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Erstes Blatt (66. Zahrgang
Dienstag, 2Y. August Mb
General-Anzeiger für Oberhessen
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Deutschlands Uriegserllänmg an Rumänien.
Berlin, 28. August. (WTB. Amtlich.) Nachdem, wie bereits gemeldet, Rumänien unter schmählichem Bruch der mit Oesterrerch-ttngarn und Deutschland abgeschlossenen Verträge unserem Bundesgenossen gestern den Krieg erklärt hat, ist der kaiserliche Gesandte in Bukarest angewiesen worden, seine Pässe zu verlangen und der rumänischen Regierung zu erklären, daß sich Deutschland nunmehr gleichfalls als im Kriegszustand mit Rumänien beftudlich betrachte.
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(WTB.) Großes Hauptguartier, 28. August. (Amtlich.)
W e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Im Sommegebiet machten abends und nachts unsere westlichen Gegner unter Einsatz starker Kräfte nach ausgiebiger Feuervorbereitung erneute Anstrengungen, unsere Linien nördlich des Flusses zu durchbrechen.
Gegen die Fronten Thiepval—Mouguet Fe. und Del- viltewald—Ginchy stürmten mehrmals Engländer, gegen unsere Stellungen zwischen M-aurepas und Clöry Franzosen an. Die Angriffe scheiterten, teils nach Na h - kamvf. teils durch Gegenstoß: südwestlich von Mouguet Fe. und im Delvillewald wird in kleinen Graben- teilen twch weiter gekämpft.
Auf der übrigen Westfront, abgesehen von lebhafter Feucrtäti gleit in den Abendstunden. beiderseits des Kanals -»mt La Bassse und auf dem Ostufer der Maas nichts wesentliches.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfcldmarschalls von Hindenburg.
Bei Lennewadcn brachte ein Patrouillenvorstoß zwei Offiziere und siebenunddreißig Gefangene ein.
Nordöstlich von Swiniuchp (im Lucker Bogen) wiesen österreichisch-ungarische Truppen Angriffe russischer Abteilungen ab.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Nördlich des Dnjeftr brachen abends starke russische Kräfte zum Angriff vor. Ein Anfangserfolg des Feindes bei Delejow wurde durch nächtlichen Gegenstoß völlig ausgeglich cn.
Weiter nördlich kamen zwischen Toustobabp und Zowa- low Angriffstruppen unter der Wirkung des Sperrfeuers nicht zur Entwicklung aus den Sturmstellungen.
In den Karpathen wurden russische Vorstöße gegen die Kampfhöhen nordwestlich des Kukul und auf Slara Wipi- zyna zurückgeschlagen.
An der Grenze von Siebenbürgen wurden rumänische Gefangene eingebracht.
Balkan-Kriegsschauplatz.
An der M o g l c n a - F r o n t setzten sich die Bulgaren in Besitz der Höhen südlich Zborsko. Au der Eeganska Planina sind serbische Gegenstöße gescheitert.
O b e r st e Heeresleitung.
Was wir gestern angedeutet hatten, ist inzwischen Ereignis geworden. Der kaiserliche Gesandte in Bukarest ist ängewicsen worden, seine Pässe zu verlangen und der rumänischen Regierung zu erklären, daß sich Deutschland nunmehr gleichfalls als im Kriegszustands mit Rumänien befindlich betrachtet. Diese Kriegserklärung an Rumänien wird von den Blättern aller Parteien als eine selbstverständliche FolA des rumänischen Vertragsbruches ^würdigt, der um so schlimmer zu bewerten ist, da Bratrann als ein geschickter Falschspieler im italienischen Brigcnrtenstil bis zum letzten Äugenblicke seine wahren Absichten durch Gegenzügfi zu verschleiern suchte. Dahin sind die Abkommen über die Carmen- und Merkurzüge zu rechnen, die allerdings schleppenden Verhandlungen über den Verkauf der neuen Ernte, die scheinbare Ablehnung des Russendurchmarsches kurz vor der Kriegserklärung und die Perfidie, mit der Bratianu und Genossen noch anläßlich der Ankündigung des Kron- rates die Sprachrohre der russischen Regierung, das Treiben« der Herren Filipescu und Jonescu nrit Entrüstung geißelten.
Wir haben klar Schiff, das ist das Gute, auch der zehnte Gegner hat die heuchlerische Maske abgerissen! M i t v o ll e r Entschlossenheit ist Deutschland auch diesmal an die Seite seiner Verbündeten getreten. In guten wie in bösen Tagen gehören wir zusammen, und wie schwer die Unwetter auch sein mögen, die nach zwei Jahren härtester Kämpfe am Kriegshimmel Heraufziehen, wir gehen ahnen tn unverbrüchlicher Waffengemeinschaft mit unseren Bundesgenossen festen Schrittes entgegen. Sie werden uns bereit finden, die Herrschaften von 'der erweiterten Entente, und neben Hindenburg an d>erO st frontiwird jetzt auch Mackensen auf dem Balkan zu einer Blut- arbeit ansholen. Jetzt ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, die Früchte seiner monatelanqen sttllen Vorarbeit zu ernten. In unbegrenztemVer-
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Werna:
trauen sieht das deutsche Volk seiner Führung des Feldzuges gegen Rumänien und Rußland entgegen. Er wird bei dieser Aufgabe ebensowenig allein stehen, wie im vorigen Jahre bei der glorreichen Niederwerfung des serbischen Mörderstaates. Bulgaren und Türken werden sich des neu erwachsenden Feindes der Mittelmächte gleichfalls zu erwehren haben und sie werden ihren Mann stehen. So können wir der weiteren Entwicklung der Dinge unverzagt entgegensehen. Mit Zustimmung des Buudesrats hat unser Kaiser an Rumänien den Krieg erklärt. Die ganze Nation weiß die Motive, aus denen es geschehen ist und geschehen mußte, vollauf zu würdiaen. Deutschland erwartet, daß jedermann tm Volk s eine Pflicht tut.
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Unser Berliner Berichterstatter schreibt über die Gleichzeitigkeit der bewen Kriegserklärungen:
Die Glei.chizeitigk.rr der Kriegserklärung Rumäniens an Oesterreich-Ungarn und Italiens an Deutschland mar kern Zufall. Mit Recht mird die Frage aufgeworfen, ob eine Verabredung vorlag. Ein merkwürdig ähnlicher Vorgang spielte sich bei Beginn des Weltkrieges ab. Am Nachmittag des 3. August 1914 versammelte König Carol den Kronrat zu Sinnia im Schlosse Pelesch, im Musiksaal der Königin Elisabeth. Alle 'waren sie da. die heute noch viel genannt werden, Bratianu, Costinescu, Constantinescu, Take Jr>- nescu, Marghiloman, der alte Peter Carp und der damalige Thronfolger, heute König Ferdinand. Mit ernstem Gesicht verlas Carol ein langes Memorandum. Er gab einen Ueberblick über die Lage. Er schilderte die bisherige Politik des Landes und gab seiner Meinung Ausdruck, daß es „Rumänien zur Ehre und zum Vorteil gereichen würde, wenn es sich an Deutschland und Oesterreich-Ungarn anschließen würde". In diesem Augenblick wurde Herrn Bratianu ein Telegramm überveicht: es war die Mitteilung des rumänischen Gesandten in Rom, daß Italien beschlossen habe, neutral zu bleiben. Die Versammlung explodierte. Von jenem Augenblick an begann die rumänische „Neuorientierung". Bratianu schlug abwartende Neutralität vor, bekämpfte eine formelle Neutralitätserklärung und liatte schließlich fast den ganzen Kronrat für seine „vorbereitende" und alles unentschieden lassende Politik. Auf der anderer: Seite stand König Carol allein, neben ihm Peter Carp. Bald darauf begannen zwischen Rom und Bukarest „Konversationen", die gemeinsame Iiichtlinien der Politik Italiens und Rumäniens festsetzten und Verabredungen für gewisse Fälle treffen sollten. Ihr Ergebrns war, daß beide Staaten vorläufig den Gang der Ev- eigxrisse abwarten, dabei aber ihre militärischen Rüstungen ergänzen sollten, um, wenn einer von ihnen durch einen Offensivkrieg von! einer Macht bedroht werde, sich gegenseitig HLlfe zu leisten. Daher legte es ja Italien im Sontmer vorigen Jahres durch seine ins Maßlose übertriebenen Forderungen darauf ab, Oesterreich zu einer Kriegserklärung zu zwingen, um in Bukarest die Erfüllung der ein-- g^angenen Verpflichtungen zu beanspruchen. Was damals nicht offen gelang, ist diesmal durch diplomatische Winkelzüge vorbereitet und abgekartet worden. Rumänien mußte in derselben Nacht in den Weltkrieg eintreten, in der Italien durch seine Kriegserklärung an Deutschland den großen Ring schloß.
Man sprach ja schon lange von einem militärischen Geheimvertrag zwischen Italien und Rumänien. Die rumänische Regierung
hat wiederholt in ihren Parteiblättern einen solchen Vertrag ge» leugnet. Selbst der deutschfeindliche rumänische (feratimftet FÄd-, pescu schrieb im „Universul", als die Lage zwisck)en L>esterreich-Un- garn und Italien immer gespannter wurde: „In den nächsten Ta-' gen' steht die Entscheidung in der Haltung Italiens bevor. Wir sind aber noch nicht einmal mit der diplomatischen Vorbereitung des Krieges fertig. Wir besitzen keine bestimmten Erklärungen seitens des Dreiverbandes über Entschädigungen für die Aufgabe der tralität. Italien hat alles geordnet, wir nicht. Sollten wir dank unserer unfähigen Regierung auch diese günstige (?) Gelegenheit zum Los schlagen verpassen?" Man sieht aber doch hieraus, wie die Kriegshetzer in Rumänien stets die Parallelität mit Italien im Auge halten und wie jede Entladung in Rom einen Jirduktions- ström in Bukarest auslöste. Das Tragikomischste in dieser Nachäffung ist das Lied der „unerkösten Bruder", das die Herren Jonescir, Filipescu, Gradescu, Dimürescu und wie sie alle heißen, immer wieder nach-dem Vorbild des italienischen Jrredeutismus anstimm- ten, um auf das Ziel hinzuarbeiten, das jetzt zum tatsächlichen und und eigent lichen Kriegszi'el Rumäniens geworden fit: Die „Erlösung" der unter dem „Joch" von Ungarn und Oesterreich schmachtenden Rumänen. Aber das hat, wie gesagt, etwas höchst tragikomisches. Tie Erlösung wird drüben bei den österreichisch-ungarischen Rumänen nicht gewünscht, sondern höchstens gefürchtet. Sowohl der Führer der Rumänen -m ungarische Reichstag, Herr Vojda, wie der rumänische Episkopat der Doppelmonarchie, wie überhaupt das gesamte rumänisch? Ball in der Bukowina und in Siebenbürgen stehen jeder irredentistischen Bewegung nicht nur fern, sondern sie bekämpfen sie aufs äußerste. Sehr wenige traurige Ausnahmen be,tätigen die gute Regel. Und das zu den Waffen eilende Rumänien muß es erleben, daß der deutsche .Heeresbericht am ersten Tage des Kriegszustandes Rumäniens ganz trocken berichtet: „An der Grenze von Siebenbürgen wurden rumänische Gefangene eingebracht". Sie wurden nicht begrüßt und nicht befreit von der Bevölkerung. Man bereitet der Bundesschwester Italiens dort den gebührenden „Empfang".
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien. 28. August. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 28. August 1916.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
An den südöstlichen und östlichen Grenzwällen Ungarns hat gestern abend unser neuer Feind Rumänien in heuchlerischem Ueberfall mit unseren Grenzposten die ersten Schüsse gewechselt. Am Roten-Turm-Paß und an den Pässen südöstlich und südlich von B ra sso sind heute ftüh beiderseits Vortruppen insGesechtgetrcten und die ersten rumänischen Gefargenen eingebracht worden.
In den Karpathen wiesen wir iwrdwcstlich des Kukul-Berges etnen starken russischen Angriff unter schweren Fetndesverlusten ab. Auch nördlich von Marpampol endete ctn gestern abend angesetzter Borstoß für die lkkussen mjtf


