Ausgabe 
15.9.1916 Erstes Blatt
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Die Bcsreiuug der von rurnänischen Truppen entführten Millgaren, sowie die exemplarische Bestrafung der Urheber 'der' gemeldeten Greuel zn erlangen.

^osia, 11. S.ept. (WTB. Nichtamtlich., Meldung der Bulgarischen Telegraphen Agentu.r. Sämtliche Vertreter der Neutralen in S-ofia erhielten eine Einladung zwecks Teilnahme an einer internationalen Untersuchung der rumänischen Greueltaten.

Ein Armeebefehl

de» bulgarischen Oberkomandiereudeu Jekow.

Z^osia, 7. Sept. Verspätet eingetroffen. Meldung der bul­garischen Telegraphenagentnr. Der Al'rweebefehl, den Gene­ral Iekow anläßlich der Eröffnung der Feindseligkeiten z-wi scheu Rumänien und Bulgarien erlassen hat, besagt:

Ilm die durch den verhaßten Vertrag von Bukarest mit Füßen getretene Gerechtigkeit wieder herzustellen, waren loir gezwungen, wiederum zu den Waffen zu greifen und nach erbittertem Kampfe sowie um den Preis kostbarer Opfer Mazedonien von seinen ser­bischen Unterdrückern ait befreien. In der Absickst, uns unser schö­nes Mazedonien zu rauben, es aus dein Verbände unseres gemem-« Hamen Vaterlandes zu reißen und es in tiefste Knechtschaft zu werfen^ sammelten unsere Gegner in Saloniki eine bunt znsamwcn- ger»ürfelte At^meo, mit der sie uns au^ugreifen versuchten. Wer alle ihre (Versuche scheiterten und ihre läinmerlichen Bemühungen zerschellten ander Granitmauer der heldenmüttgen Verteidiger un­seres nationalen Besitzes und der Tag ist nicht fern, ivv unserer Feinde im Süden urerden zerschmettert werden.

Nun aber erlwb der tückische und unwürdige Feind jenseitss der Donau, welck^er unsere unscksttzbare Dvbrudscha knechtete und beschmutzte, sein Haupt gleich einer schleichenden Schlange, dig Seele erfüllt oon sckMNtzigem Neid und vhmnäckstigenr Haß. Um die Verwirklichung des nationalen Werkes Unserer Bvlksembett zu vermindern, ohne von uns irgendwie herausgefordert worden zu. sein, eröffnete er das Feuer aus unsere Donaustädte, tötete Frauen und Kinderl in nd unternahm feige Angriffe gegen unsere Grenz­posten. Offiziere, Miteroffffziere und Soldaten! Ein herrliches und beneidenswertes Los ist euch zugefallen: Die geschädigte Ehre Bulgari ens zu rächen und unsere schöne Dobrndscha, unser ange- iLmenttes Land, den Ursitz unserer Väter, von seinem Martyrium zu befreien.

Unterstützt durch die Armee unserer Verbündeten seid ihr stark genug, um die feigen Feinde zu züchtigen uitd diesen Elenden Nr Zeisen, daß der Bulgare gegen diejenigen grausam sein kann, welche seine heimatliche Erde entweihen und daß eure Arme nicht erlahmen und eure Bajonette nicht stumpf weiden voit der voll­ständigen Vernichtung des Feindes. Kein Mitleid, keinen Pardon für diese Feiglinge.

Da» neue griechische Kabinett.

Athen, 14. Sept. (WTB.) Meldung der Agence Havas. Der König ließ Dimitrakopulos fragen, ob er die Kabinettsbildung übernehme. Dinritrakopulo-s hat grund­sätzlich angenommen. Er wird wahrscheinlich heute vom König empfangen. Nachdem er sich mit dem König ins Ein­vernehmen gesetzt hat, wird er seine Wsichten den Gesandten der Entente auseinandersetzen und dann endgültig ant­worten.

Bern, 14. Sept. (WTB. Nichtamtlich.)Temps" schreibt mit einem gewissen Mißtrauen vom griechischen Kabi­nettswechsel, der König denke anscheinend an ein Kabinett ehe­maliger Venizelisten, die aber aus Ehrgeiz und Machtsucht Rivalen und Gegner Venizelos geworden seien. (In diesem Zusammenhänge nenntTemps" an anderer Stelle Dimi- stralopulos.) Ern solches Ministerium würde sich zwar auf Sympathien für die Entente berufen, aber dennoch die Partei des Hofes ergreifen. An eine Berufung Venizelos' habe aber der König anscheinend nicht gedacht.

Zu derselben Frage sagtPetit Parisien" ganz offen, Dimitrakopulos habe in den letzten Jahren sehr scharf gegen Venizelos Stellung genommen, daß man seine Berufung nur schwer gutheißen könne.

B e r l i 7i, 15. Sept. Die Salonikier Depeschen der Pa­riser Presse über die Vorgänge in Kawala wurden laut Lokal-Anzeiger" von der Pariser Zensur arg zugestntzt.

Berlin, 15. Sept. Von den 21 Klöstern am BergeAthos hielten am 13. September 19 griechische Ieinen feierlichen Go ttesdienft zur Erhalt ung des -Friedens für Griechenland ab. Die Kunde von die­ser Feierlichkeit har nach der Deutschen Tageszeitung in ganz Griechenland tiefen Eindruck hervorgerufen.

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Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 14. Sept. /WTB.) Verspätet einge- tvosfen. __

Amtlicher türkischer Bericht vom 9. September.

Im Euphrat-Abschnitt wurde ein lleberrumpelungs- ' verbuch des Feindes vokeitÄt und der Gegner r«r Flucht gezwnn- gen. Kn Tstgris-Abschnitt unternichmen wir fort­dauernd mit Erfolg größere Gefechte und Airfrlärungsvorstöße' unserer Patrouillen.

Kaukasus-Front: Eine liebe rrmnpelung, die der Feind in der Nacht vorn 8. auf den 9. September gegen unsere Stel­lungen unternahm, wurde durch unseren Gegenangriff vollständig mit schwersten Verlusten für die Russen -urückge- . wiesen. Allein beim Sturm gegen eine Höhe verlor der Feind *0000 Mann. Auf dem linken Flügel nahmen wir die feindlichen -Artilleriestellungen unter heftiges Feuer.

Bon den übrigen Fronten ist kein Ereignis zu melden.

Nach den jüngsten Meldungen haben unsere Truppen mit ^Unterstützung der deutschen und bulgarischen Truppen in der nördlichen Dpbrudscha zahlreiche ziemlich starke russische und rumänische Truppenabteilungen zurückgeschlagen.

Der Stellvertretende Oberbefehlshaber.

Au» dem ungarischen Abgeordnetenhaus.

Budapest, 14. Sept. (WTB.) Abgeordnetenhaus. Im wei- Ucren Verlaufe seiner Rede kündigte Gras Apponyi an, daß er die militärische Leitung, die außenpolitische Füllung und die Er­nährungsfragen behandeln wolle. Der Redner besprach daun em- i^eherrd die militärischen Vorgänge beim Durchbruch von Luck und bei Okna, wodurch die militärische Lage an der Ostfront, wie der Redner hoffe, nur vorübergehend verändert wor­den sei Diese Tinge hätten die im Feldzüge erngatretene Aende- ruug herbeigeführt. Es sei natürlich unerläßlich, daß in der obersten Heeresleitung ein Wechsel «üntvete, der frei den Truppen und bei der Bevölkerung das starke Vertrauen wick mach Gorlioe wieder erwecke. Auch in der Kriegssührung der Vier- verbandsniächte seien große und schwere Fehler begangen wor­den, die für die Mittelmächte.äußerst günstige Folgen gehabt hätten, .lgber bei jedem vorgekommeneu Fehler seien persönliche Garan­tien gegeben worden, daß er sich nicht wiederhole. Es sei eine be- ,echtigte Forderung, daß auch in Oesterreich-Ungarn solche Ga­rantien geboten werden. Der Ministerpräsidstt müsse für die : Verwirklichung dieser Forderung das Gewicht seiner Macht in die '»Wagschale werfen.

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Eine Futtermittelkrise in Frankreich.

Bern, 14. Sept (WTB.) DerMatin" meldet: An 1 ganz Südfra n krei'ch herrscht wegen der Beschlag­nahme der Futtermittel sehr lebhafte Besorgnis. Viele Gemeinderäte erklären, sollten die Bauern wegen des F u t t erm i t t el m a n g e ls aus ihren Viehbestand, der bereits auf das Unentbehrlichste eingeschränkt worden sei, verzichten inussen, würde die landwirtschaftliche Produktion jüt ganz Frankreich eine mißliche Mrrrngerung erjcchren.

Wegen der Futternrittelkrrfv, die immer schroffer wird, haben bereits 15 Gemeinderäte ihre Aemter niSdergelegt.

Das Geheimnis ver englischen Hafensperre.

Berlin, 15. Seht. Das Geheimnis der englischen Hafcn - sperre wird in Berichten verschiedener Blätter auf einen unge­wöhnlich starken Verkehr von Schiffen zurückge sühnt, der zwischen den nordsranzösischen und den südeuglffchen Häfen stattchrde. Es werde angenommen, daß die vielen Schisse mjit der Besörde!-, rung vonVerwilndeten und Toten von der nordfranzö­sischen Front nach England beschäftigt seien.

England und die deutschen Tauchboote.

Stockholm, 14. Sept. (WTB.) Der Londoner Korrespondent vo-nStockholms Tidningen" berichtet über ein Interview, das ihm der englische Unterstaalssekcelär de Bu n s e n gewährt l)at. Bunsen zeigte dem Korrespondenten ein noch nickst veröffentlichtes -Akten- stück, ein Memorandum, über die Bestimmungen für Tauchboote in neutralenHäfen, das die Negierungen der Alliierten vor kurzem den Regierungen der Neutralen zu gestellt hab en. Das Me­morandum bezweckt, die Neutralen dazu zu ermahnen, wirkungs­volle Maßregeln zu treffen, um die Tauchboote der Kriegführenden, in welcher Eigenschaft sie auch auftreten, daran zu hindern, neu­trale Gewässer zu befahren und sich neutraler Häfen zu bedienen. Es wird vorgeschlagen, die Tauchboote sollen von den völkerrechtlichen Bestimmungen, die bisher für den Zutritt und den Aufenthalt von Kriegsschiffen und Handelssckstsfen in neutralen Ge- wäffern und Häfen galten, ausgeschlossen sein. Jedes Tauchboot eines kriegführenden Landes, das in einemi neutralen Hasen eiir- gedrungen ist, soll dort z u r ü ck b e h a l t e n werden. Die Regie­rungen der Alliierten sprechen von der ernsten Gefahr, die angeblich für die neutralen Tauckstwote in den t^ÄMfern entstehe, die von den Tauchbooten der Kiiegftthrenden besucht werden. Der Korre­spondent bemerkt, daß diese Vorschläge alle auf die Fahrt des Handels-UnterseebootesDeutschland" zurückgehen dürften. Bekanntlich hat die schwMsckie Regierung bereits den krieg- führenden Tauchbooten das Befahren der s«hwedischen ^Wässer ver­boten, betonte aber, daß dies Verbot nur für solche Tauckstwotc gelte, die zu Kriegszwecken dienten, nicht aber für Handels-Unterseeboote.

N e w jO o x k. 8. Sept. (Funkspruch vom Vertreter des WTB.) Evening World^ sagt in einem Leitartikel Über die Untersee-Han- delsboote: Die amerikanische Regierung wird wahesä)ein- lich nicht vmr ihrem festest und vernünftigen Standprrnkt abweichen. E i n F r a ch t b o o t i st e i n F r a ch t b o o t, ob es über oder upter Wasser fährt. Gwßbritannian kann kaum erwarten, daß Amerika den rechtmäßigen .Handel von seinen Küsten wegtreibt, nur um die britischen Nerven zu schonen.

Der ZeeMeg.

Kristiania, 14. iSept.^ (WTB.) Meldung des Svenska Telegmmbyran. Das Vizekmisnlat in Falmouth telegraphiert am 12. September an das Ministerium dos Aeußeru, daß der Dampfer Kong Ring" aus Kristtania, nach Glasgow unterwegs, von einem deutschen Tauckchoot V ers e nkt wurde. Die Besatzung wurde in Falrnouth gelandet. Der Konsul in Bordeaux drahtet an die Reederei Oscar Hitten in Tomsburg, daß der DampferL o d s e n" am >son7ttag abend 72 Seemeilen südwestlich von Landsend ver­senkt ivurdc. Die Mannschaft wurde am Montag vormittag in Paull (?) gelandet. Die norwvgiick)e Kriegsversicherung erleidet durch die igestern und heute geineloeten Versenkungen von sieben Dampfern einen Verlust von 93/ 4 Millionen Kwnen.

Bern, 14. Sept. (WTB.) DasPetit Journal" meldet aus FSkamp, daß der DreimasterEurope" am Sonntag von einem deutschen Tauchboot versenkt wurde. Die Be­satzung ist gerettet worden.

Aus dem Reiche.

BundesratSbcfchküsse in Ernährungsfragen.

Berlin, 14. Sept. (WTB. Nickstamtlich.) Der Bundes- rat hat in seiner heutigen Sitzung eine Verordnung betreffend Saatkartioffeln erlaffen, die verschreibt, das die Ausfuhr von Saatkartoffeln einer Genehmigicug des Kommunalverbandes bedarf, aus dem die Kartoffeln ausgeführt werden sollen. Ferner sind die Bestimmunaen der Bekanntmackiung über die Fesffei'.una der Höchstpreise für Kartoffeln vom 13. Juli 1916 bis 16. Mai 1917 für Saatkartoffeln außer Ansatz gelassen. Das Ausffrhren von Saatkartoffeln ohne Genehnrigung des Komwunalverbandes fft unter Strafe gestellt.

Der Bundesrat hat ferner eine Verordnung über Buch­weizen und Hirse erlassen, die die gleichnamige Verordnung vom 29. Juni 1916 (Reichsgesetzbl. Seite 625) in einigen Punckteu ergänzt.^ Nach ihr dürfen die Besitzer die ihnen belaste ne Menge Buchweizen nur auf Grnnd vosn Mohlöarten verarbeiten lassen. Ferner ist ein Druckfehler in der srüheven Verordnung berichtigt. Tie in tz 11 Abs. 1 der Verordnung angegebenen Höckfftpreise gelten nicht für den Doppelzentner, sondern nur für 50 Kilogramm.

Der Bundesrat beschloß in seiner heutigen Sitzung lverter eine Verordnung über Bucheckern, nach der alle gesammelten Buch­eckern Mi den Krregsansschluiß für pflanzlich? und tierische Ocl« und Fette oder an die von ihnen bestiimnten Stellen zu einem angemessenen Preis zu liefern sind. Um die Sammeltätigkeit allen Kreisen der Bevölkerimg anzuregen, sind nickst mir besondere Zuweisungen von Bucheckern zur Oelgewinnnng den einzÄnen. Sammlern zngesichert, sondern mich die Landeszentralbehörde^ haben Anspruch auf etwa ein Viertel des Oels, das aus den aus ihren Gebieten abgelicserten Bucheckern gewonnen wird. Das B e r - sütterungsverbot, das die Verordnung enthält, könneüß die LandeKzentralbehörden oder die von ihr zn bestimmendenj Behörden in Ausnahmefällen aucheben. Soweit die Eigentünier von Forsten oder die sonstigen Forsttrutzmigsberechtigten nicht bereit oder reicht in der Lage sind, die bei ihnen vorhandenen Bnck)«eckerni zu sammeln, kann die zuständige Behörde andere Personen gegen Vergütung hierzu ermächtigen.

Preistreiberei auf dem LeimmaMe.

Berlin, 14. Sept. (WTB. Amtlich.) Im Zusammen­hang mit der Jnanspruchn-ahrne eines Teiles der Rohstoffe der Leim Herstellung für die Erzeugung von Ersatz­futtermitteln setzte eine starke Preistreiberei auf dem Leimmarkte ein, die anscheinend weniger in wirklicherKnaPP- heit der Ware, als in spekulativer Zurückhalttmg erheblicher Mengen ihren Grund hat. Um dies-eii Mißständen zu steuern, ermächtigt eine Bekanntmachung des Buude-srats vom 14. September den Reichskanzler, den Verkehr mit Leim jeder Art zu regeln. Zur Vorbereitung dieser Regelu^tg wird eine An zeige Pflicht der Hersteller und Besitzer und die Bedarfs­anmeldungspflicht der gewerblichen Berbraucher von Leim eingeführt. Die Anzeigen, die bei den Herstellern und Be­sitzern monatlich wiederholt werden, sind an den Kriegs­ausschuß für Ersatzfutter, G. m. b. H., Berlin, zu richten. Die näheren Einzelheiten sind durch eine gleichzeitig mit der Bundesratsverordnung erlassene AusMirungsverordnung des Reichskanzlers festgesetzt worden.

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Berlin, 14. Sept. (WTB.) DerReichs au zeig er" ent­hält eine Bekanntmachung des Reichskanzlers^ über Leder­ersatz für Schuhw-erk und eine Bekanntmachung über die Freigabe des Absatzes von Sauerkraut ab 1. Oktober 1916 unter Einhaltung bestimmter Preise.

Berlin, 74. Sept. (WTB.) DieNordd. Altg. Ztg." schreibt: B e r g i f t e t e r u m ä n i s ch e Kleie! Unter dieser Spitzmarke erschien in den letzten Tagen in der Presse eine Veröffentlichung, die berechtigterweise Unruhe in den Ver braucherkreisen hervorries. Das Kriegsernährungsamt ord­nete sofort nach Bekaiintwerdeu der Angelegenheit eine ciu- gehende Unterjuchu-w-g aller vorhLlch.e,neit tuuMilche-i.

Kleievorräte an, von deren Ergebnis in denMitteilungen, des Kriegsernayrungsamtes" 'berichtet werden wird. Im übrigen scheint sich das Gerücht nach beiu bisher vorliegen­den Ergebnissen glücklicherweise nicht zu bestäti­gen, denn sowohl bei der Reichsfuttermittelstelle als bei den Landesverteiluttgsstelleu sind bisher im ganzen nur zwei diesbezügliche Beschwerden eingelausen, so das; anzu- nehmen ist, daß die Erkrankung der Schweine nicht auf die verfütterte Kleie, sondern auf andere Ursachen zurückzu­führen ist.

Berlin, 15. Sept. In der gestrigen Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung reille der Oberbürger­meister mit, daß die Groß-Berliner Gemeinden beschlossen habeii, füx den Preis des Schwarzbrotes Ermäßigungen cintreten zu lassen. Der Preis für Weißbrot wurde erhöht. Eine Herab­setzung der Preist für Rind- und Kalbfleisch stehe unniittelbar bevor.

Vie Soldünkausstelle

ist morgen von sft bis \ 2 % Uhr geöffnet!

Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. September 1916.

Unkündbar bi» 1924".

Eine Aufklärung für Kriegsanleihe Zeichner!

Es ist eigentümlich, wie schwer es manchmal hält, einen Irr­glauben, der sich einmal in der Volksmeinung festgesetzt hat, zn beseitigen. Immer »oieder hört man die WorteUnkündbar bis 7924", die der fünspwzeittigen Zbriegscmleihe beigefügt sind, dahin anslegen, lmß der Eigentümer der Anleihe diese bis zn dem er­wähnten Zeitpunkte nickst M Geld nwchen könne. Als eine Beschrän­kung der Rechte des Anleiheinhabers werden also die WorteUn- klludbar bis 1924" aufgefaßt. In Wirklichkeit wird damit eine Beschränkung der Rechte des Schuldners d. h. des Reiches zum Ainsdcuck gebracht, eine Beschftinkung, die nicht etwa zuungunsten des Anleiheerwerbers, sondern gerade im Gegenteil zu seinen Gunsten wirkt. Das Reich darf nämlich den Nennwert der Anleihe nicht vor dem Jahre 1924 zurückzahlen, so haß' der Anleiheinbaber bis zu diesem .Zeitpimkte unbevingtl in den: ungestörten Genuß des für ein Wertpapier von dem Range der Deutschen Reichsanleihe außerordentlich lwhen Zins­fußes von 5°/o bleibt. (Bei einem Zeichnungspreise von 98 °/o sind es sogar 5,10o/o.) Will das Reich nach dem Jalne 1924 nicht mehr 6o/o Zinsen zahlen, so muß es dem Anleihebesitzer die Wahl lassen zwischen Kapitalrückempfang und niedrigeren Zinsfuß, d. h.: Wer jetzt 98 Mark für 100 Akark Nennbetrag der neuen Reichs­anleihe zahlt, muß, wenn ldas Reich nach dem Jahre 1924 nichÜ mehr 6 o/o Zinsen gewähren will, die volle 100 Mark ausgezahlt- erhalten. Er würde also jährlich von seinen angelegten 98 Mark 5 Mark Zinsen erhalten haben und schließlich iroch einen Kapital gewinn von .2 Mark davontragen, der, wenn man ihn aus die 8 Jahre (19161924) verteilt, den Zinsgenuß von 5,10o/o aus 6,36 o/o steigert.

. Braucht der Müeiheinhaber Geld, so hat er zwar nach dem Gesagten keinesfalls vor dem Jahre 1924 die Rückzahllmg des Kapitals durch das Reich zu ernrarten, aber er kann entweder aus seine Anleihescheine einen Vorschuß aufnehmen (zu den günstigsten Bedingungen bei öffentlichen Darlehenskassen) oder er kann einen entsprechenden Teil seiner Anleihescheine durch jede Bank oder jedes Bankgeschäft gegen eine geringe Vermittlungsgebühr ver­äußern. Tag ein solcher Verkauf jederzeit möglich sein wird, dafür bürgt neben der Hochwertigkeil der Deutschen Reichsanleihe die. Vorsorge unserer niaßaebenden Stellen, die für^ie Zeit nach dem Friedensschlüsse getroffen werden wird.

Wer seinen Entschluß Über die Beteiliaimg an der Kriegs­anleihe von der Bedeutung der WorteUnkündbar bis 1924" abhängig nracht, der muß zu einem bejaherchen Entschllch kommen: dcnrn wiirden diese Worte in der Mffvrdernng zur Zeichnung! fehlen, so wäre es ein Nachteil und nicht etwa ein Vorteil des Anleiheerwerbers.

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*' Beförderung. StabSobersignalgast Julius Dalser von Gießen von S. M. S. Rostock, der vor kurzem mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, ist ginn Signalmaat befördert

worden.

** Zucker-Abgabe. Auf die vom 1.15. Septem­ber 1916 gültigen Zuckerkarten (IX 1) können ausnahms­weise 1000 Gramm (anstatt 375 Gramm) Zucker abgege­ben werden. Die Gültigkeit der Zuckerkarten für die Zeit vom 1'. bis 15. September wird auf die Zeit vom 16. bis 3 0. September ausgedehnt. Auf die vom 16. bis 30. Sep­tember 1916 gültigen Zuckerkarten (IX 3) dürfen jedoch nur 375 Gramm Zucker abgegeben werden. (Näheres siehe Be­kanntmachung.)

** Papier, Früchte, Ob strefte und sonstige Ab­fälle sollte rnan nicht auf Bürgersteige und Straßen werfen. Hierdurch sverden die Straßen ver- irnreinigt und Gefahren für die Passanten hervorgerufen, die durch Ausglerten auf Obstresten und dergleichen zu Falle konttnen und sich erheblich verletzen können. Siehe amtliche Bekanntmachung.

** Warnung vor verzinkten Kesseln bei M armela de b ereituna. Das chemische Untersuchungs- amt für die Provinz Oberhessen teilt uns folgendes mit: Infolge der Kupferbeschlagnahnre Haben sich zahlreiche .Haushaltungen mit verzinkten Kesseln versehen, die sie in Unkeinrtnis der damit verbundenen Folgen zum Einkochen vorc Marmeladen, Musen usw. benutzen. Wiederholt uns zur Untersuchung übersandte Proben wiesen starken Zink­gehalt auf, der beim Genuß der Marmeladen schwere Gesundheitsstörungen hervorgerusen haben würde. Da Zink und seine Verbindungen giftig sind und sich leicht in den im Obste besindlichen Pftanzensäuren auflüisen, dürfen Speisen und Oie tränke in zinkhaltigen Gefäßen weder be­reitet noch ausbewahrt werden, wenn nicht die Gefahr einer Zinkvergiftung eintreten soll. Es^empfiehlt sich daher, zum Einkochen von Obst nur aus Stahlblech oder Gußeisen hergestellte enralllierte Kessel zu verwenden, allenfalls auch sogenannte inoxidierte Kessel. Das in letzteren zur Lösung kommende Eisen wird unter Umstärrden den Geschmack der eingekochten Früchte ettvas beeinträchtigen, schädigt aber sonst nicht weiter den menschlichen Organismus.

** Eine patriotischeM u ck" besitzt Metzgenneister und Gastwirt Trinkaus,Vogelsberger Hoj". Das Tier brachte in vergangeiier Nacht 7.6 Ferkel zur Welt. Da Meister Trinkaus außerdem noch 19 altere Schweine bis zunr Gewicht von 2 Zentnern besitzt, dürfte am Seltersweg von Fleischmangel für die nächste Zeit wohl nicht die Rede sein.

** Ausnahm etaris für Roggen, Weizen, Kar­toffeln, Kar t o ffe lst är k e me hl usw. Mit Gültigkeit vom 1. -Oktober 1916 bis Mw 30. Juni 1917 wird fürSpeise­kartoffeln" (bei Frackstzahlung für das wirklich verladene Ge­wicht, mindestens für 10 Donnen für den Frachtbrief und Wagen) der Frachtsatz der Mometertaristabelle B des obigen Ausnähme- tarifs für 254 Kilometer (50 Pfg. für 100 Kg.) aus alle weiteren Entstrmmgen unter folgenden Bedingungen unverändert erleben. Die Auslieferrmg 'Hut mit eincnr Frachtbrief zu erfolgen, der a) mit dem Stempel des für den Versandort zuständigen Konnnunal- verbundes (in Preußen des Landratsamtsl versehen ist, b) als Empfänger eine KänrmMalpertvaltturg (StadtyreiS, Landkreis, Oka