Erstes Blatt
166. Zahrgang
Nr. 225
Der (Hebräer Aszei-«
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Montag. 25. September Mö
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Neuer Angriff unserer Luftschiffe aus England.
(WTB.) Großes Hauptquartier. 23. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Front des General fcldmarschalls
Kronprinz Rupprecht von Bayern.
Nördlich der S o m m e hat die S ch l a ch t v o n n e u e m begonnen. Nach dauernder Steigerung des Arlillerre- feuers griffen die Franzosen die Linie Eombles—Rancourt an. Sie halten keinen Erfolg: ebensowenig die Engländer, die bei Conreclette vorzubrechen versuchten. — Nachträglich ist gemeldet, daß in der Nacht zum 22. September englische Teilangriffe bei dem Gehöft Mouquet und bei Eourcelettc abgeschlagen wurden. ^
Wir habssN im Lustkampf nördlich der Somme
elf feindliche Flugzeuge abgeschossen.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls P r i n z e n L e o p o l d vonBayern.
Bei Korytuica scheiterten starke russische Angriffe.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Nördlich der Karpathen keine Veränderung.
In den Karpathen flauten die Kämpfe ab. Einzelne feindliche Vorstöße blieben erfolglos.
Kriegsschauplatz in Siebenbürgen.
Beiderseits von H e r m a n n st a d t (Nagy Szeben) griffen etwa zwei rumänische Divisionen an. Sie wurden von unseren Sicheruugsavteilungen unter sehr erheblichen blutigen Verlusten angewiesen: bei Gegenstößen nahmen wir ach t Offiziere, f ü n f h u n d e r t u n d s e ch s u n d z w a n z i g Mann gefangen. Bei Szt. Janoshgy wurden tue e:gc neu Postierungen nachts zurückgenommen.
Der V u l ka n - P a ß ist v o n uns genommen und gegen feindliche Wiedcreroberungsversuche behauptet.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v o n M a ck e n s e n.
In der Dobrud sch a sind rnmänische Vorstöße in der Nähe der Donau und südwestlich von Topraisar abgeschlagen.
Mazedonische Front.
Vergebliche feindliche Angriffsvcrsuche und stellenweise lebhafte Artillerietätigkcit. Das Gelände südlich der Belasica Planina bis zmn Krufa Balkan ist vom Gegner geräumt.
Der erste Generalquartiermeister L u d e n d o r f f.
(WTB.) Großes Hauptquartier. 24. Sept. (Amtlich.)
We st licherK riegsschau platz.
Front des Generalfeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern.
Die Dauerschlacht an der So m m e ist wieder in vollem. Gange, der Artillerickampf zwischen Ancre und der Somme von selten erreichter Deftigkeit. Nächtliche feindliche Vorstöße bei CourcelcUe. Rancourt und Bonchavesnes sind mißlungen.
Front des Deutschen Kronprinzen.
Im Maas gebiet nahm die Feuertütigkeit links des Flusses und in einzelnen Abschnitten rechts desselben zu.
Auf der gastzen Front war die Fliegertätigkeit mit zahlreichen, für uns günstigen Luftkämpfen in unseren und jenseits der feindlichen Linien sehr rege. Wir haben vierundzwanzig Flugzeuge abgeschosscn, davon zwanzig an der Somme. Oberleutnant Buddecke. die Leutnants Wintgens und Hochndorf zeichneten sich besonders aus. Unser Verlust betrügt sechs Flugzeuge.
Am 22.Sevtember spät abends wurde durch Bombenwurf auf Mannheim eine Person getötet und einiger Sachschaden angerichtet. Bei mehrfachen feindlichen Fliegerangriffen auf das rückwärtige Gelände unserer Front wurden unter anderen in Lille sechs Bürger getötet und zwölf Häuser beschädigt. ...
Eines unserer Luftschiffe hat in der Nacht vom 22. September englische Militäranlagen bei B o u l o g n e angegriffen.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarsch alls Prinzen Leopold von Bayern.
Mit starken Massen griffen die Russen fünfmal zwischen Sereth und Strypa nördlich von Zborow erneut an. Bei Manajew drang der Gegner ein. Er wurde im Gegenangriff wieder geworfen und ließ ü b e r s i e b e n - hundert Gefangene und sieben Maschinengewehre in unserer Hand. Weiter südlich brachen alle Angriffe mit schweren Verlusten vor unserer Linie zusammen.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Zn den Karpathen gewannen wir zwischen der Ludowa und Baba Ludowa. sowie am Osthange der Cimbros- lawa in früheren Gefechten eingebüßte Teile unserer Stellung im Angriff zurück. Nordöstlich von Kirli Baba sind hartnäckige Kämpfe im Gange.
Kriegsschauplatz i n S i e b e n b ü r g e n.
Am Vulkan-Paß und westlich davon wurden mehrere »mmänische Angriffe abgeschlagen.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.
Der erste Generalquartiermeister Ludendorfs.
* * *
Berlin. 24. Sept. (WTB. Amtlich.) In der Nacht zum 24. Septenlber haben mehrere Marineluftschiff- g e s ch w a d e r
London
und mi l itär i sch w ichti g e Plätze am H u mb e r und in den mittleren Grafschaften Englands, dar unter Nottingham und Sheffield, ausgiebig mit Bomben belegt. Der Erfolg konnte überall in starken Bränden beobachtet werden, die noch lange nach Ablauf sichtbar waren. Die Luftschiffe wurden auf dem Anmärsche vor dem Ucberschreiten der englischen Küste von Be wachungsfehrzcugen und beim Angriff selbst von zahlreichen Abwchrbatterien außerordentlich stark mit Brand - ge sch offen unter Feuer genommen und haben einige der Batterien durch gutliegende Salven zum Schweigen gebracht. Z w e i L n f t s ch i f f - ftnd dem feindlichen Abwehrfeuer über London zum Opfer gefallen, alle übrigen unbeschädigt zurückgekehrt.
Der Ehef des Admiralstabs der Manne.
* * *
Wie seltsam sich neues Leben in der Kriegszeit gebärdet! Da draußen aus deu Fluren ein stiller Sonntag, ein schüchterner Erntetag, obwohl die Sonne mild und freundlich herniederblickt, denn die kraftvollen Männerarme fehlen, um den Segenspender Herbst lebendig und volltönend zu feiern. Es liegt wie eine Entschuldigung in der Lust, daß am Sonntage die Arbeit nicht ruht. Junges, weibliches Volk häuft die Futterernte zu Kegeln oder hockt in den Obstbäumen, um dort die Ernte herunterzuholen. Ter Menschen und Wanderer sind wenig da draußen, und in den kleinen Dörfern herrscht eine fast ängstliche Stille, und nur der blaue Rauch, der von den Schornsteinen sich langsam und beharrlich zur Sonne hinaufwindet, kündet uns, daß das Leben keineswegs erstorben, sondern daß ihm nur die Lust und Fülle genommen ist.
Aber in diese „Stille der ländlichen Flur" mengt sich doch ein ereignisreicher Tag. Von welcher Fülle der Geschehnisse sind wir draußen in der Welt umgeben! Neue Schlachten, neues, mörderisches Wüten des Krieges; wir haben wieder siegreich standgehalten gegen die Angreifer im Westen und gegen die Russen und Rumänen. Wir haben aber auch wieder die stolzesten Taten deutschen Gepräges vernommen: in der Beherrschung der Luft haben wir dem Gegner im Westen schwere Verluste durch unsere Flugzeuge beigebracht und über dem nebligen England hat eine große Flotte von Zeppelinen einen neuen, furchtbaren Siegeszug gehalten. Selbst der amtliche englische Bericht, der. früher solche Angriffe mit erkünstelter Gleichgültigkeit und Geringschätzung behandelt hat, schlägt heute einen anderen Ton an und verkündet kleinlaut, über die angerichteten Schäden könne vorläufig noch nichts Umfassendes gesagt werden. Zwei unserer braven Luftschiffe sind bei dem kühnen Zuge den Brandgeschossen der Engländer zum Opfer gefallen. Wir beklagen dies, wissen aber, daß mit solchen unvermeidlichen Verlusten doch große Fortschritte im Kriege, dem Frieden näher, gemacht werden.
Der scheinbar so stille Sonntag hat dennoch, jenseits der äußerlichen Natur, eine rege Tätigkett der Geister entfaltet. Entscheidungen sind gefallen, auch wo die Waffen sie nicht geführt haben. Die Ministerkonferenz der drei Nordstaaten hat uns ein Dokument vorgetegt, von dem wir mit einiger Befriedigung Kenntnis nehmen. Zwar vermissen wir zu unserem Bedauern energische Maßregeln gegen die zunehmende Bedrückung des neutralen .Handels, besonders gegen das skrupellose Vorgehen Englands in Sachen der norwegischen Einfuhr, aber wir müssen uns znfriedengeben danrit, daß England seine Ziele im Norden vorläufig doch noch nicht erreicht hat. Die Nordstaaten bekunden einen entschiedenen Willen zu gänzlich unparteiischer Neutralität und machen dazwischen auch Einwendungen gegen die Einschnürung ihres Handels. Ob England nach dem Muster, das es in Griechenland ausgegeben hat, nunmehr weitere Schritte zur Zwangsausübung tun wird? Wir vermuten es und sehen in zunehmender Helligkeit die ganze Gefährlichkeit und Unerbittlichkeit dieses unseres größten und widerwärtigsten Feindes. Es soll ihm nicht gelingen! Im deutschen Volke wurzelt der festeste Wille, dem anmaßenden Bedrücker der Völker mit allen Mitteln zu Leibe zu gehen. Unsere obersten Reichsstellen haben in einer Konferenz zu Berlin mit Vertretern von Handel und Industrie die Parole zu neuer, unerschütterlicher Zuversicht ansgegeben. Staatssekretär Helsferich sagte wirksame Worte über die Kriegsanleihe, und Herr v. Batocki erklärte, daß die Lage unserer Lebensmittelversorgung sich nicht verschlimmern werde. Wir bitten unsere Leser, sich in die Lektüre diesep Aussprache im einzelnen zu vertiefen, denn namentlich Herr Helsferich ist unsinnigen und schädlichen Gerüchten über die Behandlung unserer Kriegsanleihen entgegengetreten. Es war wirklich etwas Ungeheuerliches und Unerhörtes, das unzweideutige Wort und Versprechen unserer Regierung anzuzweifeln, ihr die Moral des Lügners und Betrügers anzuheften. Hoffentlich bleibt von diesen: Men Dunst nun nichts mehr übrig!
Die Ergebnisse der sozialdemokratischen Reichskonse- renz, die am Sonnabend nack) dreitägiger Beratung, wie der „Vorwärts" mit schöner Poesie berichtet, „mit Sonnen
untergang" ihr Ende erreichte, haben nicht übel mit ihre: Fackel in den Sonntag hineingeleuchtet. Eine große Mehrheit der Delegierten erklärte sich für die Entschließung Dr. David, die wir heute in ihrem Wortlaut mitteilen und in der wir die erfreuliche Tatsache finden, daß die deutsche Sozialdemokratie das Vaterland auch fernerhin in der Not nicht verlassen, seinen Verteidigungskamps wie bisher unterstützen will. Es ist ein schöner Satz in dieser sozialdemokratischen Entschließung, wie wir ihn in dieser Gefühlsart bisher in noch keiner „Vorwärts"-Nnmmer entdeckt haben: „Wir danken unseren Brüdern im Felde, die auf allen Fronten dem Ansturm feindlicher Uebermacht todesmutig standhalten." Durch die ganze Kundgebung geht außerdem die Ueberzeu- gung, daß Deutschland nicht medergernngen werden kann; also müsse es aushcrrven bis zu einem — ja, bis zu einem befriedigenden Frieden, dessen Umrisse die Sozialdemokratie sich freilich etwas anders vorsteltt als die ührrgen Parteien. Daß ein Verteidigungskrieg, wenn er siegreich Mfnhrt werde:: kann, nicht wie ein Hornberger Schießen aus geh en darf, scheint uns selbstverständlich zu sein. Im übrigen .herrscht in der Sozialdemokratie keine Einheitlichkeit, und der „Vorwärts", der sich mit einer starker: Minorität brüstet, stellt weiteren Kampf in Aussicht:
„Daß schroffste, unversöhnlichste Gegensätze vorhanden waren und durchgesochten werden müssen nicht erst in der beschaulichen historischen Rnckbetrachtnng späterer Zeiten, sondern gerade jetzt, im Augenblick wichtigster weltgeschichtlicher Entscheidungen' — muß mit äußerster Entschiedenheit und Unzweideutigkeit ausgesprochen werden. Jedes Referat, jede Diskussionsrede strotzte von solchen sachlichen Differenzen, von Gegensätzen mcht nur sogenannter TakUk, sorwern von unverembaren Gegensätze:: der Weltanschauung." ^
Das ehemalige Zentralorgan gründet d:e Hoffnung ans den Sieg seiner Anschauungen auf einem regelrechten Parteitag, an dem erst die Stimme des Proletariats erschallen werde. Vielleicht täuscht es sich. Denn die Kämpfer von draußen, denen wir heute für ihr Durchhallen danken, werden seit 1914 viel hinzugelernt haben.
* * *
Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.
Wien, 23. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 23. September 1916.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front gegen Rumänien.
Der Vulkan-Paß ist vom Feinde gesästbert. Bei Nagy Szeben (Hermannstadt) wurde der Angriff zweier rumänischer Divisionen abgeschlagen; es blieben drei Offiziere und 526 Mann in unserer Hand. Südlich von Holczmany (Holzengmen) drückte der Gegner unsere Sicherheitstruppen etwas zurück.
Hecresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
An der Dreilünder-Ecke südlich von Dorna Watra warfen wir russische Abteilungen durch Gegenstoß. Sonst wurde nur südwestlich des Gestüts Luczina und mt Ludowka- Gebiet stärker gekämpft.
HeeresfrontdesGeneralfeldmarschalls
Prinzen Leopold vonBayern.
Aus dem Bereich des Generalobersten von Böhm- Ermolli ist nachträglich gemeldet, daß am 19. September ein österreichisch-ungarischer Kampfflieger zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen hat. , ~
Bei der Armee des Generalobersten von Tersztyansky ruhte — vom Geschützfeuer abgesehen — seit gestern vormittag der Kampf.
11 a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.
Auf der Karst hach fläche wurden mehrere Annäherungsversuche des Gegners abqewiesen. An der Dolomitenfront scheiterte ein feindlicher Nachtangriff auf unsere Stellungen am Dange des Monte Sief.
Nördlich Arsiero svrengten unsere Truppen heule früh den am 24. Juli von den Italienern besetzten Gipfel des Monte (Simone in die Luft und nahmen dabei 13 Offiziere, 378 Mann gefangen. , t . .
Ein Geschwader feindlicher Sceftugzeuge warf be: der Punla Salvore (südwestlich Pirano) wirkungslos Bomben ab.
S ü d ö st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Bei den k. und k. Truppen nichts von Belang.
Der Stellvertreter des EhesS des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
W i e n, 24. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 24. September 1916.
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Front gegen Rumänien.
Im Bereiche des Vulkan-Passes wurden ruma- nische Vorstöße abgeschlagen. Bei Nagy Szeben (Hernumn- stadt) und an der siebenbürgischen Ostftont nichts von Be-
^'.He er es front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Oestlich und rundlich von K i r l i B a b a setzte der Feind seine Angriffe hartnäckig fort. Oestlich der genannten Stadt wurden seine Massen nach geringen Ansangsersolgen zum Stehen gebracht und weitere Vorstöße abgcw'.esen. ^ndwest-. lich des Gestüts Luczina brach auch gestern ein uarter russischer Ansturm, der siebente in den letzten Tagen, vor der Front der Budipestcr Honvcd zusammen. Im Gebiete der Ludowa wurden dem Feinde die von ihm in den jüngsten Gefechten errungenen Vorteile wieder entrissen.


