Ausgabe 
12.10.1916 Erstes Blatt
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* D«S heutig e Kreisblatt Nr. 126 enthält Bekannt­machungen über Bucheckern; Arbeitskräfte zurKartoffel- ernte: das Einhalten der Tauben zur Saatzeit und Prüfung der israelitischen Religionslehrer.

Landkreis Gießen.

Ettingshausen, 12. Okt. Der Unteroffizier Oppen von hier verunglückte auf dem Truppenübungsplatz Orb tödlich. Die Leiche wurde nach hier gebracht und auf dem hiesigen Fried­boi bestattet. Ter Verunglückte hatte bereit? 17 Monate im Felde gestanden und war Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessi. scheu TapferkeitsmedaiNe.

** Garbenteich, 12. Okt. Dem Landsturmrekrut Heinr Mohr von hier, der in der 6. Komp. Jnf.-Rgt. 118 im Felde steht, wurde für tapferes Verhalten in den Kämpfen um Verdun und Somme die Hessische Tapferkeitßmedaille verliehen.

r,. Geilshausen, 11. Okt. Gefreiter Wehrmann Konrad S ch o >n b e r wurde mit der Hessischen Tavferkeitsmedaitte aus­gezeichnet und Wehrnrann Gefreiter Friedr. Schnabel mit dem Eisernen Kreuz. Beide in den Kämpfen im Westen.

-k- Großen-Linden, 12. Okt. Der Eisenbahner, Mus­ketier Julius Menges, Sohn des Güterbodenarbeiters' Philipp MengesVI., wurde wegen nmtigen Verhaltens vor dem Feind mit der .Hessischen Tapferkeitsmedaillc ausgezeichnet. Gerade vor einem Jahre wurde er ausgehoben und rückte im Februar dieses Jahres ins Feld. Er gehört dem Infanterie-Regiment Nr. 186 an, das int Heeresbericht vom 7.-Oktober bei den schweren Kämpfen im Sommegebiet ehrenvoll genannt worden ist.

dp. Langd, 11. Okt. Ludwig Veite von hier, bei einer Artillene-Mumkiou kolonne im Westen, wurde mit der Hessischen Tapierkeitsinedaille ausgezeichnet. Gefreiter Hugo Walter, der seil Ende Juli vermißt war, hat dieser Tage aus russischer Gefangenschaft geschrieben.

tt Treis a./Lda., 12. Okt. Der Opfertag für die Ma­rine brachte im Bezirk der Ortsgruppe des deutschen Flottenvereins' Treis-Aslendorf den Betrag von 323,25 Mk., wovon 130 90 Mk. in Mendorf a./Lda., 167,35 Mk. in Treis a./A>a. und 25,30 Mk. in Climbach durch Vermittelung der Ortsausschüsse für das Rote ftroi* und Kriegs Hilfe durch .Haussammlung aufgebracht wurden. Vermißt wird seit Mitte September in den Kämpfen bei L u ck lder Musketier Heinrich Will von hier. Nach Mitteilung eines Kameraden soll er in russische Gefangenschaft geraten sein. Für lvrvorragende Tapferkeit wurde der Unteroffizier Ludw. Bennen, Sohn des hiesigen Bürgermeisters, zurzeit bei der 2. Masch.- Gew.-Abt. des Jnf.-Regts. Nr. 118, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

** 11 t p h e , 11. Okt. Wiederum kam heute ein Mann au§ unserer Gemeinde, der Wehrmanu August Schäfer, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz aus Urlaub. Er kämpft seit Anbeginn des Krieges im Jnf.-Rgt. 116.

Kreis Büdingen.

# Echzell, 12. Okt. In unserer vierklassigen Schule wurde duuck, die Schüler der Betrag von 9 713 Mk. (4. Anleihe 8100 MH.) zur 5. Kriegsanleihe gezeichnet., In der Nachbarge­meinde Bisses wurden 414 Mk. Schüler Zeichnungen cmgemeldet.

# Düdelsheim, 12. Okt. Das Eiserne Kreuz er st er Klaffe erhielt der Leutnant d. Res. Friedr. Nos, dieselbe Aus­zeichnung 2. Klasse der Bizefeldwebel Simon im Landst.-Jnf.- Ngt. Nr. 20.

# Nidda, 12.Okt. Die Spronenfurcht ist immer noch sehr groß. Am vergangenen Mittwoch ging der Jagdaufseher F öger , ein Kriegsinvalide und Inhaber des Eisernen Kreuzes, der seit kurzem bei der dtiddaer Jagdgesellschaft in Diensten steht, durch die Gemarkung WaUernhLnsen. Er trug einCape". Tes- iKtCb mußte er ein Spion sein. Ein Eimvohner wollte bemerkt! Habei:, daß er sich im Wallde umgekleidet habe. Man fand au-ch wirklich an der betreffenden Stelle einige Streichhölzchen, die nur von -ihm herrühren korrnten. Sofort wurden die WaMleute desj Wachtkommandos für Kriegsgefangene aufgeboten, die durch Feld u:rd Wald streiften u:rd den Verdächtigen bald stellten. Er entpuppte sich aber als harmloser Jagdaufseher, der sich nicht umgekleidet und auch keine Stteich Hölzchen gebraucht hatte, da er suh seine Zigarre mit einem Benzin-Feuerzeug anzüzünden pflegt. Was die Einbildung tut!

# Oberau, 12. Okt. Das Eiserne Kreuz er st er Klasse erhielt der Unteroffizier L e i st e r.

4 Ortenbcrg, ,11. Oft. Peter Fürkel, .Unterofftzrer! bei einer schweren Mörserbatterie, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er befindet sich augenblicklich zum zweiten Male schwer venrrundet in der Heimat. Die gesamte O öfter nt e des Hefigen fürstlich-stolbergisch-roßlaischen Obst gutes ging in den Be­sitz einer Ersatzabteilung eignes Tarmstädter Feld-Artillerie-Regr- «mentes über. Für den Zentner wurden 13 Mark bezahlt. Der hiesige fürslliche Oberförster Pröhl wurde von dem Fürsten Christoph Martin zu Stolberg-Roßla^Ortenberg zum Forstmeister ermmrtt.

Kreis Alsfeld.

z. Alsfeld, 11. Okt. Unter überaus .großer Beteiligung wurde am Sonntag nachmittag auf dem hiesigen Friedhof'der an seiner schweren ^erwsnndung im herzoglichen Krankenhaus zu Brajunschweig verstorbene Garde-Grenadier Lehrer Werner Hart- Mann von hier beigesetzL. Es ist bereits der dritte Sohn neben einem Schwiegersohn, den die schwer betvoffene Familie des Bäcker­meisters Hartmann damit dem Vaterlande geopfert hat. Pfarrer Möbus hielt die tiefergreifende Trauerrede, der Vorsitzende der vaterländischen Vereinigung Karl Waitz legte für die in Kriegs z eit auf feine Veranlassung zusammcugeschlossenen vier Vereine, Ve­teranen- und Kriegerverein, Militärverern, Freiwillige Samtäts- kolonne und Jungmannschaft einen Kranz nieder, Dekan Sauer­wein sprach für die Altersgenossen, ein Unteroffizier des hiesi­gen Landsturmbataillons widmete unter den WortenDeutsch­land soll leben, wenn wir auch sterben", den von dem braun­schweigischen Herzogspaar übersandten, aus prachtvollen Farrn- kräutern gewundenen Kranz dem auf dem Felde der Ehre gefal­lenen Kameraden. Zu wünschen wäre für die Folge in ähn­lichen Fällen eine dem Empfinden der Bevölkerung und den schwer­geprüften Familien Rechnung tragende stärkere Beteiligung des jhveftgen Landsturmbataillons, insbesondere auch eine Teilnahme des Osfizierkorps.

# Ilsdorf, 12.Okt. Zur 5.Kriegsanleihe sammelte Leh- ' rer Jüngst von 25 Schulkindern den Betrag von 2320 Mk., an

Sammelzeichnungen m der Gemeinde wurden 16 000 Mk. dem Väterlande zugeführt.

Up. Ruppertenrod, 12. Okt. Ten Eltern des Albert D i e h l hier wurde aus Rußland durch der: Divisionspfarrer Konrad die traurige Nachricht zuteil, daß der 19j ährige Jüngling den Helden­tod fürs Vaterland erlitten. Tie stündliche Kugel traf ihn abends bei Stellungsarbeiten. Mit militärischen Ehren und unter den .Klängen der Militärkapelle wurde der Gefallene im Einzelgrab bestattet. Die VopschußkcM in Grünberg verliert in ihm einen tüchtigen Gehilfen, seine Eltern cwn braven Sohn und seine Kompagnie, wie der Kompagnieführer schreibt, einen beliebten, tapferen Kame­raden. Ein anderer, 20jähriger Soldat, August Beck von hier, der !in Unter-Seibertenrod im Dienste gestanden, wird in den Sommeschlachten vermißt.i Der Kanonier Albert Kertz von hier, der durch eine Schrapnellkugel am Beine verwundet im Laza­rett zu Frankfurt a. M. liegt, wurde am letzten Sonntage mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

up. Ausdem Ohmtal, 12. Okt. Nach keinem Wirtschafts- gcgenstand herrscht zurzeit größere Nachfrage als nach den Honigdippen". liebet alt sind in den einschlägigen Geschäften die Honigtöpfe ausverkauft und erst Mich wieder neue Zufuhr kommen, ehe die Aufträge erledigt werden. Es gibt wohl kaum eine Familie, in der nichtZwetschenhonig" gekocht wird. Tie Zwetschen gehen nun zu Ende, sie faulen an den Bäumen und dörren ein. Die mebe Zwetschenernte erinnert an die noch reichere des Jahres 1878, ebenfalls eines Schaltjahres. Damals! folgte im Jahr 1879 ein sehr strenger Winter, und die Meisten Zwetschenbäume erfioren. Noch jahrelang darnach hieb Man die verdorrten Zwetschenbäume um und verbrämte das Holz. s

F.C. «US Oberhessen, 12. Oft. In den Kreisen Alsfeld und Lauterbach, sowie im nördlichen Teile des Kreises Schotten

fallen in Kürz« 46 Ortschaften mit Elektrizität versorgt

werden.

Kreis Lmlterbach.

** Freien st einau, 12. Oft. Am letzten SamStag in der Abenddämmerung wurden im Walde zwischen dem benachbarten Reichlos und der sogenannten Heckenmühle 4 durchgegaugene Russen von dem zurzeit beurlaubten Unterosfizier Friedrich Euler von Freiensteinau (Landsturm-Jns.-Bat. Gießen 18/9) und seinem Schwager Lehrer Roth, Holzmühl, festgenommen. Nachdem sich die 4 Ausreißer anfangs ernstlich widersetzt hatten, gingen sie schließlich, eingeschüchtert durch das energische Auftreten der beiden, doch gutwillig mit. Sie gaben an, aus dem Gefangenenlager Aschaffenburg zu stammen und in Oberbach bei Brückenau ge­arbeitet zu haben. Sie hatten sich mit Zivilkleidern und Zivilhüten versehen, befanden sich bereits 3 Tage unterwegs und waren noch reichlich mit Mundvorrat versehen.

Kreis Schotten.

UL. E i ch e l s d o r f, 11. Okt. Eine seltene Auszeichnung wurde dem hiesigen Reservisten Louis Würz zuteil. Nachdem er seit Kriegsbeginn für das Vaterland kämpfte, innerhalb der letzten 4 Monate zum Gefreiten und Unterosfizier befördert worden war und das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten hatte, wurde ihm am 26. September das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen.

An Krieger unserer Gemeinde ist bisher außerdem 20 mal das Eiserne Kreuz 2. Klasse, 20 mal die Hessische Tapserkeiisinedaille und 2 mal die Hessische Verdienstmedaille verliehen worden. 21 Krieger haben den Heldentod für das Vaterland erlitten.

** jG'edern, 12. Okt. Asm' vergangenen ,Sonntag wurde unseren: Orte eine besondere Freude Imb Ehre zuteil. Der Fürst Christian Ernst Asu Stoibergi-Werni gerade und Feine Ge­mahlin, die Fürstin Marie geb. Gräfin Castell-Rüdenhaufen ferer- ten hier das Fest ihrer Silbernen -Hpchjze.it. Schulkinder sangen am frühen Morgen ,ben Choral ,.,2lch bleib mit deiner Gnade" vor dem Schlosse. In der prächtig geschmückten Kirche, in her das Fürstenpaar int Kreise zahlreicher hoher Verwandten vor dem Altar Platz nahm, fand um 1 / 2 11 Uhr der Festgottesdienst statt. Hofprediger Widmann hielt die Festansprackie. Die Feier ver­schönten Gesänge des Kirchenchors', der, vom! Ortsgeistlichen ge­leitet wurde, wie auch zwe: ^Sologesänge von Frl. Thilde Walther ans Darmstadt, die mit klangvoller, geschulter Stimme lintb innigem! Enrpfsmden das »Arnold MlendeWsohnscheStark wie sder Tod ist die Liebe" und das BeethovenscheGott deine Güte reicht so weit" zum Vortrag brachte. Am Abend huldigten hem hohen Jubelpaare einige Gederner Vereine vor dem Portals des Schlosses, die jugendlichen Turner mit gewandten, turnerischen Leistungen der Kirchenchor mit patriotischen Gesängen und die zahlreich- erschienenen Einwohner, denen ber Fürst in markiger, vaterländischer Rede seinen und der Fürstin Dank mit einem Hinweis zu unerschütterlichem! Dirrchshalten zUM Ausdruck brachte.

Nicht unerwähnt bleibe die Gabe des Fürsten für die Bedürf- tigen Gederns im Bettag von 2000 Mark.

** Groß-Eichen, 12. Okt. Der Schloffer Heinrich Bär, Sohn von Rudolf Bär, Schütze in der Maschinengewehr-Kompagnie Regt. 28, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Kreis Friedberg.

oa. Friedberg, 11. Ott. Dem Unterosfizier Ernst Mai, Sohn des Kaufmanns Isaak Mai, bei einer Artill«rie-Meßtruppe im Westen, wurde die Hessische Tavierkeitsmedaille verliehen.

Q. Bad-Nauheim, 12.Okt. Ter Zweigverein vom Ro­ten Kreuz beschloß in seiner letzten Sitzung, fiir Unterstützung notleidender Kriegerfamilien einschließlich des städtischen Zu­schusses in den Wintermonaten jewils 1800 Mk. auszuwerfen. Für Mstensendungon an Truppen des 18. Armeekorps zu Weih­nachten wurden 1000 Mk. bewilligt. Tie im Felde stehenden Bad- Nauheimer erhalten außerdem vom Verein noch jeder ein Weih­nachtspaket besonders zugesandt. Ferner wurde beschlossen, den hier zur Genesung «weilenden Kriegsteilnehmern, in Gemeinschaft mit der Großherzoglichen Bade- und Kurverwaltung im Konzerthaus eine allgemeine Weihnachtsfeier mit Bescherung zu bereiten. Der Kriegskinderkrippe wurde ein monatlicher Zuschuß von 168 Mk. bewilligt.

dar. Bad--Nauheim, 11. Okt. Es erhielten die Stabs­ärzte Dr. H i r s ch , Dr. H e ß . Dr. Schmidt, Dr. L i l i e n - stein, Dr. Wen? das Militär-Sanitätskreuz am Kriegsbande; dieselbe Auszeichnung am rot-silbergestreiften Bande erhielten Sani- tätsrat Dr. Müller, Dr. Pape und Dr. Martin. Das Kriegs-Ehrenzeichen erhielten Zahlmeister Richter vom hiesigen Bataillonsstab, Lazarettinspektor-Stellvertreter Simon und Sani- tätsunterosfizier E r k e l.

vt. Bruchenbrücken, 11. Okt. In hiesiger Gemeinde stellt der Familienvater Johannes S ch l e u n i n g vier Söhne fürs Vaterland ii:s Feld. Der jüngste Sohn kämpft im Osten im In­fanterie-Regiment Nr. . . während die anderen drei im aktiven Regiment 118 waren. Wegen tapferen Verhaltens in den letzten Kämpfen an der Somme wurde dem Schützen Otto Schleuning das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen; er wurde zu gleicher Zeit zum Gefreiten befördert.

oa. Holz hausen. 11. Okt. Dem Weißbinder Wilh. Wien wurde die Hessische Tavferkeitsmedaille verliehen.

oa. Melbach, 11. Oft. Die Sammlung für den Marine- O p f e r t a g ergab in Melbach 300 Mk., in Wölsersheim-Södel 23b Mark.

Kreis Wetzlar.

Wa. Wetzlar, 11. Okt. Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet wurde Unteroffizier Jak. S t a a b , Feld-Art.-Rgt. Nr. 3, mit der Hessischen Tapferkeilsmedaille Wehrmann G 0 n d 0 l s, Jnf.-Rgt. Nr. 81.

ra. Wetzlar, 12.£)ft. Dem Vorstand des hiesigen Eisenbahn­betriebsamtes, Geh. Baurat Dr. v. R i t g e n , wurde die nach­gesuchte Entlassung aus dem Staatsdienst erteilt. An seine Stelle als Vorstand wurde Regierungsbaumeister M i ck e l aus Hoyers­werda nach hier versetzt.

Hessen-Nassau.

ü Au s dew Kr eise Marburg, 12. Okt. Iw Fronhausen wurden gestern zwei russische Gefangene, dre ans Wetzlar entsprun­gen waren, wieder festgenonrmen. Das Generalkommando zu Kassel übersandte dem Rentenempfänger Naumann in Wehrs­hausen, der kürzlich zwei durchgegangene -russische Gefangene er- nckttelte pnd für deren Festnahme.sorgte, eine Belohnung von 10 Mark.

AKirchhain, 11. Okt. 2luf Veranlassung der Kasseler Land­wirtschaftskammer wurden gestern hier 44 Zuchtkühe, Simmen­taler Rasse, zum Verkauf aus geboten. Weil die Preise zu hoch waren, sie bewegten sich zwischen 14002000 Mark, blieb ein U eberstand.

][ Frankenberg, 12.Okt. Landrat Dr. Stapenhorst macht folgendes bekannt: Es ist mir gemeldet worden, daß PeiFonen in letzter Zeit Lebensmittel, insbesondere Butter und Eier, unter Mißbrauch meines Namens aufgekcrnst haben. Auch geht das iir- fame Gerücht, daß ich wöchentlich das Doppelte und Dreifache an Fleisch erhalte, als mir nach den Bestimmungen zu stände. Ich bitte, mir diese Schwindler nach Feststellung der Personalien zu Melden.

--- Frankfurt a. M., 12. Okt. Zur besseren Versorgung der Stadt mit Milch> hat die Stadtverwaltung bei den Pflegämtern und Stiftungen Frankfurts M ilch kühe einstellen lassen. Neuer­dings erhielten auch! zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe der Provinz Oberhessen Milchkühe überwiesen mit der verttaglichen Verpflichtung, die Milch dieser Kühe nach Frankfurt zu liefern. Wie nun aber in der hessischen Landwirtschaftskammer amtlich durch Ministerialrat Schliephake mitgetellt wurde, erkennt die Hes­sische Regierung die zwischen Frankfurt und den oberhessischen Landwirten geschlossenen Milchlieferungsverttäge als nicht rechts­verbindlich' an.

Königstein, 12. Okt. Die Großherzogin Maria Anna v 0 n L u x e m b u r g ttaf mit ihrer Tochter, der Prinzessin Hilda, zu längerem Aufenthalt im hiesigen Schlosse ein. Der 6)roßberzog von Baden reiste Dienstag abend über Frank­furt nacb Karlsruhe zurück

X Gelnhau sen, 12. Okt. Ein ergötzli ches Wucher­stückchen hat sich in einem Nachbardorf zugettagen. Kam da ein Frankfurter Bürger, um Eier einzukaufen. Er bietet der Bauevs-

fvüt 18 Dslgl pro SLück, sie erWSE, kerne haben, er bietet 20, 25, 30 imb 35 Mg., immer noch sind kerne Eier da. Erst naettfem er fein Gebot auf 40 Pfg. erhöhte, bringt die biedere Bauer;)rraul aus pureinMitleid" 100 Stück von ihrem verborgenen ^ck)atz. Der Frankfurter ließ sich die 100 Eier schön einhacken und legtei dem Höchstpreis erttsmochend 18 Mk. auf den Tilch und erklärtet wegen des Restes können Sie mich verklagen, hi'er meine Adresse und ging!

X. Schlüchtern, 11. Okt. Der bisherige kommissarische Landrat des Kreises Schlüchtern, von Trott zu Solz, ist vom Kaiser zumKöniglichen Landrat des Kreises Schlüchtern" ernannt worden.

--- Diez, 11.Okt. Den Auftakt fiür die zweite Woche der Kriegs-VolkSakademie des Rhem-Mainisch n Vrrchandesi für Volksbildung bildete eine stimmungsvolle Gedächtnis-^ f ei e r für die Gefallenen. Einleitend zeigte der Frankfurter Mnst-> Historiker Professor Dr. Hülsen in einem Vortrag über . -elden- Verehrung in der Kunst" der großen Zuhörerschar^di- Wog .nnmm in der Vcrelwmig der Helden bei den verschiedemten Völkern und erläuterte sic durch eine Fülle glättender Lichtbllder. Später ver­sammelte man sich am hochgelegenen Ruinchen zur Eimoeihung eines Heldenhains für die aus Diez gefallenen .Krieger. Die Pfarrer Fr e s en i u s-Essenheim und Ewsi n ger-Diez hielten begei­sternde Ansprachen über die Bedeutung des Heldenhains für Gegen- wlart und Zukunft. Beigeordneter Heck pstanzte inmitten des Hains eine (Ache. Musikalische Darbietungen gaben der schlichten Feierstunde einen Würdigen Rahmen. Abends vereinigten sich die Teilnehmer der Mademie mit der Diezer Bürgerschaft zu einem geselligen Beisammensein, das durch Ansprachen und musikalische Vorttäge aller Art wirkungsvoll verschönt wurde.

ra. Von der unteren Lahn, 12. Okt. Mit der Lese der Frühtrauben ist jetzt an den unteren Lahnbergen begonnen worden. Die Menge ist gering. Das Mostgewicht beträgt zwischen 70 und 85 Grad. Die Preise sind hoch, 50 bis 60 Mk. für den Zentner Trauben.

vie Parade des W5 er Moselweines.

Die Moselgegend steht im Zeichen der arrrückenden Wernvev« steigerungen. Dicsmckl wird es, so schreibt uns ein Mitarbeiter aus Trier, eine Riesenverfteigerung geben, denn es gilt den Weinsegen^ des 1915 er Jahrganges auszubieten. Spannung erfüllt die Herzen aller weinfieudigen Moselaner, denn auf ihren 1915 er find sie sehr stolz, ist doch seit 1893 im ganzen Moselgebiet kein so vollkommen edler Tropfen wieder gewachsen, wie dieser! Und reich ist er ans D^enge ausgefallen, weiß man doch, daß vergangenen Herbst selbst die kleinen Meinbautteibenden ihren Rebensegcn mcht bergen konnten, da es ihnen an Gesäßen, an Fässern u. a. fehlte. In Ab-' ständen muß der Wein deshalb versteigert werden: im November bis Tezenrber und der Rest gar erst im neuen Frühjahr. Ein klin­gender Name ist dem 1915 er bereits verliehen worden; er ist der sieghafte,^ besitzt bei seiner Blume, die (so sagen die Wein kundigen) nach Rosen mtb Trauben duftet, vielfeurige Rasse", dabei ist er süß,stahlig" und natürlichreintönig". Diese -Fachausdrücke werden von den Weinzungen rmch gewissenhafter Prüfung dem Weine erst angefügt, denn nurn glaubt als Fernstehender gar nicht, welche bestimmten Eigenschaften d. h. Vorzüge oder Nachteile ^ ein naturreiner Wein besitzen kann. Die Weinschmecker haben emj ganzes Lexikon über Weineigenschaften gebildet, das für die Kurv-« digen sehr wichttg ist. Ein Jahrgang kann Berühmtheit erlangen, aber auch ebensogut in Verruf geraten, hieß doch der 1671 et wegen seinerRauheit" schlankweg derTurko". Die Vorbe- reimngen zur Versteigerung sind im flotten Gange. Durch die Sttaßen fahren die typisch langen Weinkarren mit leeren imd ge­füllten grünen Moselweinflaschen, von den Bahnhöfen kommen die ovalrunden Holzfässer aus den Moselweindistritten, die sog. Fuder, und die Kaufliebhaber und Probierer werden dann wieder auch trotz des Krieges aus allen deutschen Gauen unsere moselumranktt" alte Weinstadt aufsuchen.

vermischte».

AuS dem Spessart, 12. Okt. Durch einen «gen- artigen Unfall verunglückte der Förster Martert aus Groß- Wallstadt in schwerer Weise. Während er beim Frühstück aus einem Baumstumpf saß, trat sein Hund auf dar am Boden liegende Ge­wehr. Dieses entlud sich und der Schuß zerschmetterte dem Förster den rechten Arm vollständig.

* Wie die Rumänen Budapest erobern wollen. Je weniger es den Rumänen gelingt, in da3 so heißbegehrte Ungarn vorzndringen, desto mehr suchen die neuerdings rumänenbegeisterten Pariser sie mif andere Weise zu entschädigen. So wird imFigaro^ der Vorschlag gemacht, die Ungarn zu bestrafen und die Rumänen mit Ruhm zu kröuen, indem man die in Paris befindlicheBuda- pester Straße" kurzerhand in eine pBukarester Straße" umtauft. Selbst die siegestrunkensten rumänischen Krieger we-rden wohl kaum gedacht haben, daß Budapest so leicht und schnell »rumäni- siert" werden könnte.

Aniverfitäts-Aachkichte«.

Frankfurt a. M., 11. Okt. Der Ordinarius für Astto* nomie und Versicherungswissenschaft an der Frankfurter Universität, Professor B re n d el, der auf einer Reise in Frankreich vom Aus­bruch deS Krieges überrascht wurde und seitdem interniert war, ist zurückgekehrt und nimmt mit dem Beginn des Winterhalbjahrs feine Vorlesungen wieder auf.

Letzte Nachrichten.

Die deutsche U-Bootstatigkeit.

Amsterdam, 12. Ott.Daily Mfil" erfahrt, daß Ver­handlungen über die plötzliche U-Boottättgkeit in den Nordamerika-, nischen Gewässern zwischen den Botschaftern Englands imb Frank­reichs in Washington einerseits und der amerikanischen Regierung andererseits im Gauge sind. Besonderer Nachdruck wird aus die Tatsache gelegt, daß die Verhandlungen gemeinsam tm Namen der britischen und französischen Regierung geführt werden. Die Jni- tiattve liegt bei dlmerika und in Llhwartung der Schritte AmerikasI wird die Entente von einer Aktion vorläufig abseben. Nach der Ansicht der Ententeregierung-en ist eine Situation ein getreten, wie sie die Regierungen in ihrem Memorandmn vorausgesagt hatten.

Haag, 12. Okt. DerManchester Guardian" meldet aus! New-Pork: AlsU53" mit einem amerikanischen U-Boot einftihr, glaubte jedermann, es handele sich um ein Handeläurtterseeboot, bis der Kommiandant der Station Knight -informiert wurde. Ms zu diesem Augenblick hatte niemand irgendwelchen Verdacht. Graf Dernstorff schickte den Botschaftsrat,' um mit denr Kapitrn des Schiffes zu sprechen und die Depescherx zu übrrnehnien. Der Pro­test des englischen Botschafters ging sofort beim Stcwtsdeparte- nvent ein.U53" war gleich von einer Flotte lleiner Boote um­ringt und Leutnant Rose empfing auf dem Deck des U-Bootes die Berichterstatter. Där deittsch Kommandeur war sehr entgegenkom­mend und machte keine Umstände. Die Berichterstatter dursten das U-Boot flüchtig ansehen. Es ist nicht eines der neuesten und größ­ten deutschen U-Boote. Auf dem Turm weht die deutsche Flagge. Rose rühmte sich, daß er sich monatelang hätte auf See halten! können.

Washington, 12. Ott. Das PafsagierschiffBlommcrdijk" wurde .nicht torpediett. Vielmehr öffneten, nachdem die Mann­schaften und die Passagiere das Schiff verlassen lmtteu, dr<'. .vntfrf* Seeleute die Wasserlucken und versenkten es. Tie Jdentizbät der drei letzten Schiffe ist noch nicht festgestellt. Von einen: Verlust an .Menschenleben wird irichts berichtet. Tic diplomati Ge- sichtspuntte, soweit sie die Regierirng betreffend, find '.^sofern; zufriedenstellend, als die Teutsck^en m Uebeveinstimmnng rrii dem Gesetz tunb dem in Berlin gogcbeinn: Verfp,-«chen. blieben.World" behandelt die AngÄegeicheit ruh«. JRem f TrmeS" imbditto Nort Harald" find sehr erregt.