Nr. 232 Zweites Blatt 166. Jahrgang
Erscheint tL-lich mit Ausnahme des Sonntags.
Beilage«: „Giehener ZamillenblStter" und ..Xreisblatt für den Kreis Sietzen".
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General-Anzeiger für Gberhejjen
vienstag, 3. Ottober M6
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Der Heimat Zchützengraben.
Herr Landtaasubg. Dorsch- Wölfersheim veröffentlicht folgenden Aufruf znr Kriegsanleihe:
Berufsgenossen!
Zum fünftenmal wendet sich das Vaterland an euch, um die Mittel zu erlangen, die zur Fortführung des Heldeu- und Verteidigungskampfes, der uns aufgezwuugeu wurde, notig sind. Die Augen nicht nur unserer Feinde, sondern die oer ganzen Welt, sind auf das deutsche Volk gerichtet, ob es der großen Aufgabe, die das Schicksal an es gestellt, gewachsen ist, ob es würdig ist der unsagbaren Heldentaten seiner Söhne und Brüder, ob die im Schützengraben der Heimat so ihre Schuldigkeit tun, wie die im Schützengraben an der Front. Denn vergeßt nicht, wir alle müssen in diesem schrecklichsten aller Kriege Mitkämpfer sein; es muß jeder auf seine Art, nach seinepr Können mithelfen, sei es auf dem Acker, in der Fabrik, in der Werkstatt, auf dem Bureau, es muß die letzte Kraft angespannt werden, sonst geht Freiheit und Vaterland verloren.
Denn das kann ruhig gesagt sein, und unser unversöhnlichster, zähester Feind England macht kein Hehl aus seinen Absichten, die es ausführen will, wenn es uns niedergeboxt hat. Die Weltgeschichte wird über uns als Volk und Land zur Tagesordnung übergehen, wenn wir versagen und nicht oas letzte an Gut und Blut aus dem Altar des Vaterlandes opfern.
Ich weiß es, unzählig sind die Verärgerungen, die nun einmal durch die neuen Bestimmungen und Verordnungen hervorgerufen wurden, vieles hätte anders, besser, praktischer gehandhabt werden können, wenn nrcrn besser, als dies der Fall ist, die Regungen der Volksseele verstanden und Männer des praktischen Lebens gehört hätte. Aber wir alle sind Menschen, und Fehler und Mißgriffe werden genracht. Vor allem aber dürfen diese Vorkommnisse nicht dazu beitragen, den Blick vom großen Ziel abzuwenden. Durchhalten und Siegen. Diese im Vergleich zu der großen Zeit, in der wir leben, kleinen Unzuträ'glichkerten sollen und dürfen uns nicht vergessen lassen, daß'Volk und Land seine Schickf-als- stunde erlebt und daß wir dem Untergang geweiht sind, wenn nicht das letzte Goldstück, der letzte Taler dem Vaterland zur Verfügung gestellt wird
Man kann es nicht begreifen und verstehen, wenn man den Krieg dadurch beendigen will, indenr man dem Land kein Geld mehr zur Verfügung stellen will; wer dies sagt und versteht es nicht besser, dem mag es verziehen werden; wer aber Wider besseres Wissen predigt, ist nicht würdig, den deutschen Namen zu tragen, und er versündigt sich an der Gegenwart und Zukunft unseres Volkes. Glaubt denn ein Mensch, der auch nur halbwegs die Absichten unserer Feinde kennt, daß es Friede würde, wenn die fünfte Kriegsanleihe nicht oder schlecht gezeichnet würde. Das Gegenteil würde der Fall sein, man wurde das bei unseren Feinden und rächt zuletzt bei den Neutralen als die ersten Zeichen des Wirt- schaftlichen Verfalles ansehen, und der moralische Schaden würde unübersehbar sein.
„Baut kein Korn, zeichnet keine Kriegsanleihe und unsere Soldaten mögen heimgehen, dann ist der Krieg fertig." Mgesehen davon, daß derartige Aeußerungen ein Verbrechen sind, wäre es daun fertig? Gott bewahre, dann würde es erst recht losgehen und das im Lande selbst, das Gott sei Dank durch die beispiellose Tapferkeit und Aufopferung unserer Feldgrauen, mit Ausnahme eines Teiles von Ostpreußen, die Schrecken des Krieges nicht zu erleben brauchte. Wie würde es aber kommen, wenn durch Verweigerung der Mittel oder durch das Umsichgreifen eines falschen Geistes in Volk und Heer unsere Fronten zusammenbrechen würden und die Vertreter aller Rassen und Farben des Weltalls sich in Deutschland ein Stelldichein geben würden? Was wäre da noch heilig? Weder Gesetz noch Recht, noch Geld und Gut, Leben, Ehre und Freiheit, alles stünde auf dem Spiel, und an diesen Besuch unserer Feinde würden Kind und Kindeskinder denken. Verbrannte Hofreiten, geraubtes Vieh, verwüstete Aecker, eine züsammengeschlagene Industrie, Kriegsschulden auf Jahrhunderte und ein an Leib und Seele ^geschädigtes Volk würden die Begleiterscheinungen eines verlorenen Krieges sein. Welchen Wert hätte im Falle eines feindlichen Einmarsches das dem Vaterland vorenthaltene Geld; rein gar keinen, und der Gedanke, du hast durch deine Kleinlichkeit oder Aengstlichkeit dem Vaterlande die silbernen Kugeln vorenthalten und dadurch dessen Schicksal mitverschuldet, wäre der größte Vorwurf, den du dir machen könntest. Und sollen 'wir nicht willig und freudig dieses inrmerhin gute Zinsen tragende Opfer bringen, wo an der Front Tausende und Abertausende in der Blüte der Jahre oder im besten Mannesalter, um das höchste Gut, um das Leben würfeln. Dürfen wir in der Heimat versagen angesichts der Tatsache, daß unsere Jugend singend und jauchzend dem Tod entgegenstürmte nutz auf Flanderns Fluren unverwelklichen Lorbeer pflückte? Wollen wir in der Heimat hinter denen zurückstehen, die in den Karpathen, auf den Feldern Polens, in der Champagne und m dem Riesenringen um Verdun dem deutschen Stamm unsterblichen Ruhm erkänipft haben? Wie sollen wir vor denen dasdehen, die ihr Augenlicht, ihre Gliedmaßen verloren, arm oder krank und siech geworden sind, wenn durch unsere Kleinlichkeit und Aengstlichkeit bei der Stärkung des Schützengrabens der Heimat, Kriegsanleihe genannt, nicht jeder das leistet, was er irgend kann. Das kann und darf nicht sein; auch die fünfte Kriegsauleche muß eine gewonnene Schlacht bedeuten. Gew'ch hätte es jeder, der die Schrecken des Krieges zu schätzen vermag, gern, wenn die Friedensglocken ertönten, aber sollen deswegen all die Opfer gebracht sein, daß uns der Vampyr unter den Völkern, England, einen Frieden diktiert, der unseren Untergang bedeuten würde. Wer kann das wollerr? Niemand!
Und wenn wir auch nicht begreifen, warum gegen diese modernen Seeräuber über dem Kanal nicht alle verfügbaren Kampfmittel rücksichtslos gebraucht werden, so wird die Zeit kommen, wo wir darüber Rechenschaft fordern werden. Aber jetzt ist dazu keine Zeit, jetzt heißt es zusammen stehen, nicht allein in Wort und Hand, sondern rnit der Tat, und besonders du, deutscher Bauer und Bäuerin, die ihr den ältesten aller Stände personifiziert, zeigt euch der großen
Zeit würdig. Denkt an die Bauern der Freiheitskriege 1813, wo der Landmann sein letztes Pferd tottrieb, um den französischen Eroberer aus dem Lande zu schlagen, denk, deutsche Frau, an die große Zeit, wo der letzte Goldschmuck, das reichste Frauenhaar geopfert wurde für Freiheit und Vaterland !
So sei es heute wieder: die Begeisterung dieselbe, wie vor hundert Jahren, nur in anderer Form.
Stärkt der Heimat Schützengraben, indem ihr die fünfte Kriegsanleihe zeichnet. Jeder nach seinem besten Können, und kein Feind wird die Fluren unserer Heimat betreten!
Wölfersheim, 24. September 1916.
Anegsdriefe aas dem Gsten.
Bon unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatts (Unberechtigter Nachdruck, muh arSzugslveise, verbales.)
Von Kowel nach den Karpathen.
B e l s ö V i s s ö , den 21. September.
Man liagt im Kriege in guten und schlechten Quartieren, findet freundliche und unsrenichliche Menschen, viel schlechte, auch freundliche Tage. Das ist so alt wie der Krieg, es ist kein Wort darüber zu verlieren: man muß nur versuchen, jedem Tina seine gute Seite abzugewinneu. Ich bin überzeugt, daß auch die Stadt Kowel ihr Gutes hat; ich Habe es nur noch nicht finden können. Ob ich von der Front zurückkehrte, ob ich ein paar Tage hintereinander in dem Orte saß, immer schien mir Kowel die unangenehmste Stadt, die ich. je in Polen, Litauen oder Wolhynien gesehen habe. Das will schon viel sagen. Vielleicht liegt es daran, daß man immer den Eindruck hat, die lange, unfreundliche, häßliche Hauptstraße rieche noch mehr, als es,sonst in den jüdisch-polnischen Städtchen üblich ist. Vielleicht ist esf der ewige Staub, den die Kolonnen auswirbeln, vielleicht sind es die Bewohner, die die häßlichen Straßen nicht gerade verzieren, vielleicht sind es die frühen Nebel, die der Sumpf ringsum schickt, vielleicht ist es der Fluch des unaufhörlichen Kampfes, der um die unselige Stadt tobt, ich weiß es nicht, doch selbst am Abend, wenn das unerfreuliche Leben endlich schlief, wenn man Schmutz, und Unrat und Häßlichkeit nicht mehr sah, schienen die Sterne wie verdunkelt über den dnmpfatmenden Straßen. Nur wenn die Kapelle der Bayern in dem großen österreichisch-ungarischen Kasino die alten Märsche, alte Siegesmärsche, spielte, vergaß man den Truck der Stadt und sah dem schweren Zeiternst unbeengter ins Gesicht.
Don Kowel nach Lemberg rattert der Zug eure Nacht lang. Es mag jn Lemberg ein Teil des Lebens fehlen, das sonst durch die "Hauptstadt Galiziens wohl leichtsinnig, wohl auch sehr liebenswürdig gegangen ist; es bleibt genug an schönen Bildern übrig. \
Im polnischen Dom flimmert das Licht durch me bunten; Scheiben. Golden glühen die Kerzen am Altar. Das nüchterne helle Vorderschiff des gotischen Domes ist nur wie eine Vorhalle zu dem Altarraum, der mit goldbraunem Halbdunkel alle Tinge und die betende Menge zärtlich umfängt. Eine Frauenstimme schwingt aus dem Dämmern, eine schöne Männerstimme antwortet. Das Gewand des Priesters glänzt, die Kerzen flirren, die polnische Menge sieht zu dem wundertätigen Gnadenbildei der swenta Maria.
Am Platz vor dem Landtaasgebäude blühen die Rosen, die weiten gepflegten Rasenflächen schimmern auf wie glänzender Samt in dem warmen Mittagslicht; da drüben in dem langgestreckten Bau lag das Oberkommando der zweiten österr.-ungar. Armee. Man darf den Krieg nicht vergessen; er sorgt für seine Erinnerung überall rmd immer.
Schon stehe ich wredcr — ist ein Tag dazwischen, eine Stunde? — vor dem kleinen Schloß, in dem das Oberkommando der zweiten Armee jetzt liegt. Auto, Bahn, Auto, eine Nacht in Lemberg und wieder Bahn. Das Hauptguartier Erzherzog Karl. Die klugen, kühlen, grauen Augen des Generalstabschefs werden warm, als er von den deutschen Karpathcntruppen spricht. „Dorthin rate ich zuerst zu gehend Unverwüstlich sind die Jäger und die anderen auch. Später vielleicht zur Armee Bothmer. Ta sind ja auch die Türken eingesetzt. Es gibt Schwierigkeiten in der Verpflegung, in der Verständigung, sie werden überwunden. Anspruchslos, hingebend gehorsam, ohne Nerven, tapfer ist der türkische Soldat; ich war ein paarmal bei ihnen draußen, es war eine Freude."
Auf der Bahnstation sehe ich den jungen österreichischen Thronfolger: liebenswürdig, leicht in den Bewegungen, sich einfach gebend, in einer Art, die ihm die Herzen der Armeen schnell zugewandt hat.
Es scheint mir, daß man auf der Karpathenbahn, der ich mich nun anvertraue, guttnt, die Uhr abzustellen, und das Gefühl, daß Zeit einen Wert habe, völlig auszuschalten. Bon Stryi gelingt es, in einem Wagen, der an' einen Verwundetentransport gehängt ist, weiter zu kommen. Langsam steigt der Rote Kreuz- Zug zum Veskidenpaß hinauf.. Um 7 Uhr morgens schickt der freundliche Kommandant, österreichischer Oberstleutnant, Kaffee und Brot. Die Berge steigen. Tannenwälder grünen an den Hängen, Nebentäler öffnen sich in überraschender Schönheit. Hier und dort ein rnthenisches Dorf mit den steilen Strohdächern, von denen der Schnee abgleiten soll. Alte rnthenische Holzkirchen verstecken sich unter grünen Bäumen. Hinter den Höhen zur Rechten liegen die Schlachtfelder, auf denen dieselben Truppen, zu denen, ich fahre, schon einmal inr Frühjahr 1915 die Russen geschlagen haben. „Erstürmung des O,t.ry, 24. 4.15.; Erstürmung des Zwi- nin 30. 4. 15."
Immer höher schraubt sich die Bahn, näher rücken die alten Schlachtfelder zur Rechten und zur Linken. Das Land scheint keine Erinnerungen daran zu haben. Unberührte Wälder und Dörfer, spärliche Felder, Kuppen, die. sich l?erb und schön in das Himmelsblau lehnen. Ter Zug durchfährt den Tunnel, wir sind auf der Südseite, der ungarischer Seite der Karpathen. Wie mit einem Schlage sind die dunklen Nadelwälder verschwunden, weithin dehnt sich Laubwald, den der Frühherbst schon mit gelben und gelbroten Farben betupft hat. Maisfelder beginnen. Die Bauern find an der Ernte. Rote Kopftücher leuchten aus den graugrünen, langgedehnten Feldern auf, am Bahndamm stehen die Männer in den weiten, weißen Hosen und grüßen .fjutmif. Ter Zug rollt schneller, obwohl ivir an jeder Station, oder vorher und nachher, möglichst lange Halt machen. Die Mädchen — ihre grün- und rot- und weihgestreisten Schürzen glänzen — bringen überall Weintrauben an den Zug. Tie Hügel werden sanfter. In der Ferne noch einzelne Kuppen. Munkasz. Im Rückblick steht die mäch-tige Burg über der Stadt vor den blau verschimmelnden Bergen. Ich sitze als Gast des .Kommandanten des Sanitätszuges in seinem hübsch eingerichteten Wolmwagen. Man zitiert natürlich fast gleichartig: „Alexander Ppsilanti saß auf Munkasz hohen Turm..." Lange beherrscht der steile Kegel. an dem die Trauben reisen,, die Ebene. In Batyu verlasse ich den Sanitätszug, in dem für die Verwundeten übrigens geradezu vorbildlich gut gesorgt tvurde, und ein neuer Zug, er nennt sich Kurierzug, bringt mich entlang dem .Tal der Theiß nach Mar- maros-Sziget, das russische Vortrnppen ja einnml am 2. 10. 14
erreicht hatten. Diesmal ist das russische Karpathenunternehmen anders verlausen.
Tie Maisfeldcr stehen üppig und hoch. Dazwischen liegen die gelben Kürbisse, überall, wo der Fluß und das Gebirge Raum geben, ziehen sich die Knkurutz-Felder. Enger wird das Theiß- Tal. Schnee glänzt aus den Bergen, die in der Sonne ihre Nebelschleier beiseite schieben. Es geht im Vissö-Tale weiter, nun nähert man sich der Front. Auf allen Gängen drängen; sich die deutschen Soldaten. Alle deutschen Dialekte schallet: zusammen. Sie essen die süßen Trauben, sehen in die sich türmenden Wände, die plötzlich dann zurücktreten und weiten Blick geben. Viele sehen die Berge zum erstenmal, in ihren Augenf ist kindliches Otaunen und blaue Freude. Andere heben kaum den Blick. Ter Krieg warf sic z.u weit und hart.
Velsö Vissö. "Eine kleine Stadt, die Berge liegen in schöner Rundung:um die Straßen, die Kirche, die einstöckigen Häuser. Noch sind die Linden am Marktplatz grün.
Enten und Gänse schnattern vor Meinem Fenster.
Tie Wolken scheinen nahe über den Dächern zu ziehen. Am Abend sind dann die Sterne auch wie näher als sonst, und die Berge liegen wie schützende Hände vor dem Städtchen.
R o l f B r a n d t, Kriegsberichterstatter.
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Ans StCldt rin- Lern-.
Gießen. 3. Oktober 1916.
„Was tut die Reichsgetreidestelle gegen den Verderb von Brotgetreide?"
Immer wieder taucht bald hier bald dort das Gerücht auf, daß irgendwo Brotgetreide in verdorbenem Zustande befunden! wurde und fort geworfen werden mußte. Geht man dem Gerüchte nach, so stellt es sich zwar bald als falsch heraus. Das hindert aber nickt sein wenig fröhliches Wiederaufleben an anderer Stelle. Um dieser zählebigen Besorgnis zur Ruhe zu verhelfen, sei einmal seftgestellt, was die Reichsgetreidestelle tut, um unsere Vorräte an Brotgetreide gegen dtt Gefahr des Verderbens zu schützen.
Tie Reichsgetreidestelle war sich von Anfang bewußt, daß es ihre Aufgabe und ihre Pflicht ist, für die Erhaltung der von ihr aufgespeichrrteu Vorräte zu sorgen. Sie hat deshalb die Mühlen, die das Gctrcide später vermählen sollen, als verantwortliche Lagerhalter bestellt. Tie Mühlen sind haftbar für die Gesunderhaltung des ihnen anvertrauten Getreides und für die Ablieferung gesunden Mehles. Bei Lieferung mangelhaften Mahles haben sie für den Minderwert aufzukommen, ebenso haben sie etwaige Fehlbeträge des abgelieferten Mehlas gegenüber der ihnen! übergebenen Getreidemenge zu bezahlen. Zur besseren Beaufsichtigung lagern die Mühlen das Getreide nicht in unbeschränkten! Mengen auf einzelnen Lägern, sie pflegen vielmehr eine ganze Reihe von Lägern -u mieten und auf diese das Getreide zu verteilen. Sind nun schon die Müller an sich die geeignetsten Sachverständigen für die G e treibe behänd tun g, so sorgt die Reichsgetreidestelle noch durch ein ausgedehntes Ueberwachirngssystem dafür, daß überall zum Rechten gesehen wird. Dutzende von! Ueberwachungsbeamten, durch Oberbeamte kontrolliert, bereisen ständig das Land imd besuchen in kurzen Zwischenräumen jedes einzelne Lager. Ebenso wird die Herstellung das Mehles überwacht. Mühlen, die nicht alle Vorschriften strengstens befolgen, werden mit Entziehung des gefährdeten Getreides bestraft, was für die betreffenden Mühlen natürlich einen recht empfindlichen Verlust bedeutet. Ueberfeuchtes Getreide wird vor per Einlagerung in Behandlung genommen und künstlich getrocknet, teils in den schon vorhandenen großen Trockenanstalten, teils in neuangelegten Trockenanlagen, zu denen die Mühlen angeregt wurden.
Durch alle diese Maßnahmen gelingt es der Reichs getreidestelle, das deutsche Getreide, auch wenn es in schlechter Beschaffenheit angclicfert wird, zu erhalten und die Brotversorgnng» während des ganzen Wirtschaftsiahres zu sichern. Freilich kann cs Vorkommen, daß trotz aller dieser Vorsichtsmaßregeln zulveileir Getreide, wenn auch nicht verdirbt, so doch in seiner Beschaffeir- heit leidet. Wird doch jetzt in der Kriegszeit auch das minderwertige und nasse Brotgetreide, das früher ohne weiteres verfüttert ivurde, an die Reichsgetreidestelle abgeliefert! Wer auch in solchen vereinzelten Fällen kann die Reichsgetreidestelle, die durch ihr Ueberwachungssystem immer auf dem .Laufenden bleibt, das Getreide rechtzeitig anderen Zwecken zuführen, sei es zur Kornkaffeeherstellung, sei es als Futterschvot, das der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wird.
Jedenfalls steht fest: verdorben ist der Reichsgetreidestelle bisher noch keine Tonne Getreide! Alle entgegen stehenden Behauptungen entbehr reit der tatsächlichen Grundlage.
Auch die Befürchtung, die manchenorts an die Einrichtung der Frühdruschprämien geknüpft wurde, daß nämlich dadurch große Mengen schlechten, insbesondere feuchten und deshalb leicht dem Verderben ausgesetzten Getreides der Reichsgkstrerdestette zugeführt würden, erledigt sich wohl durch den Hinweis auf die oben geschilderten Einrichtungen und das System der Reichsgetreidestelle. Zudem kann versichert werden, daß dieses neue Getreide schon im Lause der nächsten Monate zur Vermahlung kommt. In der für das Getreide gefährlichsten Frühjahrszert wird davon nichts! mehr vorhanden sein.
Also keine Sorge; es ist bisher nichts umgekommen, und es soll auch weiterhur nichts umko-nrmen! Unser kostbares Gut, das Brotgetreide, ist bei der Reichsgetreidestelle in treuer Obhut.
** Beschlagnahme,Best andserhebungundEnt- eignung von Bierglas deckeln und Bierkrugdeckeln aus Zinn und freiwillige Ablieferung von anderen Zinngegenständen. Die Nutzbarmachung der in irgend welcher Form bereits im Betriebe und Gebrauch befindlichen Metallmengen für die Interessen der Landesverteidigung wird als Met all Mobilmachung bezeichnet. .Ter Grundgedanke der Metallmobilmachung ist der, hie als Gebrauchsgegenstände sest- gelegten, also immobilen Metallmengen nach Matzgabe des gegebenen Bedarfes an den verschiedenen Metallsorten und unten weitgeheirdster Berücksichtigung der Jnteresßm der Besitzer verfügbar zu machen. So wird neuerdings das Zinn an einer Stelle beschlagnahmt und ein gezogen, wo seirw »Hergabe Verhältnis^ mäßig geringe Schwierigkeiten bereitet und ohne nennenswerte Schädigung wirtschaftlicher Werte angängig ist. Es handelt sich um die erheblichen Mengen an Bierglasdeckeln und Bier- krugdeckeln, die aus Zinn mit einem Reingehalt von 75 v. H. und mehr bestehen. Diese Bierdeckel aus Zinn sind auf Grund der am 1. 10. 16 in .Kraft getretenen Bekanntmachung Nr. M. 1/10.16. K. R. A. anzumelden und abzuliefern. Betroffen von dieser Maßnahme werden nicht nur alle Arten von! Bierausschänken, Brauereien, Bierverlägen, Gastwirtschaften, Kaffeehäuser und Konditoreien, sondern auch Vereine und Gesellschaften, Kasinos und Kantinen, also auch studentische Korporationen, Tafelrunden, Klubs und dergleichen. Alle nähere Einzelheiten über die Meldepflicht, Beschlagnahme und Einziehung ergeben sich aus dem Wortlaut der Bekanntmachung und den Aus- führnngsbestimmungen, welche die mit der Durchführung beauftragten Kommunalbehörden erlassen. Tie Veröffentlichung erfolgt in der üblichen..Weise durch Anschlag und Abdruck in den? Tageszeitungen; außerdem ist der Wortlaut der Bekanntmachung


