Ar. 220 Zlvettes Blatt 1 ( 66 . Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
D:e „Sietzener ZamiNenblStter" werden dem ..Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Breisdlatt für den Breis Gictzen" zweimal wöchentlich. Die ,.Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen nwnatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzriger für Gberhefjen
Dienstag, \ 9 . September M6
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Nniversitäts ^ Brich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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Auf der Hahrt zur Dobrudscha-Kront.
Telegramm unseres zum rumänischen Kriegsschauplatz entsandten Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Ein Besuch bei Hindenburg.
Gr. Hauptquartier Ost, den 14. Sept.
Es ist ja seit Dannenberg viel über Besuche bei Hindenburg geschrieben worden. Uebevall tritt er einem im Bild oder als Büste entgegen. nnd eine Vorstellungskraft ergänzt solche Darstellung, aber das Gelesene und das Bild geben doch die entscheidenden Grundzüge. Anekdotisches, das umläuft, tut das übnge. Do trägt rdbet Ernzslne sein besonderes Bild des volkstümlichsten -Soldaten nird Feldherrn dieses ^ Krieges mit sich herum, aber im ganzen und großen gleichen sie einander. Nun ich bei einen: Besuche im Großen Hauptquartier dem Manne, an dem ein gutes Teil der Hoffnungen der Nation hängt. Auge in Auge gegenübertreten durste, habe ich doch den Eindruck gehabt, daß die land- läustge Vorstellung noch immer stark ergänzungsfähig und er- gä,7zungsbedürstig ist; und zwar werden diese Ergänzungen das Bild des nuiunehrigen Chefs des Großen Generalstabes nur noch sympathischer machen. So halte ich es für angezeigt, über das Persönliche an Hindenburgs Erscheinung und Sprechweise einige Worte zu sagen, ehe ich wiedergebe, was er zu meinem hier auf der Durchreise zum südöstlichen Kriegsschauplatz anwesenden Beruss- gen offen und mir gesprochen hat. Hindenburg sieht zunächst viel jünger.und sozusagen straffer airs, als auf den Bildern, die mir von ihm bekannt sind. Die Maler pflegen, wohl um es als Symbol der Kraft zu unterstreichen, Kinn und Unterkiefer des Generalfeldmarsck>atts etwas stärker hervortreten zu lassen, als sic im Leben wirken. Das gibt dem Gesicht etwas Bärbeißiges, das in Wahrheit ganz und gar nicht vorhanden ist. Die Gestalt ist wuchtig, doch elasttsch. Was keines der Porträts und Lichtbilder des Feldmarschalls wiedergibt, ist die Ausdrucksfähigkeit des gütigen und klaren Äuges, das bei der Urrterhaltinrg langsam und höflich von einem der Hörer zum andern geht. Die Stimme .Hindenburgs ist weich, mit warmem Grundton; seine Sprechweise ist gemessen und eindringlich, ohne Pathos: seine Haltung beim Sprechen ruhig. Nur ab und zn macht die Hand eine kurze, dann aber das Wesen des Worts, das sie erläutern will, scharf kennzeichnende Geste. Dabei spricht der Generalfeldmarschall mit einer Beherrschung des Ausdrucks, die nach meinem Eindruck über das Durchschnittsmaß erheblich hinausgeht. Drei Grund- eigenschaften seines Wesens fallen sofort auf. Es sind große Schlichtheit, Klarheit und unbeirrbare Ruhe.
Es war in einem der stillen schattigen Wandelgänge eines alten Parks, als wir bei einem Rundgang durch den Bereich des Großen Hauptquartters einen höheren Offizier im Gespräch mit seinem Adjutanten uns langsam entgegenkommen sahen. Es war der Feldmarschall. Er trug Mütze, die kleidsame Litewka des 3. Garderegiments zu Fuß mit den gelben Spiegeln am .Kragen, den Pour le lMerite mit Eichenlaub und das Eiserne Kreuz beider Klassen. Er mtnsterte uns, Vlieb stehen und ließ, sich uns durch den uns führenden Offizier Vorstelten. Nach kurzer Erkundigirng, wer vor: uns aus dem Westen komme, bemerkte er, daß auch er soeben dort gewesen sei. Was von den Truppen dort verlangt werden müsse, sei nicht gering, ja hart; umsomehr nrüsse man sich freuen über die Hingebung, mit der es geleistet weide. Die Haltung der Truppen sei glänzend. Hut ab vor jedem Grenadier, nruß man da sagen! Wir körmen ohne Sorge sein.
Nicht anders, fuhr der Feldmarschall fort, steht es im Osten. Auch hier tut jeder einzelne Mann über das dem Menschen Mögliche hinaus seine Schuldigkeit. So können wir der Zukunft voll Zuversicht entgegensehen. Es steht gut von Westen nach Osten, von Norden nach Süden. Bei diesen Worten fuhr die Hand des FÄdmarfchalls in schnellem Kreuz von oben nach unten und von links nach rechts. Nochrnals: Ich bin voll Zuversicht- völlig vlme Schwierigkeiten geht es natürlich nicht ab. Das ist nun einmal so in der Welt. Aber wir müssen sie überwinden, und weil wir müssen, können wir es auch, denn man kann, was man muß. Wo ein Wollen ist, da ist auch ein Weg: es kommt nur darauf an, ihn auch einzuschlagen. Und ioas die Schwierig- keften anlangt, soll man sich immer sagen, daß, wenn einchn selbst etwas im Wege ist, das für den Gegner meist ganz ebenso gilt, oder vielmehr noch stärker. Haben wir .Verluste, so hat der Gegner erst recht welche; und sind die Wege grundlos, so daß die Truppe femn: mehr marschieren kann, so sind sie für den Gegner auch nicht, besser, und auch da werden wir sie leichter überwinden, als jener. — Wie steht es eigentlich um die Stimmung zu Hause? ging der Feldmarschall dann auf eine andere Frage über, ich bin überzeugt, sie ist nicht schlechter, als in der Armee. So wird auch hoffentlich tüchtig Anleihe gezeichnet. Daß es geschieht, ist im Interesse jedes Einzelnen. Die nötiger; Moneten können wir nicht entbehren. Es ist nun einmal nicht anders, der alte Montecuculi hat ganz recht: znm Kriegführen gehört Geld, Geld und nochmals Geld! Also soll jeder tun, was er kann. — Irgendwie kam das Gespräch abermals aus das Kapitel des Hin und Her im Krieg. Der Weg zum Siege führt in der Geschichte nicht gerade auswärts, sondern, so bemerkte der Feldmarschall, und seine Hand zeichnete schnell eine Wellenlinie mit Tälern und Höhen von links unten nach rechts, oben in die Luft. Auch das Kapitel der Ernährungssragen wurde gegen Schluß der Unterhaltung hin berührt. Auch da sind die Pläne unserer Feinde gescheitert, aber über das Schlimmste von beni, was sie uns antun konnten, sirrd wir dank der Ernte hinweg. August und September werden die schwersten Monate gewesen sein; von Oktober an, so darf man Höften, wird es wieder besser. Daß es den Leuten daheim oft schwer geworden ist, sich bei den ihnen auferlegten Beschränkungen durck)zuhelfen, kann ich mir sehr wohl vorstellen. Ich kann auch sehr wohl verstehen, wie scckch' armem Weibe zu Mute ist, das stundenlang vor den Läden herumstehen muß, unr beim Einkauf zu warten, bis die Reihe an sie kommt; und mittlerweile spielt das Kind zu Hause vielleicht mit der Streichholzschachtel. Nun, auch das geht vorüber, und alles wird gut! Leben Sie wohl, meine Herren. Der Feld- marschall reichte uns die Hand und setzte seinen Weg fort.
(Ab.). Ad. Z im m erm an n , Kriegsberichterstatter.
Megsdriefe aus dem Oste«.
Vvn unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberühterftatt« (L-tckerechttgter Nachdruck, auch anLzussweise, verboten.)
Die Schlacht bei Swiniuchy.
Kloster Zahorow bei Swiniuchy, 8. September 1916.
.Im fom großen Kamps, der im Westen 28 Divisionen gegen 30 Klm. Front arwennen läßt, der Graben und Männer, Kanonen und Kanoniere unter Eisenmassen begräbt, mag die Schlacht bei fSwiniuchy nur ein kleines Ereignis sein, klein vielleicht auch im Rahlnlen der Bewegungen, Pläne, Operationen, die an der Ostfront, von der Ostsee bis Otm Schwärzen Meer, sich einleiden, jeder Kombination fast Ralüm! lassend; aber die Begriffe ,,klein" und „groß" an sich Verlierer auch ihre relative Bedeutung, nur das ist Maßstab : sollte auf diesen Kampffeldern eine Entscheidung von
Bedeutung auf die gesäurte Front erzwungen werden, itxtt gin anderes Ziel als taktische Verbesserung der Lage an dem an- gegriftenen Frontteil dem russischen Führer für seirren Einsatz Maßgebend? Klar steht bei dieser Beurteilung die Bedeutung der dreitägigen Schlacht fest. Die Russen wollten den Durchbruch aut Wladimir-Wolynsk erzwingen, die Nord-Süd-Verbindung nach Lemberg unterbrechen, inr entscheidungsvollsn — vielleicht ent scherdungsvollsten — Zeitraum des Feldzuges die schnellen deutschen Verschiebungsmöglichkeiten unterbinden. Um dies Ziel zu erreichen, setzten sie fünf ihrer besten Divisionen ein, wandten die altert rücksichtslosen Angrisssmethoden mit großer Energie an. Daß trotz der großen Opfer, trotz der sorgfältigen Vorbereitung der Stoß auf Wladimir-Wolynsk mit einer Niederlage endete, ist das Verdienst der ausharrenden Tapferkeit und der Entschlossenhnc der Truppen der Armeegruppe Litzmann; des schnellen Zufassens der Unterführer und im entscheidenden Maße der Persönlichkeit des Führers, des Generals Litzmann. „Immer mehr bin ich überzeugt, daß dre Psychologissentscheidend im Kriege ist," sagte nrir der General. Be: einem Verbände, der sich aus deutschen Truppei: und fast allen' Truppengattungen der österreichischenngarischen Armee zusammensetzt, gründet sich in der Persönlichkeit des Führers per,Zusammenhalt der einzelnen Abteilungen zu einer festen, unerschütterlichen Armeefront.
Ter 31. August war ein strahlender, fast heißer Herbsttag. Die Hügel und Wälder von Szelmowvbis Swiniuchy glänzten in der Frühsonne. Es war in den Tagen vorher schon nicht ruhtg gewesen in den sauberen Stellungen, die sich tief in den harten) Lehmboden schnitten. Patouillen, Flicgertätigkeit, stärkere Art:ller:e Es konnte ein Angriff kommen, trotzdem die um 6 Uhr morgens einsetzende sehr starke Kmronäde etwas von der Plötzlichkeit des Gewitters an heißen Sommcrtagen hatte. Die ganzer: Stellungen von Szelwow bis über Korytnica und Pustonhtii läge:: unter schwerer Artillerie: so war die etwa 15 Klm. breite Angriftsstelle in ihrer ganzen Ausdehnung zu erkennen; die Stelle, die mit jedem Opfer durchbrochen werden sollte, war dann bald deutlicher das^Frontstuck von südlich Szelwow bis Korytnica, also noch nicht 10 Klm.
Um 8 Uhr morgens war ein Nachlasse:: des Feuers zu merken; die Russen arbeiteten sich vor, räumten die Hindernisse fort, aber der erwartete Angriff setzte nicht ein. Auf dem nördlichen Frontstück erfolgte dann gegen 11 Uhr, nach kurzer neuer Feuervorbereitung ein überraschender Angriff' von 2 Schützendivisionen, die in dichten Wellen vorgingen. Es gelingt einer Sturm kolonne, die in: Schutz einer Mulde, südlich der Höhe 235 vorgeht, trotz der schweren Verluste, die Stellung zu durchbrechen. Die angrenzenden deutschen Bataillone bilden einen Igel; die russischen Verlu,te sind schwer, die Eingedrungenen können zunächst die stelle nach Norden oder Süden nicht verbreitern. Die Honveds machen einen Gegenstoß, erobern im tapferen Anstnrn: ihre Stellung wieder, können sie aber vor den andringenden neuen russischen Manen nickt halten. Es entwickeln sich heftige Kämpfe, deutsche Reserven greisen ein, in der Nacht vom 31. August zun: 1. September :st hier in: Norden des Kampfplatzes um 3 Uhr die Lage wieder hergestellt. Ein paar hundert Gefangene werden eingebracht, die Stellung ist überall gesäubert. In dem Dreifingerwald südlich Woynin spielen sich dabei in der sternenlosen Nacht furchtbare' Handgranatenkämpfe ab, in der Wildnis, die von dem Granat- Hagel, den niedergestürzten Aesten, den umgesunkenen Bäumen fast undurchdringlich geworden ist, erhellen nur die Blitze eines hesttgen Gewitters für ?lugenblicke das Gränen des Nahkampfes.
G^en Korytnica begann die Artillerie vielleicht noch früher als im Norden zu wirken. Schon um V 2 5 Uhr schossen die Russen ein halbes Dutzend schwere Geschosst nach Swiniuchy hinein, dann folgte die sehr heftige Beschießung der Linie. Stürmisch ginge:: de: Sibirier daraus vor. Man hatte ihnen gesagt — was kann man ihnen nicht sagen! — „Nehmt diese Linie da vor euck), Und der Krieg ist aus." Für viele Tausende tvar auch Krieg imb Leid aus, sie sanken im deutschen ::itb österreichisch-ungarischen Abwehrfeuer, das ausgezeichnet zusam men arbeitete, in dichten Reihen. Nördlich und südlich der Höhe 259 gelang endlich immer neuen Sturmkolonnen gegen 1l Uhr der Durchbruch. Der kleine Erfolg wurde sofort mit ungewöhnlich großer Energie ausgebaut. Starke Kräfte, wohl über eine Brigade, drückten nach. Ein Teil der russischen Bataillone zog sich nördlich des Bug (an dem Korytiuca nrck> Swiniuchy liegen) zu einer Umfasst mg des Dreftingerwaldes herum, während starke Kräfte gleichzeitig im Süden des Bug ein- schwenkteu und dem deutschen Bataillon östlich von Bienen Hof in den Rücken kamen. Das umzingelte Bataillon schlug sich heldenhaft. Von Ergebung war nicht die Rede, die Heldenschar schlug sich durch imd erreichte trotz des rasenden russischen Sperrfeuers den Wald südwestlich Bienenhos.
Inzwischen setzten die deutschen Gegenmaßnahmen ein. ^:e Telephvnleitungen waren zerschossen, so galoppierten die Ordon nanzoffiziere nach vorn — wer sagt, daß die Technik die kühnen „Adjutantenritte" vernichtet habe? —, und die Gegen,töße setzten ein.
Ueber Korytnica waren schon stärkere russi)chen Patrouillen in Swiniuchy eingedrungen, sowohl von Norden wie von Süden sahen die Telephonisten die anrückende:: Spitzen über die Hügel kommen. Noch geben sie schnell die notwendigen Nachrichten weiter, nahmen ihre .Apparate und erreichten den Hang westlich Swiniuchy. Es stehen da vier Häuser nebeneinander in Swiniuchy, das ist -alles, >ftas feit dem russischen Rückzug im vorigen Herbst von dem Mecken geblieben ist, vier kleine Lehmhäuser. In dem Häuschen am Ansgang nach Osten hatte ein Regi:nents)tab gelegen. Man hatte eben frisches Bier auf Flaschen gezogen, die Russen ließen Telephon zellen Telephonzellen sein und tranken das deutsche Bier aus, es war der größte Schaden, den sie in Swiniuchy angerichtet haben. Um 2 Uhr litten die nach den: Zurückgehen der Russen sofort miederkehrenden Telephonisten schon alle Verbindungen wiederhergestellt.
Deutsche Jägerbataillonc gingen nun :wrdlich und sMich des Bug vor. Im Norden mochten die Russen vor dem stürmisch, ansetzenden Angriff kehrt, die Jäger komtten kaum folgen. Sie schossen in die dichten Massen hinein, steheach, von den Hügeln in die Mulden, in denen die Russen flüchteten. Tic Jäger erreichten am Abend die alten Stellungen wieder, totnttide schliefen sie in; den gewonnenen Gräben. Es gab Stellen, m denen die Russen im Erschöpfungsschlas mit der Front nach Westen lagen und ein Stück weiter die Jäger mit der Front nach Osten. Bein: Schein der Gewitterblitze sähen die Posten plötzlich ein russisches Bataillon in dichter Marschkolonne mit umgehängtem Gewehr au) den von den Jägern besetzten Grabenteit zukommen. Tie Jäger vergaßen! die schwere Müdigkeit in Augen und Gliedern. Feuer! Die Gewehre wurden heiß vom Schießen. Von dem russischen Bataillon flüchtete kaum ein Mann .in die Nacht zurück. Am nächsten Tag begrub eine Jägerkompagnie allein in: Tistelfeld 130 russische Tote.
Im Süden hatten sich die Russen in ncugeordneten Verbänden in der Linie Swiniuchy Höhe 252, also genau ii: siidöstlicher! Richtimg, entwickelt imb schickten sich an, nach Südwesten vorzugehen. als sie aus ein deutsches Reserviebataillon trafen, das mit den Jägern sofort zum Gegenangriff schritt. Ter junge Hamburger Ersatz schlug sich glänzend, so daß der Gegenstoß sehr' schnell vorwärts kam. In Korytnica waren schon russische Kolonnen, auch ein höherer russischer Stab eingctrosfen, mit knapper Mühe entgingen sie der Umklammerung, nicht aber dem gut gezielteni
Feuer, das den russischen Offiziersverlust erheblich erhöhte. Mehrere hu:ck>ert Gefangene nnrrden geinacht.
Am 1. September hielte:: die RmM nach den schweren Verlusten vom 31. August zunächst RulM im Norden konnten die Schütze::divisioneu zu keinem ernstliche:: Angriff vorgetrieb«: werden. Die Sibirier griffen dann gegen Mittag vor alle::: die Windmühlenhähe von Koryt:riea an. L>ie kamen in Brigadever- bänden vvrtvärts. Tie Jager ficßen die.dichten Massen bis auf 400 Meter herankoimnc::, dann setzten gleichzeitig die Artillerie, die Maschinengewehre und die Infanterie ein. Man schätzte an: nächsten Tage die russischen Verluste hier aus 4000 Tote, die vor den deutschen Stellungen lagen.
Tie Angriffskraft der Russen ist mit diesem Berftrch erschöpft. Wohl hämmerte nach einem Ruhetag am 3. September die russische Artillerie von Norden ansangend :uxh einmal aus die deutschen und österreichisch-ungarischen Linien, wohl kommt es südlich Szelwow, bei Woynin ltorf) zu erbitterten Nahkän-pfen, aber der Wille, um jeden Preis durchzudringen, ist in den russischen Regimentern nicht mehr vorhanden. Tie Angriffe setzten zögernd ein, die eigene russische ßlrtillerie muß in die Gräben feuern, um die Sturmkolonnen aus dem Graben zu bringen; auch Kavallerie mußte die .Zurückflutenden vorwärts peitschen. Es ist ein Tag furchtbaren Gemetzels, an peM die Russen keinen Meter Boden gewinnen. Abends unk 6 Uhr läßt die russische Artillerie, die imn:cr wieder neue Stürme vorbereitet hatte, nach.
In der Nacht knattert noch das nervöse Schießen nach einer großen Schlacht, weil sich Sanitätssoldaten, Krankenttäger aus den Vorfeldern begegnen und man die Bewegung mißdeutet. Vom 4. September an herrscht dann völlige Ruhe an der Front. Trotzdem ein eifriges Begraben angeht und wir die Raftsen nicht am Abtransport ihrer Leichen hinder::, sieht man am 6. noch dickste Kolonne::. )vie von der Sense gemäht, nebeneinander aus den, Hängen östlich Bienenhos liegen.
Wenn man von jeder Schätzung, die Bataillone und Regimenter eingereicht habe::, die niedrigsten Zahlen nimmt, kommt man.auf 17 500 russische Tote. Die Verluste an Verwundeten sind drei- bis viermal so groß. Es heißt wahrscheinlich, die Zahl viel zu niedrig begrenzen, wenn man 75000 Mann russische Verluste rechnet.
Man ist diesen Zahlen gegenüber mit Recht zurückhaltenb geworden. Ueberall gingen ja die russischen Angriffe weiter trotz der Riesenverluste. Aber auch die russische Flut, die im Svm:ner so unerschöpflich scheinbar gegen Wolhynien brandete, hat nun im Herbst die Höhe ihrer Kraft überschritten. Eine Niederlage/ wie die von Swiniuchy, inuß in dieser Zeit höchster Anspannung ihr gutes Teil zu einer weiteren günstigen Entwicklung auf deö gesamten Ostfront beitragen.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Kriegsbriefe aus dem Westen.
Telegramn: unseres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.^
Ein großer Vorstoß der Engländer.
Großes Hauptquartier, 17. Sept.
Nachdem die Engländer bisher alle größeren Unternehmungen und auch die durchweg schwer erkaustefk kleinen Erfolge in dem Danerringen an der Somme den Franzosen überlassen hatten, haben sie sich vorgestern zu einem Schlage von großem Umfange aufgerafft, vielleicht gedränigt durch die Rücksicht auf die Stimmung in Paris, wo zU den Kammerverhandlungen irgendwelche Vorteile an der Sormne präsentiert werden sollten. Mit nicht weniger als 11 Divisionen gelang deu Engländern die Erstürmung von drei ehemaligen Dörfern, die seit langem heiß umkampft dicht vor ihrer Linie lagen. Weit entfernt davon, bis nach Ba- paume durchstoßen zu köniren, welches das Ziel schon des ersten englischen Sommeoffensivtages war, wie Peronue die erste Beute der Franzosen werden sollte, lernt der mit diesem gewaltigen Lluftvande geführte Stoß schon hinter den drei überrannten Dörfern zum Stehen. Im Gegenangriff bedrängten wir die Engländernester bei Courcelette Und Fters, sowie westlich von Lxs Boenfs, wo der Feind nicht einzudringen vernkochte. Trotzdem die Engländer anscheineich diesmal die letzten der bisher unberührten Divisiorren ihrer Millionenarmee in die Schlacht gelvorfen haben, reichte ihre Kraft gestern am zweiten Tage ihres großen Vorstoßes nur noch zu Teilangriffen. Nördlich von Ovillers gewantren wir Gelände zurück. Im Nordteile von Martinpnich sirrd wir wieder eingedrnngen. Weiter südlich an der Lwnrmesrvnt geht der schwere Artilleriekarnpf mit unverminderter Wucht weiter, während sonst an der Westfront nur Patrouillen- kämpfe in Flandern und im Artois zrr melden sind, in denen der Feind r:nterlag.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Neues aus Mackensens Leben.
Inst in: Anglenblicke, wo Mackensurs Gestalt durch seine jüngsten Erfolge in der Dobrndscha erneut wieder tt: den Vordergrund tritt, erfahren wir ans einer im Verlage von Cal Curtrus in Berlin erscheinenden Schrift allerlei anziehendes Nckre aus dem! Leben des Generalfeldlnarsä-allv, dessen Mitteilung in diesem Augenblicke sicherlich von besonderen: Interesse sein wird. Die Schrift behandelt unter den: Titel „Die Mutter des Feldmarschalls von Mackensen" das Lebe:: der im Mai dieses Jahres im höchsten Greisenalter verstorbener: Mutter -des Feldmarschalls, und der Verfasser, K. Thoring, hat es verstanden, in einer durch Schlichtheit besonders fesselnden Weise dein Leser die Gestalt dieser Frau nahe zu bringen, mit der der Lebensgang und die Entwicklung des Feldmarschalls von Kindheit m: auf das Innigste verflochten war. Als Knabe schon l>atte Mackensen gwße Vorliebe für das Kriegsspiel, und lvährend er die Tm'fschnle von Dahlenbevg besuchte. wüßte er'sehr bald sich zum Führer der Dorfkinder auk Waldsahrten, soldatischen „Streifzügen" zu machen, und dem Vater wachte es großen Spaß, :ve::n Sonntags die flotte, kleine 'Armee an seinem Fenster vorbeizog, n::t Ackerkarven als Kanonen, und Augüst ganz feierlich militärisch grüßte. Geschichte wrrrde später des Knaben Lieblingsfach und das Ideal, den: cr nachftteben wollte, die Gestalt des Husarengenerals Ziethen. Kam er von der TorgUuer Schule auf Urlaub nach dem Rittergute Leipnitz, wo sein Vater Oberinspektor war, so brachte er Stunden und Stuiweu in einen: kleinen leerstehenden Arbeitshause zu, dessen Schlüssel er immer bei sich trug. Eine neugierige Berliner Base, die ein Loch in die Lehmwand des Hauses bohrte, kam schließlich hinter AuMstS Ge- heinmis, und ivar recht enttäuscht, als sie sah, daß dort Bleisoldaten und nickfts als Bleisoldaten ausgestellt waren. Der ganze Bode:: lvar ans Lehm und Sand zu einen: welligen Geläiwe gemacht, und Arttllerie und Reiterei, besonders viele, ,ehr viele Husaren, schlachtbereit ansgebaut. Soldat lvoltte er werden, Landwirt sollte er lverden nach dem Willen des Vaters. Als August die Unterprrma durckgemacht batte, ging er von der Schule ab, imd senre Stuben-


