemde Interessen alle Mittel angewandt werden, die wir besitzen, um unseren Todfeind England niederzuringen, weil nur dann unserem Vaterlande und der Welt ein dauernder Friede errungen werden kann.
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Berlin, 14 Nov. (MDBJ Die außerordentliche Generalversammlung des deutschen Holzarbeiterverbandes, die am 14. November abends tagte, erklärte sich mit den zwischen den Verttetern der Arbeitgeber und Arveiter getroffenen Vereinbarungen einverstanden und beschloß, den noch bis zum 10. Februar 1917 geltenden Tarifvertrag nicht zu kündigen.
Ares Stadt und Land.
Dießen, 15. November 1916.
Deutsche Hausfrau ermüde nicht!
Der Kreisvorstand der Vaterländischen Frauenvereine schreibt uns:
Unsere Feinde leben in der Hoffnung, uns aushungern $u können. Briefe, die bei deutschen Gefangenen gefunden wurden, m denen sich die Frauen in übertriebenen Klagen über die Schwieria- feit der Ernährung ergingen, müssen diesen Wahn der Feinde immer wieder stärken. Darum schaltet in den großen Zeiten kleine Alltagssorgen aus. Bürdet sie denen an der Front nicht noch auf, tragt sie sttll und mutig als einen winzig lleinen Teil von deü großen Bürde des Krieges, die auf uns allen liegt.
Vielleicht wird manche Landwirtsfrau sagen: die Schwierigkeiten, die die Städterinnen jetzt hoben, sind nur ein Ausgleich für die unendlich viel größeren Schwierigkeiten, die sich bei uns auf dem Lande abspielen. Sollen wir zu dem allen vielleicht unserm schwer arbeitenden Gesirrde die Fleischmahlzeit kürzen ober unser Vieh hungern lassen, um die Städter zu versorgen?
Aber ivenn nKr den Blick aufs große Ganze richten, dann müssen andere Gedanken die Oberhand gewinnen.
Dann müssen wir uns sagen: Tic städtischen Haushalte sind abhänarg von der Versorgung durch unsere Wittschaften. Ich muß ihre Not als meine Not ansehen und ihnm liefern, was ich nur absparen kann, sonst steigt die Not irn gemeinsamen^Vaterlcmd^
Im Haus wie im Stall muß mit allen nutzbaren Stoffen aufs sparsamste umgegangen werden. Wieviel dadurch gewonnen werden kann, sollen einige Beispiele zeigen.
Es ist berechnet worden, daß von dem irn Kraftfutter enthaltenen Eiweiß so viel vergeudet wird, daß von dem, was bei fiebert Kül)en unnörig verbraucht wird, eine achte Krrh vollständig ernährt werden könnte. Es ist berechnek worden, daß bei der Aussaat der Kartoffeln, wenn man sich die Mühe nimmt, sie sachgemäß zu' zerteilen, leicht 35 000 000 Zentner im Deutschen Reich erspart werden könnten. Es ist berechnet worden, daß durch richtiges Schälen der Kartoffeln 2 Millionen Tonnen gespart weröm können. Daß durch Konservierung des Gemüses 300 000 Tonnen, des Obstes 250 000 Tonnen erhalten werden könnem Daß, wenn jeber Deutsche täglich ein Gramm Butter weniger essen wollte, also so viel, als man auf ein Brötchen spärlich streicht, die Milch von! 277 000 Kühen gespart werden könnte.
So oft denkt man: Ach, was ich als einzelner tue, darauf kann es ja schließlich nicht ankommen. Wenn aber die kleinen Nachlässigkeiten und Unbedachtsamkeiten von Millionen begangen werden. Sie lehren uns bei jedem Tun und Lassen zu fragen: „Was wäre die Folge, wenn Millionen Frauen so handeln wollten wie ich." Es ist einmal gesagt worden, wenn eine Denkmünze auf diesen Krieg geschlagen werden sollte, so müßte eine deutsche Frau, die den Pflug führt, darauf verewigt sein! Gewiß, das würde zum Ausdruck bringen, was sie dem Vatcrlande geleistet hat. Die schwerste Arbeit hat sie nicht gescheut, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Mann, Sohn, Knecht hat sie ersetzt und noch nebenbei ihre Hausfrauen- und Mutterpflichten erfüllt. Man kann wohl sagen, unsere Lcmdftauen sind ein treues Heer im Dienste des Vaterlandes gewesen.
Aber der Krieg wöhtt lang und die Gefahr ist, daß manche ermüdet und der Last ihrer Sorgen zu erliegen droht! Denn cs ist ja nicht allein die körperliche Arbeit, die sie zu leisten hat, sondern auch das Denken und Verfügen, das Plänemachen und Entschlüssefassen, was ihr obliegt, besonders wenn sie den abwesenden Mann) zu vertteten hat. ^
Da halte sie sich immer an dem Gedanken aufrecht, wie wichtig der Posten ist, auf dem sie steht, und daß cs ihre heiligste Pflicht ist, treu auszuharren. Wollte sie die Flinte ins Kvrn werfen, alles gehen lassen, tvie es geht, die Zügel aus dem Boden fdjtrtifeit obetf gar die ^Wirtschaft ganz irn Stich lassen, so wäre das wahrlich eine Fahnenflucht. Das Vaterland verlangt, daß in jeder Wittschaft jetzt das Aeußerste geleistet und das Höchste produziett wird.
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** E i n Polen-Roman beginnt in unserem Ikii tigen Familienblatte. Der Verfasser Carl Busse, dessen Dichtername guten Klang hat, ist in Lindenstadt in Posen geboren. Er kennt das polnische Land und das polnische Volk, und „Königsträumc" ist nicht der einzige Roman, in dem er die Polen diesseits und jenseits der Grenze schildert. In diesem Romane, der bei den augenblicklichen Begebenheiten in Polen urrseren Lesern besonders willkommen sein wird, stellt Carl Busse mit hinreißender Gestaltungskraft und kraftvoller, leidenschaftdurchglühter Sprache die Ereignisse des letzten Polenaufstandes in den 60er Jahren dar. Die spannende Handlung, die dem letzten Nachkommen der polnischen Könige die Tochter eines deutschen Gutsherrn zum Schicksal werden läßt, hält bis zum Schluß die Leser in ihrem Bann.
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** Der Großherzog ist gestern in Begleitung der Flügeladjutattten Major Freiherr von Massenbach und Rittmeister von Schroeder an die Front abgereist.
** Jungwehr. Mittwoch, 15. November. Antreten 81/4 Uhr. Komp. 620 (1.): Realgymnasium. Komp. 621 (2.)
1. Abteilung: Oberreätschule; 2. Abtellung: Gynrnasium
** Eine öffentliche S itzung des Provinzial ausschusses ftndet Mitttvocki, den 22. November 1916, vormittags 9 Uhr irn Sitzimgssaal des Regierungsgebäudes mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Ottsarmenoerbandes Frankfutt a. M. gegen den Ottsarmenverband Gießen wegen Anerkennung der Unterstützungspflicht für Bernhard Sünger. —
2. Klage des Ortsarmenverbandes Frankfutt a. M. gegen den Ottsarmenverband Gießen wegen Erstattung von Arrnenpflcge- kosten für Elisabeth Weber geb. Hilberg aus Oberweimar. — 3 Klage des Ottsarmenverbandes Frankfurt a. M. gegen den Ottsarmenverband Gießen wegen Rückerstattung von Pfleggeld für das Kind Otto Heinz Jublle.
** Tie am 1. Dezember ds. Js. stattfindende Volks - und Berufszählu ng sowie die Aufnahme des B i e b b e ft a n d e s erftlgen Lemeindcweise unter Leitung der Großh. Bürgermeistereien (Oberbürgermeister, Bürgermeister', denen die nötigen Zählpapiere durch die Großh. Zentralstelle für die Lairdesstatistik in den nächsten Tagen zugehen werden. Die Volkszählung wird mittels Haushaltungslisten, welche der Haus haltungsvvrstand cru^ufüllen hat, vorgenommen, während der Viehbestand von den Zählern unmittelbar in die Zählliste ein- gettagen werden muß.
** A ch t e t auf die G e l d st ü ck e. In der letzten Zeit werden wieder falsche Einmarkstücke angehalten. Sie sind schlecht geprägt, haben eine dunkle Färbung und fast keinen Klang. Sie tragen die Jahreszahl 1905. Alte Fünfzigpfennigstücke, erkenntlich an der großen Zahl 50, sind ebenfalls im Umlauf. Sie haben geringen Silberwert und sind seit einigen Jahren außer Kurs gesetzt. Ferner befindet sich Geld feindlicher Staaten im Umlauf. Besonders zahlreich findet man russische Rubel mit dem Bildnisse des jetzigen Zaren und der Jahreszahl 1897. Man verwechselt diese 6)eldstücke sehr leicht mit Dreimarkstücken. Daher fei man recht vorsichtig. «
** Vom Taba kbau in beiden Hessen. Der vor- läungen Nachweisung über den Tabakbau im deutschen Zollgebiet ist folgendes zu enttrehmen: In Hessen-Nassau haben im Jahre 1916 rund 616 Tabakpflanzer 682 ar mit Tabak bebaut, davon halten 433 Grundstücke mehr als 4 ar und 249 weniger Flächen- größe. Im ganzen sind in Hessen-Nassau in diesem Jahre 13,6 ba Land mehr wie im Vorjahr mit Tabak bepflanzt worden. Im Großherzog rum Hessen stellte sich die Zahl der Tabak- pslanzer auf 1019. Diese hatten insgesamt 2098 ar, davon 2025 Grundstücke über 4 ar und 73 unter 4 ar Größe mit Tabak bepflanzt. Gegen das Vorjahr bedeutet dieses ein Mehr von 138^1 ba. Hinzugefügt sei, daß une in beiden Hessen, im ganzen deutschen Zollgebiet mit Rücksicht auf die gestiegenen Tabakpreise bedeutend mehr Tabak gebaut wurde, nämlich 3690,3 ba mehr wie im Vorjahr.


