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2.9.1916 Zweites Blatt
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Nr. 206

Zweites Blatt

M. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

D»eLietzener ^amtltenblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Xreisblatl für den Ureir Gietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.

General-Anzeiger für Oberhejjrn

5amstag, 2. September W6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jche-i Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:e^K^51,Schrift» Leitung: e^H2. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

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Der Marsch durch die Dobrudscha.

Der Russendurchmarsch durch die Dobrudscha ist von der Entente so oft angedroht und angekündigt worden, daß seine Verwirklichung jetzt nach dem Eintritt Rumäniens in den Krieg keine Ueberraschung mehr bietet. Rach Meldungen neutraler Blätter soll die bulgarische Festung Rustschnk das Ziel starker russischer Heeresteile sein. Es sind vielleicht jene angeblich 250000 Mann, die bereits Anfang Juni am linken Pruthnfer, bei Reni, versammelt und durch 60 000 Serben verstärkt worden sein sollen. Auch rumänische Truppen aus Silistria schließen sich, wie es heißt, deni russischen Vormarsch an, so daß, wenn die Meldungen zutreffen, eine allerdings sehr ansehnliche feindliche Hecresmacht im Anzuge ist. Man braucht fein Stratege #u tfein, um den Kriegs plan dieses Vorstoßes zu durchschauen. Es gilt, die 1913 geschaffene bul­garisch-rumänische Grenze im Süden der Dobrudscha zu zer­brechen und dann auf Sofia oder auf Konstantinopel oder, wenn man sich stark genug fühlt, auf beide Ziele loszurücken. Da die bulgarische Heeresleitung weiß, daß hier, zwischen Rustschnk und Warna, die schwächste Angriffsstelle liegt, hat sie sicherlich alles getan, um der Natur durch künstliche Be­festigung zu Hilfe zu kommen. Ein Glück, daß im Bukarester Protokoll von 1913 die Bahnlinie RustschnkWarna bul­garisch blieb und jetzt die Möglichkeit bietet, dem herant- marschierenden Feinde einen Wall von Verteidigungsmitteln cntgegenzuwerfen. Ob die Russen hier an der Dobrudscha?- grenze auch aus türkische Truppen stoßen werden, ist noch un­bekannt. Die Promptheit der türkischen Kriegserklärung an Rumänien spricht dafür, daß man gewillt ist, den Feind nrcht südlich an der türkischen Grenze zu erwarten, sondern ihm durch eine Offensive entgegenzukommen. Bulgarien und die Türkei werden also das Bild innigster Waffenbrüder­schaft bieten, das den Gegnern auch an anderen Fronten so unangenehm aufsällt. Jedenfalls dürften sich an der Do- brndschag.renze die nächsten und heftigsten Kämpfe der nach Süden gerichteten rumänisch-russischen Front abspielen und den Rumänen, die sich in Siebenbürgen große Erfolge er­hoffen, wird bald die Erkenntnis ausgehen, wie schwierig und gefährlich dieser ihr Zweifrontenkrieg ist, zumal die Bulgaren an ihrer Donaugrenze sicherlich nicht schlafen werden. Die Donau' zwischen Bulgarien und Rumänien ist ein großer, tiefer und breiter Fluß (7002200 Meter) und verhindert einen schnellen feindlichen Uebergang. Das bul garische Donanufer ist meist hoch, dominierend, und stellen­weise sind ihm sumpfige Niederungen vorgelagert. Tort aber, wo es für einen feindlichen Einfall von Norden günitig wäre, gerade an diesen Stellen wird das gegenüberliegende rumä­nische Uftr von ausgedehnten Sümpfen begleitet, so daß an dem ganzen rechten User Bulgariens eine Strecke von nur etwa 60 Kilometern übrig bleibt, wo der Feind von Norden nach Süden übersetzen könnte. Aber der Feind müßte mit Rücksicht auf die Taktik und Strategie die Stelle des lieber- gangs mit Umsicht answählcn, und dadurch verkürzt sich die günstige Strecke zum Einfall noch mehr. Gerade an den strategisch wichtigen Stellen sind die Sätdte Widin, Lom Orechowo (Rahova), Nikopol Swischtow (Sistowo) und Rust- schuk Bollwerke d^r bulgarischen Verteidigung und Ausfalls- Punkte der bulgarischen Truppenmassen, die man zum Vor­marsch nach Saloniki etwa nicht verwendet, sondern zur Be­kämpfung des rumänischen Schakals Vorbehalten hat. Das wußte man wiederum in Bukarest, und deshalb ist durchaus nicht die gesamte rumänische Streitkraft gegen Ungarn ge­richtet. Rumänien bedarf eines ziemlich bedeutenden Teiles seines Heeres zum Schutze seiner Hauptstadt, die zugleich die Zenlralfestung des Landes ist. Die Russen werden sich bei ihrem Vormarsch durch die Dobrudscha herzlich wenig um die Sicherung Bukarests kümmern. Ihnen schwebt ein ganz anderes Ziel vor Augen. Rumänien mag also zuschen, wie es seinen so gefährlich nahe an der Grenze liegenden Zentralpunkt wahrt. Bukarest wurde zwar von jeher als eine der stärksten Festungen der Welt ausposaunt, aber der Welt­krieg hat ja mit vielen Dingen, so auch mit dem FestnngÄ- nimbus aufgeräumt. Der Fortgürtel von Bukarest hat einen Umfang von 72 Kilometern, besteht aus 18 Forts mit zahl­reichen Panzertürmen und 18 Panzerzwischenbatterien. Dazu kämen 70 Panzerlafetten für Haubitzen und eine Haupt­reserve von 300 Fern- und Nahkampsgeschützen. Zweifellos eine wuchtige Rüstung, aber die Stärke Rumäniens, die sich erweisen soll, beruht nie und nimmer in seinen Festungen. Die offene Feldschlacht wird entscheiden und hoffentlich das Schicksal der verräterischen und erkauften Nation recht bald besiegeln. Was Bulgarien vermag, das hat es im Kampfe gegen Serbien gezeigt, das zeigt es in seiner Offensive gegen Sarrail. Mit Enver Paschas kampfgeübten Truppen zu­sammen wird es auch dem rumümsch-rnssischen Ansturm siegreich die Spitze bieten.

den das Entbehren des persönlichen Glücks des Umganges mit dem großen Feldherrn und Menschen mit sich bringt, stark, aber im Geiste Hindenbnrgs und Lndendorffs wird weitergearbeitet. Ein alter Mitarbeiter Hindenbnrgs, der Nachfolger Lndendorffs, sprach es mit aller Besttmmtheit aus, daß von einem durchgreifenden Erfolg der Russen, wenn sie noch einmal den Versuch der Mafsenstürme wagen sollten, nicht die Rede sein könne. Deutsche Truppen stehen überall bereit. Es kann bei einer so langen Front möglich sein, das; irgendwo ein örtlicher Einbruch einmal funcit Erfolg hatte, aber das wird denn eben ausgeglichen. Von Kap Domesnes bis zur Lemberg-Front kann man mit völliger Ruhe jedem russischen Versuch entgegensetzen, er lvird nur die russischen Opfer vergrößern. Die neue Ostfront ist festgefügt. Ans die russischen Verluste in den vergangenen Kämpfen hinweisend, sagte der Stabschef, daß wir es nicht nötig hatten, zu betonen oder zu übertreten. Die einfachen Zahlen sprächen deutlich genug. Ein Bild, etwa wie es das Vorfeld eines deutschen Grabens bei Kisielin zeige, beweise mit der Sachlichkeit der Photographie die geradezu unge­heuren Leichenhausen der russischen Stürmer. Gar nicht genug allerdings könne betont werden, wie großartig sich unsere Truppen überall unter nicht leichten Verhältnissen geschlagen hätten. Besonders auch die deutsche Armeegruppe, die die wütenden Stürme der russischen Garde erledigte. Die Lage an der Ostfront? Sie ist sicher und so, daß man jeder Entwicklung mrt großer Ruhe und Zuversicht entgegensehen könne.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Aus Stadt nnd Land.

Gießen, 2. September 1916.

Allerlei Sedanseiern.

Von den mancherlei festlichen Veranstaltungen, die anläßlich der Siegesnachricht im Jahre 1870 am 2. September vor sich gingen, ist jedenfalls eine der eigenartigsten die, welche sich in Drag vollzog. Dort lebte damals der bekannte österreichische Reichsratsabgeordnete und Publizist David Kuh, ein warmblütiger Patriot, der, obwohl durch und dura) Oesterreicher, doch ganz und gar die Bedeutung dieses geschichtlichen Ereignisses fühlte. Er ries seinen Sohn her­bei, hielt ihm die Größe des gewaltigen historischen Moments recht vor Augen, ,umd damit du," so fuhr er fort,die Bedeutung dieses Tages niemals vergissest" in diesem Aloment hatte der brave Junge eine kräftige Ohrfeige am der Backe sitzen. In den Jahren nach dem Kriege wurde der Sedantag zumeist dazu ausersehen. Sieges- und andere Denkmäler patriotischer Att zu enthüllen. So wurde 1873 am Sedantage die Siegessäule aus dem Königsplatz in Berlin in Gegenwart des Deutschen Kaisers enthüllt. Drei Jahre später wurde am gleichen Tage im Berliner Tiergatten das Denkmal Friedrich Wilhelms III. der Oessentlichkcit übergeben, und in Schmalkalden feierte man den Sedantag 1876 durch Enthüllung des Denkmals für Karl Wilhelm, den Komponisten derWacht am Rhein". In kleineren Orten, wo das Geld zu Siegesdenkmälern nicht reiche, nLirden Fricdenseichen gepflanzt. Im Jahre 1884 befmrd sich der Dichter Encil Ritters Haus am Sedantage auf der Insel Helgoland, und er dichtete dott zur Feier des Sedanfestes ein Lied,Auf Helgoland", in welchem er daran erinnert, daß Hoff- mann von Fallersleben daselbstDeutschland, Deutsclstand über alles" gesungen habe:

Er hat gepriesen deictsches Lied,

Den Wem, die deutschen Frauen.

Und was er sang, begeisternd zieht Es rings durch Deutschlands Gauen!

Heut' preist man nicht mir deutschen Wein,

Des deutschen Geistes Werke,

Nicht nur die deutschen Frauen allein Heut' gilt auch Deutschlands Stärke!"

Denn auch nicht deutlich ausgesprochen in dem Liede, so ist doch angedeutet der Wunsch, das; auch der Boden, auf dem das Lied entstanden, wieder deutsch werde, was sechs Jahre später Wirklich- kett wurde.

Rrlegsbriefe aus dem Osten.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters, (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Die Lage an der Ostfront.

Hauptquartier des Oberbefehlshabers Ost, 31. Aug.

Am 8. Au.gu.st haben die letzten ernsthaftett und schweren Angriffe der Russen gegen die gesamte wolhyniscbe Front des Generalfeldmarschaus von Hmdenburg mit völligem Mißerfolg geendet. Der 12. August, der Termin, an dem Kowel unbedingt, toie groß auch die Opfer wären, genonv- men sein sollte, verstrich, und Kowel blieb fest in deutscher .Hand. Von dem Marsch auf Lemberg »vor nicht mehr die Rede, wohl aber sah man die mächtige Figur des Feld- marschalls unter dem Jubel der deutschen und österreichi­schen und ungarischen Tvtrppen durch die Straßen von Kowel fahren. Bis ans die sich in örtlichen Grenzen halten­den Angriffe der Russen bei Rudka-Czerwiszcze herrschte seitdem Ruhe oder mix größere Patrouillentätigkeit an der Front Hindenburgs.

Der Feldmarschall und sein Stabschef sind nun vom Kaiser vom Osten von der sehr großen Ausgabe zu der größten berufen worden. An den östlichen Verhältnissen, die eine Festigkeit inzwischen ganz erreicht haben, ändert dies natürlich nichts. Im Stabe empfindet inan den Verlust,

** Die Mieß euer ig Li.

Freilichtbühne teilt uns nritD

Ms nächste Vorstellung ist beabsichtigt, GrillparzersDes

Meeres und der Liede Mellen" in Szene gehen zu laßen Die Schwierigkeiten, welche erfahrungsgemäß die Lösung eurer solch großen Ausgabe mit sich bringt, werden weder verkannt, noch unterschätzt. Llber trotzdem glaubt man diesen Wurf lvagen zu können, schon im Hinblick daraus, daß ähnlich wie im Grün - dungsjahr (1909, Kteift'sHermaiuisschlachtth sich Kräfte zur Verfügung gestellt haben, welche den Ansprüchen gerecht werden dürften. Die Spielleitung liegt in den Händen des Herrn Hell­muth, der auch die Rolle des Oberpriesters übernommen bat. Wenn ein Besuch der Vorstellung schon aus den angegebenen Gründen empfohlen lverden kann, so komntt noch ein anderer, sehr beachtenswerter hinzu: einen Kunstgenuß an und für sich bietet die dem Stücke angepaßte Szenerie, so daß auch einer, der die Waldbühne öfter besucht hat, diese kaum müderer kenw-n wird. Tempelfassade, Opsevaltüre, Felsgruppen u. dergl. m. verleihen der Bühne einen der Dichtung würdigen Hintergrund. Die Anlagen! sind nach den Plänen des Erbauers der WaLdbühne, des Herrn) Technikers Köhler, errichtet.

** Konzert. Die zahlreichen Fottcnde Hdvr Morst, die Fräulein Hertha Z ander van sich während der letztem Winter- spielzeit in unserer Stadt erworben hat, lverden mit besonderes Frende die Gelegenheit begrüßen, Fräulein Zondervan vor ihrer lieber siedlung nach Straßjbuvg, wohin sie sich für dir kommende Spielzeit verpflichtet hat, noch ermwal zu hören. Sie wirkt Sonn­tag , den 3. September, in einem Konzert in Marburg mit, nachdenv sie scl-on int April dieses Jahres mit großem, auch in unserem Blatte gewürdüftem Erfolg als Kviiz^ängerin in Mar­burg ausgetreten ist. Das Programm enthält außerdem il a. auch lvieder eine arööcre Komposition von Frau Johanna; Weichelt, z-oei Suiten für Klavier, betitelt:Tiere und Menschen". zu der die .ivomponistin durch den Besuch der Hagen-, feckschen Vorstellung angeregt worden ist. Die Erntrittspoeffe sind den Preisen der in Marburg so beliebten Volksvvrstellümgru angeglichen. Da mit Rücksicht auf die späte Mfahttszeft des Zuges die Wirtschaft der Stadtsäle bis zwei Ilhr geöffntt ist, ist der Be­such des Konzertes von Gießen leicht M bewirken. (Sieche Dtzeige.)

** Zur V erteil nngsf rage änßeru sich die Vtttteilunaeu aus dem Kriegsernährungsamt. Daß in Deutschland infolge der englischen Absperrung Mrappheft an versckiiebenen Lebensmitteln herrscht, ist bekannt. Je geringer aber die Men<v der zur Ver­fügung stehenden Lebensnrittel ist, um so bückst l gor ist es, ihre Verteilung an die Verbraucher gut -u regeln. Der Bezug soll möglichst erleichtett, die LebenSmitttt sollen möglichst rasch der Bevölkerung zugcß'thtt werden. Dazu ist vor allem nötig, daß eine genügend große Anzahl von Verteil irngs stellen lwrlwnden ist. Am einfachsten und besten wird eS sein, wenn die Glieder, die im Frieden die Vetteilung sorgten, mich in der .^Kriegswirt­schaft für diesen Dienst verweiset lmwden. Das sind bei der int-

mittelbaren an den Verbraucher: die selbständigen Klein--

Händler und die organisietten Konsumgenossenschaften. Beide sind bei der Verteilung zu benutzen, wie sie ja auch im Frichen neben­einander gearbeitet haben. Die eine oder andere Form im Krieg« von der Lebensmittelverteilung auszuschalten, ist weder zweckmäßig noch gerecht. Zu wünschen ist allerdings, daß die Kleinhändler den Kommunalverbänden ihre Heranziehung erleichtern, etwa durch einen Zusammenschluß innerhalb des Komm una (Verbundes. Das im einzelnen durchzuftthren, muß ihnen überlassen bleiben.

** Ankauf unb Versand von Eiern. Das Jnkraft- tttten der Vorschriften , der Eierverordnung über den Erlaubnis- zwang der Aufkäufer, die Teklarationspflicht beim Poswersand und die Vorlage der Ermächtigung zu diesem ist durch eine Bekannt­machung im Reichsgesetzblatt vom 1. auf 18. September hinaus­geschoben, da die zur Durchführung dieser Vorschttsten erforderli­chen Vorarbeiten in einigen Teilen des Reiches sich nicht ermög­lichen ließen und Stockungen in der Eierversorgung vermieden iver- deu müssen. Entgegen einer vielfach verbreiteten Meinung sei dar­aus hingewiesen, daß bis zum 18. September Eier ohne Deklara­tion und ohne Vorlage eines Ausweises versandt werden dürfen, josern nicht in einzelnen Bundesstaaten schon sefther etwas an­deres bestimmt ist.

** Unterbringung von Kriegs Waisen. Die Kö­nigliche Ansiedlungskommission übernimmt es, Kriegswaisen und Kinder, die den Vater im> Felde verloren haben, in ge­eigneten Familien der von ihr in Posen angesetzten Landwirte zur Erziehung und Ausbildung in landwirtschaftlichen Berufen mtter- zubringcn. Die Fürsorge der Ansiedlungsfemmission erstteckt sich auf Kinder deutscher Abstammung, evangelischen oder katholischen Bekenntnisses, die das 15. Lebensjahr noch nicht überschritten iyabcn 4 Nach den hierfür geltenden Bestimmungen müssen die Pslegoeltmn in gesicherten, wirtschaftlichen Verhältnissen leben, gut beleumun­det ^und von t'önigstreuer und gottesfürchtiger Gesinnung sein. Es wird darüber gewacht, daß das Kind stets ausreichende diahrung und Kleidung erhält und eine Lagerstätte &imt! alleinigen Gebrauch zugewiesen bekornnrt. Ferner wird das Kind zum regelmäßigen Be­such 'der Schule urrd Kirche an gehakten, und es ist strengsl-eus unter­sagt, das Kind zu Arbeiten ^eranzuziehen, die seine Kräfte über­steigen. Für jede Kriegswaise werden 2 Vormünder bestimmt, welche die Aufsicht über das Wohlergehen des Kindes zu führen haben. Tie den Kindern^ aus Kriegswaisenrenten zu fließenden Einnah­men und ihr sonstiges Vermögen hat der bestellte Vormund uir- ter Leitung des Präsidenten der Ans red lungS kommiss ion im Ein­vernehmen mit dein Vormundschaftsgericht zu verwalten. Näheres ist zu erfahren bei dem Vertrauensmann der Anftedlungsbom- mission W. Schaumburg, Kassel, Schönfelder Straße 7.

** Hessischer Schutzverein für entlassene Ge­fangene. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes für 1915/16 ist erschienen. Er verbreitet sich über den Einfluß des Krieges auf die Zahl der Pflegebefohlenen, besonders auch über die Fürsorge für de­ren Angehörigen _ und die Fürsorge für die Jugendlichen, deren sich der Verein mit besonderer Sorgfalt anzunebmen bemüht ist. Die Ver­mittelung vor: Arbeitsgelegenheit für die Pfleglinge war wesentlich erleichtett, weil der Ktteg einen empsiEichen Mangel an männ­lichen Arbeitskräften zur Folge hatte. Die VerriTigerung der Zahl der Für sorge fälle erlaubte die Zuführung von Bereinsmitteln zur Kriegsanleihe,^ deren Zinsen den Pfleglingen künsriger Jahre zu­gute kommen sollen. Der Bettcht erwähnt mit Befriedigung die Re­form des Strafrechts, die eine weitgeheTrde Rehabilitation bestrafter Personen ermöglicht, insbesoTidere durch Löschung des TLrasver- merks. An Unterstützungen wurden im Berichtsjahre 4682,83 Mk. verausgakst, wovon 942,44 Msk. auf Oberhessen entfallen; von den 112 Pfteglingen wohnten 20 in Oberhessen.

** Die Hessische Lazarettzeitu ng dir. 27 enthüll: Preisausschreiben: Des Freiherrn von Münchhausen merftvürdige Rttse nach Rußland: Die Grundsätze der öffentlichen Kriegsfür- forge: Nutzen vori Buchführung und Kalkulation für dre Hand­werker: Kursus^ für Otthopädiemechaniker: Arbeitsgemeinschaften der Kriegsbescbädigten-Fürsorge; Bücherschau: Lazarettberatung; Vom guten Willen: Rätsel-Ecke. Die Gieß euer Beilage enthält^ Tie iveltgeschickstliche Bedeutung des Balkan; Sprichwörter aus der Wetterau: Heiteres:^ Die Gießener Bücherei für Verwundete; Stellen für Kriegsbeschädigte: Vcrwundeten-Unterricht.

** Verlegung der Erntevorschätzung für Wur­zel früchte. Die in der Zeit vom 1. bis 25. September 1916 augeordnete Erntevorschätzung für Kartoffeln. Zuckerrüben, Futter­rüben, Runkelrüben, Kohlrüben «Bi^earkoblrabi und Wruken-, Wasserrüben, Herbstri'iben, Stoppelrüben (Trnnips) und Möbren (Karotten) ist nach einer beute ergangenen Bekanntmachung des Bundesrats über Ernteschätzungen erst in der Zeit vom 20 Sep- tentber bis 5_ Oktober vorzunehmen. Gleichzeitig ist eine Einte- schatzung der Hülsenfrüchte, und zwar der Erbsen, Linsen und Boh­nen, letztere getrennt rmch Eßbobnen (Stangen- und Buschbohnen) imd Ackerbobnen, vorzunebmen. Die Ernteschätzungen erfolgen durch nach der Bundesratsverordnung vom 22. Mai 1916 ernanute Sach­verständige ober Vertrauensleute. Die Ernteschätzung für Hülleu- ftüchte, die zum ersten Male anberaumt ist, soll eine llebersicht über das Ernteergebnis der Hülsenftüchte geben. Tie Verlegung der Erntevorschätzung der Wurzelfrüchte ist mit Rücksicht aus die Erntezeit der Wurzelfrüchte uud auf die gleichzeitig vorzuuehmende Nachprüfung der Erntevorschätzung des Getreides geschehen.

** Die Haltbarkeit der Kartoffeln kann nach einer Mitteilung aus GLttnerckreisen erhöht werden, wenn sie schichten­weise mit feuchtem Sand bedeckt werden. An einem ttockenen Matz sind sie in dieser Weise etwa einen halben Meter hoch aufzuschichten. Der Haufen wird dann ebenfalls mit einer Sandschickt zugeö^xfei Trockener Sarrd wird vorher mit der Gießkanne leicht angefeuchttt. Um Fäulnis zu verhüten oder die Verbreitung der Fäulnis zu verhindern, streut man Kalkstaub zwischen die Kattoffeln.

Kreis Büdingen.

'^l Ortenberg, 1. Sept. Der Pionier Wilhelm Günther wurde zum Gefreiten beforb-ett, der Reservist Robert Kauf- mjann, Kanonier bei eineni Feldartillerie-Rcgimeut im Westen, erl)ielt die Hessische Tapferkeitsmedaille, mit dem Eisernen Kreuz war er schon vor längerer Zeit ausgezeichnet uwrben: dieselbe Ühuszeichnung erhielt Reservist Holzwarth: alle drei >ltzüeger stehen seft Begimi deS Feldzuges ununterl'rochen im Feld. Der ltzesige Vorschuß- und Kreditverein beschloß zur Förderung der ftlnfteu 'sth-iegsanleibe die Einfübnmg der K r i e g S - ßparkarten und die Rtöglichkeit der Abzahlung der von den Zeichnern bei der Kasse .gezeichneten Hnleihen in beliebigen. Mständeu und Teihbettägen. Hier starb Albert Söhn ge, ein unt die hvesiigm Bereöve. die VorschißKaße uard den Hassiabezirk Ottenberg sehr verdienter Mann. 20 Jttnv war er Kvmmcncd<ntt der hiesigen Freilmlligen Feuerwehr. 15 Zxrhr>' Bezirksvorstel>er des Bvzirfes der Khn^zerkaiueradschlft 5>affia. 10 Jahre Direktor der Vorschuß- und Krrditkassc. Viele Jahre Vor'krndsuritgIre> des istreisobst- und ^iarteudautx-rnirs Bildirupm imd Obmann det Otts - gruppe Ottenberg desselben Vereins Seine öfsenttickren Mw di cu sie u«r en durch Verleihmrg des Roten 9ldlen>rdens vi^-rdn "i? und des Ritterkreirzes zweiter Masse Milftws d<^ Großnnlirmu Mn Jkchrn ansgezeiämet worden. S'imtlich' Mweine lüßeu unter mtsprcchendeil Ausprachm und AGchruftn Kiänze am Grabe n legen. Der allen Wändererrt l>ckannwMia u e r g a v t n nach den: Tode seines Besitzers. Allendorf. auf dem We' Zwangöversteigenmg in sdcn B<Zitz der hiesvlen Brzirk- - Über.