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Erster Blatt
166. Jahrgang
Dienstag, Zf. Gltober M
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säiiillich in Gietzen.
La Maffonnette an
(W.TB.) Großes Hauptquartier,
30. Oktober. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalseld- marschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern:
Auf vielen Stellen der Front nördlich der Somme lag von uns kräftig erwidertes feindliches Feuer.
Bei einem Angriff aus der Linie Les- boeuss—Morval gelang es dem Gegner, seinen Einbruch in unseren vordersten Graben östlich Lesboeufs sich nach Süden in geringer Ausdehnung zu verbreitern; an allen'anderen Punkten, an welchen er durch unser Sperr- fener hindurch vorwärts kam, wurde er blutig abgcwiesen.
Aus dem Süduser der Somme wurden das Gehöst La Maisonnette und die sich von dort nach Biaches hinzieheudeu französischen Stellungen in frischem Angriff durch das aus Berlinern und Brandenburgern bestehende Infanterie-Regiment Nr. 359 gestürmt, dem die durch Bcobachtungsfliegcr vortrefflich unterstützte Artillerie wirkungsvoll vorge- artzeitet hatte. Vierhundertzwölf Gefangene, daruuter süufzehu Offiziere, sind eingebracht.
Heeresgruppe des Deutschen Kronprinzen:
An der Nordvstsront von Verdun hielt der Geschützkamps an.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Gcneralfeldmarschalls
Prinzen Leopold von Bayern:
Ein russischer Mafsensturm. durch stärksten Munitions- emsatz vorbereitet, brach westlich von Pustemyty und bald oarau. östlich von Szelwom gegen unsere Stellungen vor. Beide Angriffe scheiterten im Abwehrfeuer unter blutigen Verlusten.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
In den Waldkarpathen und dem südlich anschließenden ungansch-rumänischen Grenzgebirge herrschte, abgesehen von Patrouillentätigkeit, bei regnerischem Wetter Ruhe.
Südöstlich des Noten-Turm-Passes wurden. Erfolge Hannoverscher und Mecklenburgischer Jäger vom Vortage erweiternd mehrere zäh verteidigte rumänische Hohen st ellungen im Sturm genommen.
Aus den letzten Kämpfen in dieser Gegend End acht Zehn Offiziere und über siebenhundert Mann gefangen zurückgrft'ihrt worden.
. Südwestlich des Szurduk-Passes haben die Rumänen nne unserer Seitenkolonnen zurückgedrüngt.
Balkan-Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
In der Nord-Dobrudscha stehen unsere verfot- geiwen Abteilungen ln Fühlung mit russischer Infanterie und Kavallerre.
Mazedonische Front.
Nach starker Artillerievorbereitung griffen gestern mehrmals serbische und französische Truppen an der Cerna zunächst in schmalen, dann in breiteren Abschnitten die deutschen und bulgarischen Stellungen an: im Sperrfeuer nord östlich von Veljeselo durch Gegenstoß, mißlangen die Angriffe vollkommen. Ebenso vergeblich blieben Vorstöße des Feindes bei Kenali und Gradesniea.
Der erste Generalguartiermeister L u d e n d o r f f.
Der Krieg ist ein Verkürzer und ein Vergrößerer zu- ,jKeich. Daß er ein Verkürzer ist, wird sogleich allgemein jverstanden werden: abgesehen von seiner traurigen Zerstörung blühender Leben zerknickt er mit grimmer 5oand ' auch Ansprüche, Rechte und Freiheiten der Lebenden. Wie >sind uns die kühnen Triebe frischen Wachsens abgehauen ) worden! Wie viele Räder im Wirtschafts- und Erwerbsleben sind still stehen geblieben! Da hat der allgemeine Wille j zum Siege, die Suche nach Recht und Gerechtigkeit auf ' öie Leidenschaften stark angehänft und angespannt.
. Das ist der Krieg als Vergrößerer. Wo die uns ausgezwun- /geue spartanische Lebensart Fehler innerer Verwaltung oder Mrßgrfffe und Willkür merkt, da fühlen wir es heute doppelt Wrr stellen an unsere Negierung und ihre Organe dre höchsten Ansprüche. .Herr v. Batocki, der Präsident des. Krlegsernahrungsamtes, hat jüngst in einem auch von uns veröffentlichten Aussatze auf die .Natürlichkeit hingewiesen.
bie darin liege, daß bei der Neuordnung der Versorgung mit^ Lebensmitteln manches verderbe, volkswirtschaftliche Werte nicht voll ansgenützt werden könnten. Das Personal sei spärlicher und habe nicht die Schulung ltn . e früher tätigen, auf ihre Berufsersordernisse gut eingeschossenen Handels- und Erwerb.skreise. Der Aufsatz Ba- tockis klang wie eine große Entschuldigung. Er hatte in Winen allgemeinen Darlegungen recht, aber die Kritik muß doch gerade deshalb wachsam bleiben und in den Fehlern, die gemacht werden, darf ein bestimmtes Maß nicht überschritten werden. Wir werden ja aber nicht nur materiell ernährt und verpflegt, sondern auch unsere geistige Kost wird von amtlichen Küchenmeistern und Zuteilern mit Kriegsstrenge überwacht. Die uns auch hier auferlegten Einschränkungen versteht und billigt das Volk ohne weiteres Es konnte auch ein zweiter Batocki kommen und uns sagen: habt Geduld, unser Personal ist klein, verfügt nur über ein geringes Maß von Erfahrung, und cs läßt sich nichts daran andern, daß mancher nicht auf dem richtigen Platze steht. Das wurden wir aber nicht so geduldig und entgegenkommend hinnehmen wie die Bitten Batockis. Denn da kommt der Krieg als Vergrößerer. Draußen, im Felde der Gefahr, jind die Anforderungen an die Leistungsfähigkeiten des Einzelnen ins ungeheure gewack)sen. Wir verlangen auch von denen, die dieses in vielen Lebenszweigen beengte Volk re- gieren, einweit strengeres Maß von Fähigkeit und Verständnis. Mittelmäßigkeit ist heute unzulänglich. Das be- tannte Wort „Mein Sohn, du weißt nicht, mit wie viel Einin
falt die Welt regiert wird", mag sür die Staatskunst lu Unebenheiten einige Geltung haben; im Kriege fände ein schlinunerer Batocki. der uns solches sagen wollte, kein Ver- standnis, kein Einsehen. Das haben uns die letzten Sitzungen des Reichstags erwiesen. Schutzhaft und Zensurtätigkeit — daL) sind zwei Tinge, die wir nicht mit einem gewöhnlichen Ellenmaß gemessen haben wollen. Durch die Einschränkungen des Krieges wollen wir nicht zu Menschen nie- derer Ordnung werden. lind wenn uns aus der einen Seite die Kiir keineswegs schadet, die wir jetzt in Entbehrungen und Sparsamkeit durchmachen müssest, so wollen wir auf der anderen Seite auch zufrieden damit sein, das; der Geist der Rechtlichkeit aufgerüttelt wird und das schöne Ziel der Menschenwürde auch in harter Zeit uns nicht vernebelt wird, taatvsekretar Dr. Helfferich hat nach der Ueberzeugung der
Kriegsausbruch. Die Volksstimmung ist gut, die Lage steht, nach Hindenbnrgs Wort, so günstig, wie nur möglich. Da dürfen manche Schranken des Zensors fallen. Darüber ist man sich von der Rechten bis zur Linken des Reichstags völlig einig. Die Negierung will ja auch weiter abbauen, und Staatssekretär Dr. Helfferich verspricht uns eine neue Organisation der Zensur. Der Krieg als Vergrößerer hat sein Amt erfüllt. Und wir wollen nicht schelten über manche vielleicht übertriebene Leidenschaftlichkeit. Der Belagerungszustand muß gemildert werden. Der freikonservative Abg. Frhr. v. Zedlitz macht im „Tag" dazu folgende Bemerkung: ^Manches legt auch die Vermntnng-'nahe, daß die oberen Stellen nicht bloß durch Gehenlassen und Mangel an Aufsicht gefehlt haben. Gründlicher Wandel ist unerläßlich und so dringlich wie möglich. Zu einer Reichstagsverhandlung wie der vom 27. darf nicht noch einmal Anlaß gegeben werden." Und im „Vorwärts" erklärt Scheidemann, wenn kein völliger Systemwechsel leinträte, sei der Sturm im Reichstage nur ein Vorspiel des Kommenden gewesen. Wir wollen hoffen, daß das System bald in schöneren Farben erglänzt.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 30. Olt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 30. Oktober 1916.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
Bei Orsova nichts Neues.
Südwestlich des Szurduk-Passes drängte der Feind Teile unserer Gefechtstruppen um einige Kilometer zurück. Südöstlich des Veres Toronyer- (Roten Turm-) Passes erweiterten wir unsere Erfolge. Nördlich von Campolung wurden rumänische Vorstöße abgeschlagen.
An der ungarischen Ostgrenze ließ die Kampstätigkeit
nach.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls
Prinzen Leopold von Bayern.
, ... dci Pustomnty versuchten die Russen nach kurzem, aber heftigem Artilleriescuer einen Masseusturm. Ihre Kolonnen brachen teils vor. teils in unseren Hindernissen zusammen Lbenso scheiterte ein feindlicher Massenstotz bei Szclwow.
Italienischer Kriegsschauplatz.
- - sSi* ungünstigen Sichtverhältnissen mar gestern die feindliche Gefechtstatlgkeit im Küstenlande geringer als an den vorhergcgangencn Tagen.
S ü d ö st l i ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.
Bei unseren Tnippcn unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcncralstabs v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
;u nüchtern
Mehrheit des Reichstags zu viel entschuldigt
<< Ä^^.aoprüft. Auch in der gestrigen Sitzung waren fast alle Parteien wieder darüber einig, daß die Zensur duldsamer, großzügiger und weiser als bisher ihres Amtes walten könne. Dazu gehört vor allem die geeignete Einwirkung von oben Das System muß besser werden. Auch die Rück- ^ das Ausland und die Vorsicht vor Spionage oder .lngunstigen Stimmungen lassen es zu. daß der Garten gei- , beit langsam wieder aufgebaut werde. Daß eine Zeit
der Dürre eintrat, war verständlich, denn die Zeit war ernst und es waren wirklich-Gefahren vorhanden bei einer etwaigen Freizügigkeit des Wortes. Aber die Bremse braucht nicht dauernd so streng angezogen zu werden, als am Anfang, nach
Errichtung eines neuen KriegsamteS.
30.Okt (Priv.-Tel.) Tic Abendblätter melden: Ikit der Neubesetzung des preußischen Kriegsministeriums erfolgt zugleich die Errichtung eines neuen Kriegsamtes, bas -dem Äriegsmimiterium angegliedert wird. Zu heu Ausgaben des Krregsamtes gehört die Beschaffung von Rohstoffen zur Dertzeliung von Munition und anderem Kriegsmaterial Als Leiter des Kriegsomtes ist der bisherige Chef des Eisenbihnmesens General Grauer onsrrsehen. Seit dem Bestehen des Kriegs- ernahrungsamtes gehört General Gröner auch dem Vorsts« vieles Amtes an.
Der Kaiser an Mackensen.
Berlin, 30. Okt. (WTB. Amtlich.) Ter Kaiser richtete an Genevalseldmarschall von Mackensen nachstehendes Telegramm :
Mein lieber Feldmarschall!
Nach dem glänzenden Verlauf der Operationen in der D o - brnchcha^ die unter ^hrer bewahrten und musterhaften Leitung Ä Cernavo da gekrönt sind, danke ich Ihnen für alles das, was Sie und die Ihnen miterstellten Truppen nfl gemeinsamer Waffenbrüderschaft erneut geleistet haben. Ich will meinem königlichen Dank dadurch besonderen Ausdruck geben, daß fortan mich von dem Truppenteil geführt wird, O w rfü- r !cf u% e schon ernannte nnd bchtimnre, daß das 3. Weftpreutzische Insanteric-Regiment Nr. 129 fortan die Be- zeichiiung „^nsanterie-Regiment Generalfeldmarschall von Mackensen, 3. Westprenß isch.es M. 129" zu führen hat. Ich bitte den ^hnen unterstellten Truppen meine wärmste Anerkennung und Gruße zu übermitteln.
Großes Hauptguartier, den 25. Oktober 1916.
m. Wilhelm R.
Ein Nachrns sür Boclcke.
Berlin 30. Oktober. (WTB ) Ter Oberbefehlshaber einer Armee, General der Jnsanterle v. Be low, veröffentlicht folgenden Nachruf für Hanptmann Boelcke:
Mitten im schärfsten Angriff stel unbesiegt am 28. Oktober seines Flugzeuges der kühne Fliegerbauptmann Oswald Boelcke, Führer einer Jagdstaffel und Ritter des Ordens Pour le merrte. Tieferfckmttert stehen wir und mit uns das ganze deutsche Volk an der Bahre dieses sieggewochiten und imver- gleichlichen Helden. Vorwärts weist uns das Leben und Sterben dieses unerschvockenen tapferen Streiters, der irn-äblige Male hock oben zwischen vrmmel und Erde sich todesmutig ciugesetzt bat für des Vaterlandes © 7 «. Mit SM»! »OWRbennu


