■Öfrrfw, 20. Ott. (WTB. Amtlich.) Seme Majestät der Kaiser ttxrf am 19. Oktober früh an der Somme front ein. Er besuchte zunächst Verwundete aus den September- und Oktoberkämp fen in den Kriegslazaretten, in denen er längere Zeit, besonders bei den Schioerverwundeten, verweilte und ihnen Ausz-eich- mrngen überreichte. In Begleitung Seiner Königlichen Hoheit des Kronprinzen Rupprecht und des Oberbefehlshabers der Armee. General von Below, fuhr er darauf an ber Kampffront nördlich der Somme entlang und begrüßte unterniegs Truppenteile, die eben mrs dem Kampfe kanren und Abordnungen dort eingesetzter Regimenter aller deutschen Stämme. Seine Majestät begrüßte im be- Jonberen Offiziere und Mannschaften, die sich in den Kämpfen besonders ausgezeichnet hatten.
Teri Truppen überbrachte er die Grüße der Kameraden von der Ostfront und sprach ihnen seinen kaiserlichen Dank ans im Namen des ganzen deutschen Volkes für das, was an der Somme Unendliches geleistet werde und worin noch spätere Geschlechter die leuchtendsten Beispiele des deutschen Siegerwillens erkennen würden.
Eine Reise des Prinzen Waldemar von Preußen nach Konftantinopel.
Berlin, 20. Okt. (WTB. Amtlich.) Prinz Waldemar von Preußen be^ab sich am 18. Oktober im besonderen Auftrag des Kaisers nach Konstantinopel. Der Prinz ist begleitet vom kaiserlich ottomanischen General- leutnant Zeki Pascha, attachiert beim Deutschen Kaiser, und dem diensttuenden Generaladjutcrnten Generalleutnant v. Chelius. Er wird zur Wiederkehr des Tagest an dem vor zwei Jahren den beiden Kaiserreichen ein tapferer Vu-ndesgenosse erwachsen ist, dem Sultan einen Ehrensäbel überreichen.
Prinz Heinrich zum Großadmiral ernannt.
. Wien, 20. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) „Streffleurs Militärblatt" meldet: Der Kaiser hat den Prinzen Heinrich von Preußen zum Großadmiral ernannt.
Die Notlage Rumäniens.
Berlin, 21. Oktober. Rugnänische G e ne ralsta b s - offizrere sollen, wie die „Vvssische Zeitung" erfährt, in feindlicher Stimmung gegen Bratianu sein, weil dessen Politik das Land in sein jetziges Elend gebracht habe. Sie hätten dies Bratianu in einem Briefe selbst mitgeteilt und seien darauf ihrer Stellungen enthoben und nach Rußland M anderen Truppenverbänden gesandt worden. Der rumänische Generalstab sei durch eine Anzahl russischer, französischer nnd englischer Offiziere ergänzt worden.
Berlin, 21. Oktober. Laut „Berliner Tageblatt" reiste French mit 13 englischen Stabsoffizieren, wie gesagt wird, in wichtiger Mission. über Skandinavien nach Rumänien.
Aus.Kronstadt meldet die „Kreuzzeitung", die Rumänen hätten dort sämtliche Geschäftsläden ausgeplündert, Wohlwngen verwüstet und Möbel wegge schleppt. General Crainiecanu habe allein Pelzwaren im Werte von 38 000 Kronen gestohlen. Ein Gewerbetreibender wurde auf der Promenade erschossen, weil er einen rumänischen Unteroffizier nicht grüßen wolüe. — Diarghilouwn wird, wie verschiedene Blätter berichten, entgegen französischen Pressemitteilungen nicht in das neue Kabinett Brattanus emtreten.
Au§ Griechenland.
London, 20. Oktober. (WTB.) Dem „Daily Telegraph" wird aus Athen gemeldet:
Als gestern 11 Uhr abends 80 französische Matrosen die Hauptstraße abpatrouillierten, begann in der Stadionstraße die Menge, die der Patrouille folgte, zu johlen. Rufe: „Weg mit „Es lebe der König!" wurden laut. Ter frar^ostsche £>ffrzier ließ darauf die Patrouille kehrt machen und dre Manuestcmten angreifen. Es entstand ein Handgemenge, m dem neun Demonstranten verhaftet wurden. Die i'ibrigen ucfen davon. Airs der anderen Seite der Straße sah eine berittene Patwuille zu, ohne etwas zu unternehmen. Tie fran- zösttche Patvouille nahm die Verhafteten in die Mitte und kehrte wich dem Papvevonpart zurück. An einer anderen Stelle der Stvaße begögrietc die Patvouille einem ganzen griechischen Batail- ton, das ans den Bürgersteig auswich, um den Weg frei zu machen. Als dre französische Patrouille das Ouarticr im Zappeionpark er reichte, wurden die neun Verhafteten untersucht, sechs sofort frei gelassen rmd drei in Haft genommen. Einer davon ist Dr. Konstan- ttnev, bei dem ein Brief o? die Königin gefunden wurde Ter Tvktor gab zu, „Weg mit Frankreich!" gerufen zu haben und einen Rev^ver bei sich zu führen. — Nach einer Meldung dev Telegram Company heißt der Angehaltene Alexion.
< * m königlichen Stallungen und gab einen Rc- volverschuß ab.
tu!u+ derlin, 21 Okt. Dem „Berliner Lokal-Anzeiger" zufolge shätte der griechische Ministerpräsident Lambros die Absicht geäußert, zuruckzulreteu. da es ihm nicht gelungen sei, Benizelos mtt der von dem gegenwärtigen Ministerium vertretenen Richtung zu versöhnen — In diplomatischen Kreisen in Athen verlautet, griechische Heer aufgelöst und auf der Basis der venize- listtschen Organisation neugeordnet werden solle.
Da» Nachspiel zur Versenkung der „LnfitanLa".
Berlin, 21.Okt. Der ,Mffsischen Zeitung" zufolge stehe Präsident Wilson (nunmehr auf dein Standpunkt, daß die Versenkung der „Lusttaniia" entschuldbar gewesen sei. Er habe eine vom Grafen Bern stör ff überreichte Note angenommen, in der die deutsche Regierung es ablehne, die Versenkung der „Lusitania" zu desavouieren.
Eine Dampffährenverbindung zwischen Schweden und England.
Kopenhagen, 20. Ott. (WTB.) Die „Berltngske Tidende" Meldet <nrs Stockholm: Die schwedische Staatsbahnleitung hat beschlossen, Zeinen Ausschuß nach England zu senden, der an Verhandlungen über die (Änrichtung einer Da mpsfähren verb in- düng zwischen Schweden und England teilnehmen soll. Der Kommission wird auch Generalpostdirektor Jiuhün airgehören.
Englands Finanzlage.
London, 20. Okt. (WTB.) Im Unterhaus führte Mc. K e n n a auf Bemerkungen über den Zirrsfatz, der für die neuen Schatzscheine zu zahlen ist, aus: Wir hatteir größere Summen aufzunehmen, als jenrals ein anderes Land, und der Betrag, den der Staat zu leihen hatte, stand außer allem Verhältnis zu irgend einer Anleihe, die vor dem Kriege gemacht wurde. Es war daher unmög- lich, Vergleiche mit den Verhältnissen, die vor dem Kriege bestanden., hcranzuziehen oder zu sagen, daß fünf Prozent Zinsen genug waren, oder daß das Geld hätte billiger erlangt werden können. Sehr wahrscheinlich hätte es geschehen können, wenn ich nur eine geringe Summe gebraucht hätte, oder selbst wenn die Summe gleich gewesen wäre der größten Summe, die jemals vor Ausbruch des Krieges ausgenommen 'wurde. Man muß sich indessen daran erinnern, daß wir den größtmöglichen Betrag anfzunehmen hatten, und es war nur möglich, durch tätliche Prüfung die Ergebnisse unserer Anleihe- operatiouen und Zahlungen ausfindig- zu Machen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß das Schatzamt mehr Zinsen zahlt, als es gezwungen war, zu bezahlen. Um allen Aufwendungen gerecht zu werden und unsere Versprechungen gegen unsere Alliierteil zu halten, hatte ich dre Beschaffung des Geldes zu sichern. Cs würben gegen die hohe Zinsrate Ausstellungen geMackch, auf Grund des Umstandes, daß me Schuldverschreibungen hauptsächlich im Auslande gehalten würden. Mer das !war gerade erne Sache, die wir wünschten. Beim Anbieten dieser Schatzscheine hatten wir unter vielen anderen Zwek- ken den im Angd, daß sie im Wuslanide gehalten werden sollten. Man muß sich daran erinnern, daß wir Tag für Tag in den Vereinigten Staaten einen sehr bedeutenden Betrag zu zahlen hatten. Zurzeit haben wir etwa 2 Millionen Pfund Sterling für jeden Werktag in der Woche aufznbringen. Das bedeutet einen ungeheuren Betrag von Dollars, der jede sechs Tage gefunden werden muß. Diese Aufgabe könnte für unmöglich gehalten werden, aber sie ist erfüllt worden und sie wird jetzt erfüllt, urrd es ist kein Grund anzunehmen, daß sie nicht dauernd erfüllt wird.
In den weiteren Ausführungen zur Verteidigung der Ausgabe von sechsprozentigen Schatz scheinen erwähn. - Mc. Kenna, daß diese Wertpapiere in 14 Tagen bis zu einem Betrage von 36 Millionen Pfund Sterling ansgegeben sind, rlnd fuhr fort: Ter gegenwärtige Augenblick, wo ein Wettbewerb für Geld besteht, war nicht günstig für dre Ausgabe einer langfristigen Anleihe: aber eine solche Anleihe wird zu einer Zeit ausgLgebeai werden, die das Schatzamt für geeignet hält, und die Regierung wird sich der Erfüllung ihres Versprechens über die Konversion von früheren Anleihen nicht ent- zichen. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß wir imstande Und, dre Last wahrend des Krieges zu tragen. Unsere Aufwendungen naben gch wegen zweier wichtiger Punkte nicht verringert, sondern pe nahmen zu. Diese Punkte sind die Munitionsbeschaf- snng mrd die Vorschüsse an die Alliierten. Ich bin sicher, das Haus wird nicht davor zurücksebrecken, daß die Ausgaben wegen dieser beiden Punkte anwachsen. Die einzige Grenze für die Munitionsbeschaffung wird die Leistungsfähigkeit der Fabriken bil- den, die ffe Herstellen Wir fühleir auch, daß'unsere Schuld gegen die Alliierten, cme solche ist. daß wir gehalten sind, ihre Bedürfnisse und 1 Notwendigkeiten in Betracht zu ziehen, nnd wenn weitere An sorderungen gestellt werden, so haben ivLr sie zu befriedigen.
Der Seekrieg.
Der
türkische
19. Ott.
Bericht.
(WTB.)
Heeresbericht vom
Kionstantino p el,
19. Oktober.
. Persien: Feindliche Kavallerie versuchte sich zwischen Hama- var und BidwrHam-adan zu nähern, wurde jedoch^ unter Verlusten für sie zu ruck^tr reben. Wir machten einige beritteiie Kosaken mit Der gesamten Ausrüstung zu Gefangenen. Unsere Aufklärungsabteilungen, inein .der Richibuna östlich Gatts nfoft Aserbeid-
Lv n 525S' ^Esen den Feind zurück und erreichten
egend der Ortschaft Sa.ime Kalem. 40 Kilometer nord- ^ l i Eben die rußrschen Streitkräste, die ihnen begegneten, zuruck. Eine feindliche Kavallerieabteilung versuchte Unsere nördlich ^tts vorgeschobenen Abteilungen anzugreffen wurde aber unter Verlusten für sie zurückgeschlagen. ^
K a u k a) u s f r o n t: Aus dem rechten Flügel Scharmützel & am' ^ ^^^.Osegend von Kig hte nahmen wir
dem Feinde eme Menge -Waffen, Munition nnd anderes Krieqs- ab. Im Zentrum mrd auf dem' linken Flügel für uns, gunstt^ Patrouillenzuianimenstöße, in deren Vevlanf wir eine Anzahl Gefangener machten. (Sm vom Feind unter dem Schutz von ^ÄÄ^^O^HrsEr ausgefnhrtn Angriff wurde abgeschlagen Won den anderen Fronten kern wichtiges Ereignis. ^
Aus Oftafrika.
ßonbon, 20. Ott. (WTB.) Meldung des Reutersckien Nn- %Tfr belgischen Truppen in Ostafrika unttr dem Beschl oon Xomieur Wen jetzt d<>n Teil westlich £r 4en t ™£ nlntfyafyiuom Tangaw,ika-See noch Tobora und in einem Abstand Kilometer östlich von diesem Orte besetzt^ Der Feind zer- ftbtte auf dein Rückzüge sämtliche Brücken, ober die Belgier Wten
den Tongonjik-^ec noch Kigonm und bnr - Nach den letzten Meldnngm rst der Eisenbahnchenst «if einer Strecke von 80 Kilometern wsed» ausgenommen. Dre Linie Tonganjira-See-Tabora wird in l Zeit wieder eröffnet. Dre Deutschen beschädigten mich die Lin e b°n Tobora zum Meere stark und zerstörten wichtige Brücken Rch vxr Wwdecherftellimg der Linie rickcheten die Engländer Ct einer ,aomobUh, e nft cm. Nördlich der Zentroleisenbahn befindet sich ®« Feind ist aleichfalls von den Ufern des unb Tongonnka-Sees vertrieben. Die Zahl der Öta? 1wilb "--f tausend geschätzt Tie Truvvcn in Annahening der siegreichen alliierten
STCÄ Ämrit meumn3a u-» s«d jetzt in der Gegend von
Frederrkshamn, 20. Okt. (WTB.) Meldung des Rrtzauschen Bureaus. Der Dampfer „Eos" brachte nachts hier dre Besatzung von 18 Manu und drei Frauen des Gvtenburger Dampfers „Norm an ist" ein. Ein Tauchboot hielt dre „Normanistt', die mit Eisen und Maschinen von Gotenburg nach Rouen unterwegs war, Mischen Brnga und dem Skagensfeuerschrff an. Der Mannschaft wurde^ befohlen, von Bord z.u /gehen. Darauf ist der Dampfer wahrscheinlich versenkt worden.
London,19. Okt. (WTB.) Der britische Dampfer -Alaunra" rst gesunken. Die „Alarmra" ist ein Cu- nard-Dampfer von 8000 Nettotonnen (13 405 Bruttoreqister- tonnen). Der Kapitän und 163 Mann der Besatzung wurden gelandet. Ungefähr 180 Fahrgäste, darunter 'eine Anz-ahl Frauen und Kinder, wurden früher gelamdet.
Aus dem Hauptausschuß des Reichstags.
Berlin, 20. Okt. (WTB.) Der Hauptausschuß des Rerchstages^ setzte heute die allgemeine Aussprache über E r n ä h r rr n g s s r a g e n font. Fn Beantwortuirg der Rede ernes sozialdemokratischen Mgeordneten firhrte Herr v. B a t o ck i arrs, in den letzten Wochen seien in Preußerr täglich 5000 Waggons Kartoffeln, die höchste mögliche Zahl, zur Verladung gelangt. So werde in wenigen Tagen der nur an einigen Orten hervorgetretene Kartoffelmangel beseitigt fern. Für eine Beschlagnahme des im Konsum sich befindlichen Schnapses könne er sich nicht ohne weiteres aussprechen in Rücksicht auf die Versorgung der BevMe- rung. Die gleichnnißige Fett- mid Meischzutellung werde in kürzester Zeit dnrchgeführt sein. Den Schwerarbeitern werde eine größere Ration von Fett, 125 Gramm pro Kovf und Woche zugeteill.
In der Fortsetzung der Aussprache gab Staatssekretär Dr. Helfferich Angaben über die Sterblichkeit Die Ziffern bewegen sich von 1911 bis 1916 auf l4 0 bis' 19 7 pro Tausend; das Jahr 1916 zeigt in den ersten sieben Monaten 16,0. Die Kindersterblichkeit bewege sich in absteigender Mchtung. Präsident v. Bato'cki stellte für 1. Dezember 1916 eine Art Volkszählung in Aussicht durch die auch festgestellt werden solle, woher es konime, daß nach
3ahl .der ausgegebenen Brotkarten die Bevölkerunas- ö?hl 4 Mionen Menschen mehr betrage, als nach der Statistik nachgewresen srnd.
Aus öcm Kelche.
Neirregelung des Käsehandels. '
erlin, 20 Ott. Der Bundesrat hat gestern eine neue ^r- ordnung über den ^Verkehr mit Käse besMassen Die K ä se p r e i s r werden, nicht etwa mit Rücksicht aus höhere Gewinne der Produ-
i w. lyuitii, t-"LT -jj 1.-LIU 1 I
4«Dte*ut Verfütiernng der Schw-üre wandÄ. Bei der der Pr-dse für verschz-d-m», G»rten. die „wrgen vrröffenE werden soll«, fmd. so M»bt die „Frfi. Zt.r". die I wer-ssenten gehör worden. Die festgesetzte Söchstv.cis, sollen ein Konitzromik dar,teilen, auch träte Lenich,ch:,zm,i der feb- mawitafalKofn «rn dukrwnSverMvlllse im Norden und Süden, Osten Xsfcii« Reiches. Entsprechend den alten Wünschen, sind auch Grob- und
Mee,ch«^k^nsckWgc, also Erzarg«-., Wroh- und Kleinhandels
prmse festgesetzt.
<: 22 ? em ^P e Verteilung zu sichern, ist das angekün-
mgte Verbot der direkten gewerbsmäßigen Post- und Frachwer- jienDung vom Erzeuger cm den Verbraucher ergangen. Die Versen- urtter Privatpersonen wird z-imächst noch zugelassen sein, forschinfttn beziehen sich auf eine Beschränkung der Sorten, den ,Zettgehall usw. Die rroch iminer in relativ großen Men- gen «mgebotenen hochgradig fetthalligeii Weichkäse (Camembert, einen gennssen Luxusv-erbralich und sollen daher an- gejrchltt der Fettknappheit in der Erzeugung eingeschrantt werden^ /'Emmertthaler" wird ttinftig nicht mehr als 25 bis 30 vom Hundert Fettgehall (in der Trockenmasse) haben dürfen. >vasur werden aber auch einige andere Sorten Hartkäse mit nicht
fveigelassen. Die Erscheinung, daß dre Kase^ndelsgeiellschasten der Einfachheit halber vielfach Grvß- usw) bevorzugen, wird auch von den Be- exT S!rf i öertolgt. Sollten die jetzt getroffewOi Maßnahmen hier keine Be, jerung bringen, so wird vermutlich eine Ratrorrierung, wenigstens durch, die Kommunalverbände, dnrchgeführt werden.
.Kleine Anfragen im Reichstag.
Beim Reichstag sind zwei kleine Ajnfragen eingelaufen. Die eine Anfrage ist gestellt von Abg. Dr. Werner-Gießen (Deutsche Frakt) und betrifft die Handhabung der politischen! ^ufUr. Sie nrm'mt zunächst Bezug auf die vom Berdrtertage des Reichsverbandes oer deuffchen Presse angenommene Ent- ichließung,^cne statt der versprocherren Milderung eine BerfchärfMig der polrttschen Zensur konstatiert. Dann heißt es:
auch der Herr Reichskanzler (vergl. die Rede vom 5. JUnr d- .ffs-) die Verhällnisse auf oem Gebiete der Zensur als «rer-, Uuuscht empftTidet, frage ich hiermit an, was er zu tun «denktt üm' !den bisherigen Zustand zu beenden?
Ist er inbesondeve, um das Geheimschrifteutzvesen! ^ beseitigen berert, das Verbot der Kritik an seiner Pokffik auszuheben, sowre dre gegen einzelne 'Schriftsteller ergangenen Vorzensurmaßnahmen satten zu lassen Und die erngezogeaent Bücher fveiz^geben? Mir genügt eine schriftliche^ Boanvoorttmg.
Tie zweite von drei nationalliberalen Mgeordueten v. Rtcht- hofen, Dr. Rreßer und Roland-Lücke gestellte Anfruqe
lautet:
Im Jahve 1914 hat der Herr Staatssekretär des Mswärffcxu rm HaushaltÄmssthuß des Reichstags gewisse Reformen 'be- stimmt m Aussicht gestellt, welche betreffen:
1. Dweinheitlichuug der Prüfung der Anwärter
aus den Konsular- und diplomatischen ^lienst; 2. Eine erhebliche Erwellerung der Prüftrngs- gegenstcmde: T-ie Zusicherung von zwei Vertretern des
prartischen Wirtschaftslebens zu den Examinaturen. Ist eine dreser Reformen bereits durchgeführt uuv ist der Herr Reiche ^./b.^^^nter Vorbehalt grnndlegender Reformen, soweit dieses noch nicht geschehen, auch/ während des Krieges zu verwirklichen.
Der neue 12 Milliarden-Kredit.
Berlin, 20. Oktober. (WTB. Nichtamtlich.) Dem Reichstag wird morgen eine Vorlage zugehen, durch! die ein neuer redit von 12 Milliarden angefordert wich.
*
, 20. Okt. (WTB.) Der „Reichsänzeige^ nrel- det: Dem bayerischen Generalleutnmtt Freiherr Stetten, Führer eines Armeekorps, ist der Orden Pmrr le merrte verliehen worden.
s. 20. Okt. (WTB.) Nach Vereinbarung mit
der Obersten Heereslertnng steht das Ausscheiden des Majors
Ur r 'rr b< ? Kriegspresseamts, aus dem Militärischen Dienst, und fern Enitritt in das AuSwär- tige Amt bevor. Hier wird Herr Deutelmrffer sich, wäe nur Horen, zunächst mit den Geschäften der Nachrichtenabteilung unter Leitung eines Ministerialdirektors vertrant machen, um später dessen Nachfolger zu werden.
Ans Stadt nnd Land.
Gießen. 21. Oktober 1916. Sonntagsgedanken.
Alles nimmt in diesem Kriege einen kaum übersehbaren Umfang an. Weit, wie die Räume, in derven er in allen Himmelsgegenden geführt wird, sind die Entfernungen, die uns daheim von den Bergen und Tälern trennen, in denen unsere Heere kämpfen. Und den riesenhafieu Menschenmassen, denen m jenen Fernen der Krieg zum harten Handwerk geworden ist, stehen daheim die Mengen derer gegenüber, die ihre Arbeit allein auf die Versorgung diesett Truppen im Felde haben einstellen müssen. Zwischen beiden reißt die Verbindung niemals ab. Wie das ganze Volk den Krieg führt, stellt sich uns in diesem Wechselfferkehr dar.
Arien kämpfen, die Andern sorgen für die Kämvsenden. Die Einen stellen ihr Leben, die Anderri ihre-Arbeit in den gleichen Dienst der Heimat. Mer nicht rrur so unpersönlich, durch den einen Gedanken des Vaterlandes vermittelt, gehen die Beziehungen zwischen bei: beiden Teilen des hin und her. Wir wissen, ganz unmittelbar stt jedes Hans fast der Heimat mit den Kämpfenden draußen verbunden. Die Feldpost vermittelt den Verkehr zwischen beiden Teilen. Es bedarf keiner Zahlen — wir haben ja voif Zeit zu Zeit solche lesen dürfen —, um den Riesenp unisang der Arbeit uns zu vergegeriwärtigen, die dies Friedenswerk mitten im Kriege bewältigt. Mer wie erstaunlich, wenn wir seiner gedenken, zeigt sich uns der Umschwung der Zeiten. Und wie dankbar sehen wir an ihm, wie die rastlos friedliche Arbeit der Jahrhunderte unser Volk aufwärts geführt hat.
Vor Verwundeten in einem unserer Lazarette habe ick im ersten Kriegsjahr von Miefen Friedrichs des Großen aus dem Siebenjährigen Kriege gesprochen. Feldpostbriefe vergangener Zeit wagte ich sie zu nennen. M^r ich mußte sagen wie wenig solcher Feldpostbriefe vor anderthalb Jahrhunderten geschrieben wurden. Dem König und neben ihm wenig Auserwählten standen die Boten zur Verfügung, die sie ans dem Felde den in der Heimat Sorgenden überbrachten. Langsam, wissen wir, ist die Post zu einem Ge- ^^"6ut des ganzen Volkes geworden. Aber man kann auch sagen, sie war nicht vorhanden, weil man ihrer nicht bedurfte, oder eben jene Auserwählten sich ihre Sonderboten zu verschaffen wußten. Unsere Post, und unsere H-eldpoft vollends, ist mit unserer Volksschule erst zur mi- entbehrlichen Verkehrseinrichtung geworden. In diesen Feldpostbriefen sehen wir die überlegene Bildung unseres Volkes vor uns. Und beinahe, wenn ich das überdenke kann ich über all das Klagen und Schelten ruhig mich hinwegsetzen, das zumal in der ersten Zeit und wieder bei jeder leisen Swckung über unsere gute un- jere liebe, unsere unbezahlbare Feldpost ergangen ist'Das Klagen sagte uns ja, wie dies Volk ohne dies Verkehrsmittel gar nicht mehr ineinte leben zu können. Und es sagte zugleich, wie innig man daheim mit denen draußen sich ver- buiiden wußte. Hier war das Volksheer lebendig und die Heiinat wußte, daß es das Bolksheer war, die eigenen Män- uc-. und Sohne, die für die kämpften. Gegenseitig war und ist das Bedürfms. Wer hat mclst non den Augenblicken ac- .!orl oder in Zeichnungen |ie gar abgebildel gesehen in beiten in der Etappe, an der Front, im Schützengraben'die


