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12.10.1916 Erstes Blatt
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Nr. 2^

Der Gietz«er Lnzel-n

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Erstes Blatt |66. Jahrgang

Donnerstag, p. Gaooer M

postschecllonto: Zrankfvtt a.M. N686

General-Anzeiger sür Oderhessen

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sämtlich in Gießen.

Eine Aussprache im Reichstag.

(WTB.) Trotzes Hauptquartier, 11.Oktober. (Amtlich.)

WestlicherKriegSschauplatz.

In einzelnen Abschnitten der

Armee des Generalseldmarschalls Herzog Albrecht von Württemberg und auf der Artois-Front der

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls

Kronprinz Nu pp recht von Bayern

entfalteten die Engländer wieder lebhafte Patrouillentätig- keit.

An der Schlachtfront nördlich der S o m m e folgten dem starken, weit über die Ancre nach Norden übergreifenden feindlichen Feuer abends und nachts zahlreiche Teilangriffe, die auf der Linie Morval-Bouchavesnes besonders kräftig mehl'fach wiederholt wurden. Hier hat sich südwest­lich von Sailly der Gegner auf schmaler Front in un­serer ersten Linie festgesetzt, während er im übrigen durch Feuer und im Nahkampf abgeschlagen wurde. Nordöstlich von Thiepval ist der Kampf um einen kleinen Stütz­punkt noch nicht abgeschlossen. Südlich der Somme gelang es den Franzosen nach dem meliere Tage andauernden Vor- bereitungsfeucr in dem auf Nermandovillers vorfpringen- den Bogen unserer Stellung einzudringen und unsere Trup­pen auf die vorbereitete, den Bogen abschneidende Linie zu- rückzudrücken. In der aufgegcbenen Stellung liegen die Höfe Genermont und Bovent.

Unsere Flieger schossen vier Flugzeuge hinter der feind­lichen, vier hinter unserer Linie ab.

FrontdeS Deutschen Kronprinzen.

Bei P run a y (südöstlich von Reims) stietz eine deutsche Erkmwungsabteüung bis in den dritten französischen Gra­ben vor mw machte Gefangene.

Die bereits in den letzten Tagen erhöhte Feuertätig- keit im Maasgebiet nahm besonders östlich des Flusses zeit­weise noch zu. Abends kam es zu kurzen Handgranaten­kämpfen im Abschnitt ThiaumontFleury. Oestlich von Fleury wurde ein französischer Vorstotz abgewiesen.

Oestlicher Kriegsschauplatz

Von beiden Heeresfronten nichts Neues.

Kriegsschauplatz inSiebenbürgen.

Im Marostal leistet der Feind noch zähen Wider­stand. Im Goergenytal und nordöstlich von Parajd gab er erneut nach. Oestlich von C s i kS z e r e d a und wei­ter südlich im Alttale wurde er geworfen. Die Verfol­gung der bei K r o n st a d t (Brasso) geschlagenen zweiten ru­mänischen Armee wurde fortgesetzt.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

An der Donau und in der Dobrudscha keine Er­eignisse.

Unsere Flugzeuggeschwader bombardierten mit Erfolg Truppenverkehr bei Constanta.

Mazedonische Front.

Neben stellenweise lebhaften Feuerkämpfen kam es an der Cerna, an der Nidze-Plcknina und in Gegend von Lium- nica (westlich des Wardar) zu ergebnislosen feindlichen Vor- stötzen.

Der erste Generalguartiermeister Ludendorfs.

Der deutsche Reichstag hat gestern eine große Aus­sprache über unsere .Kriegspolitik gehabt. Was konnte man von ihm erwarten in dieser Zeit einer wogenden Entwick­lung, die uns allen zwar die volle Zuversicht hochhält, daß es ein gutes Ende nehmen werde, aber uns doch auch wieder bei den Ergebnissen einzelner Tage den großen Widerstreit der Gefühle wachruft, den Shakespeare seinem Heinrich VI. in die Seele geschrieben hat?:Dies Treffen steht so wie des Morgens Krieg von sterbendcnl Gewölk mit regem Licht, dann, wenn der Schäfer, auf die Nägel hauchend, es nicht entschieden Tag noch Nacht kann nennen. Bald schwankt es hierhin, wie die mächtige See, gezwungen »Zn der Flut dem

Wind zu trotzen. Bald schwankt es dorthin, wie dieselbe See, gezwungen vor des Windes Wut zu weichen. Bald überwiegt die Woge, dann der Wind: nun stärker eins, das andre danck das stärkste. . . . Beid um den Sieg sich reißend, Brust an Brust, keins Ueberwinder noch auch überwunden: Solch Gleichgewicht hat dieser grimme Krieg." . . .

In dieser Stimmung waren auck) die Reden unserer Parlamentarier abgetönt, und was sich ihnen an Wünschen für die innere Gestaltung unseres Reiches abrang, das waren nicht Willenswerte von feftent und sicherem Gepräge, sondern ein phantasievolles Herbeisehnen von Zuständen be­stimmter politischer Ideale. Was die auswärtigePoli- tik anlangt, so war die Ernte des Tages spärlich. Wir be­scheiden uns ja auch damit, daß die wichtigste Streitfrage, die sich um den U-Bootkrieg dreht, in ihren Einzelheiten un­ter keinen Umständen vor dem Ohre des Auslandes erörtert wenden darf. So blieb es bei den Allgemeinheiten, die wir aus der Presse zur Genüge kennen. Der konservative Redner, Graf v. Westarp, betonte, seine Partei wolle im Gegensatz zur Regierungspoliiik den s ch ä r f st e n und rücksichtslosesten Krieg gegen England. Auf die Begründung verzichtete er; aber wir wissen, daß im Hauptausschuß des Reichstages in dieser Frage die Meinungen auseinandergegangen sind. Der nationalliberale Führer Bassermann, der für seine Person in der U-Bootfrage wohl auf demselben Standpunkt steht wie Graf Westarch hat wohl nur darum mit einer temperament­vollen Verteidigung der sogenanntenKanzlerfronde" sich begnügt, weil in seiner Fraktion in diesen Dingen keine Ein­stimmigkeit herrscht. Das ist wohl bei allen bürgerlichen Par­teien, mit Ausnahme der Konservativen, der Fall. Dieser Umstand hat, neben der Rücksicht auf das Ausland, auch den Ausschußbeschluß erleichtert, von öffentlichen Erörterungen des Für und Wider in Sachen des U-Bootkrieges abzusehen.

Wir dürfen mit der Stimmung unseres Reichs p<rrla- ments im allgenreinen zufrieden .'ein. Die Zuverficht auf den Sieg w-nnkt nicht. Die Erken.rrnis, duß bvt Dinge gut für uns stehen, daß auf die oberste Leitung unserer Heere das größte Vertrauen «gesetzt werden darf, ist ganz all­gemein.

Aber dann kamen in der gemüts erregenden Zeit des Harrens, für derer: Charakterisierung wir die obigen Shake­speare-Worte angeführt haben, die Ausströmungen von ge- fi'chlvollen Wünschen, die unabhängig van dem harten Stoß der Tatsachen die Herzen bewegen.Als deutscher Sozial­demokrat' darf ich anssprechen, daß ich für den Frieden bin, so erklärte Scheidemann. Er darf es. Solange

er von der Regierung nicht das Ungebühr­

liche und . Unmögliche fordert, den Frieden erneut anzubieten. Auch der Abgeordnete Narmrann hat denselben Herzenston angeschlagen und die Friedenssehn­sucht bekannt. Wir schauten mit kurzen Blicken in den Him­mel des deutschen Idealismus. Er gebärdete sich nicht auf­brausend, er weiß, daß es durch Nacht zum Lichte geht. Aber er will sich seine Antriebe nähren, will auf dem steinernen Boden des Krieges nicht dahinsiechen. So dürfen wir auch das innerpolitische Programm Scheidemanns verstehen, von dem er selbst bekannte, daß er an seine baldige Verwirklichung nicht glaube. In der Tat, wer kann ernstlich daran denken, daß jetzt beispielsweise die Einführung des allgemeinen Wahl­rechtes für Staat und Gemeinden in die Wege geleitet wer­den könne, da unsere Besten und Tüchtigsten in den Schützen­gräben sitzen! War es nicht ein Ueberschwang von Gefühls- erguß, wenn Scheidemann die Verwirklichung 'solcher Wün­sche auch mit Rücksicht auf das Ausland forderte, das dann erst erkennen solle, daß das deutsche Volksheer geschlos­sen und unüberwindlich sei! Naumann hat ein wenig gegen dasUebermaß polemisiert, aber im Grunde auch vom Kaiser etwas gefordert, was heute nicht jedermann als ein Gebot der Stunde erscheinen kann. Würde am Ende dieser plötzliche Akt der Gewährung von Volksrechten das Ausland nicht ge­rade stutzig machen, das zu glauben geneigt wäre, nur durch solche Spende und Aufmunterung sei das deutsche Volk zum weiteren Ausharren zu bringen gewesen?

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 11. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart: 11. Oktober 1916.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

An der siebenbürgischen Südfront keine besonderen Er­eignisse.

Bei Brasso (Kronstadt) wird der Grenzraum gesäu­bert. Esik Szereda ist wieder besetzt. Im Görgeny-Ge- b i r g e hält der Widerstand des Feindes an.

Nördlich der Kirli Baba wurde ein russischer Vor­stoß abgeschlagen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Schlackst am Südflügel der k ü st e n l ä n d i s ch e n Front dauerte Tag und Nacht fort und erstteckt sich auf den Rcku» nörAlich der »ippach M St. Peter. An der gan­

zen Front zwischen diesem Orte und dem Meere griffen sehr starke italienische Kräfte an. Dem Feinde gelang es an meh­reren Stellen, in unsere Gräben einzudringen. Südlich von Nova Vas gewann er sogar anfänglich gegen Jamiano Raum. Unsere Gegenstöße warfen die Italiener aber über­all wieder zurück. Um einzelne in feindlichem Besitz geblie­bene Grabenstücke wird noch gekämpft. 1400 Gefangene blie­ben in Händen unserer Truppen.

Die Kampftätigkeit an der Fleimstalfront hat nach­gelassen. Die Italiener haben hier in den letzten Kämpfen nichts erreicht. Das Gefecht am Pasubio ist noch nicht ab­geschlossen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Bei den k. und k. Truppen nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

«

Ereignisse zur See.

Am 10. ds. Mts. abends hat eines unserer Seeflug- zeuggeschwader die militärischen Objekte vonMonfalcone und Caranzano erfolgreich mit Bomben belegt. In der Nacht vom 10. auf den 11. laufenden Monats griff ein Seeflugzeuggeschwader die Hafenanlagen, Hangars und die Batterien von Vlora, sowie die dort befindlichen feind­lichen Schiffe mit bestem Erfolge an. Starke, noch lang« sichtbare Brände in der Stadt und der Brand eines Oeltanks wurden beobachtet. ANe Flugzeuge sind von diesen Unter­nehmungen trotz hefttgsten Abwehrfeuers unversehrt nach ihren Basisstationen zurückgekehrt.

Flottenkommando.

DieDenkschrift des AdmiralftabS".

Berlin, 11. Oktober. (WTB.) TieNorddeutsche Mge^ meine Zeitung" schreibt: Ter Schlußsatz in der Auslassung der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 7. Oktober über die im Admiralstab bearbeitete DenkschriftDie englische Wirtschaft und der Ib-Bvotkrieg" ist von einzelnen Stellen dahin mißverstanden worden, als ob die Verbreitung unter der Hand seitens des Admiralstabes geschehen oder zugelassen worden wäre. Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Die Verbreitung unter der Hand wird auch vomt Adntiralstab auf das entschiedenste gewiß- billigt.

Eine deutsche Erklärnng über den U-Bootkrieg.

Berlin, 11. Okt. (WTB.) ftn der feindlichen Presse sind über die deutschen Unterseebootserfolae cm der Küste der Vereinigten Staaten verschiedene Angaben gemacht und Betrachtungen angestellt worden, die nicht unwider­sprochen bleiben dürfen. Der funkentelegraphische englische Zeitnngsdienst von Poldhu vom 10. Oktober meldet, daß U 53" sechs Schiffe torpediert und in einmen Fällen ver­senkt hat. Hierzu wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß der Handelskrieg cm der Küste der Bereinigten Staaten nach den Re g e X u der deutschen Prisen o r dn ung geführt wird, welche bestimmen, daß ein Handelsschiff an­gehalten und nach einer Untersuchung und nachdem seine Besatzung und die Fahrgäste sich in Sicherheit gebracht haben, unter gewissen Voraussetzungen versenkt werden darf. Diese Voraussetzungen sind z. V., daß es sich um einen feind­lichen Dampfer handelt oder um einen neutralen Dampfer, welcher Bannware befördert, und daß die militärische Lage es ausschließt, den als Prise aufgebrachten Dampfer m einen Hafen zu bringen. E's handelt sich also keineswegs darum, daß die Handelsdampfer etwa.ohne vorherige War­nung durch Torpedoschuß versenkt worden sirrd.

Das Reutersche Bureau meldet ferner ans Washington, daß die amerikanischen Behörden das Entstehen sehr kompli­zierter Neutralitätsfragen befürchteten, wenn Un­terseeboote so nahe an der amerikanischen Küste operierten, daß dies einer Blockade gleichkäme. Hierzu wird bemerkt, daß deutsche Seestreitkräfte das Recht haben, den Kreuzer­krieg im offenen Meere überall zu führen, und daß die Hoheitsgrenzen neutraler Staaten dabei peinlich ge­achtet werden. Von einer Blockade kann selbstverständlich keine Rede sein, da nur feindliche oder mit Bannwar« beladene neutrale Schiffe aufgebmcht wurden, das Wesen der Blockade aber in der Aufbringung aller Schiffe liegt, die die blockierte feindliche Küste ansteucrn oder verlassen, ohne Rücksicht auf Flagge und Ladung. Auch die Frage des amerikanischenJournal of Commerce":Muß unsere Küste die Basis für deutsche Unterseeboote sein?" ist über­flüssig angesichts der Tatsache, daß beim Anlanfim von Newport durchU 52" von dem allen M'ügsschrftrn zu-