Ausgabe 
2.9.1916 Drittes Blatt
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Nr. 2D6

Drittes Blatt

166. Zayrgang

Erscheint tägüch mit AuSncchme des Sonntags.

DieHiehener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das kreisblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..LandVirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zwermal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhesfen

Samstag, 2. September Mb

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts - Brich- und Steindruckerei,

R. Lange, Gießen.

Schristleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Verlag.^Obl, Schrift» leitung: S^112. Adresse für Drahtnachrrchtew Anzeiger Gießen.

Die fünfte Reichskriegsanleihe.

Nach einem Zeitraum von sechs Monaten, in dem unsere tapferen Truppen neue glänzende Waffenerfolge errungen und vor allem die große Generaloffensive unserer Gegner zum Scheitern gebracht haben, geht das Reich von neuem daran, die finanzielle! Kriegsrüstung zu stärken, um der grauen Mauer, die das Vater­land vor dem Eindringen der Feinde schützt, auch'umgekehrt den! ßichleren Rückhalt des Vaterlandes zu geben. Wer diese Absicht zu würdigen versteht, der weiß auch, daß er dem Reiche mit der Be­teiligung an der 5. Kriegsanleihe kein Opfer bringt, sondern sich selbst am meisten nützt. Denn alle Werte und Güter, aller Wohl­stand und alle Arbeit können nur erhallen werden und fortbestehen, wenn wir unserem Heere und unserer Marine die Waffen liefern, um den Feind abzuwehren und ihn endgültig niederznringen. DeS Reiches Lasten, so mag dieser oder jener Zaghafte denken, find seit dem Kriegsausbruch gewaltig gestiegen. Wohl richtig. Unzweifel­haft ist die Bürde der Kriegskosten schwer, aber wir dürfen, wenn wir heute die Last des Reiches vom^ Standpunkte des Anleihe­erwerbes aus beurteilen, nicht vergessen, daß das deutsche Na­tionalvermögen ein Vielfaches von dem beträgt, lvas bisher im Kriege verausgabt worden ist. Und, was noch wichtiger sein dürste: Die Kapitalkraft der Volkswirtschaft hat sich keinesfalls in dem­selben Maße vermindert, wie die Anleiheschuld des Reiches ge­stiegen ist. Wir wissen ja, daß der weitaus größte Teil des vom Reiche verausgabten Geldes innerhalb der Reichsgrenzen verblieben! !ift, und daß des Reiches Gläubiger die eigenen. Bewohner des Reiches sind. Betrachten wir Staats- und Volkswirtschaft als ein Ganzes, so ergibt sich daraus, daß abgesehen von den durch den Krieg vernichteten Gütern nur ein Wechsel innerhalb des Be­sitzes eingetreten ist. Zudem bilden die territorialen Pfänder, die wir vom feindlichen Gebiet in Händen haben, eine Sicherung da­für, daß sich die Worte des Staatssekretärs Dr. Helfferich erfüllen werden: ,,Das Bleigewicht der Milliarden sollen die Anstifter des Krieges in Zukunst herum schleppen, nicht wir."

Zeigen wir unseren Feinden wieder die Unerschöpflichkcit unserer Kraft und den unerschütterlichen Glauben an den Sieg der Zentralmüchte!

Tun wir das, so ist der Erfolg auch der 5. Kriegsanleihe ge­sichert, und den Regierungen der uns feindlichen Länder lvird es imMer schwerer werden, bei ihren Völkern für das Märchen von 'fet Möglichkeit der Vernichtung Deutschlands Gläubige zu finden.

Die Ausstattung der 5. Kriegsanleihe lehnt sich eng an 'die bei den früheren Kriegsanleihen gewählte und insbesondere an die Bedingungen der 4. Kriegsanleihe an. Wieder wird in erster Linie dem deutschen Kapital eine 5%ige Deutsche Reichsan- Äeihe angeboten, unkündbar bis 1924, wobei gleich be­merkt sei, daß die Worteunkündbar bis 1924" keine Verkaufs­oder Verfügungsbeschränkung des Anleiheinhabcrs ankündigen, son­dern nur besagen, daß das Reich den Nennwert der Anleche nicht vor dem erwähnten Zeitpunkte zurü^ahlen, bis dahin auch keine Herabsetzung'des Zinsfußes vornehmen darf. Daß auch später eine Herabsetzung des Zinsfußes nur im der Weise möglich ist, daß das Reich dem Inhaber wahlweise die Rückzahlung zum vollen Nenn­wert anbietet, ist bekannt.

Neben der 5%igm Reichsanleihe werden 4i/z%ige Rerchs- schatzanweisungen ausgegeben. -Hinsichtlich ihrer Sicher­heit unterscheiden sich die Schatzanweisungen in keiner Weise von den 5%igm Anleihen, wie überhaupt beide ihrem inneren Werte nach allen schon früher ansgegebenen Deutschen Reichs ankeilien gleichen und wie diese zur Anlegung von Mündelgeldern verwendet werden dürfen. Mit dem WorteSchatzanweisungen" wird nur znm Ausdruck gebracht, daß die. Laufzeit von vornherein - begrenzt ist, d. h., daß das Reich sich verpflichtet, diese Schatz- anweisungm in einem genan feststehenden, verhältnismäßig kur- ' zm Zeitraum mit ihrem Nennwert einzulösen.

Dir fünfprozentige Reichsanleihe wird zum Kurse von 98 Proz. (Schuldverschreibungen 97,80 Proz.) ausgegeben.

Der ernzarzahlmde Betrag ist indes niedriger als 98 o/o, weil der Zinsenlaus der Anleihe erst aM 1. April 1917 beginnt, die bis dahin dem Anleihezeichner zustehenden Zinsen aber ihm sofort ; vergütet werden. Hierdurch ermäßigt sich der Zeichnungspreis bis MM 21/20/0, dieses nämlich in dem Falle, wenn der ganzk Gegen-' wert der Anleihe am 30. September bezahlt wird. Stellen wir -in bezug ans den Ausgabepreis einen Vergleich mit der 4. .Kriegs- 'anl-eihe an, so sehen wir, daß der Erwerb der 5. Kriegsanleihe, rein äußerlich betrachtet, setzt um V2 % günstiger ist. Das ist jebod), wie zugegeben Werden muß, nur ein scheinbarer Vorteil, weil man nicht vergessen darf, daß der 5o/oige Zinsfuß dein

Anleiheerwerber setzt auf 8 Jahre (bei der 4. Kriegsanleihe waren es hingegen 8V2 -Jahre) gesichert ist. Tenn, wie schon oben gesagt, das Reich kann vom Oktober des Jahres 1924 an die Anleihe zum Nennwert zurückzahlen. Die N e t t 0 v e r z i n s u n g der 5%igen Reichsanleihe beläust sich bei einem' Kurse von 98°/o auf 5,10% und, wenn die Rückzahlung im Jahre 1924 erfolgen sollte (infolge des dann eintretenden Kursgewinnes von 2%), auf 5.35o/o. Das ist angesichts der allerersten Sicherheit, die eine Deutsche Reichsanleihe darstellt, .ein außerordentlich günstiges An­gebot. Freilich ist es nicht so reichlich bemessen wie das, das die französische Regierung für ihre 5%igeSiegesanleihe" dein sranzö- kischen Kapital der Not gehorchend gemacht hat: .nicht 98, 1-ondern nur 880/0 konnte Frankreich für seine 5%ige Rente, brutto erlösen, ein recht deutliches Anzeichen dafür, daß es um die französischen Finanzen iM Vergleich mit den deutschen recht schlecht bestellt ist. .

Ter-Ausgabepreis der Schatzanweisungen beträgt ohne Berück­sichtigung der bis auf lVs% aufsteigenden Zinsvergütung 95%, und da hier der Zinsfuß sich auf 41/2% beläuft, so ergibt sich zunächst eine Rente von 4,74%. Hinzu kommt indes der Vorteil, der dem Inhaber der Schatzanweisnngen durch die Tilgung winkt. Diese findet durch Auslosung innerhalb 10 Jahren, beginnend im Jahre 1923, statt und verbürgt dem Schatzanweisungsbesiyxw einen sicheren Gewinn von 5%, der frühestens im Jahre 1923, spätestens im Jahre 1932, fällig wird und im günstigsten Falle das Zinsenerträgnis auf 5,51%, irrt ungünstigsten auf 5,07% steigert. Beide Anleihen, die 50/0ige bis 1924 unkündbare Reichst anleihe und die ,4V2%igert Reichsschatzanweisungen, haben ihre besonderen und großen Vorteile, und es muß mithin dem Ermessen des einzelnen Zeichners überlassen .bleiben, wofür er sich ent­scheidet. Von einer Begrenzung der Anleihebeträge wurde nach den guten Erfolgen .der. vier ersten Anleihen sowohl für die Reichsanleihen als auch für die Schatzanweisungen wiederum ab­gesehen.

Wer kann sich mm an den Zeichnungen beteiligen? Etwa der Großkapital ist nur ? Weit gefehlt! Auch der k l e i n st e S p a r e r kann es. Tenn cs gibt Anleihestücke und Schatzanweifungm bis zu 100 Mk. herunter, und die Zahlungstermine sind so beguem gelegt, daß jeder, der heute zwar über keine flüssigen Mittel verfügt, sie aber im nächsten Vierteljahr zu erwarten hat, schon jetzt unbesorgt seine Zeichnung aumelden kann. Das Nähere über die Einzahl ungstermi ne ergibt sich mit aller Klarheit aus der im Anzeigenteil dieser Nummer enthaltenen Bekanntmachung. Hervorgehoben sei hier Nur, daß jemand, der 100 Mk. Kriegsanleihe zeichnet, den ganzen Betrag erst am 6. Februar 1917 einzuzahlen braucht. Der erste freiwillige E i n z a h l u n g s t e r m i n ist der 30. September. Ihn werden sich alle die zunutze machen, die so frühzeitig wie möglich in den hohen Zinsgenuß treten wollen.

Obwohl am 30. September mit der Einzahlung begonnen werden kann, werden Z e i ch n U n g s a n m e l d u ngen bis zum 5. Oktober ent gegen genommen. Es werden nämlich die Fälle nicht selten sein, in denen jemand sich zwar gern an der Zeichnung! beteiligen möchte, zunächst aber abwarten will, ob gewisse, in den ersten Tagen des neuen Vierteljahrs fällige Beträge auch eingehen. Allen denen, die sich in solcher Lage befinden, soll dadurch ent­gegen gekommen werden, daß die Zeichnungsfrist erst am 5. Oktober abläust.

Wo gezeichnet werden kann, wird den meisten un­serer Leser bekannt sein. Immerhin sei envähnt, daß bei dem Kontor der Reichshauptbank für Wertvapiere in Berlin und bei allen Zweigaustalten der Reichsbank mit Kassmeinrichtung Zeich­nungen entgegenqeuomMen werden, außerdem können Zeichnungen erfolgen durch Vermittlung der Königlichen Seehandlnng (Preu­ßischen Staatsbank, der Preußischen Zentral-Genosi'enschaftskasse in Berlin, der Königlichen Hauptbank in Nürnberg und ihrer Zweig- anstaltm sowie sämtlicher deutschen Banken. Bankiers, öffentlichen Sparkassen, Lebensversicherungs-Gesellschaften, Kreditgenossenschaf­ten und durch die Postanstalten.

DieZeich nungen au fSchuldbucheintrag ungen sind nur für die 5 proz. Reichsanleihm, nicht aber für die Rcichs- scbatzanwei sangen zulässig, und zwar ans dem Grunde, weil die Schuldbncheintragimg möglichst stir solche Anleihebesitzer vorgese­hen ist, die auf Jahre hinaus an ihrem Besitze festhalten wollen. Das ist hei den Reichsschatzanw'üsungen nickt ohne weiteres möglich, weil ja, wie wir oben gesehm Habens die Tilgung innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraumes erfolgt. Obwohl die Eintra­gung in das Reicks schuldbuch stir den Anleiheinhaber ganz beson­ders große Vorteile mit sich bringt, indem er sich nicht um die Auf­bewahrung -seines Vermögens, die Zinsscheinabtrennung usw. zu kümmern braucht, ist, wie gleichfalls schon gesagt, der Zeichnungs- Preis hier um 20 Pfennig niedriger, weil denen, die die Kriegsan­

leihe als dauernde Kapital anlacp: betrachten, ein besonderes Ent­gegenkommen bewiesen werden sott. .

Wv fei früheren Zeichnungen, so auch letzt, hört man zuweum von einigen Zaghaften die Frage anfwerfen, ob sein werde, das in den Kriegsanleifen angelegte GÄd, kalls dreies nach dem Frizens Muß für andere Zwecke von dem Eigentümer gebraucht werden sollte, schnell wieder flüssig zu machen. Auf sol­che Fragen ist zunächst zu erwidern, daß efentfo wie dre Darlehns­kassen die Beteiligung an der Zeichnung auf die Kriegsanlerfeal- len denen erleichtern, die sick das Geld zunächst durch die Ver­pfändung älterer Kriegsanleihen oder anderer Wertpapiere be­schaffen wollen, auch auf Jahre hinaus nach der Knegsbeendigung den Anleiheinhabern von den Darlel/nskassen die Möglichkeit zur Lombardierung ihres Besitzes zu günstigen Bedingungen gewährt wird. Darüber hinaus aber.können tvir mitteilen, daß von den maßgebenden Stellen Bedacht darauf genommen werden wird, den Verstiuf von Kriegsanleihe nach dem! Kriege unter angemessenen Bedingungen zu ermöglichen.

Niemand darf zögern bei der Erfüllung seiner vaterländischen Pflicht, jedermann kann überzeugt sein: Es gibt keine bessere Ka­pitalanlage als die Kriegsanleihe, stir deren Sicherheit die Steuer­kraft aller Bewohner des Reiches und das Vermögen aller Bun­desstaaten haften!

Je stärker die stnanzielle Rüstung, um so,näher ist der end­gültige Sieg auf den Schlachtfeldern gerückt.

Hoch und niedrig, reich und arm müssen sich dessen bewußt sein, daß die Kräfte Aller dem Vaterlande gehören.

Auf zur Z eichnung!

Witterungsbericht.

(O effen tlich er Wetterdienst.)'

Auch diese Berichtswoche 23. August bis 29. August war im allgemeinen durch unbeständiges Wetter charakterisiert. Zwar breitete sich am Anfang der Woche von Südwesten her hoher Druck nach Deutschland hin aus und schien Uns eine Besserung der Wetterlage bringen zu wollen. Diese war jedoch nur von kurzem Bestand, da im Nordwcstm wiederum ein ausgedehntes Tiefdruck­gebiet erschien, das den festländischen hohen Truck nach Südosten zurückdrängte. So lagen wir wieder im Gvenzgebret eines südlichen .Hockdruckgebietes und einer nördlichen Depression. Zeitweise auf­heiterndes. zum Teil trübes und regnerisches Wetter wechselten daher miteinander ab. Nachdem das Tiefdruckgebiet sich uoch. weiter verstärkt und südostwärts ausgebreitet hatte, erstteckte sich am Sonntag, den 27. August rm Norden von uns, von Westen nach Osten eine Tiefdruckfurche mit einem Kern über der Nordsee! und einem über der östlichen Ostsee und den Ostseevrv- vinzen. Am Südrande dieser Furche herrschten in ganz Deutschland besonders aber an der Küste starke Winde, vie _ uns vorwiegend * trübes Wetter mit zeittueise lokal erheblichen Niederschlägen untt Gewittererscheinung brachten. Die Temperaturen waren von An­fang der Woche an etwas gestiegen, um daun auf ziemlich gleicher Höhe zu bleiben, so in Gießen das Temperaturmaxinrum von;

18 Grad'auf 21 Grad, das Temperaturminimum von 7 Grad auf ca. 15 Grad, das Temperaturtagesmittel von 13,75 Grad auf über 17 Grad. Nur am Freitag, den 25. August, waren die Tempera­turen etwas höfer, das Maximum nämlich 24 Grad, das Mini­mum 16 Grad, das Tagesmittel etwas über 18 Grad. Von Sonn­tag an hat sich bis heute (Dienstag) die Wetterlage nur wenig ver­ändert. Wir liegen noch immer im Grenzgebiet, so daß das unfe- ständige Wetter noch weiterhin anhält, das sich wahrscheinlich noch! verschlechtern dürste, da die westliche Depression sehr ausgedehnt ist und bereits heute bis nach Südstankreich hin sich erstreckt. Bei ihrem Zuge nach Osten dürsten wir daher nicht nur durch Rand­wirbel von ihr, sondern durch sie selbst beeinflußt werden.

Vriefkasten -er RevaEtkon.

lAnovhmc Anfragen bleiben uuberückfichttgl^

D. 15. Die Zeichen 27 und 47 bedeuten Augen- bezw. Brust» sellerkrankungen. ?lus Jbrem Schreiben geht nicht hervor, welche Entscheidung Sie zuletzt erhalten haben,dauernd unbrauchbar" oder ..zeitig untauglich". Je nachdem ist Ihre Einberufung noch möglich. Bestehende Krankheiten können Sie bei der Eiizbernfung angeben.

L. D. in K. Zur Beantwortung Ihrer Angabe ist auch anzu­geben, nach welchem Güterrecht die betr. Eheleute geheiratet haben. Ist dies nicht möglich, so wäre festzustellen, wo die Ehe­leute nach ihrer Verheiratung zuerst Wonsitz genommen haben.

Aunst «nd Wissenschaft.

Die erste Herbstausstellung im Berliner !Kunstsalon Paul Cgssirer. Aus Berlin wird uns geschrieben: Tie erste der Airsstellungen bei Paul Cassiver in der -Vikboriastraße gilt in ihrem! Hauptteil wie heute leider so haustg einem im Felde gefallenen Künstler. Albert Weiß­gerber, dessen Nachlaß sachgemäß zusammengestellt ist, wird nach Besuch dieser Schau noch aufrichttger betrauert werden. Tie Bilder dieses Künstlers, dessen mit Recht erfolgreiche Laufbahn ein so jähes Ende nahm, gehören seit Jahren zn den beliebtesten amt» erfreulichsten Werken der modernen deutschen Mallerei. Wir kann teil in ihm den Münchener Schüler besten Schlages: sicher im Stil, phantasiebegabt, mit reichem Formen- und'Farbensinn, dabei ehrlich in der Technik, die ihm! nicht wie so vielen anderem als ein leider notwendiges Mittel zuml Zweck, sondern als wesent­licher Bestandteil wirklich vollwertiger Malerei erschien. So war sein Name auf die ehrenvollste Weise mit der Sezession verknüpft, die in ihm' ohne Ztoeisel einen ihrer Besten verlor. Gesund, wie seine Natur und seine ganze persönliche Art war auch sein! Künstlertum, das sich gerade in der letzten Zett vor Llusbruch des Krieges in die Breite und aufwärts entfaltete und die glücklichsten Erwartungen au seine weitere Wirksamkeit knüpfen ließ. In der Nachlaßausstellung sieht man alle Entwicklungsphasen Weiß­gerbers in klarer Folge. Man sieht den beständigen Drang, die immer neu austauchenden Probleme zu lösen, man erblickt sozrr- sager: die gestellte Msgabe und das Ergebnis des zähen, zielbewuß- teil Ringens nebeneinander. Porträts, Landschastm, manches in der Hauptsache zeickmerisch, Ntanches in der scharfen Technik der Schwarz-Weiß-Kunst, Manches blühend in Farbigkeit oder durch­glüht von der Askese des Willens. An den Krieg gemahntDie Schlacht", die Weißherber im> Vollbesitz seiner Kräfte zeigt. Nun ruht auch er bevor er erreichte, was seinem .Kunstgewissen als äußerstes Ziel galt. Aber die hinterlassenen Werke sprechen . eine dauerhafte Sprache und sorgen dafür, daß der Name Weiß­gerber nicht der Vergessenheit anheimsallen wird. Tie der Nachlaßausstcllung angegliederte Sammlung von Waldemar R ö s l e r s Zeichmmgen spendet spnipathische, sehr natürliche und von Mten Wirkungen durchsetzte Anschaulichkeit. .Zeichnungen aus dem Felde, die dm Durchschnitt überragen und eingehender Be­trachtung wert sind. A. B.

M ünchner Urauffübpung. Aus München wird .uns geschrieben: Erich Ziegel, oer nach vierjähriger fruchtbarer

Tattgkeit die Münchner Ka mmer spiel e verläßt, hat sich für seinen Abschiedsabend die U r a U f f ü h r U n g eines geistreichen (RnaktersDie Eule und das Federvieh" von Jacob Scher e k aufgespart. Das Werk (des durch seinen Leidensweg als Autor derKa mUrerspiele" bekannten Verfassers) stellt zwei'Selbst­mordkandidaten nebeueinoirder: Einen Bankerotteur des ^Geldes und einen Bankerotteur des Ruhms: .Herrn Kommerzienrat 'Simson. Und den Dichter Müller, dessen D-ranren auf keiner Biihne gespielt werden. Im Laufe !der Unterhaltung erschießt Herr v. Simson sich.. für den Dichter, d. h., um ihm eine Sensationsreklame zu machen. Dm Wunsch des Sterbmden erfüllt ein hurtiger Reporter und gibt der Welt auf schnellstenr Wege die Geschichte bekannt, llnd der Dichter, -Ar den so tteu gesorgt wird, läuft davon. Ziegel, Marz und M a r l 6 spielten diese symbolisch zu wertenden Szenen in scharf geschnittener Silhmcette. Sie verhalfen ihnen zu dein starken Erfolg, der dem ehrlichen Talente ihres Verfassers neidlos zu gönnen ist. Der Uraufführung folgte Sttindbevg, der in seinem' Fräulein Julie" dein! Künstlerpaar Ernst Ziegel-Miryam Horivitz Aufgaben von größter Wirkimgsmöglichkeit gibt. Man sah denn auch wieder Leistungen von höchster Vollend!mg. Das Pnblikunr brachten den scheidender Darstellern lebhafte Ovationen. Man spendete Blumen und Lorbeer, und schließlich sprach aus der Bühne Paul Marx herzliche Abschieds Worte. Auch das Münchner Schauspielhaus hat in seineün! bisher^ wesentlich noch auf Unterhaltungsstücke eingestellten ProgramtM eine Neacheit mit guter Kraft ^ur Tarstellmrg gebracht. Es ist ein hühs'ches Lustspiel,D i e Hausdame" fetttelt, von E. H e st r u p, mit einer nicht sehr wahrscheinlichen, aber recht nett erfundenen Idee. Ein Privat­gelehrter engagiert als Hausdame seine- frühere Frau. Und die drei Akte zeigen den Weg, über den die Ehegatten älterer Zeit zueinander zurechtstnden. Das Publikum, das die bekehrten Sünder und Zweifler Mit seiner Sympathie zu beehren pflegt, loar mit dem Erfolge der hübschen Hausdame zufrieden mrd bereitete auch seinerseits deM Abend guten Erfolg. Die Darstellung hatte in Herrn Scharwenka, dem' neuen MitgliÄ> des Sck>au- spielhcuffes, arnd in Frl. Anuie Reiter, dem Gaste (von den/ Münchner .Kammerspielen") sehr gute Kräfte, die zur trefflichen Entfaltung kmneu. Im Herzogpark in Bogenhausen hat sich jetzt 'ein Freilichttheater aufgetan, dessen Eröffnungsspielen das Wetter und die Stimmung der zal/lreich Erschienenen hold waren. Unter Gümbel-Seilings Leitung hatte nran zwei Spiele von Hans Sachs,St. Peter ergötzt sich auf Erden" undDer fahrende Schüler im Paradies", in ihrer herzlichear Naivität leberrdig werden laffmr und durch eine schlichte

Darstellung spielfteudiger Liebhaber dm Szmm den Reiz ihrer Ursprünglichkeit gewahrt. R. R.

t Eine neue Fieberkrankheit. Eine große Reihe unter verschiedensten Diagnosen ausgelieferten Krankm, die aber doch bei schärferer Prüftlng sich auf keines der erst bestimniten. Krankheitsbilder festlegm ließm, scheint, wie Stabsarzt G. Zofe lenkopf in der Deutsck)M Madizinischm Wöck>ensckrift aussührt, dm Schluß nahe zn legm, daß hier eine neue Erkrankung vorliegt. Es handelt sich um ein mit Schüttelfrost einsetzendes Fieber, fels nach bestimmtm Zwischenzeiten wieder von neuern eiusetzt und von den 'Krankm sehr unangm-ehm mipßmdm Mird. Dar Pattent glaubt sich schwer krank, klaA über /Kovf- und Nackmschurerzen, bäuftg sogar über Schmerzm in der Milz- und Lebergegend. dm Gelm- fm und an dm Schienbeinm. Wiährmd der fieberfreim Zrvischen- zeit verschwinden diese Beschwerden nicht vollständig, ioenn sic auch erheblich geringer als währmd des Anfalles selber sind. Bei Blut­untersuchungen wurden in einer Anzahl solcher Fälle gleichartige Gebilde geftindm, die hauptsächlich die Annahme einer neuen Krank­heit 'zu rechtfertigen erscheinen. Es sind feine blmw Püuktckm und Stäbchen, die häuftg an einun Ende eine hufnagelarttge Verdickung tragen und in schüvankender Zahl bis 12 Stück im einzelnen roten! Blntkörpercherr angetrofsm werden. Zollenkovf glaubt, daß es sich um Parasiten handeln dürste. Auffallmd ist. daß ein sehr ähn­liches Blutbild sich in einigen Fällm epidemischen .Kopfgmickkramp- fes vorfand, da schon die erwähnten Nackmschurm'iM. die bei Ein- zelnm sogar mit einer gewissen Nackmsteifl>eit verbundm gewesen nmr, die neue Krankheit auch äußerlich mit dem Genickkrumpf in Verbindung brachte. Ob in diesen Fällm eine Komplikation von Gmickkrampf mit der nmen Zvraukbut vorliegt oder ob beide auf einm gemeinsamm Ursprung zurückgehm könnm. kann erst durch weitere Untersuchungm gelöst tverdeu. Für die Heilung der nnrm Fiebererkvankung scheint das altbewährte F-iebermittel Chinin nianchinal förderlich zu sein. B.

Eine hypnotische Behandlung derBlind- heit. Von einer erstaunlichen, >venn auch mir votübergehenbm Blindenheilung wissen dieAnnabes des Scimces Psychiques" zn berichtm. Ein durch eine Explosion erblindete!' englischer Chauffeur kaut, nachdem «er 6 Mmrate im Lazarett und 8 weitere Monate in einer Blindenanstalt Londons zugcbracht hatte, in die M'Iiandluug eines Hypnotismrs. Die Geschostexplosion l»atte die Augävsel zu- rückgepreßt und dadurch zn Zusammenziehung dcw Sebneioen ge­führt. Im Lazarett lmtte man ohne Erfolg alle Mittel zur Aus­hebung der Geschoßwirkung angewandt, aber nur die hlipnotffciv Suggestion konnte für eine Sekunde das normale Sehvermögm Patienten wiederherstellen ' B