ßr.249
Ter Gießrirer ANzei-er
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Sießener Fomilienblätter; Ureisdiall
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*66. Jahrgang
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General-Anzeiger für Oberhessen
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siegreiche schlacht in kt vobrudjcha.
Die Ermordung des Ministerprästdenien Grsfen stürgkh.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 21.Oktober. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.
Im Somme-Gebiet hält der starke Feuerkampf an.
Zwischen Le Sars und Eaucourt l'Abbaye scheiterten englische Angriffe im Nahkampf, weiter östlich erstickte unser kräftiges Wirkungsfcuer auf feindliche Sturmgräben An- griffsversuchc.
Vorstöße der Franzosen über die Straße Sailly—Rau- court brachen vor unseren Hindernissen zusammen.
Unsere Kampfgeschwader schützten in zahlreichen Luftangriffen die Beobachtungsflieger. Zwölf Flugzeuge des Gegners wurden abgeschossen, vier liegen hinter unseren Linien.
Sine nächtliche L u f t st r c i f c auf Bahnhöfe und Muni- rionslLger hinter der feindlichen Front hatte guten, an Explosionen und Bränden beobachteten Erfolg.
Heeresgruppe Kronprinz.
Rege Artillerietätigkeit auf beiden Maasufern.
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Lcopold vonBayern.
Wieder bemühten sich in fruchtlosem verlustreichen Ansturm russische Bataillone, uns die am Westufer des Sto- chod kürzlich gewonnenen Grüben zu entreißen;
und wiederum brachte an der Narajowka ein Angriff deutscher Tnrppen unter Führung des Generalmajors von Gallwitz russische Stellungen nordwestlich von S ko morsch y in unsere Hand. Vergebliche Gegenstöße brachten dem Feinde neuen Verlust; 5 Offiziere. 150 Mann. 7 Maschinengewehre konnten schon gestern aus der eroberten Stellung zurückgeführt werden.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
An der fiebenbürgischen Grenze dauern bei Schneefall und Frost erfolgreiche Wald- und Gebirgskampfe an. Der Rumäne hatte dabei schwere Verluste.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Die Kümpfe in der Dob rud scha haben sich zu unseren Gunsten entwickelt.. Die verbündeten deutschen, bulgarischen und türkischen Truppen drangen an verschiedenen Punkten m die feindliche Hauptstelluug in der Linie südlich von R a - sova (an der Donau)—Argemlar —Tuzla ein und nähmen Tuzla, die Höhen nordöstlich von To- vraisar, nördlichvon Cocargeaund nordwest- lrch von Mulciova nach heftigen Kämpfen.
Wir machten dabei etwa 3 000 Russen. darunter ein Regimentskommandeur, auch einige HundertRu- m ä n e n z u G e f a n g e n e n und erbeuteten 22 Maschinengewehre und einen Mineirwerfer.
„ Deutsche Flugzeuggeschwader beteiligten sich erfolgreich aus den Lüften am Kampf. ' ö ^
Mazedonische Front
Die Lage ist unverändert.
Der erste Generalguartiermeister Ludendorff.
«rohes Hauptquartier. 22.Oktober. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Kronprinz Nupprecht von Bayern.
Die Sommeschlacht wird mit Erbitterung fortaelew beldersettige stärkste Entfaltung artilleristischerMittel gab auch gestern, vornehmlich auf dem Nordufer, das Gepräge
Trommelfeuer auf Gräben und Hinternelände leiteten englische Angriffe ein, die von der Anc re bis Co u rce- lette und beiderseits von Gueudecourt in oft wiederholtem Ansturm vorbrachen. Unter dem rücksichtslosen Men^cheneinmtz entsprechenden Opfern gelang es dem Gegner m Richtung G r a n d c o u r t P y s Boden zu gewinnen bei Gueudecourt wurde ft abgewlesen. ' 1
Heftige Kümpfe bei Sailly blieben ohne Erfolg für die Franzosen. Südlich der S o m m e brachte ein Gegenangriff unsln Besitz einer Anzahl kürzlich verlorener G Len iwk ichen Braches und La Mar so nette, wir nahmen den Luzosen hier drei Offiziere. e i nhn nde77zwe i- geweh?eL M un * künf Maschinen-
In den Waldstücken nördlich von Chaulnes wird seit gestern abend erneut gekämpft. ] 1
^^^^?l!ruppe des Deutschen Kronprinzen.
An der Maas hält das lebhafte Artilleriefeuer an.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Bor der Mitte der Heeresgruppe des Generalobersten von Woyrsch und westlich von L u ck steigerte sich in einzelnen Abschnitten die beiderseitige Feuertätigkeit. Vorfeldkämpfe westlich der oberen Strypa verliefen für uns günstig.
Unter Führung des Generals der Infanterie von Gerok haben deutsche Truppen nach räumlich eng begrenzten erfolgreichen Vorstößen der letzten Tage in einheitlichem Angriff zwischen S w i st e l n i k i und S k o m o r o ch y N o lo o den Feind erneut geworfen. Nur ein kleines Geländestück aus dem Westufer der Najarowka ist noch im Besitz des Gegners. Seine zwecklosen Gegenstöße scheiterten, er hatte schwere blutige Verluste. Wir machten acht Offiziere, sieben- h u n d c r t f ü n f u n d v i e r z i g Mann zu Gefangenen.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Trotz zäher Verteidigung der Zugänge ihres Landes sind rumänische Tnlppen an mehreren Stellen geworfen worden; den bereits erstrittenen Geländebesitz konnten uns Gegenstöße nicht entreißen.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Gcneralfeldmarschalls von Mackensen.
Die am 19. 10. begonnene Schlacht in der D o b r u d s ch a i st z u u n s e r e n G u n st e n e n 1 s ch i e d e n.
Der rumänisch-russische Gegner ist nach schweren Verlusten auf der ganzen Front aus seinen schon im Frieden ausgebauten Stellungen geworfen; die starken Stützpunkte Topraisar und Eovodinu sind genommen. Die verbündeten Truppen verfolgen.
Mazedonische Front.
Die Kämpfe im Cernabogen sind noch nicht abgeschlossen; deutsche Truppen haben dort eiugegriffen.
Der erste Generalguartiermeister Ludendorff.
Eine „Wahnsinnstat", so charakterisiert auch der „Vor lvärts" die Ermordung des Grafen Stürakh, der „Vor wärts", der seit einigen Tagen freilich nicht mehr in de Händen der Ueberradikalen ist. Das Matt war bekanntlic verboten worden, und die Zensur hatte an die Wiedei Zulassung die Bedingung geknüpft, daß in der Redaktion, di kerne Gewähr fiir die Vermeidung von Unzulässigkeite biete, eine Aenderung stattsinde. Nach einigen Verhaut lungen ist alsdann eist Mitglied des Parteivorstandes i die Redaktion des „Vorwärts" eingetreten, das mit de nötigen Vollmachten ausgerüstet ist. Und so herrscht irr de Spalten des ehemaligen „Aentvalorgans" nicht mehr de wilde, hetzerische Ton von ehedem.
Friedrich Stampfer schreibt im „Vorwärts" über di traurige Tat in Wien ganz menschliche Sätze. Der Täter t wahnsinnig, so sagt er, Stürgkh war eine leidenschaftslos Natur, die gewiß nichts Herausforderndes an sich hattc und der alte Kaiser Franz Josef — ja, da stehen Sätze übe einen Monarchen, die wir wirklich im „Vorwärts" nich zu lesen gewöhnt waren: „Der greise Kaiser von Oesterreich ^hm siel der Bruder, der Sohn, die Gattin, der Neffe im' Throrrfolger — dre blutigen Bilder von Queretaro, Mayer trug, Genf, Sarajewo — wirbeln an uns vorbei — jetzt de Ratgeber in allerschwerster Zeit. Mes menschliche Enrpfin
nergt sich vor dem Greis auf dem Thron, wer ha erlebt, wer getragen, was er erlebt und getragen hat!"
Wie hat der greise Herrscher die Nachricht von der neue: Bluttat ausgenommen? Er richtet einen bewegten Dankerla, j 1 } 1 ff besonders die Tapferen, die der neuen italrenr
scheu Offensive dre Spitze abgebrochen haben. Diese Kund gebung muß den mancherlei Versuchen im feindlichen Aus land, £en „politischen Mord" als Symptom innerpolitischer ^^sa.V^uszumünzen, wirksam begegnen. Nein, die inner Politik Oesterreichs, so schwierig und verwickelt sie rnune rr % u * e auch sie ein totes Jnstruinent, da; ^ verschlossener Kammer aufbewahrt wird, solange der Kriec tobt. Auch rn unseren Nachbarlanden heißt es: zuerst der Ge fahr begegnet, den Sieg erkämpft, dann in Gottes Namer wreder das innerpolitische Werkzeug hervorgeholt! Und o!
vkm Kriege das alte Instrument sein wird, oder nicht vrelmehr ein neues, das ganz andere Töne hervorbring als das abgelegte? Ob der alte Hader, die staatlich« Zerrissen hert zu^lcktreten werden? Die Zukunft muß es erweisen.
Sicherlich, dre Tat Friedrich Adlers war eine Wahn sinnstnt Konnte der Wahnsnrn dieses Mannes aber nich eine Weile früher erkannt werden? Er hat bis zuletzt <rn der Beratungen der sozialdemokratischen Porter teilgenvmmer uno daber, ungefähr mit dem Fanatismus und der Heftigkeit eines Liebknecht, den „kriegsgegnerischen" Standpunkt eingenommen. War dieser Standvurrkt, soweit er von Adle,
vertreten worden ist, nicht auch Ausfluß des Wahnsinns? Uns schien die „Kriegsgeanerschaft" einer sozialdemokratischen „Arbeitsgemeinschaft" schon längst als ein solcher. Die Mordtat in Wien drückt ans diese Erkenntnis das Siegel der Wahrheit. Nicht nur die Faust, die den Revolver erhob, war vom Wahnsinn geleitet, sondern auch die Reden und Anklagen des Mannes, der gegen Unabänderliches seine Geschosse abließ, waren vom Irrsinn besessen.
Der Tod des unschuldigen Mannes, der die Geschäfte des österreichischen Staates in schwerer Zeit zu leiten hatte, ist zu beklagen, aus tiefstem, menschlichem Gefühl heraus. Politisch läßt er jedoch keine merkbare Lücke entstehen, und wir haben keinen Grund, mit unseren Bundesgenossen große nationale Trauer zu rüsten. Der Zweig, den der Tod geknickt hat, wird überragt von einem übermächtigen Wachstum, das einer neuen Zeit Gepräge gibt. In der Dvbrudscha ist eine neue, große Schlacht gewonnen, durch die unsere Front bis 10 Kilometer südlich von Konstanza vorgeschoben werden konnte! Der Feind mußte flüchten und wird verfolgt. Die Stimme der Lebenden ist lauter als der Todesruf,' der in Wien verhallte. Durch Mackensens neuen Erfolcs brechen auch in das künftige Schicksal der Donaumonarchie Helle Lichtstrahlen. Es zeigt sich, daß ein anderer Zweig Osteuropas zum Falle reif war; die Kriegsluft ist dem voll- wangigen Nachbar Ungarns und Siebenbürgens schlecht bekommen. Gerade dort, wo unsere Feinde die schwache Stelle der Mittelmächte sehen wollten, bereitet sich ein Aufstieg vor, der vielleicht die Wendung des ganzen Krieges beherrschen wird. Der russisch-rumänische Gegner in der Dvbrudscha wurde geschlagen: Rußlaich selbst steht vor einer vom Feinde erngebrochenen Mauer. Im Westen und im Osten braucht die Entente neue Heere zum Siege. Da sie ihr nicht bereit- stehen, wird die Niederlage ihr Teil sein.
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Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.
Wien, 21.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 21. Oktober 1916.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
In den u n g a r i sch - r u m ä n i s ch e n G r e n z g e b i t ten wird weiter gekämpft. Die Leistungen der in Schnee und Frost und im schwierigsten Gelände erfolgreich fechtenden Truppen sind über alles Lob erhaben. Wrdlich der Karpathen bei den österreichisch-ungarischen Streitkräften nichts von besonderer Bedeutung.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Unsere Stellungen im Pasubio-Abschnitt stehen andauernd unter heftigem Geschütz- und Mirrenwerferfeuer aller Kaliber. Vor dem Ro i te-Rücken bercitgestelttc feindliche Infanterie wird durch unsere Artillerie nieder gehalten. Vier italienische Angriffe gegen den Oftteit des Rückens wurden abgewiesen.
Eine im Brand-Tale gegen die Talstellung vorgehende feindliche Kompagnie wurde aufgerieben. Wir haben zwei Offiziere, 159 Mann gefangen genommen und zehn Minenwerfer und sonstiges Material erbeutet.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
In Albanien nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfcr, Feldmarschalleutnant.


