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25.10.1916 Zweites Blatt
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Nr. 251 Zweites Blatt

M. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des SormtagS.

Beilagen:Sietzener ZamilieublStte^ und ttreisblatt für den Breis Gießen".

poftfchetkkonlo: Zrenkfurt am Main Rr. U686. Vankverkehr: Sewerbedank Sietzen.

General-Anzeiger für Gberhchen

Mittwoch, 25. Oktober lW

Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'sche Unwersuäts-Buch-u.Steindruckcrei.

R. Lange, Gießen.

Schristleitung, GeschäftsfteSe und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäftsstellen.Verlag:

Schristtettung: 112.

Anschrift f.tt Drahtnachrichten: AnzeigerTie '.c.:.

Uriegsbriefe von der rumänischen Zront.

Von unferenr MM südöstlichen KriegsstsMrplatz entsandten Sonder­berichterstatter.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Aus den Kämpfen nur Kronstadt.

IV.

Kronstadt, 13. Oktober.

Tte Sommersäden fliegen, die Sonne stetst gegen uns, so daß cs schwer ist, zu erkennen, nms auf den Bergen hinter Kronstadt und hinter Petersberg (Szentpeter), das südöstlich uns gegenüber liegt, vorgeht, und so hat man an dem Boobachtungspmikt, den wir gewählt haben, noch immer nicht das Gefühl, mehr vor sich zu hicken, als an sich nicht sehr beträchtliche Nachhutgefechte. Tenn von der Arttllerie des Feindes ist einstweilen nicht viel zu merken. Wahrscheinlich hat er sie bereits durch die Pässe östtich von Krow stadt, insbesondere durch den Tömospaß über Predeal in March gesetzt, um sie rechtzeitig in Sicherhett zu bringen. Lagegen bollert es aus unserer Seite in immer ausgedehnterer Front los. Auch ganz nahe von uns hat sich eine Batterie eingenistet, die -zwar nur lang­sam, aber doch unablässig Feuer gibt. Der Platz, an den wir gelangt sind, ist einer der Uebergänge über den Burzen buch nordwestlich des mehrfach erwähnten Petersberg. Es schirmden sch dort mehrere Straßen, und der Zufall will es, daß wir so ziemlich in den Mittel­punkt der beginnenden Gesechtshandlung geraten sind, 4ne Brücke ist gesprengt, aber.die Sprengung ist Stümperei, wie man viel derart aus dem neuen Kriegsschauplatz zu sehen bekommt, -sie \)t keineswegs unpassierbar, hängt vielmehr nur in der Mitte in sanftem Mfall zur Sohle des in dieser regenarmen Zeit überaus zahmen Wildbachs herab, wo sie sich ganz gemütlich auflehnt, nur daun aus der anderen Sette ebenso sacht zur Landstraße wieder cmporzuführen. Man kann trockenen Fußes über sie hinweg von cincm Ufer anfs andere gelangen, und zwar wird sie während des Tages nicht nur von einer Menge Kolonnen, sondern sogar von schwerer Arttllerie ohne jede Schwierigkeit benützt. Vor uns liegt die Ebene nördlich voii Kronstadt mit ihr«: Stoppel)cldnn und verspäteten Kukurrntzschlägen, durch die. sich einander ziemlich gleich­laufend die Bahn nach Norden, eine einer dicken Raupe ähnliche langgestreckte Bodemoelle und die Vorberge nördlich Petersberg quer hindurchziehen. Kronstadt nnt seinen Bergen und dem Hoch­gebirge dahinter liegt rechts von uns. Noch immer steht der Qualm von Feuersbrünsten über der Stadt. Das Jnfanterieseuer östlich von uns dauert an; ab und an hämmern wich Maschinen Owehre. An der Brücke stehen ein paar verlassene, vom Feinde mit der ihm cigen«n Gründlichkeit vor seinem Abzug ausgeräumte, kleine Läufer. Alles, was in ihnen war, liegt kurz und klein geichlagen auf den Lösen. Keine Scheibe ist heil geblieben. In dem einen hat sich heute ein Artilleriebeobachter aufgetan. Man hört du Wei­sungen, die er dem Mann am Fernsprecher für seine Batterie zirruft. In dem andern arbeitet eine Feldfenisprecherstatton. Und im dritten liegt eine Maschrnengewehrkvmpagnie in Reserve.

Vereinzelte Einschläge deutscher Artilleriegeschoffe tni Bor­gelände, insbesondere auch im Gehölz der Berge nördlich Peters­berg sind deutlich zu erkennen. Tie Masckstneugewehrkompagnve wird arlamiert. Laute Kommando rufe ertönen: sie rückt eilends nördlich ab. Auf der Straße von Kronstadt her kommen lange Trainkolonnen heran: eine Batterie aus derselben Richtung über­holt sic und fährt neben der von vorhin in unserer Nähe ans. &te Aolmmen stauen sich ein Weilchen und verschwinden dann über die Brrrzenbach-B rücke im Hintergrund, wo sie im Gelände auffahren. Zu dem ersten Arttllerieboobachter gesellt sich ein zweiter, und bald ist ein dritter und ein vierter da. Ter Platz ist günstig. Dre Bor­boten jedes von ihnen sind die Leute mit der schweren Kabelspule auf dem Rücken, die den Feldtelegraphen einrichten. Ueber Hecken und Zaune kommen sie herangeklettert; sie streben die Lerade Linie zwischen Beobachtunqsstand und Batterie an, haben auch ein Vorurteil gegen die gebahnte Straße, auf 'bavexi ihnen chre Strippe doch nur entzwei gerissen und entzwei gefahren wird. Ein Auto fährt vor: ein Offizier springt heraus, besichtigt hastig die Villa der Herren vom schwarzen Kragen und läßt dann umkehren. Ja, es wird gehen! Zwar, die Beobachter sind oben. Aber das Erd­geschoß ist frei, und zu ihm gehört ein hübscher Vorbau mit freier Aussicht auf das Gefechtsfeld. Kurz, das Haus ist der geborene Gefechtsstand für einen höheren Stab. Zehn Minuten nach dem Besuch des Offiziers keuchen neue Krieger mtt der Kabelspule heran. Sie richten sich zu ebener Erde ein; wieder zehn Minuten später quäkt dort ein neuer Feldfernsprecher, und ein General und sein Stabschef stellen vor dem Hause auf der Straße und beobachten aufmerksam die Berge und den Höhenrücken gerade aus. Wenn nur die dumme Morgensonne nicht wäre! Was uns gegenüber­liegt, hat starken Schleier, wie man es in der Photographie nennt: und das ist doppelt peinlich, wenn man Berggelände vor sich hat, dessen Falten und Schluchten hinlänglich verdächtig sind, allerlei Ueberraschungen, die unter Umständen sehr unwillkommen sein köirnen zu bergen. Auf dem Vorbau werden unterdessen aus alten Proviantkisten und ähnlichem behilfsmäßigen Material Tische ge­baut, auf denen Karten und Fernsprecher ihren Platz finden. Auch ein paar Stühle werden gezaubert. Bald sind dort allerlei Be­sprechungen im Gange. Antos jagen jetzt ununterbrochen znm Ge- sochtsstand heran und dann wieder auf und davon. Ordonnanz­offiziere verlassen sie flüchttgen Fußes, erstatten dem Stabschef eine Meldung, zeigen irgendetwas auf der Karte, erhalten Bescheid und jagen wieder auf und davon. Llus den offenen Fenstern des ersten Stockes, aus denen die Scherenfernrohre der Beobachter wie Teufelshörnchen hervorsehen, ertönen ruhig und nachdrucksvoll, aber etwas durcheinander und hinlänglich abwechselnd in Stimm- lage und Tonfall die Weisungen der Offiziere, die von dort aus schießen." Einer komnumdiert mehr in sieghaftem Tenor, einer mehr in abgeklärtem Bariton und der dritte in gediegenem' Baß. Antwort hört man nicht, und auch, wo das KommandoFeuer!" lautet, ist die Wirkung bei dem allgemeinen Krachen inr Gelände im besonderen Fall nicht zu unterscheiden. So ist's, als vb inan im Sommer vor einem Schulhaus stünde, in dessen verschiedenen Klassen die Lehrer bei offenen Fenstern hohe Weisheit zum besten geben, die Schüler aber gefälligst den Mund zu halten haben. Natürlich steht auch auf dem Vorbau längst ein Scherenfernrohr zur Verfügung der Herren, die von dort aus das Gefecht vor uns leiten. Eine Reihe von Radfahrern zur Beförderung schriftlicher Befehle hat neben dem Gefochtsstand Aufstellung genommen. Zwei, drei Dutzend rumänische Gefangene werden von Begleitmannschaften mit aufgepflanztem Seitengewehr he rangebracht. Das ist nicht viel, aber cs sind die ersten heute: und vor allen Dingen, an ihrer Spitze marschiert, die Hand in der Binde, ein nach seinem Gesiclsts- ausdruck offenbar stark verärgerter richtiggehender rumänischer Major. Der Oberleutnant, der als Dolmetscher tättg ist, freut sich, Arbeit zu bekommeil und nimmt den gefangenen Stabsoffizier und die Leute ins Gebet. Kurz, es wird, allmählich recht lebhaft rings um uns >herum.

Auch draußen im Gelände. Ein deutscher Flieger ist vorhin hoch droben hinüber zum Feind gezogen. Jetzt fenert unsere Ar­tillerie dauernd auf die Berge nördlich Petersberg, in die Mulde Innter dem raupenarttgen Höhenrücken und auf diesen selbst. Das Gewehrfeuer vor lms wird immer stärker: und auch die Rumänen beginnen jetzt allmählich Artillerie zu entwickeln. Wenige hundert Meter vor uns erscheinen vereinzelte Einschläger, die unmöglich von unseren eigenen Batterien herrühven können. Ab und an scheint der Feittd auch die Arttllerie neben uns ajufs Kvrn zu

nehmen. Doch Platzen seine Granaten um mehrere hundert Meter vor ihr. Ein paar Schrapnetkwökkchcn, die ohne wahrnehmbare Veranlassung wenig über einen Kilometer vor uns jit der Luft schweben, scheinen die Linie unseres Angriffes auf die feindliche Stellung anzudeuten. Wahrscheinlich liegen dort unsere Schützen. Zu sehen ist nichts von ihnen. Man hört nur ihr Feuer, das sich aber mtt dem des Gegners vermischt. Auch der Gegtrer ist unsicht­bar. Unsere Artttleric begimtt Ekrasit-Munition zu verschießen; in den Bergen und auf den Hängen werden ihre schwarzen Qualm­fahnen sichtbar. In Brenndorf (Botfalu) links von uns bricht Feuer ^us. Schlachtenlärm ertönt rechts von der Straße nach Kronstadt her, wo wohl vor wie nach um den Zugang zur Stadt gekämpft wird und, wie es scheint, auch ganz hinten aus Nordosten. Nein, das sind denn doch keine Nachhutgesechte mehr. Das ist der Kampf mit einem Gegner, der offenbar noch ernsthaft Widerstand leistet. Oder wieder ernsthaft. Darauf, daß es seine Absicht war, abzuziehen, deuteten sein schleuniger Rückzug aus Kronstadt, die Brände von gestern abend, das Ausbleiben aller Nachtangriffe und seine geringe Artillerietätigkeit heute in den ersten Morgenstunden. Trotzdem hat er unserer: . Angriff jetzt offenbar angenommen. Seine Arttllerie schießt allmählich stärker, und balds stellt sich heraus, daß er sogar nach der alten Regel zu verfahren willens ist, nach der der Hieb als die beste Parade gilt.

Auf der Kronstadter Straße ist jetzt auch schwere Arttllerie solche mit den bekannten Pantinen rädern he ran gekommen. Sie steht jenseits des Baches und beschießt larrgsam einen Punkt nord­östlich hinter den Berger: vor uns. Ihre Ausschläger sind für uns nicht sichtbar die Geschosse fahren mit lang nachhallendem, kicherndem Heulen über uns hinweg. Werden sie wirken drüben beim Feind? Welche Szenen des Grausens mögen sich dort abspielen, wenn das mehr als % Meter hohe Geschoß sich in den Boden wühlt? Wenn es in Trümmer schlägt, was ihm dabei in den Weg tritt, schon durch den Lufdruck bei seinem Aufliegen alles in seiner Nähe zusammenschleudert und dann den zermalmenden Hagel seiner zackigen Eisenfetzen weithin um sich wirft? Doch kein Schrei des Entsetzens und der Todesangst dringt bis zu denen, die das brüllende Krachen des Schusses entfesselt haben, herüber. Sie haben weder Zeit noch Neigung, darüber nachzudenken, was sie beim Feinde wohl an- und ausgerichtet haben mögen. Hemds­ärmliche Kanoniere die Röcke haben sie, da die Oktobersonne es gar zu gut meint, auf den Nasen geworfen tun am GesMtz schnell hintereinander ein paar vorgeschriebene Handgriffe. Das Geschützrohr senkt sich und hebt sich wieder, cs ist bereit, von neuem Tod und Verderben dem Gegner zuzuspeien, der Geschütz­führer gibt die entsprechende Meldung und zieht dann gleich­mütig seine Zeitung aus der Tasche, die Zeit zu benützei:, bis ein neuer Befehl mtt der Nummer seines Geschützes erschallt. All das spielt sich ganz maschinenmäßig ab, was immer dort, wohin man geschossen, zur selben Zeit auch Vorgehen möge. Hauptsache, daß der Feind seinersetts einstweilen nicht herüberschießt. Tut er's doch, hat er die Stellung der Batterie entdeckt, kann man auch nichts machen! Vielleicht wird dann die Stellung der Batterie geändert. Vielleicht auch nicht. Wen es treffen soll, den erwischt es doch, und wenn er auch ganz hinten säße bei der Staffel. Man wird Fatalist am Geschütz, aber kein Philosoph mtt der Neigung zu über­flüssigen Betrachtungen. Lieber nützt man die Zeit, schnell noch ettvas nachzusehen, was es draußen in der Welt und was es daheim gibt. Ob bald Frieden wird?

Hunter Meter hinter der Batterie vielleicht sind es auch }PP ~* ^ >er mächtige Troß, steht die Bespannung, langwettei: s'kch Merdehallar, qualmt die Feldküche. Fahrer liegen herum und schlafen, ehrenfesten Geivissens, daß mau weine:: könnte vor Rühmng über soviel Gemütsruhe. Ob die Posaune:: des jüngsten Geruhtes auf ihr Trommelfell wirken würden, weiß ich nicht. Das Krachen der 21-Zentimetrigen läßt sie jedenfalls völlig ungerührt. Es ist ern medizrnisches Phänomen.

Da gibt es drüben beim Gefechtsstand der Division Bcwegum Offenbar geht im Gelände Besonderes vor. Alles späht hinübt zum Fernd. Einer der Herren löst den anderen am Scherenfernrol ab: wer den Platz n:cht frei ffndet, hat den Zeiß am Auge. Die A: ? »fi? 1 A?ck darüber geben alle gleichzeitig neue Kommar dos. Dre Maschinengewehre draußen hämmern fast ohne Pausc E ^nfanteriefeuer poltert mtt der Hast, die ohne weiteres d Abwehr eines feindlichen Angriffes erkennen läßt. Ueber de: raupenarttgen Höhenrücken zuckt es feurig auf, hier, da überall und :m Augenblick hängt die Luft denn auch voller Schrapnell Wölkchen! ^as ist unsere Artillerie! Und da weiß Gott! Unte den Wölkchen bewegt es sich vorwärts! In langer Schützenlini vrmA der Feind heran. Ga rnicht fern; man kasnn jeden Man durchs Glas unterscheiden. Im Schutze der Mulde sind sie ausgc schwärmt. Und fetzt sind sic über die Höhe herüber.

Ein Sturmangriff der Rumänen! Wahrhafttg, den hatte kau: lemand geahnt! Aber wo ist seine artilleristische Vorbereitun gebtteben, falls nickst das bißchen Schießen vorher sie vorstellc sollte? Und wo bleibt jetzt seine arttlleristtsche Unterstützung Tenn d:e paar Schrapnells und Granaten, die zu uns herüber kommen, können ebenfalls kaum als voll genommen werden! Wi sagte der alte Kaiser, als er die Division Margusrite bei Seda :hre Attacke der Verzweiflung reiten sah?Die armen Leute' entrang es ftch seinen Lippen. Die armen Leute! Das galt auc hier.. ..

Die ^rtterien schießen schneller und schneller, und imme hasttger zucken die Schrapnells über den feindlichen Schützen Auc Haubitzgranaten platz«: unter ihnen. Die Angreifer sind nac wenigen Mnmten verschwunden. Was mag nach rückwärts übe den Höhenrücken entkomm«: sein? Und was jetzt dort drüben au dem Hang liegen?

m. ii&ter Gedanke, der diesem Sturmangriff zugr:mde laa

VtüV schlecht ausgeführt mar er, so brav die gegnerische Jnfanter: auch vorging. Es handelte sich um nicht mehr oder weniger al den Versuch einer Umflügelung des deutstt)«: Angriffes auf Krou stadt be:m Bahnhof Vertalan, wo die Straßen aus Westen Nowen, Südwesten und Nordwesten zusammnttaufen. Der ru manische Führer war, offeittar nach längerem Schwanken, in de Frage, ob er Kron,tadt räumen solle oder inckst, zu den: Entschluß gekommen, unter Benutzung seiner zahlenmäßigen Ueberlegenhei aus der Lmre Hauptbahnhof-Petersberg und gesttltzt auf di Berge nördlich Petersberg, sowie mit .der mehrfach erwGute: raupenarttgen Bodenwelle als sckstltzendem Wall vor sich westliö vorzubrechen, er belstelt -dabei für den Fall eines Mißlingens di rettenden Passe hinter sich.

Der Angriff scheiterte, soweit ich nnr ein Urteil erlauben darf an der Unzulänglichkeit der rumänischen Unterführung und den Mangel an Zusammenarbeit der versckmeden«: Waffen, vor allen aber an der Genauigkeit unseres Arttlleriefeuers. Der Zusamnien bruch des ersten Angriffes ließ die Rumänen ihr Spiel noch nich verloren geben. Noch zweinral lviederholte die Infanterie des Geg ners ihren heroischen Versuch. Vergeblich! Zudem machte sich tt der ersten Hälfte des Nachmittags in ihrer Flanke ein neuer Feiui bemerkbar. Deutsche Truppen lvaren jetzt auch von Norden her in Anmarsch Die rumänische Führung mußte erkennen, daß ih (Lchachzug, bxe deutsche keineswegs überrascht hatte. Der Borstoj über Petersberg schasste den Verteidigern der Altstadt am Bahnhv Vertalan k«neswegs, wie sie gehofft hatte, Luft. Die deutsck>e ver fügte über die Mittel, auch von Norden und Nordosten her anm ^a cfen_

Um die Mittagszeit herum war der gegnerische Angriff end­gültig abgeschlagen. Unser eigener Angriff nahm ohne Unter­brechung seinen Fortgang. Der Gegner ivar wieder in der ihm durch die Girnst des Geländes erleichtert«: Verteidigung. Fortge­setzt beschoß unsere Arttllerie seine Stellung und seine Abzugs- straßen.

Am Verbandsplatz traf ich den katholischen Divisionspfarrer der Truppe, die vor uns im Feuer stand.. .. Ja, natürlich gab es auch einen Verbandplatz! Uird selbstverständlich gab es auch Arbeit dort, viel Schmerz und Herzeleid. Nicht alle waren so gut weggekommen, wie jener Artillettst, den vorhin bei einer der Batterien in unserer Nähe eine Schrapnellkilgel erreicht hatte. Er glaubte sich schwer getroffen, aber die Kugel war schon matt gewesen, sie hatte ihn g«:au in- der Mttte zwischen beiden Schul­terblätter:: blutig geschlagen, ihm aber sonst nichts getan, und nun wurde der arme Kerl, als man ihn verband, von seinen umstehen­den Kameraden auf seinen Schreck hin auch noch schnöde ausge­lacht. Ich traf den geisllichen Herrn, wie er den Opfern der Schlacht zusprach. Ich kenne ihn und weiß, daß es kein Mann leerer Re­densart«: ist. tlnter dem Eindruck des Erlebnisses dieses Tages war es für mich von Wert, sein Urteil über die Stimmung in der Truppe zu hören, jetzt, nach so langer Dauer des Krieges und unter dem Einfluß der von ihr verlangten neuen Anstrengungen und Opfer. Er sah mich an.Es freut mich, daß Sie mich fragen. Und noch mehr freut mich, was ich Fhnen zur Antwort geben darf. Sie wissen, unser einem sagen die Leute so manches, was sie einem ander«: gegenüber nicht aussprechen. Wir habep ein Urteil. So gebe ich ihnen die heilige Versickerung: es ist'im höchsten Grade rührend, welck)er Willen zum Sieg, welche Hingebung und Begeisterungsfähigkeit unter den Leuten lebt! Wollte Gott, die Stimmung in der Heimat wäre überall der im Heere ebenbürtig!"

Der Verlauf des Feldzuges in Siebenbürgen hat in seinenl bisherigen Verlauf abermals gezeigt, dast die Worte des Herrn Divisionspfarrers keine Uebertreibung sind. Er wird es auch weiter dartun. Ich l>abe vorhin, weil man auch dem Feinde gegenüber ge­reckt sein soll, die ausgezeichnete Haltung seiner Jnsantette in der L-chlacht vor Kronstadt 'hervorgehoben. Von der der üNsrigen habe ich nicht erst gesprochen. Es bedarf dessen nicht.

Während ich mit dem Pfarrer sprach, fuhren Sanitätsautos mit Verwundeten nach rückwärts ab. Neben dem Fahrer des einen von ihn«r saß der^ gleich frühmorgens gefangen eingebrachte ru­mänische Major mit dem finsteren Gesichtsausdrnck. Zufällig war auch der Oberleutnant da, der ihn als Dolmetscher venwmmen hatte. <

^Da scheint wirklich einmal ein Rumäne zu sein, dem seine Gefangenschaft nahegeht!" meinte ich.

Der Oberleutnant lachte.Das glaube ich wohl!" gab er Zurück.Der Mann hat keinen Lei Geld in der Tasche! Eine Sen­dung, die von Bukarest angeblick für ihn angekommen ist, hat ibn nicht mehr erreicht. An sich ist er keine Aussicht mehr, in chr«: Besitz zu kommen. An sich ist er, wie die meisten rumänischen Gefangenen auch die Offiziere keineswegs mißvergnügt/ datz der Kwieg für ihn zu Ende ist. Daß er aber mtt leerer Tasc^' :n die Gefangenschaft ziehen soll das paßt ihm ganz und gar nicht."

*

Am andern Tage, also am Montag morgen, ist dam: Kron­stadt Tiach letztem Widerstande, der an mehreren Punkten in hef­tigen Straßenkämpfen ausgellungen war, in seiner ganzen Aus- dehnmig von den deutschen mrd den ungarische» Truppen besetzt worden. Wir hatten bald Gelegenhett zu sehen, wie unser Angriff dort, wohin er sich richtete, gewirkt hatte....

_Adolf Zimmermann, Kriegsberichterstatter.

Gevrehtssaal.

Die gefälschten UrsprungszQlgniffe.

X Hanau, 24. Oktober. Um eine Einschleppung der Maul­und Klauenseuche nach Hessen zu verhüten, hatte das Großherzog­liche Kreisan^t in Lanterbach unterm 8. Juni 1914 eine viehseuchenpolizeiliHe Anordnung erlassen, nach der für alle in das Großherzogtum Hessen eingeführt«: Klauentiere beim Ab­schluß eines Kaufgeschäftes Ursprungszeugnisse vorgelegt werden mußten. Ohne Ursprungszeugnisse war es den Viehhändlern durch diese Anordnung also nickst möglich, Klauenttere, die sie auf einem Viehmarkt außerhalb Hessens Mlfgekauft hatten, auf einem hessischen Viehmarkt weiterzuverkaufen. Nim hatte der Schweinehändler Karl Kronm: am 7. August 1915 auf dem Schweinemarkt in Fulda 25 Ferkel in der Absicht gekauft, sie ant 9. August auf dem Markte des hessischen Ortes Herbstein wieder abzusetzen. Da ihm dies durch die obige Anordnung ohne Ursprungszeugnisse unmöglich gemacht war. wandte er sich «m den jetzt im Heeresdienst stehenden Sohn Heinrich des Landwirts imd Gemeindeschöffen Ludwig Gotllieb in Lichenrotb (Kr. Gelnhausen) und besttmmte diesen, ihm unNLihrerweise auf den vorgeschriebenen Ursprnngsfornmnalen zu beschettttgen, daß die Fer­kel aus d«: Ställen von drei näher bezeichneten Licheurotber Land­wirten. unter ldenen sich auch ^Heinr. Gottlieb befand, -stammten. Diese unrichtige Angaben «:thält«:de Bescheinigung legte nun Hein­rich Gotllieb seinersetts wieder seinem Vater, der damals für den im Felde stehenden Bürgernreister von Lichenroth die Dienstgeschäfte führte, vor, der sie anich unterschrieb und mtt dem amtlichen St«:tpel beglaubigte. Auf diese Weise in den Besitz von drei Ur- sprungszeugtttssen gelangt, macksten sich am Morgen des 9. August 1915 der Metzgergeselle Konrad Kromm (ein Sohn des Schweine­händlers Karl Kromm), der ins Vertrau«! gezogene Qrtsdiener Löffter und Heinrich Gotllieb nttt d«t 25 Ferkeln auf den Ä^g firm Viehmarkt in Herbstein, nw sie die Tiere auch wirklich ab­setzten. Von den Ferkeln ging einige Tage nach den: Ndarkte einj an den Gemeindedieuer in Mtensckstirs verkauftes ein und in dessen Gehöft brach- die Maul- und Klauens«:ckie cars. Der Aiksbruch der Seuche wurde mit dem auf bau Herbsteiner Markt gekauften Tiere in Verbindung gebracht und bei den Nachforschungen nach dem Ursprungszeugnis desselben kam die Fälschungsgeschichte heraus. Tie Folge war die Einleittmg eines Strafverfahrens gegen alle bei d«n Ferkelgeschäft Beteiligten, (ausgenonrmen Heinrich Gottlieb, der zur Fahne einberusen ist)' welches am 20. Juni d. Js. vor dem Hanauer Schwurgericht nrit der Berurtettimg der 'Angeklagten Konr. Kromm, Löffler und Karl Krontm zu Gefäng­nisstrafen von 16 Monaten seine Erledigung fand. Mben diesen Verurteiltat stand damals and* der 62jährige hinein beschösse Lndtoig Gottlieb vor den Geschnwrare». doch mußte das Ver­fahren gegen ilm zwecks iDettem* Beweiserhebung abgetrennt wer-- den. Heute steht nun der Zweiundseck:zigj ährigc wiederiun vor dem Hanauer Schwurgericht, und zivar legt ilstn die Anklage eine Ur­kundenfälschung in: Amte zirr Last, die sich m:f die oben angeführten Vorgänge ^bezielst. Urteil: 2 RLonate Gefängnis.

Pandel.

Friedberg, 24. Oft. Die Aktien-Zuckerfabrik Metterau mußte wegen ungenügender Anftchr von Zuckerrüben den Betrieb stilleqen. _

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