Ausgabe 
21.9.1916 Zweites Blatt
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LV. 222

Zwettez Blatt

lbb. Jahrgang

Erscheint tSzttch mit Ausnahme des bs^ntagS.

DieSletzener KemitteadlStter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das »kreirdlatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

MOe^? Altzeiger

General-Anzeiger für Gdechesjen

vomerstag. 2\. Scptcmb« (9(6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche-, Universitäts - Buch- und Steindruckerei,

N. Lange, Gießen.

Schriftlettung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u. Verlag: Schrift»

leitung: e^*m2. Adresse für Drahtnachrichten; Anzeiger Gießen.

Hindenburg zur Kriegsanleihe.

Zur Kriegsanleihe liegt heute ein Wort Hindenburgs vor, das wir unseren Lesern in seinen eigenen Schrift- lügen hier vor Augen führet:. Der Feldmarschall sagt:Das deutsche Volk wird seine Feinde nicht nur mit dem Schwerte, sondern auch mit dem Gelde schlagen. Das wird die Kriegsanleihe beweisen."

Ein Mann, der sich solchen Anspruch auf die Dankbarkeit und das Vertrauen des deutsche!: Volkes erworben ^t wie unser Hindenburg, darf nicht vergebens gesprochen haben. Jeder Deutsche muß jetzt das Seine tun daß Erwartung des großen Feldherrn sich erfüllt.

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Hessischer Landtag.

Zweite Kammer.

Darto/ftadt, 20. September 1916.

An: Regie rungs ti sche: Ministerialrat Schliephake, Geh. Landesökonomierat Müller, Geh. Legattonsvat Dr. Neid- hart, später die Minister v. Hombergk und Dr. Becker Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 107* Uhr. Es wird zunächst noch die Verhandlung über der: Antrag Calman, betr. Milchversorgung der stillenden Mütter usw. fortgesetzt.

Mdg- Dr. Osann (Natl.) kommt aus die Aeußevung des Abg v Brentano über den parlamentarischen Kriegsausschuß zurück und nimmt den Ausschuß gegen die erhobenen Borwürfe in Schutz, die ir: keiner Weise gerechtfertigt seien.

Abg. Tr. Schmitt (Zentr.) macht zuerst einige allgemeine Ausführungen über wirtschaftliche Fragen und bemerkt, es fet in lveiten Kreisen der Bevölkerung Unzufriedenheit vorhanden- d:e .'Hauptaufgabe müsse sein, diese zu bekämpfen und durch Aufklärung ff beseitigen Das Ausfuhrverbot für Obst habe in dem einen Aufhebung dieses Verbots wieder in einem anderen Tell der Bevölkerung Erbitterung erregt. Die plötzliche Beschlagnahme ie: dann tote ein Blitz aus heiterem Himmel eingetreten Es seien bereits solche Massen von Marmelade hergestellt, daß nach dem Urteil Sachverständiger schon rnehr vorhanden ist, als bei den KoMinmenten LlUsnahme ffnden kann. An der Maßnahme fet be- >ont>ers zu bedauern, daß sie nicht schon 14 Tage früher ber Schaf- lung der Lmidesobststelle getroffen wurde. Für Süddeutschland sei die Anordnung viel zu spat gekommen, und sie wird zur Folge ha­ben, daß große Mengen von Obst dem Verderben ausgesetzt werden Die ganze Art und Weise, wie das Kriegsernährungsamt seine An­ordnungen traf, lasse sich nicht rechtfertigen. Ter Regierung sei noch am. Samstag nichts von der Maßnahme bekannt gewesen Ne das Generalkommando am Sonntag anordnete. Redner er­

wartet von der Regierung, daß sie dem Kriegsernährungsamt deutlich und energisch von der Mißstimmung in Lassen Kenntnis geben werde.

Abg. Lang (Natl.) rechtfertigt die Maßnahmen und Ver­handlungen des Kriegsaus schufses.

.Abg. Grünewald (fr. Vp.): Was der Rhein Hesse in gewisser Entrüstung ausgesprochen liat, muß der O b e r h e s s e be- statlgen. Er habe gestern einer vorbereitenden Werbeversammlung für me Kriegsanleihe in Gießen beiaewohnt, in der mitgeteilt wurde, daß die ländliche Bevölkerung, die gegenwärtig viel Geld besitze, in höchstem Maße erbittert sei über die Maßnahmen, die fortgesetzt in wirtschaftlicher Beziehung von Berlin aus angeordnet Wer me Bevölkerung hereinbrechen. In den Dörfern hätten sich förmliche Verbände gebildet, die sich gelobt hätten, keine Kriegs- anleihe zu zeichnen wegen der fortgesetzten vexatorisch und schikanös wirkenden Anordnungen. D em Fasse sei der Boden ausgeschlagen worden durch, die Beschlagnahme der Z w e t s ch e n- und Ä e p s e l - ernte. Mitten in die reiche Ernte hinein, die der üblen Witterung wegen rasch geborgen werden muß, treffe diese Maßnahme. Während sonst benttttelte und minderbemittelte Leute ihren Winter­bedarf bei den Versteigerungen und aus den Märkten dectten, sind letzt die Versteigeruirgen abgesetzt, die Kreszenz befindet sich zum Tell bereits in Körben und Säcken, die Zwetschen Platzen an den Bäumen und faulen in den Behältern. Die Besitzer von obsttragenden! Gärten und anderen Grundstücken sind von der Maßregel nicht be­troffen, sondern eben nur die Bevölkerung, die keiner: solchen Grundbesitz ihr eigen nennt. Die Bevölkerung sei die vielfach un­sinnige Regiererei, wie sie von Berlin herkomme, müde, sie sei auch unzufrieden mit der Art, wie von Darnrstadt aus regiert werde! Im Kreise Gießen sei in anerkennenswerter Weise so­fort von der Befugrns Gebrauch geinacht worden, die Beschlagnahme wegen der Zwetschen auszuheben, das ntlüs se überall u n ti auch bezüglich der Aepsel geschehen.

Weirn wirklich die Sorge besteht, daß die Armee nicht ge­nügend mtt Marmelade versehen wirch so bin ich der letzte, bd*

picfer Sorge sich verschließt, aber ihr konnte man gerecht tverden, indem man große Quantlläten Obst ankaust otxn auch das Erträg­nis einzelner Großprodnzertten in Anspruch nahm.

Aehrilich verhalte es sich init den Kastanien und Eicheln Früher hatten viele arme Amte sich Geld verdient mtt dem- Sam­meln dieser Früchte, letzt sei dies verboten eine Organisation! laiver, eine Einrichtung von Sammelstellen fehle bis' jetzt und komme zu spät.

~ lc Richtpreise für Zwetschen und Aepsel würden als zu hoch bezeichnet und sie erführen eine weitere Erhöhung durch d:e 10 Prozent, die die Landröobststelle drauffchlägt, und die wei­teren 10 Prozent, die die Kommissionäre verdienen; so koste der Zentner Zwetschen 12 ANk. Das sei ein viel zu hoher Preis. Er 7 . ~cm Herrn von O ldenb urg-J crnn s dfxm noch, nie zu gestimmt, ffme Worte über die Klubsessel und die hohen Gehälter der berliner Funktionäre seien herzerquickend geweseii. Tie Regierung nwge die große Gefahr, die durch die neuesten Maßnahmen hervor­gerufen ln, mitvollem Ern st e berücksichtigen und Energie gegenüber der: Berliner Anordnungen zeigen.

Abg. Korell, Jngell-ettn (Fortschr. Volksp.) bespricht die Frage der Obstversorgung und verteidigt die Handliaoung der-^ selben durch d:e Obststelle, die für etwaige Mißstände nicht ver-, antwortlich gemacht werden könne. Ter tarn einem Vorredner gerügte Preiszuschlag von zirka 100/0 sei notwendig für entstehende Ausfälle. Redner wendet sich dann entschieden gegen die Beschlag­nahme des Obstes: das sei fine der bedenklichsten Maßnahmen, die von Berlin aus angeordnet wurden. Es gewönne fast den Ein­druck, als werde alles, was in Darmstadt angeordnet werde, in Berlin von vornherein mit Mißtrauen ausgenommen. In der Regelung der Obstversorgung müsse die Regierung entschieden in Schutz geiiommen werden, da sie alles getan habe, um hie falschen Maßnahmen in dieser Beziehung zu verhindern.

Ministerialrat Schliephake geht auf die Ausführungen der Vorredner näher ein, die zumeist schon im Kriegsausschuß ausführlich erörtert worden seien. Me Versorgung der Be­völkerung mit Milch sei ohne Frage in letzter Zeit' schwierigep geworden, wofür auch der Abg. Schott schon die Gründe dar­belegt habe. Zwecks Abhilfe habe in der vorigen Woche in Frank- Mrt zwischen Produzenten und den Vertretern der Städte einy Besprechung stattgesundcn; die vertraulichen Verhandlungen waren von Würde und Ernst der Sache getragen und von dem festen Willen beseelt, durch gemeinsame Zusammen arbell eine be- i^edigende Lösung zu treffen. Man war darüber einig, daß alle Mittel zur stärkeren Milchproduktion angewandt werden müß­ten; die Sammlung der Bucheneckern und Nüsse werde dafür» eine wertvolle Unterstützung sein. Weiter müßten aber auch die Städte durch Lieferung der Abfälle usw. das Ihrige tun. Ob eme Erhöhung des Milchpreises eintreten werde, könne erst ent­schieden werden, wenn die in Aussicht stehenden Grundsätze über die Milchversorgung vom Reichskanzler bekannt gegeben worden seien. Der Regierungsvertreter besprach dann die Vorwürfe und Beschwerden einzelner Redner. Der Vorwurf des Abg. v. Bren­tano, daß der praktische Landwirt nicht gehört wurde, sei schon» vom Herrn Minister zurückgewiesen worden: es vergehe kaum ein Tag, an welchem nicht mit der Landwirtschaftskammer odep prakttschen Landwirten verhandelt würde. Die Abgg. Schott, Drei- denbach und Brauer seien von der Milchversorgung zur Frage der Hausschlachtungen übergesprungen, bezüglich deren der Red­ner die verschiedenen Vorschrfften erörtert und die .Haltung dev Regierung rechtfertigt. Die Klagen über die Obstpreise habe Abg. Korell näher beleuchtet; die Beschlagnahme der Aepsel und Zwet­schen kam auch der Großh. Regierung völlig überraschend, sie hatte keine Ahnung vor: dieser Maßnahme der Generalkommandos, die vom Kriegsernährungsamt ausging und alle Bundesstaaten be­traf, so daß also Dessen keineswegs eine Ausnahme machte. Der Aufkauf für Aepsel urid Zwetschen werde aber wie bisher auch weiter erfolgen. Nach einem gestrige:: Telegramm des Krtegs- ernährungsamts werde unseren diesbezüglichen Wünschen Folge gegeben werden können. Auch er sei mtt den: Abg. Dr. Schmitt der Meinung, daß solche plötzlichen Maßnahmen besser unter­bleiben sollten. Die Redner könnten versichert sein, daß die Regierung das Kriegsernährungsamt von allen Wünschen und Sttmmungen in der Bevölkerung unterrichte und es dabei auch an der nötigen Energie und Offenheit nicht fehlen lasse.

Abg. Fenchel (Bbd.) geht auf die Zustäüde in der Milch- versorgung in Oberhessen näher ein. Die Regierung habe die berechttgten Wünsche der Landwirtschaft nicht erfüllt; man möge doch dafür Sorge tragen, daßdie Kuh nicht störrisch wird". Es sei im Interesse der Produzenten, wie der Konsumenten drin­gend notwendig, daß in Hessen auch wirklich wieder einmal regiert werde.

Abg. Eißnert (Soz.) bespricht die ungenügende Milchver- sorgung der Stadt Ofsenbach und führt Beschwerde darWer, daß der Stadt die auswärtigen Milchliefcrungen entzogen ivürden) So habe der Oberpräsident von Kassel äus einem Orte diesev

Var Schwarzbild.

Bon der Kricgskinderspendc deutscher Frauen, die von der Kronprinzessin an ihrem Geburtstage, am 20. September, im vorigen Jahre zum Besten solcher Kriegerfvauen ins Leben gerufen worden ist, die während des Krieges Mütter geworden sind, wird m der Zeit vom 20. bis 26. September eine Kriegs- c-ri r k °S e £*23° $ e veranstaltet, in der eine Anzahl vor­trefflicher von hervorragenden Künstlern ausgeführte Kriegsbildev in Schwarzdruck überall in Deutschland znm Verkauf gebracht A^den. Es war ein glücklicher Gedanke der Urheberin der Kriegsbilderwoche, sich für ihr segensreiches Werk der Mithilfe oes schwarz- oder Schattenbildes zu bedienen. Dieses ist nament­lich wahrend der letzigen Kriegszeit zu besonderer Beliebtheit ge- langt; überall in den illustrierten Zeitungen und Zeitschriften, aus Ansichtskarten, in den Buchabbildungen, im Buchschmuck usw. oegegnet man setzt vortrefflichen Schwarzbildern; eine Reihe unserer? hervorragendsten Künstler haben sich diesem neuen, richtiger ge- .agt wiedererstandenen Zweige der .Kunst zugewandt und auf usesem Gebiete Vortreffliches geleistet. Das Schwarzbild oder me Silhouette, wie man es früher mit meinem fremdländischen' Namen benannte, erfreute sich vyr der Erfindung der .Kunst des Vhotographterens :n allen Kreisen der größten Beliebtheit. Na­mentlich :n der Zett des sogen. Biedermeier spielte die Silhouette eme hervorragende Rolle. Sie war damals dem Porträt gegen­über das, was heute die Photographie im Vergleich zu dem! Porträt darstellt. In vielen Familien bewahrt man noch heute Me :n der Zett des Biedermeier gefertigten Schwarzbilder oder ^ÄMiouettLn längst verstorbener Familienangehörigen auf; solche L?'oer dienten namentlich zum Schmuck der Wohuungen als kleine Wandbilder oder aber als Schmuck der Stammbücher. Die be- swiderc Aufmerksamkeit, die gerade unsere Zeit der Küiist und der ^Mode der Biedermeierzeit zuwendet, hat auch das Interesse für 'Mese eigenartige Bildniskunst wachgerusen. Die Kimst des Sil- hcmettierens^ der Umrißzeichnung eines Gegenstandes, besonders 'des menschlichen .Kopfes, kam etwa um das Jahr 1757 in Paris . na ,^) dem damaligen französischen Finanz minister Stiemte de Silhouette, der von 1707 bis 1767 gelebt l)at, benannt. Vielfach wird behauptet, der Name e: deswegen aus den Finanz minister Silhouette bezogen worden,

weil dieser durch seine erpresserische Steuerpolitik beim französi­schen Volke besonders verhaßte Minister durch Karikaturen in Form derarttger Schattenbilder verspottet worden sei. Das ist aber nicht richttg. Der Minister Silhouette war übertrieben sparsam und geizig, und die Pariser verspotteten diese wenig an­genehmen Eigenschaften des allgewalttgen Matmes damit, daß a *l c ß' r ü>enig Geld kosten sollte, a la Silhouette nannten. Rc:t diesem Namen wurde damals auch ein billiges baumwolle­nes Zeug belegt, und noch heute nennt man in verschiedene:: Gegen­den rsrankreichs einen bestimmten bllligen Baumwollstoss silhouette. Genau so nannte^ man die neu ausgekommeue Bildnisktmst a la Silhouette, weil sie gegenüber dem Porträtteren erheblich weniger kostete. Die Daguerretypie, aus der dann die Photographie hervorgegangen ist, setzte der Kunst des Silhouettenzeichnens und Silhouettenschneidens ein Ende, aber noch heute kommt es vor/ daß :n Wirtshäusern und Kaffees ein umherziehender Künstler sich anheischig macht, für billiges Geld aus schwarzem Papier Umriß­bilder der Gäste herauszuschneiden. In der Biedermeierzeit mach- ten es sich die Sllhouettenschneider, deren Gerverbe damals sehr in Blüte stand, nicht so bequem wie die noch heute Herumziebenden Silhouettenkünstler. Sie setzten vielmehr dmjenigeu, den sie ab­konterfeien wollten, vor eine weiße Wand aus Leiwvand oder Papier und sorgten daun dafür, daß das Schattenblld der Person, che silhonetttert werden sollte, aus die Wand geworfen wicrde. Die Umrisse wurden dann aus der Wand mit Kohle nachgezeichnet und mtt Hilfe des Storchschnabels wurde hieratif das Bild aus die gewünschte Größe verkleinert, auf schwarzes Papier übertrage:: und mtt der Schere ausgeschnitten, so daß also für die naturgetreue Wiedergabe des Schattenbildes Gewähr geleistet werden konnte. Man nannte in der Biedermeierzeit die Ktttrst des SilhouetteN- schneidens auch Psaligraphie (vom griechischen Worte psalis, die Schere), dieser Name ist aber gegenwärttg wohl nur noch Weni­gen bekannt. Heute bedient nran sich übrigens vielfach der Pho­tographie, um auch Schwarzbllder herzustellen. Bei dieser ist dann dre Verkleinerung mit Hilfe des Storchschnabels natürlich übertlüssig. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts brachte der 1840 in Greifswald geborene und 1871 in Berlin verstorbene Maler Paul Konewka, ein Schwager Johannes Trv- ians, die Kunst der Schattenrißzeichnung zu besonderer künstleri­scher Entwicklung. Er hat eine Reihe ausgezeichneter Bilder dieser Art zu GoethesFauU' und zu .ShaiejpearesSommernachts­

traum" in Holzschnitten herausgegeben. Auch viele Blätter zu Bilderbüchern und zahlreiche Porträts sind von ihm ausgeschnllten und dann vervielfältigt worden. Konewka fand aber leine ihnt irgendwie gleichgeartete Nachfolge, so daß die von ihm geübte Kunst später ziemlich in Vergessenheit geriet. Erst die in den letzten Jahren ausgekommeue Vorliebe \ für den Biedermeierstil und die Biedermeiermode hat dem Schwarz- oder Schattenblld wieder zu einer besonderen Bedeutung verhelfen.

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Wie Katharina II. die Füllfeder erfand! Wir sind gewohnt, den Füllfederhalter als eine Erfindung der Neu­zeit anzusprechen, und das hat im großen und ganzen sein« Richtigkeit. Und doch schrieb etwa um das Jahr 1748 eine russische Großsürsttn, die eine deutsche Prinzessin >var, mit einem Füll­federhalter. Es war die später berühmte Kaiserin Katharina II. Man hatte ihr, um der geisttg sehr regen Frau, die nian für ge­fährlich hielt, jede Korrespondenz unmöglich zu machen, Tinte> Feder urrd^ Papier einfach lveggenommen. Eines Tages hatte ciru Gesandter ihrer Mutter, Katharina, einen Brief von dieser über­bracht, der eine schnelle Antwort erheischte. Die jirnge Groß- fürsttn zerbrach^ sich verzweifelt den Kops, woher sie die not­wendigen Utensllien zu Schreiben nehmen sollte. Hätte sie um Tinte und Feder gebeten, so hätte man sie geiviß streng exaininiert, an wen sie schreiben wolle. An die Mutter hätte man ihr auch nicht eine Zeile zu schreiben gestattet. Plötzlich kam ihr ein Gedanke. Unter dem Vorwatid, ihren Leuten lleine Geschenke machen 51t wollen, aus die sie sehr versessen waren, ließ sie sich allerhand silbernen und goldenen Tm:d von: Juivclier bringen. Nachdem sie manches unnütze Geschenk gekauft, fand sie endlich eine silberne Feder, die ihnen einen Hohlrcrum hatte. Ihrem anschlägigen Kopf kam sofort der Gedanke, daß der mit Tinte gefüllt eine artige Schreibfeder geben müsse. Aber woher die Tinte nehüren? Nun, mau war ja in Rußland; ein weiteres Geschenk an den slammer- diener, und man konnte sogar im Befehlston den köstlichen Saft von ihm erlangen. Menstbeflissen brachte er ihn. Die Feder wurde gefüllt und funktionierte. Schnell riß iathariva noch ein weißes Blatt aus einem ihrer Bücher, die man il/r gelassen, und der so sehnlichst verlangte Brief konnte geschrieben werden. So hatte der Ersindungsgeist wieder ettmtal über den finsteren Des­potismus gesiegt.