Ausgabe 
10.10.1916 Erstes Blatt
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(gntmdMeiisiwrt ist etn Gemisch von verladenen derartigen ein- heimischen Blättern. Wenn die Apotl^ker und Dvog-nhcmdler das Einsammeln des einheimischen Tee-Ersatzes gegen Entgelt fördern ivürden. so könnte dieser Tee-Ersatz cm bandcl auch den­jenigen zugänglich gemacht werden, die nicht in der Lage sind, sich'selbst damit zu versorgen. Jedenfalls sollte ,nan auch dieses kleine Mittel nicht als zu gering ansehen, um unseren heimischen Markt immer mcabhängiger vvn der ausländischen Zufuhr zu machen.

** Hauptmann Ernst v. Peutz, einer der tüchtigsten Offiziere des hiesigen Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. >116. fand am 16. September den Heldentod, v. Pentz wurde fcm 7. Dezember 1877 zu Fulda als Sohn des Oberstleutnants von AZentz geboren, absolvierte das Kadettenkorps und wurde am 7. März 1896 :m Regiment 116 Sekondeleutnant, am 10. April 1906 Ober­leutnant uud aM 22. März 1912 .Hauptmann und Kompagniechef. Dom 2. Oktober 1905 bis 21. Juli 1908 war er zur Kriegsakademie kommandiert. Wärt entern gediegenen militärischen Wissen aus- gestattet, füllte er seine Stellum: in hervorragender Weise aus und erwarb sich in hohem Grade die Achtung seiner Vorgesetzten. Bei seinen Untergebenen war v. Peutz als gerechter Vorgesetzter, der stets väterlich für sie sorgte, sehr geliebt. Der Feldzug ließ seine glänzenden Soldateneigenschasten hell auflenchten und trotz zwei­maliger, leichter Verwundung blieb er als 'Führer des 1. Bataillons rm Felde. Für sein tapferes Verhalten erhielt er das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klaffe, die Hessische Tapferkeit smedaille und das Ritterkreuz mit Schwertern des Königl. Hausordens von Hohen- zollern. Sein Andenken wird nicht erlöschen, auch nicht bei seine,: zahlreichen Zivilfreunden, die den schlichten, charaktervollen Om- zier hoch eiuscl-ätztep. Um ihn trauern Frau und Söhnchen. Er ruhe in Frieden, inmitten seiner mit ihm gefallenen Helden: er war der Bes ten einer.

** Keine Bevorzugung der Gastwirtschaften. DerReichsverband deutscher Gastwirteverbände" hatte an den Bundes rat die Bitte gerichtet, die Reisenden und eventuell die Gastwirtschaften überhaupt etwas besser mit Fleisch und Eiern Lu versorgen, als in der allgemeinen Regelung vorgesehen ist. Begründet wurde die Bitte unter anderem damit, daß in den Familien unter den Familienangehörigen ein besserer Ausgleich zwischen den verschiedenen Nahrungsmitteln geschaffen werden körme, als im Wirtshaus, wo jeder Gast nur nach Maßgabe einer Lebensmittelkarte Nahrungsmittel erhalten könne. Das Kriegs- ernLhrungsamt ist auf diese Wünsche der Gastwirte jedoch nicht «ngogmrgen, sondern hat dem Verband in Berlin folgende Antwort krtnlt: Die Höhe der Fleischrattonen einseitig für Reisende, die gezwungen sind, ihre Mahlzeiten in den Hotels einzunehmen, Hu verbessern, muß ich zu meinem Bedauern ablehnen. _ Es ist fein Grund vorhanden, den Fleischverbrauch auf der Reise höher Hu gestalten als in der Familie, zumal jeder Reisende auchi An­gehöriger seiner Familie sein dürfte. Außerdem steht der Ausgabe höherer Kvrten für Reisende auch die Schwierigkeit der Kontrolle, jdaß sie nur auf Reisen verwendet werden, entgegen. Dieselben Mttmde sprechen gegen eine vcnMgsweise Behandlung des Gast- ßoirffchaftsgewerbes bei der Eierversorgung. Bei deren Durch­führung muß Wert darauf gelegt werden, daß die geringe Menge Eier, die in gegenwärtiger Jahreszeit zur Verfügung steht, -tmstichst gleichmäßig verteilt wird.

** Tic Zahl der Pvstscheckkunden tst rm Reichs Wostaebiet Ende September 1916 aus 137 693 gestiegen (Zugang im Monat September 4012\ 9luf den Poststheckrechnungen wurden Lm September gebucht 2 737 Millionen Mark Gutschriften und 2 704 Millionen Mark Lastschriften. Bargeldlos wurden .3 349 Millionen Mark des Umsatzes beglichen. Das Gesamtguthaben der Postscheckkunden betrug im September durchschnittlich 370 Millionen Mark. Im Ueberweffungsverkchr mit dem Auslande wurden 6 Millionen Mark umgefetzt.

" O ess en tliche Bücherhalle. Im September wurden £427 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1488, Zeitschriften 192, Jugendschriften 170, Literatur geschichtet Gedichte und Dramen 38, Länder- und Völkerkunde 64, Kulturgeschichte 25, Geschichte und Biographien 98, Kunstgeschichte 26. Maturwissenschait und Technologie 87, Heer- und Seewesen 22, ,HauS- und Landwirtschaft 10, Gefundheitslehre 2b, Rettgwn und Philosophie 59. Staatswissenschast 11, Sprachwissenschaft 12, Fremd sprachliches 17 Bände. Nach auswärts kamen 31 Bände.

Das heutige Kreisblatt Nr. 124 enthält Bekannt- »nachungen über Verkehr mit Zucker im BetriebSjahre 1916/17; Höchstpreise für Kartoffeln: Behüten der Wiesen; Einhalten der ^Tauben zur Saatzeit; Provinzialvermittlungsstelle für Ferkel i verkauf: Hinterkorn: Vertilgen der Blutlaus : Einsendung von

Kirckenrechnungen; Fortbildungsschule: Süßstoff; Ergänzungswahl ideS Kreistages und Mttverfehen von Schulstellen.

Die Obst - und Gemüsedarre im städtischen Elek trizitätswerk ist nunmehr fertiggestellt. Die Anlieferungen müffen Lrei Tage vorher angemeldet werden.

D i e Friedhöfe sind in der Zeit vom 16. Oktober bis 15. November 1916 von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr abends geöffnet.

Landkreis (Sieben.

"Birklar, 10. Okt. Der Musketter Hermann Düringer wurde zum Gefreiten befördert und mit dem Eisernen Kreuz 2. Klaffe ausgezeichnet.

* Reiskirchen. 9. Okt. Dem Kriegsfreiwilligen Tele­phonisten Heinrich Walter, Sohn des Bahnwärters Ph. Walter von hier, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klaffe verliehen.

g. Steinbach, 10. Okt. Bet hiesiger Schule gingen ein für .Kriegssparkarten 1688 Mk., für eine Anleihezetchnung (zu gunsten eines KindeS) 100 Mk., sonach im ganzen 1788 Mark ^Dieser Betrag ist über das Doppelte desjenigen bei der 4. Anleihe Der Opfertag für die Kaiserliche Marine erbrachte in hie ftger Gemeinde von 91 Spendern leider konnten wegen Kürze Ler Zeit nicht alle Haushaltungsvorstände besucht werden die Summe von 243 Mk. 25 Psg.

Kreis Büdingen.

7. Bad-Salz hausen, 10. Okt. Obgleich die diesjährige Badesaison vorüber ist, weilen immer noch eine größere Anzahl Kurgäste in den hiesigen Gasthäusern. Im Kaufmanns-Erholungs­heim wohnen noch 62 kaufmännische Angestellte und im Kinder­heim ,Sonnenblick sind 26 erholungsbedürftige Kinder unter »gebracht

Außerdem läßt «herziger Weise im Kurhaus 7. Kohden, 10. Okt. Heinrich Koch, Sohn des befreiten befördert worden.

# $ibba, 9. Okt. Flotte" ergab den Betrag

die Großherzogin von Hessen in hoch 72 Kinder aus ihre Kosten verpflegen Der Fahrer im Feld-Art.-Regt. 61 Gastwirts LouiS Koch dahier, ist zum

Die

Sammlung für die »Deutsche von 1071 Mk., eingeschlossen sind die Gaben aus den Nachbarqemeinden Bad Salzhausen und Kohden Das Eiserne Kreuz erhielt der Musketier Karl Rau.

Kreis Schotten.

A Ober-Lais, 10. Okt. Das KriegS-Ehrenzeichen erhielt Her hiesige Beigeordnete Karl Schauer mann, Sanitäts-Unter osfizrer im Landst.-Jus.^Ers.-Bat. Gießen.

H-Rebgeshai.r, 10. Okt. Das Ehrenzeichen für Krieg Fürsorge erhielt die hiesige Handarbeitslehrerin Marte Geiß.

Kreis Friedberg.

bz. Griedel, 9. Oft. Die Gemeinde Griedel hat den ver .wunderen und kranken Feldgrauen im hiesigen Reservelazarett eine ^Ueberraschung und Freude bereitet, indem nicht weniger als 56 große srischgebackene Zwetschenkuchen zum Sonntagsnachmittags tfaffee zur Austeilung kamen. Zun: Major befördert wurde : Hauptmann D 0 m i z l a s s, Kompagniechef im Jnf.°Rgt. Nr. 168 .zum Oberleutnant befördert Leutnant Holst in dems. Regiment.

' --»Aus der W etterau, 10. Oft. Wir stehen eben mitten Om der «Kartoffelernte. Zu dieser Zeit hat der Landmanp alle Hände voll zu tun. Während m früheren Fahren zwischen Grummeternte und dem KartoffelauDmachen eine kleine Panse ein jgutteten pflegte, mußte sich biefe£ Fahr der Bauersmann beeilen -mit den Herbstarbeiten. Und immer wieder wirft das schlechte Wetter behindernd auf die Arbeiten ein. So hat er dem: eben alle Hände voll zu tun. Dazwischen kam noch die Obsternte, die strich- Iveise guten Ertrag und damit auch viele Arbeit verursachte. Was' nun m $ (BtoM&fafaR cuchehmgt, so konnte ixm vior der ZäÄ

dieser Ernte manche nicht gerade hoffnungsvolle Mutmaßungen- von seiten der Landwirte vernehmen. Gpttliob, es ist anders ein-, getroffen, als man erwartete. Die Grträge sind nach Lage und! Bodenart wie jedes Fahr sehr verschieden, doch steht es fest, Mi der Durchschnittsertrag befriedigend ist. Aus gutem Kartoffelboden wurden über 100 Zentner auf dem Normal- morgen geeerntet, in geringeren Lasen im Durchschnitt immerhin 6070 Rentner, Das bedeutet nach dem Urteil erfahrener Land­wirte immerhin eine gute Mittelerrrte, die allerdings um ein Ge­ringes hinter der vorjährigen Kartoffelernte znrücksteht. Es ist da­mit wieder der Beweis erbracht, daß die Kartoffel eher Trockenheit als Nässe ertragen kann. Eine gewisse freudige Ueberrafchung bringt die Kartoffelernte auch insofern, als Erkrankung und Fäulnis der Kartoffel nicht so stark auftreten, als man infolge der großen Nässe befürchten mußte. Der Prozentsatz solcher verdorbener Kartoffeln ist nicht größer als in normalen Jahren, Nur in sehr feuchtem Ge­lände sind- die Kartoffelstöcke noch frisch grün, die Kartoffeln 'chlecht ausgereift und vielfach auch angesault, wo aber das Wasser nicht abfließen konnte, da sind sie, nüe der Bauersmann sagt, er- offen. Bereits ist ber Landmann daran, die abtzeernteten Kar­toffeläcker mit Winterfrucht auszusttllen.

Starkenburg und Rheinhessen.

*' Darmstadt. 9 Oft. Gräfin Sophie zu Erbach-Erbach und von Wartenberg-Rot ist Samstag vormittag 11^ Uhr zu Er­bach i. O. nach kurzem Leiden infolge einer Lungenentzündung im Alter von 65 Jahren verschieden.

II Osfenbach a. M., 8. Okt. Im städtischen Schlachthause standen vor ewigen Tagen etwa 5 Zentner B ä r e n s l e i s ch zum Verkauf ohne Fleischkarte. Das ausgezeichnete Fleisch war in kurzer Zeit ausverkaust.

GroßSteinheim, 8. Okt. Am Morgen ihres 80. Ge­burtstages erlitt die Witwe Barbara Reul einen Herzschlag, der ihren Tod nach wenigen Augenblicken zur Folge hatte.

ob. Bingen, 7. Okt. Die Leiche eines jungen Mädchens wurde hier geländet. Es handelt sich um ein junges Mädchen aus guter Familie in Mainz, das verlobt war und dessen Bräutigam sich im Felde befand. Wie nun erzählt wird, haben die Verlobten unter sich verabredet, daß. im Falle der Verlobte im Felde lallen würde, auch die Braut den Tod solchen werde. Nachdem die Nachricht vom Tode des Verlobten eingetroffen war, hat die Brallt auch wirklich im Rheine den Tod gesucht.

Hessen-Nassau.

Die Frankfurter Milchkonferenz.

Man schreibt uns:

---- Frankfurt a. M., 10. Okt. Die seit vier Wochen ge pftvgenen Besprechungen der einzelnen Fnteressentengrnpven über eine Neuregelung des Milchpreises ft: den Städten des Frank- fiurder Wirtschaftsgebietes haben bisher noch z-n keiner völligen. Einigung geführt Die Landwirte und sonstigen Milchproduzenten ssordern für das Kittr Milch.frei Station des LieferungsorteÄ 80 Psg. gegen 24 Psg. bisher. Wenn die bisherige Spannung! zwischen Ein-und Verkaufspreis vvn 6 Psg. für die Händler bliebe, dann «würde im Falle einer Einigung der Verkaufspreis t artart 86 Psg. betragen. Doch erklären zahlreiche Händler, daß ihnen der Verdienst von 6 Psg. am Liter im Hinblick aus die erhebliche Verringerung der Milchzusuhr und der dadurch bedingten Verdienst­minderung zu klein ist, Mmal auch die sonstigei: Unkosten für An- «und Abfuhr, Pasteurisierung usw. die gleichen geblieben, vrelsach aber ebenfalls gestiegen seien. Zur endgültigen Festlegung der künftigen R^ilchprerft werden von der Konferenz gegenwärttg be: den verschiedenen in Frage kommenden Kreisen, besonders land­wirtschaftlichen, Gutacküen eingehvlt. Man hofft, :wch im Lause «dieses Monats eine alle Teile befriedigende Lösung der Milchprers- frage zu sinlden. die vor atfem' auch eine möglichst geringe sinan-i zielle Belastung der Verbraucher vorfteht.

*

X Hanau, 9. Oft. Gegen .das Zurückhalten der Kartoffeln wendet sich der Landrat des Landkreises Hanah in einer geharnischten Bekanntmachung. Er betont, zu 1 einem Be­dauern sehen zu müssen, daß nttt den angeordneten Arbeit«: zur Versorgung der dem Kommnnalverband Hanau zugeteilten Städte 'Hanau irrib Frankfurt a. Ml teilweise noch nicht begonnen sei, und daß man fogar die Ausführ der Kartoffeln hindern und den beauftragten Ifttterkommissionären jede Mithilfe zur Deckung der Not nicht nur versage, sondern ihnen im Auskaufe noch Schwierig­keiten bereite, wodurch die Städte in äußerste Not geraten seien. Er könne sich auch eines Vorwurfes vielen Landwirten gegenüber nicht enthalten, die die ihnen für den eigenen Bedarf nicht zu­stehenden Kartoffeln trotz der ihnen bekannten Kartoffelnot in den Städten Mrückhalten und mit den Preisen nicht zufrieden seien. Freie Kartoffeln, die nachgewiesenermaßen bei Feststellungen an Ort und Stelle nach dem 10. Oft. versteckt gelagert angetrvffen werden, seien ohne Ausnahme dem Kommünalverbande Versalien, ohne daß eine Entschädigung dafür gewährt werde. Tie bis zum 10. Oktober wicht beveitgestellten Kartoffeln des Kommunalvier- bandes würden alsdann im Wege der Enteignung aufgebracht, wobei der Preis 3 Mark unter dem Höchstpreis zurückbleiben würde.

F. C. 2B i e § b a b c n, 9. Okt. Redakteur Dr. Ernst K n 0 t t e, der in Berlin an der Kaiser-Wilhelni-Gedächtniskirche von einem Auto überfahren und getötet wurde, ist aus Wiesbaden gebürtig und war längere Jahre Redakteur an derWiesbadener Zeitung."

fc. Wiesbaden, 10. Okt. Der jährliche Pachtertrag aus sämtlichen fiskalischen Fischereien im Regierungsbezirk Wiesbaden betrug im Jahre 1677 7785 Mark. Dieser Pachtertrag hat sich bis zum Jahre 1914, also in 37 Jahren, auf 42 600 Mark, also um rund 35,000 Mark, fast um das fünffache, gesteigert.

X Fulda, 9. Okt. Der Landrat des Kreises Fulda hat in Erfahrung gebracht, daß von verschiedenen Landwirten die Kar­toffeln zu rückgeha>l t e n würden. Er droht an, bei nicht freiwilliger Hergabe der Kartoffeln Enteignung derselben zu niedrigeren Preisen.

F. C. Kassel. 9. Okt. Der 14jährige Schüler N 0 t n a g e rettete ein dreijähriges Kind, das in die Fulda gefallen war, von dem sicheren Tode des Ertrinkens. Der wackere Junge hat damit das dritte Kind aus dem Wasser gerettet.

ra. Aus dem südlichen Hinterlaud, 6. Oft. Der uralte Bergbau unserer Gegend fyal wieder neue Belebung ge­funden, überall werdea: in den Waldungen die Schlackenhatt^nj aufgeräumt und abgefahren. Die Namen: Eiserne Hand, Eisen- roch, Jsselscheid. Jffertal, Schmitte und Schmelzhütte sind älter als jede geschichtliche Ueberlieferung. Cbausseen und fahrbare Wege kannte man aber noch nicht, so wurde der hochhalttge Rot­eisenstein von Königsberg in Körben auf Pferde- und Esels­rücken nach den Ufern der Salzböde auf die Schmelzmühle ge- braäst.___

' Eine neue Kriegs waise im Zoologts che n Garten in Frankfurt a.M. DaS galizifche Reh Rosa, das sein Leben unseren Feldgrauen dankt, hat seit einigen Tagen ein Gegenstück im Garten. Der Frankfurter Arzt Dr. Rauch brachte aus den: Osten in seinem Urlaub einen seltsamen Begleiter nttt, der trotz seiner Jugend schon eine recht interessante Geschichte hat. Mitte Jnli fand bei Olkjeniki, ungefähr 40 Kilometer südlich Wilna, eine gröbere Jagd gegen die lästig werdenden Wölfe statt. Hier­bei wurden zwei alte, sehr starke Tiere mit ihren Jungen ab- göfchnitten, und es gelang einigen Frankfurter Kriegern, eines der Wölkchen lebend für den Zoologischen Garten ihres Vaterlandes einzufangen. Der kleine Kerl, dem man den Namen ^Peter" bei­legte, wurde in einem primitiven Holzgatter gehalten und vor­wiegend nut Krähen gefüttert, wobei er sich sehr gut entwickelte. Durch sein außerordentlich zahmes, zutrauliches Wesen erwarb er sich bald viele Freunde. Mehrere Tage lang kam das Elternpaar des Kleinen in der Dunkelheit bis zur Wachtstation an das Gatter ihres Sprößlings. Die Reise ist dem kleinen Russen gut bekommen, und sein neues Quartier, das Gehege nebei: dem Wombat am großen Weiher, scheint ihn: sehr zu behagen, umsomehr, da ihm als OZespieliu das schon alsKindermädchen" der verschiedensten Raubtiere (Löwen, Tiger, Pumas und Bären) bewährte Hündchen Butzi" zugesellt wurde. Gelegentlich darf das Wölkchen, von den» Wärter an der Leine geführt, Spaziergänge im Garten unter- nehmen. __

Lin dänisches Tauchboot gesunken.

Kvpenha gen, 9. Oft. (WDB.) Als heute das dänische TauchbootD y k k er e n" bei Taarbaek auftauchte, wände es von einem norwegischen Dornpser angerannt und sank. Drei Mann von der Besatzung des Tauchbootes wurden gerettet.

vermischtes.

Schlüchtern, 9. Ott. Im Nachlaß eines vor etlichen Jahren verstorbenen Schlüchterner Bürgers fand man 1 7 gleich- lauteiü) beschriebene und mit Adressen sorgfältig versehene Post­karten, die aber von den Angehörigen aus gewissen Gründen nicht, wie es der Verstorbene gewünscht, sofort nach seinem Ableben abgesandt wurden. Der Inhalt der Karte wurde jetzt aber doch beörnnt. Er lautet !u. (tu.:Wem: Sie diese Karte erreichen w:rd, bin ich gestorben, und Sie werde:: die Absicht haben, mich auf meiner letzten Fahrt zum Friedhof zu begleiten. Ich bitte Sie herzlich: Tun Sie das nicht! Ich müßte mich wahrscheinl:ch im Sarge umdrehen wenn Sie auch lstnter ihm mit ihren Wegge nossen sv sckanüos taut sich unterhalten lvürden, wie ich das an Ihnen schon über 20 Jahre bei Beerdigungen beobachtet habe Ich möchte meine Angehörigen davor bewahren, solches Tun als eine Rücksichtslosigkeit zu empsiiweu und vermieden lvissen, daß Sie meinen letzten Weg zu einem Schwatz benutzen. Auch haben Sie wirklich Betrübte durch Ihr Geschwätz immer wieder ge ärgert. Also bleiben Sie, bitte, sreuEchst daheim. Hub nichts für ungut. Ihr N. A."

Univerfitäts-Nachkichten.

]\ Marburg, 10. Oftober. Die Einführung des neuge^ wählten Rektors der llniversttät, Pros. Dr. jur. L e 0 nha rd, findet am Sonntag, den 22. Oft., ft: üblicher Weise in der Aula der Universität statt. Die Anmeldungen von Studierenden zu dem am 15. Oft. beginnenden Wintersemester an der hiesigen Universität werden von diesem Tage an bis zum 5. Nov. im ^Sekretariat entgegengenommen. Für das Belegen der Vorlesungen ist der 12. dtovember der letzte Termin.

Gietzener Strafkammer.

Gießen, 6. Oktober 1916.

Der bereits 16 mal wegen Betrugs vorbestrafte, zurzeit inl Sttafhaft befindliche 68 Jahre alte Taglöhner Johannes Philipp R.. vlon Hainchen war wiedermn eines vollendeten und des ver­suchten Bletrugs in 4 Fällen angeklagt. Er hat versucht, in Dtichelau bei Büdinge:: durch! die falsche Vorspiegelung, er habe 7 Söshile im Felde, zwei davon seien gefallen, seine Frau sei kürz­lich giestorben, er habe noch Holzgeld ^u bezahlen und würde bald gepfändet und dergleichen mehr Geld zu erlangen. In einem Fall erhielt er auch 50 Pfennige, in den aubern 4 Fällen hatte er keinen Erfolg. Das Gericht erkannte gegen den geständigen An­geklagten, inden: es ihm wegen des geringen Betrags noch einmal mildernde Umstände zubMgte, unter Einbeziehung der gege:: ihn untenn 9. Mai 1916 erkannten Gesamtstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis an eine Gesamtgefängnisftrafe von 1 Jahr ftnd 9 «Monaten. Der Angeklagte erkannte das Urteil alsbald als recbtskräfttg an.

Der vom Schöffengericht Nidda wegen Mißhandlung einer Ehefrau zu 2 Wochen Gefängnis verurteilte Lan!> wirt Karl Sh. von Wallernhausen verfolgte gegen dieses Urteil Berufung, um eine mildere Sttafe zu erzielen^ Schon fett einer Reihe von Jahren herrschen in der Fcmttlie Sch. Zwisttgkeitern,' die auch zu Tätlichkeiten auAarten. Sch. wjird beschuldigt, am Morgen des 25. April l. Js. im Felde seine Frau zu^ Boden ge­worfen und ihr dam: mit einem Dfftelstecher mehrere Schläge ver­setzt zu haben, wobei der Stiel des Disdelsteckilers entzwei ging. Die Frau mußte wegen dieser Mißhandlung einige Wochen das Bett hitten, auch stellten sich bei ihr die seit langen Jahren nicht mehr ausgetretenen Kränff)fe wieder ein. Das Gericht konnte wegen des brutalen Vorgehens des Angeklagten seiner Ehefrau gegenüber zu einem milderen Urteil nicht kommen, verwarf vielmehr die Be­rufung und bestätigte somit das erstinstanzliche Urteil.

Keinen Erfolg hatte die von der Staatsanwalffchaft gegen das Urteil des Schöffengerichts Grünberg vom 23. August l. Js. ein­gelegte Berufung, durch ivelches der Gutspächter Wilhelm P. auf dem Warttzof bei Grünberg vojn der Anklage der Milch- sälschuug freiigesprochem wuüde. Nach dem Gutachten des che­mische Untersuchungsamts waren der Milch etwa 17 Prozent Wasser zugesetzt worden. Das Gericht konnte sich auch heute aus Gn:nd der Beweisaufnahme von der Schuld des Angeklagten nicht überzeugen und wies deshaM die Berufung der Staatsanwalts schast zurück.

Gerichtssaal.

X. Hanau, 9. Okt. Die Ehefrau des Maurers Kreß in Fulda hatte ihr 5 Jahre altes voreheliches Kind schwer vernachlässigt und mißhandelt und deshalb vom Schöffengericht Fulda 6 Monate Gcfäirgnis erhalten. Die Strafkammer Hanair als Berufungsinstanz hat heute die Strafe auf 3 Monate herabgesetzt.

Israelitische Religionsgesellschast.

Donnerstag, den 12. und Freitag, den 13.Okt.1916- Hütten fest. 1. Tag: Vorabend 5.25. Morgens 8.00 Predigt Nachm. 4.00. 2. Tag: Vorabend 6.25. Morgen? 8.00. - Sabbat- feier den 14. Oktober 1916. Vorabend 5.10. Dorm. 8.00. Nachm. 4.00. SabbatauSgang 6.25. Wochengottesdienst: Morgens 6.30, abends 5.00.

Märkte.

Gießen, 10. Oft. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenrnarkte kostete: Butter das Pfd. 0,00-0,00, Hühnereier das Stück 00 - 00 Pfg., Käse das Stück 10-00 Psg., Kasematte 1 Stücj 3 Pfennig, Kartoffeln das Pfund 5 1 /, Psennig, Milch das Liter 30 Psg., Spinat 00 Psg. das Pfd., Gelberüben 1518 Psg. das Päckchen, Rosenkohl 00 Psg. das Pfd., rote Rüben 1215 Pfg., Zwiebeln das Pfund 18-00 Psg., Nüsse 100 Stück 8000 Psg., Blumenkohl 3080 Psennig, Sellerie 15-30 Pfennig das Stück, Kopfsalat 510 Psg. das Stück, Kohlraben 1525 Psg., Römisch Kohl 1012 Psg. das Päckchen, Lauch 000 Pfennig das Stück, Weißkraut 20 bis 40 Pfennig, Rotkraut 20 bis 50 Psennig, Gurken grobe 00-00 Pfg., kleine 68 Psg^ Bohnen 35-00 Psg. da? Pfd., Birnen 1822 Pfg. das Pfd., Tafeläpsel 2026 Pfg. das Pfund. Marktzeit von 8 bi» 2 Uhr. _

Letzte Nachrichten.

Ausländische Zeichnungen auf unsere Kriegsanleihe.

Berlin, 10. Oft. Als ein Zeichen des unverminderten Ver­trauens zu unserer militärischen und wirtschaftlichen Kraft uud Leistungsfähigkeit kann die Tatsache betrachtet werden, daß die Zeichnungen aus die fünfte deutsche Ki'iegsanleihe im neutra­len Auslande lautBerl. Lokalanz." nicht unerheblich selbst gegen das vorige Mal zugeuommen haben.

Neue K'riegskreditc.

Köln, 10. Oft. DieKölnische VollszeituncL' meldet aus parlamentarischen Kreisen, daß in der Tägung des Reichstages ein neuer Kriegskredit von 12 Milliarden geftr- dert werden wird.

Die Schlacht bei Kronstadt.

Berlin, 10. Oft. Ter Berickittrstatter desBerliner Tage­blattes" Dr. Köster meldet von dem 2lrmeeoberkommant« Falkenhayn inner dem 8. Oft.: Die Kämpfe, die der Einnahme von Kronstadt voraus und parallel gingen, spiettci: sich :M Oste:: und Nordwesttm der Stadt ab. Schon am Nachmittag dos 7. Okt. drängten deutsche Kräfte auf der Sttaße Höltvmny- .Kwn- stadt von Nlvrdeii her bis an die Eisenbalmlinie am Rande der Stadt vor, :vv sie bei Einbruch der Dunkelheit in Kämpft bfctH wickelt wurden. Weichzeittg stießen nnMrisäw Trmppen mm Wes^n her über Vidoinbak gegen die Station Brassv Bertalon vor. Du: R:m:änen, die sich überall käinpfend zurückzogen, zündeten hrerbei Fabriken und Magazine au. Ilm 4 Uhr flog eine Petroleumraff: , mrie im Westen der Stadt in die Luff. Die Spadnnnfabrck östttch, des Hauptbahnhofes brannte seit mittag. De:: ganzen 2lbe:rd leuchteten rote Fenerbrände aus der Richtung Kronstadt über das Burzener Land, in dessen deutschen Dörfern rührende Svoges^ feiern zu Ehren der Befreier stattftrnden.