Nr. *80
Der 0fefpn«r Anzeiger
«scheint tßciRcf), mcher Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich KietzenerKamilienbkätter; zweimal wöchenU.Xreir- biattfürdrnAreis Gießen (Dienstag und Freilag): zweirnal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragcn Fernsprech - Anschlüsse: snrdie SchriltleitungllZ V<chlag,Geschäit-?stelle51 Adresse llir Dratztnach- r,chten: Anzeiger Gietzeiu Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.
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Donnerstag, Z. August IM
eneral-Anzeiger
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hindenburg wird Oberbefehlshaber im Züdoste
Ein neuer Erfolg vor Verdun.
^WTB.) Großes Hauptquartier, 2. August. (Amtlich.)
Wc st licherKricgsschau platz.
Nördlich Der S o m m c griff brr Feiud abends mit sehr starken Kräften, aber vergeblich, den Abschnitt von Ataure- vas bis zur Somme an, nachdem er bereits am Nachmittag bei einem Teilunternehmen gegen das Gehöft Monacu durch raschen Gegenstoß deutscher Bataillone eine blutige Schlappe erlitten hatte. An der Straße Maricourt—Clerp ist er bis zu unserem völlig cingeebneten Graben vorgedrungen. Die feindlichen Verluste sind wieder erheblich.
Südlich der Somme haben sich bei Belloy und Estrees örtliche Kämpft abgespielt.
Rechts der Maas machten wir nordwestlich und westlich des Werkes T h i a u in o n t Fortschritte. Wir gewannen dicBcrgnase n o r d ö st L i ch der F e st e Souville und drückten den Feind im Bcrgwalde sowie im Laufee-Wäldchen wesentlich zurück. An unverwundeten Gefangenen sind neunzehn Offiziere, n c unhundertdreiundzwanzig Mann ein gebracht und vierzehn Maschinengewehre geborgen.
Englische Patrouillen, die im Abschnitte Ypern—Armentieres besonders tätig waren, wurden überall abgewiescn.
Feindliche Fliegerangriffe gegen Ortschaften hinter dem nördlichen Teile unserer Front wurden wiederholt. von militärischem Schaden ist kaum zu reden. Die Verluste unter der Bevölkerung mehren sich. Wie nachträglich gemeldet wurde, ist in der Nacht zum 31. Juli auch Arlon in Belgien angegriffen worden. Das Jesuitenkloster und die Kirche sind getroffen. *
, Durch Abwehrfeuer wurden drei feindliche Flugzeuge, und zwar nördlich von Arras. südwestlich von Bapaume und bei Pozieres. im Luftkampf eines bei Monthois abgeschosscn.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Auf dem nördlichen Teile der Front keine wesentlichen Ereignisse.
Südwestlich von Pinsk wiederholten sich die russischen Unternehmungen beiderseits des Nobel-Sees mit verstärkten Kräften und dehnten sich auch auf die Gegend von Lubieszow (am Stochod) aus.- Sie wurden glatt abgewehrt.
Mehrfache Angriffe im Stochod bogen (nordöstlich der Bahn Kowel—Rowno) brachen bereits im Sperrfeuer vollkommen zusammen. Immer wieder lief der Gegner ohne Rücksicht auf seine großen Menschenverluste gegen unsere Stellungen zwischen Witoniez und der Turya an. Alle seine Anstrengungen blieben ergebnislos.
Bei der
Armee des GeneralsGrafen von Bothnrer find feindlich" Teilangriffe in der Gegend westlich von Wisniewczyk (an der Strypa) und bei Welesniow (am Koropiec) gescheitert.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Ober st e Heeresleitung.
Sollte Hindenburg für die Bukowina werden, was er für Ostpreußen ist: der Befreier, der Sieger über rnssische Eindringlinge? Mit den lebhaftesten Empfindungen wird überall die nachstehend Wied er gegebene kurze Notiz gelesen werden, daß der Kaiser auf seiner Fahrt nach dem östlichen Kriegsschauplatz im Einvernehmen mit Kaiser Franz Josef wichtige Aenderunaen in der Befchlsgewult getroffen und unseren Generalfeldmarschall v. Hindenburg an die Spitze mehrerer Heeresgruppen im Südosten gestellt habe. Das wird fern und nah einen großen Eindruck machen. Die deutschen Truppen vornehmlich, die bisher an der Seite der österreichischmngarischen Bundesgenossen gefochten haben, werden die Nachricht mit Begeisterung und Freude begrüßen. Hindenburg und Brussilow: was ist.der russische Menschen- aufopferer, der 'mit ungeheurem Aufwand und großer Ueber- zahl fernem Vaterlande fürchterliche Blutverluste und weniger als Pyrrhussiege gebracht hat, gegen den eutschlosse- neil strategischen Meister, der mit verhältnismäßig geringen Mitteln den Massenfeind bändigte und über die Grenzen zurückwars? Wir dürfen die neue Aenderung in den Be- „ fehlsgewalten mit großer Zuversicht begrüßen. Läiigft schon -werden viele Tausende heimlich gedacht haben, warum der Held von Masuren so beharrlich in seinem alten Kampfbereich verblieb, nachdeni es dort, im Vergleich mit anderen wichtigen Schauplätzen des Weltkrieges, keine große aktive Betätigung mehr gab. Es wird seine guten Gründe gehabt haben. Daß unsere Truppenverbände zwischen Oft und West nach der kriegerischen Lage in den Eisenbahnen hin- und hergeschoben werden mußten, ist jedermann klar: damit ist nicht gesagt, daß auch die Feldherren so häufig ihre Standorte und Ausgaben wechseln müßten. Jeder steht ans seinem Posten mit genau umschriebenen Obliegenheiten, in denen Erfahrungen gesammelt werden, die oft nur ein und derselbe .General wird nutzbar machen können. So war.Hindenburg
der „Russenspezialist", mit der Taktik des Feindes im Osten aufs innigste vertraut, und daß die deutsche Wacht in diesen Grenzgebieten die größte Aufnierksamkeit und große militärische Begabung erforderte, das ist in den letzten Wochen, seit der Offensive des reorganisierten russischen Heeres, überzeugend hervorgetreten. Es galt mit möglichst wenig Truppen den Feind aufzuhalten und zu werfen, und diese Aufgabe hat Hindenburg immer mit glänzender Sicherheit erfüllt. Nun soll er seine Russenerfahrungen auch weiter im <Lüden in Anwendung bringen. Dort steht die Lage so, daß auch ein Laienauge erkennen muß, wie ganz besondere strate- gische Führertalente vonnöten sind, um, ähnlich wie früher aus den nordöstlichen Schauplätzen, die Fronten zugunsten der Zentralmächte wiederhcrzustellen. Hindenburg und Ludendorfs sind dafür zweifellos die besten Männer, und daß dies auch bei unseren Bundesgenossen neidlos anerkannt wird, freut uns alle von ganzem Herzen.
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Dw „Norddeutsche Allgemeine Zeitwng" schreibt über den neuesten wichtigen Fortschritt der Deutschen vor Verdun:
iWähreind der gestrige amtlich deutsche Heeresbericht die günstige Lage der Deutschen vor allem an der Somme hervor- hob und die Aussichtslosigkeit der dortigen feindlichen Angriffe, che besonders von den Engländern ganz außerordentlich große blutige Opfer fordern, ohne auch nur an irgend einer Stelle die deut- ichen Linien zu erschüttern, verzeichnet der heutige Bericht einen wichtigen Fortschritt der deutschen Offensive vor Verdun und zwar SJJ Zwei ^Stellen zugleich, sowohl westlich und nordwestlich des Werkes -phiaumont, als auch am östlichen Wege von Vaux und ^ouville, wo es gelang, die Bergnase nordöstlich der Feste Sou- ville zu gewinnen und den Feind im Bergw-alde, sowie im Lausse- wäldchen wesentlich zurückzudrängen. Letzterer Erfolg ist von unrso O.^ößerer Bedeutung, als durch die Erstürmung der dortigen sran- zös/ischen Stellungen zugleich die so alißerordentlich wichtige Tavannesschlucht von den Deutschen beherrscht wird. Alle Versuche der »Franzosen zur Wieder ge: ünnung der verlorenen Stellungen im Bergwalde waren erfolglos. Die äußerst heftigen Angriffe wurden sämtlich blutig abgewiesen. Sie beweisen indeß, welche große taktische Bedeutung auch die Franzosen dein Besitz dieses wichtigen Gelandeabschnittes beimessen. Durch diesen neuen, schönen Erfolg der tapferen deutschen Triippen ist die deutsche Offensive vor Verdun emen erheblichen Schritt vorangekommen. Zugleich beweist derEr- cu? r- r deutschen, daß, die nun schon über fünf Wochen anhaltende Osfenffve der Engländer und Franzosen an der Somme nicht einmal erne Entlastung der- schwer leidenden französischen Truppen bei Verdun bisher hat erreichen können.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien. 2. August. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wii verlautbart.- 2. August 1916.
Russischer Kriegsschauplatz.
Keine Aenderung in der Lage. In Ostgalizie brachen sudmeMich von Buezaez, bei Wisniowezpk und ii 0uönt, südwestlich und westlich von Brody mehrere zum Te starke russische Angriffe zusammen. Ebenso scheiterten al Anstrengungen des Gegners, zwisch'-n der obersten Turr und der von Rowno nach K -wtt ftrhrenden Bahn, die Fror der Verbündeten zu durchbrechen, an der Abwehr der dm kamlstendcn dentsch-n und österreichisch-ungarischen Truppe, Gleiches Schicksal hatten schließlich mehrere starke Vorstöf des Gegners im Swchod-Knie bei Kuszowka.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
In den Dolomiten wurde östlich des Sticf-Sattels dk Angriff van zwei italienischen Kompagnien abgewiesen.
S üd ö st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Begebenheiten.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschallentnant.
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Ereignisse zur See.
Am 1 August um 7 Uhr früh brach ein Geschwader vo 14 1 1 a l i ie n i f chcn Größt am Pfflugzeugen übe Pirnao nach Istrien ein. Linienschiffsleutnant Banfield stie ln Tnest Mit eurem Seeflugzeug auf, verfolgte das feint liche Geschwader über ganz Istrien, erreichte dessen Gros - ftebcn Eaprom — über Fiume in 2709 Meter Höhe un schon em Großkampftlugzeug ab. Führer tot. beide Oberste genügen. Banfield und sein Flugzeug blieben unversehr,
Flottenkommando.
Hindenburg kommandiert auch im Südosten!
. Berlin. 2. Aug. (WTB. Amtlich.) Während der Ai Wesenheit des K a l s e r s an der O st f r o n t hat in Ueberei, stlmmnng Mlt dem Kaiser von Oesterreich eine Neu re gl lung der^BefehlsVerhältnisse dort stattgefundc u oer durch lue allgemeine russische Offensive geschaffenk Lage Rechnung trägt. Unter Generalfeldmarschall v Hin d e n b u r g werden mehrere Heeresgruppen der Verbündet, zu cmheltlicher Verwendung der bejdcn Obersten Heere. Leitungen zusammengefaßt.
Wien, 2. Aug. lWTB. Nichtamtlich.) Die Zusammenfassung mehrerer Heeresgruppen der Verbündeten unter Generalfeldmarschall von Hindenburg wird hier amtlich in demselben Wortlaut gemeldet, wie von deutscher Seilte.
Die Kämpfe im Westen.
London, 2. Aug. (WTB.) Dem „Daily Telegraph" wird aus dem Felde berichtet, daß seit zwei Tagen glühend heißer Sonnenschein herrsche. Es sei nicht das r i ch t i g e K a m p f w e t t e r , weder für die Artillerie noch die Mannschaften, lieber der Landschaft hänge Nebel, der so dicht wie ein Novembernebel sei. Die Luft zittere in der Hitze. Die Artitleriebeobachtung werde dadurch ungenau, wenn auf großen Abstand geschossen werden solle.
Die englische Munitionssabrikation.
London, 2. August. (WTB.) Der Munitionsministek kündigt an, daß 124 neu hinzugekommene Mnnitions- Werkstätten unter Staatsaufsicht gestellt wurden. Die Gesamtsumme der unter Aufsicht des Munitionsministeriums stehenden Werkstätten beträgt jetzt 4052.
Ein französisches Luftschiff gestrandet-
Berlin, 3. Aug. Der „Vossischen Zeitung" wird aus Gens gemeldet, daß das französische Luftschiff „d'A r l a u d e" auf der Rückkehr von der Front bei Fon- tenay—Saint Paire gestrandet ist.
Ein Zerwürfnis des russischen Ministerpräsidenten mit dem englischen Botschafter?
Berlin, 3. Aug. Nach einem Telegramm des „Bert. Lokalauz." aus Stockholm ist es zwischen dem russischen Ministerpräsidenten Stürmer und dem englischen Botschafter in Petersburg, Sir Buchanan, zu einem skandalösen Streit gekommen. Buchanan begann sofort nach Sasonows Abjgautg in nrinisteriellen Kreisen imt> in liberalen Organisationen gegen Stürmer zu wühlen. Er sprach öfftntlich die Ueberzeugung aus, der Ministerwechsel bedeute ent starkes Ab rück en Rußlands vom Vierverband. Als Stürmer aus dem Hauptquartier zurückkehrte, fuhr Buchaucrn ostentativ zu Sasouow nach Finnland. Es verlautet, der russische Botschafter in London sei beauftragt, die Erklärung abzugeben, Buchmtau sei der russischen Regierung nicht mehr genehm. — Me Petersburger Blätter veröffentlichen eine amtliche Widerrufung früherer Zeitungsmeldungen, daß Stürmer mit dem französischen und englischen Gesandten Besuche gewechselt habe.
Aus Griechenland.
Amsterdam, 2. Aug. (WTB.) Die „Times" meldet aus Athen, die griechische Regierung habe beschlossen, die ganze griechische Jnsanteriegarnisou von Saloniki auszuheben und nach Thessalien zu verlegen.
Englands Uebergriffe gegenüber den Nordstaaten.
Kopenhagen, 2. Aua. (WTB.) „Natron altidende" meldet aus Stockholm: Auf Verlangen Englands haben die isländischen Behörden den schwedischen Fischdampfern nach vollendetem Heringsfang die Abreise nach Schweden verboten und gefordert, die Dampfer sollten vorher den Fang den Engländern zum Preise von 45 Oere für das .Kilogramm zur Verfügung stellen. Der Fang ist ' jedoch bereits an die schwedische Regierung für den Jn- landsverbrauch verkauft. Die schwedischen Fischhändler haben daher eine Klage an die schuiedische Regierung gerichtet, die bei der dänischen und der englischen Regierung Schritte getan hat, irm die Freigabe der Dampfer zu verlangen.
Kriftianta, 2. 'Aug. MTB.) „Aftenposten" teilt mit E n <TTa n b habe jetzt ülle Ein fu Xjx von Fcttwaren, Kotonml- waren. Getretöe und Mehl nach Norwegen gesperrt Dampfer feiert inu großen Mchlmcngen angenommen, deren Auflieferung von England verboten svurdc. Unter diesen Umständen habe die Regierung eingrcifen müssen. Es würden zurzeit Unterhandlungen zwischen Norwegen und der englischen Reaicrnng ge- führt: in einigen Punkten sei eine Einigkeit noch nccht erzielt worden. Es sei nicht möglich, sicheres darüber zu erfahren in was die Unstimmigkeiten bestehen ivürden. Es sei nicht umvabr- scheinltch, daß England seine tatsächliche Machtstellung über die norwegische Einfuhr dnzu benutzen wolle, Norwegen Bedingungen für die dlustuhr eigener Erzeugnisse, rvie Heringe, vorznschreiben Ter Minister des Aeußern batte eine Besprechung mit dem Vorsitzenden des Vereins der Mehlgroßhändler, der rvahrsclieinlich nach Loirdon reifen werde, sobald das Ergebnis der Regierungs- Verhandlungen vorlicgc.
Die Rückfahrt der „Deutschland".
Baltimore, 1) Mq. (WTB.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Die „Deutschland" hat heute nachmittag ihre Rückreise angetreten. (In entern Teil der Auflage wiederholt.)
Bremen, 2. Aug. 1916. (WTB.) Bösmanns Telegraphisch^ Bureau ineldet : Der Führer de? Handels-Tauchbootes „Deutsch, la nd", Kapitän Paul König, berichtet derDeutschen Ozegnreede- rer, G. m. b. H., Brenten, aus Baltimore mit Datunr vom 13 Rulr brteslich: „Ich teile hierdurch mü, daß unsere Ausreise ohne


