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23.9.1916 Zweites Blatt
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Ar. 224

Zweites Blatt

M. Zayrgairg

'Erscheint täglich nnt Ausnahme deS Sonntag».

DieEtetzener ZamittenblLtter" werden dem »Anzeiger* viennal wöchentlich beigelegt, da» Areirblatt für den Ureis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen -eit- tragen" erscheinen monatlich zweimal.

legener

General-Anzeiger für Gberhefjen

Samstag, 23. September 1916

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchea Universitäts-Buch- und Steindruckerei.

N. Lange, Gießen.

Schriftleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» ftraße 7. Geschäftsstelle m Verlag: Schrift»

Leitung: «=$§»112. Adresse für Drahtnachrichten; Anzeiger Gießen.

Rriegshriese ans dem Osten.

Bon mrsercm zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechttgter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Die SommcrschLacht um Lemberg.

II.

Die Helden von Slota-Gora.

Lemberg. Mitte September.

Vom 16. August an beginnen die Russen, nachdem die Ver­suche, von etwa Nordosten auf Lemberg vorzustoßen, nach dem Ein­satz deutscher Kräfte bluttg gescheitert sind, beiderseits der Bahn nach Tarnopol stärkere Kräfte zusammenzuziehen. Es ist deutlich, datz die Russen ihre Angriffe diesmal aus mehr südlicher Richtung fortsetzen wollen. Es versammeln sich in dem Angriffsraum schließ­lich 41/2 russische Divisionen gegen eine halbe deut­sche (mit 12/z Jnfairterieregimentern- und e i n e h a l b e öfter- rcichisch- ungarische Division. Dabei ist zu erinnern, daß die ruffifcf^eit Divisionen burdjiueg aus vier Regimentern zu vier Bataillonen bestehen.

Am 31. August beginnt der neue Angriff. Rach dreistündiger starker Artillerievorbereitung setzt die russische Infanterie tapfer und energisch zum ©turnt an. Es gelingt ihr, in die ungarische Stellung, an der Zlota-Gora, einem beherrschenden Höhenzug von fast 400 Meter Höhe, eiuzudringen. Ein Gegenstoß wcrft sie hinaus. Ein zweiter russischer Angriff in noch stärkeren Massen wird vor- gtztragen und kommt bis zur dritten Linie durch. Da werden berert- ftehende Kompagnien sächsischer Jäger eingesetzt (dieselben Truppen, nie bereits am 10. August die Lage zu unseren Gunsten entsäneden). Zusammen mit ungarischer Infanterie werfen sie sich aus die Russen. Die dritte und zweite Linie wird im glänzenden Sturmlaus wieder­genommen und damit die Slota-Gora wieder ero­bert. Eine deutsche Batterie, die die Russen schon erbeutet zu haben glaubten, wird gerettet. Der beherrschende Punkt der Stel­lung ist jwieder fest Ln unserer Hand, und sein Besitz, der gegen jedem Angriff von nun an helbenhast verteidigt wird, ist entscheidend für den Verlauf der weiteren Käinpfe.

Inzwischen ist es den Russen gelungen, an Eisenbahn und Straße ZborowPluhow ungarische Infanterie zu durchbrechen und zwischen Straße und Bahn in Richtung Bromslawowka vor­wärts zu kommen. W entsteht so allmählich ein Sack von etwa 8 Kilometer Tiefe und etwa 5 Kilometer Breite in der Verteidigungs­stellung: ein Sach, der aber nach Norden nicht verbreitert werden kann, weil die Slota-Gora, fest in unserer Hand, beherrschend dte Flanke der Einbruchs stelle bedroht. Die Russen suchen den Berg nun nördlich zu umfassen, aber die Angriffe werden von t h ü r in­discher Landwehr blutig abgeschlagen. Auch westlich der Slota-Gora wird thüringesche Landwehr eingesetzt, da die Russen inzwischen schon über Grabowce in der Einbruchs stelle hinaus sind.

Am 1. September wird bei starkem Nebel ein Gegenstoß zu verhältnismäßig später Stunde angesetzt, er gewinnt zunächst Raum, aber vor neuen russischen Verstärkungen mutz die österreichisch-unga­rische Infanterie bis Meteniow zurückgehen, so daß die Russen fast im Rücken der Slota-Gora stehen. Noch ist die Lage, da eben ein deutsches Regiment bei Bromslawowka und Meteniow emtrifft unb angesetzt wird, zu Hallen, wenn die Kämpfer auf der Slota-Gora mrshalten. denn nun wollen die Russen den Erfolg mit jedem Mittel erzwingen, imd rücksichtslose Massenstürme werden immer wieder gegen die Höhe angesetzt. Die Slota-Gora muß gehalten werden, das wisse:: die Verteidiger, sächsische Jäger und Schützen fast aller deutschen Volksstämme, Linie, und Landwehr gemischt, sie wettlei fern in diesem Heldenkampf, der entscheidungsschwere Be­deutung bat, das weiß jeder Mrnn in den zerschossenen Gräben. Um 12 Uhr mittags des 1. September beginnt der Sturm gegen Slota-Gora und die nordöstlich anschließende Höhenstellung bis Jaroslawice. An einigen Stellen gelingt es den dichten Massen ein- zndringen, sie werden mit dem Bajonett vertrieben. Tie Landwehr steht auf dem westlich anschließenden Höhenzug unter stärkstem Feuer: als die Russen endlich, nachdem sie glauben, daß jede Wider­standskraft zusammengetrommelt sei, anrennen, müssen sie unter dem ruhigen, vernichtenden Feuer der Landwehr und der Maschinen­gewehre zurück: >00 sie doch eiltdringen, werden sie im erbitterten Nahkampfe erledigt. Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr setzen neue Angriffe gegen Slota-Gora und Jaroslawice ein, sie werden rest­los abgeschlagen

Das gegen die Sackstellung angesetzte deutsche Regiment kann inzwischen in erbitterten Stößen die Russen zuruckdrängen und die liefe Einbruchs stelle ab flachen.

Am 2. Septeurber beginnen die Russen den Angriff auf die Slota-Gora mit noch größerem Artillerieeinsatz. Planmäßig werden alle Reservestellungen, Artilleriedeckungen. Unterstände, Annähe­rungswege unter Feuer genommen, während der Graben selbst mit Gasgranaten beschossen wird. Gegen Abend zwischen 5 und 6 Uhr entwickelt sich der Jnfanteriehauptangriff ivieder gegen die gesamte Front Slota-GoraJaroslalvice, er scheitert au der unerschütter­lichen Kraft' der Verteidigung, ebenso wie ein zweiter Angriff um 8 Uhr abends, bei dem es zu erbitterten Nahkämpfen kommt. Am 3. September wird vormittags ein starker Angriff in acht Jnfan- teriewellen vorgetragen, er bricht -an den zerschossenen und zer­fetzten Hindernissen zusammen: um 2 Uhr nachmittags beginnt eine Reihe^von Stürmen, die sich bis zum Abend fünfmal wiederholen. Die Stellung vom 31. August bleibt fest in der Hand der deutschen Verteidiger, die russischen Leichenhügel hänfen sich, die Angriffskraft der Russen ist erschöpft, sie können ihre Jnfaterie selbst unter An­wendung stärkster Mittel nicht mehr aus den Gräben herausbe­kommen.

Diese Erschöpfungspause dauert bis zum 6. Sevtember, an dem ein Angriff in drei Mellen auf die ganze Slota-Gora-Front vor- getrieben wird: er scheitert vor den schon wieder ausgebesscrten Hindernissen. Ein Angriffsversuch auf die nördlicher gelegenen Frontteile bei Hukalowce ist am 5. gar nicht recht zur Entwickelung gekommen.

Seit dem 6. September geht dann die Gefechtstätigkeit in den Stellungskrieg über. Das Vorfeld wird aufgeräumt, die Gräben ge­säubert und .gusgebaut die Lemberg-Front hat sich stark und fest behauptet.

Jedes Lobes wert waren die tapferen deutschen Truppen, er­klärt General v. Eben in einem Befehl, nack-dem die Sommerschlacht bei Lemberg abgeschlossen ist.

1 *

Vom Uniousberge sehe ich Lemberg im matten Licht eines ver­schleierten Frühherbsttages. Die Kuppeln und Türme heben sich m das stumpfe Grau des lastenden Himwels. Plötzlich leuchtet ein gelber Schein durch das Wolkeugrau, die Sonne kämpft für ein paar Minuten die Wolken zurück. Heller liegt Lemberg im Mit­tagslicht, die noch vollgrünen Parks und Gärten glänzen in dem schönen Stadtbilde. Irgendwo spielt eine Militärkapelle. Das fruchtbare Stück Land, die schön gestellte polnische Stadt muß das ckuge wie zärtlich umfassen. Der helle Schein eines deutschen und österreichisch-ungarischen Heldenkampses glänzt mit dem Namen der schönsten Stadt Galiziens.

Rofl Brandt, Kriegsberichterstatter.

Die Karpachenkämpfe.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten KriegsbertcbterstatterS, (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Aus dem Felde, 22. Sept,

Nach den schweren Kämpfen von gestern haben die russischen Kräfte, die südlich der Baba Ludowa angriffen, so belitten, daß heute auf diesem Teil der Front nur die Artillerie tätig war, Mährend die Infanterie nicht zum An­griff fähig war. An der Baba Ludowa selbst gelang es den Russen, nach wiederholten, sehr verlustreichen Massen­stürmen auf die Kuppen zu dringen. Die Stellung wurde sofort abgeriegelt. Nördlich der Baba Ludowa (1586 Meter) wurden alle Angriffe abgewiesen, ebenso wie die heftigen Stürme auf die neuen Stellungen westlich der Tatarka. Die Gefangenen sagen aus, daß in den Karpathenkämpfen jetzt überall der Rekrutenjahrgang 18 nach nur zweimonatlicher Ausbildung eingesetzt sei, uttb daß Gewehrmangel herrsche, beides Anzeichen, daß auch dieUnerschö Pflicht eit" des russischen Materials die Riefenopfer dieses Sommerfeld­zuges zu merken beginnt.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

wie können wir Hrauen Helsen, den Urieg zu gewinnen.

Gießen, den 22. September 1916.

Heber diese wichtige Frage sprach am Donnerstag abend in der großen.Aula der Universität Frau B u ck s a t h-Mainz vor einer Zu­hörerschaft von mindestens 600 Frauen. Einleitend führte Frau Aucksäth aus, daß lvir diesen Krieg nicht gewollt, daß mau uns dazu gedrängt ihat, weil män in den uns feindlichen Ländern sich für diesen Krieg schon rüstete, daß Rußland schon für den Krieg mobil gemacht hatte. Schon lange Jahre vor dem Kriege wurde irrt Geheimen und offen gegen Deutschland- geschürt und gehetzt. Wir glaubten an die Treue und Wahrhaftigkeit unseres Bundes­genossen Italien und an Rumänien, mit denen wir für den Fall der Not Verträge abgeschlossen hatten. Es handelt sich in diesem Kriege um nichts Geringeres als Deutschland zu zerstückeln, es machtlos und wehrlos _ zu machen für alle Zeiten. Wer die .grausamen Verwüstungen dieses schrecklichen Krieges in Nordfraukreich gesehen, wer geschaut, wie die Stoffen in Ost­preußen gehaust haben, der muß sich die Frage oorlegeu:Wie würde es bei uns auSsehen, wenn der Feind ins Land gekommen wäre". Wir müssen cs als eine Gnade, als einen großen Gewinn betrachten, daß der Kampf sich auf fremder Erde abspielt und wir, von den Schrecknissen des Krieges verschont, unserem Erwerbe nach­gehen können. Die Tatsache aber, daß wir unmittelbar vor dem Kamps im Lande verschont geblieben, macht uns daheim undankbar und gedankenlos. Gewiß ist. daß dieser Krieg uns manche Ent­behrung und Unannehmlichkeit bereitet. Die Frau hat viele Wege zur Beschaffung der Lebensmittel zu macken, es ist im Kriege alles im Preise gestiegen, aber man sollte bedenken, es sei dies ein natür­licher Zustand des .Krieges, den zu ertragen einer deutschen Frau nicht schwer fallet: darf. Frauen nmtmetit sich nicht um die Fragen der Volkswirtschaft, ihnen sind die Zahlen der Statistik meist fremd, sonst würden sie die Teuerung und Knappheit der Lebensmittel unter den heutigen Verhältnissen begreiflich finden. Es sind ge­waltige Mengen von Eiern, von Getreide, von Kaffee, Reis, Schmalz, Butter, Fische, Hülsenfrüchte und Viehfutter, w elche wir in Friedenszeiten aus dem Auslande beziehen. Mengen, die jetzt fort­fallen. weil unsere Gegner uns von den Produkt:onsläuderu ab- schließen, oder weil wir uns mit diesen Länder:: in: Kriege befinden. Aber -crusbungern kann man nns nicht, das haben die beiden ver­flossenen Kriegsjahre bewiesen. Wir haben heuer eine bessere Ernte zu verzeichnen als im! Vorjahre. Es müsse durchgehalten werden. Tatsache sei, daß die Männer nicht so viel nörgeln als die Frauen. Dagegen muß man entschieden aukämpfen. Alle Unannehmlich­keiten in der Heimat sind Kinder'viel gegen die Schrecken in den Karpathen, gegen die Hölle vor Verdun, die unsere Brüder stand­haft ertragen. Es Ist für viele Frauen schwer, ohne Fleisch, ohne Fett zu kochen, aber es läßt sich, wenn man will, auch ohne­dem schmackhaft und abweckchelnngsreich eine Mahlzeit Herrichten. Es wäre eine Schmach, wenn wir Frauen zu Hause uns nicht fügen wollen in die Unbeguetuttchkeitcm, die dieser gewaltige Krieg mit sich bringt. Die Frauen müssen helfen, den Krieg« zu gewinnen. Es ist schmachvoll, wie einzelne Frauen sich dazu hergeben, Schauergeschichten, die den Stempel der Unwahrheit tragen, weiter zu verbreiten. Allerdings gibt es Millionen tüch­tige und tapfere Frauen in unserem Vaterlande, die nicht jam­mern, sondern die tüchtig zugreisen und arbeiten. Die Schwatz­haftigkeit in Briefen, die ins Feld gehet:, ist gefährlich, denn die! Briefe kommen in die Hände unserer Feinde und wandern daun als Stiminnngsbilder ans Deutschland in die Presse der uns feindlichen Staaten. Man verschone den Mann im Schützen grabe:: mit solchen Briefen aus der Heimat: Reduerin geht dann auf die neue Kriegsanleihe über. Eine schlechte Beteiligung an der Kriegsanleihe wäre aller­dings ein Unglück, denn unsere Gegner würden sich aufraffcn zu gewaltiger Kraftanstrengung, um uns nieder zu zwingen, dagegen würde eine.glänzende' Zeichnung Unseren Feinden zeigen, daß wir noch silberne Kugeln genügend haben, um ihre Angriffe auf unser Land weiter abzuwehren. Es ist Geld genug im Lande, um der Regierung die Mittel an die Hand zu geben, den Krieg mit Erfolg zu Ende zu führen. Will man, daß m:seren .Kriegern schlechtere Verpflegung, schlechtere Bekleidung, weniger Munition gegeben wird, oder will man haben, daß die Kriegerfamitten keine Unterstützungen erhalten sollen? Das geht nicht au, mau muß den letzten Pfennig, den man entbehren kann, in Kriegsanleihe anleget:, damit' unsere Gegner gezwungen werden, endlich das Nutzlose ikwes Tuns einzusehen. Eine kraftvolle Zeichnung der Anleihe hilft das Ende des Krieges herbeiführen. Die Rednerin tritt dann für den bargeldlosen Zahlungsverkehr auch bei den Frauen ein und zeigt, wie auch dadurch unserq Rüßung im Kriege gewaltig gestärkt wird. Sie fordert zum Schluß die versammelten Frauen auf, nicht müßig zu sein, sondern tätig mitzubelfen den Krieg zu gewinnen. Eine Anssprache fand nicht statt. Frau Oberstleutnant Naumann, welche die Versammlung eröffnet hatte, versicherte in einem kurzen Schlußwort, daß die Gießener Frauen bereit seien dnrchzuhalten. daß sie nicht klein­mütig klagen und jammern Und keinen Frieden um jeden Preis herbeiwünschen.

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Au» Stadt und Land.

Gießen, 23. September 1916.

Zur Obstbeschlagnahme.

Begreiflicherweise ist durch die Beschlagnahme der Aepsel ünd Zwetschen eine Unsicherheit . bei den Obsterzeugeru hinsichtlich des Absatzes Und bei de:: Obstverbrat: cheru

wegen der Eindeckmtg ihres Bedarfes eingetreten. Es sei deshalb zur Klarstellung- im Interesse aller Beteiligten Fol­gendes mitgeteilt: Die Beschlagnahme erstreckt sich lediglich aus Wirtschaftsäpfel und Zwetschen. Die Erzeuger dürfen selbstver­

ständlich trotz der Beschlagnahme den Bedarf für ihren eigenenl Haushalt aus ihrer Ernte decken. Darüber hinaus dürfen aber Wirtschaftsäpfel und Zwetschen weder direkt noch indirekt an! Verbraucher,::dler, Anstalten, Städte usw. käuflich abgegeben werden. Die Erzeuger sind vielmehr verpflichtet, sämtliche ver­fügbaren Menget: dieser Obstart den Aufkäufern der Landesobst- stelle, -die von ihr mit AusweiSkarten versehen sind, zur Verfügung zu stellen. Diese Aufkäufer dürfen nur an die in den einzelnes Kreisen bestellten Kommissionäre der Landesobststelle liefern. Dtrnen und Tafeläpsel sind nicht beschlagnahmt. Tie Erzeuger dürfen deshalb diese Obstarten nach wie vor an die Verbraucher gegen Bezugsscheine abgeben: beim Verkauf an gewerbliche Auf­käufer jedoch nur an solche, die im Besitze einer Ausweiskarte der Landesobstüelle sich befinden. Die Landes ob st stelle ist durch die Be- Ichlagnähme der Wirtschaftsäpfel und Zwetschen nicht mehr in der Lage, diese Obstarten an die einzelnen Verbraucher, Städte, Lebens- nuttelämter, Kosumentonvereinigungen usw. zu liefern; sie hat viel­mehr die Verladeverfügungen des Kriegsernährungsamtes bezw. der Kriegsgesellschaft für Obstkonsecoen und Marmeladen auszuführen. Vorläufig kommen sämtliche Zwetschen und Wirtschafts äpfel aus­nahmslos in die Konservenfabriken, um den Bedarf des Heeres und der minderbemittelten Bevölkerung an Marmelade bis zum nächsten Jahre sicher zu stellen. Der Absatz von Tafcläpfeln und von Birnen bleibt nach wie vor -der Regelung durch die Landesoüststelle vor- behalten. Darin können die Verbraucher ihren Bedarf durch Vermittelung der Landesobststelle decken. Tie Aufkäufer der Landesobststelle dürfen den Erzeugern für den Zentner (50 .Kilo) bezahlen: 1. für Tafeläpsel und Tafelbirnen erster Wahl

irf TI 22 Mark, 2. für Tafeläpsel und Tafelbirnen zweiter 'Wahl 810 Mark, 3. für Fall- und K'elteräpfel 6 Mark, 4. für Zwetschen mit Stiel gepflückt 10 Mk., Zwetschen, geschüttelte, aber gute Qualität 8 Mk., Breunzwetschen 6 Mk., 5. für Spalier- und Kabinettfrüchtc Preis und Absatz nach Vereinbarung mit der Landesobststelle. Wer Obst gewerbsmäßig aufkanft, ohne im Besitze einer Ausweiskarte der Landesobststelle zu sein, macht sich strafbar.

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Preisgestaltung bei Web-, Wirk- und Strickwaren.

Durch die Verordrmng des Bundesrats über Preisbe- schräukungen be: Verkäufen von Web-, Wirk- und Strickwaren vom 30. 3. 16 (R. G. Bl. S. 214) § 1 ist vorgeschrieben, daß Web-, W:rk- und Ltrtckwaren g r u n d s ä tz l i ch zu keinem höheren Preise verkauft werden dürfen als dem, den der Verkäufer bei Gegenständen und Verkaufen gleicher -oder ähnlicher Art innerhalb der Kriegszeit vor dem 1.2.1916 zuletzt erzielt oder festgesetzt hat. Nur aus­nahmsweise, wenn es an einem solchen Preise fehlt oder d:e Gestehungskosten zuzüglich Unkosten und angemessenen Gewinns nachweisltck höher sind als dieser Preis, sind die Gestehungskosten zuzüglich Unkosten und angemessenen Gewinns maßgebend Ter Verkätifer, der diese Vorschriften nicht beachtet, setzt sich der Be- strafung wegen übermäßiger Preissteigerung nach der Bundesrats- vervrdnnng L-egen übermäßige Preissteigerung vom 23. 7. 15 R. G. Bl. e>. 467 avß (Gefängnis bis zu einem Jahre und Geldsttafe bis zu 10 000 Mark, oder eine dieser Strafen, außerdem Einziehung der Vorräte). Es kann auch auf Grund der Bundesrats- verordnnng vom 23. 9. 15 betr. Fernhattung unzuverlässiges Personen vom Handel (R. G. Bl. S. 603) der Handel mit Web-, Wirk- und Strickwaren untersagt werden.

Es ist beobachtet wordert, daß die' Vorschriften der Be» ordnung vom 30. 3. 16 nicht ganügerü» beachtet werden. Es hat vielfach eine Preisgestaltung Platz gegriffen, die zu übermäßigen Gewinnen für die Fabrikanten und Händler führt. Das stellv. Generalkommando 18. Armeekorps sieht sich deshalb genötigt, nm -insbesondere der minderbemittelten Be­völkerung die Deckung ihres Bedarfs an Kleidung und Wäsche zu angemessenen Preisen dauernd z'u gewährleisteu, die Preisgestal­tung für Web-, Wirk- und Strickwaren ganz besonders zu be­obachten und bei den einzelnen Beteiligten laufend zu prüfen. Ungerechtfertigte Preissteigerungen werden im allgemeinen In­teresse strafrechtlich verfolgt werden.

Wenn in der Verordnung vom 30. 3. 16, ZI, vom angemessenem Gewinn" gesprochen wird, so ist damit nicÄ etwa ein prozentualer Zuschlag zu den Selbstkosten (Her­stellungskoste,: oder Einkaufspreis zuzüglich der General-

Unkosten und etwaiger besonderer Kosten) zu demselben Prozentsätze wie im Frieden gemeint. Diese in den Kreisen der Hersteller und .Händler vielfach verbreitete Ansicht ist irrig. Sie würde zu. einem mit den erhöhten Selbstkosten selbsttättg wachsenden Gewinne führen und eine ungerechtfertigte Ausbeutung der durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse zugunsten einzelner, zum Schaden der Allgemeiulteit bedeuten. Als angemessener Gewinn ist vielmehr grundsätzlich nur derjenige anzusehen, der auch in Friedenszeiten; für gleiche Waren und unter sonst gleichen Verhältnissen er*teft worden ist. Dieser Friedens gewinn ist zahlenmäßig fest- zustellen. Nt:r dieser zahlenmäßig festgestellte Betrag darf, ohne Rücksicht auf die Höhe der Gestehungskosten und der Unkosten^ als angemessener Gewinn zugeschlagen werden. Wenn z. B. die Herstellungskosten einer Ware zuzüglich allgemeiner Unkosten im Frieden 4 Mark betrugen und der Hersteller 1 Mark = 25o/a als leinen Gewinn aufschlug, so darf er, lvenn die Herstellungskosten der gleichen Ware zuzüglich allgemeiner Unkosten jetzt 8 Mark betragen, nicht etwa 25°/o 2 Mark als sein Gewinn aufschlagen, sondern er darf nur 1 Mark als angemessenen Gewinn betrachten, d. h. er darf die Ware nicht für 10 Mark, sondern muß sie für 9 Mark verkaufen.

Nach den vorstehenden Grundsätzen wird das stellv. General­kommando 18. Armeekorps bei den Prüfungen, ob die Preisbe- schräntong eingehalten ist, verfahren. Von den gleichen Grt:ndsätzcm gehen die Richtlinien .aus, die der Herr Reichskanzler für die gemäß der Verordnung vom 30. 3. 16 einzurichtenden -Schieds­gerichte vom 13. 4. 16 erlassen hat (veröftenttt-cht im Reichs- anzeiger Nr. 91 vom 15. 4. 16).

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** Gewerbeschule. Gießen. Der Unterrichtsbetrieb der Gewerbeschule wird auch in diesem Winterhalbjahre mit bewährten Lehrkräften voll und ganz durchgeführt. Neben den Baugewer-kabteilunaeu erstrebt sie, tüchtige .Handwerker aller Berufe heranzitbilden. Begabte und fleißige Schüler, die die Schule 3 Jahre im Winter besucht haben, köm:en nach den Bestimmungen der Wehrordnung § 89, 6 auf Grund ge­werblicher oder kunstgewerhlicher Leistungen zur erleichter­ten Prüfung zum einjähria-freiwilliaen Dienst zugelassen werden. Gewerbeschüler sino von der obligatorischen Fort- bildungsschitle befreit. Nähere Auskunft erteilt die Schul­leitung.

** Eiserne Uhrketten Die Goldankaufs stelle schreibt uns f Wie schon früher mitgetellt, ist in Aussicht genommen, jeden: Eintteferer einer goldenen Uhrkette auf Wunsch eine eiserne Ersatzkette nach reichsgesetzttch geschütztem Muster, die im Handel käuflich nicht zu haben sein tvird, zu überlassen^ Das Kriegsbureau der Reichshauptbank in .Berlin .hat nunmehr die Muster ausgewählt. Es ist die ?lusgabe dreier Arten von Ehrenketten in Aussicht genommen: eine kurze Herren kette, eine Herren-Turchziehkette und eine Tamenkette. Dar einheitliche Preis beträgt 2.50 Mk. für das Stück. Mit der Herstellung ist be­gonnen, doch wird die Ausgabe selbst erst in einiger Zeit erfolgst