Nr. M
Ziveites Blatt
Erschein! täglich nut Ausnahme des SoantagS.
Die „Siehener isamiiirndlWer" werden dem
.Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- srogen" erscheinen monatlich zwemiat.
General-Anzeigrr Kr Gderheßen
Samstag, 17. August 19P
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schra l'.niversitäts - Buch- und Skeiudruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schriftleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u. Verlag: Schriftleitung: Adresse für Drahtnachrichten:
Anzeiger Gießen.
Englische und srnnZZsische Armee-Tagesbefehle.
Mit welchen Mitteln die französischen nnd englischen Befehlshaber an der Somme-Front die anscheinend stark . gesunkene Zuversicht ihrer Truppen zu heben und ihren schwindenden Mut neu zu beleben suchen, beweisen die folgenden in unsere Hand gefallenen Armee-Befehle:
1. Englischer Armee-Tagesbefehl (4. Arm.) vom 12. Juli 1916.
„Der Feind hat bereits die mleisten seiner Reserve!: aufge- braucht und hat nur noch sehr wenige verfügbar. Tie noch zu durchbrechenden Verteidig: mgslimcn sind nicht annähernd so tief, so stark oder so gr:t angelegt wie die schon eingenommenen, und die feindlichen Truppen, erschöpft uich demoralisiert, siick) viel weniger zur Verteidigung fähig, als sie es vor 10 Tagen waren.
Tatsächlich ist die Schlacht schon mehr als halb gewonnen. Wc^ noch zu tun übrig bleibt, ist leichter als das, was schon getan ist, und wir sind imstande, es durchzusetzen.
Führt jeden Angriff bis zu seinen: bestimmten Ziele durch, mit der gleichen Tapferkeit und Entschlossenheit wie am 1. Juli. Haltet alle gewonnenen Angriffsobjelte gegen Alle, die anstürmen, wie es britische Soldaten stets zu tun pflegten. Es besteht kein Zweifel, daß einige Tage weiterer standhafter, entschlossener, vereinter und unablässiger Anstrengungen die Wagschale noch entscheidender zu unseren Gunsten wenden und den Weg zu neuen Erfolgen öffnen werden, welche den endgültigen und vollständigen Sieg gewährleisten!"
H. Qu. der 4. Armee gez. H. Rawlinsvn
12. Juli 16. Führer der 4. Armee.
3. Französischer Tagesbefehl vom Twisions^Kommondem der
53. Reserve-Division, General Lebvuc vom' 18. 7. 1916:
„Ihr seid müde, ich weiß cs, aber ich weiß auch, daß der Deutsche noch erschöpfter i st als Ihr, und ich weiß auch, daß der Befehlshaber Euch nicht ablösen kann. Ter Deutsche itst erniüdet. weil er siel) seit 8 Tagen nur mit großen Schwierin- keiten verpflegt. Er ist dunvralisiert, weil er fühlt, daß wir bereit sind, uns auf ihn zu stürzen, so-rsohl von Norden wie von Westen her, ihn so in einer Zange Packend.
Der Befehlshaber kann Euch nicht ablösen, weil er zum Nachstößen Reserven bracht, um, nachdem Ihr Denkecourt ein- genonimen habt, Euern Erfolg fruchten zu lassen. Erreicht Ihr dies, so werdet Ihr heute abend abgelöst.
So braucht Ihr denn nur vorzu gehen: Ter Deutsche liegt seit 14 Tagen Euch, gegenüber in einem Ring von Feuer, in einer wahren Hölle.
Dies rvvllte ich Euch sagen, denn Ihr wißt, daß ich Euch immer die Tinge sage wie sie sind. Ihr werdet mich verfluchen, weil idf trotz (Strer Müdigkeit noch eine Anstrengung von Euch fordere: aber dann werdet Ihr Sieger sein, das verspreche ich Euch, wenn Ihr alle drauf geht wie ein Mann."
gez. General Lebvuc.
Der ungebrochene Widerstand und die erfolgreichen Gegenstöße unserer heldenmütigen Truppen an der So-mme während dreier wetterer Wochen heißen Ringens werden unsere 'Feinde inzwischen darüber belehrt haben, wie unsere ,/erschöpften und demoralisierten" Feldgrauen die schon mehr als halb gewonnene Schlacht" tvetter zu führen imstande sind. Der französische General hat seinen Soldaten mal wieder die Dinge geschildert, wie sie nicht sind.
Ans Stadt nnd
Gießen, 12. August 1916.
Dich Zukunft unserer Schweinezucht.
Durch das zeitweilige, inzwischen schon längst wieder aufgehobene Verbot der Hausschlachtuugen, durch die vorübergehend notwendig gewordene, inzwischen auch wieder aufgehobene Untersagung der Karwffelversütterung ist die Neigung zur Schweinemästung naturgemäß beeinträchtigt worden. Tie Besorgnisse, die in dieser Hinsicht gehegt wurden, sind aber übertrieben. Ten besten Barometer für die Neigung, Schweine zur Aufzucht und Mast einzustellen, bieten die Ferkelpreise. Hohe Ferkelpreise beweisen eine starke Nachfrage nach Ferkeln bei den Aufzüchtern und Mastern. -Sie sind zwar von: StandpunktdeseinzelncnMästers Unerwünscht, da sie seinen Gewinn beeinttachtigen. Volkswirtschaftlich füi5> hohe Ferkelpreise aber innerhalb gewisser Gren- z-en durchaus erwünscht, weil sie den einzigen wirksamen Anreiz zur Einstellung neuer Zuchtsauen und zur Vermehrung des bekanntlich stark znrückgegangenen Schweinebestandes bieten. Im rrften Vierteljahr dieses Jahves hatten die Ferkelpreise die volkswirtschaftlich in Zeiten der Schweineknappheit erwünschte Höhe nach der Ansicht mancher Sachkenner schon überschritten. Preise bis 75 Mart und mehr für Ferkel unter 6—8 Wochen, ivie sie in der Rheinprovinz im Januar, Februar und Mä^ gezahlt wurden, überschritten tatsächlich selbst den hohen Friedenspreis um mehr als das Doppelte. Diese hohen Preise herben aber den Nutzen gehabt, daß die Einstellung von Zuchtsauen und demgemäß das Angebot von Ferkeln trotz der Futterknappheit zugenommen hat. Je nach diesem Angebot und nach den Futtcrverhältnissen unterliegen auch im Frieden die Ferkelpreise außerordentlich großen Schwankungen. Auf hohe Preise folgen oft ttefe Preisstürze. Diese Erscheinung ist sett dem Frühsoinmer in starkem Maße ausgetreten, einersetts infolge der verstärkten Ferkelzucht, andererseits wegen der immer emvftndluher werdenden Knappheit der Futter- ftrrtoffehi und des schließ lichen Berfütterungsverbotes, zirm.Teil wohl auch infolge der zeitweiligen Einschränkungen der HvW- schlachtungen. Ende Juni war der Preis für 6—8 Wochen alte Ferkel in der Rheinprovinz von 75 auf 40 Mark, in Hannover, von 50 auf 35 Mark, in Friedrichsselde-Berlin von 45 auf 30 Mark gefunken. ?lüch dieser Preis überschreitet noch bei weitem die Durchsichinttsfriedenspreise, ist aber angesichts der stark gesteigetten Fnttetkosten kamn mehr hoch genug, um ?mrze:t einen genügenden Anreiz für Ferkelzucht zu geben, wenn dieser Preisstand dauernd bleiben oder gar noch siüken würde. Erfreulicherweise scheint das nicht der Fall zu sein. Die inzwischen erfolgte Freigabe der Frühkartoffeln zu Futtcrzwecken, die b c st i m m t abgegebene Zusicherung, daß ein Verbot der Hausschlachtungen nicht wieder eingeführt wird und daß auch an eine Wegnahme der Hauss<Aach- ttmgsvvrräte unter keinen Umständen gedacht »oird, hat bei bei: Mastern in den letzten Wochen anscheinend die Neigung, Ferkel einzustellen, wieder gesteigert. In .Hannover sind neuerdings die Ferkelpreise wieder um 10 Mark gestiegen und in der Rheinprovinz :md Berlin haben sie in letzter Zeit auch entschieden steigende Ruhtung. Es l:egt also keinerlei Anlaß für die Ferkel- Kchter vor, die Haltung von Zuchtsauen einzuschranken. Nach Einbringung der Ernte soll durch Gewährung preiswerten Futters die Neuhaltung in noch stärkerem Umfange als bisher gefördert werden, damit die zu erwartende lvssevc Kraftfuttererntt. durch vern:ehrte Schweinemast der Vokksernälmung nutzbar gemacht werden kann.
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** Einsammeln von Bucheckern. Fr: den hessischen Wäldern sind tit diesem Jahre die Buchen an manchen Stellen reich mit Bucheckern behängen. Vielfach sind es mir
bie Randbäume, die guten Fruchtansatz zeigen. Diese seltene und in der Kriegszeit besonders erwünschte Gabe der Natur muß in möglichstem Umfang eiugeerntet und zur Herstellung von Speiseöl und Oelkuchen nutzbar gemacht werden. .Hierüber wird zurzeit mit dem Krieg sansschnH für Fette und Oele verhandelt, dem die b^uerbliche Verarbeitung der Bucheckern Vorbehalten ist. Die F o r st v e r w a l t u n g wird zu gegebener Zeit — im Oktober — jung und alt aufrufen, bcü dem Sammeln der Bucheln zu helfen und sie an die Sammelstellen, die in entsprechender Zähl an geeigneten Trten eingerichtet werden sollen, gegen bestimmtes Entgelt abzuliesern. Diese amtliche Aufforderung, in der zugleich die Waldorte, au denen gesammelt werden darf, bekannt- gegeben werden, muß aber ab gewartet werden. Allzu frühes Sammeln liefert auch vorwiegend taube Früchte und läßt den Sammeleifer vorzeitig erlahmen.
** Kriegsausschuß für die Metall: n du st riedes XVIII. Armeekorps. Das stellvertr. Generalkommando des XV III. Armeekorps hat für den Bereich des Korpsbezirks mit 2lus- nahme des zu Westfalen, gehörenden Teiles nnd des Ditlkreises einen Kricgsausschuß für die Metallindustrie, Sitz Frankfurt a. M., drrichtet. Der Ausschuß hat den Zweck, sich gutachtlich zu kriegs- wittlchastlicheu Fragen in der Metallindustrie zu äußern und etwa saustretende Schwierigkeiten, die innerhalb der Betriebe oder durch die beteiligten Organisationen nicht erledigt werde?:, beizulegcn. Den Vorsitz des paritätisch besetzten Ausschusses führt ein Vertreter des stellv. Generalk'nnmandos. Als Mitglieder sind Vertreter >der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der beteiligten Kreise und Organisationen bestellt. Der Ausschuß, soll mit dazu dienen, die hohe Leistungsfähigkeit der Kriegsindustrie unter allen Umständen zu sicher::. Für die eingangs erwähnten ausgenommenen Teile des Korpsbezrrks bleibt die Gründung eines Ausschusses im Bedarfsfälle Vorbehalten. ,
** U e bc r ga n g s b e st i mm u n ge n in der Speiseiet t v e r s o r g n n g. Gemäß § 39 der Verordnung vom 20. Juli 1916 treten die Vorschriften der Verordnung über den Verkehr mit Butter vom 8. Dezeml>er 1915 und über vorläufige Maßnahme:: auf dein Gebiete der Fettversorgung vom 8. Juni 1916 rnit dem 12. August 1916 außer Kraft. Von diesem Tage ab ist, die -.gesamte Molkereibutter zugunsten der Kommunal verbände beschlagnahmt. Der Reichsstclle sollen nach 8 21 der neuen Verordnung die durch den Verteilungsplan festgesetzten und sonst etwa sich ergebenden Ueberschüsse seitens der Landesverteilungsstelle geliefert werde::. In der ersten Zeit Nierden sich jedoch gewisse Uebergangs'chwicrrgfeiten ergeben. P'ragmph 40 der Verordnung vom' 20. Juli 1916 sieht daher den Erlaß von Uebergangs- bestimmungen vor. Diese sind nunmehr ergangen. Danach sind die bei den Miolkercien bis zum 12. August 1916 von der Zentral-Einkaufsgescllschaft oder den Landesvcrteitungsstellcn beanspruchten Mengen auch nach dem 12. August 1916 noch an die Zentral-Einkaufsgesellschaft oder die Landesverteilungsstellen ab- zuliesern. Jnioineit erleidet § 10 der Verordnung vom 20. Juli zu l iefern. Insoweit erleidet § 10 der Verordnung voM 20. Juni Pflicht:wgfen gelten die Bottebriften in der Verordnung vom 20. Juli 1916, und dementsprechend greifen auch für den Fall der Nichterfüllung der Abliesernngs- und Älbsetzungsverpslichtungcn die in der Verordnung vorgesehenen Strafbcstiminuugen, die schärfer sind als die früheren, Platz.
** Behandlung und Verwendung der Sonnenblumen. Die Reisezeit der Sonnenbluuren ist verschieden, je nach Aussaat und Klima, sie reicht von Ende August bis in den Oktober. Auch die Sameuteller der einzelnen Pflanzen reifen meist zeitlich verschiede::. Sobald ein Samenteller kurz vor der Vollreife steht, wird er abgeschnitten, bei den astderen lvird in gleicher Weise verfahren. Man erreicht hierdurch einmal, daß die reifen Samenteller nicht durch Vogelsraß geschädigt werden und dann entwickeln sich auch die übrigen kräftiger. Die abgeschnittenenl Samenteller werden sogleich an Bftidfädan gereiht oder einzeln! auf Lattengestelle gelegt zum trocknen in luftige Räume gebracht. Keinesfalls dürfen sie auf Häufen gepackt oder die nicht völlig trockenen Köstmer aus der: Tellern gebracht werde::. Das Hevausbringen der Kurier geschieht in größeren Betrieben durch Dreschen, in kleineren kann es durch Aneinanderreiben von zwei Samentellern erfolgen. Die Samen müssen auch in nicht zp dicken Schichten in luftigen trockenen Räumen gelagert uick> zur Vermeidung von Schimmelbil'dung möglichst täglich umgeschaufelt werden. Die Blätter der abgeernteten Pflanzen können verfüttert oder zur Streu benutzt werden, die holzigen Stengel geben ge- trocknet em vorzügliches Verschalungsmaterial für das Baugewerbe, welches bei der herrschenden Rohr knapp heit besonders willkommen sein dürfte.
** Schützt Eure Schweine vor Rotlauf! Dank Unseren hervorragend guten sanitären Einrichtungen ist es gelungen, den Stand der Viehseuche:: in Deutschland auf ein Mindestmaß zurückzudrücken, gam ausmerzen werden sie sich jedoch nie lassen. Besonders der Rotlauf der Schlveine tritt immer wieder auf und reißt mmngenehme Lücken in unsere Schweinebestände. Und doch haben wir in der Rotlaufschutz- resp. Heilimpfung ein fast nie versagendes Mittel gegen diese Seuche. Ein Schwein, welches eins Schutzimpfung erhält, ist auf wenigstens 6 Monate gegen Ansteckung unempfindlich. Es können ohne Bedenken Ferkel kurz nach der Gebutt, aber auch fette Schweine kurz v-or dem Schlacksten geimpft werden. Schädigungen irgend welcher Art treten unter keinen Umständen auf. Jetzt, wo erfteulicherweise immer mehr kleine Haushaltungen dazu übergehen, sich ihr Schwedin selbst zu Mästen, kann nicht dringend genug enrpfohlen roerden, jedes Schwein, ganz gleichgültig, ob SeuchMgefahr direkt vorliegt oder nicht, inrpseu zu lassen. Die kleine Ausgabe, es dürfte sich UM Preise zwischen einer und z:vei ALark für das Stück je nach Größe handeln, Wird nichnand gereuen. Lwü>liche Schrveinehalter tu:v sich am besten zusammen mtb lassen sich gemeinsam den Tierarzt Vonimen, denn fe mehr Schweine an einem Orte geimpft werden, um so billiger wird her Tierarzt seinen Preis stellen können. Tritt lder Rotlauf in irgend einem Orte auf, so soltte sich kein Schweine- lljalter auch nur einen Moment besinnen, seinen ganzen Bestand sofort impfen zu lasten, die befallenen Tiere Nierden in allen noch nicht weit vorgeschrittenen Fällen gehellt, die gesunden vor Ansteckung geschützt werden. Daher keine unangebrachte Sparsamkeü, wenn es gilt, stich vor Aerger und Verlust zu bewal-ren.
**Ein Verbandstag der Haus- und Grundbesitzervereine Deutschland« iand am 5. August in Würzburg statt, wohin auch der Gießener HauS- und Grundbesitzerverein einen Vertreter entsandt hatte.
** Tragen von Plaketten verboten. TvS Kriegs- ncknrsterrum steht sichi veranlaßt, darauf hitMNoeisen, daß nur Allerhöchsten Orts genelstntigle Aozeichen und ?lusf.eichmurgen von den Truppenteüen gcttagen toevdon d:1rscn, denen sie verliehest sind. Hierbei wird nochinmls auf die Merlststlstte Kabüuttsordm voM 21. .September 1915 hingewiesen und bemerkt, daß auch das Tragen von Erirmerrumszerchen — sogeiurmtten Plaketten — an der Ntütze nnd am Waffenvock (Bluse) mangeSÄ Werhächfter Qkv imhmigirng nicht statthaft ist. Mannschaften inw Fußurttllcrie, die während der Zugdlwrig^il zu dieser Waffe den Dienstgrad ols Obergesreiter erlangt haben und za: andevm Waffengattungen ein- gezio^m wott>en sind, tragen bei diesen die An^ichmmgskrGpse der Jrldwebet und die Säbeltvvddel der UntevvfsiMere.
Landkreis Gießen.
da. Alb ach, 12. August. Am 9. August wurde der bisherige Gemeinderechner Brück zu Grabe getragen. Er hatte 36 Jahre dieses verantwortungsvolle Amt bekleidet. Pfarrer Köhler^ Steinbach, rühmte bei dem Verstorbenen seine Treue im Amte upd seinen biederen Charakter. Sein Andenken wird in MyetH bleiben. Bürgermeister Balser legte au: Grabe im Namen der Gemeinde einen Kwanz nieder. Das Großherzogliche Kreisamt in Gießen hatte auch einen Vertreter gesandt.
u. Heucheltze : n:, 1 2. Aug. Wiederum forderte der Krieg zwei weitere Opfer aus unserer Gemeinde, die Musketiere Hermann K eitner und Otto Gernandt, beide noch im recht fugend- lichen Alter von 20 Jahren stehend.
Kreis Alsfeld.
** Mücke, 11. Ang. Einer unserer Leser schreibt uns: Der Einsender ihrer Notiz aus Mücke, vom 10. Aua., befindet sich im Irrtum. Fichten lohe als Gerbstoff wird nicht erst seit dem Krieg verwandt, sondern ist der älteste Gerbstoff zu etwa 80 Prozent, während die restlichen 20 Prozent Eichenrinde waren. Beide wurden vor einer Reihe von Jahren durch Quebracho verdrängt, das, soviel mir bekannt, durch Begehren als Schiffsballast, eine sehr billige Fracht genießt.^ In verschiedenen Wald-Gegenden Deutschlands gibt es sehr alte Lohmühlen — große und kleine —- die jahraus jahrein Fichten- oder Tannenrinde zu klarer Lohe stampften und dies heute noch tun. Also die neuere Chemie hat damit nichts'zu tun, sie ist an der Erfindung unschuldig.
Kreis Lauterbach.
Ia. B e r n s h a u s e n , 11. Aug. Der vor einiger Zeit als äemeldete Unteroffizier Fischer hat aus französischer GekcMgenschait geschrieben. - Ter Reservist Ritz im Feld- Artillerie-Regiineitt 205 und der Gefreite L a ch m a n n im Re- serve-Jnsanterie-Reguneut 88 sind durch Granatsplitter leicht verwundet.
I-u Reuters, 11. Aug. Vom Schicksal schwer heinigesucht wrrd die Familie Heinrich L i o p e r t. Von itzren 5 im Felde stehenden Söhnen waren bereits zwei für das Vaterland geiallen und nun kam am Samstag die Nachricht, daß auch der jüngste Lohn, Gefr. Karl Lippert, am 1. August bei Verdun den Heldei:- tod erlitten. Zudem liegt von den zwei noch lebenden Söhnen z. Zt. einer schwer an Lungenentzündung erkrankt in einem Feldlazarett.
^ Kreis Schotten.
sk. Schotten, 11. Aug. Bei der Sammlung zum Besten der Volksspende für die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen sind in Schotten 607,70 Mark eingegangen.
8k. H ö ck e r s d o r s. 11. Aug. Dem Musketier Karl Schott im Jns.-Regt. Nr. 172, 12. Komp., wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.
EI L a u b a ch, 12. Aug. Der Sohn des Gastwirts Böhm von hier war mit Mähen auf einer Wiese am Hellerberg beschaff ttgt, wobei ihm die Dienstinagd Marie Le u hni n g behilflich war. -rurch llnvoriichtigkeit wurde sie von der Mähmaschine'ersaßt, die ihr das eine Bein bis ans die Sehnen zerschnitt. Sie wurde sofort in die Kliiuk nach Gießen gebracht.
kl l r i ch jt e i n, 11. Aug. Der Groß Herzog verlieh Pfarrer K. A. H e l l w i g von hier für seine treue Arbeit a«f dem Felde der Kriegsfürsorge das KriegS-Ehrenzetchen.
Kreis Friedberg.
nt. Friedberg, 12. Aug. Die Schwester Toni Schäfer von hier,^die in einem Kriegslazarett im Elsaß tätig ist, hat das Hessische Sanitätskreuz erhalten.
oa. Assenheinl, 11. Aug. Musketier Wilhelm Retrig im aktiven Jnf.-Regt. Nr. 37 erhielt das Eiserne Kreuz.
ut. Nieder-Wöll st adt, 12. Aug. Dr. P i S k a t o r von hier ist zum Stabsarzt befördert worden.
Starkenburg und Nheinhessen.
ma. Osfenbach, a. M., 11. August. In der gestrigen Stadtverordnetenversammluna standen endlich die Voranschläge der Stadt Offenbach für das Reck-uungsjahr 1916 zur Beratung. Nachden: Oberbürgermeister T^. Dullo den Vorschlag gemacht, aus Vorsicht die Zinsen für die Zwecken der Kttegs- fürsorge aufgenommene Anleihe aus dem Etat wieder zu entfernen, nahm Stadtv. B r n h n s als Referent Gelegenheit, die späte Fertigstellung der Voranschläge zu bemängel:: 'imb eine künftige raschere Ausstellung zu fordern. Man habe sich nicht scheuen sollen, eine Steuerhöhung voez-uin'hmen. Die nachträglich vorgenonunenen Aenderungen erstrecken sich aus die Herausnahme des Postens „Zinsen für die zu Zwecken d^r Kr:egsfürsorge aufgenommerve Anleihe" und Einstellung der Notierung des Erneue'rmwsftmdsl für die Straßenbahn, wodurch die Inanspruchnahme des Ausgleichsfonds nur um rund 60 000 Mk. verringert wird. Die Voranschläge wurden sodann einstimmig genehmigt. Als Beittag zu den Walderholungsstätten Frankftrrt a. M. wurden wie in den Vorjahren wieder 300 9Nk. bewüligt. Außerhalb der Tagesordnung teilte der Oberbürgermeister mtt, daß die Lebensmittelversorgung der Stadt zentralisiert worden sei und die Leitung jetzt in txm Händen des Beigeordneten Kappus vereinigt sei. Vor Beginn der Sitzung verlas der Oberbittgermlcister den Dankerlaß des Kaisers an die bei der Herstellung von Kriegsmaterial beschäftigten Frauen und Männer.
Kreis Wetzlar.
ra. Wetzlar, 11. August. Der Kreisausschnß erläßt nachstehende Anordmmg: Leipe:' hat die Beobachtung gemacht werden müssen, daß bereits jetzt Spätkartoffeln zum Verkaufe an- geboten werden. Durch ein derartiges Verfahren wird der Ernte- erttag erl-eblich gesckMälert und die spätere Versorgung der All ' gemeinheit gefährdet. Es ist daher verboten, ^Kartoffeln in unreifem Zustande zu ernten. Die Kartoffeln sollen im allgemeinen erst dann aus der Erde genommen werden, n>enn die Blätter welk sind. ZUN'iderhandlungen gegen diese 'Anordnungen werden nnt Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldsttafe bis m 1500 Mk. bestraft.
d. Wetzlar, 11. August. Der 5^reisausschuß hat mit Wirkung von: 7. August 1916 ab. für inländische E i c r und Butter im Kleinhandel folgende Höchstpreise festgesetzt: süjr Gier bei Abgabe an den Verbnrucher durch den Handle-' 20 Psg. für das Stück, bei unmittelbarer Abgabe <nt die Der- kwaucl-er durch die Geflü^ll-akter 20 Pig. für das Stück. Tie Höchstpreise für Landbutter betragen: Für der: .Hersteller bei Abgabe an den Verbraucher 2.20 Mk. für das Pftind und für den Händler bei Abgabe an den Verbraucher 2,20 Btt. für das Wund. Der Verkausspreis beträgt füi' Molkereilmtter für ben Hersteller bei Abgabe an den Vnbranck>er 2,20 Mk. ffft das Pftmd und bei Abgabe seittms des Händlers an den Verbraucher 2,40 Mk. für das Pfund. Auslandslnttter kostet 2,55 Mk. das Pfund Zurückhaltung von Butter oder Eiern, um bicrdurch einen übe: mäßigen Gewftm zu erzielen, nnrd bestraf:. Vrxmfc sind als Ueberschreiftmg der Höchstpmse auch Trinkgelder, Wegegebühr ußn zu betrachten. — Eine iveitere Anordnung bc$ Kfteisausschuffes verbietet, Kattosfeln in unreifem Zustautx' zu ernten.
Wa. Wetzlar, 12. 9lug. Für das Bmertand ist gestorben O^ireller Fritz St ol l, Otts.-Jnf.-MoLt. Nr. 81. — Zuniührer


