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Erscheint lagUch mit Ausnahme deS SmmtagS.
Die ..Slchs«er FsmiUenblütter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Areirdlatt för den Areir Gießen" zweimal wöchentlich. Die „landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
vtensLag. \ 2 . September W6
Rotationsdruck und Berlag der Brühl'jchea Unwersitäts - Bilch- und Steindruckerei.
R. Lang t, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:^^51,Schrift» teitung: ^^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Aach dem Kalle Ziliftriar.
Drei Brückenköpfe sind es, die Rumänien über die Skmoeu vorgeschoben hatte, um den Stronr zn beherrschen und in der Dobrudscha festen Fuß zu fassen: Tutrakan, Si- listria und Cernavoda. 'Die ersten beiden Stützpunkte sind von den deutsch-bulgarischen Truppen in unaufhaltsamem Siegeszuge genommen. Für Cernavoda mag man nun in Bukarest, wo statt der angekündigten frohen Feste Heulen und Zährreklappern herrscht, bereits zittern. Cernavoda war ' schon während der früheren Balkankriege fcldmäßig befestigt. Schon damals dachte man daran, den rumänischen Truppen nnen überraschenden Vorstoß über die Donau nach der Dobrudscha und Bulgarien hinein zu ermöglichen oder auch ihnen — einen Rückzug aus der Dobrudscha über die Donau zu erleichtern. Nach dem Fall von Silistria sind jetzt auch wahrscheinlich die geschlagenen rumänischen Kräfte den Fluß hinab nach ^Cernavoda geflüchtet. Ein anderer Weg als diese natürliche Straße nach Norden stand ihnen wohl nicht offen. Cernavoda ist der letzte feste Donauübergang Rumäniens, über den die wichtige Bahnlinie von Bukarest nach dem .Rasenplatz Constanza führt. Fällt Cernavoda, so ist der LebrnsnnD des Landes, der zu in Meere führte, durchschnitten. Constanza ist abgetrennt, wie ein Kopf ohne Rumpfs Man darf also annehmen, daß Rumänien, von seinen russischen Freunden unterstittzt, alle Kraft zusammennehmen wird, um Cernavoda zu halten. Vielleicht wird nun auch die rumänische D o n a n f l o t t i l l e in Tätigkeit treten, um die Rettung des letzten Donaustützpunktes 31 t versuchen. Diese Donau- marine bestand Ende 1912 aus vier Monitoren und acht Beibooten; sie sollte damals mu vier Monitore und acht Pa- rrouillerrüoote verstärkt werden. Da die arglistigen Lenker der rumänischen Politik mit größter Verschwiegenheit gerüstet haben, weiß man heute wohl allgemein wenig, wie die Ver> stärkungen beschaffen sind. Wahrscheinlich hat man Torpedoboote der rumänischen Seeflotte für diesen Dienst ans der Donau hmzugczogen, so die leider von Schichau in Danzig erbauten „Vedea" und „Argosul" und die von anderen Werften gelieferten „Smcul", „Sborul" und „Naluka". Die genannten acht Patrouillenboote sind in. England gebaute Wachtschiffchen von kleinem Deplacement. Vielleicht finden die Bulgaren bei ihrem Kampfe um die Donau auch das einzige Unterseeboot Rumäniens vor, das bei Fiat in Spczzia gebaut worden sein soll und erst neuerdings, unklar auf welchem Wege, nach Rumänien gekommen ist. Auf diese kleine Binnenflotte setzt man derzeit in Bukarest die Hoffnung daß es dem Gegner nach Eroberung der Süddobrud- scha nicht gelingen werde, genügend Donauübergänge zu schassen, um ins altrumänische Land einzurücken und die Hauptstadt Bukarest zu bedrohen.
Welchen Wert diese Hoffnung Hai, werden wohl schon die nächsten Kampftage erweisen. Cernavoda liegt mit 70 Kilometer von Silostria entfernt, also nicht viel weiter vls Silistria von Dntrakcrn. Und von der bulgarischen Grenze bis zur Adirte der Stadt Bukarest sind es nur 80 Kilometer, lieber die Befestigungen Bukarests sind aus Anlaß der KriegserMnung Rumäniens allerlei Angaben gemacht worden, die sich uns frühere und längst veraltete Veröffentlichungen irr militärischen Handbüchern stützten. Man weiß nicht, welche Vorkehrungen die Regierung Bratianus getroffen Haft, «mnj diese sog. ,,.Zentralfestnng" zu smodernisieren. Die Stadt hatte zurzeit der früheren Balkankriege keine innere Ilmwallung. Ihre 5?erstel!mig in behelfsmäßiger )Ä 2 !uart, ebenso eine zweite Verteidigungslinie hinter dem Fortgnrtel war geplant. Der Umfang des Fortgürtels wird aus etwa 78 Kilometer geschätzt. Die ursprüngliche Anlage der 18 Forts stammt noch aus den siebziger Jahreil des vorigen Jahrhunderts. Doch hat man sicherlich mit zahlreichen Panzertürmeir und Panzerz-wischenbatterien nachgeholfen. dioch 1913 renommierte die rumänische Presse, die Festung habe etwa 60 Panzertürine für 12- und 15-Zentime- ter-ldanonen, über 7O Panzerlafetten für Haubitzen, eine
Dar verfilmte Bulgarien.
Uns wird geschrieben: Man sage nicht, daß es nichts Neues gibt' Man behaupte nicht, daß „alles schon einmal dagewesen ist". Das alte Wort von Ben Akiba ist doch nicht richtig.
Der Weltkrieg ist uns allerdings nicht mehr. neu. Selbst der neutralste Neutrale kann nicht bel-crupten, davon nichts zn wissen.
Aber haben Sie schon Bulgarien im Film gesehen? Haben Sie schon einen König (einen echten natürlich und keinen maskierten) und eine Königin handelnd auf der Filmlernwand gesehen? .Haben Sie schon eine politische Filmpremiere erlebt?
Ml das beherbergt Berlin, seit 2 Tagen, und wer 76 Pfg. oder gar 1 Mk. opfern will, kann ohne weitere Schwierigkeiten- o'hne Paßzwaug und ohne „5barte" oder „Bezugsschein" diese Sensation erleben... ^.
Bis aus die Premiere natürlich!... Tenn die gibt es m bekanntlich nur einmal!. .
Der Krieg hat uns — nebst zahlreichen anderen Eri chenumgen — aud) die sog. „aktuellen" Films beschert. Sie sind höchst kampstu stig und hallen sich an den spannendsten Stellen in unerforschlichen Pulverranch. Wahrscheinlich, um das Interesse zn erhöhen.* Diesmal aber liandclt es sich um einen Kriegsfilm, der echte Soldaten und echte Kanonen zeigt. Sogar ein Flugzeug und ein leibhaftiges Unterseeboot. Und auch die Aktualität läßt nichts zu wünschen übrig. Am Ddorgen nach der Kunde der Einnahme von Tutrakan kolnrte man Fn allen Plakatsäulen eine vo man tisch-verwegene Männergestalt in bunter bulgarischer Nationaltracht begrüßen. Das also ist £>m Bogdan Stimoff!..
Bogdan Stimoff gerät — dies ereignet sich nocy m imwahr- "schernlich ferner Friedenszeit vor dem Lbugust 1914 — also, Bogdan Stimroff gerät in den Verdickst, ein Verbrechen begangen zu haben. Das Unglück zwingt ihn, die bulgarische Heimat zu verlassen, Und so gelangt er nach Amerika.
Dies ist der Auftakt. Nun ober setzt die Weltgeschichte ein.
Der Krieg bricht ans. und Bogdan beschließt, sich in der Heimat neue Ehre und das alte Glück m erkämpfen. Bereits aus der Reise loird der Zentralbund bekräftigt. Tenn Bogdan kvmiiit in Begleitung eines Deutschen und eines Oesterreichers nach dem alten Europa. Er 'Kommt nickst vergeblich. Ruhmvotter Kamps. Wiederherstellung der gekränkten Ehre, Gerechtigkeit und Heldentum.
Dies ist die Handlung des Films. Sie krankt zwar nicht an maßloser Originalität, aber sie bildet den Rahmen für Filmbilder, die mit noch niemals.vorher gesehener Natürlichkeit ,und Großzügigkeit dem Kriegsleben entnonrnren sind. Die modernsten Waffen,
große Zahl von Vorschnriedepanzern für leichte Schnellfeuergeschütze und eine sehr starke Hauptreserve von über 300 Geschützen für den Fern- und Nahkampf. Mit dieser wuchtigen Panzerrüstung sei Bukarest eine der stärksten Festungen der Welt u,nd so uneinnehmbar wie Antwerpen. Der Weltkrieg hat schon in seinem Anfang über Antwerpen den Stab gebrochen. Was wird das Schicksal Bukarests sein? Das ansgeregte Volk, das jetzt in rasender Flut die Callea der Hauptstadt durchwogt, sich zu Protestverasmmlungen gegen den Krieg zusammenrottet und, wo es kann, in hellen Hausen nordwärts flieht, scheint zu seinen! rumänischen Antwerpen kein allzngroßes Vertrauen zu haben. Nach dem, was man an Tutrakan und Silistria erlebte, ist dieses Mißtrauen auch vollberechtigt. Die rumänische Kampfkraft hat die furchtbare Probe des Weltkrieges schlechter bestanden als irgend eines der kleinen Völker, die bisher unter die Räder kamen.
Die Stimmung in Rumänien.
Berlin, 12. Sept. Verschiedene Blätter geben die Meldung der Bukarester Moldewa wieder, wonach die rumänische Königsfamilie Bukarest verlassen habe.
Der „Voss. Zeitung" zufolge fänden in Rumänien viele Kundgebungen statt, um eine Einberufung des Parlaments durchzusetzen. Es scheine, daß die Kriegsgegner eine starke Propaganda zu entwickeln vermöchten.
lieber die Kampfw u t der Bulgaren heißt es im „Berl. Lokalanz.": Der Käiegskorrespondertt der „Nowoje Wremja" meldet von der Dobrndschr-Front: Die Wpt der bulgarischen Soldaten, wie sie sich! auf unsere Truppen stürzten, ist beispiellos. Bisher ist noch kein einziger Bulgare gefangen genommen worden. Es scheint, die Bulgaren lassen sich lieber zerhacken, als daß sie in unsere Hände geraten.
Urregsbrieft aus dem Osten.
Telegramm unscrcs^zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters, (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Neue Kämpfe am Unterlauf des Stochod.
> t ..,10. Sept. 1916.
Nach dem vergeblichen dreitägigen Ansturm von fünf russischen Divisionen gegen unsere Front haben die Russen jetzt am Unterlans des Stochod bei Stare-Czerwiszcze, an der Stelle, an der sich am 18. und 20. August heftige Känrpfe entwickelt hatten, von neuem angegriffen. Ihr Ziel w-ar tvohl, den Brückenkopf über den Stochod zn erweitern, auf jeden Fall durch neue örtliche Angriffe möglichst viel Truppen in Wolhynien festzuhalten. Um 7 Uhr morgens setzte die Artillerie mit schweren! 15- und 18-Zentimeter-Geschütz ein und hielt die nur etwa 1700 Meter breite Angriffsfront unter starkem Feuer, das sich bis 4 Uhr nachmittags steigerte.
Das Gelände ist zum Teil unübersichtlich. Dichtes Gestrüpp zieht sich bis zur deutschen Stellung. Durch das Gestrüpp arbeiteten sich Pie Russen, etwa zwei Divisionen, vorwärts. Nach 4 Uhr setzte dann der Jnsanterieangriff ein, er brach im Feuer der Bayern uud der Maschinengewehre zusammen. Um 5 Uhr 30 erfolgte dann ein neuer Angriff, der wie der erste in mehreren Wellen vorgetragen wurde, er wurde durch Artilleriefeuer blutig erstickt. Jetzt begann die russ. Artillerie planmäßig alle Verbindungswege hinter der Front, alle Reserveunterstände unter schweres Feuer zu nehmen, während) von 6 Uhr an die Stellung mit Gasgranaten beschossen wurde. Nach 8 Uhr folgte ein neuer Jnfanteriean- griff, der unter dem Feuer der Bayern nicht einmal bis zum Hindernis gelangte. Ein vierter Angriff in den Abendstunden gegen 10 Uhr war sichtlich über die Leichenhaufen nicht mehr vorwärts zu bekommen, er blieb im Anfänge stecken. Trotz großen Munitionsaufwandes und des für die schmale Front erheblichen Einsatzes von Infanterie, die freilich keineswegs die Stoßkraft der Kämpfe vom 18.—20. zeigte, zerbrach der neue russische Angriff in Wolhynien an der glänzenden Tapferkeit der Bayern,
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
landschaftliche Szenen von hervorragendem Reiz, Sturm bulgarischer Truppen!
Das ist der Film „Bogdan Stinwff", dar nunnrehr seine Reise durch Deutschland begonnen l>at. Es ist ein offizieller Kriegsfilm sozusagen, denn das bulgarische Königspaar hat sich selbst in den Dienst dieser Veranstaltung gestellt. Darum trug auch die Erstausführung — zum erstenmal in einem Lichtspieltheater — offiziellen Charakter. Namen der Politik. Uniformen. Der bulgarische Gesandte. TeiUsche und österreichische Offiziere.
Man jubelt den bulgarischen Soldaten zu, die da in einem Filmhaus am Berliner KursürstendamM mit blitzenden Bajonetten zum Sturm schreiten.
Fernab — viele, viele Kilometer weit, aufJxnn Balkan — stürmen währenddessen die echten bulgarischen Soldaten in der Dobrudscha.
Fernbildberichterstattung int wahrsten Sinne des Wortes. Ein Film, den jeder sehen sollte, um ans diese Weise den beteiligten bulgarischen, deutschen Und österreichischen Kriegswohltätigkeits- veranstaltungen sein Scher stein zu entrichten.
Der aktuellste aller aktuellen Films!. .. Er würde die Rumänen sicherlich interessieren. Aber die haben ja Gelegenheit, den Sturmlauf der Bulgaren nocki plastischer zu genießen. In freier Lust und ohne Eintrittsgeld.
Der. Bulgarenfilm im Hinterland heißt „Bogdan Stiinoff"! ...
Ter Bulgarenfilm an der Front heißt — Tutrakan!.. A. B.
*
— Japan führt die lateinischen Schriftzeichen ein! Wie Mer Paris gemeldet nnrd, hat Japan die seit langem erwogene Einführung der lateinischen Schristzeick>en jetzt zum endgültigen Beschlüsse erhoben. Dieser Schritt l)at fi'ir die Zukunft Japans eine kaum äbzuschätzende Bedeutung, wie einer der besten deutschen Javankenner. Ludwin Rieß., einmal ausgeführt hat. .Bisher gebrauchten die Japaner die von den Chinesen übernoMnrenen Schristzeichen, die Jdeo^aphen; es sind Begriffzeichen, die in verschiedenen Sprachen gelesen werden können, wie etwa bei den Völkern des Llbendlailoes die Zahlzeichen, die Fornreln der Chemiker und der Riathematiker international verstanden werden. Das Lesen dieser Zeichen erfolgt, ohne daß die unbewußte Uebersetznng in das aesp!'orl?cne Wort dabei die Rotte spielt, toiie bei uns. Den vielen Vorteilen der ostastatischen „Begriffsschrift" steht ein gewaltiger Nachteil gegenüber: die Anzahl der Schristzeichen ist rmgeheuer groß, weit über 40 000; auch das Erlernen der häutigere!! Schristzeichen — die Tageszeitungen kommen vielleicht mit 2000 bis 2500 aus — erfordern eine mehrjährige Arbeit. „Wäis du ererbt von deinen
Un'rversitäts-Nachrichterr.
Hk. Frankfurt a. M., 11. Septentber. Der verstorbene Frankfurter Rechtslehrer Professor Dr. jur. Georg K u t t n e r war 1877 Ku Elberfeld geboren. Früher war er lange Jahre im preußischen Justizdienst tätig, zuletzt als Landrichter in Hannover. 1909 habilitierte er sich in Leipzig. Bei der Errichtung der Universität Frankfurt (1914) wurde er Ordinarius für Zivilpro-eß- recht, Rechtsvergleichung und deutsches bürgerliches Reckst an dieser HochsckMle. Außer zahlreichen Abhandlungen über Fragen des Privatrechts und Prozeßrechts, besonders in Jherings Jahrbüchern, veröffentlichte er: „Die privatreöstlichen Nebenwitkungen der Zivil- urteile" (1908>, „Das Verhältnis des Zivilprozesses zum Erbschein- verfahren" (1908), „Urteilswitkungen außerhalb des Zivilprozesses" (1914). —
Handel.
D arm st a dt, 11. Sept. Wie die „Darmst. Ztg.* Hort, hat die Landwirtschaftliche^ Genossenschaftsbank ihre sämtlichen Kuxe der Grube ^-chnellenberg bei Siegen und der dazu gehörigen Untergeiverkschaften, die alle zu dem Konzern der Gewerkschaften Kur-Köln gehören, gegen bar verkauft, so daß die Liquidation der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank einer» weiteren erfreulichen Fortgang genommen hat.
!,«*!' Märkte.
Ließen, 12. Sept. Marktbericht. Auf dem heutigen Woch^ßinarkte kostete; Butter das Psd. 1,90 — 0,00, Hühnereier das Stück |0-00 Pfg., Käse das Stück 10—00 Pfg., Kasematte 1 Sttick 3 Pfennig, Kartoffeln das Pfund 7 Pfennig, Milch das- Liter 30 Pfg., Spinat 00 Pfg. das Pfd., Gelberüben 15—00 Pfg. das Päckchen, Rosenkohl 00 Pfg. das Pfd., rote Rüben 15—00 Pfg., Zrviebeln der Zentner 15—20 Mk., Nüsse 100 Stück 00— 00 Pfg., Blumenkohl 00—00 Pfennig, Sellerie 00-00 Pfennig das Stück, Kopfsalat 5—10 Pfg. das Stück, Kohlraben 10—15 Pfg., Römisch Kohl 15-00 Psg. das Päckchen, Lauch 0—60 Pfennig das Stück, Weißkraut 12 bis 15 Pfennig, Rotkraut 15 bis 30 Pfennig, Gurken große 00-00 Pfg., kleine 8—10 Pfg., Bohnen 30—35 Pfg. das Pfund, Zwelschen 10 Mk. der Zentner, Fallobst 5 Psg. das Pfund, Birnen 18—30 Pfg. das Pfund, Aepfel 20—25 Psg. das Pfund. — Marktzeit von 7 bis 1 Uhr.
Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen", — dieses Gebot tatst der Japaner nur befolgen, wenn er etwa sieben Jahre lernt unÄ sein Gedächitnis außerordentlich stark und dazu einseitig stn Anspruch nimnit. Bis zum 13. oder 14. Lebensjahre kann das japanische Schulkind nur lesen, was es in seinem Schulbuche dirrchge- nommen hat. Nun gibt es freilich auch eine japanische Silbenschrift, deren beide phonetisckie Splla'bare Katakana und Hiragana je 49 Zeichen umfassen: bei Tclegranrmen vertreten diese Silbenzeichen schon seit langem die Jdeographen, allein als Ersatz einer phonetischen Schrift können sie keineswegs gelten; lautet doch beispielsweise der Name unseres Dichters Schiller in der altiapamschen Umschreibung: Schiretsureru! In gewissem Sinne ist die lateinische Schrift in Japan sck)ion seit Jahren eingeführt und es gibt dort bereits Bücher und Zeitschriften, die in „omaji" gedruckt sind; allein es hat sich heransgestellt, daß beispielsweise Zeitungsauffätze, die so geschrieben sind, von Japanern, die die Schrift lesen und hören können, durchaus nicht immer verstanden werden; in einem dünnen Wörterbnche entsprechen beispielsweise dem Lautkonrplere „ko" nicht weniger als 25 verschiedene Zeichen der allerverschiedensten Bedeutung, und der Gleichklang der Wörter, der im Japanischen infolge der Verstümmelung der übernominenen chinesischen Klänge noch viel schlimmer ist, als im Chinesischen, versetzt selbst gebildete Männer, die sich über einen ihnen geläufigen Gegenstand unterhalten, lstinfig in die Notwendigkeit, auf die Fläche der linken Hand mit dem Zeigefinger der rechten ein Zeichen zu schreiben, das den Hörer auf die richtige Fährte leitet. Seit dem Jahre 1854, seitdem Japan fremden Völkern geöffnet wurde, hat Japan zu der alten chinesischen Kultur unendlich viele Errungenschaften der europäischen Kultur übernommen, und /so ist die Frage immer brennender für die Zukunft geworden, ob die alte Schrift beibehalten werden kann, ob sie als brauchbares Verkehrsmittel den Anforderungen der Gegenwärt genügen kann. Jetzt ist «die Frägc dahin entschieden, daß die Begriffs- schrift dazu nicht imstande ist. diach den vorliegenden Nachrichten läßt sich nicht genau angeben, wie die lateiitische Schrift attgeMein eingeführt werden soll. Das aber scheint klar zu sein, daß sie im Schulunterrichte an den Anfang gestettt werden muß: die Begriffsschrift muß daneben, allerdings mit großer Einschränkung, beibehalten werden und wahrscheinlich werden die lernenden Schulkinder die auf etwa 1300 zu veranschlagenden Schriftbilder erlernen müssen, die man seit Jahren als die notwendigsten erkannt bat. Hierzu werden noch die phonetischen Syllabare erlernt tverden müssen.
Berlin, 11. Sept. (WTB.) Der Berliner Komponist, Lehrer und Dirigent, Professor Friedrich Gernsheim ist lMltS nach längerer Krankl)eit gestorben. Er gehörte seit 1897 dem Senat der Königlichen Akadenrie der Künste an.


