iftaiiö an. In der Dreiländerecke südlich von Dsrna Watra >vertrieben wir den Feind von den Höhen östlich der Neagra. An den Waldkarpathen und südlich 6es Dnjestr wurden vereinzelte Vorstöße der Russen abgeschlagen.
HeeresfrontdesGeneralfeldmarschalls
Prinzen Leopold vonBayern.
Die Schlachten an der Narajotvka und in Wolhynien dauern fort. Der Feind holte sich in beiden Räumen abermals schwere Niederlagen. Südlich von Lipnica Dolna stürmten die russischen Massen bis in die Nacht hinein gegen die Stellungen der deutschen Truppen an; alles war vergebens. Deutsche Gardebataillone stießen dem geworfenen Feind bis in seine Gräben nach und setzten sich dort fest. Die Russen ließen 36 Offiziere. 1906 Mann und 10 Maschinengewehre in der Hand unserer Verbündeten.
In Wolhynien richteten sich die russischen Angriffe wieder gegen die deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkrüfte des Generalobersten von Tersztyansky. Nach heftiger Beschießung brachen nachmittags zwischen Pustomyty und Swiniuchy. westlich von Bubnow. südlich von Zaturcy und zwischen Zaturcy und Kisielin die russischen Kolonnen los. Die feindlichen Anstürme erneuerten sich trotz ungeheurer Verluste an einzelnen Stellen dreimal, nördlich von Za-' turcy sogar bis zehnmal. Aber auch diese Stoßkraft überlegener Massen reichte nicht hin. die tapferen Verteidiger zu erschüttern. Der Feind drang nirgends durch; unsere Truppen errangen einen vollen Erfolg.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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Kaiserdank für die Ostfront.
Königsberg i. Pr., 17. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Zeitung der 10. Armee"» (Wilna) veröffentlicht nachstehenden Tagesbefehl des Prinzen Leopold von Bayern:
Seine Majestät der Kaiser und König haben mich beauftragt, an die Armeen anläßlich seines Besuches der Ostfront allerhöchstseineu Dank und seine Anerkennung für die hervorragenden Leistungen vor dem Feinde sowie seine besondere Zufriedenheit über die vorzügliche Haltung der besichtigten Truppen auszusprechen/
Es gelangt mir zur hohen Freude und zu besonderem -.Stolz, diese Anerkennung des obersten Kriegsherrn an die -mir unterstellten 'Heeresgruppen übermitteln zu können.
Leopold, Prinz von Bayern.
Aus Griechenland.
Athen, 16. Okt. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. .Ter König hat einen Tagesbefehl an die Besatzungen der öen Alliierten ausgelieferten Kriegsschiffe erlassen, in dem es heißt, daß sie schion sehlr viel hätten leiden müssen und daß .ihre Herzen aus neuen Wunden bluteten, die ihnen täglich geschlagen würden. Tie Regierung sei verpflichtet gewesen,- ihnen zu befehlen, die Schiffe zu verlassen, die ihren unerlösten Brüdern eine /Botschaft der Freiheit gebracht hätten. Ter König wünschte den Seeleuten ferner Glück zu ihrer Treue nicht nur als Fürst und (Kontmandant. sondern auch als Vertreter des Landes, dem er selbst 'treu gedient habe und weiter treu dienen wolle. .Schließlich spricht [ber König die Hoffnung aus. daß sich der Wsunsch der Seeleute, chald wieder im Besitz ihrer Schifte zu sein, rasch erfülle.
Bern, 17. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Wie die „Agence sd'Athsnes" meldet, wurden rund 1000 Mann Truppen /der Alliierten im Piräus gelandet. Die Batterie Ka- fttella wurde besetzt, ebenso Bahnhof und Rathaus von Piräus und Athen. Das Athener Stadttheater wird von ;150 Mann mit zwei Maschinengewehren bewacht.
Bern, 17. Okt. (W.T.B. Nrchtamtl.) Der „Corriere dclla iSiera" meldet: Man erwartet in Athen eine weitere Note .der Entente, in der eine Verringerung der Heeresstärke und die ^Verweisung des Heeres nach dem Peloponnes verlangt wird. Es »Herrscht Unsicherheit, ob infolge dieser schweren Forderung nicht eine neue Ministerkrise eintritt. Venizelos wird Polttis und Dio- Nttd-is mit einen» besonderen Aufträge nach den Entente-Hauptstädten schicken.
London, 17. Oktober. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Prinz Georg von Griechenland sprach' gestern im Auswärtigen Amt vor und hatte eine lange Unterredung mit G r e y.
Athen, 17. Oktober ^WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Meuter scheu Bureaus. Amtlich wird erklärt, daß die Landung von Abteilungen der Alliierten bezwecke, die Polizei zu verstärken, da dies vermutlich den Demonstrationen gegen die Entente ein Ende machen werde.
Athen, 17. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Meuterschen Bureaus. Besatzungen von der Flotte der Alliierten übernahmen die griechischen Kriegsschiffe „Georgiers", „Averoff", „Kilkis" und „Lemnos". Die griechischen Besatzungen wurden gelandet und nach Athen geschickt.
Die schwedisch-englischen Verhandlungen.
Kopenhagen, 17. Okt. (WTB.) Die „National Ti- dende" meldet aus Stockholm: Die neuen Verhandlungen mit England über das Handelsabkommen sind aus unbekannten Ursachen plötzlich verschoben worden. Auch die schwedischen Unterhändler, die morgen nach England ab- reisen sollten, haben die Reise um eine Woche verschoben? Der Korrespondent des Blattes bezweifelt die Richtigkeit der Meldung von einer geplanten Gründung eines schwedischen Einfuhrtrustes unter der Leitung einer privaten Stockholmer Bank.
Amerika und England.
, London, 17. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Mor- ^niug Post" wird aus Washington gemeldet, daß das Staatsdepartement bezüglich der Behandlung der amerikanischen /Post und der Frage der schwarzen Listen die Verhandlungen chinausschieben werde, da der Präsident vor Ablauf der 'Wahlen keine internationalen Fragen mehr zur Entscheidung zu bringen wünsche. Die Regierung scheine bereit zu Lein, das Recht der britischen Regierung anzuerkennen, zu verhindern, daß Postsendungen Deutschland erreichen, aber sie wolle nicht zugeben, daß eine Rechtsgrundlage dafür bestehe, die für Amerika bestimmten Postsendungen aus neutralen Ländern anzuhalten. Das würde nach der amerikanischen Auffassung einer Blockade der neutralen Länder Aleichtommen und eine Verletzung des Völkerrechts sein.
Deutsche Antwort an Norwegen.
Kristiania, 17. Okt. lWTB. Nichtamtlich.) Meldung des Norsk-Telegramm-Bureaus. Die Kaiserlich deutsche Gesandtschaft veröffentlicht heute in den norwegischen Zeitungen eine amtliche Rote als Antwort ans die Erklärung der norivegischen Regierung tWm 11. Oktober über die Versenkung norwegischer Handelsschiffe ^durch deutsche Seestreitkräfte. Die Note hebt hervor, daß cs un
richtig sei, daß sich die deutschen Seestteitträfte die Versenkung Bannware führender Schifte zur Regel mache. Vielmehr werde ui allen Fällen, in denen die Ausbringung nröAtzch sei, diese durchge- sührt und eine gewisse Anzahl Neutraler Schifte seien in dieser Weise in deutschen Ostsee- oder Nvrdseehäsen eingebracht worden. Daß andererseits deutsche U-Boote in fernliegenden Kriegsgebieten sich häuftger gezwungen sähen, Schifte mit Bannware zu versenken, als dies bei den englischen Seestreitkräfte/n der Fall sck, sei eine einfache Folge der allgemeinen Sejekriegslage. Trotzdem hätten englische und russische Torpedoboote das Recht, Prisen zu versenken, in der Ostsee in großem Umfange benutzt, obwohl diq Einbringung in russische Häsen dort weniger gesährli chsein würde, als die Einbringung vom norivegischen Eismeer her zu deutschen Häfen. Was die Haltungen der Besatzungen beträfe, so hätten die deut- scheni Kommandanten trotz ihrer eigenen gefährdeten Stellung sich große» Mühe gemacht Üim die norwe gische».» Mannschaften so nähe wie möglich ans Land zu bringen. Selbstverständlich müßten die deutschen Bannwarelisten zu Grunde gelegt werden. Tie Antwort betont, daß nicht Deutschland, sondern England mit der Erweiterung der Bannwarelisten den Anfang gemacht habe. Die Behauptung in norivegischen Zeitungen, die englische sogenannte Blockade sei nur die Antwort aus den deutschen Unterseeboots krieg, sei unrichtig. Tie deutschen Unterseeboote hätten stets in Uebereinstimmung mtt ihren Auwcisungen die norwegische Flagge und die norwegischen Hoheitsrechte geachtet.
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Kopenhagen, 17. Okt. (W.T.B. Nichtamtl.) Wie „Politiken" aus Kristiania berichtet, gaben die norwegischen Blatter Auszüge aus den deutschen Presseäußerungen anläßlich der Haltung Norwegens gegenüber den Unterseebooten wider.
„Borges Handel oq Sjoefahrtsttdeickie" Macht daraus aufmerksam, daß die deutschen Zeitungen nichts Auffallendes' darin erblicken, als Schweden vor einiger Zeit die gleiche Bestimmung erließ. Das Blatt schließt: Es ist schwer zu sagen, ob die deutschen Prefte-- ,Äußerungen daraus ßurückzuführen sind, daß das. Verbot Norwegens gegen die Unterseeboote den Unterseebootskrieg fühlbar getroffen hat, oder ob man versucht, durch ein Sperrfeuer von Warnungen die norwegische Regierung zu verhindern, andere Schritte zu unternehmen, die noch fühlbarer sein müßten.
„Mvr genbla de t" sagt: Der Ton der deutschen Zeitungen sec derart, daß er nicht zu näheren Erörterungen aufsordere. Die norwegischen Bestimmungen entsprächen in der Hauptsache den vor einigen Monaten von Schweden erlassenen gleichlautenden Bestimmungen. Tie deutsche Presse habe sich aber nicht veranlaßt gesehen, gegenüber Schweden in der gleichen Weise aufzutreten, wie nun gegenüber Norwegen.
Kopenhagen, 17. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die dänische konservative Provinzpresse veröffentlich einen gleichlautenden Artikel über die Haltung Norwegens gegenüber Deutschland, in dem cs u.-a. heißt: Dße Norweger gebrauchen hestige/Wörte. Man ist -sogar i'o'inat gegangen, zu fordern, die norwegische Regierung solle Deutschland mitteilen, wenn die Torpedierung nicht aufhöre, würde alle Ausfuhr nach Deutschland gespinnt werden. In Norwegen sowohl als such Zn anderen kleinen Ländern sollte man an das denken, »vas die Folge davon sein würde. Es ist nämlich Tatsache. daß ebenso wie Norwegen auch andere kleine Staaten in unendlich hohem Maße von der Zufuhr aus Deutschland abhängig sind. Wenn Norwegen den S chlüssel umdreht, tut Deutschland dasselbe und setzt sodann den Handelskrieg vielleicht noch rücksichtsloser als bisher fort. In dem Augenblick, wo Deutschland den Schlüssel umdreht, müßte eine große Anzahl norwegischer industrieller Unternehmungen sofort den Betrieb einstellen. Was würde man dabei erreichen? Deutschland hat ja bewiesen, daß es sich Ersatzmittel schaffen kann für alles, was man ihm nach und nach entzogen hat. Für Norwegen ist daher nichts anderes zu tun, als so wenig großsprecherisch wie möglich aufzutreten. Das Blatt ,,Socialdemocraten" sagt im Anschluß hieran: Diesen nüchternen Worten können wir ganz zu- stimmen. „Tidens Tean" versichert, daß die kriegführenden Mächte immer mehr Einfluß irr Skandinavien gewinnen und die Entente den Ring um Deutschland auch gegen Norden schließen will. Unter diesen Umständen ist eine vorsichtige, kluge und stabile Politik in Dänemark jetzt von größerer Bedeutung denn je.
Die Wirkung unserer letzten Zeppelin-Angriffe.
Bxrlin, 17. Oktober. (WTB. Nichtamtlich.) Die englische Presse ist in letzter Zeit in besonders ausfälliger Weise bemüht, unsere Zuftschifjiangriffe auf England als völlig ergebnislos und unwirksam hinzustellcn. Sie wird nicht müde, in aufdringlichster Weise der deutschen Kriegsführung den Rat zu erteilen, diese überflüssigen und kostspieligen Angriffe im eigenen Interesse auf- zngeben. Damit stimmt es dann schlecht, daß man in England unter Hinweis auf die wachsende englische Luftschiff-Flotte immer erregter die Erwiderung der Angriffe in Aussicht stellt. Recht interessant ist in diesem Zusammenhänge die Tatsache, daß die englische Regierung dem Internationalen Nachrichterrbursau in London bis aus weiteres das Recht entzogen hat, von London Preßtele- gramme nach New Pork zu senden, rverl dieses Pressebureau „unrich- ttge" Nachrichten über die Erfolge der deutschen Luftschiffe nach New Dort gemeldet hat.
Ueber ose verheerende Wirkung unserer letzten Luftangriffe, besonders auch über London, ist durch die Aussagen einwandfreier Augenzeugen bisher folgendes festgestellt worden:
Beim Angriff vom 23. September wurden mehr als 100 Gebäude schwer beschädigt, die zum Teil nur noch Trümmerhaufen sind. Der Schaden wird auf über 2 Millionen Pftmd Sterling (40 Millionen Mark) geschätzt. In der Nähe der Eisenbahnstation London—Brighton wurden durch! 3 schwere Bomben 10 Einfamilienhäuser völlig zerstört. Rse g e n t Street, die Hauptge-
äftsftraß e in London, wurde zum größten Teil niedergelegt. In einer südlichen Vorstadt Londons wurde eine Munitionsfabrik vernichtet. Die Eisenbahnstation Li- verpool-Strect sowie Brücke und Bahngleise wurden derart verwüstet, daß die Benutzung unmöglich wurde und die Wiederherstellung längere Zeit erfordern wird. Zwei Konservenfabriken int südlichen Stadtteil wurden vernichtet. Eine Untergrundbahnlinie, die zum Piccadillh-Circus führt, war 3 Tage gesperrt.
Beim Angriff vom 2. Oktober wurden über 200 Familien infolge Zerstörung ihrer Wohnungen obdachlos. Bei Thameshaven) wurde an den Benzoltanks großer Schaden angerichtet. In Maple Street ist ^ine Reihe von 2 0 Häusern vernichtet. Die großen Reislagerräume der Firma Denny Sons wurden vernichtet. An der Ecke Stratford-High Stteet und Bowroad wurde ein Hans völlig zerstört.. Die Bomlbe drang bis in den Keller. Die südöstlich hiervon liegenden Gebäude — fast die Hälfte des ganzen Häuserblocks — wurden gleichfalls zerstört.
In Grimsby wurde eine Kaserne getroffen und! über 400 Soldaten getötet.
> (Ans dem Hnmber wurde ein dort ankernder großer Kreuzer mit 4 Schornsteinen durch eine Bombe getroffen. Der Men- schenperiust beträgt ungefähr 60 Mann. Ebendaselbst wurden zwei engl ische Kri egss chiffe mit 1 bezw. 2 Schornsteinen schwer beschädigt.
In Hüll wurden schwere Verwüstungen angerichtet. In einigen Stadtteilen stehen nur die Häuserwände, alles übrige ist einl Schutthaufen.
In Leads wurde enormer Schaden an Munittonssabriken und Eisenbahnstattonen an gerichtet.
Im Hafen von Portsmouth wurden zwei Jachten zerstört und lern Wachlokal vernichtet. Ein Dock rvnrde schwer beschädigt, mehrere Eisenbahnwagen explodierten. Die Spritbrennerei der Firma Pink 6- Sons und die Frucht- und Lagerspeicher der Firma Elders 6c Fyfse daselbst wurden gleichfalls getroffen. .Ein Güterzug von, 12 Wagen voll Pferden wurde vernichtet.
Znnr Schluß noch folgende interessante Feststellung:
Aus vielen Teilen des Landes kommen — so heißt es in der Londoner- Wochenschrift The World. 3. Oktober — Klagen über überflüssige Luftschiftwarnungen, die dank der Nervosität geschäftiger Schutzleute den Deutschen in die Hände arbeiten. Ich bin fest davon überzeugt, daß der wirkliche Zweck dieser Lustschisse nicht der ist, Flauen uitb Kinder zu töten oder die Bevölkerung in
Schrecken zu versetzen, sondern der, die Munittcmserzeugung Eng- lands zu schädigen, mib zwar nicht etwa durch Zerstörung der Mr^ nittonssabriken, sondern vielmehr durch ihre Stillegung wayreNW des Angrifts. In einigen Orten sind Tausende von Arbeitsstundeaff in dieser Woche verloren gegangen. Es wäre deshalb grtt, wenrff man die Warnungen erst dann erläßt und das Lickst: cmsdrehtt. wenn sich die Luftschiffe wirklich auf 30 bis 40 Mecken genähert haben.
Der Seekrieg.
Berlin, 17. Okt. (WTB. Amtlich.) Eimes nnferef Unterseeboote hat am 7. Oktober im Mittclme^ der italienischen geschützten Kreuzer „Libia" durch einen Torpedotreffer schwer beschädigt.
London, 17. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds i.uel> det: Der Dampfer „Welsh Prince" ist versenkt wordem
A«§ dem Reiche.
Berlin, 17. Okt. (WTB.) Die „Nordd. Altz. Ztg." schreibt zur Zensurfrage: In der „Post" wird rn einer Zuschrift von parlamentarischer Seite die Neuordnung auf dem Gebiet der Zensur vermißt, die seinerzeit der Reichskanzler auf eine Eingabe des Reichsverbandes der deutschen Presse in Aussicht stellen ließ. Insbesondere hätte eine: Erörterung der Fragen der inneren Politik, soweit dabei der Burgfriede gewahrt würde, möglichst sieiaegeben werden sollen. Von einer solchen Aenderung der Zensurbestimmungen sei inzwischen alles still geworden. Die „Po-st" befindet sich im Irrtum. Die vom Reichskanzler in Aussicht gestellte A e n d e r u n g ist tatsächlich erfolgt. Bereits am 1. August wurden die Zensurbehörden dahin angewiesen, daß die Erörterung innerpolitischer Fragen keiner Beschränkung unterliegt, daß aber gehässige oder die Ge^ sinnung anderer Parteien und Erwerbsstände herabwürdigende Auseinandersetzungen zu vermeiden sind.
Aus Stadt und Land..
Gießen, 16. Oktober 1916.
Zur Schädlingsbekämpfung.
Es ist wohl keine Frage, daß nur der Gemüse- und Obstzüchter auf seine Rechnung kommt, der das ganze Jahr hindurch der Schädlingsbekämpfung seine Aufmerksamkeit widmet. Ja, man darf weiter behaupten, daß die erfolgreiche Bekämpfung der Schädlinge alle übrigen Maßnahmen erst krönt und deren Erfolg sichert. Es geht daraus die außerordentliche Wichtigkeit gerade dieser Seite der Tätigkeit eines Gartenbesitzers hervor, gewiß ein Grund, immer und immer wieder darauf aufmerksam zu machen. Dem Charakter des Jahres entsprechend, ob vorherrschend trocken und warm oder feucht und kalt, ist eine verschiedenartige Entwickelung auch der Schädlinge bedingt und zu beobachten. Tie schädliche Raupe des in manchen Jahren geradezu massenhaft auftretenden Kohlweißlings ist dieses Jahr infolge der während längerer Zeiträume an- haltenden Nässe wenig oder gar nicht aufgetreten. Sie bedarf eben des Sonnenscheins zu ihrer Entwickelung. Dafür haben sich andere Mttc um so besser entwickeln können. So sind die Salat- oder A ck e r s ch n e ck e n (Limax agrestis) geradezu massenhaft in den. Pstanzungcn anzutrefsen. Im Salat, im Kraut, überall, wo noch Pflanzen stehen, üben sie ihr zerstörendes Geschäft. Besonders haben sie es auf die frisch gesäten oder gesetzten Wintersalatpftänzchen abgesehen, die ihnen ihrer Zartheit wegen besonders munden. Frühmorgens und gegen Abend sieht ntan sie hier bei der Arbeit, kann sie ablesen und der Iauchegrube übergeben. Aber das genügt ittcht. In dem noch vorhandenen Wi n t e r g e m ü se, wo sie ihr häusliches Slill-Leben aufgeschlagen haben, müssen sie ausgesucht werden. Dabei ist es nötig, alle gelben Blätter, in erster Linie die am Boden liegenden, sorgfältig zu entfernen. Unter ihnen liegen sie zusammengevollt, fast dem Erdboden in der Farbe gleich, nur berrt suchenden Auge erkenntlich. Interessant ist es, wie sie .sich nach der Entfernung der faulen Blätter aus ihren Schlupfwinkeln aufmachen und mit vorgestreckten Fühlhörnchen weiter marschieren. Die durch das Entfernen der Blätter verursachte Erschütterung, wohl mich der ungewohnte Sonnenschein, haben sie aus ihrer Ruhe auft geschreckt und eckig, sofern man von einer Eile sprechen darf, rußen: sie aus und verlassen den gefährdeten Platz, UM ihrem Schicksal erst: recht nicht zu entgehen. Zu ihrer Verttlgrrng empfiehlt man das Streuen vonKochsalz und will dadurch günstige Ergebnisse erzielt haben. Sicher wird der Weiterbewegung dieser Tiere durch das Eindringen der sckmrfen Kochsalzlösung Schranken gesetzt, wohl auch durch größere Mengen des Salzes der Tod herbei geführt. Es ist indessen dieses Mittel nur bei ttockener Witterung von Erfolg, da sich das Kochsalz durch Regen und überhaupt Feuchtigkeit der Luft leicht auslöst. Folgendes Verfahren wird ebenfalls gerühnrt: Man grabe kleine Teller, z. B. Untersatze von Blumeutopffcherben, in die Beete, mit dem oberen Rande der Erde gleich, und fülle sie mit Tropfbier, das man ja in den Wirtschaften leicht erhalten kann. Die Schnecke wird dann von dem Geruch des Bieres ange- zogen, fällt hinein und ertrinkt. Am gründlichsten mI der Auf- räumuug aber erscheint mir das Ab- und Auslesen, eine Arbeit, die im Vergleich ^zur EntferrulNF der Raupeneier oder gar des Ab-' lesens der Raupen des Kohlweißlings durchaus gering erscheint. Eine nicht zu verachtende Hilfe wird uns bei diesem Geschäft durch die noch immer von manchen unverständigen Mensck)en verfolgten Kröten und Frösche zutell, die es gerade auf die Schnecken abgesehen haben und täglich Hunderte dieser Schädlinge verttlgen. Schützen wir also diese uns so nützlichen Gartensieunde, so leisten wir uns den größten Nutzen und ersparen uns viele Mühe und Arbeit. I Br.
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** Amtliche Personalnachrichten. In den Ruhestand versetzt wurde am 26. August der Lehrer Jakob Keller- ma n n zu Neu-Isenburg grrf sein Nachsnchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober 1916 an. Gleichzeitig wurde ihm das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienswrdcns Philipps des Gvoßmüttgen verliehen. — In dev Ruhestand versetzt wurde am 14. Oktober der Aktuariatsassistent bei dem Amtsgericht Grünberg Johannes Fvrm/hals aus sein dtaftisuchen mrter Ancrkennnng seiner langjährigen Dienste mit Wirkung vom 20. Oktober 1916.
** Auszeichnung. Vizeseldwebel der Res. Ruppe l, Inf.-Regt. 116, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. — Ge- . sreiter Eduard Will, 4. Komv- 116, erhielt am 8. Oktober daS Eiserne Kreuz 2. Klaffe. Die Hessische Tapferkeitsmedaille ha^ er bereits im vorigen Jahre erhalten.
** Iuiigwehr. Mittwoch, 81/4 Uhr, Turnhalle des Realgymnasiums: Neueinteilung, NeumrmeldUug.
*' „I in dritten Kriegs fahr" betitelt sich ein Vortrag, mit dem Geheimrat Pros. D. Dr. Eck morgen abend die Reihe der Winteroorträge in der V 0 r t r a g S v e r e i n i g u n g (Kauf- männischer und Gewerbeverein) morgen abend eröffnet. (Sieh« Anzeiae).
** Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird mitgeteilt: Es sei nochmals nachdrücklich aus den Vortrags-Abend des , Dichters Max Halbe am kommenden Samstag hingewiesen, der nach auswärtigen Besprechungen einen besonderen Gennß in Ans- srckt stellt. Tie „Braunschweiger Landeszeittffng" schreibt: „Max Halbe ist eüi guter Interpret seiner Werke, wckiß die Feinheiten herauszuholen und SttTwmung zu malen. Durch seinen guten Vor-/ trag hat er sich! gewiß manche Freunde verschafft, die jetzt seine' Werke auf ilrrett tiefen, innern Wert um so sorgfälttger prüfen, als sie den Dichter persönlich gesehen und bemerkt haben, daß ein Ach. äer auch das empfinden kann, was er schildernd erlebt." — Die „Basler Nachrichten" schließen eine längere Besprechung wü» folgt: Ganz meisterhaft ivar der Vortrag. Da gab esl kein Mätz. chen, kein Virtuosentum: das Gcl)einmiö der Wirkung lag in einer überaus natürlichen, schlichten Art zu sprechen, in einer durch und


