Kr. 238 ZWeites Blatt M. Jahrgang
Erscheint lägttch mit Ausnah ine des Son,flagg.
Beilagen: „Gietzcner ZamUienblatter" und „Kteisbiott fär den Kreis Siegen".
popscheLkauto: Zranffntt am Main Nr. N686. Sankverkehr: Hewerbebanr Sietzen.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejjen
Dienstag, ^0. Gttober Pl-
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R. Lange, Gießen.
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hessische randwiltschistskammer.
. . ^. D >a r m st a d t, 9. Oktober.
Die Landnot r tstyarrskammer für das Großherzogtunt Hessen trat tjfcrt: vormittag Hu ihrer 14. Hauptversammltutg tm Sitzungssaale der Zrveitm Kammer zusammen.
Der Präsident, -Oetonomievat Walter, eröffnetc dte Sitzung mn 101/. Uhr mit einer kurzen Begriißnng der Nritglieder und der Nögierun§sVertreter, als welche die IHervm Mmist-rralr.rtz Schliephakc, 'Geh. Obermodizinalrat Dr. Lorenz, Geh. Landes ökottoMiera t Wd ü l 1 c r ,tmb Landes stall Meister Schürte beiwohnten. Der Präsident gedachte bannt des verstorbenen Kanö- mcrmitglisdes Weit H-Nieder-Wöllstadt, dessen Ändertken die Ver- s<ün!mlMM durch Erhüben von den (Sitzcnt ehrte. Iw einem kurzen lleberblick über die Geschäftstätigkeit des Vorstartdes wtes der Präsident auch auf die Schwierigkeiten hin, in der jetzigen Zeit einen Nur einigermaßen geordneten Hauptvoranschlag aufzustellen, was auch eilt Grund für die spätere Ernberufung der Hanptver- sammlnug -genresen sei. Die Landwrrtschaftskammer sei während der Kriegszeit lunerntüdlich bestrebt gewesen, im Einvernehmen mit der Regiermng die Landwirtschaft tit Hessen so leistungssähtg lote Nur Möglich m gestalten und damit auch dent J'nteresse der Gesamtheit Hu dienen. Der Redner ging dann auf eine Reihe eiit- z-elner, die Landwirtschaft in jetziger Zeit besonders mteressterender lwirtschafllicher .Fragen naher ein und .sprach den sänttlichcn' Beamten der Kämnter vollen Tank und Anerkennung für ihre uuerMüdlicheDärigkeit im Dienste der Sache aus. Es set von der Landwirtschaft alles getan worden, um den glorreichen Waffm- taleit Unserer Truppen auch atts ftffri schaff lichem Gebiete einen! volden (Sieg zur Seftc zu stellen. (LeW. B.ifall.)
Nameits her Peamteni'chaft der Kammer sprach der erste Sekretär, OckkonoMiepat Dr. L e i t h i g e r, dem Präsidenten für ne anerkennenden Morte herzlichen Dank.aus.
Erster Punkt.der Tagesordnmtg war.die Wahl der Delegierten Mit Deutschen Landivirtschastsrat. Aul Vorschlag aus der Ber- sarttmLung schurden die bisherigen Vertreter durch Zuruf wieder- gewählt.
Darauf lmzann die 'Beratultg bvn Anträgen des Vorst an des Hu den Entwürfen folgender Gesetze: Hessisches Gesetz zur Ausführung des^ .Reichsviehseuchengesetzcs vom 26. Junt 1909, Hessisches «Gesetz, die Entschädigung für an Maul- und Klauenseuche ie-esaKenes Mudvieh betreffend. Und .Hessisches Gesetz, bctressend die Gntschadigung ftir an Milzbrand, Rauschbrand und Schweinerotlauf igefallme Tiare.
Der Borstcntd der Landwrrtschaftskammer hält die betreffenden Os-esatzerrftvürfe einer gründlichen Verbesserung für bedürftig, da sie den Interessen der Viehhalter und auch der Allgemeinheit nicht in dem Masse entsprechen, wie das notwettdig und erforderlich ist. Eine solche Umarbeitung der in Rode stehenden Gesetze erfordert gutgehende Beratungen und Erwägungen, zu welchen die jetzige Zeit keineswegs geeignet ist. Um eine umfassende, den Wünschet 'der Viehhalter entsprechende Versicherung zu erlangen, ist u. a. nötig, daß 1. auch die Nachkvcutkbeiten bei der Maul- und Klauenseuche allgemein im ganzen Lande entschädigungspftichtig werden: 2 die .Höchstbeträge der zu leistenden Entschädignngen höher gesetzt nA-tfeett; 3. .Schafe, Ziegen und Schweine in das Gesetz einktzzogen werden; 4. die Beiträge nicht nach Stückzahl, sondern nach dem wahren Werte zur Erhebung kontnren; 5. die Auszahlung der Ent- schDsgung in nicht allzubrnger Zeit nach dem Verlust erfolgt und 6. eine Notschlachtung angeordnet weiden kann, wenn dies im Interesse der schnellen und wirksamen Tilgung der Seuche nötig und vorteilhaft erscheint, oder >venn zu befürc^n steht, daß das von der Krankheit befallene Tier eingeht. — Da tzn eingehenden Gr^ .Hebungen und Erwägungen über alle diese Fragen jetzt die 3'ett fchlt, beantragt her Vorstand: Die Hauptversammlung wolle beschließen:
„Die Großh. Regierung wolle die jetzt bestehenden Gesetze 1—2 Jahre bis nach Friedensschluß verlängern und erst hiernach in eine eingehende Beratung der Gesetzentwürfe ein treten. Der Landwirtschaftskammer wäre dann vorher erneut Gelegenheit zu geben, ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen."
>GäÜ. Obermedizinalrat Dr. Lorenz tritt dafür ein, daß die neuen Gesetze so angenommen werden, wie sie vorliegen, jedoch mit der Maßgabe, daß sie nur bis 2 Jahre nach dem. Krieg Gültigkeit! jiäben sollen. Landtagsabm Brauer unterstützt den Antrag des Vorstandes, dengle ich-pr -Oekonomierat Dr. Leit hi g er. Nach weiteren Benrerkungen der Mitglieder Fritzs ch-Dilshofen, Oeko- iwmierät Malter u.a., ivelch letzterer ebenfalls warm für die Annahme des Vorstandsatt ttags eintritt, während Landtagsabg.
v. Brentano die Abänderungsvorschläge der Regierung unterstützt, wird dieser Antrag einstimmig angenommen.
Zu dem Punkt: Ächlm zur LaÄwirtschaftskammer, wird vvn der Bersannnlung einstimmig der Antrag des Vorstandes angenommen, diese Wolslen bis nach daN Kriege zu verschieben. Es folgt die Vorlage der Jahvesrechnung ftir 1914. Rechnungsprüfer Müller berichtet namens der Prüfungskommission über den richtigen Befund der Jahvesrechtrung, worauf die Rechnung genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt Ivird. Ebenso wird ohne Aussprache dem Antrag des Vorstandes zugestimmt: die Hauptversammlung wolle den Kreditüberschreitungcn zustintnten.
Nach einer halbstündigen Frühstückspause wurde die Verhandlung mit der Beratung des Haflptvoranschlags der üandwirtschaftskammer für 1916, in Verbindung danftt der Voranschlag für die landwirtschaftlichen Haushaltungsschulen Langen mtb Lmdhcim und die Zeitschrift für 1916 vorgenommen.
Ter den Mitgliedern der Kammer gedruckt vorgelegte Hauptvoranschlag wurde vom Generalsekretär Oekonomierat Tr. «Leithiaer mit kurzen Worten näher erläutert. Die Frage, ob die Ausstellung eines Voranschlages überhaupt unter den jetzigen Umständen mögt ick), sei, wurde schließlich bejähend be- anttvortet im Hinblick darauf, daß auch die zwefte Ständekammer einen möglichst getrauen Voranschlag aufgesbellt und genehmigt hat. Ter Voransckstag balanziert in Einnahme und Ausgabe mit insgesamt 1031,639 Mark, darunter die erste Abteilung: Für den Betrieb, mit 944,87b Mark gegen 793,223 Mark im Jahr 1915. Ter Generalsekretär betonte bei seinen Darlegungen noch« besonders, daß nach dem Kriege auch für die Landwirtschaft noch eine bessere Organisatüm geschaffen und Maßnahnren getroffen werden müßten, um die Produktionsfähigkeit noch mehr als bis jetzt zu steigern. Präsident Walter gab noch einige weftere Ergänzungen zum Voransckslag und Fritzsch, Dilshofen wandte sich gegen die jetzige Truschpränne, dre nur eine Art verschleierten Höchstpreises darstelle. Weiter beklagte der Redner, daß hinsichtlich des Fettviehs Hessen nicht mft Preußen konkurrieren könne, da die Preise nur in Hessen 1 Mark, in Preußen aber 1,20 Mark betrugen. Auch bei den Kartoffelpreisen müßte jedenfalls Rücksicht darauf genommen werdat, daß die Produktionskosten m Hessen und überhaupt in Süddeutschland wesentlich höher sind, als in Nord- und Ostdeutschland. Redner ersuchte die Regierung auch bei einer noch größeren Kitappheit der Nahrmtgsmittel doch dafür zu sorgen, daß die lÄtdlvche Bevölkerung eine hinreichende Er- nährungsmöglichkeit behält, dcrinjft sie in ihrer Leistungsfähiqkeft erhalten bleibt. Er ersucht auch die Regierung, sich vor allent von den unberufenen Ratgebern fern zu haltert.
Mitglied H e n s e l - Dortelweil erörtert die Verschiedenheit der Kartoffel Pr eise und stellt fest, daß diese in der letzten September- tvoche in Hessen um 2 i>Rark niedriger warm, als in Prmßen. Warum mache man diese Unterschiede in der Prrisstellung? lind warum sollen die hsssischm Landwirte schlechter gestellt sein, als die preußischen? Der Redner wandte sich weiter auch gegen das Verbot der ^Lmusschlacl>tungm, das völlig unangebracht war: in Preußen sei es auch alsbald wieder aufgehoben worden. Ge^vundert habe er sich auch darüber, daß sich, wie von der Regierung mitgeteilt ward«, die Landwirte in Rcheiniheffen gegen die Prämien für Fettvieh ausgesprvchm hätten, die von Oberhessen und Starken- burg gewünscht wurden. Mitglied Römer erllärt, daß die Landwirte aus die Drufthprämie nicht verzichtm kömrtm. Besonders zu bellagen sei, daß der Laitdwirffchaft jetzt plötzlich 25 Prozent dev .Kriegsgefangenm eMzogen werden sollten. Mitglied H e n s e l - Tortekweil erörtert die Frage dar Fettviehpreise, die auch nach seiner Meinung zu niedrig seien, ebenso die zu niedrigen Milch- preffe und die Kartoffeloersorgung. Ter statfftische Beirat der Landwirtschaftskammer, Dr. Hannemann, sprach sich über die von dm Vorrednern gestreiften Preisbestimmungen itäher aus. Tie geplante Zurückziehurrg von 25 Prozent der Kriegsgefangenen von dm landwirtschaftlichm Arbeiten sei unverständlich und es seien auch von der Landwrrffchastsßammer berefts die erforder- lichm Schritte getan wordm, um die schleunigste Zurücknahme dieser Bestimmung des Generalkommandos zu veranlassen. Land- tagsab geordnet er Br e i d e n b a ch bedauerte ebmfalls die Maßnahme auf Beschränkung der Arbeitm der Kriegsgefangenen. Wetter erörteafte der Redner die mannigfachen Mißstände im Obstverkehr. AuS den vielen Vorschriften könne sich niemand mehr ein llares Mld nmchen. Besonders von Zwetschen sei eine gwße Mrnge zugrunde geg«rsen, bevor die Freigabe erfolgte, Obstbauinspektor Pfeiffer erläuterte zuerst die Maßnahmm der Landesobststelle. Sic seien getrofsm wordm, um für den Inland verkauf des Obstes vernünftige Grurtdlagen zu schaffm und
dm Verkehr zioischm Erzmger und Verbraucher so wmig jvie möglich zu erschweren. Es sollte vor allem auch verhirtdert werden, daß z. B. Frankfurter HäMer durch Privatleute viel Obst in Hessen aufkaufen und nach Frankfurt schaffen ließm, während im Großherzogtunt selber ein allgemeiner Mangel herrschte. Nach weiteren Erörterungen zwischm dem Redner und dem Lcmdtags- abgeordneten Breidenbach besonders über den Begriff ,,Ka- binettobst" und einigen Ausführungen der Mitglieder S t a u f f e r, Bauer, Landesstallmeister S ch ö r k c. Bahr, Oekonomierat Hahn, Eberl e und Jost verliest der Präsidmt einm Arttrag Fritsch-Dilshofen mit einem Zusatz I o st - Bermoldshain, dar dahin geht, die Regierung zu ersuchm, an zuständiger Stelle vorstellig zu werden, daß den Landwirten die Kriegsgefangenm ntöglichst lange belassen werdeit, jedenfalls, bis die Kartoffel- und Rübmernte eingebracht ist. Ministerialrat Schließ hake wies darauf auf die großen vaterländischm Berdimste während des Krieges hin. Der Präsident habe sehr richtig darauf hittgewiesm, daß auch den Frauen unserer Landwirte für die Fortführung der Betriebe aller Tank gebühre. Diesem Dank schließe sich die Regierung im vollen Maße an. Die Regierungen hätten die Aufgabe, stets für einen möglichsten Ausgleich der Interessen hinzuwirken und ein solcher Ausgleich sei nicht immer leicht. Der Redner ging dann in vorgerückter Stunde (3i/z Uhr) noch ausführlich auf die Beschwerden der einzelnen Redner näher ein und erläuterte die auf den verschiedeiten Gebtetm der Volksernährung getroffenm Maßnahmen der Regierung. Von der Maßnahme der Beschränkung von Kriegsgefangenen bei den landwirtschaftlichen Arbeitm habe er erst hier in der Versammlung Kmntnis erhalten. Die Regierung werde dem vorhin bekannt gegebmen Antrag gern mtt allen Kräften unterstützen.
Der Präsident fragt darauf die Versummlung, ob sie jetzt noch, um 3 /i4 Uhr, eine zweistündige Rede des Abg. Bahr auhören, oder ntorgen eine weitere Sitzung abha'ttm wolle. Auf dm Protest der rheinhessischm Vertreter, die jetzt mtt Mbeitm überhäuft sind, lehtte die Versammlung eine Vertagmtg aus morgm ab, worauf Abg. B ä hr seine Rede halt, über die näher zu berichtm wir schon infolge Raummartgels außerstande sind. Nachdem der Redner geendet, erfolgte die Abstimmuitg über d«t Hanptvoranschlag, der m bloc einstimnng angenoMm>m wurde. Desgleichen auch der Aw-> trag Fritsch-Dilshofen. Mjit einem kurzen Schlußwort des Prä- srdmten wurde dann die Hauptversantmlung uM 41/2 Uhr beendet^
Airche ussd Sdmfe*
ul. Limburg, 9. Oktober. Eine vvn weit über 100 Vertretern des „Allgemeinen Naffauischm Lehrervereins" besuchte Versammlung tagte von gestern vormittag 10 Uhr an im hiesigen cvangelischm Gemeindesaal. Den Vorsitz führte Rektor Jung, Wiesbadm. Der Hauptoerhandlungsgegmstand bettaf die Nationale Einheitsschjule. Nachdem Rektor G r 0 f f y, Biebrich> einen läugerm vorzüglichen Vortrag über „Die deutsche Einheitsschule" gehalten hatte, mtspann sich eine sehr lebhafte Aussprache, in der für und wider das Problem gesprochen wurde. Schließlich wurde gegen 5 Uhr abends folgender Entschluß mit großer Mehrheit angenommen: 1. Der Allgemeine ^Lehrerverein im Regierungsbezirk Wiesbaden erllärt aus psychologischen, nationalen und sozialen Gründm die vom Deutschen Lehrer verein geforderte Einheitsschule, die es jedem Kinde ermöglicht, eine seiner Befähigung entsprechende Ausblldung zu erhaltest, für die Schule der Zukunft. 2. Zur Hebung der deutschen Volksbildung und zur Förderung unserer Kulturgüter halt er polMmde alsbald zu verwirllichmdm Reformen für angebracht: a) Für beröMM ragend begabte Schüler, die die Volksschule durchgmmrcht hab«^ sind Einrichjtungm zu treffen, die es ihnen ermöglichen, sich das Reifezeugnis einer höherm Lehranstalt zu erwerben, ohne m ihrem Bttdungsgang um etliche Jahre zurückgeworfm zu wer- dm. b) Um befähigtm Volks schillern dm Uebertritt zu dm jetzt bestehmdm höherm Schulm zu erleichtern, sind die.Lehrpläne der Volks- und höherm Schulen miteinander in organisch Per»! bintmng zu bringen. 0) Die Vorschulen aller Art, also auch, die Grundstufm der Mittelschulen und Lyzeen, sind, da sie dem Grundsatz der Gerechtigkeit und Bttligkeit widersprechm, flach und nach abzubauen und eingehm zu lassm. 3. Der 2lllgen«io< Lehrerverein im Regierungsbezirk Wiesbadm bettachtet es Äs eine' seiner wichtigsten Ausgäbm, dem Etttheitsschulgedankm in Presse und Versammlung die weiteste Verbreitung und allsettigfte Ay- erkenmcng zu verschaffen." Tie Vertreterversammlung bcschäß» tigte sich ferner mit der «Grüttdnng eines „Kriegerdanll^ zur Uni«>, stützung der Hinterbliebmm gefallmer Lehrer. Der Gründung wurde einstimmig zugestimmt.
Aiinst, wi??c„scho>ft und Leben.
— Wilhelm von Bode über die neueste deutsche K un st. Wilhelm lpon Bode hat m der von ihm mit her aus gegebenen Monatsschrift „Wieland" eine Reihe von Urteilen Neuttaler über die neueste dmtfche Kmtst inttgeteilt, die zumteil recht scharfen Einspruch gegm derm jüngste Erzeugnisse erheben. Hierzu äußert er sich nun in einem Schlußworte, in dent er zunächst das Angegriffene als Answüchse erkmnt, die sich in Deutschland wie in allen anderm Ländern ftndm, folgeitdermaßm: „Aber das ist auch nickfl die echte deutsche Kmtst von hmte, däs ist mdtf unser 'heutiger Geschmack. Wäre er es, würden dann für frühe Weri^ eines Dhoma und Liebermann, für Bttder vvn Leibl, Fmerbach, C. T. Friedrich, Kaisky nsw. so anßerordmtliche, noch immer steigende Preise gezahlt werdm? Freilich drängt sich diese „neue Kunst" überall vor und wird durch Presse und Händler iwch ntehr in den Vordergrund geschobm, aber dett gesunden altm Kent wird sie nicht überwucherit; sie wird sich überleben, und Neues ivird sich entwickeln. Gerade unsere neuere detitsche Architektur und das Kunstgewerbe, gegeit welche die früher iviedcrgegebmen Vorwürfe von nmtralen Frmndeu auch mts zum Teil berechtigt erscheine, zeigt doch zugleich einen erftmlichm Fortschritt und gibt uns alle Hoffnung auf eine weitere günstige Entwickelung. Mir müssm dmt i-ol^ländischen Tadler «unserer nmen Momintmtalbautm und Divnu- mente freilich darin recht gcbm, daß manche darunter an jener „Großmannssucht" lriden, daß sie trotz aller .Kolossalität und Kostspieligkeit doch lleinlich und geschmacklos sind. Aber andererseits sind gerade in der: WareUhänsern und Bureau hä usem, seit Kessels Warenhaus Wertheim, in einzelnen Bahnhöfen, wie nameutlich dem Leipziger, in inancheu städtischen Bautm neue wertvolle! Typen von wirllich großzügiger Raumwirkung im Aeußern wie im Innern, ist im Berliner .„Märchenbrunnen" ein echtes Bolks- nwnument geschaffen, Werke, auf die wir Deutsche stolz sein können. In dm zahlreichen neum Villm, die über gcutz Deutschland verbreitet sntd, hat wtsere neuere detttsche Bauttmst Atttster ver- schtedemttr Art für 'ein behagliches und geschntackvolles Wohnhaus nut geschtckter Ausnutzmig der gärtnerischen und landschaftlichm Uingebimg geliefert, und ntanche neuen Arbriterkolonftn bieten auch der unterm Klasse eine so wvhnlicku, gute Existmz, wie dies «Pkj* 11 Vvlke der Fall ist. Dazu hat auch das Kunst- hanNwerk,^das heute in Dmtschtatrd durch technische Meisterschaft
. r , • p, y .. . - - Graphik in schwere Verwirrungen
a ' J ,L l eiJ> 5 r . t uvht zu Itumteit, aber die ganze Kunst uuserev tobet au dieser Krankheit, und zudem werden
wrr sie so vEtch gewahr, weil sie sich in jeder yordrängjt.
weil die Ausstellungm, der Rekbrme wegeit und um ja nicht als akademisch-rückständig zu gelten, diese exzmtrffchm Nachwerke in leder Wetse heranziehm und die^ Pvesse sie feiert oder doch! sich au sie zu gewöhnen sucht. Trotz dieser sonderbarm Schwärmer, die in Kameruner Holzblöcken ihre Vorbilder sucheit, hat aber gerade unsere deutsche Plastik jetzt ihre tüchftgm Meisber, die in ihren Monumenten wie in ihrer Kleinplastik die alte Theaterkunst durch einen ernstm, auf ehrltchem Naturstudiunt beruhmden Stil überwunden haben, derm schlichte Tenkntäler — ich nenne als das neueste nur Tnaillons Statue vvn Tr. Robett Koch! — solche Verirrungen, ms das, was sie sind, erkennen lassm. Zudem hat unsere Plastik gerade durch dieselben .Künstler in technischer Beziehung eiltm ^wßen Fortschritt gema«ht, indem die .Künstler ihre Bildlvcrke vielfach ri gmhändig ans führen, wodurch in ihren Arbettm die künstlerische Empftndung Volt z«m ?kusdruck und der besondere Reiz des Materials zur Geltung kommt, llnrgekehrt ist freilich in der Technik der Malerei, in der Behcrndtmtg der Farb«t ge«de durch den Verfall des Jmpressionismtrö und duvch die wilde Ausartung der neueHeu Kunst im Futurismus, Kubismus ufto. das Verständnis für, che Schönheit des Materials und che künstlerische Wirkung desselbm in ebmso hohem Maße be«nträck;tigt wie die Zrichnmrgj ur« der Ern«t der Auffafffing. ?kuch hier dittfcm wir aber hoffen, bati gerade die Leichtfertigkeit dieser neuesten Rickstmtg und die Brutalität, mit der sie sich aufbrängt, eine energische Reaktion berchiführen wird, daß auch die Malerei im Anschluß und in Verbindung mft der Architektur tntb hem Handwerk wiederzefunden, wird. Jene bösen Verirrungeit sind die haßlicheit Nebmerschrinungm des erbrtterieit Kampfes der chvcn naturaltftisckMt Schule mft der- neuen, auf einen gebuude»en Stil ausgehmdm Richtung. Daß sie überwundm werden, dafür bürgt uns die Art, nne von uns Tmtschnt drefer furckstbcrre Weltkrieg chirchgefochtm wird. Der Orchrungssnrn und die Wahrheitsliebe, che Aufopferung und reine Sachlichkeit, welche selbst die wild entfesseltest Leidmschaftm dieses lahrelangm Kampfes bei uns Deutschen zügeln und beherrschm, steht tm scharfjten Gegensatz gegen solche Ausartungen, die von unierei^ Famdm rmvvrtiert ftnd. Ob aber diese große Zait, die wtr ;etzt dirrchleLm, rike neue i wttt Blüte der .Kunst mit sich bringm wird, darüber könnm lmr nicht einmal Vermutungen aussprechcn. so ,ehr wir es «tch wünschm mö-m, jo sehr wir aus dieser furchtbaren Ber«ch,rung alter Külttrrwcrke eime neue dauerhaftere Entfaltung der Kultur herbeisehiten."
— Eiu Gottfried-Keller-Bildnis von Arnold Bockltn. In t-ent künstlerffchmr Nachlasse Arnold Böcklrns, der enfttwetttn dem Züricher Kunschause übergebm »oortzm ist, fehlt ein stRwttüt, das Aöcklin Ende der achtziger Jahre in Zürich angc- fangLm l-at. Es l-rndelt sich flm rin Bildnis lLottfried .Tellers, der in j««en Jahr«! durch eine tirie Fvmndsck>ift mit Böcklin ver- bust^n war. ©wt Mflarbriser hoc „Nmrm Züricher Zrittwg"
Macht darüus aufmerksam, daß dieses unvollendete KellnhvrtriU Böcklins sich noch im Besitze der Erbm des Künstlers befindet. Anscheinend hat cs noch fernen Liebhaber gefundm. Die Befchvch-, bung, die er von dem Bilde gibt, lautet folgmderntaßm: im tnÄch-, tigm Haupte die Blicke iu wachem Träumen nach einer uner- imeß.baren Welt der Phantasie hinaus gerichtet; auf dent SkmS, der die männlich breite Brust übers chm idet und über den ein gestreifter Teppich gebreitet liegt — in Violett und Wau —, etzr ttufgeschlageues Buch Mtt rotem Schnitt und eine bläuliche Vase mit duftigen weißen Rosen: ein Vorhang säumt links den neutralen Hintergrund. Das ganze von einer inalerisch-visionären^ ^Wirkung. Gerade der Charakter des llitvollendeten verstärkt den Eindruck des entnraterialisierten Vergeisttgteu. Wie Arnold Böcklin den Dichter Gottfried Keller innerlich sah:> so möchte man das seltsam fesselnde Blld charakterisieren.
-- F r a n k f u r t a. M., 8. Okt. Unter der Leitung von Prof. Tr. I m m t s ch - Freiburg t. B. trat der Deutsche Gymnasial v e r e i n in den Räumeit der Umversität zu einer außerordentlichen Kriegstaginig zusammen, die aus allen Tellen des Reichs gut besucht war. Veranlassung zu der Zusammenkunft gaben die For> derungen des „Teutscheit Germanistenbundes" an die Bundes- regierungot schon jetzt während des Krieges, als den geeignetsten Zeitpunkt, eine Neuordnung des deutschen Unterrichts an den höheren Lehranstalten vorzunehnten. Gegen, diese Forderung nahm der Gymnasialverein mit Entsckffedeitheit'Stellung. Tie ftöner der Versammlung, Professor Wrede (Marburg) und Geheimer Srudienrat Tirektor Lück (Berlin-Steglitz) legten in ihren Mts- fuhrungen dar, daß jetzt, da die ganze ß^atlon schwer um ihr Leben ringe, an eine Neuordnung des Unterrichts nicht zu denken sei. Zur Lösung dieser tief einschneidenden Probleme bedürfe es ebriMpi sorgfältiger lieberlegung und daun der Mitarbeit der noch inv??eLe stehender Lehrer, auf berat Urteil mau besonderes GÄvftbt teoea müsse. Tie Zukunft des höherm Untertichtswefens beruhe nWt in der langsamen Ueberleitung zur deittschen Einheitsschule Vöe die Eingabe des Gernmnistenbundes durchblickcn lasse, sondern nach wie vor in der scharfen Betonung der Differenzierung Und Wsenart der höheren Schulm. Falls im humanistischen Ghmnaiip« riae Vermehrung der deutschen Unterrickftsstmtden nötig sei, ostrft v«S aber nie auf Kostm der klassischen Sprachm, am alletwenchApU des Lateinunterrichts geschehen. Neben der Mathematik verarme gerade das Latein dem Gymnäsiunt das Gepräge einer Bildünchs- und Weckcntsto.lt geistiger Kräfte. In den ausgedehnten Benn-cchnn- gm gaben alle Redner ihre Zustimmung zu den Ausführungen der Referenten. Der Vorstand wurde beauftragt, die Ergebnisse der Tagung und der Besprecknngen zusammmzufassm und sie ebenfalls den Buttdesregierungen 51t übermitteln. — Die 24. Hauptversammlung des Vereins ftndet voraussichtlich in Düsseldorf statt


