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23/08/1916 Erstes Blatt
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Mer Rimränien stecht die russische Armee, die ganz offen die Absicht bekundet, gegen uns vorzumarschieren. Wir .müssen uns darüber im klaren sein, wann und auf welche Weise dies geschehen kann, und müssen diesen Bormarsch vereiteln. Mit Rumänien wollen und werden wir abek in Freunds -schafft bleiben. Und ich glaube, Rumänien wird mit den im "Norden erfolgten Maßnahmen zufrieden sein, da sich diese keineswegs gegen Rumänien richten. An der mazedoni­schen Front schreiten unsere Operationen im Süden, Weften und Osten mit vorzüglicher Sicherheit vorwärts, ohne die Empfindlichkeit der Griechen und des griechischen Heeres in irgendwelcher Richtung anzutasten. Die Verwal­tung der von uns besetzten griechisch-mazedonischen Orte bleibt nach wie vor ausschließlich griechisch, denn wir wollen keine gritthisch-mazedonischen Ortschaften besetzen, sondern bloß uns einen Weg zu den in Griechenland eingedrungenen Ententetruppen eröffnen und ketztere vom Balkan gänzlich hinaust r e t - ben. Wir sind von den zuversichtlichsten Hoffnungen erfüllt. Hoch st wahrscheinlich wird die mazedonische Niederlage der Entente einen noch wertgro- ßeren Einfluß auf den Gang des Weltkrieges haben, als die Vereitelung der Dardanellen-

a Berlin, 23. Aug. In Bukarest findet heute, wie ver­schiedene Morgenblcttter melden, ein Ministerrat zur Prüfung der auswärtigen Lage statt. Dem Lokal-Anzeiger" zufolge hätte die Beunruhigung der öf­fentlichen Meinung in Bukarest sichtlich nachgelassen Und die durch die Verhältnisse gebotenen Maßnahmen und diplo­matischen Besprechungen würden mit größerer Kaltblütig­keit beurteilt .

i. Köln, 23. Aug. Einer Bukarester Depesche derKöln. Ztg." zufolge ist der Eindruck der bulgarischen Offen­sive auf die Verbandsfreunde umso größer, als ne sich über ivie Wahrbastigkeit der bulgarischen Berichte keiner Täuschung hin­gegen Die Kriegstreiber sehen mit gsipannter Erwartung dem 28. August entgegen, tvelches Darum die Föderalisten für die ru­mänische Kriegsentscheidung in Aussicht genommen haben. Kenn­zeichnend ist, daß gelegentlich der Betrachtung der Kriegslage die Anerkennung der Erfolge der Mittelmächte durchdringe. So schreibt der militärische Fachmann des föderalistischen Hauptblattes bei Erwägung der Vorteile der inneren Linie, auf der Rumänien im Kriegsfälle stände, daß die Mittelmächte zeigten, was man mit ihr leisten könne, denn obgleich von allen Seiten angegriffen^ widerständen sie noch inrmer.

Die französischen Verluste.

Berlin, 23. Aug. Aus amtlichen franz ösischen Angaben veröffentlicht ein französischer Journalist in einem spanischen Blatte Ausführungen, denen zufolge der Reichstagsabgeordnete Dr. Pfeiffer, lantNordd. Allg. ' Ztg", die Gesamtverlustc der französischen Armee seit .Kriegsbeginn ans 3917 860 beziffert. Die Ver­luste vor Verdun an Toten und Verwundeten sollen 200000 betragen. Der französische Journalist sagt ausdrück­lich, die Berechnungen seien begründet auf die durch die Pensionskredite des französischenJournal ofsiciell" ge­lieferten Zahlen. Sie entsprächen auch vollständig den von kompetenten Persönlichkeiten erhalten Aufschlüssen.

Mißernte in Frankreich.

Bern, 22. Aug. (MTB.) Der Großgrundbesitzer Q n i l l e t hatte mit einem Vertreter desPettt Parisien" eine Unterredung!, in der er als Präsident des Agrarverbandes für das Departement Eure feststellte, daß m Frankreich eine Mißernte bevorltehe, und daß der diesjährige Getreideertrag ungenügend sei. Die diesjährige Ernte sei derart mißraten, wie dies in seiner 35 jährigen Er­fahrung noch nicht erlebt habe. Zn dieser Aeußerung bemerkt die Direktion des 2lqrarverbandes Fmnkveichs, es fei richtig, daß die diesjährige Ernte eine Mißernte sei. Die von Qstillet gegebenss Schilderung entspreche leider der Lage in gar vielen Bezirken. Es stehe fest, daß die diesjährige Ernte geringer sei als die vor- lächrrge, die auch nur einen mittleren Ertrag gegeben habe. Man dürfe aber zur Zeit noch annehmen, daß die Gefantternte Frank­reichs nicht um ein volles Drittel hinter dem vorjährigen Ertrag zurückbleibe. Immerhin werde Frankreich rund 33 Millionen Doppelzentner, d. h. sechs Millionen mehr als im Vorjahre, aus dem Auslande ein fuh ren müssen.

Vom Ackerbaunttnisterinm l?at derPetit Parisien" eine Aus­kunft erhalten, nach der man zur Zeü nttt rlrnd 60 Million ein) Doppelzentner Getreideertrag rechnet, während das Vorjahr 68 Millionen lieferte. Durchschnittlich rechnet das Ministerium mit nur 70 Prozent des Ettrages vom Vorjahr.

Ein« Frieden-debatte im englischen Unterhaus.

Haag, 22. Aua. (Zf.) Reuter Meldet aus London: Im Unterhanse richtete Bytes die Anfrage an Asguith, ob er die Aufmerksamkeit auf die Aeußerung Zimmermanns gerichtet habe, daß sich die deutsche Regierrmg bereits wiederholt bereit s erklärt habe, rnFriedensv erbau dl ungen einzutveten, daß 1 -edoch d« Entente unter dem Drucke Englands niemals eine ähn­liche Bereitwilligkeit gezeigt habe. Weiter inachte er Asguith auf , che Friedensneigungen, che auf der sozialistischen Versammlung in Lerpsig.zur Aeußerung gekommen seien, imd die zahlreichen Vvlks- deMonstrationen ^rn Deutschland aufmerksam und fragte, ob er wohl .erklären wolle, inwieweit die englische Regierung geneigt sei, diese . ausgesprochenen Friedenswünsche zu beantworten. Asguith ant­wortete. che deutsche Regierung habe bis jetzt keine Neigung gezeigt, zu Friedensunterhandlungen zu kommen, es sei denn ans Grund von Bedingungen, che ganz unerträglich und erniedrigend für einrge Verbündete wären. Dal ziel fragte: Send Bedingungen in Er­wägung gezogen worden? Asguith antwortete: Allein das, tvas in den Zeitungen stand. Dal ziel: Also nicht offiziell? Asguith: Nein!

Explosion in einer englischen Munitionsfabrik.

London, 21. Aug. (WTB.) Amtlich wird gemeldet: Am Nachmittag fand in einer Munitionsfabrik in P o r k s h i r e eine Explosion statt. Einzelheiten fehlen. Es scheint, daß der Verlust an Menschenleben schwer ist.

Russischer Schwindel mit Gesangenenzifsern.

Wien, 21. Aug. Ans dem Kriegspresseouartier wird gemel­det: Der russische Tagesbericht vom 16. August enthält die wa hn w i tz i g e B e h an pt u ng, daß die T ru p pe n B r u s- 'sil o ws'vom 4. Juni bis 8 . August an der Front vom Prigjet bis zur rumänischen '.Grenze 7757 Offiziere und 3 50 845 Mann gefangen genommen hätten. Die Erklärung dieser stattstischen Genauigkeit liegt darin, daß die Russen die Gefangenen­zahlen immer aus Hunderte oder tausende abrunden. Beispielsweise meldet das Regiment 200 Gefangene statt 143. Aus diesem Abrundungsüberschuß ergeben sich ^ene dann maßlosen Ab- weichungen von den tatsächlich erreichten Gefangemmzahlen. Um den Verdacht von diesen Machenschaften abzuwenden, wird dann im amtlichen Bericht die vorher aus Hunderte und Tausende abge­rundete Summe bis aus die einstelligen Zahlen zugespitzt, so in die­sem Falle 850 000 auf 350 845. Dasselbe gilt bezüglich der un­wahren Angaben über die Kriegsbeute. Wenn außer der angeblichen Gesäusenen zahl auch die Toten und die Vernum deten in Berechnung gezogen werden, müßten nach dem Maßftab der Brussilowfchen Statistik an dieser Front bei noruraler Besetzung der Linien die Besatzungen sämtlicher Abschnitte spurlos verschwunden fein Demgegenüber ist allbekannt, daß vom Pripjet bis zur rumä­nischen Grenze die eherne Mauer unserer Fronten der großen feind­lichen Uebermacht mächttgen Widerstand leistet und in schweren Ackchchen «ri «rsttze dy v ar Punkten sogar Raum gewinnt. Ter Ge­

gensatz zwischen dieser Tatsache nnd den russiscl>eil Zahlenangaben, tonnte allenfalls nur durch die Annahme erklärt werden, daß Brussilow die ZNehrzahl seiner Gefangenen uns in entscheidenden Augenblicken zur Verteidigung unserer Fronten zur Verfügung stellt.

Die russischen Anleihen.

Kopenhagen, 22. Aug (WTB. Nichtamtlich.)Ber- lingske Tidende" meldet aus Petersburg: Finanz­minister Bark ist aus dem Hauptquartier zurückgekehrt, wo der Zar seinem Bericht über die im Auslanoe aufgenom­menen Anleihen zugesttmmt hat. In dem Bericht wird mit­geteilt, daß in Italien, Japan, Norwegen und Schweden insgesamt eine halbe Milliarde Rubel an russischen An­leihen untergebracht werden, die zur Bezahlung von Kriegs­lieferungen verwendet werden.

Der Kampf in Ostafrika.

London, 22. Aug. (WTB.) Meldung des Reuterscheu Bureaus. Aus bem 1 Hauptquartier des Generals van Dev en­ter aus Kidete wird v-oM 20. August gemeldet: Kidete wurde heute früh nach heftigem Widerstande des Feindes unbeschädigt besetzt. Tie Infanterie des Generals Berran ge kam gestern früh in die gegenüberliegende Stellung. Ter Feind nahm mit vier Geschützen die starke Stellung auf dem Höhenpaß ein, der die Ebene beherrscht, und eröffnete das Feuer auf unsere berittene! Infanterie, die auf der Flanke stand. Unsere berittenen Truppen griffen ^darauf an, während die Infanterie iM Zentrum über offenes Gelände unter einem Regen von Granatkartätschen vor­rückte. Der Feind eröffnete das Gewehrfeucr und setzte seine Sckmellfeuergeschütze in Tätigkeit. Wer unsere Infanterie rückte bis Mittag vor, wo sie der .Feind auf der ganzen Linie unter Feuer, nahm. Inzwischen begannen die berittener Truppen eure Um­gehungsbewegung, die den ganzen Nachmittag fortgesetzt wurde.. Beim Anbruche des Abends blieben alle Truppen in den Stel­lungen, die sie nach zwölfstündigem Kampfe eingenommen hatten, ohne Essen und Trinken: denn sie waren nach einem 24stündigen Marsche sofort zum Angriff übergegangen. Bei Tagesanbruch zeigte es sich, daß der Feind seine Stellungen geräumt hatte. Unsere Verluste sind gering, wenn mau die Stärke des Feindes und die Bedeutung der eroberten Stellung in Betracht zieht. Das Gefecht war das hartnäckigste, das wir bisher bei unserer Bewegung nach Westen gehabt haben.

London, 21.. Aug. lWTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterscheu Bureaus. General'S m u t s meldet ans Ostafrika: Britische Kolonnen besetzten nach einem: Gefacht mit eurer starken, feindlichen Truppenmacht, welche die Furt int Wamiffuß deckte, die Uebergangsstellen. Ter Feind zog sich zurück. General v a n Dev ent er, der von H papu-a östlich vorging, brachte einer deut­schen Truppenabteilnng bei der Station Kidete an der Haupt­bahnlinie schwere Verluste bei und nähert sich jetzt Kilosse. Weiter östlich gehen unsere Kolonnen jetzt auf Da r es Salarn vor, wo­bei sic von der Küste aus durch Marine unterstützt werden.

Der §eekneg.

Die letzten U-Booterfolge in der Nordsee.

Berlin, 22. Aug. (WTB. Amtlich.) Zu den gestern gemel­deten Erfolgen unser er U -Bo ote werden im Hinblick auf die amtliche englische Veröffentlichung folgende Einzelheiten auf Grund der inzwischen eingegangenen Meldungen, bekannt gegeben: Am 19. August gegen 5 Uhr nachmittags sichtete eines unserer' U-Boote fünf k l e i ne e n g l i s ch e Kreuze r mit südöstlichem Kürs, die von zwei Zerstörerslottillen begleitet worein Hinter diesen standen sechs Schlachrkreuzer mit starker Zerstörersicherung. Dem U-Boot gelang c#, auf einen der sichernden Zerstörer, der vier Schornsteine hatte und anscheinend dem Typ Mvhawc ange­hörte, zum Schuß zu kommen. Kurz nach dem Treffer sank der Zerstörer, mit dem Heck hoch aus dem Wasser stehend. Als gjleich darauf per gesamte e n g l i s ch e V e r b a u d k e h r t machte, griff das U-Bvot einen nunmehr hurten stehenden. 25 Seemeilen laufenden kleinen Kreuzer vom Typ der Cha- tham-Klasse an. Es wurden zwei Treffer, der eine in die Back, der andere in den Maschinenraum beobachtet. Das Schiff bekam sofort starke Schlagseite und blieb liegen. Wegen der starker! feindlichen Sicherung gelang es dein U-Boot erst 21^ Stunden später, den Angriff auf den Kreuzer, der inzwischen ins Schlepptau genommen worden rvar, zu wiederholen. Kürz vor dem'Schuß des U- Bvotes wurde beobackcket. !vie ein 300 Meter querab stehender Zer­störer Mit äußerster Kraft auf das U-Boot zulief und es zu ram­men verfuckste. Dies -sing augenblicklich auf eine größere Wasser- tiefe und vernahm gleich darauf eine starke Detonation über sich. Die feindlichen Zerstörer verfolgten das Boot bis in die Dunkelheit. Das Boot ist inzwischen wohlbehalten z u r ü ck g e k e h r t. Ter schwerbeschädigte kleine Kreuzer wurde später von einem ande­ren unserer U-Boote vernichtet.

» Hern oe fand, 22. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Mel­dung des Gvenska Telegram Byrcm.^DerBester Nord­lands Allehanda" zufolge ist der deutsche Dampfer Desterro", südwärts unterwegs, seit Donnerstag voriger Woche verschwunden. Das letzte Mal, als man von dem Dainpfer hörte, befand er sich zwischen Bremoe und Agoe. Er hatte nach Gefle telegraphiert, er werde von einem U-Boot verfolgt. Der Dampfer hatte einen schwedischen Lotsen an Bord, der ebenfalls nichts mehr von sich hören ließ.

London, 22 .Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel­det: Der italienische DampferEr ix" und der italienische SeglerDia" sind versenkt worden.

Bern, 22. >Aug. '(WTB.') Der englische DampferSwe- d i s h P r i n c e" (3712 Tonnen) ist deyrTemps" zufolge versenkt worden. I

Aur dem Reiche.

Berlin, 28. August. Dem Kaiser ist laut ,LZoss. Ztg." von Generaldirektor Becker vom Stahlwerk Becker eine Million für ein O ffiziers ge nes u n g sheim in Homburg zur Verfügung gestellt worden.

Berlin, 23. Aug. lieber die Lage des deutschen A r b e i t s m a r k t e s im I u li sagt das Reichsarbeits­blatt in seinem Augustheft: Die lebhafte Beschäftigung, die insbesondere die für die Kriegswirtschaft arbeitenden Gewerbe ausweisen, hat dem Vornronat gegenüber in ein­zelnen Gewerbsz-lveigen nock) eine Steigerung erfahren. Auch im Vergleich zum Juli des Vorjahres ist verschiedentlich eine Verbesserung festzustellen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 23. August 1916.

Das Na,nenstnqsfe st deS Großherzoge wird kommenden Freitaq (Ludwigskaq) dadurch bedangen, daß an diesen! Taqe an sämtlichen Schulen des Landes der Unterricht aus­fällt nnd an dessen Stelle Gedenkfeiern treten.

"* Auszeichnungen. Der Großherzog hat dem Bataillons-Adjutanten Leutnant Emil H o ff in a n n im Landstnrm- Ins.-Batailloi! Gießen, Amtsrichter in Ofsenbach a. M., nnterin 26. 7. 16. das A l l g e m c i n e Ehrenzeichen mit der Inschrift ^F ü r K r i e q s v e r d i e n st e" am Kriegsbande verliehen. Der Groß Herzog hat dein BatailloitSarzt Dr. Deibert im Land- sturm-Insanterie-BataiNol! Gießen unterm 16. 8. 18. das Militär- SanilätSkreiiz am Kriegsbande verliehen.

** Handelsbeziehungen mit den besetzten Ge­bieten Rußlands. Die seit langem erstrebte Ausdehnung der Amtlichen Handelsstelle deutscher HaNdelskaimnent, deren Tätig­

keit sich bis jetzt nur auf das. Genera!gouvernem.ent Warschau er^ streckt hat, auf die besetzten Gebiete Rußlands ist nuinntehr nach Zustimmung des Herrn Oberbefehlshabers Ost beschlossen worden. Geschäftsstellen tverden in Kvttmo (Hauptgeschäftsstelle). Gwdno, Wilna, Libau, Milan und Bialystvt eingerichtet. Die Errichtung! einer Geschäftsstelle in Suwalki ist in Aussicht genommen. An­meldungsformulare si'ir Firmen, die mit den besetzten Geb«tMl Rußlands in Geschäftsverbindung treten wollen, könnet! von der Handelskammer Darmstadt bezogen tverden. Firncen, die sich neu in eine der Listen Ober-Ost eintragen lassen, werden ohne Zah­lung einer weiteren Gebühr auch in die entsprechende Liste für das Generalgouvernement Warschau eingetragen.

** Die Reichs-Gerstengesellschaft m. b. H. Ber-, lin teilt in einer Bekanntmachung im heutigen Blatte mit, daß sie für die Kommunal bezirke Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Lauterbach, Schotteu, Wetzlar, eine Geschäftsstelle errich­tet und mit deren Führung die Firma: Vereinigte Getteidehändler G. m. b. H. Gießen, Friedrichstraße 8 , beauftragt hat. Ter Ankauf von Gerste gegen Bezugsscheine kann nur durch diese Geschäftsstelle oder deren Beauftragte erfolgen. Fälschlich ist vorstel-ende Notiz schon gestern veröffentlicht worden. ,Die Bekanntmachung besindet sich im heuttgen Blatte.

**- Technische Hochschule Darmstadt. Unsere Leser machen swir auf die int Anzeigenteil unseres Blattes enthaltene Be­kanntmachung der Technischen Hochschule zu Darmstadt aufmerk­sam, die eine vollständige wissenschaftliche nnd künstlettsche Aus­bildung für den technisckM! Beruf gewährt. Auch Frauen werden! zunt Studium zugelasseu. Akademisch gebildete Personen und selb­ständige Männer, die ihrer äußeren Lebensstellung nach nicht als Studierende oder Hörer eintveien können, ebenso Frauen können! als Gäste zmn Bsiuch einz.elner Vorlesungen mrd Hebungen zu­gelassen werden. Tie ^Technisch!? Hochschule hat das'Recht, aus Grund besonderer Prüfungen den Grad^ eines Tchlonr-Jngemeurs und die Würde eines Doktor-Ingenieurs zu erteilen. Infolge Vertrags zwischen der Großherzogt. Hessischen nnd Kgl. Preußischen Landes­regierung besteht Gleichstellung und gegenseittge Anerkennung für die Vorprüfung und erste Hauptprüftmg für den.Staatsdienst inr Hochbau-, Ingenieurbau- und MasÄiinenlxtufache. Besonders ist noch hervorzuheben, daß durch die eingerichteten Herbst- und Oster- kurse es möglich ist, zu Ostern oder im Herbst mit dem Studium zu beginnen und somit ohne Lellversäumuis nach je vier So mestern die Vorprüfung und nach je acht Semestern die Haupt­prüfung abzulegen. ,

** B r i e fschm'uggelvonKriegs gefangenen. Trotz aller Hinweise komück es llnmer wieder vor, daß Kttegsgefangene o^der deren Angehörige einen Sch-nMgget van Nachrichten nach den! Kriegsgefangenenlagern oder von dort versuchen. Bor solchen Ver- suchen kann lnich>t genug geüvanrt w'erden, weil dadurch! die Zustellung von Paketen^ nach Gefangenenlageru überhaupt gefähwet wird. Erst vor einiger Zeit hat die englische Negierung angedroht, die Zustellungen von Konservensendungen an die Gefangenen gmtz zu verbieten, wenn der damit verbundene Nachrichtenschrnuggel nicht aufhöre. Daß auch die Gefangenen, ivelche verbotene Wege der Nackrichten-Vermittelung beschreiten, sich selbst und ihre Landsleute großen Unannehmlichkeiten aussetzen, beweist der folgende Fall, den dieser Tage ein Internierter aus der Schweiz den Angehörigen eines seiner ivoch in französischer Gefangenschaft befindlichen Kame­raden Mitteilte:Bor Unserer Abreise sind wir oft genarnt worden, doch keine Briefe nach^ Deutschland dnrchznschmuggeln, b*. dies schwer bestraft würde. Ihr Sohn, der schon nach der Schweiz be- stimmt war, fvurde von den französischen Behörden im letzten Augenblick zurückbehalten, da irnian in seinem: Gepäck Briefe gefunden hat, die von anderen Kameraden iw Lager gesckwieben und nach Deutschland bestrmwt waren. Diese Briefe schilderten teillveise das Los sin der Gefangenschaft, teilweise enthielten sie Beleidigungen französischer Bester. Ter Schreiber eines dieser Briese ist sochrt verhaftet worden. Leider w^urde auch Ihr Sohn in das Lager zurückgebracht. Er erlchelt 15 Tage Gefängnis und alle wurden dann nad} der Stvafinsel Croix geschafft."

** Einschränkung des Briefverkehrs nach dem n i cht fein dlichen Llu slande. Zur zweckentsp miycvbeti Durchführung der während des .Krieges notwendigeir mjlitärffchen Ueberwachung des Kcachrichtenverkehrs mit dem Ausland ist es er­forderlich, daß der Btteftext der offen aufzuliefernden Privatbrvefe nach dem n icht f eindl ichen Ausland, mit Wsuahu« der besetzter! Teile Belgiens und Russisch-Polens, gleichviel, ob d« Briefe in deutscher oder in einer für den Bttefverkehr nach denr Auslande gestatteten sientden Sprache abgefaßt sind, nicht über 51 m Bogenseiten gewöhnlichen Bnefformats (Quart) hrnansgeht. Tie Bttefe dürfen keine Anlagen enthalten, in denen sich Nach­richten befinden, sie müssen ferner in deutlicher, ohne werteres gut lesbarer Schrift mit nicht zn engem Zeilenabstaude geschrieben sein, auch dürfen keine Schriftzeilen über Schttftzeilen einer an* deren Richtung quer hückveglauseri. Bei Geschäftsbriefen kann- wenn sie im übrigen den vorstehenden Bedingungen entspreck>en, der Inhalt den Raum bon zwei Bogenseiten überschv:llen und die Bei­fügung von Rechnungen, Preisverzeichnissen mrd dergleichen ge­schäftlichen Anlagen erfolgen. Zur Verpackung der Briefe nmh dem Auslande dürfen nur Umschläge venvendetz werden, die aus einer einfachen Papier- oder Stofflage, also ohne Fntter-f einlage miß Seiden Papier oder andren Stoffen, bergesteil t sind. Bei Briefen, die den angegebenien Alnforderungen nicht ensiprechgn, müssen die Msender damit veck>nen, daß sie infolge der Erschioernng des Prüfimgsgeschäfts mit mehtlvöchiger Verspätung an! Besttnd- innngsort eintreffen. Bei dieser Gelegenheit wird besonders darauf hingennes-en, daß der Abfluß der nach dem Auslarwe gerichteten, Bricfsendungen sich naturgemäß mnso regelmäßiger nnd pünktlicher gestalten^'rvird, je geringer die Zahlsider zu bearbeitenden Sendungen ist. Es ist daher ivimschenswert, daß die Zahl des Privatbriefe nach dein nichtfeindlichen Mtslande auf das unabweisbare Bedürfnis be­schränkt werde.

** Paketverkehr mit Belgien. Born 21. August ab sind im Verkehr zwischen Deutschland und dem Gebiet des General­gouvernements Belgien gewöhnliche Pakete bis 5 kg gelassen. Die Gebühr beträgt 1.20 Mk.: für sperrige Sendungen 50 v. H. Zuschlag. Die Pakete müssen vom Absender sieigcnwcht werden: sie sind mit den gewöhnlichen graublauen Paketkarten für den Anslandsverkehr aufzuliefern. Zu einer Paketkarte darf nur e i n Paket gehören: Mitteilungen auf dem Abschnitt der Paketkarte sind verboten: in den Paketen dürfen keine Bnefe oder Mitteilungen irgend lvelcher Art entliallen sein. Jedem Paket sind drei Zollinhaltserllärungen (eine lveißie und zioei grüne) ist deutscher Sprache beizufügen. Wie bei sonsttgen Paketen des MS- landsverkel)rs haben die 91bfender in Deutschland sich selbst Wer. die bestellenden Ausftihr- und Einfuhrverbote zn unterrichten und sind für die Folgen der Nichtbeachtung dieser Verbote allein ver­antwortlich. Pakeie, die verbotene Gegenstände enthalten und von tänner Ws- und Einfuhrbewilligimg begleitet sind, werden ohne IInbestellLarkeitsmeldung portopslichttg von der deutsch-belgischM Grenze an den Absender zurückgeschickt. Für Verluste von Paketen aus dem belgischen Gebiet wird nicht gehaftet. Die übrigen Vev- sendungsvorschriften dürfen für den neuen Paketdienst, insbesondere' auch die Einfuhrbeschränkungen usw., lehnen sich im allgemeinen an die vor dem Kriege bestehenden Vorschriften für,den Paketverkehr, mit Belgien an. Genauere dluskunft, insbesondre auch darüber, nach welchen Orten Belgiens Postpakete zugelassen sind, erteilen dre. Postanstalten.

** Im Lichtspielhaus Bahnhofftraße 34 spielt von!, gestern ab ein neuer Stuart Webbs Dedekttvsilnt.: Der Amateur^ mit Ernst Reicher vom neuen Theater Frankftcrt in der Haupt-, rolle Außerden! bringt der Spielplan die neuesten Anfnahmenl von Ost und West und dein türkischen Kriegssck>awMtz, ein drei-* akttges Lustspiel, der lustige .Journalist, eine mtevvssarrte Nature auftiahme von der bosnischen Ostbahn von Serajewo und zrnn Schluß ein Lustspiel in einem Akte, Wer ist der Bd-ter. Bei der immer interessanten Auswahl der Spielfolae kann ein Besuch des Lichtspielhauses, zumal bei dem trüben Wetter, nur crnpfohlenj tverden.

** Die Hafer ernte ist gegemvärtig in vollem Gallge^ Ter Landwirt tyat tvohl selten mit solcher Freude seine Hafers selber, über und über mit Garben bedeckt, vor sich ausgebreitev gesehem wie in blefent Jahre. Seit Jahrzehnten wurde keine s« reiche Ernte crsiett, wie im Kriegsjahr 1916. Stroh- und .Wruvrch