Jfc. 231
Zweiter Blatt
Erschein tü- 8 ch mit RvSrrahme de§ Sonntag-.
Beilagen: „ÄJtfcoiej Kamllleu-lStter" und rr KrtteW«tl fik -ea Ureis Kietzen".
pa-fche«ovto: Zr«nk?»r1 am Main Nr. N686. Vonckverlehr: Sewerbebanf Gietzen.
lbb. Jahrgang
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General-Anzeiger für ©
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Deutscher Sparer, zeichne Kriegsanleihe, Hindenburg erwartet cs
Thronwechsel in Abefsinen.
Addis Abeba, 29. Sept. (Meldung der „Agenzia Stefani.) In einer feierlichen Versammlung, die im kaiserlichen Palast in Gegenwart aller in der Hauptstadt anwesenden adessinischen Großen abgehalten wurde, entband der Metropolit Abuna Ddathaeos das Volk und die Großen ihres Treueides gegen Lidj Jeassu, der seines Rechtes auf die Krone verlustig erklärt wnrde. Zu seiner dLachfolgerin wurde Uizero Zeoditu, die Tochter Meneliks, bestimnrt. Dedschas Taffari Makönnen wurde zum Thronerben ausgerufen. Die Häupter der äthiopischen Negierung werden ihre feierliche Bestätigung erhallen. Es ist nicht bekannt, welche Haltung Ras Mikhaeh der Vater Lidj Jeassus, einnehmcn wird.
Die Uebernahme der Reyvevung durch die Tochter Meneliks läuft auf einen Staatsstreich hinaus. Der verstorbene Kaiser hatte selber, mit Umgehung seiner Fanrrlienglieder, den nunmehr gestürmten Lids Jeassu zu seinem Nachfolger bestimmt und ihm als Reichsverweser Fitanrari Abdul Gaorgis zur Seite gegeben, der bis jetzt fast absolut herrschte. Bisher hätte man ek^r darauf rechnen können, daß Lidj Jeassu, der inzwischen ins männliche Alter getreten sein muß, zum Negus ausgerufen werden wurde Mleur Anschein nach hat der Bierverband, der auch in Addis Abeba nicht untätig geblieben ist, .den künftiger Kaiser für sich in Beschlag zu nehmen gesucht. Ob und wieweit das gelungert ist, entzieht sich zurzeit natürlich ganz unserer Kenntnis. Auch Bekenntnis-
Arinst uns Wissenschaft.
— NeuesvonCarlAugustundGoethc. Ganz einzigartig in der Geschichte ist das Verhältnis des Herzogs-Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach zu Goethe. Kaum jemals hat ein Fürst Mit seinem Minister so vertraut gestau- boi, fanmt jemals sind zwischen einem Landesherrn und seinem ersten Beamten ähnliche Briese gewechselt worden. Auch der in den «nächsten Tagen bei E. S. Mittler und Sohn zu Berlin er- 'Zckseinende zweite Band der vollständigen Ausgabe des Briefwechsels des Herzogs-Großherzogs Carl August mit Goethe bringt diese freundschaftliche Beziehung des Landesherrn zu seinem Minister zu unmittelbarem Ausdruck. Erfreulich rasch ist dieser Band dem ersten gefolgt, der mit der kirchlichen Einsegnung von Goethes Eye mit Christtane schloß. Auf dies für des Dichters bürgerliche Existenz wichtige Ereignis bezieht sich gleich ein bisher unge- ^Ees offizielles Scheiben an den Herzog vom 22. Januar m dem Goethe tn aller Form seine vormals bei der Herzog!. La»idesregierung medergelegte letztwillige Verfügung der neu ein- get retftfe tt Umstände wegen widerruft. „Statt dieser letztwilliqen: ft3eroidnung erkläre ich andurch, daß nach meinem ^einstigen Ableben mein Nachlaß nach Vorschrift der Statuten der hiesigen vtesidenz, die mir wohlbekannt sind, vertheilt werden soll. 5 ch bitte unttrthanigst, diese meine Erklärung zu den Acten zu nehmen itoo nach lolcher bey hereinstiger Regulierung meines Nachlasses verfahren ziu llissem In tiefster Ehrerbietung verbleibe ich, Ew. M«zogl. Durchlaucht unterthänigst gehorsamster Joh. Wolfg. v Goethe. Weimar, bat 22 . Januar 1807." Di^e Tonart ist nun freilich durck>aus nicht bezeichnend für den brieflichen Verkehr der beiden freunde untereinander; sie ist auch nur gewählt, weil es lich hier um ern zu den Acten" zu nehmendes Dokument handelt; ,,-Uc durch die Vermahlung Goethes veranlasse Abänderung seines Testamentes. Gänzlich frei von Amts- oder Geschäftsstil sind die Bnew Eaül Augusts, der me von dem verttaulichn Du abwich und immer zchrceb, wie er sprach. Bezerchiend daffir ist ettva folgendes Billett das sich aus vorgeschichtliche, von Goethe irrtümlich für musikalische Instrumente gehaltene Funde bezieht die nn pflügender Bauer im Reußischen gemacht und die Prof Sturm Goethe gezeigt hatte: Die Reußischen Schätze sind mir uner-
larlich; wollte Gott, daß bie)e Gegenstände die dunkelsten in der Natur wären: die vorliegenden klingen wenigstens gut. Gott behüte Deine Arbeiten mck> Dein wieder kommen, auf welches ich mich fthr freue. Leb wohl m denen Stürnien, die uns ausblasen" feoldjfr kurzen Briefchen vou der Hand deS Herzogs hat der Her- ausgeber Tr Hans Wahl in seinem Forschungseifer eine große Anzahl ans Lickst gezogen, daneben eine ganze Reihe umfangreicher Dr;ese, die meist amtliche Geschäfte, oft auch Theaterangelegen- hetten und Nicht selten wissenschaftliche oder persönliche Dinge be- tresfem Bei Erwerbungen ftir die Kunstsammlungen, die Bibliothek. Me naturwisscnschaftttchen Institute der Jenaer Universität wird Goethe stets zu entschidendem Rat gezogcii. Keinen, auch untergeordneten Beamten, der irgendwie dienstlich mit Goethe zu tun haben konnte, stellt der Herzog an, ohne um des Ministers Zustimmung zu bitten. So bricht der Briefwechsel nienials ab, auch wenn sich beide Freunde in Weimar befinden. Noch ein zweites
fragen spielen hier eine wichtige Rolle, da Lidj Jq >^vhu des Ras Mikhael, nicht aus einer christlichen — stammt, sivndern aus einer nrohammedanischeii, obwohl Vater-, 'Sohn nachträglich die Taufe erhalten haben. Welche Einfll also hinter dem Metropoliten Abmia Matlsaeos stehen, der sein seits crnenl so cinslußreichen Eingriff in das Staatsllben Abesstm unternahm, läßt sich nicht einmal vermuten.
Aus Stadt und Land.
Giessen, 2. Oktober 1916.
Edelobst.
Vor kurzem hat das Reichsernährungsamt besondere Höchst- für Bauernpflstumen und entsprechend höhere Höchstpreise für Edelpflaumen festgesetzt. Tie Pflaume ist die einzige Obstsorte, bei der man den alten Gegensatz zwischen Edelmann und Bauer noch ausdrücklich in der Sprache festhätt. Das Wort „edel" allein aber spielt gerade beim Obst eine sehr hervorragende Rolle Der Sprachgebrauch der Feinkosthändler benrüht sich, die Bezeichnung „Edelobst" für einige .ganz erlesene Obstsorten ftstz ulegen, im Grunde genommen ist aber fast alles Obst, das wir heute genießen. Edelobst, denn es wird beinahe durchweg von Bäumen und Strauchern geerntet, die vorher vom Gärtner veredelt worden ftnd..Gegenüber den Holzäpfeln und Holzbirnen sind die un (Karten wach,enden Aepfel und Birnen Gelobst: auch die Bauernpstaume must man eigentlich gegenüber der Schlehe und der verwilderten! Pstaume, die man oft genug im deutschen Walde antrifst, zum Edelobst rechnen. Merkwürdigerweise sind die verwilderten Pslaumen-
bisher unbekanntes Scheiben des Ministers Goethe aus dem Jahre 1820 hat Hans Wahl aufgcfunden. Es gibt ein lachst interessantes Bild von der eifrigen Fürsorge Goethes für die wissenschaftlick)en Anstalten und Einrichtungen in Weimar und Jena, die größtenteils ihm ihre Begründung oder doch ihre entscheidende Förderung und ihren Ausbau verdankten. Ganz besonders lagen ihm die Aw- statten in Jena am Herzen, für deren ftnanzielle Aufbesserung er vor allem unter Hinweis auf die großzügige Fortentwicklung der natur wilsenschaftlicheu Forschung in eindringlicher Fürsprache den Her- zog zu gewinnen suchte. „In ihnen (den jenaischen unmittelbaren Anstalten) ist die Wurzel der Naturwissenschaft gegründet, sie erzeugen die schönsten Früchte. Läßt man , nicht ab. sie belebt zu erhalten, ,o sind sie zu einer Zeit, wo äußere Umstände der Fre- guenz ungünstig werden, als hülfteiche Anker zu achten, diensam, bis die Sturme vorüber sind. Ohne das Einzelne herzuzählen, will man rmr der Veterinärschule gedenken: diese, erst vor 4 Jahren Ö0 . 1 ,V ^.Königlichen Hoheit gegründet und gestiftet, ist am unmittelbarsten eine Landesanstalt zu nennen. Wollte man auch das allgemeine Wis,ensck)aftliche nicht beachten, so denkt man doch gern an die Nothweudigkeit, von den Haussieren, von deren Natur und Eigenschaft, nicht weniger von ihren Krankheiten und dem anzuwendenden Heilmittel unterrichtet zu werden_ Der vor zweck
Zähren gefertigte Etat hat sich bis jetzo halten lassen, beträgt mit Em,chlutz aller Besoldungen beh genauen Ansätzen und festgeregelter Verwaltung Ein Tausend Thaler, wozu von Herzoglich Gothaischer Sette zwehhundert Thaler behgetragen werden, und also diesseits noch eme an,ehnliche Verwendung zu bestteiten ist. Wünschenswert h mochte es daher ,cheinen. wenn eine geneigte Ständische Verwilli- gung gedachter Anstalt namentlich gegönnt würde; denn sie greift am unmittelbarsten praktisch in das allgemeine Landesbedürsniß
Strindbergs an Björnson. In der nottvegl,chen Zeitung. „AftenPosten" ist soeben eine Aufsatzreihe erschienen, die die Beziehungen zwischen Striudlberg und Björnson zum Gegenstand hat. Im allgemeinen sind die,e Beziehungen gut gewesen, aber von langer Daner waren sie nicht. Nach dem fcfj-cmen seines Buches ^erheiratet" („Gustas"^ wurde Sttindberg von allen netten mit Vorstellungen bestürmt, schon um seiner selbst willen helmzukehren und Rede und Antwort zu stehen. Der Zkr- leger Albert Bonnier ttwndte sich damals auch an Björnson uirdi £7 Seinigc dazu zu tun, baß dies geschehe. Björnson
ft)lgte dieser Einladung und hiett zugleich die Gelegenheit ftir Pa,send, seine Meinung über „Verheiratet" auszuspreckien. Vertrat ^>ch m der Fra^e des Verhältnisses der Geschlechter zueinander der Verfasser des Schauspiels „Ein .Handsckmli" Ansickstrn. die denen, die Sttmdberg in dem envähnten Bucl>e geäußert hatte, diainetral mtgr^en gesetzt waren, und St rindberg liatte kerne Lust, von Björn- on Ratschlage und Ermahnrmgen anzunehmcn. So schrieb er ihm steheirden Fußes den folgenden, sehr unznvideutig gehallrnen Brief, ■ r *J c . Dichter und ihre Persönlichkeiten überaus kennzeichnend ist: „Euer Majestät! Euer kaiserliches Reffript l>abe ich erhalten und ,verde die Ehre haben, es vollkommen zu über- fthen. Lreber Bruder! Deine Unverschämthett mackst Dich klein. Brauchst Tü mich für irgend einen politischen Humbug, so l>abe ich andere und größere Aufgaben im Leben. Vöeine Spitzftndigkeit,
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das ist rl Und Du der Du Wolltest jetzt ebeusol Geiste, der Schutz de- modisch roi den Zertun. redner. Se Handschuh" bekommen, n.H^ moralisch, Bjön.
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Du Deine GcdanN^ die Antwort auf ^
Wir sind für unsere als daß wir uns niche.
Zank zu veröffentlick>ei- selbst meiner Sache ipJ herein durch Dein knabl. in meinem Stteit so ein standen haben, obgleich Jl,.
Anbeterinnen umgeben wa nur sein kann, denn ich I hinaus in die „Weiten". Ti Natjur, und da kann man allc nun teb wohl! - Laß mich in kannst Du was kruen! Aber 3
moralischen Ratschläge nicht ntenr an, 1 :: n
imb Demonstrationen zu macken, um elWiÄ zu 'machen, ^rcn b^iirrctt meine Schriften nicht. Dein^ftüderer Freund Bernd August Strmdberg. Genf, den 14. Oktober 1884."
, — Münchener Erftauf führunaen. Aus München tmrd uns gc,chrreben: Die Theatersaison ist in Nttinchen zurzeit >cho^ gutem Schwunde. Premieren überstürzen einander, und edler Wettkmnpf regt die .ikräfte an. In den „Kammer- ' an' studierte man die jetzt überall viel gespielte Schicksals- groteskc „Der Floh im Pa üz er Haus" neu ein unv gab dieser Ausführung dadurch die Merkmale eines bedeutsamen Bühnenereign isses, daß man den Dichter selber, Herrn Robert F or ster-Lar in ga mttspielen ließ. Förster erreichte in der wichttgen Rolle des „Jünglings" nicht Erich Ziegels durch wuu- derbare yffiancierungsfahigkett erwirkte Leistung, aber er ragtü doch bedeutend über allen schauspielerischen Dillettantismus und entzückte durch seine natürliche Anmut. — LZeniger «ttzückt war München von der Novität des Kgl. Residenz-Theaters, wo man den sehr dünnen und unwahrsckieinlick>en Schwank .,D er iebente Tag" von Schanzer und We l i s ch aufffilrte Die ms Rokoko verlegte Fabel ist von einer größeren Anzahl vielge- taltiger Schwankfigurcn durchwoben, ohne daß diese herrsch isten lM-zliche Lustigkeit schissen könnten. Die Aufführung \mv kein^. mcss auf der Höhe. , Sie traf nicht den TUn der Zeit, den die Autoren übrigens mrt nicht besserem Glücke crftrebtcii.


