Gr. 255
Der Siehener Anzel-er
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Wechsel im preußischen Kriegsmini f Voelcke tödlich verunglückt.
<WTB.) Großes Hauptquartier,
28. Okt. ^Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Aus dem Norduser der Somme haben gestern die Jnsanteriekämpse wieder eingesetzt. Starke Artillerievorbereitung ging den Angriffen voran, zu denen die Engländer über die Linie Guendecourt—
Lesboeuss, die Franzosen anschließend aus der Gegend von Morval in den Abendstunden vorbrachen. Unsere Truppen haben die verbündeten Gegner durch Artillerie- uud Maschinengewehrseuer, nordöstlich von Morval auch mit der blanken Waffe zurück- geworsen. Die Stellungen sind restlos behauptet.
Heeresgruppe Kronprinz.
Auch östlich der Maas spielten sich erneut schwere, sür uns erfolgreiche Kämpfe ab. Nach heftigem Artilleriesener stürmten ans dem Thiaumont-Waldr, beiderseits Fort Douaumont und am Fumin-Walde starke französische Kräfte zuAngriffen vor, die sämtlich vor unseren Stellungen sür den Gegner vertu st reich zusammenbracheu.
Oeftlichcr Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Nach zweitägigem Wirkungsfeuer gegen den Abschnitt westlich von Luck griff der Russe gestern bei Zaturcy <nt. Der Angriff scheiterte vollkommen und unter schweren Verlusten für den Feind.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Beiderseits von Dorna Watra drangen österreichisch ungarische Truppen in die russischen Stellungen ein und nahmen mehrere Höhen im Sturm. Acht Offiziere und über fünfhundert Mann wurden gefangen eingebracht. An der siebenbür gischen Ostfront dauern die Kämpfe in den Grenztälern an. Südlich von Kronstadt (Brasso) wurde von unseren verbündeten Truppen eine rumänische Höhenstellunq in überrascherrdem Vorstoß genommen und der Erfolg in scharfem Nachdrängen bis ins Tal des Part- zug a erweitert. Im übrigen hat sich die Lage nicht wesentlich geändert.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls vonMackensen.
In der nördlichen Dobrudscha fanden unsere verfolgenden Mteilungen bisher wenig Widerstand. Alle Anzeichen deuten ans hastigen Rückzug des Gegners.
Fünfhundert Versprengte wurden gefangen, einige Munitionskolonnen und Bagagen erbeutet.
Mazedonische Front.
Serbische Angriffe gegen die deutsch-bulgarischen Stellungen im Cerna-Bogen scheiterten ebenso wie Teilvor- stöße des Gegners an den Osthängen der Moglena und südwestlich des Dojran-Sees. An der Struma Patrouillen- geplänkel. bei Orfano lebhafteres Artillerieftuer.
Der erste Generalguarliermeister Ludendorff.
(WTB.)
(Amtlich.)
Großes Hauptquartier, 29.Okwber.
estlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Nach starkem Feuer zwischen Gueudeeourt und Les- boeufs sich entwickelnde Angriffe der Engländer wurden größtenteils durch unsere Artilleriewirkung niedergehalten; wo sie zur Durchführung kamen, wurden sie verlustreich abgewiesen, dabei sind zwei Panzerkraftwagen durch Volltreffer zerWrt worden.
Später drangen östlich von Lesboeuss zwei feindliche .Kompagnien in unseren vordersten Graben ein: dort wird noch gekämpft.
Heeresgruppe Kronprinz.
Nur der Artilleriekampf erreichte auf dem Ostufer der Maas zeitweilig beträchtliche Stärke.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Fast die ganze Stoch odlinie hielten die Russen unter lebhaftem Feuer, das westlich von Luck arökte
Heftigkeit annahm. Ein aus dem Waldgebiete östlich von Szelwow erfolgender russ'/cher Angriff brach in unserem Sperrfeuer zusammen.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
An der Ostfront von Siebenbürgen nichts Neues.
Südlich des Toemoeser-Passes ist im Angriff Azuga erreicht: trotz zähen feindlichen Widerstandes sind in Richtung auf Campolung und auch weiter westlich Fortschritte gemacht worden.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Die Lage hat sich nicht geändert.
Mazedonische Front.
Südöstlich von Kenali und im Cerna-Bogen sind feindliche Angriffe blutig gescheitert.
Der erste Generalguartiermeister Ludendorff.
„Es steht so günstig, wie mir möglich, und alles wird weiter Mt gehen." So sagte Hindenburg zu einem Vertreter der Wiener „Neuen freien Presse",' und wir können uns kein Wort denEen, das uns froher und zuversichtlicher stimmen würde als dieses. Es wiegt eine ganze Flut von Reichstargsreden auf, einschließlich solcher von Regierungs- Vertretern. Auch die Ereignisse der letzten Tage selbst zeigen uns in ihrer Widerspiegelung durch die amtlichen Berichte Fortschritte. Ju der Dobrudscha wird eine neue Frontlinie bezeichnet, die schon etira 70 Kilometer nördlich von Con- stantza liegt. Eine Fiille von englischen und französischen Berichten drücken sich über die allgemeine Lage im Osten sehr pessimistisch aus, und die Neutralen erkennen an, daß die deutsche Offensivkrast noch die Bedingungen für den End sieg erfüllt.
Was werden zunächst die rumänischen Heere beginnen? Das ist für sie eine schwierige Frage, ähnlich schivierig, wie diejenige, die an die russischen Heere gerichtet wurde, als Hindenburg an die Tore der Weichsel- und Narein-Fch'tungen pochte. Der Berner „Bund" meint:
„Wir werden sehen, ob die Rumänen sich aus den inneren Linien zusammendränigen lassen, umi, strategisch und taktisch beengt, eine Eirtscheidnngssttzlacht zu liefern, oder noch Bewegungsfreiheit genug besitzen, ihre Kräfte Au ballen und nach Gefallen zu schlagen oder ob sie nun doch noch aus der militärgeographis chen Lage ihres Landes den gichtigen Schlich, ziehen imb bei den Russen Llm- lehnung suchen, uni unter Aufopferung des größeren Teiles ihres Gebietes und Preisgabe ihrer selbständigen Rolle lediglich als rumänisches Kontingent der Entente zu fechten."
Es ist, so meint das Blatt weiter, begreiflich, daß die Entente unter diesen Umstünden immer dringender an General S a r r a i l appelliert, uni ihn zum Bormarsch anzutreiben, und es ist ebenso begreiflich, daß Sarrail seine Offensive nur stückweise und stockend zu entwickeln vermag, denn er befindet sich mit 350 000, ja, sagen wir selbst mit 500 000 Mann, in keiner glücklichen Lage, da er seine Basis nicht zu verbreitern vermag. Was vor einem Jahre schon galt, daß nämlich die Ausnahme einer konzentrisch wirkenden Offensive von Saloniki her nur dann Aussicht auf Erfolg habe, wenn zugleich von anderen Punkten der Aegäischen Küste und der Adria her nach der Anlegung weitschichtiger
Grundstellungen und Vorratslager einheitlich angegriffen werden könne, das gilt heute in noch höherem Maße. Selbst die Eroberung von Monastir liegt noch in weitem Felde. Glückt sie, w ist erst der erste, seitlich herausführende, also angreifbare Schritt zu einer Vorbewegung in der.Richtung Uesküb getan. Da aber jeder Schritt vorwärts Sarrails Offensivkraft schwächt, so stumpft sich die Wirkung zur Offensive viel rascher ab als die der gegen Rumänien operieren den Armeen, die keine schmale maritime Basis hinter sich haben, sondern sich auf breiter (Grundlage entfalten, des Feindes Hilfsquellen in Besitz nehmen und konzentrisch zum Angriff schreiten. General Sarrail kann daher vorläufig nur entlastend wirken.
Zum erstenmal hat Hindenburg uns auch etwas über die Lage im Westen gesagt. Von den Russen und den Schwierigkeiten, die sie uns machen können, hat er noch seine alte Meinung, und es kam ihm sicherlich aus frohem Herzen, daß er als Generalstabsches erklären kann: „Auch wir haben Menschen genug." Denn so groß sein Genie und sein Wille sein mögen — die entsprechenden Soldaten Massen gehören doch dazu. Wir sind in dieser Beziehung also sichergestellt und Hindenburg durfte den Franzosen den Vorhalt machen, den sie schon öfter von anderer Seite gehört haben. „Die Front im Westen steht bombenfest", so ruft ihnen Hindenburg zu, und wir brauchen unsere Front keineswegs zu verkürzen. Ihr Franzosen rottete euch durch eure Kmnpfes- weise aus! Außerordentlich interessant ist Hindenburgs Bekenntnis über den Gesamtkriegsplan. Er hat sich keinen vorgefaßt und denkt darüber ähnlich wie ein Künstler, der sich jederzeit die Frische des Schöpferentschlusses Vorbehalt und der „gebietenden Stunde" gehorcht. Jeder neue Tag bringt vielleicht ein vorher unübersehbares neues Gebot. Ein fertiges Programm in der Tasche mitzuschleppen, ist ein Unsinn. Dabei wird unser größter Feldherr sicherlich nicht in den Tag hinein leben und sich seine Pläne und Abschätzungen wohl zurecht legen. Er ist aber kein Pedant, der seine Ziele und Gedanken verknöchern läßt^ mb es liegt in seinen Worten eine Bismarcksche Freimütigkeit und Großzügigkeit. Solche Sprache würden wir gern auch von dem leitenden Staatsmanne hören. . . .
Es hat einen Wechsel im preußischen Kriegksministtzrium gegeben. General Wild von Hohenborn wird Korpskomman- deur im Westen, und an seine Stelle tritt Generalleutnant v. Stein, der aus den Posten des Ministers die praktischen Erfahrungen aus dem Felde mitbringt. Die amtliche Meldung über den Wechsel trägt ein etwas auffälliges Gepräge. Der wiederholte Wechsel auf dem wichtigen Posten wird vor dem Volke gewissermaßen gerechtfertigt oder entschuldigt. Oder sollte die Absicht mitspielen, die wahren Gründe nicht zu deutlich hervortreten zu lassen? Der Reichstag hot am Samstag eine höchst erregte Aussprache über die Schutzhaft gehabt. Es wurden Mißgriffe festgenagelt, die noch nicht vollständig aktenmäßig geprüft und erledigt, aber doch im Ausschüsse behandelt worden sind, so daß ein Mann, wie der nationalliberale Abgeordnete Paasche dem Staatssekretär Dr. Helfferich, der alles geflissentlich verteidigen und mildern wollte, eine temperamentvotte Lektion erteilte. Und wirklich, es scheint die Stimmung des gesamten Hauses gewesen zu sein, daß in der Frage der S<l)utz- haft üble Fehler vorgekommen sind. Sollte Wild von Hohenborn seinen Platz auck) deshalb geräumt haben, um neue Richtlinien sür die Behandlung der „Schutzhaft" freizugeben? War er zu ängstlich und soll sein Nachfolger aus dem Felde die Abschätzung wirklicher Gefahren aus seiner Erfahrung besser ins Auge fassen können?
Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.
Wien, 28. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 28. Oktober 1916.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Die Kämpfe südlich von Szurduk und des Boeres To- rony- (Roten-Turm)-Passes dauern an. Südöstlich von P re - deal warfen österreichisch-ungarische und deutsche Truppen den Feind ans stark verschanzter Höhenstellung in das Para- zuga-Tal hinab. An der ungarischen Ostgrenze wurden rumänische Gegenstöße abgeschlagen.
Oestlich der Dorna-Watra brachen wir auf 4Kilometer Frontbreite in die russischen Stellungen ein. Der Feind ließ 8 Offiziere, 514 Mann und 2 Maschinengewehre in unserer Hand. Seine Versuche, die ihm entrissenen Höhen zurückzugewinnen, blieben ohne Erfolg.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls PrinzenLeopold von Bayern.
Bei der Armee des Generalobersten von Terstzyanskn starker Geschützkampf. Ein vereinzelter russischer Vorstoß bei Zay Turey wurde unter Feindverlusten abgeschlagen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Am Südflügel der küstenlüirdischen Front dauern die Artillerie- und Minenwerferkämpfe fort. Feindliche Jnfan. terie, die entlang der Straße von Ovvaechiasella vorgtng.


