Ausgabe 
29.8.1916 Zweites Blatt
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M. 202 ZVetter Blatt J66. Jahrgang

Hrfcherru mit Ausnahme be5 Samrtags.

DieSieheaer KmEenblatter" werben dem

»Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Lreirblart für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die .^«mdwirtschafttichen Sett> fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Seneral-Anzeiger

ffir Oberhessen

Dienstag. 29. August Mb

Rotationsdruck und Verlag der Bpühl'jchei, UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schristlertung, Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul* straße 7. Geschäftsstelle u.Verlag:e^ZA51,Schrift« leitung: ^sK112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

3 Monate Tätigkeit üe§ ttriegsernährungsamtes

Bon Präsident von Batocki.

Drei Monate sind ins Land gegangen, seitdem das Kriegs- ernährungsanrl am 26. Mai, dem Tage, an den: Präsident uno Vorstand ennmnt waren, seine Tätigkeit begann. Die dringenden Aufgaben gestatteten es nicht, dem Amte vor Inangriffnahme der Geschäfte die notwendigen Grundlagen in Organisation uno Stetten- defetzrarg zu geben, es mußte dies vielmehr fortlaufend neben der Durchführung der sofort erwachsenden, schnell zu erledigenden Ar­beiten geschehen. Erst vor kurzem ist die innere Organisation des Amtes, dessen Mitarbeiter, etwa 200 an der Zahl, von überall her, zum Teil aus dem Felde, zusammen berufen werden mußten, im wesentlich«! vollendet. Der dringenden Aufgabe waren viele; in den ZrÄusttte gebieten schwere Notstände, die sofortiges Eingreifen durch Verteilung verfügbarer Lebensmittel bedingten, von überall Klagen und Beschwerden über Wucherpreise, .Handelsmischräuche, ungerechte Werteüüng und unzweckmäßige Austeilung der Vorhandenen. Dazu die dringliche Notwendigkeit, den neuen Wirtschaftsplan für die hMrnende Ernte der Ackererzeugnisse, für die Fett-, Mich- und sFLei^hversorgung durch eine ganze Reihe von Verordnungen fest- , Schellen

.Die Einrichtung des .Kriegsernährungsamtes war im Lande fnüt hochgespannten Hoffnungen begrüßt worden. Man erwartete .«ne alsbaldige Beseitigung aller Miß stände, die den Fernstehenden >so leicht und einfach erfästenen.

^Das Amt trat in Tätigkeit internem Zeitpunkt, in dem der verfügbare Bestand aus der alten Ernte, abgesehen von Brotge- : ixabe^f<tft völlig aufgebraucht war, und die Auffüllung durch die Vrewe^Grute vor Ablauf von Monaten nicht beginnen konnte.

Zunächst galt es die dringlichsten Notstände zu lindern. Um die jKsrftoff eln ot nicht in-eine Hungersnot ausarten zu lassen, imabe baß Verbot des Verbrennens und der Verfüttenrng der zur «erschlichen Ernährung geeigneten 'Kartoffeln erlassen, gleichzeitig H*ni>c der Kartoffelverbrauch der Landbevölkerung stark beschränkt, "Maßnahmen, die angesichts der Lage trotz der schweren damit ver­bundenen Nachteile für die Landwirtschaft und die Schweinemast ungeordnet werden müßten. Oertliche Revisionen der Kattvffel- VSttäte durch Beauftragte des Kriegsernährungsanrts fanderi in -den stark Kartoffel bauenden Kreisen statt, um das Letzte an Speise- skartoffeln heoauszuholen. Aber die altm Bestände nxiren schon im Mai fast reAos verbraucht, die Frühkartoffeln wurden wegen des damaligen kühlen Wetters verspätet reif, und schwere örtliche Kar- jLoffelnDtstände warm fron oller Abhilfemaßregeln die Folge. Zum Äf konnte, wo die Kiartoffelnot zu schwer war, wenigstens Brot- igetretde als ^Ersatz gegeben werden, dank der vorsorglichen Wirt- jdfiH der Reichsgetreidestelle.

Zur Linderung der Lebensnüttelnot in den Großstädten und 'Industriebezrrken wurde die Ausschüttung der vorhandenen Refer- >oerr am Hülsenfrüchten, Fett, Speck, Gefrierfleisch, Konserven u. a «nqeordnet. Da die Vorräte nicht reichlich genug waren, um sie mrtt wirklichem Vorteil unter die gesamte Bevölkerung zu verteilen, Mußten die Zulagen auf die besonders schwer Arbeitenden be^ schränkt werden, nach einem Plan, der zwar sorglich ansgearbeitet .-war, dessen Durchführung im einzelnen aber den örtlichen Behörden ««He Schwierigkeiten bot. Für die Großstädte wurden, soweit ver­fügbar. Nahrungsmittel zu Massensveisungen bereitgestellt, deren Errichtung sich in den letzten Monaten allgemein ausge­dehnt hat.

Zur Bekämpfung des Lebensmittel wu chers und des Smtauleren Handels überhaupt erging unter dem 24. Jrmi eine Verordnung, die den Kettenhandel unter Strafe stellte, unlautere 'Zeitungsanzeigen verbot und den Lebensrnittel Handel zum Teil kon- Tesfionspflichtig machte. °

Die die Bewirtschaftung der Ackerfrüchte 1916/17 regelnden Verordnungen über Brotgetteide, .Hafer, Gerste, Kartoffeln, Oel- Mt&tc, HMenfrüchte und Buchweizen, deren Vorbereitung dern A. E- A. oblag, erforderten gegen das Vorfahr zum Teil erhebliche iVeränderrmgen, die das Ergebnis langwieriger Beratungen und Verhandlungen bildeten.

Von Beginn an lvurde der Fett verso rgu n g besonders Aufmerksamkeit zu gewandt. Es ergingen darüber die v orbereitende .Verordnung vom 8. Juni und die .Hauptverordnung vom 20. Juli »Sie bezwecken, möglichst viel Butter in die öffentliche Hand und »zur gleichmäßigen Verteilung au die Bevölkerung zu bringen. Die Fettkarte auf ein einheitliches Quantum wird durch das ganze Reich hindurch eingeführt. Die Durchführung der Verordnung liegt der vom Kriegsernährungsamt gegründeten Reichs-Speisefettstelle ob, die gleichzeitig die Milchversocgnng zu regeln hat.

Knapp wird die Fettversorgung bei der Knappheit der ver­fügbaren Gesamtmenge leider trotz aller Bemühungen um richttgere Verteilung bleiben, ebenso wie die Versorgung mtt Fleisch gleich­falls eingerichtet ist.

Auch einer Zuckerknappheit infolge übermäßigen Ver­brauches für Mensch und Tier im Winterhalbjahr stand das Krregs- ernähruugsamt bei seiner Errichtung gegenüber. Geholfen wurde nach Möglichkeit durch verstärtte Herstellung und erweiterte Ver-. Wendung von Süßstoff 'Saccharin), ferner wurde eine Menge zur Berfütterung Beftinrmten Rohzuckers für die menschliche Er nähr mag frei gemacht. Die serttg vorliegende, demrwchst zur Veröffentlichung gelangende Verordnung über die Bewirtschaftung des Zuckers für das Jahr 1916/17 soll eine Wiederholung der diesjährigen Miß- »tände aus schließen.

Ter Feststellung der vorhandenen Hauptlebens mittel soll die ans den 1. September anberauntte allgemeine Best andsauf- v a h m. e dienen. Eine Verordnung über die Vervollkommnung der für richtige Wirtschaftspläne wichtigen, in der Durchführung be­sonders schwierigen Ernteschätzungen wird ergehen.

Besonders scharf ist die Kritik zurzett auf dem Gebiet der O b st - und Gemüse-, sowie der Frühkartoffelversorgung und in der Frage der Preisgestaltung. Der Raum verbietet leider, auf diest bedeutsamen Fragen, die sich nrtt einigen Sätzen nicht erledigen lassen, ernzugehen. Nur soviel sei gesagt, daß Kriti­sieren leichter ist als Bessermachen, und daß mit der Höchstpreis­festsetzung für Sommerobst und Sommergemüse, Freigabe des Kar­toffelHandels, plötzlicher Ermäßigung aller Erzeugerpreise usw. mehr geschadet als genützt worden wäre.

Auf drei Monate sorgenvoller Arbeit, deren Erfolg not­wendigerweise hinter den 'Absichten zurückbleiben mußte, blickt das .Kriegsernährungsamt heute zurück. An Ratschlägen hat es uns bei unserer Arbeit wahrlich nicht gefehlt. Die Beratungen des Reichstagsplennms, des Reichstagshanplausschnsses, des Reichstags- ernährrmgsbeirates, des Bundesrates und seines Ausschusses, des Beirates des Kriegsernährungsamtes und der von ihm geblldeten Ausschüsse, der Beiräte der verschiedenen Reichsstttlen, Besprechun­gen mit Behörden und Berufsvertretern in den Hauptstädten der Bundesstaaten, Einzelberatungen mit Sachverständigen und Ver­tretern bestimmter Berufs- und Erwerbsgruppen, die während der bisherigen 90 Arbeitstage stattfanden, haben viele wichtige Anre­gungen gegeben. Taufeüde von Zuschriften, tausende von Zei­tungsartikeln haben Ratschläge gebracht und Ktttik geübt, die bei so verwickelten Aufgaben nützlich und anregend und willkommen ist. Und wenn die Kritik auch einmal über das Ziel schoß, wenrk der Kritiker ohne genügende Kenntnis der Dinge vorschnell ver- urtellte, oder wenn er gar einmal dem persönlichen Aerger. daß er selbst nicht genügend mttzureden har und daß nicht altes nach »einem Kopfe geht, etwas zu sehr Raum gibt,darum kenne Fettch- slckM nicht". Das deutsche Volk hat in all dem Schweren, das es durchmacht, bewundernswerte Nervenstarke bewiesen. Ein Ventil muß in solcher Zeit wenigstens da sein, um dem erklärlichen Be­dürfnis nach Kritik und Deutzerung von Aerger und Unwillen Raum zu geben. Mit Recht ist die Grnährungsfrage hierzu bestimmt, als erne »eben einzelnen besonders nahe berührende uckd dabei verl-ält- nismäßig unpolitische. Schaden ^kann selbst die lebhafteste Kritik nur, lumn sie die veranrwortliche stelle dazu bringt, selbst die Ner­ven oder gar den Kopf zu verlieren. Ichglaubeverfprechen zu kön­nen. daß wenigstens dies unter keinen Unrständen geschehen rvird und daß nur weiter unseren Weg 'geben werden, gewiß nicht frei von Jrrtümer n und Fehlern bei unserem Bestreben, die bestehenden Mängel immer mlehr zu beseitigen, aber frei von bureaukratiscknr Besserwisserei. von ängstlickier Uebereilung und von unberechttgter Rücksichtnahme nach irgend einer Sette: daß wir diesen Weg gehen werden in unbegrenztem Vertrauen ans unser deutsches Volk, das alles Ungemach des Aushungerungskrieges zwei Jabre standhaft getragen hat, und dessen Verttetuiigen aus allen Ständen und Parteien durch ihren Beitritt zu unserem Aufruf vom 2. August den festen Entschluß bekundet haben, mutig weiter auszuharren, bis zum siegreichen Frieden.

ZreiwiMge Ersparung von Lebensmitteln.

.. Die Ernährung im Kriege hat uns die Erfahrung machen lassen, daß wir im Frieden von verschiedenen Lebensmitteln durch­schnittlich mehr verbraucht haben, als für unsere Beköstigung not­wendig war. Tie Fülle der Vorräte ließ nicht nur ihren Wert ver- tenuen. sondern setzte auch dem Verbrauch nur die durch die wirt­schaftliche Lage des Einzelnen gezogenen Grenzen. In diese Lcbens- wer^ hat dre zwangsweise Rationierung der Nahrungsmittel ein- gegriften. In alben Schichten der Bevölkerung lebt jetzt das

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sein, daß. wir Haushalten müssen, um den Aushungerungsplan trnserer Feinde zu vereiteln. «Es ist aber eine natürliche Folge der geborenen Ernschränkung, daß wir sie unbewußt wieder durchbrechen, wenn das eine oder das andere Nahrungsmittel reichlicher auf dem Markt erscheint. Wir werden daher den Zwang der Rationierung ein für allemal besser beobachten, wenn wir uns darüber hinaus zu der ethischen Forderung einer freiwilligen Sparsam­keit im Verbrauch der Nahrungs- und Genußmittel djurchringen. Ein nachahmenswertes Beispiel hat in dieser Richtung ein Münchener Aufruf vom August 1915 gegeben, der vom Kriegs­ausschuß der Münchener ärztlichen ^otandesvereine veranlaßt und von den ersten Bürgern Münchens, an ihrer Spitze Oberbürger­meister Tr. von Mrscht und Polizeipräsident von Grundherr, unterschrieben ist. Die Unterzeichner verpflichten sich darin,alle Nahrungsmittel nur in einem zur Erhaltung der Gesundheit er­forderlichen Maße zu verzehren, in ihren Kreisen auf größte Spar­samkeit mit allen Lebensmitteln hrnzuwirken und Fleffchgenuß wenigstens bei vier .Haupttnahlzetten der Woche zu unterlassen." Es wäre erfreulich, wenn dieser Aufruf in weiteren Kreisen Nach­eiferung fände. Wenn auch durch die freiwillige Einsparung von Lebensmitteln teinc Massenersparnis zu erzielen ist, so wirkt das Beispiel eines freiwilligen Verzichts doch stärkend auf die Be­harrungsfreudigkeit der Gesamtheit und hebt das Bewußtsein, daß wir hinter der Front in der Frage des Haus Haltens und Aus­haltens einig sind.

Um der freiwilligen Ersparung von Lebensmitteln die richtigen Wege zu weisen, wird jeder angeregt, daß die. Kommunen^ vielleicht am Anfang jeder Woche der Bevölkerung mitteilen. welche Vorräte in der kommenden Woche voraussichtlich! am besten verzehrt, welche gespart werden müssen. Eine solche Anleitung läge zugleich auf^ dein Wege einer möglichst vorteilhaften Gesamt­verteilung, sowie im Interesse einer zloeckmäßigen Ernährmng und des Geldbeutels der Bevölkerung. In jedem Falle wird darauf hjn gewiesen wertxm^ können, daß ein so reichlicher Fbetschgemuß, wie er in manchen Schichten unseres Volkes im Frieden üblich war, für die Ernährung absolut nicht notwendig ist und eine Einschrän­kung in dieser Beziehung schon mrs hygienischen Rücksichten ge­boten erscheint. Von der Anerkermüng dieser Tatsache bis zur frei­willigen Beschränkimg des Fleischgennffes ist dann nur ein Schritt, wofür der Münchener Auftuf das beste Beispiel gibt.

Gerictztsfaa!.

Frankfurt a. M., 28. Aug. ,,O ber hessische Wurst ist keine D e l i k a t e ß w u r stso entschied heute früh die hie- sige Strafkammer. Der- Mechaniker und Schloff« Albert Buhler hatte sich kürzlich zum Telikateßwarenhändler aufgefchwungen und oberb essi sche Lsber- und BLttwnrst urö> Preßkopf als Delikatest- wuttt verkauft, wobei er die vorgeschriLbenen Mchstprsrse bedenk­lich überschritt <-.ein ^Einwand. daß diese Wurst als DeLkateßwurst anzusehen sei, wurde vom Gericht nicht anerkannt. Der Staats­anwalt ffrhrte in seiner Rede aus. daß Delikateßwurst Luxuswurst »er und zum Gaumenkitzel diene, oberhessische Wurst s« aber Wurst, gn der man sich satt essen wolle. DerDelikateßhSntcker" BSHler kam mit .80 Mark davon.

Fc. Frankfurt a. M., 28. 9lug. Zwei Wochen Gefängnis und einhundert Mark Geldfttafe verhängte das Schöffengericht über sdie Mrlchhändlerin Ottilie Hauer von hier, weil sie Vollmilch nrrt einem Zusatz von 10°/o Wasser verstruft hatte.

Gicßcu, 29. Aug. Dlarktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarks kostete: Butter das Pfund 1,900,00 Mk.- Hühner- neu das Stück 20 Mg.; Käse 10 Pfg., Käsematte 3 Vfg. das Stück- Qchsenfleffch das Pfund 2,10-0,00 Mk.. Kuhfleisch 2,10-0.00 Mk. das Pfund, Rindfleisch das Pfund 2,10-0,00 Mk., Schweinefleisch das Pfund 1,80-0,00 Mk., Kalbfleisch das Pfund 2,00-0,00 Mk., -Hammelfleisch das Pfund 2,20-0,00 Mk.: Kartoffeln das Pfund

777, Pfg-: Zwiebeln der Zemner 18-20 Mk.: Milch das Liter 30 Pfg.; Nüsse 100 Stück 00-00 Psa.; Spinat 0000 Pfg das Mund, Kopfsalat 5-10 Pfg., Gelbe Rüben 1520 Pfg. das Pfund Weißkraut das Stück 1215 Pfg., Rotkraut 20-50 Pfennig', Wwsmg 10-30 Pfg., Römisch Kohl 15-20 Pi. das Päckchen. Mira- bellerr 4050 Pfg. das Pfd., Kohlraben 5-8 Pfg., Gurken, gr . 00 bis 0? Mg' kl. 7-8 Pfg.: Blumenkohl 00-00 Pfg.: rote Rüben 15 brs 20 Pfennig das Pfund; Bohnen 30-35 Pfg. das Pfund. Zwetschen 40-50 Pfg. das Pfd., Fallobst 00-00 Pfg. das Pfund Birnen das Pfund 25 - 30 Pfg., Aepfel das Pfund 2535 Pfg Marktzeit von 7 bis 1 Nhr.

MNschastsirirge in der Vergangenheit.

Die Trohuug der Entente mit einem Wittschafts kriege nach Lem jetzigen Kampfe hat Erinnerungen an Napoleons Kontinental­sperre wachgerufcn. Llber schon dem Altcrtume sind derartige .Kriege müht nnbekmint. Um seine merkantil von Aegina abhängige Vater­stadt wtttschaftlich fteiznmachcn, ersetzte Solon die bislier in Achen -geltende üginetische Währung durch die euböffche. Zugleich gewann fMhen so den Anschluß an das wette euböisch^Ln in thischc Handels- gebvet und es begann der .Koukurreuzkampf zwischen den beiden Stödten. Zwar appellierte Aegina gelegentlich an die Waffen. Aber ,das waren Akte der Verzweiflung, die Athens endgültigen Sieg nur befchleunioffen. Ein Wirtfchaftsktteg war es auch, durch den Athen seine militättsche Stellung noch schnell vor dem Pelvpon- nefrschei Kriege verbessert wollte. Wegen seiner sttategffch wich- ttgen ^ Lage sollte das lleine Megara der mächtigen Nachbarn^ politisch fügsam gemacht werden. Zu dem Zweck verbot Athen tm ^Frühling 433 die Einruhr aller megarffchen Waren. Und als Megara trotzte, sperrte ihm Athen sogar die sämtlichen Märkte .und Hilfen seines Bundesgebietes.Die Me gar er fingen allmählich :W hungern an," berichtet ein Zeitgenosse. Jedoch erspatte ihnen ider Ausbruch des Peloponnesischen Krieges chie Unterioerfung. «Äm Mittelalter hat die Hansa gerne rnit Handelssperren und der­gleichen gekämpft und sich so nicht selten kostspielige Kriege erspatt.

. Als der Fürst von Janoslaw von Wladimir Feindseligkeiten gegen Esthland begann, schützte Lübeck die gefährdeten dentschen Interessen Üdott durch eine Handelssperre gegen Nowgorod. Jaroslaw mußte vor dern dadurch entfachten Aufruhr der Bürger dieser Stadr ffliehen und 1269 zu Kreuze kriechen. Selbst ein so mächttger Hern ,wie Philipp der Gütige^ von Burgund wurde ohne Schwertstreich gefügig, gemacht. Die Hansen verlegten infolge von Schikanen, chenen sie sich von seiner Seite in Brügge ausgesetzt sahen, ihrerr Markt nach Utrecht. Erst durch die Wiederherstelliung ihrer Frer- lhetten bewog den Herzog sie zur Rückkehr nach Brügge. -- wittschaftlichen Koalitionskriegen spictt natürlich diewelsche jDreue" eine verhängnisvolle Rolle. Das zeigt der .Handelskrieg, -den 1343 Geirua und Venedig gegen den Tatarenchan von Tana /Afow' unternahmen. Venedig nahm 1347 hinterrücks den gemein- ilaM Mfgehobenen Handelsverkehr mtt dem Chan wieder mrp 'Die Folge war ein Krieg zwischen den beiden italienischen Schwestern. Bemerkenswert ist, daß Franz I. seinen Kämpf mit iKarl V. auch Handels Po littsch fühtte. Durch einen Bettrag mit s^oliman II. brachte er den ganzen europäischen Handel mit. der Dürker ^unter die französische Flagge (1535 Ten rück'ichts- ilosesten, längsten und erfolgreichsten Wrttschaftskrieg aber hat Eng­

land geführt. Er begann mit Cromlvells Schiffahrtsakte ini Jahre 1651. Ihr Zweck,zu verhindern, daß ein anderer Staat einen zu großen Teil des Welthandels au sich reiße," war erreicht, als die Anerkennung der lluabhängigkeit der Union zu ihrer Einschränkung nötigte. In der Mitte des vorigen Jahrhunderrs schien dann Eng lands See- und Handels Herrschaft so gescheitett, daß man oas Aus schließungssystem anfgeben und mit der ehrlichsten Miene zum Frei Handel sich bekennen konnte.

Die Trübner-Ausstekung in Frankfurt.

A-us Frankfurt a. M. schreibt man mrs: Unser rühriger Kunftverern Hot, ment aus den Schätzen Frankfutter Pttvatsommler und Kunstfreunde, eine bis zum 17. September dauernde Dus- »tellung von Werken Will^lm Trübners zufammengebracht, die ern höchst bedeutfauiLs Ereignis im deutschen .Kunslleben darstrllt. Zunächst sieht man recht niete Arbeiten, im ganzen sind es über 70, die der breiteren Öffentlichkeit sonst nicht zu-gämglich find, zum andern aber gibt die sehr sorgfältig und feinftmrig ausgewählte Dottnettrng Gelegenheit, ein klares und eindrucksvolles Bild vom Entwicklungs­gang dieses dentzchen Malers z-u gewinnen. Aus der Frü^tt des Meffters, den siebziger Jahren des vergangenen Säkulums. brrgt die ^rMml^mg ein paar ganz wnuderb-are Stücke, die freilich den Einfluß Leiüls noch deutlich erkennen lasten. Erwähnt sec aus dieser Zeit ein höchst charakteristisches Selbstpotträl von 1872 erneDame in Lila" und eine Reche inniger Stilleben. 'Die Gemälde aus dem Ende der siebziger und dein Anfang der achtziger Jahre lasset beretts gewahr werden, daß Trübner anfängt, sich, auf eigene Kosten chzusagen, mit dem Moment des Farbigen im Wesen der Malerei auseinanderzuietzeu. Damr uralt Trübner in den neunziger Jahren, da er ffch anschickt, eigene Wege zri wandern. Bilder, die merkwürdig kühl und besonnen anmuten. Man ff'chlt es dresen Arbeiten noch an. daß der vottvättsstrebend^' Künstler nicht recht weiß, wo hinaus er will. Eines aber beherrscht er schon vittuoser kann ,Lust malen". Ms den Landschaften aus dem Kloster Seeon und von Frauenchiemsee stehen Bäume und Häuser unglaublich klar unter dem fteien Himmel. Ihn die Jahrhundert­wende bricht die Freude an der Farbe mtt aller Gewalt durch. Schon um 1905 zeigt Trübner in Bildern aus dem Hemsbacher Park, daß er im Stteit mit der Farbe Sieget: geblieben. Ten nächsten Jahren entstammen die vollendet vornehmen uitd schonen Landsckaften vom Starnberger Sse. Man mUt aus ihnen heraus die Kühle, in die Ufer und See. überschatteter Weg und rvsenüber- sponnener Gartenzann getaucht sind In diesen Arbeiten bekundet sich ein hohes und rerfes und zugleich cur müheloses Können. Noch

aber schreitet der Maler weiter. Nun er den Kampf mit der Frage nach den Werten der Farbe als bildschaffenden Elementen glückhaft bestanden, schaut er sich wieder tiefer in die Natur hinein. 'Die ab­geklärten, ruhigen tvrd unkomplizierten Bilder aus dem Stift Neuburg ber .Heidelberg entstehen 1913. Tie Luft des heißen Tales slimm^ert Ivahrhaftig auf ihnen. Es ist ttnrklrch reife Kttnst. die man ~ lc ^ Die Linie des Vvrwärtsschreitens

mr Schäften Wilhelm Trübners ist nirgends sprunghaft in ihrent Verlaus, ,re zreht außerordentlich stettg und ruhig dahrn: drese Ervennttns drängt sich dem Besucher der Frankfurter Ausstellung älercham von selbst auf. Daß die Sommerausstelluna des^ranfturlet^ Kunstvereins dieseu klaren und starken Eindruck vermtttelt, verleiht ihr Hoheit Wert und berechtigt, von ihr als von emem bedeutsamen Ereignis im deutschen Kim stieben zu sprechen.

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O ^ ^lne Mäniaturenausstellung in London. In ^vndoner Viktoria- und Albett-Musemn ist dieser Tage eine Mi- Niaturmraiisstttbmp eröffnet worden, die aus sechshundert, zum E W" werttwllen Stücken besteht. Es handelt sich imt eine Leih­gabe des Herzogs von Buecleuch. Die Enfftetzung dieser berühmten Mmraturenfammlung gel)t auf dm Älnfang des 19. Jahrhnitderts E inige ihrer stücke gebötten zum Kunstbesitze König >nrtts1 andere lasfen sich auf die Sammlung Horare Walpefts znruckvettolgen: die Hauptarbeit des Sammelns hat der 'ünfte Herzog von Buecleuch geleistet, der in: 7-Ähre 1827 von bei' Hn> Elisabeth von Buecleuch 150 Mniaruren erbte Tie Samm­lung umfaßt Wette aus den ven chiedensten Zetten und Ländern - ein^e deuHche Arbeiten sind dabei, einige französische, ihr.Haupr- rerchttrm aber smd eiiglrschc Arbetten, die sich vom 16. Jahrhuu- dett bis m den Begmn des 18. erstrecken. Eines ihrer Hauptstücke Kernes Porttäi von Lord Abergavenny: von Hvlbevi stammen werter ein Selbstblldnis und ein Bildnis der Komgitz -Kcttharma von Aragon^;. Der hispanffiette Aftedettander Dntorrw Mow ist mrt einem Botträt der Königin Matta I a>- Prinzeffin vertreten von Hilliard stammt ein Bild der Königin Elisabeth und erns des Earls von Cumberlano. Oliver ist mit mehreren PottrM vertreten. Wetter nndeii sich in der Mmra- ttrrenwmmtimg Wette von John Hoskins, mehrere Arbetten Sa- muel Eoopers, dre Angehvttge des .Königshauses, aber auch Re­publikaner, berspielsweffe Crvmwell und Cohn Milton barm p mi U nter dQi Wetten des 17. und 18. Jahrhunderts sind die bem^- kenswertesten dre von Lawrence Crosse und Beniard Len- <ri c Museums Plant eine umfangreiche Beschreibung der Miniaturensammlung in Form ernes Kataloges.