Ausgabe 
5.10.1916 Zweites Blatt
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D. 234 Zweites Blatt M.

Erscheint tt-üch otÖ ütf&Hrffme des Simnt«$3.

B eLlag««:Stetzeaer £amUiettMfttttr" und Breisdlatt für den Kreis Gießen".

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General-Anzeiger

Jahrgang

Donnerstag. 5. Oktober (916

Zwillingsrundoruck und Verlag: Brühl'scheUniversuätS-Buch-u.St'indruckerei.

N. Lange, Gießen.

Zchristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulst ca 13c 7. Geschäft «rette u. Verlag:

Schristleitung: 112.

Anschrist f ür TruhtnachrlchtcnrAnzeigerGießen.

etwa

Zur Zrage der Gbst- und Gemüseversorgung.

Die Mitteilungen des Kriogsernahrungsamtes! schreiben:

Tie Obstbeschlagnahme vom 16. September hat begreiflicber- toeife l^hafte Erörterungen in den Zeittlngen veranlaßt. Dabei ist mehrfach die Ansicht ausgesprochen worden, als ob aus dem Ge­biete der OM- und Gemüseversvrgung in der jüngsten Zeit eine überaus schivankende und widerspruchsvolle Haltung eingenommen worden wäre. Diese Lljufsassung beruht auf einem Jtrtuin.

Für die Versorgung Deutschlands mit Gemüse und Obst ist rultt der Reichs stelle für Gemüse und Obst bald nach« ihrer Begrün- IdunH im Juni d. I. im Einvernehmen mit dem Kriegsernäh- 'nngsamt ein festes Programm aufgestellt worden, dessen Grund­linien sind u. a. im Amtsblatt der Reichsstelle, demReichA- Gismüse- Und Obstmarkt" am 1. Und 5. August d. I. dargelegt worden.

Das in Rede stehende Programm enthält von Anfang än die Forderung der Festsetzung von Höchstpreisen für sämtliche Ge­müse- und Obst-Fabrikate. Tie Verwirklichung dieses be­sonderen PrograMmpirnktes erfolgte in der Weise, daß durch die Verordnungen über die Verarbeitung von Obst und Gemüse (vom 5. August 1916, Reichs-Gesetzbl. iS. 911 k) fünf neue Kriegs^ Gesellschaften ins Leben gerufen wurden. Diesen liegt die Aufgabe ob, nach Anwieifimg »eines iBevollMäck.tligten des Kriegsernäh-, rimgsamtes den Einkauf und die Verarbeitung von Gemüse und Obst zu überwachen und Höchstpreise für den Absatz der Fabrikate Mit verbindlicher Kraft für alle Fabriken und Weilerverkäufer! sestzUsehen.

Da diese Verordnungen bereits unter dem 5. August 1916 ver­öffentlicht worden sind, enthält der in der Presse viel erörtert« MffatzHöchstpreise für Marmeladen, Konserven, Sauerkraut, Dörrgemüse usw." In Nr. 225 derMitteilungen des Kriegs- ernäMungsamtes" vom 12. September d. I. weder etwas Neues, noch irgend etwas,. swas Mit den bis dahin bekanntgegebenen Grundsätzen der Reichsstelle für Gemüse unb Obst irgendwie in Widerspruch stände. Tie Höchstpreise' für Marmeladen sind von der Kriegsgesellschaft für Obstkonserven und Marmeladen bereits durch Bekmmtmachung vom 14. August d. I. festgesetzt worden. Ebenso haben die betreffendeil Kriegsgesellschafteu die Absatzhöchstpreise für DörrgeMüse bereits am 1. September 1916, die für Sauerkraut am 14. September bekanntgegeben.

Unabhängig von diesen Höchstpreisen für Fabrikate wurden den Fabriken, wie dies m den Verordnungen vom 5. August d. Js. vorgesehen war, bestimmte Preise für dnr RoMoffeinkauf vor- geschrieben, an welche die Aufkäufer der Fabriken gebunden sind. Diese Preise, die nicht veröffentlicht wurden, sind keineHöchst- Oterfe" rm gesetzlichen Sinne, sondern haben lediglich die Bedeutung von ,Honventionspreisen". Aus der Festsetzung der bezeichnetep Einkaufspreise konnte sich allerdings unter Umständen die Folge ergeben, daß die Fabriken nicht genug Rohware zur Verarbeitung erhielten. Dieser Fall ist bei den Marmeladenfabriken eingetreten, deren Ausgabe, Heer und Bevölkerung mit einer besonders wichti­gen Bedarfsware zu versorgen, besondere Berücksichtigimg bean­sprucht. Infolge der teilweise mittelmäßigen Avfel-ernte sind die erwähnten Fabriken zurzeit hauptsächlich auf die Pflaum enernto angewiesen. Die Frage ob das Obst, insbesondere die Pflaumen', dem Frischvertwauch oder der MarmeladenHerstellung in erster Linie znzrrffrhren seien, wurde nach eingehenden Beratungen in letzterem Sinne entschieden. Es wurde der Versuch gemacht, durch Festsetzung eines Pstaumenhöchstpreises auf die Versorgung der Fabriken zu wirken. Zu dieser Maßnahme lzat sich das Kriegsernährungsamt bereits am 30. August d. Js. in einer ausführlichen Darlegung »^gedruckt in Nr. 30 desReichs-Gemüse- und Obstmarkt" vom 3. September d. Js.) geäußert. Dieses Vorgehen erwies sich aber mehr uud mehr als unzureichend für die Sicherstellung des not- weudigen und namentlich für den Bedarf der .Heeresverwaltung unerläßlichen Marmeladenbedarfs. Deshalb mußte schließlich zur ^VeschLagnahme;i>er Pflaumen und Aepfel geschritten werden. Es ist 'üchtig, daß eine solche Beschlagnahme in dem grundsätzlichen Pro­gramm der Reichsstelle für Gemüse und Obst nicht vorgesehen war Die Beschlagnahme hat sich aber im Laufe der Entwicklung als notwendig herausgestellt, um den Bedarf von Heer und Bevölke­rung zu sichern.

Die von der zuständigen Stelle veröffentlichte Begründung der Beschl-a-gnahmeverordnung lieht durchaus im Einklang mit dem grundsätzlichen Programm der Reichsstelle, in dem diese von An­fang an den Zweck verfolgte, durch jedes' geeignete Mittel dcnl planlosen wilden Aufkäufen und Preistteibereien entgegenzutreten.

Tie absprechenden Erörterungen der Presse, die sich mit diesem Gegenstände befassen, sind also nur insoweit zutreffend, als das Kriegsernährungsamt und die Reichsstelle für Gemüse und Obst zunächst twm der Annahme aus gegangen waren, daß sie den Haus­haltungen die Erzeugung von Marmelade in weitgehendem Maße freistellen könnten. Vor der durch die Wirklichkeit gegebenen Sach­lage mußte dann freilich, wesentlich infolge des zum - eil mangel­haften Ergebnisses der Obsternte, jener an sich berechtigte Wunsch gegenüber der Verpflegung unseres Heeres und der Gesamtbcvöl- kerung in den kommenden Wintermonaten zurücktreten.

Ein Umschwung in Japan?

London, 4. Okt. (WTB.) DieTimes" meldet ans Tokio: Der Kabinett Okuma hat mit Ausnahme des Kriegs- und Marineministers sein Entlassungsgesuch eingereicht, Baron Katv und Graf Terauchi werden als Nachfolger Okumas fgenannt.

Dazu wird uns geschrieben:

DieTimes" melden aus Tokio, das; Ministerpräsident Graf Okuma sein Entlassungsgesuch eingereicht habe. Das­selbe meldeten dieTimes" schon einmal Ende Mai dieses Jahres und Graf Okuma blieb. Mer diesmal dürste es wohl stimmen. Graf Okuma ist reif, um vom Baume ge­schüttelt zu werden. Er war im ganzen fünfzehnmal Mi­nister und zweimal Kabinettschef seines Landes und ist ein Mann von achtzig Jahren. Ohne je in England ge­wesen zu sein, wirr er doch zeitlebens ein eifriger Freund der Engländer, hat ihnen 1914 den Gefallen der Kriegs­erklärung an Deutschland getan und blieb bisher während des Krieges die stärkste Stütze der Deutschenhetze in Japan. Mer die Unterströmung des dortigen politischest Lebens, die durchaus gegen den Kriegszustand mit Deutschland ist, scheint vorherrschend zu werden. Man will jetzt anders. Man hofft auf eine leichte Mrechnung über Tsingtau und rnan hat sich am Kriege gesättigt. Alle im russisch-java­nischen Kriege eroberten Waffen sind an Rußland wieder verkauft worden, die alten Kanonen der javanischen Festun­gen wurden gleichfalls verkauft uud man erhielt genügend Geld. Die letzten japanischen Bataillone sind aus Sibirien abgezogen. Nun beginnt man bereits in Japan darüber nachzudenken, wie man mit Deutschland wieder auf freundschaftlichen Fuß kommen könne. Daß die Japaner durchaus nicht daran dachten, Nationalhaß zwischen Deut­schen und Javanern zu erwecken, geht schon aus der guten Behandlung der deutschen Gefangenen hervor, die in Briefen ihren Verwandten mitteilen, daß ihre Wächter ihnen öfters erklärten, nur die Deutschen und die Javaner seien für einen modernen Krieg voll gerüstet. Deutsches Eigentum in Japan ist geschont worden und alle deutschen Zivilpersonen können genau wie im Frieden ihren Beschäftigungen nachgehen. Auf diese Weise scheint man sich einen Weg der Annäherung ofsengelassen zu haben. Auch be­ginnt man in letzter Zeit daran zu zweifeln, daß man sich im Kriege auf der rechten Seite befunden habe, denn eigent­lich müßte man ja in geographischer und politischer Be­ziehung Rußland und England als Japans Hauptseinde be­trachten. Diesem Gedankengang ist Graf Okuma, der kürz­lich noch das russisch-japanische Abkommen abschloß, im Wege unb deshalb scheint er abtreten zu wollen, ehe seine letzten Lorbeeren, vor allem die'wegen des Erfolges China gegen­über zu welken beginnen. Bezeichnend ist ja auch, daß' als Nachfolger Graf Okumas Baron Kato und Gras Terauchi genannt werden. Baron Kato war zwar lange Jahre Bot­schafter in London, wurde fürenglischer als die Engländer" gehalten und hat 1914 als damaliger Außenminister Oku­mas die Kriegserklärungen an die Mittelmächte unterschrie­ben. Seitdem machte er aber eine merkwürdige Wandlung durch. Er durchschaute die letzten Kriegsziele seiner englischen Freunde und fürchtet jetzt diese Danaer, auch wenn sie Ge­schenke in Form von Kriegsanleihen bringen. Er setzte der neuerlichen Forderung der Russen, ihnen wieder Soldaten

zu schicken, ein energisches Nein entgegen und erklärte, daß zwischen Deutschland und Japan eigentlich kein Kriegsgrund mehr bestehe. Und Graf Terauchi? Ist trotz seiner französi­schen Schulung von jeher deutschfreundlich gewesen, was er als Mitglied des Kabinetts Kotsura 19061911 besonders deutlich bekundete. Jedenfalls stehen beide Kandidaten, Kalo und Terauchi, der allgemeinen Volksstimmung ihres Landes viel näher als der eigensinnige Greis Okuma.

Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberheffen.

Kz. Gießen, den 30. September 1916.

In der G e w e r b e kon ze s sio n s s a che d e s Ka rl Reu ß rn Fri.edberg, der dort eine Maschinen-, Apparatebauanstalt und Kesselschmiede betreibt (mir. berichteten über die Schlußoer- bandlung vom 16. September ls. Js. in Nr. 220 des Gießener Anzeigers, rom 19. Sept. 1916), hat der Provinzialcmsschuß in seurer Stellungnahme zu beiden Projekten dem neueren in wmer Entscheidung vom 30. Sept. lf. Js. den Vorzug gegeben. a,er an der Stelle, wo bisher die störenden Arbeiten im Freien' vorgenommen wurden, zu errichtende An- und Querbau, durch den sedo-ch eure Vergrößerung des Betriebs selbst nicht stattfinden w!l wurde unter einer Reihe von Bedingungen genehmigt, die die Arbeit im Freien verbieten und darauf abzielcrr, den entstehenden Lärm auf ein erträgliches Maß zurückzuführen, bezw. dessen Fort­pflanzung durch all,eitige Abschließnng des Werkstättenbaues mög- (tcfcft JU mürnbem. Weitere Bedingimam, falls sich erhebliche Nachteile Gefahren und Belästigungen für die Besitzer und Be­wohner der benachbarten Grundstücke oder für das' Publikum er* sieben würden, wurden Vorbehalten. Eine Anzahl weiterer Be- orngiMgen, die auferlogt worden sind, trägt den Forderungen der Ge s und Hefts psl e ge und der Fürsorge für die im Betrieb beschäftigten. Arbeiter Rechnung.

Durch die Genehmigung des neueren Projekts ist die wegen dem, Steren Progekt noch schwebende Verwalinngsstreitsache, soweit tnerm ein Werkstättenanbau in der LLngSackckenrichtung in Frcwe stand, gegen,landslos geworden; es mußte deshalb das Urteil des Kreisans Wusses durch andere Formulierung mit der von dem BeriffungSgericht ausgesprochenen Genehmigung in Einklang, ge­bracht werden. In der Hauptsache ist aber auch hier von der Be- laguiig des Be-riebsan der bisherigen Stelle ausgegangen morden.

. ^sft^Een des Verfahrens wurden in beiden Konzessionssachen dem Gesuchsteller auferlegt.

** Gießen. 3. Okt. Letzten Sonntag fand aus dem Sooft, platze an der Hardt ein Fußball-Wettspiel statt zwischen den criieu Mannschaften des VereinsGermania"-Marbura und des hiesigen Vereins für Raseuspiele von 1900. Das Spiel wurde von Gießen überlegen 5.-1 (Halbzett 3:1) gewonnen. - Nächsten Sonntag spielt voraussichtlich der Wetzlarer'Turnoereiu gegen den V. s. R. von 1900.

£}an$cl.

Ein Petroleum-Monopol in Rumänien.

London, 3. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) TieTime?" meldet aus Bukarest: Das rumänische Amtsblatt veröffentlicht die Er­nennung eines Ausschusses, der mit weitgehenden Vollmachten zur Reform der P e t r o l e n m e r z e u g u n g ausgestattet werden sott. Es scheint, daß die Negierung- ein Petroleum-Monopol ein- zusühren beabsichtigt.

*

- Oberbcssische Eisenerzfelder. Ter gesamte Eisenerzfelderbesitz 60 Süubenfelder mit ea. 50 Mstl. Quadrat- ,ueter - der (Äesettschast Eisenerz m. b. H. in Hungen ging durch Uebernahme der Gesettschaftsanteile in den Besitz der Mannes- mann-Röhrenwerke A.-G- in Düsseldorf über.

Stockholm, 4. Okt. (W. B.) Die n e u e s ch w e d i s ch e Staatsanleihe im Betrage von 50 Millionen Kronen wird von heute ab zur Zeichnung aufgelegt. Der Zeichnuugspreis ist 99.5v. Leirende schwedische Großbanken nahmen au der Finanzierung der Anleihe teil. Es ist die s ü n f t e einheimische Anleihe seit Kriegsbeginn. Die erste betrug 30, die zweite 35, die dritte 75ftg und die vierte 60 Millionen Kronen.

Schloß Johannisberg.

(Ein Zweihundertjcchr-Jubiläum.)

Im Jahre 1716, also heute W 200 Jahren, wurde das Kloster Johannisberg im Rheingan aufgehoben, aus das die An­lage des berühmtesten aller deutschen Weinberge znrückgelst. Ans demlKlvster Johannisberg wurde das Schlo ß Johannisberg, dessen Name allen Weinkennern und Verehrern des deutschen Rhein­weins -überaus hold und verttaur klingt. Tie Bekanntschaft mit dem Wein und dem Weinbau verdankt unser Vaterland den alten Aomern, der Weinbau im größeren Stile wurde aber erst seit der t^nsührung des Christentums in Deutschland durch die christlichen >l.o!.'^r betrieben. Fast alle die Weinberge, die man heute noch aulleryalb der hauptsächlichsten Weinbaugegenden bei uns so namenttrch im Osten Deutschlands, antrifft, sind durch die Klöster angelegt worden. Im Jähre 1106 siedelte der Erzbischof Rut- hard von Mainz auf der damals öden, kahlen Höhe, auf der jetzt Schloß Johannisberg liegt, Benedektiner an. Als bald daraus der Rherngraf Rrchiolf sich an einem Jolzannistage AusschreittingeN gegen die Mainzer Juden zu schulden kommen ließ, und diese sich vorüber beim Kaiser beschwerten, wurde dem Erzbischof, dem Schwager des Rherngrafen, die Buße auerlegt, daß er der iu Rede gehenden Klostcranpedlung in der Nachbarschaft große Ländereien überweisen mußte. Diese Überweisung wurde als Sühneschenkung »och oesonders dadurch gekennzeichnet, daß das Kloster zur Er- ^nnerung an den bewußten Jvhannistag den Namen Johannisberg erhielt. .Nach der Aufhebung des Klosters ging der Johannisberg 78* in den Besitz des Fürstabt von Fulda über: im Jahre 1801 wurde das Hochstift Fulda säkularisiert und dem Prinzen von Oramen als Entschädigung für die ihm abgenonrnrene Erb- statthalterei der Niederlande übertragen. Lange freilich durfte sich der Oranrer dieses Besitzes nicht freuen: nach der Gründung des Rheinbundes überwies Napoleon I. seinem General Kellermann nnem ans Wolfsbachweiler an der Tauber gebürttgen deutschen BimernfoM, den Johannisberg als Dotation für die ihm ge- leisteten wichtigen Kriegsdienste. Lange freilich durfte sich der General Kellermann der Herrlichkeit nicht freuen, es widerftrhr ihm aber dabei das hervorragende Glück, daß er den berühmtesten Jahrgang aller Rheinweine, deir des.Konretenjahres 1811 mit­erleben durfte. Ta er aber schon damels dem Frieden nicht recht verkaufte er den ganzen Ertrag auf dem Stock 50 Stück ? 000 Liter für den billigen Preis von 32500 Gulden an

Evlner Weinhandler Mumm. Dieser verkaufte später das beste ^ Ä^^nPrerskon 12000 Gült« und legt, mit di.s.m Grundlage zu dem großen Reichtum der Wein napolevi>nche Herrschaft im Jahre 1815 ihr Ende erreicht hatte, war es auch nnt der Kellermannschen

Herrlichkeit zu Ende. Es hieß damals, daß der Johannisberg entweder deni Freiherrn v. Stein oder dem Fürsten Blücher oder aber dessen Generalstabsckef Gn>eisenau als Dotation zufallen sollte. Doch es kam ganz anders. Der Kaiser von Oesterreich leftete aus den. Beschlüssen des Wiener Kongresses das Recht her, über die Besitzung Johannisberg frei verfügen zu dürfen, und er verlieh diese seinem allmächtigen Mnister Metternich als Lehen. Seit dieser Zeit ist also diese Perle des Rheingaus im Besitz der gräf- lrchen Familie Metternich. Da aber die Schenkung des öster- reickischen Kaisers den Charakter eines Erblehens trug, so muß der Besitzer vou Schilvß Johannisberg noch heute an den Kaiser von Oesterreich von jeder Weinerrfte in natura den Zehnten gbliesern. Dre mit Wein bebaute Fläche bettägt etwa 25 Hektar und wirft ihrem Besitzer mit einem Ertrage von 36 000 Litern durchschnittlich im Jahre 160000 Mark ab. Tie edelsten Gewächse werden flaschen- wcise als Kabinettslveine verkauft. Aeltere wertvolle Jahrgänge werden mit 4070 Mark für die Flasche bezahlt, bei manchen, wie beispielsweise Johannisberger Kabinett 1893, ist der Preis bis aus 80 Mark für die Flasche gestiegen. Um die Herrscherkrone un gesegneten Rheingan streitet mit dem Weine von Schloß ^vhonmsberg nur noch derjenige der ihm benachbarten königlich preußischen Domäne Steinberg. Von dieser stammte, wie be- historische Flasche 1868er Steinberaer Kabinett, die Käfter Wilhelm II. dem Fürsten Bismarck zur Versöhnung über- mndt hatte. Aucki der Steinberg ist eine Gründung frommer lüonche: drei er Weinberg ist von Zisterziensern angelegt worden, wahrend auf schloß Lohannisberg, wie oben erwähnt, Benediktiner d»e erpen Reben gepflanzt haben.

*

r , ^ ital ieitische Staatsschwein. Ein Schwein

ist unstrertbar eine sehr gute Sache. Das Staatsschwein in den kleinen ftalienischeii Republiken des Mittelalters war aber eine, doppelt gute. Es hatte nämlich neben seiner nattirlichen Nahrungs- mrttelansgabe noch etne andere, die geradezu seinen Schweine- nainen z u fchanden machte. Das italienische Stadt- und Staats- Ichwern versah nämlich in jener guten alten Zeit die Funktton des tra b eureiNigers. Ob dadurch die Straßen in Flo- renz, Siena, Bologna blanker wurden als heuzutage, ist zweisek- yaft. Gin emzclnes Schwein wobl konnte auch nickt mit der ganzen Schweinerei der italienischen Vicoli, Piazzette und Corsi fertig werden. Gleichwohl: me Sckpveine bekamen von Anits wegen diese penwle Arbeit zugewiesen. Im Jahre 1296 stellte der Bürger- meister von ^rena erne ganze Schweinefamilie, Maina und vier Kinderchen, an. Hhren Lohn fand m sie reichlich auf der Straße. Ksiw großartiger ging es in Bio log na zu, das ja wegen seiner 2* <5!5- crci war uiid den Beinamenla grasse" (das

fette Bologna) ftihrte. Dort hatte die Brüderschaft vom heilrgent

Antonw das Privilegs hundert Schweine auf Straßen rmd Plätz zu weiden ^-edes dieser Schweine mußte ein Glöckchen mit dc Burgermeisterwappen am Halse ttagen. Aber bei deni hohen A sehen, das sie genossen, ließen sie sich diese kleine Unbequemlichkl §ern gefallen Auch, abgesehen von dieserhygienischen" Orgar I, 11 ' W-tte das wirtschaftliche Leben in Italien mancherlei Ei richttingen aufzuweisen, die sehr zugunsten der alten Zeit spreche Wenn man die heutigen Lebens Mittelberichte desAvantt" n;' f b' ^?S> TTlin9en < . 5'^siZeiten, vergleicht (in dem jüngst erschien nen Monumental werk ChledvwSkis überSiena" finden sich ei' .. L f f Don )' w muß inan sagen, daß das antike Jtali Mutige. Die Regierung betrachte er tC k ® or0e ' d>2s &it an aUem Nötigen kein, ^ r? o he namentlich die Lebensrnittel zu niedrigen Preis.

bie)em ' 3ltlccf wurden bei den Landwirten regelmäß vorgenommen und denjenigen Ochsen, die z,

<n K ~ ber § na KommissarruF l Irisch und gut mutzten die Waren sein: daru Welscher in seinem Laden neben dem zu verkaufe, den Fleisch auch noch den Kopf des geschlachtet-m Tieres Eilten so oaß wder sich, gleich von der Frische der M.ren übemeugc

u s b Cbtn l° bie nicht verkauften Fische alltägli

des Abends von den Magisttatsdienern weggeschüttet Die Hanv sorge der Regierung ging jedoch dahin,der Stadt einm am

der^aw^Zu diesem Zweck kauf n Stodt-^taat alliahrftcy zur Erntezeit große Getteidevorra an die er dann^im Lause des Jahves an die ärmeren Volkskrei verkaufte. Es war dres, wie Chledo-oski versichert, ein ausm zerchneter Preisregulator. Büau sieht: das anttke ^tariert tm nur die Hochburg der Architekten, Bildhauer und^Maler, sor dern auch ern Land der Staatsmänner und Sozialpolitiker a das das moderne Italien nicht heranreicht.

l^d'urg, 4. Okt. Auf Veranlassung des hessisiben G sckuchtsvereins wurden aus mnem dichtbewaldeten HüS dea Obm Waldes zwischen Roßberg und Wermertshausen Grabi-ugen na uner der ^age und Ueberlieferung nach dottuntiwgegan^r Kirche vorgenommen. a.ie Forschungen waren von reichenr Ei folg ?;kront. Man legte dw etwa einen Meter starken Maueiu eine 12 Meter langen nnd 8 Meter breiten Kirche mit halbkeciSsörmiae Apsiv frei. Das Mauerwerk besteht aus groben Bruchsteinen di ousgefundenen Türpfosten wurden aus Basalt gebildet Au Ostseite stellte man Begräbnisplätze fest, die noch Zahlreiche cA"-ein bargen: serner fanden sich zahllose Tonsc'-eröen, viele Huseiien verschiedene Eisengeräte vor. A-rchiva-ischen QueAenschrj.' eu zu folge handelt es sich um die Reste der Kirche des 1222 erivübn^i und um 1400 schon als wüst bezeichneten Dorfes Udenhausen Hwrmm des Bauwerks weisen auf eine frühmittelalterliche Cmt