Ausgabe 
13.11.1916 Erstes Blatt
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bedingten Verhältnisse die Schalterdrenststunden beschränkt werden, und zwar beim Postamt 2 in der Schulstraße ans die Zeit von 81 und von 27. Beim Postamt 1 (Bahn­hossstraße) werden vorerst lediglich die Paketannahme- und Ausgabeschalter um 7 Uhr abends geschlossen werden.

** Vermißte von Le Quesnoy. Wie uns der Bezirksausschuß Gießen für vermißte und kriegsgefangene Deutsche mitteilt, hat die Untersuchung über dre ini Früh­jahr dieses Jahres auftauchende Postkarte, die angeb­lich von seit Le Quesnoy vermißten Angehörigen hessischer Regimenter aus einem Gefangenenlager in Kanada ge­schrieben worden sein sollte, nunmeyr ihren gericht­lichen Abschluß gefunden. Auf Grund der Gutachten von Schriftsachverständigen verurteilte das Schöffengericht Gießen den aus Oberhessen stammenden, später in Nord- Amerika und zuletzt in Frankfurt a. M. wohnhaften Deutsch- Amerikaner Friedrich Wilhelm Böckel als Urheber der niederträchtigen Fälschung zu 3 Wochen Gefängnis.

** Die Bucheckernernte. DieDarmst. Ztg." schreibt: In den Tageszeitungen sind mehrfach Beschwerden über die Vorschriften, die durch die Bundesratsverordnung vom 14. September d. Js. über die Bucheckern getroffen worden sind, zum Ausdruck gelangt und Mänderirngsvor- schlä^e und Wünsche vorgetragen worden. Um die in dieser Hinsicht anscheinend bestehenden Mißverständnisse und Jrr- tümer aufzuklären, sei folgendes mitgeteilt: Buchenwälder sind nicht in allen Gegenden Deutschlands in größerer Ausdehnung vorhanden; im Nordosten unseres Vaterlandes fehlen sie fast gänzlich. Die Bucheckernernte ist heuer nur im Süden und Südwesten von Deutschland einigermaßen von Belang: von dem Oelmangel ist aber ganz Deutschland gleichmäßig betroffen. Es erschien daher nicht angängig, daß der Bundesstaat, der durch die Gunst der Natur mit Bucheckern bedacht wurde, diese für sich behält und zu Oel verarbeiten läßt, während die Bevölkerung der anderen Bundesstaaten leer ausging. Die erwähnte Verordnung be zweckte daher durch die Vorschrift der Ablieferung und gemeinsamen Verarbeitung der Bucheckern, das ganze Reich gleichmäßig mit Oel zu versorgen. Den einzelnen Ländern, rn denen Bucheckern vorwiegend geerntet werden können, konnten lediglich besondere " Vergünstigungen zugestanden werden, die zugleich einen starken Anreiz zum Sammeln bilden sollten. Neben Freigabe von 1/4 der gesammelten Menge bis zum Höchstbetrag von 25 kg zur Oelgewinnung für ven eigenen Hausstand der Sammler, wird dem ein­zelnen Bundesstaat für je 100 kg anä seinem Gebiet abge lieferter Bucheckern die Lieferung von bis zu 4 kg Oel und 25 kg Oelkuchen oder Oelmehl als Vorausleistung ohne An recknung auf die Verteilung weiterer Mengen von Oel und OeÜuchen gewährt. Es liegt außerhalb der Zuständigkeit -der Landesregierung, die Vorschriften dieser Verordnung abzuändern oder Ausnahmen zuzulassen. Auch für die Sammellöhne ffnd die vom Kriegsernährungsamt festge setzten Richtpreise maßgebend. Neuerdings sind die Landes behArden ermächtigt worden, in EinzelsäUen den den Samm­lern zustehenden Anteil von 1/4 auf 1 / 2 , jedoch unter Ein Haltung der Höchstmenge von 25 kg, zu erhöhen, wenn nach dem sachverständigen Gutachten der zuständigen örtlichen Norstbehörde die Masse nicht so groß ist, daß schnell und imühelos gesammelt werden kann, oder wenn sonst die Aus­nahme zur Förderung der Sammeltätigkeit dringend not­wendig erscheint. Hiernach wird auch weitergehenden Wün­schen Rechnung getragen werden können, wo dies nach den Örtlichen Verhältnissen berechtigt erscheint. Vater­ländische Pflicht ist es für jeden, soviel er vermag, dazu beizutragen, daß die Bucheckern möglichst restlos ein­gebracht werden. Die Felder sind leer, nun gilt es im Walde »noch die Ernte einzutun, um die OelversorgUng des deutschen 'kBolres zu sichern. Namentlich die Schulen, die unter der 'hingebenden Leitung und Führung der Lehrer und jLehrerinnen schon so sehr Ersprießliches und Segens­reiches in dieser Sache geleistet haben, sollten weiter helfen, «damit ein voller Erfolg erzielt wird. Eine weitere Erhöhung !des Sammellohns, der übrigens heute schon den dreifachen Metrag des Preises beträgt, der sonst in Bucheljahreu im freien Verkehr für die Bucheln bezahlt wurde, ist in An­betracht der Zunahme der Schwierigkeiten des Sammelns bereits angeregt.

I ** Die Buchführungskurse für Handwerker- Frauen und -Töchter, die sich letzten Winter so großen Zuspruchs erfreuten, werden heute, Montag, abends 8 Uhr, für »(diesen Winter wieder ihren Anfang nehmen. Sie werden im Saale '(der 2. Klasse der höheren Mädchenschule (Eingang Tammstraße), abgehalten. In der für Handwerker-Frauen und -Töchter, die ohne Mlann oder Vater das Geschäft weiterführen sollen, immer schwe­rer weidenden Kriegszeit, ist die Kenntnis guter Buchführung fvon größtem Nutzen. Reallehrer A p p e l hat wieder in uneigen­nützigster Weise die Leitung der Kurse übernommen; der Ällg. Deutsche Frauenverein (Ortsgruppe Gießen), ist dadurch in der Lage, den Unterricht unentgeltlich gewähren zu können. Nach Beginn eines Kursus ist eine Beteiligung neuer Teilnehmernnnen nicht mehr möglich, die Anmeldungen zum 1. Kursus müssen also wor heute abend erfolgen. Wir veriveisen auch noch auf die heutige I Anzeige.

** Aus dem Stadttheaterbureau. Auf die Wieder­holung der hübschen Kleinstadt-KomödieDas Alter" in der ^rgigen Dienstag-Abonnements-Dorstellung sei auch an dieser »Stelle hingewiesen.

"Das heutige Kreisblatt Nr. 145 enthält Bekannt­machungen über Anmeldung von Wertpapieren; Futtermittel; Hausschlachtungen; Kartoffelbezugsscheine; Feier des Geburtstages de4 Grobherzogs und Ergänzungswahl des Kreistages des Kreise? Gießen durch die 50 Höckstbesteuerten.

31 b fl a b e von Süßstoff (Saccharin). In der Zeit «cm 11.20. November ds. Js. wird gegen den Liefecungs abschnitt 5 der Süßstoffkartenll* (blau) undG* (gelb) von den Süßstoffabgabestellen Süßstoff abgegeben. Siehe Bekanntmachung.

* Gerste zur Mästung von Jungschweinen. Die zur Verfügung gestellte Gerste ist zur Hälfte eingetroffen und wird von Dienstag, 14. ds. Mts. ab ausgegeben. Siehe Bekannt­machung.

** Lichtspielhaus Bahnhofstraße. Das augenblicklich zur Aufführung gelangende FilmdramaDer Thug", im Dienste der kTodesgöttin bewährt sich als sehr wertvolle Neuerscheinung der Mmkunst. Besonders interessant sind die indischen Landschafts­bilder, die an Ort und Stelle ausgenommen sind. Ebenso sind alle indischen Geräte echter Herkunft. Der Inhalt ist fesselnd. Ein gutes Beiprogramm füllt den weiteren Teil des Programms. Landkreis Gießen.

'V- Großen-Linden, 13. Nov. Der jüngste Sohn der Händlerin Georg Weber Witwe sie hat vier Söhne im Felde Otto Weber wurde im Osten mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Weber diente bei Ansbruch des Krieges bereits ein Jahr bei den weißen Dragonern. Mehr als vierzig unserer tapferen Krieger haben sich bis jetzt die Auszeichnung unseres Heimatlandes erworben. 4

* Stangenrod, 13. Nov. Unser Lehrer Wilhelm G ö r g. her als Ersatzreservist einrückte, wurde zum Leutnant der Landwehr ^befördert. Er ist bereits Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille »und des Eisernen Kreuzes.

* Utphe, 11. Nov. Der Kriegsfreiwillige Gefreite Ludwig Wetterhahn wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet Wetterhahn meldete sich zu Kriegsbeginn freiwillig zürn Heeresdienst und wurde dem aktiven Infanterie-Regiment Nr. 116 zugeteilt, in .wuchern er jetzt noch känlpst.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 12. Nov. Eine der ältesten Mitbürgerinnen der Stadt, die 91jährige Witwe Ehristtane Knas, ist am vorigen Zittwoch Ur-Ur-Gro ß mutt er geworden, eine Freude und Gnade, die einem Menschen nur sehr selten beschert wird. Die alte Frau ist noch recht rüstig und geistig interessiert. Zur Geburt ihres Ur-Ur-Enkels wurden ihr viele herzliche Aufmerksamkeiten zuteil.

# Büdingen, 11. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielten der Fahrkanonier Georg Hofmann und der Landsturmmann Rtch. Mangold, das Friedrichskreuz der Hoboist Bärget.

Bösgesäß, 11. Nov. Das Kriegs-Ehrenzeichen erhielt ür hervorragende Tätigkeit in der Kriegsfürsorge der Lehrer Frtedr. Hermann, zurzeit im Felde.

# Bleichenbach, 11.Nov. Auf dem Felde der Ehre starb der Pionier Heinrich Sittner. Das Eiserne Kreuz erhielt Musketier Rud. Velten im Jnf.-Rgt. 117.

* Borsdorf, 11. Nov. Seit den letzten Kämpfen vor Verdun werden Albert Döll, Karl Eifer, Ludwig Möbus und Karl M ö b u s vermißt.

# Düdelsheim, 10. Nov. Die Hessische Tapferkeits­medaille erhielt Musketier Nazarenus im Jnf.-Regt. 222. - Das hiesige Reservelazarett wurde nach zweijährigem Be­stehen aufgelöst.

y. Nidda, 12. Nov. Der Kaufmannslehrling W. F. von hier, der in Friedberg in Lehre steht und heute hier bei feinen An­gehörigen weilte, schoß einem Schuljungen mit einem Tesching durch die rechte Hand. Der Vater des Verletzten erstattete Anzeige bei der Polizei.

2$. O r t e n b c 19 , 13. Nov. Die dringliche Eingabe betreffend die Bucheckernernte, die der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz in ähnlichem Sinn wie die Gemeinde und das Kreisamt Büdingen an Großh. Ministerium der Finanzen und an Herrn von Batocki richtete, hatte insofern schon einen Erfolg, als das Kriegsernährungsamt erlaubte, daß den Sammlern nicht ein Vier­tel, sondern die Halste bis zur Höchstmenge von 25 Kilogramm be­lassen wird Und daß für das Kilogramm abgelieferte Bucheckern, bis zu 70 Pfg. bezahlt werden kann. Hoffentlich tragen diese neuen Bestimmungen wesentlich dazu bei, daß der Sammeleifer noch größer und damit ein großer Teil der ungeheuren Schätze, die noch in den ßVÄdern liegtn, zum Besten des Volksganzen ge­hoben wird.

Kreis Alsfeld.

" Büßfeld, 13. Nov. Dem Lehrer Daniel Appel, der als Telephonist bei einem Feldmaschinengewehrzuq in den Kar pathen steht, wurde wegen hervorragender Tapferkeit vor dein Feinde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.

Kreis Laulerbach.

z. Grebenhain, 12. Nov. Ter Musketier Andr. Fischer

welcher bei den Kämpfen in Galizien seit Juni d. I. vermißt wurde, hat seiner Familie mitgeteilt, daß er in russischer Gefangen­schaft geraten sei, sich am Bahnbau bcffnde und um Zusendung von warmen Unterkleidern und Strümpfen gebeten: Musketier Emil Le sch, vom Jnfanterie-Reg. Nr. 168, wird auch schon seit 13 Wochen vermißt, lieber die Beiden schon über 1 Jahr in der Champagne-Schlacht vermißten Infanteristen Leopold Zrm m er­mann und Emil Faitz sind alle Nachforschungen erfolglos ge blieben. >

ü. Ober-Moos. 13. Nov. Unteroffizier Bau! Fischer, der seit Anfang des Krieges im Felde steht, erhielt aus dem west liehen Kriegsschauplatz das Eiserne Kreuz. Ebenso erhielt dort Musketier Paul S ch ä g die Hessische Tapserkeits- medaille.

ü. M 0 0 s e r - G r u n d , 13. Nov. In den Dörfern unseres Grundes sammeln eben die Schüler fleißig Bucheckern. Manche Schulen haben es auf einige Zentner gebracht. Die nahen Buchen­wälder liefern eine reichliche Lese, da ausgereiite Eckern in Menge vorhanden sind. - Auch Privatleute sammeln eifrig diese Oel fruchte, tote es bereits früher auch schon mit den Haselnüssen ge chehen ist. Wer einmal Biicheckernöl benutzt hat, schätzt es.

Kreis Friedberg.

# Aus der Wetterau, 11. Nov. Es mag sein, daß man- der Bauersmann seine Kartoffeln eben zurückhält, um im Früh jahr einen weck höheren Preis zu erzielen. Es kann nicht genug betont werden, daß sich die Betreffenden in einem großen Irrtum befinden. Jeder vernünftige Landwirt sollte deshalb jetzt eine recht große Menge Kartoffeln absetzen, damit die Städter ihren Kartoffelbedarf decken können. Auch aus dem einfachen Grunde weil während des Winters ein gewisser Prozentsatz in Fäulnis übergeht.

Kreis Wetzlar.

d. Wetzlar, 12. Nov. Der Vorsitzende des Kreisausschusses gibt bekannt, daß für d i e s e Woche auf den Kopf der Versorgungs berechtigten 25 Gramm Speisefett (Butter und Schweineschmalz) nach den Fettkarten zur Verausgabung kommen. Für diese Woche sind der Stadt durch den Kreis und Viehhattdelsverbaird an Schlachtvieh überwiesen: 13 Stück Rindvieh, 8 Schweine und 10 Kälber. Es entfallen nach dem Gewicht der Schlachttiere auf den Kopf der Bevölkerung 200 Gramm Fleisch.

ra. Bellersdorf. 12. Nov. Die Eheleute Heinrich Neu hos I. feierten in diesen Tagen das Fest der Goldenen Hochzeit.

ra. G a r b e n h e i m bei Wetzlar, 12. Nov. Unteroffizier Fritz Mohr, Feld-Art.-Regt. Nr. 63, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klaffe ausgezeichnet.

Tel. Groß-Rechte nbach, 12. Nov. Seinem Brnder Karl folgend, starb am 29. Oktober in einem Feldlazarett an den Folgen einer schweren Kopfverletzung der Landsturmmann Wilhelm Medebach im Alter von 27 Jahren den Ehrentod.

schlag erteilt. Der neue Pächter übernimmt den Wtrtschastsbetrteo vom 1. Dezember d. IS. ab. , . ^

ra. Limburg, 12. Nov. Vom 15. November ab fallen brs auf weiteres auch die beideü Westerwald-Züge nachmittags um 2.24 und 2.30 Uhr, also in der Richtung nach Montabaur uno Westerburg, aus. _ -

vermischtes.

Ein Eisenbahnunglück.

Köpenick. 11. Nov. (WTB.) Heute vormittag fuhr tu der Nähe von Wilhelmshagen der Balkanzug ut eine Schar von Streckenarbeiterinnen. 18 Frauen tvurden getötet, eine Frau verwundet. ^ - , *

Berlin, 11. Nov. (Priv.-Tel.) Zu dem Eisenbahn­unglück bfi Wilhelmshagen meldet derBerliner Lo­kal-Anzeiger": 22 Sttcckenarbeiterinnen traten, als cm Militär- Urlauberzug nach Berlin durchfuhr, auf das Nebengelem und winkten von hier aus den Soldaten lebhaft zu. In diesem Augen­blick brauste der Balkanzug von Berlin mit großer Schnelligkeit hieran, den die Frauen infolge des starken Nebels und des -arnw des Militärzuges nicht bemerkten. 19 Frauen waren sofort tot, drei wurden schwer verletzt. Vier Arbeiter, dre der Kolonne angehörten, blieben unverletzt, erlitten aber durch den Anblick der Katastrophe Nervenerschütterungen. Auf der Unfall 'teile sah es grauenhaft aus. Sie war in einer Weite von etwa 50 Meter Breite und 30 Meter Länge völlig mit Blut überzogen. Ueberall sah man zersetzte Gliedmaßen und Leiber liegen Die Leichen werden in der Halle des Rahnsdorfer Friedhofes aufgebahrt.

* Eine mutige Retterin. Bei stürmischem Wetter hat, wie verschiedene Berliner Blätter melden, die Ehefrau A. Ranke aus RanchfangSwerder mit eigener Lebensgefahr in der Nähe der Rohrinseln im Zeuthener See zwei tu i t den Wellen kämpfenden Soldaten gerettet. Es gelang der tapferen Frau, beide Soldaten, deren Boot gekentert war, in ihren Kahn zu retten. Die Retterin ist nach der Anstrengung und Ausregung ertrankt. __

Handel.

Berlin, 10. Nov. (WTB.) Unter dem Namen Deutsche H a u p t b a n k f ü r H y P 0 t h e k e n s ch u tz , Mt.-Ges. ist in Berlin von dem Arbeitgeberverband für das Baugewerbe in Gemeiwchaft mit den führenden Organisationen der deutscheit Hausbesitzer eine Rückversicheruugsgesellschaft misi 3 Millionen Mark Kapital be­gründet worden, die bestimmt ist, nach einem neuartigen -allstem Zinsen und Kapital der Hypotheken zu verbürgen. Tie Ausbreitung des Unternehmens über ganz Deutschland ist in Vorbereitung.

Letzte Nachrichten.

Hessen-Nassau.

Bootsunglück bei Limburg.

Limburg, 13. Nov. (Drahtnachricht.) Gestern abend er­eignete sich auf der Lahn zwisckien Limburg und Dehren bei Diet­kirchen ein schrveres Bootsunglück. Das um 6,15 Uhr von Limburg abgehende Lahnschiff hatte kaum das Mühleiter Ufer passiert, ab eine heftige Explosion des Benzolkessels erfolgte. Die Flam men schlugen aus dem Kessel und ergriffen das Schiffchen. wobei ein Mädchen in Brand geriet. Die Passagiere wurden von einer Panik ergriffen und der Bootführer Kölle versuchte, das,' Boot an das Mühlener Ufer heranzufülwen, was auch gelang Währenddessen retteten sich die Passagiere durch Sprung in das' Wasser. Ein Mitfahrer aus Dehren rettete mehrere Personen Trotzdem ist ein Mädchen dabei ertrunken. Weder die verkohlte Leiche des verbrannten Mädchens noch die der Ertränke neu konnte bisher gelandet werden.

[] Biedenkopf, 13. Nov. Der Landrat hat angeordnet, daß bei jeder Hausschlacktun g ein bestimmtes Teil Fett zu den üblichen Preisen an die Sammelstelle abzugeben sei. DaS Fett würde den Munitionsarbeitern weiterverkauft.

[} Kirchhain, 13. Nov. Unter großem Andrange wurden am Freitag hier von der Laudwirtschastskammer Russen pferde verkauft. Der Handel ging bei hohen Preisen flott.

X Hanau, 10. Nov. Die Stadtverordneten haben in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, den städtischen Beamten, Lehrern usw. Teuerungszulagen in der gleichen Höhe und in der gleichen Abgrenzung, wie sie der preußische Staat gewährt, zuzubilligen.

--- Uniterliederbiach, 11. Nov. Die 13 bezto. 14 J-ahre allen Schüler Eb^el und Encker entwendeten aus dem Weifen- back'schen Pulverlager eine Kiste mit 25 Pfund Pulver. Die Ladung gruben sie auf einem Acker ein und sprengten sie als! Mine" in die Luft. Hierbei erlitt Ebel schwere Verletzungen am ganzen Körper, während Eucker mit leichteren Verwundungen da­vonkam. Beide Jungen kameir in das Höchster Kreiskrankcnhaus.

g. Eschwege a. d. Werra, 11. Nov. Auf den: kurhessischen Braunkohlenbergwerk Zeche Marie am Hirschberge bei Eschwege wurde gestern der verheiratete Bergmann Ludwig aus Romme­rode durch herabstürzende Gesteinmassen verschüttet und getötet.

ul. Limburg, 12. Nov. Bei der Neuverpachtung der hiesigen Bahnhoiswirtschait wurde dem Babnhofswirt Harbusch aus Haiger zu einem Pachtbetrag von 6000 Mark jährlich der Zu-

. Alle Kräfte dem Vaterlande!

Berlin, 13. Nov. Urtter dieser Ueberschrift schreibt der BerlinerLokal-Anzeiger": Die Vertagung des Reichstages durch die Regierung ist bekanntlich diesmal bei einem nicht unerheb­lichen Teil der Bolksverttetung auf Widerspruch gestoßen. Man ineinte, daß doch schon vor Mitte Februar Ereignisse eiittreten Sonnten, deren schleunige Besprechung im Parlament wünschens­wert erscheinen würde. Man setzte sich aber über die Bedenken hinweg in der Erwägung, daß es ja in einem solchen Falle die Re - gierimg in der Hand habe, das Haus auch vor dem festgesetzte Termin wieder einzuberufen. Wie unr nun von sonst zuverlässiger Seite erfahren, dürfte von dieser Möglichkeit demnächjt Gebrauch gemacht werden. Allerdings würde den Anlaß dazu nicht, ivie tvohl diese der Vertagung widerstrebenden Elemente gedacht lfaben, dm auswärtige Polittk geben, sondern innere Angelegenheiten. Man nimmt in den Kreisen, aus denen unsere Jnfor- mattonen stammen, an, daß es sich unter anderem um ein Gesetz handelt, durch das alle deutschen Kräfte in gewissem Umfange demVater- lande dienstbar gemacht werden, ohne daß durch diese Maßnahme die Wehrpflicht verlängert wird. Dabei ivird die Regierung in der angenehmen Lage sein, auf Taten hinzmveifen, die ihren guten Wstllen erhärten, den Wünschen des Reichstages gerecht zu werden. Die Erörterung der Kriegsziele bei- spietsiveise wird nach den Informationen unseres Gewährsmannes bis dahin freigegcben fein mit der Maßgabe, daß nicht Berufsstände und Parteien gegeneinander verhetzt oder neuttale Staaten verletzt werden. Vielleicht dürfte auch, schon über das Schicksal des einen oder anderen der vom Reichstage angenvminenen Jnitiatrvgesetzc authentisch beftiedigende ,Auskunft gegeben werden können.

DerBerliner Lokal-Anzeiger" bemerkt hierzu: Soweit die uns zugcgangene Mitteilung. Wlir würden jede Maßnahnre be­grüßen, daß ein Zusammenfasisen aller im Volke vorhandenen Kräfte bedeutet, denn die Vermehrung von Arbeit und Leistung kann der gewalttgen Aufgabe, die Deutschland zu erfüllen hat, nur von Vor­teil sein. Dies würde inffo höherem Maße der Fall sein, je mehr dabei beabsichtigt wäre und je vollkommener es gelänge, dm neu für die Staatsaufgaben heraugezogenen Kräfte auf die Plätze zu stellen, auf denen sie nach ihrer Vorbildung, ihren Kenntnissen und Erfahrungen am meisten zu leisten vermögen.

Der Zentralausfchutz der Volkspartei.

Berlin, 13. Nov. Am Sonntag hielt der Zentralaus- suß der Fortschrittlichen Volkspartei eine Sitzung ab. Nach einem Bericht des Mgeordneten Payer gelailgte mit allen gegen eine Stimme folgende Entschließung zur An­nahme :

Ter Zentralausschuß billigt die Haltung der Reichs tags- ftccktton der Fortschttttlichen Vvlkspartei und dankt ihr für die klare und weitblickende Führung. Er verurteilt die schädigenden Umtriebe .gegen die verantwortliche Leitung der Reichsgeschäfde und anerkennt zur Erfüllung der durch den Weltkrieg gestellten Auf­gaben die Notwendigkeit der polittschen Zusammenarbeit mit der Reichsregierung auf dem Boden sachlicher Verständigung. Ter Zentralausschuß spricht dem Heere und der Flotte volle Bewunde­rung und den wärmsten Tank für ihre unvergänglichen Verdienste unr das Vaterland aus und bezeugt, daß das deutsche Volk unter allen Opfern und Entbehrungen in unerschütterlicher Entschlossen­heit gewillt ist, das Reiche zu. schützen und seine Wohlfahrt in einem ehrenvollen und dauernden Frieden zu sichern." _