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5.10.1916 Erstes Blatt
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Nr. 234

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Erstes Blatt

J66. Jahrgang

Donnerstag, 5. Oktober MG

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sämtlich ln Gießen.

Neue schwere Niederlage der Nüssen bei Luck. Jucht der Rumänen vom südlichen Donauuser.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 4. Oktober. (Amtlich.)

WestlicherKriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls

Kronprinz Rupprecht von Bayern.

Auf der Schlachtfront nördlich der Somme im Laufe des Tages ständig an Heftigkeit zunehmender Artillenekumpf, der im Abschnitt Morval-Bouchavesnes am Nachmittag seine größte Steigerung erfuhr. Starke französische Angriffe gegen unsere Stellungen an der Straße SaillyRancourt, mn Walde St. Pierre Baust und an den südöstlich davon abge­sprengten Waldstücken wurden, zum Teil im Handgemenge, abgeschlagen. Ein Offizier, ein hundertachtund­zwanzig Mann, zwei Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Englische Vorstöße bei Thicpvat und am Ge- .höst Mougnet wurden leicht abgewiesen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Nach dem blutigen Zusammenbruch ihrer Angriffe vor den Stellungen der Armee des Generalobersten v. Tersztyansky westlich von Luck am 2. Oktober erlebten die Russen gestern hier eine neue schwere Niederlage. Mit der Sicherheit und Ruhe des Siegers empfingen die Trup­pen des Generalleutnants Schmidt von .Knobelsdorfs und des Generals v.d. Marwitz den mehrmals anstürmenden Gegner. Kein Fuß breit Boden ging verloren. NachTausendenzählenwiederumdiegefalle- n e n R u s s e n.

Oberleutnant von Cossel und Vizefeldwebel Windisch, südwestlich von Rowno vom Flugzeug abgefetzt und nach 24 Stunden wieder abgeholt, hatten an mehreren Stellen die Bahnstrecke Rowno-Brody durch Sprengungen unter­brochen.

Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Nichts Neues.

Kriegsschauplatz in Siebenbürgen.

Im Goergenytale griffen die Rumänen mehrmals ver­gebens an. Westlich von Parajd erlangten sie Vorteile. Wir stehen vor F o g a r a s.

Westlich von Caineni (Südausgang des Roten-Turm- Passes) fanden als Nachwehen der Schlacht von Hermann­stadt Kampfe mit rumänischen Versprengten statt. Ueber hun­dert Mann wurden gefangen genommen.

Feindliche Vorstöße im Hoetzinger (Hatt'zeger)-Gebirge halten keinen Erfolg. Westlich der Oboroea-Höhe gewan­nen unsere Verbündeten Gelände.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls vonMackensen.

Dem umfassenden Angriff deutscher und bulgarischer Truppen haben sich die bei Rjahovo, südlich von Bukarest, über die Donau gegangenen rumänischen Kräfte durch e i l i g e F l u ch t entzogen.

MazedonischeFront.

Zwischen dem Prespa-See und der Nidce-Planina (nörd­lich des Kajmakcalan) wurden befehlsgemäß neue Stellungen bezogen. An der Nidee-Planina wird gekämpft. Nordwestlich des Tahinos-Sees hält sich der Feind noch in Karadzakoj am linken Strmnaufer.

Der erste Generalguartiermcister L u d e n d o r s f.

Es gkhl nicht alles am Schnürchen in der Lebensmittel­versorgung, und unser wirtschaftlicher Generalstabschef von Batockr kann kerne großen Entscheidungsschlachten schlagen die auf einmal freie Bahn und frische Luft zum Gedeihen schaffen. Er kann es nicht, weil die erforderliche Vorarbeit die schon in langen Friedensjahren hätte geleistet werden können, nicht vorhanden ist. Es muß studiert, berechnet, beraten, erwogen und dann auch einmal gewagt werden? es ist ein Guerillakrieg zu fuhren gegen Handel und Wmrdel rn der außerordentlichen Vielheit, die unsere VolkserMh- rungsbedürfniffe aus macht- Wer um: wachsam als Schlacht tenbummler auf einem der Kleinkriegsschauplätze steht handle es sich um Obst, Kartoffeln, Eier oder Milch und Butter, der wird in der Unterhaltung nrit solchen, die in gleicher Lage sich befinden, häufig ungeduldig sich darüber erregen, daß manches nicht schneller und wirksamer ersaßt tmrd daß die Hindernisse zu laug am Wege liegen bleiben und der amtliche Schlag erst fällt, wenn der Feind sich mit freute zurückgezogen hat. Dabei darf man unter dem Worte ,,Feind nicht nur Wucherer und Preistreiber verstehen, son- dern aucl) solche, die über den Kriegssozialismus hinweg sich zunächst selber helfen wollen. So lagen z. B. die Verhält­

nisse unserer Milch- und Käseregelung ziemlich im 'Argen, und das soll jetzt, wie wir an anderer Stelle mitteilen, an­ders werden. Es hatte bisher Familien gegeben, die beide wichtigen Lebensmittel sich ausreichend hatten beschaffen kön­nen, wieder andere hatten nichts. Es soll fortan für Kinder und Kranke besser gesorgt werden, und die Verteilung von Vollmilch soll nur in beschränktem Maße stattfinden. Die Knappheit der Vollmilch rührt daher, daß sie wegen des all­gemeinen Fettmangels in erhöhtem Maße zur Buttererzeu- gung verwendet wurde. Es wird, so heißt es in einer halb­amtlichen Auslassung, jetzt auf jede Weise getrachtet, nicht nur die Milch-, sondern vor allen Dingen die Buttererzeugung zu steigern. Auch im Verkehr mit Käse sind Aenderungen vor­gesehen. Dieses wichtige Lebensmittel ist fast ganz vom Markte verschwunden gewesen, obwohl erhebliche Mengen von Käse vorhanden waren.Diese werden aber von den Käsereien in kleinen Mengen an einzelne Verbraucher in Gestalt von Postpaketen befördert, weil die Käsereien auf diese Weise in den Stand gesetzt werden, den Kleinhandels-Höchst­preis für ihren Käse zu verlangen. Die neue Bundesratsver­ordnung wird nunmehr den Versand von Käse in Fünf -Kilogramm-Paketen ganz untersagen. Gleichzeitig wird eine Erhöhung des Preises für Magerkäse eintreten, die der Preiserhöhung für Mager­milch entspricht."

Das sind, Maßregeln, die im allgemeinen Interesse begrüßt werden muffen. DieRationierung" der Lebens­mittel ist nun einmal, trotz des gegenteiligen Standpunktes des Herrn v. Oldenburg-Januschcru, durchaus von der Ge­rechtigkeit geboten. Wir dürfen nicht über jedes Hindernis jammern, und müssen uns zufrieden geben, wenn die zu­ständigen Stellen ihre schweren Pflichten schrittweise fort­schreitend erfüllen. Da im, Anfang zu weuig gegen den Kettenhandel getan worden ist, konnte sich der Kriegs- wucherbuzillus stark ans bilden, und er ist wie kein anderer Bazillus stark vermehrungsfähig. Doch diese Erfahrungen zeitigten auch ein Gutes. Mit Recht weist Mautis im Türmer" darauf hin, baß eine der segensreichsten Folgen des Krieges die sein wird, daß der Wert der eigenen Scholle Hunderttausenden sehr eindringlich zu Gemüte geführt worden ist, daß eine Abwanderung auf das Land pnffetzt, die für die Zukunft unsMes Volkes sehr segensreich werden muß. Dazu hat sich im Volke das Bewußtsein ver­breitet, daß die Einschränkungen, die wir uns jetzt auf­erlegen müssen, in gewissem Simre eine wohlmeinende Schicksalsfügung sind, da wir vor dem Kriege eine Lebens­haltung gewohnt waren, die vielfach auf Vergeudung und Vertilgung und nicht auf vernünftigen Genuß und Unterhalt hinauslief. Und ist es etwa nicht wia.hr, daß wir mit Freudigkeit diese Beschwernisse tragen wollten, sofern wir nur wissen, daß uns der baldige siegreiche Friede sicher ist! Diese Sicherheit haben wir noch nicht ganz; sie ist jedoch auf ein herzhaftes Vertrauen zu unserer Heeresleitung und unseren tapferen Kriegern gestellt. Für deren Erfolge wollen wir im Jnuern weiterhin Lasten tragen und uns daran gewöhnen, daß bei der verwickelten Führung unserer Lebensmittelversorgung auch Geduld niit am Werke sein muß.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien. 4. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart.' 4. Oktober 1916.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Front gegen Rumänien.

Auf den Höhen von Petro seny scheiterten abermals mehrere rumänische Angriffe, der Feind ließ 60 Gefangene in unserer Hand. Südlich von Nagy Szeben (Hermannstaöt) wurde ein noch hinter der deutschen Front lierumirrendes rumänisckres Bataillon aufgerieben. Oestlich des Veres Toro- nyer (Roten Turm) -Puffes wurde der Grcnzkamm an meh­reren Stellen gewonnen. Weiter östlich drängten öster­reichisch-ungarische und deutsche Kräfte auf Fogaras vor In mehreren Abschnitten der siebenbürgischen Ostfront wur­den rumänische Angriffe abgeschlagen. Nur an der kleinen Küküllo (Kokrel) vermochte der Feind seine Stellungen vor­zuschieben.

HeeresfrontdesGeneralsder Kavallerie Erzherzog Karl.

Keine besonderen Ereignisse.

Heeresfront des Generalfeld marschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Bei der Armee des Generalobersten von Tersztyansky lebte in den Nachmittagsstunden der russische Angriff wieder auf. Das Kampffeld erstreckt sich von Swiniuchy bis in die Gegend von Kieselin. An Heftigkeit glich das Ringen dem des Vortages und auch das Ergebnis war an beiden Tagen das gleiche. Ein voller Mißerfolg des Feindes, verbunden mit außergewöhnlichen Verlusten. Der Gefechtsbericht betont die hervorragende Haltung des bewährten österreichischen Landwehr Infanterie-Regiments Nr. 24.

Italienischer Kriegsschauplatz.

... Zuf d Karst-Hochfläche steigerte sich das feind­liche Geschütz- und Mmenfeuer nachmittags zu großer .Kraft. Auch nachts war die Tätigkeit der Artillerie und der Minen­werfer m diesem Abschnitt bedeutend lebhafter als gewöhn- ttch. Heute früh griff der Feind beiderseits Oppachiasella an. drang m unsere vordersten Gräben ein, wurde aber sofort wleder hinausgeworfen. Ein italienisches Flugzeuggeschwader ? or Ll m Nlium von Nabresina erfolglos Bomben ab. An beschoß die feindliche Artillerie mehrere Ortschaften im Gailtal. Unsere erwiderte gegen Timau. An der üfleimstal-Front hält der Gcschützkampf an. Ein feind­licher Angriff im Eol Bricon-Gebiet kam dank unserer Feuer Wirkung nicht vorwärts. Am Simone haben unsere Truppe* insgesamt sechs Maschinengewehre ausgegraben.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

In Albanien Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

Ein Flugzeuggeschwader hat am 3.Oktober die Militärischen Objekte von Ca nziano und Staranzano erfolgreich mit schweren, leichten und Brandbomben belegt Alle Flugzeuge sind trotz Beschießung unversehrt zurück gekehrt.

Flottenkommando.

Die englischen Verluste.

London, 4. Okt. (WTB. Nichtamtlich.)Daily Tele­graph" meldet folgende Zusammenstellung der engli­schen Verluste: J-m Juli 7071 Offiziere und 52001 Mann, im August 4693 Offiziere und 123 097 Mann, im September 5403 Offiziere unb 113 780 Mann, zusammen 17 167 Offiziere und 288 878 Mann.

Englische Munitionsfabriken.

London, 4. Okt. (WTB.' Der Munitionsminister Mbt bekannt, daß 107 weitere Fabriken unter seine Kontrolle genommen worden sind. Die Gesamtzahl der unter Kontrolle ge- jtellten Werke beträgt jetzt 4319.

Die neue Kriegsanleihe in Frankreich.

Bern, 4 Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Aus einem Leitartikel Derves^m derVictoire" geht hervor, daß sich, die fran- zopschen Sparer zur Zeichnung der neuen Kriegsanleihe nicht gerade.drangen. Allgemein 'heißt es:Wenn niemand die Anleihe zeichnet, werden die Regierunge.i bald gezwungen sein, Frieden zu schließen." Ueber dieses unfreiwillige eingestandkme Friedensbedürmis ist Herve sehr empört. Er macht seine Lands- leute darauf aufmerksam, daß in Deutschland keinesfalls so gedacht werde. Wenn Frankreich jetzt den Widerstand infolge mangelnder Geldmittel aulgeben müßte, würden die Deutschen sogar bis Süd- lrankreick vorrücken. Es sei nicht anzunehmen, daß ganz Frank­reich dieser verrückten Anschauung huldige, die als Sabotage an der Kriegsanleihe bezeichnet werden müsse. Man könne die Re­gierung nicht im Stiche lassen, sondern müsse Geldmittel zu­sammenbringen, um einen dauernden Frieden schließen zu können.

Ausmusterung der Fahresklasse 1918 in der Schweiz.

Bern, 4. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) In der amtlichen Be­gründung zu der Ausmusterung der Jahresklasse 1918 beißt es unter anderem: Tie Ausbildung des Jahrganges 1917 geht dem Ende entgegen. Tie Zurückgestellten der Jahresklassen 1913 bis 1917, die für den Heeresdienst oder die Hilsstrupven tauglich sind, sind unter die Fabne gerufen. Tie Regeln weiser Vorsicht machen es zur Pflicht, die Zahlung und Ausmusterung des Jahr­ganges 1918 vorzunehmen. Wir dürfen nickst unvorbereitet sein, wenn eines Tages die Umstände die Einreihung dieser Jahrcsllasse erheischen. Zwecks sachlich Erledigung der Aushebungsarbeiten ist beabsichtigt, die Beteiligung höherer Militärs in den Llus- hebungskommissionen aufzuheben. Ter Vorsitz soll statt durch den Präfekten, durch den Unterpräfekten genährt lverden. Tie Be­teiligung von militärärztlichen Kommissionen sowie Sonderkvm- Missionen für Zurückgestellte ist ausgeschaltel. Dies bedeutet, daß für tauglich erklärte Personen nicht reklamiert werden können. Es wird hinzugefügt, daß trotz der neuen Bestimmungen die Aus- hebun gskonrmissionen mit aller wünschenswerten Rücksicht Vor­gehen iveren.

Eine Sozialistenkonfcrcnz.

Bern, 4. Okt. (WTB.) DieHumanitö" meldet: Der ständige Parteiausschuß der Sozialisten prüfte die Frage der Einberufung einer Sozialistenkonferenz der alliierten Länder. Man beschloß, wenn die Auslands­sektionen einverstanden sind, die Konferenz im kommenden Januar abzuhalten. Ein französischer Sozialistenkongreß, auf dem die Tagesordnung des Kongresses der ^Alliierten beraten werden soll, wurde auf den 24. Dezember und die folgenden Tage angesetzt.

Der bulgarische Vericht.

Sofia, 4. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Bericht des Generale stabes vom 4. Oktober.

Mazedonische Front: Zwischen dem Prespa-See und dein Wardar lebhafte Tätigkeit der Artillerie und der Infanterie. Wir brachten Versuche des Omaners, nördlich der Linie, welche von den Dörfern Sttupino und Balwwo gebildet will», vorzugehen, schon im Entstehen zum Scheitern. Ocstlvh vom Wardar bis zum