Ausgabe 
9.10.1916 Erstes Blatt
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Ans Stadt unfc Land.

Gießen, 9. Oktober 1916.

Ohne Kampfpause an die nächste Ausgabe.

Das stolze Ergebnis der Kriegsanleihe soll, hoffen wir, Unseren Feindeic -tue Ueberzeugung einhämmern, daß wir auch oeldwirtschaftlich unbesiegbar sind.

Tiefer Erfolg der Kriegsanleihe gelangt aber erst dann zur rollen Wucht der Wirkung, wenn wir ans einem anderen, ebenso wichtigen Gebiete der Geldwirtschaft nicht Nachlassen, wenn wir nicht versäumen, gleich zum zweiten Schlage auszu­holen und den Goldschatz der Reichs bank zu stärken. Wer den Reichsbank -Ausweis vom 30. September in die Hand nehmen will, wird finden, daß sich der Goldbestand in einer Woche um 13 Millionen Mark, gleichzeitig aber auch der Bank- notenumlaus sehr bedeutend erhöht hat. Alle Achtung vor diesen« Leistungen unserer Reichsbank! Daneben l>at sie Aufgaben zu erfüllen, die nicht aus dem Bankausweis ersichtlich sind. Gemeint ist die Mithilfe bei den deutschen Zahlungen an das Ausland.

Das soll uns wegen der mißgünstig lauernden Kritik im Ausland eine Mahnung .sein vorzusorgen, ivenngleich sehr bald ein kräftiger Rückfluß von Banknoten stattfinden wird.

Zweierlei ist dringend geboten:

Wir alle muss«: mehr als bisher unsere Zahlungen statt nüt Hartgeld oder .Banknoten durch Ab- und Zuschrerben auf einer Bank-, Post- oder Sparkassenrechnung vollziehen, und wir müssen den Goldbestand der Reichs bank, das Rückgrat unseres Geldwesens, weiter starken für die nächsten Kriegs- und Friedens- aufgaben, die weitere Bereitstellung von gvldgedeckten Zahl Mitteln und für die Begleichung von Berpftichtungen ans Ausland.

Trennen wir uns Von den Goldsachen, deren Goldgebalt in der Hand der Reichsbank Segen für die Allgemein­heit stiften wird, im Privatbesitz aber totes Gut ist.

Für goldene Ketten (Herren- und Damenketten) stehen iw den allernächsten Tagen bei den Goldankauf stellen eiserne E rfatz ke t ten bereit, in gleicher Weife ein Gedenk-, aber auch ein Ehrenzeichen für alle Zeiten. Damit fällt auch die letzte Entschuldigung fort.

Ta hochwertige Juwelen der deutschen Geldwirtschaft gleich­falls die Beschaffung von Guthaben im Ausland ermöglichen^ so werden auch sie angekauft. Dabei erleidet der Verkäufer in den wenigsten Fällen einen Ausfall; häusig ivird der Ankaufspreise sogar noch überschritten.

Jetzt nackt dem Volltreffer der Kriegsanleihe soll eine Welle der Begeisterung durch die deutschen Lande ftuten und das Gold zu den Ankaufsstellen treiben. Und jeder muß ein Werber sein? Für den Goldverkastf und die Förderung des bargeldlosen Verkehrs!

Tarmstadt. Geheimer Finanzrat Bastian.

*

** Amtliche Personalnachrichten. Der Großher­zog hat am 4. Oktober l. Js. den evangelischen Pfarrer Rudolf Freylag zu Lich auf sein Rachftrchen zwecks Uebernahme der -Pfarrstelle in Großwangen (Provinz Sachsen), aus dem Dienste der hessischen evangelischen Landeskirche, mft Wirkung vom 1. NoveM- Äer 1916 entlassen. Der GroßHerzog hat am 7. Oktober d.Js. dem Hauptstaatskaffier Georg Wenzel, dem Finanzanft- mann bei den: Finanzamt Mainz I Hans Meyer, dem Sekretär Der Landeskommission für Steuersachen FmanzcmttMcmn Ferdi­nand Schneider, sowie dem Obersteuerinspektor des Haupt- fteuevamts Worms Richard Schnupp den Charakter als Fi­nanzrat verliehen.

Auszeichnung. Gefreiter Richard Müller aus Gießen, tm Art.-Rgt. Nr. 260, wurde zum Unteroffizier befördert und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

** Von der Feuerwehr. In letzter Zeit wurde die Hilfe der Feuerwehr des öfteren in Anspruch genommen. Sv aalt es vor einigen Tagen einen Kcmrinbrand in der Wolkengasse und je einen Balkenbrand in den Reuen Bauen und der Sonnenstraße zu loschen; außerdem wurde die Wache nach der Wilhelm-, Bahnhof- und Bismarckstraße gerufen, doch lag in diesen drei Fällen böswilliger Alarm vor. Am verflossenen Samstag nachmittag wurde Großfeuer in Wieseck gemeldet und die Wache erhielt 2.14 Uhr den Befehl, auszurücken. Die Motorspritze traf 2.22 Uhr an der Brandstelle in Wieseck, Alicestraße 20, ein, wo das Dachgeschoß eines Stalles mit Strohvorräten brannte, ein Großfeuer aber nicht vorlag. Die Hauptgefahr war bereits durch Wiesecker Feuerwehrleute und Bürger beseitigt und in Gemeinschaft mit diesen wurde nun das weitere Ablöschen mit 2 Rohren von der Motorspritze vor- genominen, welcher Arbeit Provinzialdirektor Dr. U s i n g e r bängere Zeit beiwohnte. Rach Beendigung der Hauptarbeiten rückte die Wache 3.55 Uhr ab und traf 4.06 Uhr wieder auf Oswaldsgarten ein.

<** Ber wundeten.-Unterricht. Um den in den hiesi­gen Lazaretten uutergebvachten verwundeten und erkrankten Kriegs­teilnehmern auch in diesem WjinLer Gelegenheft zu geben, sich über ihre Ansprüche aus der reichsgesetzlichen Kranken- und Invalidenversicherung u«fw. zu unterrichten, finden im Soldatenheim dahier folgende aufklärende Borträgej mft anschließender Aussprache statt: 1. Welche Kriegs- teftnehmer haben Anspruch akuf Invalidenrente,? Dienstag, den« 10. Oktober, von 7 l U8 Uhr. 2. Was bietet die reichsgesttzlichej Invaliden- und Hrnterbliebencnversicherung? Dienstag, den 17. Oktober, von 7 x / 48 Uhr. 3. Welche Bedeutung hat die Kran­kenversicherung für die Kriegstetlrrahmer? Dstnrstag, den 24. Ok­tober, von 7*/48 Uhr. 4. Was leistet die Kriegs wo chenhftfe an) Unterstützungen? Dienstag, den 31. Oktober, von 7 1 / i8 Uhr. 5. Inwieweit haben die Angehörigen der Kriegsteilnehmer An­spruch aus Unterstützung? Dienstag, den 7. November, von 7 1 / 4 bis 8 Uhr. Der Besuch der Vorträge ist auch für sonstige Heeres- angehörige frei. Bei dieser Gelegenheit sei wiederholt "darauf hingewiesen, daß diije in den hiesigen Lazarntchen untergeb rächten? verwundeten und erkrankten Kriegsteilnehmer sowie auch sonstigsei Heeresangehörige Dienstags und Freiitags von 23 Uhr im Soldatenheim unentgeltlich Auskunft in allen Versorgung s - und U nt er stützungsangelegen hei­le n erhalten. Wer nicht ausgehen kann, tuende sich schriftlich aw den Leiter der Beratungsstelle Bureaubeamten H. Kirchner, Gießen, Schisfenberger Weg 16.

** Stadttheater. Aus dem Stadttheater wird uns ge­schrieben: Weitere Anmeldungen auf Abonnements werden von jetzt ab an der Kasse des Stadttheaters angenommen. Kassestunden von 10 bis 1 Uhr und an Spieltagen von 31/2 bis 5 Uhr

*' Im Lichtspielhaus wird heute nochDer Narr des Glückes", ein großes modernes Liebesdrama ans dem amerikanischen Künstlerleben, gegeben, das sich durch phototechnisch besonders schöne Bilder auszeichnet. Weiter bringt der Spielplan: Das Klettern im Fels (Naturausnahn.c) undDurchlaücht der Reisende", ein entzückendes Lustspiel in 4 Akten, in den Hauptrollen Frl. Melitta Petri und Karl Geßner vom Theater am Nollendoriplatz, Berlin.

Ausgabe von Süßstoff (Saccharin). In der Zeit vom 11. bis 20. Oktober ds. Js. wird gegen den Lieserunas- abschnitt II der SüßstoffkartenH (blau) und ,6 (gelb) von den Süßstoff-Abgabestellen Süßstoff abgegeben. Siehe Bekanntmachung.

Hessische Ostpreußen h ilse. Wir verweisen auf einen Ausruf in unserem heutigen Blatte, der sich an die schon oft gewährte Opfer,villigkeit der hessischen Bevölkerung wendet. In ^der Stadt Gießen findet die Sammlung mittels Einzeichnungs­listen statt, die bei den Gießener Banken, den Sparkassen, sowie un Gießener Anzeiger ausliegen; auch wird an einein noch näher zu bestimmenden Tag eine allgemeine Sammlung vorgenommen ^-werden.

Landkreis Gießen.

K i-.| be <Sj tabt ' 7 - Cft - Zur Feier des Geburtstags der Gräfin W r l h e l m. von Solms-Lanbachzn Arns­burg veranstaltete das dortige Lazarett eine in allen Teilen wohl- gelungene AuNuhrung, der u. a. auch die hohen Herrschaften aus L,ch berwohnten. Musikalische und schauspielerische Dar­bietungen wechselten mtt einander ab. Aus der reichen Vortrags­

folge sei nur einiges genannt. Die dankbar-frohe Stimmung der Lazarettbewohner gegen die hohe Protektorin kanr. in der ,H y m u e auf ArnSburg" zum Ausdruck. Nach sehr stimmungsvollen Lebenden Bildern folgte als Höhepunkt der Veranstaltung das humoristische Soldatenstücklein »Eine Sprechstunde b e i m Stabsarzt Winter". Es wurde flott gespielt. Kraft­volle Vaterlandslieder und ein erhebendes Danklied sowie herz­liche Dankesworte gaben der Geburtstagsfeier die entsprechende Weihe und wurden der großen ernsten Zeit gerecht. Hier konnte man es wieder sehen, daß der gesunde Humor seine vollste Berechtigung in dieser schwereii Kriegszeit hat; er wirkt erfrischend und belebend auf unsere tapferen und bewährten Krieger aus der Sommeschlacht.

** E t t i n g s ha us e n, 8. Okt. In tiefe Trauer versetzt wurde b-ie Familie Jöh. Opper III. von hier. Ihr Sohn Hermann, z. Zt. Unteroffizier im 2. Crsatzbat. Inf.-Reg. 168, ist aus dem Uebungsplatz bei Bad Orb tödlich! verunglückt. Opper hat von Ein­fang an den Feldzug in Rußland, Frankreich und Serbien bei der 6. Komp. des Res.-Reg. 116 mitgemacht und das Eiserne Kreuz und die Tavferkeitsmedaftle sich erworben. Er hinterläßt eine Witwe mit 2 Kindern. Die Teilnahme mit der heimgesuchten Familie die Ellern verloren der: zweiten und letzten Sohn ist allgemein.

U Lang-Göns, 7. Oft. Musketier Karl Fischer, Inf.- Rgt. 117, wird als vermißt gemeldet. Karl Fischer ist der Sohn des Maurers Ludw. Fischer.

B. Londorf, 8. Oft. Dem Gefreiten Karl Becker, sowie dem Musketier Friedrich H a s s e l b a ch wurde wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde die Hessische Tapferkeitsmedaille ver­liehen.

E. Stockhausen, 9. Oft. Die hiesige kleine Schulklasse von nur 30 Schülern zeichnete bei der 4. Kriegsanleihe zusammen 610 Mk. und bei der 5. Kriegsanleihe 888 Mk., darunter 88 Mk. sür Kartenblocks. Im ganzen also die Summe von 1498 Mark. Gewiß ein ehrendes Zeugnis für den vaterländischen Sinn der Schüler.

** Wieseck, 8. Oft. Gefreiter Karl Seibert im Res.- Jnf -Regt. Nr. 81, welcher schon seit Anfang des Krieges im Felde steht, wurde zum Unteroffizier befördert, erhielt den Sturmorden und wurde emgereicht zur Hess. Tapferkeitsmedatlle. Das Eiserne Kreuz 2. Klaffe erhielt er 1914.

Kreis Büvingen.

# Büdingen, 9. Oft. Die Hessische Tapserkeitsmedaille erhielt der Kriegsfreiwillige Link im Feld-Art.-Rgt. 205.

X Echzell, 8. Okt. Am Opsertage unserer Marine sammelten hiesige Schulkinder nahezu 300 Mk. Auch auf dem Lande hat man ein volles Verständnis für unsere Flotte.

Hainchen, 9. Okt. Durch die rege Tätigkeit des hiesigen Pfarrers Buch hold, der unlängst vom Großherzog das Kriegs- Ehrenzeichen erhielt, wurden gegen 19 000 Mk. zur 5. Kriegsanleihe gezeichnet.

«- Nidda, 8. Okt. Jugendliche Sammlerinnen lieferten 1070 Mk. an Opferspenden für unsere Marine ab. In den Betrag sind 188 Mk. aus Kohden und Bad Salzhausen eingerechnet.

- In B ü d i n g e n ergab die Sammlung des Opfertages für die Marine 408,50 Mk.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 9. Okt. Der Reallehrer Georg Müller, ein Sohn unserer Stadt, wurde zum Leutnant befördert und erhielt das Eiserne Kreuz. Er genügte vor 1900 seiner Militär­pflicht.

** Ilsdorf, 8. Okt. Von 25 Schulkindern wurden in hie­siger Gemeinde 2280 Mk. zur 5. Kriegsanleihe gezeichnet gegen 1720 Mk. bei der vorigen Anleihe. Die Werbetätigkeit der Vertrauensmänner von Haus zu Haus hat sich somit glänzend bewährt.

Kreis Schotten.

# Breungeshain, 8. Okt. Im hiesigen Orte ergaben die Sammelzeichnungen zur 5. Kriegsanleihe den Betrag von 7010 Mark.

Laubach, 8. Okt. Das Ergebnis der Zeichnung zur 5. Kriegsanleihe betrug bei hiesigem Vorschußverein 90 000 Mk. gegen 103 500 Mk. bei der 4. Kriegsanleihe und bei der Bezirks- sparkasse 400000 Mk. gegen 360 000 Mk. bei der 4. Kriegsanleihe.

In vergangener Wbche wurden in drei Fällen abends Mädchen von einem Burschen an gepackt, meist in entlegenen Straßen. Er versuchte sie mit Gewalt am Schreien zu verhftchern, was ihm aber -nicht gelang. Ans die Hftserufe kamen stets Leute aus der Nach­barschaft, so daß er von seinem Vorhaben ablassen mußte, doch war es ihm immer möglich, zu entkommen. Nunmehr ist es der Polizei gelungen, in dem 17 jährigen Bonree von hier den Tater zu er­mitteln. Er wurde sofort in Haft genommen und hat bereits ge­standen. Ter Fall beweist aufs neue, daß eine strenge Zucht von­nöten ist, um solch groben Flegeleien, an denen die Jugend eben! Gefallen findet, Einhalt zu gebieten.

Kreis Friedberg.

# Ober-Eschbach, 9. Okt. Die hiesigen Schulkinder zeichneten zur 5. Kriegsanleihe 6000 Mk. Die Schüler­zeichnung der 4. Anleihe betrug 5300 Mk. Sparkasse und hiesige Bürger zeichneten zusammen zur letzten Anleihe 40 000 Alk.

* A u s d e r W e t t e r a u, 8. Okt. Die Kartoffelernte muß infolge der ungünstigen Witterung unterbrochen werden. Mit dem Ertrage ist man im allgemeinen zufrieden. Die Bergung der Hackfrüchte, sowie die Herbstbestellung verschieben sich immer mehr, so daß der Bauersmann in einer verhältnismäßig kurzen Zeit noch eine Menge Arbeiten ausfl'ihren muß.

Kreis Wetzlar.

Wetzlar, 9. Okt. Der Nachbargemeinde Bonbaden wurden von dem Rentner Z i m m e r m a n n in Wiesbaden, einem geborenen Bonbadener, 100 000 Mk. zu gemeinnützigen Zwecken vermacht.

d. Münchholzhausen, 7. Okt. Die durch Versetzung des Lehrers Beckmann nach Düsseldorf frei gewordene 2. Lehrerstelle an der hiesigen Volksschule ist dem Lehrer Hermann Schiff-, mann, bisher in Braunsels, vom 1. Oktober dieses Jahres ab übertragen worden.

Hessen-Nassau.

Ein dritter Raubüberfall.

Frankfurt a. M., 8. Oktober. Gestern mittag zwischen 1 mrd 2 Uhr wurde im Hause Neugasse 27 an der Kaufmannsfrau Mey en schein von zwei jungen Burschen ein Raubüberfall in der gleichen Weise verübt wie gestern in der Kaiserstraße und vor einer Woche auf der Zeit. Tie Täter drangen in den Latxm ein, schlugen die allein anwesende Frau mit wuchtigen Stock­hieben nieder, knebelten sie und rankten dann die La den fasse aus. Tie schwerverletzte Frau kam in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus. Tie Täter stehen im Mter von 20 imd 30 Jahren. Ter jüngere ist Ausländer, anscheinend Italiener. Einer der Räuber benutzte zu seiner Flucht ein Fahrrad mit gelbem Geschäftsschild. Beide flohen und konnten noch .nicht er­griffen werden. Anscheinend handelt es sich üm die gleichen Räuber, die auch die beiden anderen Raubüberfälle verübten. Der Raubüberfall in dem Ossenbacher Lederlvarengeschäft auf der Kaiserstraße ist noch nicht aufgeklärt. Zwar nahm die Polizei mehrere Personen in der Angelegenl^eit fest, doch fcmnttert diese ihre Nicht­beteiligung an dem Ueberfall einnmndftei Nachweisen. Seit gestern verfolgt man eine neue Spur, einen Sckfteiner, auf den die Per­sonalbeschreibung ganz genau paßt.

vevrnischses.

Ein Eisenbahnnnfall.

Berlin, 8. Okt. (WTB. Amtlich.) In .Kilometer 138,7 der Strecke S chneidemühl Berlin ist heute nacht 4 Uhr der D-Zug 2 4 auf den dort lialtertden Vorzug D 24 aufge- fahren. Bei dem Unfall sind getötet elf Reisende, verletzt fünfzehn, davon vier schwer. Die Verwundeten sind in Landsberg untergebracht. Zertrümmert ein Pack- urrd mehrere Personenwagen. Die getötenen und verletzten Personen befanden sich sämtlich im Vorzug D 24. Im Hauptzug niemand verletzt. Eingleisiger Betrieb ist 11.55 Uhr vormittags aufge- nonunen.

Berlin, 7. Okt. (WTB. Mchtamtlich.) Die Namen dev bei dem Eisenbahnnnfall auf der Strecke Schneidemühl Berlin Getöteten lauten: Leutnant Wolgast lBerlin-Neukölln)/ Gefreiter Bader, Infanterie-Regiment Nr. 21 (Thorn), Haupt- mann Weiuberger, bayerisches 1. Artillerie-Regiment (München), Oberbahnassistent Strewe (Thorn-, Leutnant Freiherr von Syberg, 1. bayerisches Ulonenregiment (Bamberg), Feldzahnarzt Hofes, Fe­stungslazarett l, Warschlau, Stadtamtmann Dr. Werner Müller (Leipzig), technischer Assistent Heinrich Listen aus Gladbeck, Feld­webelleutnant Eggert, Regiment 262, Gardelandsturmersatzabtei- lung Döberitz, Musketier Hermann Schulz ans Quitzen bei Uelzen, Ulan Lichtenstein, 2. Eskadron Ulan^enregiment Nr. 18, Leipzig, Hauptmann Breger.

Universitäts-Nachrichten.

Frankfurt a.M., 6. Okt. Tie Ernennung des Stadtrats Professor Tr. Ziehen zum Professor der Pädagogik cm dem neu­errichteten Lehrstuhl Mr Pädagogik der hiesigen Universität mit Wirkung vom 1. Oktober hat die königliche Genehmigung gesunden.

Frankfurt a. M., 8. Okt. Der Direktor des Instituts für §)ygiene und Bakteriologie an der Universität Berlin, Professor Dr. Wilhelm K 0 l l e wurde als Nachfolger Paul E h r l i ch s zum Leiter des hiesigen Kgl. Jnsfftuts sür experimentelle Therapie und des Georg Speyer-Hauses ernannt. Zu stellvertretenden Direk­toren wurden berufen am Institut sür Therapie Professor Dr. Hans Sachs, Ehrlichs langjähriger Mitarbeiter, und am Georc Speyer-Haus Prof. Dr. Morgenroth, bisher Abteilungs- Vorsteher am Pathologischen Institut der Charite aus Berlin.

Sport.

* Gießen, 9. Okt. Fußball. Sonntag fanden auf dem Sportplatz an der Hardt zwei Wettspiele statt. Zuerst spielte die erste Mannschaft des VereinsHesseic" gegen die zweite des V. s. R. von 1900. Hessen verlor 5:1. Dann traten die ersten Mannschaften des Wetzlarer Turnvereins und des V. f. R. von 1900 an. In der ersten Halbzeit wurde ein schönes, offenes Spiel geliefert, in dem Gießen 3:2 die Oberhand behielt. Auch nach der Pause spielte es iiberlegen weiter, aber Wetzlar be­gann so scbars zu spielen, daß der Schiedsrichter eingreiien imcßte Da die Wetzlarer Mannschaft seinen Anordnungen nicht folgte, wurde das Spiel 10 Minuteic vor Schluß bei dem Stande 3:2 (Eckenverhältnis 8:3) für Gießen abgebrochen.

tetzie Nachrichten.

Großer Eindruck der deutschen Anleihe in Paris.

Genf, 9. Okt. Ter alle Voraussagen desMatin",Temps" undEchp de Paris" glänzend widerlegerrde Erfolg der deutschen Kriegsanleihe hat in Verbindung mft den jüngsten militärischen Erfolgen der Mittelmächte einen gänzlichen Stimmun gs- u m s ch w u n g i n P a r i s hervorgerusen. Wesentlich trirgen hierzu die in neutralen Ländern erschienenen, die militärische und wirt­schaftliche Organisation Deutschlands würdigenden Artikel bei, die trotz ihrer Unterdrückung in der Pariser Presse doch in die parlamentarischen Kreise drangen und in der Kammer zitiert wurden.

Die Katastrophe von Riahovo.

Budapest, 9. Okt. Die über die Schlacht bei Riahovo ein­getroffenen Meldungen berichten Einzelheiten, die die Katastrophe der Rumänen in einem immer größeren Umfange erscheinen laffen. Nach nichtanttlichen, aber zuverläffigen Nachrichten wurden auf dem Schlachtfelde die Leichen von 500 rum/ä ni schen Offi­zieren ansgefunden. Auch die Leichen zweier französischer Kriegs­berichterstatter wurden ausgeleseu un.d bch ihnen im voraus ab­gefaßte Telegramme gefunden, in denen der Tonauübergang sehr schwungvoll geschildert und voraicsgesagt wird, daß die Rumänen alsbald ganz Nordbulgarien überschwemmt haben würden. Jetzt wird bekannt, daß die Rumänen zuerst vom anderen Ufer das aus 200 Mann bestehende schwache bulgarische Wachtdetachement zer­streuten und die ers'ten ruinänischen Truppen die Telegraphen- und Telephonleittmgen durchschnitten, damft keine Meldungen geschickt werden könnten. Einem tollkühnen bulgarischen Reiter gelang es, durch die rumänischen Reihen durchzukommen und nach Rustschuk zu gelangen, wo dann alsbald Gegenmaßnahmen ergriffen werden konnten.

Griechenlands Tragödie.

Lugano, 9. Oktober.Agenzia Stesani" meldet aus Athen: Tie Ententemächte Haben die griechische Regierung benachrichtigt, daß ferner keine chiffrierten Telegramme nach Deutschland, Wien und den diesen Ländern ver­bündeten Reichen zugelassen werden. Dir Verbin­dungen Griechenlands mit den Mittelmächten über Bern sind gänzlich unterbrochen. Ter Deputterte Zulais, der einen beleidi­genden Artikel gegen den Admiral Conduviotis oeröffenllichte, ist von dem Raineoffizier Dragatsis in einer Gastwirffchaft schwer verwundet worden. Nach dem PariserExzelsior" haben die Ge­sandter! der Ententemächte in Athen beschlossen, ihre Haltung gegenüber Griechenland zu andern und energische Maßnahmen zu ergreifen in der Form von polizeilichen MaWahmen, mit deren Durchführung der Mmiral Fourent beauftragt worden ist. Das militärische Element wird somit an die Stelle des diplomatischen treten.

Zwei amerikanische Munitionsdampfer im Eismeer versenkt.

Genf, .9. Okt. Der norwegische Generalkonsul Falsen in Arckwngelsk drahtet, daß außer den norwegischen und englischen Dampfern auch die beiden amerikanischen Dampfer Fanita" undColumbia" im Eismeer versenkt worden sind. Sie führten Munition aus Amerika. Die Besatzung wurde von den U-Booten gerettet.

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