Nr. 2 \\
Zweites Blatt
M. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deö SoantagL
Die „Sietzrner Zamilienblatter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt. das „Ureirblatt für den Kreis Sietzen'- zweimal wöchentlich. Die „LandVirtschaftlichen Sett- ftage«" erjchemen monatlich zweimal.
ietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejjen
Zrettag. 8. September X9(6
NotationSdruck und Verlag der Brühl'schea Universitats - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Dießem
bchriftleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul« ftraße 7. Geschästsst-lleu. Verlag: Schrift«
ieitung: ^SK112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Dießem
Die russische 5ommeroffenfioe W6.
I. Der Kampf um Kowel.
Erster Teil.
DchSdemGrvßenHauptquartier Ivird uns! geschrieben: Mub der in Blutströmen erstickten MLdffmswe gegen me unerschütterliche Mauer der Hindenburgarmee tastete die ruststchr Heeresleitung die Front Wecker nach Süden.ab und. !<rnd, m Wolhynien jene verhältmsmaßrg schwache Stelle, dre zum strategischen Turckvbruch geeignet schien. ow^ft
4n rcksiüä'tslosen:, ßcüte Vümschcinropstr scheuenden UngM! wurde das russische MassengÄmcht vorgedrückt. Anlang ^um durch- brachen nach starker Artrllerrevorberertmrg russische Angriffe Die österreichischen Stellungen westlich Olyka.
Durch cmergisck^s Rcachstoßen auf und über L^k, dessen Brück-ew- kopj gegen überlegenen Angriff nicht gehalten werden. konnte^ gel 62 ig^ dem Feinde, den Südflügel und dre Mitte der luj. 4. Armee über den Dtyr zu drangen, nährend der Nordflugel ausgenommen durch zunächst gerrnge deutsche Verstärkungen, dem Gegner das Nachdrängen über roierna und Styr zu verwehren
1>U1 'gtnw gegen Ende der erstell Junrwoche folgte der. Feilrd in westlicher und südwestlicher Richtung nur zögernd- uud ichrrttwepe uach. Seine Sorge galt dem österreichischen Nordflugel und den hier eingesetzten deutschen Kräften, gegen die er nunmehr mtt seinen Hauptträften nach ddordwesstn rn Rrchrirng Kowel em- schweükte. Ter wohl unerwartete Widerstand dieses durch oeutsche ^rbände verstärkten, unter deutscher Führung zusmnmengefaßten Flügels veranlagte ihn zur Borsicht und Neugrupprerung seiner
^^Selbst ein General Brnssilow lernte wohl ahnen, dag Massen- an griffe allein gegen deutsche Truppen leine siege erzwingend General von Lrnsingen, der Sieger in blutigen Karpathenkampsen, gebot mit den über Nnvel herangeführten deutschen Berstaörungen dem russischen Ansturm das erste Halt. »fr
Mitte Juni verlief die Front unserer nach dem lenken Flügel hin durch deutsche Kräfte verstärkten Verbündeten in der allgemeinen Linie: Plaszotvka—Abschnitt von Tarnawka bis zur Einmündung in derr-Styr — die Styr-Lrme bis Gegend Lrpa — das südliche L-ipauser bis Zboryszvw — dann nach Norden biegend über Gorochow—Swstninchy auf Wftomez—Stvchod-Abschnttt bis etwa nördlich Liniewöa — die Styr-Lrnie Sokul—Koltt, hur nach,
Norden uinbiegend. , . , ,, ^
Nachdem deutsche Kräfte auch südlich Kowel eingesetzt waren, begann am 16. 6. der erste Gegenstoß in drei Gruppen: :m Westen ungefähr aus der Linie Gorvchow—Lvkaszy, von Nordwest mit dem rechten Flügel längs der Turija und von Norden.
Bis MM 18. 6. führte dieser Gegenangriff bereits ermge
Kilometer vorwärts. . . ^ . ,
Nach dem Eintreffen werterer deutscher Verstärkungen wurde aM 23. 6. ein zweiter Gegenstoß eingeleitet, der südwestlich von unter deutscher Führung nach Nordostcn Wetter ern gutes
tück oordrang. _ . _ , OA c N
En: dritter Gegenstoß mixfoe wenrge Tage spater (30. 6.) iurch Blldung einer neu zusamMengesetzten Stoggruppe (unter deutscher Führung! eingeleittt. . ^ __ „ .
Strömender Regen rauschte am Bormjtttag des 30. 6. hernieder Mid verwandelte die wolhynischen Wege in grundlosen«, Morast. Stmideiilmig war Kr die Artilleri-Ävirkung jede Fern- sicht ausgeschaltet. Trotz aller Schwierigkeiten aber wird dre be- 7-errschende Höhe südlich Gübin gestürmt. Lluch ente lurks an- schließende k. u. k. Jnsanterie-Truppen-Diviswn machte gute Fortschritte mst> dringt in tapferem Angriff vor, wobei sie mehrere 'Gegenangriffe kaltblütig abweist. Weiter nördlich stürmen deutsche und österreichische Verbände das Tors Zub-Uno und eine Höhe östlich von Trysten.
Ter folgende Tag <1. 7.) tragt den Angriff werter vor. Auf 18 Kilometer Breite süid die russischen Stellungen eingebrochen. Bis 5 Kilometer Breite ist Gelände nach Osten gewonnen.
Heber mehrfache Linien russischer Gräben, hier durch dichtes versumpftes Waldgelände, dort über freie Niederungen, trotz zahlreicher Gegenangriffe russischer Infanterie, ohne Rücksicht auf mehrfache Attacken der Transamur-Reiter-Tiviswn und eurer zusammengesetzten Kavallerie-Division, wird am Abend des 2. 7. das Höhengelände um Mickcttlowka— Gubin erreicht.
In der Nacht zum 3. 7. beginnt der Russe mit dem Gegenstoß: starke Infanterie-Angriffe und nächtliche Kavallerie-Attacken letten zwei zäh durchgeführte Massenangriffe ein. Unter außergewöhnlich schweren Verlusten wird der Gegner restlos abgeschlagen.
Auch die inzwischen verstärkte Nordgruppe hatte den Angriff vorgetragen. In der Nacht Mm 3. 7. räumt der Feind fluchtartig imter schweren Verlusten eine von ihm besetzte BrückenkoPNbellung auf dem nördlichen Stochod-Ufer an der Straße Kowel—Luzb.
Ter verhältnismäßig geringe Raumgewinn dieser drei Gegenangriffe überraschte die Führung! nicht. Es war voransgesehen, dag unter den vorliegenden Verhältnissen der örtliche Erfolg dieser, Gegenstöße wohl beschränkt bleiben würde. Sie ftelen in eine! Periode gegenseitigen Kräfteausgleiches bei uns und unserem Gegner. Immerhin wurde durch diese Gegenstöße unsere seit 5. 6. gemachte Beute auf etwa 100 Maschinengewehre, 128 Offiziere imd über 19 900 Mann erhöht. Die große Bedeutung dieser mtter deutscher Führung sofort eingeleiteten dreimaligen Gegenstöße fft aber nicht nach dresen Zahlen oder dem erzielten Raumgeioinn zu bemessen. Ihr Wert liegt in ihrer rein militärischen, psychologischen imd moralischen Bedeutung:
General von Linsingen nimmt dem bisher unablässig vordrückenden Angreifer die Freiheit des Handelns, zwingt ihn zu Erwägungen und Umgrilppierungen, fesselt Kräfte, die an anderer, politisch für Rußland wichtigen Stelle eingesetzt werden sollten und veranlaßt die russische Führung zu Verschiebungen ihrer Reserven dorthin, wo sie den deuffchen Angriff befürchtet! Hinfort bemüht 'sich die russrfche Heeresleitting, durch unablässigen Antransport weiterer starker Kräfte das verlorene nrililärische Uebergewicht wieder zu erreichen.
Das Spiel des Kräfteausgleichs an zahlenmäßigen, taktischen und moralischen Werten wird fortgesetzt. Neu herangeführte Kräfte gestatten dem GeMer die Einleittrng eines starken Angriffs gegen den linken Flügel österreichischer Truppen im Styrbogen. Die hier stehenden Verbände weichen unter dem gegen die Orte Gruziatyn und Kostiuchnowka angesetzten Angriff nach Westen aus und werden hinter den Stochod zurückgenommen. In diesen Kämpfeil. zeichnete sich besonders die polnische Legion aus, die in tapferem Gegenstoß dem Feinde wichtiges Höhengelände entriß.
Einige Tage später drückt der Feind südwestlich eine in der Gegend westlich von Gubin eingesetzte k. U. k. Division zurück. Zur Ausgleichung der dadurch geschaffenen Lage wird die hier kämpfende Gruppe aus den eroberten Stellungen ein Stück zurückgenommen, ebenso die sMich anschließende Gruppe.
Gegen diese neue Front und gegen die Stochodlinie glaubt nun die russische Führung bei weiterem rücksichtsloselr Menscheneinsatz neue Erfolge erzielen und das befohlene Operatronsobj-äkt „Kowel" sicher erreichen M können. Sie verututel aus durchs einandergewürfelte Berbärlde zu stoße,:, die sie mühelos abfertigen wird, 'wenn sie nur energisch weiter vordrückt. Sie irrt sich und stößt auf gefestigte, nicht nur militärisch, sondern auch moralisch starke VerbeidcgUngslinien. die-nicht zu überrennen find. Dien weiten
Halbbogen um Luzk halten kräftige deutsche Truppen, österreich- ungarische ^Verbände und tapfere polnische Legionäre. Der ver- ineintliche Siegeslauf ist M Ende, ein neuer ATrgriff nnch eingeleitet werden. Dazu aber bedarf die ruffische Führung frischer, ausgeruhter Kräfte. Sie zögert nicht, holt diese Kräfte von allen ver- jügbaren Fronten Msammen, läßt andere polttisch wie strategische bedeutsame Ziele in den Hintergrund treten und richtet Vas Höchstmaß der Krafteirtfaltung auf Kowel. Während im Norden gegen Baranvwitschi, im Süden gegen Lemberg der strategische Durchbruch angestrebt wird, wird der auf Kvwel einfach rücksichtslos besohlen!
IN Richtung und über Kowel soll General Brussilow den Keil eintreiben, der die verbündeten Heere auseinander sprengt, die Flanken freilegt zur Ausrottung und die weitere Siegesbahn öffnet aach Westen. „Durchbruch nach Kowel — um jeden Preis" — so tjeifrt nun die Losung für Brussilows Offensive in Wolhynien,
Wie im März auf Wilna, so werden rrun, gegen Ende Juli, alle Kräfte eingestellt auf das Ziel „Kowel". Schon stehen, wie während der Frühjahrsoffensive, Kavatterieinassen bereit zur Bersolugng über Kowel nach gelungenem Durchbruch. Unerbitterlich wird dem letzten Muschik die Losung „Kowel" in den Schädel eingehämTnert.
Mitte Juli sind der ganzen rilssischen Armee beretts die Tage bekannt, an denen Kowel entscheidend anzuizreifen ist. Ter erste .Angriffstag ist für den 28. Juli, ein etwa nötcger zwetter Zeitpunkt aus den 7. August festgelegt. Am 12. August — spätestens — muß Kowel in russischer Hand sein — „um jeden Preis". Die russische Heeresleitung hat .sich — wohl aus gewissen, in ihren Umrissen erkennbaren Gründen — auf die angegebenen Zeitpunkte zur Erzwingung des strategischen Durchbruches aus Kvwel sest- gelegt.
Zwar rüttelt nun die russische Führung mächtig und mit grimmiger .Mut an der eisernen Schranke, die General pon« Lrnsingen zwischen Lnzk und Kowel geschlossen hält. Bald an dieser, bald an jener Stette drückt der Russe gegen unsere Front. Ohn« Erfolg.
Mle verfügbaren Kräfte rafft der Feind zusammen. Unsere Flieger beobachten die Massentransporte aus den nach Lnzk und Kowel führenden Bahnen. Sie begnügen sich nicht mit der Beobachtung und Meldung. Häufig stürzen sie sich auf weuige 100 Meter hinab und überfallen die Transporte sowie marschierende Kolonnen durch Bomben und wohlgezieltes Maschinengewehrfeuer.
Uriegsbriese aus dem Westen.
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. fUn berechtigt er Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Kein Weiterkommen des Feindes an der Somme.
Großes Hauptquartier, 7. Septbr. Die schweren Känrpfe nördlich und südlich der Somme dauerten auch gestern mit der gleichen Erbitterung an, doch erfüllte sich die Erwartung des Feindes nicht, seinen ungeheuren- Artillerieauffvand und ferne gewaltigen Menschenopfer durch eine Erlveitemmg des geringen Raumgewinnes der letzte:: Tage gerechtfertiat zjn sehen. Beim Delftille-Walde und bei Ginchy ruZrdlich der Somme und zwischen Barleux und Berny südlich der Somme wurden alle starken Angriffe restlos abgeschlagen. Schwere Verluste erlitten die Franzosen, welche den Engländern einen Teil von deren Sommefront haben abnehmen müssen, bei den in dichten Massen angesetzten urrd von Ofsizieren m Pferde angeführten Angriffen ans den Lettze-Wald uno in der Richtung von Coinbles. Im südlichen Kampfabschrritte haben wir den in den Park von Demcourt eingedricngenen Feind wieder hinmrsgeworfen. Bei Vernna:rdovillers und BarleNx haben wir unsere alten Stellunger: vollkonnnen wiedergewonnen. Die fenrdtiche Meldung von der Eroberung einer Anzahl deutscher Geschütze entspricht nicht den Tatsachen. Anscheinend rechnet sich der Feind einige Trümmer, die so zerschossen waren, daß ihr Mtransport nicht lohnte,
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?ls stolze Beute an. In der Sommeschlacht sind Geschütze so zahlreich wie in früheren Schlachten, kaum Mafchiiden- gewehre verwendet und wie diese bis in die vordere Linie gezogen worden. Beim Feinde wie bei uns sind daher die Trümmer solcher gänzlich zerstörten und verschütteten Geschütze in den vorderen Stellungen zahlreich verstreut. Wir Pflegen solche Ueberreste höchstens an die Alttnetallper- ivertungsabteilungen der Beutesammelstetten abzuliefern, aber nicht sie als Siegestrophäen in unseren Heeres berichten zu ermähnen.
W. Scheu er mann, Kriegsberichterstatter.
Aus Stadt und Land.
Dießen, 6. September 1916.
** Eine Milchpreiserhöhung? Für die im Wirtschaftsgebiete der Stadt Frankfurt a. M. liegenden Ortschaften steht eine Erhöhung des Milchpreffes in Aussicht, um einer drohenden Verringerung der Milck-erzeugmrg vorzubeugen. Von den Vereinigungen „Bereinigte Landwirte von Frankfurt m:d Umgegend" in Frankfurt a. M., „Verwertungsgenosjenschaft für landwirtschaftliche Erzeugnisse e. G. m. b. H." in Darmstadt, „Genossenschaft der vereinigten Attlchproduzenten in Rheinhessen lntb angrenzenden Gebieten" in Mainz, „Vereinigung der milä>prodic- z:erendeu Landwirte von Wiesbaden und Unrgegend" in Wiesbadcm und „Vereinigung hessischer Molkereien" ist in einer Einggbe an den Regierungspräsidenten in Wiesbaden auf die sich lmnver schwieriger gestaltende Milck>produktton unter Hervorhebung der Gründe hingewiesen und um Llnberaumung einer Bespreckprug mit den Verttetern der Milchproduzenten, der Landwirtschaft usw. gebeten worden. Diese Bespreche: g hat in Frankfurt a. M. statt- geftinden, wobei die gegen die Gefahr einer Milchknappheit M er- greisenden Maßnahmen besprochen und auch eine Erhöhung des Milchpreises als notwendig erachtet worden ist. Auch sind nock- andere Maßnahme!: für Anregung der Milcherzeugung erwogen und empfohlen worden. Ueber diese Fragen werden nun auch die Vertreter der im Wirtschaftsgebiete Frankfurts belegenen Städte, darunter auch Gießen, gehört werden, die zu einer Besprechung- nach Frankfurt a. M. am Dienstag, den 12. d. Mts., geladen worden sind. An dieser Besprechung werden auch Mitglieder der Landwirt- schaftskarnmer Cassel und Wiesbaden teilnehmen.
** M e h r Diakonissen! Unter dieser Ucberschrift schreibt Pastor Schlegel-Berlin in Nr. 9 der „Fürsorge": Der Ernst unserer Zeit, der heißentbrannte Kampf um den Bestand des deutschen Vaterlandes und des Deutschtums hat die Männerwelt zu den Waffen gerufen. Die Frauenwelt hat den Kampf in ihrer Weise mit aufgenoinmen. Wir ehren die Frauen, die ihre Männer, die Mütter, die ihre Söhne mit der gleichen, ernsten Begeisterung haben in den Ktteg ziehen lasse::, wie diese in den Krieg gezogent sind. Wir ehren die Frauen, die opferfteudig den Dienst in der Heimat ausgenommen haben, um die Wunden M heilen, welche der Krieg schlägt; für die Verwundeten zu sorgen, und der 9tt)t in den Familien zu wehren, denen der Ernäherer fehlt. Wir hoff«:, daß diese von heiligem Ernste getragene Begeisterung, welche Tausende bewegt, täglich die Gotteshäuser aufzusuchen und sie an den Sonntagen so yu füllen, daß in nrauchen Kirchen, ttotz der fehlenden Männer, der Raum rncht reicht, weitett>ttngt und dahut führt, daß viele Glieder der jungen Frauenwelt, Töchter unserer evangelischen Kirche, M der Erkenntnis kommen, wie köstlich es ist, im Dienste der Liebe zu stehen nrrd den Liebesdienst als Lebensberus aufzunehmen, wo es ai:ch sei, im Dia ko n i s s e n bc r u t oder in der Inneren Mfffton. Die Diakonisse nanstalten Hirn gern danach, daß die Zahl der Schwestern sich verdoppele und vettneifache, da die Kirche nach Diakonissen begehrt, und mancherlei Nöte im Volksleben nach Linderung Idrcrch Diakonissen verlangen. Die Diakonissenhäuser entsenden einen großen Teil ihrer Schwestern Mm Dienst an den verwundeten Kriegern. Nun fehlen sie vielfach in den Gemeinden. Nach dem Kriege wird's auch noch viele Not in der Heimat zu lindern geben. Wir hoffen darauf, daß die .ernste Begeisterung, die jetzt die Frauenwelt erfaßt hat, tiefe Wurzeln schlägt und viele gute Früchte zeittgt, auch die, daß viele Töchter imjerer Kirche zu dem Entschluß kommen, als Diakcmiffen im Dienste der Barmherzigkeit ihren Lebensberuf zu finden. Aufnahmebedingungen sind in jedem Diäkonissenhaus zu haben.
** Hilfe und Rat für evangelische Ausländsdeutsche in Kriegszeilen. Ter Evangelisch^ HcnttNver- ein für deutsche Ansiedler und Auswanderer in Witzen hausen ist sofott nach der Mobilmachung in Kriegszustand versetzt worden. An Stelle der sonst vorwiegenden Auswandererberatung ist jetzt seine Vermittlung für verschollene 9tt:slandsdeutsche und die Briei- vermittlung ins Ausland in den Vordergrund getreten. Mit Hilfe zahlreicher Vertrauensmänner in den neutralen Ländern hilft er allen denen, die über den Bechbleib ihrer Angehörigen im Ausland im Ungewissen sind. Wer seine Angehörigen in: Auslände zu erreichen wünscht, möge sich vertrauensvoll an die Geschäftsstelle des Vereines in Witzenhäusen wenden. 'Der unsicheren Postoerhält- nisse wegen empfiehlt es sich, gleich;ettig verschiedene Briest auf verschiedenen Wegen durch den Verein senden zu lasse::. Die Briest müssen offen und in deutscher Sprach? abgefaßt sein. Sic dürfen nichts mthalten, :vas irgendivie mißdeutet werden kann, oder; auf militärische dlngelegenheiten Bezug nimmt. N.-B.
** Bier nur gegen Brotkarte? Angesichts der Gefahr, daß den Wünschen der Bierbrauer nach erneuter Freigabe von 18 Millionen Zentnern Gerste Rechrrnng getragen wird, empfiehlt jetzt auch der Kriegsausschuß für Konsumentenüröereffen d:e genaue Prüftmg der Anregung des sanitätsrats Dr. Bonne (Bamberg, Biet nrcr gegen Brotkarte verkaufen zu lassen. Wenn man erst den Biertrinkern ihr Brotquantum beschrntte, dann tvürde ihr Durst und ebenso der Hunger des Brau kapitale nach unseren «durch Rumäniens Verrat weiter verringerten^ Gerstenmengen Nachlassen, aus denen Brot-, Mehl-, Graupen- imd Grützenreserv«: für Kranke und Gesunde, Schwer- und Leichtarlietter gewannen werden könnten.
** M a r m e l a d e m i t Salz. Durch Zusatz von Salz kann man, wie ein englischer Hygieniker nntteilt, dre: Viertel des Zuckers bei der Herstellung von JNarnstlade sparen. Jede Fruchtart benöttgt eine spezielle Verteibmg von Salz und Zucker, was im Einzelfall erst durrh. Proben lverauszufinden ist. Ter Zuckerzusatz schwankt dann zwischen drei sechzehatteln und seck-s Sechzelyrteln des Fruchtgewichts, sodaß bei diesem Verfahren dnrch-- schnittttch drei Viertel des bisher gebrauchten Zuckers erspart werden. Ter unraffinierte, braune Zucker bewährte sich bei den Versuchen am besten. Ter Fruchtgeschmack und das Aroma sotten durch den Salzzusatz besonders gut den Marmeladen bewali-rt bleiben. Die natürliche Süße der Frucht wird dadurch dem Geschmack Mgänglicher gemacht, während dabei der Salzgeschmack selbst ganz verschwindet. Der einzrge Uitterschied des Verfahrens geaen- über dem «früheren besteht darin, daß die Marmeladen sehr griindlich eir^ukochen sind.
Die Goldankaufftelle
ist morgen von bis U 1 /» Uhr geöffnet!


