Ausgabe 
11.10.1916 Zweites Blatt
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Nr. M Zweites Natt

Erscheint lätziich mit AuSnahlne des Sonntags.

Beilag eil.Gicftcner Zamilienblätter" und ttretsblatt für den Ureis Gießen".

postfchrckkonlo: Frankfurt am Main Nr. U68ft. varrkoerkehr: Serverdebant Gießen.

lbb. Jahrgang

eiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Mittwoch, ©Kober \9\b

ZwillingSrunddrnck und Verlag: Brühl'scheUntversilatS-Buch-u.St.'ii'druckerei.

9t. Lange, Gießen.

Schriftleilung. GeschSftsstelle und vruckerei:

Schulstrabe 7. Geschäftsstelle u. Verlag: ,

Schnftlcitung: 112,

Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.

Uriegsbriese von der rumänischen Front.

Von wsseoem:m filböftlidjjcn Kriegsschauplatz entsandten Sonder der ichtersl alter.

(Nnüercch'ttgt« Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Zum Rüten-Drrm-PaK llach der Numättenschlucht.

D«ttsck»es Kriegspresseguartier Südost, den l. Oktober,

lll.

Die Gefangenen werden in Marsch gesetzt, und unsere Fahrt geht in entgegengesetzter Richtung weiter. Scho«e Last- und Äa iritätsautos komm«: unls aus unseren: ganzen Wege fortgesetzt ent ^egen, andere lassen den Staub vor und hinter uns in dichten Wolken auswirbeln auf ihrem Wege zur .Kvmpfseite unserer Stel lmrg. Gut, das; die Arnroe reichlich mit ihnen versehe,: ist :md das; die Wege hierzulande wirklich so ausgezeichnet sind. Tenn andern falls !ivär«: wir für den Nachsclmb an Munition und an Unterhalt für die Truppe ebenso lvie für die Abbriirgung der Bernmiidet«: auf werriger schnelle Befürdenungsntittel augewiesc,: gewesen, und so haben Isie den Schlager von Hermaunstadt, wie ihn der Oberbefehls Haber ersoirnen, Mit gewinnen helfen. Da der Tagesbericht seinen Rauten oiermt, l>abe ich keine Vevanlassung nrehr, danüt zullick zuhaltOt: Oberbefehlshaber ist General v. Falkeiihayn. Und cin rich tiger SMager ivar es, was wjir hier vor sich gehen gesehen, oder vielmehr nicht ge sehe:: Haber:; denn auch wir ,vnrder: ja erst ver­ständigt, nachdem die Würfel gefallen wäre,:. Ein Künstler-stückch«: Militärisch« Wurfkraft, cin .Hu san«sst reich im großen. Alles kan: dabei äuf Schnelligkeit an, auf Heimlichkeit, auf flottes Zusammen­arbeiten der miss der Durchführung des Grundgedairkcns in: ein zelnen betrauten Führer.

Wenn etwa jemand zn .Hause der Meinung sein sollte, das; die Rumänen strategisch schlecht beraten seien, so irrt er sich, ivic ich ihm im Vertrauen mitteileu kann. Was sie aus Eigenem anfbringei: und was etwa Hilfskräfte aus den Generalstäben der Entente als> ihren Anteil an der Entwickelung der Partie sich gutschrciben dür­fen, Mag einstweilen dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist die feind­liche Führmrg durchaus auf der Höhe, mrd sie hat sofort gewittert, was im Werke ivar, als der scheintote Gegner hinter .Hermannstadt auf einmal Leben zu zeigen begann. Hat auch ihren Gegenzug ver­sucht, indem sieGroßfeu«!" blasen u:w ihre Kronstadter Gruppe urit Wucht zum Angriff aus die sie im SclM) haltenden verbüudctcu Trichpeu Vorgehen lies;, selbstverständlich in der sehr sachgemäßen Absickst, über Fogaras durch das Mttal der schwerbedroli-ten Gruppe des Roten-Turnt-Pass-es die Hand zu reickxen. Sie kam indessen zu spät daMt, bei uns dagegen l>at alles gut geklappt.

Bor allen Dingen auch mit der Heimlichkeit. Man erriet wohl weiter Hinte?.:, das; bei Hermannftadt etwas vorgehe, irgend eine großangÄogte, lvilde Sache! 9lber bevor nran den Gedanken ans- zuspiunen begann, war bereits, nach mehr vorbereitenden und sozu­sagen unauffälligen Gefechten, in kurzen heftiger: Stöße:: aus den verscknedensten Richtungen zugleich der HaUptangriff vor sich gegan­gen. der den Bau der feindliche,: Stellung in Trümmer lege::'sollte. Ms dann die Siegospost da ivar, siel es den Leuten plötzlich wie Schuppen von den Augen. Jawohl! Eigentlich war ja wirklich in der letzten Zeit allerlei Mchehcn, wobei ,nvn dies u::d jenes hätte folgern können, wenn ja, wenn man eben auf den schlauen Ge­danke,: gekommen.wäre, daß das Ding sich so drehen lasse, ivie die Herren im Oberkommando in ihren vom Geheimnis umwobenen Arbeitszimmern es sich über der Karte aus gedacht hatten. Da Waren in nächster Nähe Dn^Penteile geivesen oder waren sie nrcht eigentlich Überhaupt noch da?, die sich, wie ruan nachträglich merkte, sozusagen Unter der Hmck» in den Aethcr verflüchtigt hatten Kurz, die Verschleierung der Msichtan des Oberbefehls war völlig gelungen, und die Herren Konjekturalstrategen, auf deren Ossein barnng«: man auch im Felde mcht weniger als in der Heimat air- getmesen :st, waren wieder eininal ganz und garnicht auf ihre Kosten gekommen.

Cbe,fso stand es mit der Leistung der Gcnzelsichrer mW mit der Schnelligkeit. Die Räder griffen ineinander wie in einem Uhr- wm.-k. Und während bayrische Bataillone nächtens geräuschlos in den Bergen untertauchte::, :vie zum Uebungsmarsch :n den lf-eimi- schen Mpen. sattelten anderwärts sächsische Reiter und bayllsckw :md rmgarisckie Honvedhusaren die Rosse zu heimlichen: Ritt, der fle an den Ort bringen sollte, von denü ans sie in .einem gegebenen/ RtoMent in die bevorstehende Schlacht einzugreifen hatten.' In Eil- Märsckjen rückten Truppenteile heran, die diese oder jene kleine Sonderausgabe kurz vorher noch aickerivärts in Anspruch genommen hatte. Ml dies vollzog sich in der größten Stille.

Dann erfolgte der berühmte Druck auf de:: Knopf. Im Westen und Nvrdloestei: brach, wie geplant, das Gewitter los. Aus dem Westen, <m den Berge,: entlang, drangen :närkische Regimenter

heran. Sie stürmten den Cioara und den Obreju-Berg, griffe:: die 9n:::en bei Poplaka an und schilugen sie schließlich nach zivei- tägtgem Ringe::. Aus Nordwestcn, also ans der Ebene, kamen Hessen u:ü) nrit ihnen Söhne der alten Reichsstadt Frankfurt. Zwssch«: Hesse:: uiü> Märkern fochten Ungarn. Der Zufall oder War es ritterliche Höflichkeit der deutschen Führung hatte den Ungarn den Gefechtsabschnitt zugeteilt, auf den, Herinannstadt lag. Sic koimten also dort als Befreier einziehen. Ganz streng ge­nommen allerdings, sofern mm: das bloße Erscheinen der bewaff­neten Macht als auss^laggebend anfehen will, war dieser Befreier jemand anderes gewesen, nämlich der Führer der dentsckxm Ar­tillerie. der schon vorher durch die Stadt geritten war. Allerdings allein; irgendwelche Mannschaften, die etwaige Rumänen hätten davonjage:: können, l>atte er nicht bei sich. Doch bedurfte es solcher nickst, es war kein F'oind in der Stadt. War auch nie einer, von etlichen Patrouille:: abgesthei:. darin aewesen. Welche Gründe die rumänische Fithrung für solck>e Zurückhaltung gchabt hat. ist deren Sackte. Tie Vermutung, daß sie der Manneszucht ihrer Leute nickst getraut lwt, liegt vielleicht nahe. Jedenfalls l>atte sie sich begnügt, den Radius der alles in allen: halbmondförmigen Brückenkopf­stellung, die sie vor den: Rotm-Turn^-P^ in Anlehnung an die Berge c:nge:wmincn hatte, ettvtt an der Gregor!)-Warte, also noch mesfcits der Stadt, ende:: zu lasse::. Das.städtische Wasserwerk, das dort liegt, hatte der Feind außer Betrüb gefetzt und so der Einwolnwrschaft eine allerdings nicht unbeträchtliche Unannehmlich­keit bereitet. In: übrigen aber hatte der Feind sich abwartcnd ver­halten. Jetzt stürmten Ungarn und Deutsche gemeinsam den Gre- gorh^Berg.

Kurz, die rumänische Führung an: Roten-Turm-Paß sah sich an der Wende vom 27. zun: 28. September einen: schweren Angriff aus Westen und Nordwesten gegenüber, den zun: Stehen zu bringe,: ihr nicht gelingen toar. Ter Feind schlug sich ausgezeichnet, und se:ne Artillerie toar der eigenen offenbar überlegen. Es war selbst­verständlich, daß der rumänische Führer angesichts der Schwierig­keit fetter Lage vor allen Dingen engere Anlehnung an die Kron- stadter Schwesterarmce s:ul)te. Tic nwr verständigt, und er durste sie im Amnarsch auf der Straße über Fogaras vermute::. Er durste sie namentlich auch für stark genug halten, die Truppenteile vor Kronstadt, die diese Straße bedrohten, hinlänglich beiseite zu drücken, zun:al für sie die Gefahr bestand, bei ernsthaftem Widerstand zw:- schei: ztoei Feuer, nämlich das der angreifendcn K^onstadter und das der sich östlich verschiebenden Roten^Tunn-5oeeresgruppe zu ge­rate::. Ter Kronstadter Führer meldete wohl denn auch, daß'er unterwegs sei.

Auf der Straße von Fogaras l)er wurde es denn auch allmäh­lich lebendig. Merkwürdig allerdings, daß der Gegner schon so tveit zturück war! Und, das eine Mußte man zngeben, für eine nach ru­mänischer Auff-assung geschlagene Truppe, noch dazu zwisckxn zwei Feuer::, zeigte er auffallend viel Haltung. Er schien sogar noch Lust zu haben, ausgesprochen angriffsweise nach Westen vorzügchcn! In recht energischem Angriff sogar! Auffallend ferner, daß die Mon - stadter in seinem Micken nickst fester zupackten. Rein nicksts nwr von :hne:: zu hören! Nur noch wenige Minuten ängstlicher Beobach­tung, und es war kein Zweifel nvchr! Eine- neue staüke Trilppe hatte s:ch :m Mt-Tal eingenistet und jagte dort, ohue jede Rück- slcht auf das nrutlnaßliche Nahen der Kronstadter in ihren: Rücken, d:e Rumänen vor sich hör, die dort die Verbindung mit diesen hatten aufnehme:: sollen. ES hieß, die verfügbäve:: Reserven enw setzen, v:elleicht sogar, als Verstärkung anderwärts Truppen aus der Front nehme::, die da allerdings nur allzu dringend gebraucht wuwen! Tenn das war nunEhr klär: der Kampf, in dem man am Morgen des 28. September stand, war ein Entscheidungskampf T:e Fvage toar, ob die Gruppe des Roten-Turnr-Passes sich auf S:clm:bnrger Boden würde behaupten können, oder ob sie iiber den Paß nach Rumänie:: zurückzngehen, den Paß anfzugebcn und dannt den Generalstäben der Entmte den Entwurf für den Feldzug :m Südostei: auch auf diesen Teil des .Kriegstheaters zu perderb«: genöttgt sem würde. Wienn die Kronstadter sich nur beeilt«:'

M um viel mehr bandelte, nänllich um Sein oder N:ckstse:n der gesM:ttxm an den Kämpf«: l>ett:l:gten rumänisch«^ Truppen, hat Man wohl auch da noch nicht gealytt. Auch nicht, als E bekamst tourdel, daß es in nächster Nähe deS Passes selbst :n lang«« Ausdehnung nicht mehr qeh«:er sei. Auch dort waren deutsche Truppen gespürt worden. Unangenehm! Aber wie viel könnt«: es schließlich sein? Sv vielck. daß dort ein ernstl-afteo Angriff versucht w«d«: konnte, hatt«: unmöglich üb« das Univeg- same Hochgebirge herangebracht werden können! Die Hauptsache ^ und blreb. staudzulialt«:, bis die Kronstadter .heran waren. Und d« Hi:eb :st die beste Parade. T« rumänische Führer beschloß in cS arlfe,t ^slensive Rettung zu sucl»«:.

Be: Poploka im Westen stand er gegen die Märker noch immer m herßem Kampf. Dessen AuSgang mußte abgewartet werden. Im

Osten, an der Mt, focht « gegen die dort erschien«:«: Angrrif«. Der n«:beschlossene Gegenstoß richtete sich nach Nord:'.', geg«: die Dörfer Sellenbeck und Baumgarten lBongard) südöstlich von Her­mannsladt. Auch dort entspannen sich erbitterte Kämpfe. Hessen und Ungarn stritten nutz d:e Ehre der erfolgreichsten Abwehr, des sieghaftesten Vordringens.

Und um neun, wie es in Berlin heißt, >var alles a:^ D« ru­mänische FeldMrr war überall besiegt, seine Tnippe von allen Seiten her cmf den Pas; znrückgcworsen. Tie Kronstadt« waren ansgeblleb«: anders als Blücher bei Belle-Alliance od« d« PoiirMern chei Gravelotte, so sehiffüchtig er ihrer geharrt hatte. ^:e deiltsckM Tnippe, die sich an der Alt zw'isck)«: ihn und die Rumä- neu vom Roten-Tn:mr-Paß eingesckivb«: lxstte, nar der ihr go- stellt«: schweren Aufgabe in vollstem Umfang gerecht g«vord«:. In rucks:chtsloicn: Angriff, ohne langes Fragen nach der lÄärkc der«, d:e ihr :n d«: Weg traten, nackte in and« im Kamps rmch ^n, ja nach Norden, hatte sie das Tal der Alt «> rfl:n)j;. ültnd hatte msth dort die )1ttrn:äiv«:, die ihr «stgegcnlrattsr wie von :hr, verlangt, aufs Haupt gcschlag«:. Es war ein Ebrmtaa der .tte:tern, an tue, >o:e B«lanf und Ausgang des Kanrpfes ge­zeigt haben, auch in: rnodemei: Krieg noch iinm« Aufgaben l)eran« treten, dre nur s:e lösen kann. Tenn es handelte sich nur die ein- gangs enoawsten säckstischcn und bayrischen Reiter ii: Waffenbrüder, ichast Mit den Honvcd -Husaren.

Ten Rumänen blieb in: wesentlicki«: nur noch der Rückzug über

Baß mtb danstt der Untergang. In Gestalt.der.bayrischen Bataillone war«: doch loest mehr Deutsche über dci: ^^erg gekonnnen, als es me Rumänen s:ch liattei: träumen lassem Wir stand«: um:- mehr an der Stätte, wo io«::,: über 24 Stn::den vor nns«er An- erfüllt hatst^ bn ^iudlich«: Roten-Turm-Paß T:-uppen

Adolf ZiMmermann, Kr:egsb«ichterstatt«.

Line Vun-esrastverordnung über Tabak.

Berlin, 10. Okt. Nach den vor einiger Zeit »jv- «offenen vorbereitenden N^aßnahmen Einfuhrverbot und Beschränkung des Verkehrs im Inlande hat der Bundes- rat am 7. Oktober 1916 eine Verordnung erlas sei:, die die Versorgung der Industrie mit iu- und ansländischem Tabak endgültig regelt. Der Reichskanzler hat zugleich cu:6 Anzahl von Ausführuugsbestimmungen dazn erlassen. Die Verordnung sucht die Gl eich Mäßigkeit der Versorgung zu gewährleisten, die Preise zi: begreuzei: und dabei gleich- ^e:t:g, soweit es das Interesse der Erzeuger uich Verbraucher :raeud zuläßt, die bisherigen Woge und Former: der Ver- kehrsabwrcklung aufrechtzuerhalteu. Ms Zentralstellen der Versorgung s:nd zwei Gesellscl-asten, die Deutsche Tabak- Handelsgesellschaft 1916 :n. b. H. in Breiner: und die Deutsche Tabakhandelsgesellschaft 1916, Mteilung Imland, in. b. H ur Mannhein: errichtet worden. In den Gesellschaften sind alle Tadakinteressentengruppen von den Pflanzern bis zun: Kleinhandel vertreten: das Allgemeininteresse wird durch Koinnnssare des Reichskanzlers wahrgenommen, gegen deren Einspruch fein Beschluß eines ff^sellschaftsoraan^ ausgefnhrt werden darf. Für die Auslar:dgesellschaft' sind bvt Vorräte an unbearbeiteten und bearbeiteten Daüak- blattern ausländischer Herlltnst (mit Mlsnahme der orieir- talrschen) beschlagnahmt, für die Iiclandsgesellschast die Vorräte an unbearbeitete:: uitd bearbeiteten Tabakblättern ::Mnd:scher Herkunft, sosvie an Tabakrippert, Dabaksteltgeln und Tabakabfällen von iuländiscki-eiu und ausländischem -- auch orientalischem Tabak. Unter die Beschlagnodme für dre Inlandsaesellschaft fällt auch die ganze heimische Tabakernte mit der Trenimng vom Boder:. Die Beschlag- uahiue bedeutet nun aber nicht, daß die gesamten Borväte voi: de,: beiden Gesellschafte-n in Ansprucli genommen und erworben »Verden. Vielmehr sollen vor allem die .Hersteller von Tabakerzeugnisser: ihre Vorräte trotz der Beschlag, nähme verarbeiten dürfen. Allerdirrgs nicht völlig unbe­schränkt; die Möglichkeit muß gesichert bleiben zitgnnsten unzure:chend eiugedeckter Verarbeiter eirreu Borratsaus- gleich vorzunehmen. Deshalb kann der Reichskanzler .Höchst- nrenaen festsetz.«:, über die hinaus die Berarbeitrlrm un­zulässig ist. Vorläufig ist die durchschnittliche VerarbetLnna der ersten sieben Monate des JahrcbZ 1916 zugrunde Meat Der Erwerb von Tabak zur Verarbeitung Mrd iu der Mgel

Gie^ener St^dttheatee«

Nathan der Weise.

Dramatisches Gedicht von Gotth. Ephr. L e s s i n g.

Es ist alter Brauch, bei Beginn einer Theaterspielzeit einen zu Worte kommen zu lass«:, der wirklick; etwas zu säg«: hat Die Direktion unseres Stadttheatms wählte Lessing und seinen NachanI der mith«porgegangen war aus den Kmnpfen, in die ihn: die Veröffentlichung d«Wolfenbütteler Fracuneute" mit oen Verzecht«n d« Orthodoxe und der konfessionelle!: Unduld- samkest v«strickt hatte. Tie Tendenz, die in der Fabel von den drei Ringen, einem Boccaccio «stlehi:t«: Motiv, klar ausgesproäen ist, stellt das rellgiöse Bewußtsein ganz gleich ivelcheiä Bekenist- msses oacf «ne Stufe. An d«: Friicht«: sollt ihr sie erkeun«:- an den Fttichteu ihr« Mmschlichkeit. D« Geist der Liebe ist bas Ausschlaggebende von Lessings Tolerm:z- und .Humanitätsidee Wer möchte mcht j etzt tm Kämpfe der Nation«: ein«: \oidm Richter herbei sehnen, der mit gleicher u,nfass«:der Lied- und gleicher! Verstandesschärfe den entzweit«: Nationen gegenseitige Achtung und gegenseitiges Verständnis anfzwän-ge. Es ist diese Sehnsucht die uns den: Kerne d« Lefsingschei: Dichtung nahe führt Ohne dies, Nwr weiß, ob mW: den Vorgang«: der Bühne mit solcher Anteilnahme gefolgt wäre, w«:n nicht ein üb«rag«:der Tar- ftell« wie Pofsard, bei der letzten Aufführung des Nathan in Gieß«: vor ettva fünf Jahren, die.Hör« ii: fein«: Bann zwang Tenn es kommt für den heutig«: Theaterbesucher doch sehr darauf au, ,öb die Bllhl:enviorgm:ge der .Wirklichkeit irgendioig entspreche!: können, ob sie auch in den: zivangloser«: Reich d« Phantäsie ein«: Anflug voi: Realität haben, od«, wie es d« Patrmrch ai: ein« Stelle ausdrückt:Ein Fakttui: oder eine Hyvothefe. Das ist zu sagen, ob der .H«r sich das nur bloß so. duhtet oder obs geschehen und fortfährt zu geschehen." Und Aut- wott muß :hm ioerd«::Das vorlstr: erwähnte von dein Juden war nnr tin Probleme." Darüber hilft Lessrngs meisterl>aste Artige des dranmstsch«: 6öeschchens, die liebevolle Vers«iknug I? Wtoltm!, die^hsstel?e, ich: so wohl kleid«:de Naivität", dre ^et^rn Nathai: findet, nicht hinweg, daß die Handlung mit hypothetisch mit die .Kernfabel h«n IN gebaut stt. Nicht g«mg zu bewmid«:: ist d:e treffsichere Logik, in der sich

¥5 ^ltmrede ausnnaich« entwickeln, gleichsam gegenseitig Was unser Mstgeflihl anrühpt, ist das sehnsüchtige Ideal d« rmnsten M«:schstchAc>it, die alle Gegensätze auszugleichen vermag.

Schachspiel d« Ido«: war eine gute Probe auf die Be- fachgung der neu gewonnenen Schauspiel kr äste, die als Träger der Ideen chmw Fleisch mtb mit zu geben hatten DieKriegs- führung" der Theater hat ilche besond«eu Schwierigkeiten, die ohne wetteres zugestanden sein sollen. Es kann auch desioegen, wie gleich zu Anfang der Spielzeit betont ioerden soll, der Vtaßstab der Lei - stuug«: nicht der gleiche sein, wie in Friedensjahr«:. Trotzdem kam: gejagt »verden. daß die Auffiihrnng des Natlwn ein Anfang war, der für der: Vollauf der Spielzeit Gutes erhoff«: läßt. Haben d:c Darjtcller sich «st mit unser« Bühm. vertraut gemacht und sich auf«:ra:wer e:ngespielt, so werden die Aufführunge:: auch runder s«n, als es diesnml noch d« Fall ivar. Auch 'Abschließendes soll rw« me emzelnen Kräfte l>ei:te noch istcht getagt werden. Mar W e) ol ow s ki von: Stadtthcxst« Aachen, der d«: Nathan gab, ffihrte sich als Charakterspieler recht gut ein. Sein Spiel hat gute L:me und «reichte öft«s Höh«:. Die seelische ('-keifte des Natlwn, me mehr auf Herzensgüte als auf Verstandesiocisheit beruht, hätte noch :nn«licher «saßt sein dürfen. Bally Scheid l er als Recha umchte eb«:falls guten Eiudr::ck. Ihr Spiel, das Zug hat, bedarf noch der ans gleichend«: Sicherheit. Ada Mahr als Sittah lieft m d:es« Rolle etwas kühl, Luise. Detosea vom Wiesbadener Res:d«:ztheatcr gab die Taja ansprechleich, aber ohne sie z:: cin« besonderen Leistung zu erheben. Adolf Falken. Tempell>err. £nicht <m guten Anlagen, die nur einer führ«:d«: Hand bedürfen, um sie geschlossen« und freier zur Geltung zu bringen. L.eM Devwisch Hans W e r 1 in a n n ö fehlte es nicht a:: Tcmpera- Ment, wohl ab« an einer übersichtlicherei: Sprechweise. Von de:: Kräften des vorig«: Jahres mülste sich Ernst Theiling um die Aolle des Sultans SaladiN. der es etwas ai: Größe mangelte, Rudolf Golt gab mit reichlicher Klallkatur d«: Patriarchen von Jerusalem und Wilhelm Hellmuth, der auch flir die Spiel- leitting zeichnete, machte aus dem .Nosterbrud« eine prachtvoll empfundene gute alte Haut.

Als Omen für die Nui: begonnene Spielzeit war die Aufführung sehr an ff chilußrnch und läßt erwartmrgsvoll dem Kämmendem «st- gcgenbllck«:. 7//j

Di eWie. ner Uraufführung der i: e u b c a r b e i - x£/ c:n /Mt t ab nt". Aus Wien ivird uns geschrieben: An der Wlwner H o s o pe r gelangte die eiimktige Op«?t rtabne a u f N a x o s" von H. v. H o f f in a u n s t h a I und Rickiord S t r a u ß, d:e vor eun gen Jahr«: an der Stuttgart« Ho jo per nicht ohno einen gewlffei: Widellprnch 'in Szene aegans,«: ivar, in neu>« Bea:i»e:tung wchst erfolgreich zur Uraufführung. Wät-mmd in der ur-

sprungllchen Form das Werk nach MpliöresBürg« als Edel- juann zu sp:el«: war, wodurch eine allzu deittlickw Zwitter Hastigkeit des S.ttles «z«:gt ivurde Hab«: sich di- B«fass« wuunehr darauf beschrankt, der OperArradne" lediglich ein Vorspiel voraufzu> schicken, :n ivelä>ei:lder ii: dc'r Urfassung itirt episodisch ai ist: et«: dg !!!ir^ C Ko m Po Ulst sich nach lang«:: heftig«: Str-eb«!, dai:k den Ullxwredungs- iind B«führiigski!nst«: d« Darstellelln der Zer- bmetta dazu entschloßt, zu gestatten, daß d« abstritse Wunsch seines Mäe«:es (der nun 'derreichste Mann von Wien" ist), nänllich bk r r Ä «iIy n ; xt c i nn: Sbesreffkonrödie zugleich autzuführen/ . Erfüllung gehen kann. Dann folgt die eig«ttliche Oper, die :n: groß«: und ganz«:, bis aNf a«inge K'itrzungen, namentlich in SU-greffkomödn und :n d« Arie der ZEnetta, in der ersten Fassung be:bel>alten wovd«: :st. Unsttellig l^at das W«k durch die N«,bearbe:tung uffofnn geiv-mmen, als nun die tieffinnige Sym-

mitihver schön ausgrst'iilwt«: Wmrdllmgs- :dee klar .^:üage ltä:tt. .Ul:td d«rnoch muß es gesagt iverd«:: es ist vor allen: der Messt«pall:ti:r Rickiard Strariß' zUzuschreiben, wen::

a » nen«t -- alten Werke eine reine Freude liabeu. Mit

«n« Gen:al:tat ostwglerch«: trrfst Richard Strauß die l-et«oWnen! ^>t:lc. « kost und jubelt und lockt mit derg«i::en Leb«^,w^fe' Znln^tta, er laßt rhre vier Liebl-aber in einem prächtig s:crei:den Bpllettstll töuz-elnd und singend 'sich «gehen und fällt dann, ohne ngend ivelche Sprinml)ast:gk«t, stets sofort irned« iu. ^ ^aisszendentral«: Stss der Ariadne und des Gottes BnrA's fehl es frellrch auch chm nicht ga:^ gelingt, uns lvgEm mcnfdjihd) an btefer Wandlung in Ariadiw zu interessierau. ?Mer genügt cs nicht schon, io«u: ivir es «:dlich ioied« elled«: daft uns :,: einer Oper die Musik so völlig fesselt, daß wir d« zum imndestcn so lange entraten könn«:, so lange dir MFik dazu in unseren: imvcnm Ohr uachtöut?! Ich gsai«^ ^ock, wohl; auch Hvfffnannstlfal wird sich darüber zu trösten nnffm er, w:e seme Mm«: in der Op«-ugeschichte (sowest sie ledig l:ch Librettisten ivareu) in die zivi'ite Swilc gerM ist;

^rsspräche ist so ioundervoll durchfühlt, daß ivir auch sein Werk genießen und es als Miregung und llntergrnud für StzwL' geniale Emfälle lieben und hegei: inüssen. Geradezu vorlnWch ivar die Aufführung an der Wiener Howper. die mitten im furckff barsten Kriege keine Müh«: noch Kosten >kmt lattr. um e'.ivas geradezu Vollendetes zu schaffen ^ ie Regie H-^rrn

v.. Wymetal hatte an dem großen, ehrlichen Erfolge ebeuse stark«: Vfiitcit, ime hie Leitung des 1>«llick»e,i Orchefier^ durch Kapellmeister scha l k Die Darstell« Voten durchiveg so glänzende ^ schwer fällt, eilte einzelne iM^omnt^» Richard z^trauß ivurde unzählige Male hervvvgjernfen. Dr. A. N.